Ausgabe 
4.8.1897
 
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Gießen, Mittwoch, den 4. Angust

1897.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

s Posiztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

1

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 3. August. Ernannt wurden: Pfarrassistent Axt zu Ober⸗Ramstadt, Dekanat Eberstadt, zum Pfarrvikar daselbst; Pfarramts⸗ kandidat Breunlin zu Darmstadt zum Pfarr⸗ berwalter in Wolf, Dekanat Büdingen; Pfarr⸗ berwalter Stotz zu Beuern zum Pfarrverwalter in Groß⸗Umstadt, Dekanat Groß⸗Umstadt. Pfarramtskandidat Schultheis zu Schwal⸗ heim wurde während der Abwesenheit des Pfarrers mit der Aushilfe in Langen, Dekanat Offenbach,

beauftragt. Gießen, 3. August. Notariat oder Ortsgericht. Die Einführung des Bürger⸗

lichen Gesetzbuches bedingt die einheitliche Rege⸗ lung der Ortsgerichte oder Notariate. Während in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen noch die Ortsgerichte bestehen, werden die Funktionen in R heinhessen von den Notariaten ausgeübt. In den drei Provinzen werden nun größere Petitionen an die Regierung vorbe⸗ leitet, welche sich einheitlich gegen die Notariate und für die Ortsgerichte aussprechen und zwar des Kostenpunktes wegen. Abgesehen von dem Kosten⸗ hunkt haben die Einrichtung der Ortsgerichte nsofern den Vorzug vor den Notariaten, als sie bequemer sind und die Geschäfte rascher erledigt werden. Währeud an jedem Ort ein Ortsgericht hesteht, find den Notariaten mitunter 1415 Orte unterstellt. Die Petitionen für Aufhebung

ge Notariate werden demnächst in Umlauf gesetzt. Gießen, 3. August. 131 Eheschei⸗

dungs⸗Prozesse wurden im Großherzogtum Hessen im Laufe des Jahres 1896 geführt. Da⸗ hon wurden zwei Ehen wegen Ungültigkeit auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft getrennt. Aus anderen Gründen wurden 121 Chen gelöst und in acht Fällen auf Wiederherstellung des ehelichen Lebens erkannt.

Gießen, 3. Aug. Bei Postsendungen an Soldaten, die an den bereits stattfinden⸗ den kleineren und der bevorstehenden großen Herbstmanöver teilnehmen, sei darauf aufmerk⸗ sam gemacht, daß auf eine sichere, Beförderung der an die Mannschaften der manöverierenden Truppen gerichteten Postsen⸗ dungen nur dann zu rechnen ist, wenn dieselben genaue und deutliche

Angabe des Namens und des

Regiment, Bataillon, Kompagnie, sst, die Angabe des Garnisonorts des

pfängers.

die Zuführungen der Sendung an ohne Zeitverlust zu bewirken. muß demnach im Wesentlichen

lassen hat. Die Angabe imManöver

unverzögerte

Aufschriften tragen. Zur genauen Aufschrift gehört außer Dieustgrades des Empfängers die Bezeichnung des Truppenteils, Schwadron, Batterie, Kolonne ꝛc. und was besonders wichtig fei 1 Em⸗ sein Vermögen Nur wenn der letztere auf den Sen⸗ dungen verzeichnet ist, vermögen die Postanstalten den Empfänger Die Adressierung so erfolgen, als ob der Empfänger die Garnison gar nicht 155 0

Marschquartiers als Be⸗

Erscheint täglich mit Ausnahme der

stimmungsort ist zu vermeiden. Sendungen aus dem Garnisonort sind gleichfalls mit Garnison ort zu bezeichnen.

i. Gießen, 3. Aug. Am Samstag Abend hatte der letzte von Fulda kommende Per⸗ sonenzug, welcher um 10 Uhr hier eintreffen sollte, wiederum eine Stunde Verspä⸗ tung. Diesmal ist die Betriebsstörung, welche auf der preußisch⸗oberhessischen Bahn in letzter Zeit nichts Neues ist, dadurch verursacht worden, daß auf der Station Zell⸗-Romrod infolge zu früher Weichenstellung der Pack wagen entgleiste.

* Gießen, 3. Aug. Heute, Mittwoch, feiern Herr Maurermeister Langsdorf und Gemahlin das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Beste Glückwünsche.

v. Gießen, 3. August. Die Witwe des Glockengießer Otto verkaufte ihr Neustadt Nr. 2(in den alten Ställen) belegenes Häus⸗ chen für den Preis von 5000 4 an den Bau⸗ unternehmer Winn. Durch diesen Erwerb ist es dem Letzteren möglich, durch die schon früher von ihm erworbene Löbersche Besitzung eine Straße anzulegen, welche sozusagen die Fortsetzung der Bahnhofstraße bilden wird und welche eventuell bis zur Nordan lage durchgelegt werden kann.

m. Grünberg, 1. Aug. Laut Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Pfarrei Grünberg betrug im 2. Quartal in unserem Ort die Zahl der Geburten 14, davon 7 männliche und 7 weibliche; Eheschließungen wurden 3 vollzogen. Die Zahl der Gestorbenen be⸗ Nahr 11 Personen, davon im Alter von 13 Jahren 3, von 6090 Jahren 7 und unter 50 Jahren 1.

K. Wieseck, 1. Aug. Der Bienenzüchter⸗ verein für Gießen und Umgegend hat für Ende d. M.(28. 01 eine Versammlung bei Gastwirt Daniel Erb dahier anberaumt. In Anbetracht der bevorstehenden Wanderver sammlung dürfte eine zahlreiche Beteiligung im Interesse der Imker liegen.

* Mainz, 1. August. Am Freitag Abend kam auf dem Bahnhof in Kastel ein el fjäh⸗ riger Knabe aus Porte Alegro in Bra⸗ silien an, der die 28tägige Seereise bis Ham⸗ burg und die Fahrt von dort hierher ganz allein und nur auf die Freundlichkeit seiner Mitreisen⸗ den angewiesen, ausgeführt hatte. Dem armen Kinde, das vor etwa acht Jahren mit seinen vermögenden Eltern und drei Geschwistern von Camberg ausgewandert war, hatte der Tod im fernen Lande alle Angehörigen entrissen und auch war auf ein Minimum zusammen⸗ geschmolzen, sodaß es Arbeit in einer großen Spinnerei suchen mußte und auch fand. Ein Bruder seiner Mutter, der hier auf der Kaiser⸗ straße als wohlsituierter Kaufmann lebt, hatte, nachdem er den Tod seiner Schwester erfahren, mit Hilfe des Herrn Pfarrers Heyder an der hiesigen Peterskirche und des Auswärtigen Amtes

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für bie Sspaltige Petitzelle

reklamiert. In Porte Alegro hatte ihm der St. Raphael⸗Verein zum Schutze deutscher Aus- wanderer und in Hamburg deren Vertrauens- mann Herr Theodor Meynberg eine Karte auf der Brust befestigt mit folgender Bitte:Dieser Knabe spricht nicht deutsch und will nach Mainz zum Herrn Pfarrer Heyder. Jeder Menschen⸗ freund ist gebeten um gütige Mithilfe. Der Kleine ist körperlich gut entwickelt und intelligent, besitzt jedoch gar keine Schulkenntnisse, da er nie eine Schule besucht hat. Er kommt zu einem kinderlosen Onkel nach Camberg.

* Mainz, 2. Aug. Eine aufregende Szene ereignete sich in einer der letzten Nächte auf der Kaiserstraße. Ein Herr hörte in der Ferne die bittende Stimme eines weinenden Kindes und fand bei Näherkommen ein kleines Mädchen, das sich an einen forteilenden Mann anklammerte. Das Kind teilte mit, daß der Mann, der Vater des Kindes, die Absicht habe, sich in den Rhein zu stürzen. Mit Hilfe eines dazu gekommenen Herrn gelang es, teils mit Gewalt, teils mit Bitten, den Mann zu seiner Familie zurückzubringen. Hier wurde ihnen mitgeteilt, daß der Mann plötzlich von Verfolgungswahn befallen worden und fortgeeilt sei, um seinem Leben im Rhein ein Ende zu machen.

* Mainz, 2. Aug. Nach einem zwischen der Bürgermeisterei und der Oberpostdirektion Darmstadt abgeschlossenen Vertrag werden sämt⸗ liche städtische Gebäude und Geschäfts⸗ räume in dem Gebiete der gesamten Verwaltung telephonisch mit einander verbunden. Die Stadt Mainz bezahlt dafür 2500. per Jahr. * Worms, 2. August. Der hiesige Brief⸗ taubenklub veranstaltete am Sonntag ein Preiswettfliegen ab Wien, 620 Kilometer Luft⸗ linie. Die Tauben stiegen in Wien bei günstiger Witterung um 5 Uhr morgens auf. Um 3 Uhr mittags traf die erste Taube wieder in ihrem heimatlichen Schlag ein; die letzte Taube kam erst am Dienstag Vormittag hier an.

* Worms, 2. August. Bei einer Milch⸗ revision, die von Seiten der Polizei vorge⸗ nommen worden war, wurden bei zwei Händlern 250 Liter Milch, die gewässert war, von der Polizei konfisziert.

H. Krofdorf, 3. August. Nach zwei Jahren entdeckt wurde vor einigen Tagen ein Dieb, der einem hiesigen Einwohner einen Pflug entwendet hatte, in der Person eines hier wohnenden Landwirts. Zur Anzeige ge⸗ bracht, will derselbe jedoch die That seinem Sohn zur Last legen.

Vermischtes.

Aus dem dunkeln Berlin. Das Zu⸗ hälterunwesen, so wird aus Berlin berichtet, zeigte sich in abschreckendster Gestalt in einer Verhandlung vor der vierten Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurden der Klempner Gu st av Otlep und die unverehelichte Martha Krätzig vor⸗ geführt. Otlep wegen Kuppelei, Bedrohung und schwerer

in Berlin, den Knaben ausfindig gemacht und

Körperverletzung, die Krätzig wegen Anstiftung zu der

edition: Kreuzplatz Nr. 4.

Körperverletzung und wegen Diebstahls. Der Schuhmacher⸗ meister H. hatte sich am Abend des 19. März von der Krätzig, die ihn auf der Straße ansprach, verleiten lassen, mit ihr zu gehen. Als H. von ihr schied, erklärte er, daß die Krätzig ihm sein Portemonnaie entwendet habe und daß er den Diebstahl zur Anzeige bringen werde. Als er die Straße betrat, um sich nachhause zu begeben, folgte ihm heimlich die Krätzig. Sie traf bald mit ihrem Bräutigam, dem Angeklagten Otlep, zusammen, dem sie von dem Vorfall und der Gefahr, die ihr von dem ahnungslos vor ihr schreitenden H. drohe, Mitteilung machte. Otlep wußte sofort, was er zu thun hatte, er folgte dem H. unbemerkt. Gleich darauf begegnete ihm der ihm bekannte Schuhmacher Berger, der einen außer⸗ ordentlich dicken und schweren Stock mit entsprechender Krücke bei sich führte. Otlep, der nur einen Schirm trug, bat Berger auf kurze Zeit um Umtausch der belden Gegen⸗ stände, und Berger, der den Zweck dieses Wunsches nicht kannte, ging auch darauf ein. Nun beschleunigte Otlep seine Schritte, und vor dem Hause, wo H. seine Woh⸗ nung hatte, holte er ihn ein. Otlep vertrat ihm den Weg mit der Frage, ob H. das Mädchen wegen des angeblichen Diebstahls anzuzeigen gedenke.Was geht es Sie an? erwiderte H. dem ihm gänzlich Unbekannten und wandte sich seiner Hausthür zu. Als er im Begriff war, die Thür zu öffnen, ertönte von der unweit stehenden Krätzig die Aufforderung:Gustav, er muß gleich eins kriegen, daß er liegen bleibt! Otlep holte mit dem dicken Stock, dem er am unteren Ende gepackt hatte, zum Schlage aus und traf H. gegen den Hinterkopf. Der Getroffene fiel lautlos zu Boden. Otlep hatte ihm den Schädel zertrümmert. Der Thäter entfernte sich und erklärte dem entsetzten Berger,daß er ihm die Knochen im Leibe zerschlagen werde, wenn er etwas von dem, was er gesehen habe, verraten werde. Berger wurde dadurch auch so eingeschüchtert, daß er Verschwiegenheilt bewahrte, hatte er doch gesehen, wie Otlep sich zu rächen wußte. H. lag etwa zwei Stunden besinnungslos vor seiner Thür, erst dann wurde er gefunden, nach der Sanitätswache und von da nach der Klinik gebracht. Professor v. Bergmann nahm eine schwere Operation an ihm vor, die Knochensplitter mußten entfernt und ein ziemlich großes Stück des Schädels mußte herausgesägt werden. Wie Medizinalrat Dr. Long vor Gericht begut⸗ achtete, ist der Verletzte um zwei Drittel in seiner Er⸗ werbsthätigkeit beschränkt und wird dauernd siech bleiben. Die Ermittelungen nach dem Thäter blieben längere Zeit ohne Erfolg, da Berger nicht zu sprechen wagte. Doch dann ging der Polizei ein anonymes Schreiben zu, worin mitgeteilt wurde, die Krätzig habe sich in angetrunkenem Zustande in einem Café gerühmt, welche Heldenthat Otlep für sie begangen hatte. Als Otlep dann eingezogen war, brach auch Berger sein Stillschweigen, wofür Otlep ihm unter unheilverkündenden Blicken und Geberden eine der⸗ einstige Abrechnung in Aussicht stellte. Vorläufig braucht der Zeuge aber nichts zu fürchten, denn Otlep wurde nach dem Antrage des Staatsanwalts Krebs zu fünf Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurteilt. Die Angeklagte Krätzig traf eine Zuchthaus⸗ strafe von zwei Jahren.

Vom alten Heim. Deralte Heim, einer der bekanntesten Berliner Aerzte um die Wende des vorigen Jahrhunderts, wurde am 22. Juli 1747 geboren. Aus Anlaß des 150. Wiederkehr seines Geburtstages veröffent⸗ licht Eugen Isolani in derVoss. Zeitung eine Reihe von Anekdoten aus dem Leben Heims. Um 5 Uhr mor⸗ gens fanden sich bei Heim bereits die ärmeren, nicht bettlägerigen Kranken ein, die umsonst behandelt wurden. Es waren das in der Zeit der stärksten Praxis Heims wohl jährlich etwa 5000 Kranke. Seine Armenpraxis

die Bezeichnung eines Eine reiche Partie.

Weißt Du, von wem ich geträumt habe? fragte der Hausherr, während er ein geröstetes Stück Weißbrot behaglich mit Butter bestrich.

. K

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). I.

Es war eine milde Sommernacht, wolkenlos der glänzende Sternenhimmel. Dunkel hob sich weitgestreckt die Kiefernhaide von den reifen Feldern, den hellgrünen Wiesen ab. Die Natur schien in wonnigem Schlaf zu träumen.

Da tönte durch die Stille ein regelmäßig wiederkehrender Laut, das Trappen von Pferdehufen auf der Chaussee. Näher und näher kam es heran. Da eine dunkle Gestalt ein Reiter trabte vorüber, am Waldsaun entlang, ohne Rast.

Vorbei! Das Trappen verklang in der Ferne.

Der Reiter, ein junger Offizier, kam von Berlin, und bis zum Morgen wollte er Frauensee, das Gut seines Vaters, erreicht haben.

Was trieb ihn so an, zu ungewohnter Stunde durch das Land zu jagen? Gewiß, es mußte etwas Wichtiges, Unaufschiebbares sein.

Und er sann zurück an die vergangenen Stunden, und seine Stirn furchte sich, ein tiefer Seufzer ent rang sich seiner Brust.--

In Frauensee war man früh auf. Welch' ein herrlicher Morgen aber auch! Der nächtliche Tau hatte die Natur erfrischt, und in strahlendem Sonnenschein sah sie nun aus wie eine nach stärkendem Schlaf erwachte Schönheit.

Die Thür zur Veranda war geöffnet. Im Eßzimmer saßen Herr und Frau von Jürgen beim Morgenkaffee.

Du weißt, daß ich Deine Träume niemals errate, Werner, darum eczähle mir lieber gleich Deinen Traum und deute ihn auch gleich, denn im Deuten bin ich womöglich noch ungeschickter. Ich überlasse das Dienstmädchen und Waschfrauen.

Hm, s ist doch seltsam, daß gerade diese Leute immerhin spricht es von Phantasie und poetischem Sinn

Nicht die Spur. Einfacher q Werner, den Du gütigst zu entschuldigen

Nun, darüber ein ander' Mal. also, ich träumte von Warnshagen?

Warnshagen?

suchst.

Mein alter Kamerad, weißt Du nicht? Der

neulich hier war. Ach dieser verbummelte Mensch mit

anbetteln. Mag sein.

herab behandelt. Es thut mir beinah' leid.

und man wird sie dann nicht wieder los.

ich ihn in Berlin,

u gehen. g ö f 5 und von dem träumtest Du?

Ja, denke Dir, ab wegen Schulden,

Aberglaube, lieber

Denk' Dir

dem Schmiß über der Backe? Er wollte Dich gewiß

Und ich hab' ihn so von oben Aber

solche entgleisten Leute haben immer etwas 1195 liches für mich. Sie werden so leicht zutraulich, ches f ch Ttefß er ist imstande, mich auf der Straße anzureden und mit mir die Linden entlang

und so lebhaft! Er ging doch die nie bezahlt sind, dann

kurios Idee, und als er da nochmal Pleite machte, verschwand er mit ihr, wohin, weiß niemand. Jetzt ist er ohne Frau wiedergekommen. Nun träumte ich, es sollte ihm in Berlin, und zwar auf dem Potsdamer Platz, ein Denkmal gesetzt werden0

Ein Denkmal? diesem Menschen?

Ja, und noch dazu ein Reiterstandbild. Aber es war das Pferd von einem Milchwagen, auf dem er sitzen sollte, und nun handelte es sich darum, Platz für ein so langes Postament zu finden, daß auch der Wagen mit heraufginge. Der Fürstenhof sollte zu diesem Zweck abgerissen werden. Das wollte nun wieder die Besitzerin nicht und warf sich dem Kaiser, der gerade aus Potsdam gekommen war, zu Füßen. Merkwürdigerweise war sie dabei sehr wenig angekleidet. Und der Kaiser segnete sie und sagte: Armes Weib, Dir soll geholfen werden. Und er machte ein Zeichen, da wurde der Fürsten⸗ hof fünfzig Schritt weiter mitten auf den Leipziger⸗ Platz gerückt. Das Volk aber rief Hurrah, und Warnshagen winkte mit der Hand gnädig herab. Tolles Zeug, nicht wahr?

Träume kommen aus dem Magen, Du hättest gestern Abend die harten Eier nicht essen sollen.

Bekommen mir besser als weiche... Na ja, das war mein Traum. Deuten thu' ich ihn weiter nicht. Denn Unfinn läßt sich nicht deuten.. Aber dabei ist wirklich mein Kaffee kalt geworden. Sei so gut und gieß mir etwas warmen dazu.

Indem Herr von Jürgen seiner Gattin die Tasse hinhielt, hob er plötzlich den Kopf.

B

frag' ich einen Menschen! Der Hellmuth! In aller Frühe!

Frau von Jürgen sprang auf.Da ist ein Unglück passiert! rief sie bestimmt aus. Herr und Frau von Jürgen traten auf die Veranda, um ihren Sohn zu erwarten.

Mit Schaum über und über bespritzt, geröteten Gesichts und mit seltsam vorquellenden Augen kam Hellmuth von Jürgen die Treppe herauf.

hastig.

Guten Morgen, Papa! sagte er Dann begrüßte er auch die Mutter.

Die Eltern reichten ihm die Hand und gingen mit ihm ins Haus. Sie erwarteten, daß er sprechen, daß er den Grund seines unerwarteten Kommens angeben solle, aber die Gegenwart seiner Mutter schien ihn zu genieren.

Habe Euch gerade beim Kaffee gestört, scheint es, thut mir wirklich leid, aber ich ich muß mit Papa sprechen.

Du hast gespielt! sagte Frau von Jürgen schnell.

Hellmuth rang, zu Boden blickend, die Hände. Ach es ist schrecklich, es ist gräßlich! Ich bin ver loren, wenn Ihr mir nicht helft. Ich bereue es ja so tief, so schwer! Ja! ich habe gespielt, ver⸗ spielt, eine große Summe! Ja, Ihr habt Recht, böse zu sein, aber bedenkt, daß ich Euer Sobn, Euer einziger Sohn bin! Sage mir, Papa, ob Du mir helfen kannst oder ob mir nichts übrig bleibt als die Kugel! Es sind fünfzigtausend Mark, sogar noch etwas d'rüber.

(Fortsetzung folat.)

gründete er mit seiner

mit ihm ein

Frau oder vielmehr sie Milchgeschäft, übrigens auch'ne

Da kommt jemand, sagte er,ein Reiter. Und er stand auf und trat an die Thür.Nun