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Nr. 207
Gießen, Samabend, den 4. September
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Hessüsche Landes;
Ausgabe
Gießen.
kilung
Posiztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion:
Kreuzplatz Nr. 4. 2
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen t 10
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 3. Sept. Man schreibt uns: Die Eisenbahn⸗Direktion Frankfurt a. M. hat das Projekt einer Unterführung der Eisenbahn zur Herstellung einer Verbindung zwischen unserem Personenbahnhof und dem späte⸗ steus im Oktober zu eröffnenden neuen Güter⸗ bahnhof abgelehnt. Diese Meldung machten Sie bereits vor einigen Tagen unter Mitteilungen aus den Verhandlungen der großh. Handels—
kammer. Weiter erfahre ich, daß unsere Handels—
kammer gleichzeitig mit dem Antrage wegen Herstellung dieses Verkehrsweges für Personen amegte, unsere Bahnsteige unterirdisch für den Passagterverkehr zugänglich zu machen. Eine Anregung, die sehr zeitgemäß ist,
wenn man bedenkt, in welcher Lebensgefahr bei dem regen Verkehr auf unserem Bahnhof Hun⸗ derte von Menschen täglich schweben, die beim
Ankommen und Abreisen mit der Eisenbahn die Schienen passieren müssen, um von dem zweiten oder nach dem zweiten Gleise zu gelangen. Und
halb die Eisen⸗ bahnbehörde auch diese Einrichtung, zum Schutze Sie erklärt
einfach, daß diese Unterführung für das zweite
Gleise auf dem Güterbahnhof Gießen z. Zt. noch nicht nötig
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Will man erst abwarten, bis Jeder Mensch, der
sei. ein Unglück passiert ist?
unsere unglückliche Bahnhofsanlage kennt, die
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und Süd⸗Osten unserer Stadt,
keinesfalls dem heutigen Verkehr entspricht, wird
anders über diesen Punkt denken als die Eisen⸗
bahn⸗Direktion, und wir wollen nicht wünschen,
daß diese die Quittung einmal dafür erhält, wie ganz unangebracht in diesem Punkte ihre Ansicht
It. Doch kommen wir zu dem abgelehnten Ver⸗
bindungsweg zwischen Personenbahnhof und
Guüterschuppen resp. Güterbahnhof zurück. Vor⸗
gusschicken wollen wir, daß die Eisenbahn welfellos verpflichtet ist, bei Neuanlage von etrlebseinrichtungen dem Verkehr, selbst wenn derselbe nur lokaler Natur ist, zu berücksichtigen und für die Erleichterung der Kommunikatton Sorge zu treffen. Dem ganzen großen Süden welcher eine Seelenzahl von mindestens 6000 einschließt, würde die geforderte Unterführung eine Ab⸗ kürzung des Weges nach dem Güterbahnhof von Mindestens 10 bis 12 Minuten bedeuten, selbst wenn man den von der Stadt beabsichtigten, stets wasserfrei herzustellenden Durchgang am Felsenkeller berücksichtigen würde. Dazu kommt
aber, daß jenseits des Bahnkörpers am neuen
Hüterbahnhof auch die neuen städtischen Lager— et zu liegen kommen und daß außerdem der enseits der Eisenbahn mit dem Endpunkt an ber Margarethenhütte anzulegenden Bieberthal⸗ bahn durch Anlage des geforderten Tunnels für Personen ebenfalls ein Zugangsweg vom Haupt⸗ bahnhof aus direkt geschaffen wird. Im Interesse der Reisenden, welche am Main⸗Weser⸗Bahnhof ankommen und abfahren, liegt es, wenn dieselben die Bahn nach der Bieber benutzen wollen, hier un dem geforderten Punkte die nächste Verbin⸗ dung— sozusagen zwischen der Haupt- und Nebenbahn— zu finden. Es sieht jedermann ein, daß es mannigfache Interessen sind, die durch die Anlage der Unterführung gefördert werden könnten. Wir sind überzeugt, daß die Handelskammer all diese schwerwiegenden Gründe,
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fg. für die spaltige Petltzeile.
Expedition! Kreuzplatz Nr. 4.
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der Eisenbahnbehörde vorgeführt hat, um der⸗ selben deren Wichtigkeit int Interesse der All⸗ gemeinheit vor Augen zu führen. Aber die Eisenbahnbehörde lehnt das Projekt ab, und zwar aus folgenden Gründen. Weil eine Verbindung zwischen dem Empfangsgebäude und dem Güter— bahnhof nicht für erforderlich gehalten wird, da beide Anlagen, soweit der Verkehr mit dem Publikum in Betracht kommt, nichts mit einander gemein haben, da sowohl der Per- sonen- wie der Güterverkehr in Gießen unter der Leitung besonderer Beamten stehen. Für den Verkehr aus der Stadt sei durch die neue Unterführung an der Westanlage gesorgt. Es sei auch der Direktion kein ähnlicher Fall be— kannt, bei dem eine gleiche Anforderung an die Eisenbahn gestellt sei und erfüllt worden wäre, und weil im übrigen die Kosten einer solchen Anlage zu hoch seien. Hiernach scheint also der Süden und Süd-⸗Osten unserer Stadt für die Eisenbahn⸗Direktion Frankfurt nicht zu existieren. Ein Stadtteil, der, wenn man die guten Aus- sichten für die Bebauung des Seltersberges be⸗ denkt, rapide im Steigen begriffen ist. Jene Einwohner sollen also verurteilt werden, einen Umweg zu machen, wenn sie bei der Güter— abfertigung zu thun haben. Wenn der Direktion kein ähnlicher Fall wie der vorliegende bekannt ist, so ist uns auch kein ähnlicher Fall bekannt, wie in Gießen, wo sämtliche Bahnanlagen der Entwickelung der Stadt hinderlich plaziert sind. Dieses sollte man doch bedenken und unserer Stadt unter diesen Umständen auch von der kgl. Eisenbahnbehörde mehr Entgegenkommen zeigen. Die sonst noch vorliegenden Gründe, welche für die Anlage sprechen, gehen ja allerdings die Eisenbahnbehörde nichts an, darum ist dieselbe gewiß nicht auf deren Widerlegung eingegangen. Der Grund, daß man der Sache nicht näher treten könne, weil sie Geld koste, ist nicht stich— haltig. Wir sind der Ansicht, daß trotz des Mißerfolges die Handelskammer und die städtische Behörde energisch weitere Schritte thun, um den unbedingt notwendigen Verkehrsweg zu erreichen; derselbe ist für die Entwickelung unserer Stadt so wichtig, daß man sich die Mühe nicht ver⸗ drießen lassen darf, einen zweiten Versuch zu machen.
„Gießen, 3. Sept. Omnibus verbin- dung zum Manöver⸗Sonderzug. Zu dem Samstag früh 6.09 Uhr nach der Kaiser⸗ parade abgehenden Sonderzug wird die Omnibusgesellschaft auf den beiden Linien Grünbergerstraße-Bahnhof und Marburgerstraße⸗ Bahnhof je zwei Extra⸗Wagen fahren lassen, und zwar 5.40 und 5.45 Uhr ab End— station. Der Fahrpreis beträgt 20 Pfg.
* Gießen, 3. Sept.(Kaufmän nischer Verekn.) Da nunmehr durch Erbauung eines Vereinshauses die Schulsäle den Anforderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet sind, so kann man jetzt dem kaufmännischen Unterrichtswesen noch mehr als seither Aufmerksamkeit zuwenden. Die Schulkommission der kaufmännischen Fach⸗ schule hat deshalb beschlossen, auch für die Aus- bildung des weiblichen Hilfspersonals im Handelsgewerbe Sorge zu tragen und gedenkt mit Beginn des Wintersemesters einen Unter- richtskursus in Buchführung, Schönschreiben, Rechnen und Korrespondenz für weibliche Personen mit Tagesunterricht einzurichten, woran bei mäßigem Honorar alle Damen, welche
welche für die gewünschte Wegeanlage sprechen, ——— 8
Eine reiche Partie.
Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Abermals blickte er sich nach Hellmuth um, und als nun Frau Puhlmann zu ihrer Tochter Herantrat, war es ihm eine willkommene Gelegen⸗ belt, sich zu empfehlen. Er konnte es garnicht ab⸗ warten, die Entscheit ung von Hellmuth zu er— fahren.—
Der junge Offizier hatte mit seinem Schwieger: water zunächst harmlose Dinge gesprochen, war ihm etwas um den Bart gegangen, indem er die Ver⸗ Anstaltung des Festes für musterhaft erklärte und was frische Aussehen Puhlmanns bewunderte.
Puhlmann, der in schwarzem Gehrock erschienen war, hielt heute die Hände nicht in den Hosen⸗ laschen, da er als Brautvater die Verpflichtung zu fühlen schlen, stets in Handschuhen zu sein. Gleich nach dem Essen hatte er sie wieder angezogen. Lr schmunzelte über die Lobsprüche seinet Schwfegersohnes.„Na, Ihnen jeht't ooch woll nich schlecht heut?“ meinte er mit lachendem Munde. „Ole einzigste Dochter von Karln Puhlmann hätt'
ooch nich jeder jekriegt! Wat meenen Se, wat se
sich schon de Finger danach jeleckt haben!“
„Das glaub' ich, lieber Schwiegervater.“
Hellmuth schob seinen Arm unter den Puhl— manu und ging mit ihm dem Saale zu. An der einen Seite stimmten die Musikanten ihre Instru mente. Sonst war der Saal leer. Hier war ein günstiger Ort, um ein paar Worte mit dem Alten ungestört zu sprechen. Hellmuth gab also seinem Herzen einen Stoß und sagte, plötzlich mit Herrn Puhlmann stehen bleibend: 2
„Uebrigens, lieber Schwiegervater, Sie werden mir heut' an diesem Freudentage gewiß einen Ge fallen nicht abschlagen.“. 8
„J wo werd' ick! Immer raus mit de Sprache! Brauchen Se wat? Wieville denn?“ f
„Nein, wir persönlich brauchen jetzt nichts. Sie haben Röschen schon den vierteljährlichen Zuschuß
gegeben, und damit richten wir uns ein.“
„Dat wollt' ick boch meinen. Un is et nich ville besser als'ne Mitgift? Alle viertel Jahr kömmt der Briefträger un bringt et in't Haus. Wer hat et denn so? Un aus de Hand will ick nischt jeben.“
„Wie gesagt, davon red' ich auch nicht, lieber
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in kaufmännischen oder gewerblichen Geschäften, sei es im Eltern- oder Fremdenhause, thätig sind oder dies noch vorhaben, teilnehmen können. Um nun etwas Anregung und Aufklärung in dieser Angelegenheit zu schaffen, hat sich Frau Anna Edinger aus Frankfurt, Vorsteherin des dortigen kaufmännischen Vereins weiblicher Angestellten und deren Unterrichtskurse, bereit erklärt, nächsten Sonntag, den 5. Sept., nachmittags 4 Uhr, im
Vortrag abzuhalten, wozu alle sich dafür interessierende Damen und Herren freien Zu— tritt haben.
* Gießen, 3. Sept. Der 22 jährige Tag⸗ löhner Wilhelm Thielmann von hier stand heute, wegen Körperverletzung und Be⸗ drohung angeklagt, vor dem Schöffengericht. In der Nacht vom 2. auf 3. Mai d. J. über⸗ flel der Angeklagte in Gemeinschaft mit seinem Bruder, dem Dragoner Adolf Thielmann, den Taglöhner Sann und dessen Schwiegervater von hier und mißhandelten denselben mittelst eines Säbels, sodaß Ersterer auf der Stelle liegen blieb. Sodann verfolgten sie den Anderen, welcher seinen Schwiegervater im Stiche gelassen und Reißaus genommen hatte, und bedrohten denselben mit Totschlagen. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen.
* Gießen, 3. Sept. Die erste elektrische Beleuchtung mittels transportablem Akku⸗ mulators ist für Gießen von dem Elektrotechniker Max Weißbäcker in dem neu erbauten Aus— stellungs-Kiosk des Photographen Uhl an der Frankfurterstraße angebracht worden. Die dort angebrachten 6 zehnkerzigen Lampen brennen mittels der im Akkumulator aufgespeicherten elektrischen Kraft sechs volle Stunden, dann allerdings muß diese durch Auswechselung er— neuert werden.
* Darmstadt, 2. Sept. Die Hauptversammlung des Verbandes deut— scher Krankenpfleger-Austalten vom Roten Kreuz wird am 1. Oktober d. J. in Darmstadt stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen eine Anzahl besonders wichtiger Fragen, darunter auch die des Schutzes der Kranken— pflegerinnen vor Ansteckungsgefahr.
* Offenbach, 2. Sept. Eidlich auf ihren Dienst verpflichtet wurden sämtliche Bureau— beamten der ehemaligen Hessischen Ludwigs— Eisenbahn, die von der königlich preußischen und großherzoglich hessischen Staatseisenbahn über— nommen worden sind. Die Verpflichtung der
diesjährige
Beamten preußischer Nationalität wurde durch einen preußischen Regierungsrat und die Verpflichtung der Beamten hessischer Nationalität durch einen hessischen Regierungsrat vollzogen.
* Mainz, 2. Sept. Beihilfe für die Wasserbeschädigten in Deutschland.
Wie der Oberbürgermeister in der Stadtverord— netenversammlung ausführte, ist vom Jahr 1886 noch ein Fonds vorhanden, der damals für etwaige Ueberschwemmungen von der Stadt bei der Sparkasse angelegt wurde und der im Lauf der Jahre auf 59 000 Mark angewachsen ist. Diesem Fonds sollen jetzt für die Wasserbeschä— digten in Deutschland 10 000 4 entnommen werden. Die Summe wurde einstimmig bewilligt. * Mainz, 2. Sept. Oberbürgermeister Dr.
Veretnshause des hiesigen Kaufmännischen Vereins einen
Gaßner hat bekanntlich bei den Stadtverordneten den Antrag gestellt, sich in der Wasserver⸗ sorgungsfrage der Stadt Mainz für die Anlage eines Wasserwerks im Rüsselsheimer Wald auszusprechen und alle anderen Projekte abzulehnen. Speziell in Betreff des Jungenfelder Au⸗Projekts erklärte der Oberbürge een daß das dortige Wasser nichts weniger als filtriertes Rheinwasser sei, während in Rüsselsheim gutes Grundwasser vorhanden sei. Jetzt hat Privat⸗ dozent Dr. Kruse ein Schreiben hierher gerichtet, worin er seine früher über das Jungenfelder Au⸗Projekt ausgesprochenen Anschauungen in hygienischer Hinsicht über das dortige Wasser aufrecht erhält. Das Schreiben geht nun an den Ortsgesundheitsrat, da die Frage der Wasser— versorgung so rasch als möglich erledigt wer— den soll.
Worms, 2. Sept. In dem benachbarten Viernheim wurde dieser Tage ein Arbeiter tot auf der Straße aufgefunden. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß fünf Arbeiter in einer Wirtschaft miteinander in Streit geraten waren. Einer von ihnen, Namens Bauer, wurde von den anderen bis in die Wohnung eines gewissen Schneider verfolgt. Hier kroch Bauer unter das Bett, wurde aber hervorgeholt und auf die Straße geschleift, woselbst man so lange auf ihn losschlug, bis er tot war. Die Thäter sind verhaftet.
* Bingen, 2. Sept. In einem Steinbruch auf der östlichen Seite des Rochusberges explo⸗ dierte heute Abend um 6 Uhr ein Pulver- karren. Ein 17 jähriger Arbeiter aus Weiler wurde schwer, ein zweiter Arbeiter aus Binger⸗ brück leicht verletzt. Beide Verunglückten fanden im hiesigen Hospital Aufnahme.
Neuefte Telegramme. Hd. Wiesbaden, 3. Sept. Der Eisen⸗ bahnminister Thielen traf gestern Abend
hier ein und konferierte heute Vormittag längere Zeit mit dem Finanzminkster Miquel. Der Eisenbahnminister wird heute
Mittag 12 Uhr 38 Min. von hier abreisen und sich zunächst nach Frankfurt a. M. begeben.
Hd. Hamburg, 3. September. Eine große öffentliche Seemanus-Versammlung pro⸗ testierte gegen die Vorschläge der zur Revi⸗ sion der Seemannsordnung eingesetzten technischen Kommission betreffend die Beköstigung und das Logiswesen der Seeleute. Es wird eine reichsgesetzliche Regelung dieser Materie verlangt.
Hd. Paris, 3. September. Eine französische Prinzessin stellte der Oberin der Schwesternschule in Athen eine bedeutende Geldsumme zur Ver⸗ fuͤgung, zur Errichtung einer Anstalt auf der Sank⸗ tortonen-Insel für die Künder der im echrlech isch⸗ türkischen Kriege gefallenen Offtztere.
Hd. Mailand, 3. September. Graf Bonasi und fünf andere hochange⸗ sehene Bürger von Modena, Liese⸗ ranten der dortigen Militärschule, wurden wegen großer Unterschla⸗ gungen und Bestechungen ver ⸗ haftet.
Hd. London, 3. Sept. Das Ende des Mechanikerstreiks ist infolge des hart⸗ näckligen Verhaltens der Arbeiter wie der Arbeitgeber noch nicht abzusehen.
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Aber ich habe einige Schulden
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Schwiegervater. von meiner Junggesellenzeit her
Plötzlich fing Puhlmann heftig an zu lachen, indem er die Augen zukniff und, sich etwas in die Kutee niederbeugend, mehrmals mit den Fäusten auf die Oberschenkel klopfte.
Erstaunt betrachtete Hellmuth ihn. Gewiß, er hatte eins über den Durst getrunken! Nun, jeden falls konnte es nicht schaden, wenn er die Sache von der heiteren Seite nahm.
Endlich beruhigte Puhlmann sich. Die Thränen aus den Augen wischend und eine Hand auf Hell— muths Schulter legend, sagte er jovial:„J wo wird er nich! Wo wird er keene Schulden haben! gibt et denn'n Leutnant ohne Schulden? Un umsonst hat er sich den reichen Puhlmann ja ooch nich ausjesucht! Na, dadrum machen Se sich man keen Kopfzerbrechen, Schwiegersohn! Reisen Se mit Jott un machen Se meine Dochter jlücklichl Wieville is't denn?“
„Es— ist'ne ganze Menge, lieber Schwieger vater. Seh'n Sie, mein Vater kann jetzt nicht bei den schlechten Zeiten,— es sind doch immerhin fünfundsechzigtausend Mark—“
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Puhlmann, plötzlich erust geworden, pfiff vor sich hin.
Hellmuth mußte ein Uebriges thun. Er er⸗ faßte den Alten bei beiden Armen, schllttelte ihn ein wenig und sagte:„Mut, Schwiegervater, immer Mut! Es wird schon gehen! Das ist für Sie ja'n Trinkgeld!“
„Nee, nee!“ machte Puhlmann und zog die Nase kraus.„Aber et is ja meine Einzigste! Weeß sie et?“
„Nein, sagen Sie ihr auch lieber nichts.“
„Recht so. Dat bliwt unter uns Männern.“
Und sie drückten sich die Hand und schritten selbander, wie sie gekommen waren, zur Gesellschaft zurück.
Gleich zu Anfang stießen sie auf Warnshagen, der gerade in den Saal treten wollte.
„Ah!“ machte er und hälte am liebsten Hell— muth sofort bei Seite gezogen. Doch nun setzte die Musik ein, und der junge Offizier ellte auf seine Frau zu, um den Tanz mit ihr zu eröffnen. Andere Paare folgten.
Warushagen beobachtete Hellmuths Miene. Sle war so befriedigt, so heiter, daß man das beste hoffen durfte.(FJortsetung folgt.)


