Ausgabe 
4.5.1897
 
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Gießen, Dienstag, den 4. Mai

Poftztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

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Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

2 Hessischer Landtag.

Darmstadt, 1. Mai.

Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Sitzung welter Kammer fragte Köhler an, ob es Reichs- agsabgeordneten gestattet sei, sich in den Wan selgängen aufzuhalten? Die Frage soll gelegentlich ines von Köhler in Aussicht gestellten Antrags und nach irlundigung über den Usus in anderen Parlamenten er lbigt werden. Zur Berathung stand alsdann die Vor⸗ age wegen Verkaufs des BraunkohlenbergwerksLudwigs⸗ offnung an die Fürstlich Solms⸗Braunfelssche Verwal⸗ ung. Der Finanzausschuß beantragt Bewilligung von 000/ für Erhebung und Aufstellung von technischen ub wirthschaftlichen Gutachten, wie Plänen und Voran⸗ schlägen, welche die Frage der Rentabilität des Melbacher Berks prüfen, und das Finanzministerium möge nach sertigstellung dieser Arbeiten weitere Vorlagen machen. berfinanzrath Bra un beklagt, daß in der Wetterau seit en letzten Berathung Kräfte thätig seien, um Stimmung egen die Vorlage zu machen, wie sich dies bereits in: ngaben an die Kammer ausdrückte. Abg. Köhler e Bauern wünschten eine Vergrößerung des Fürstlich Irgunfelsschen Besitzes nicht; ob des geplanten Verkaufs e Melbacher Bergwerks herrschte Erregung. Dr. Schrö⸗ er als Referent beantragt sodann nochmalige Zurück⸗ gelsung an den Ausschuß. Dagegen wenden sich Ullrich i Oberfinanzrath Braun. Die Regierung wünsche Klar⸗ all darüber, ob man dem Verkauf zustimme oder nicht. Araun hält die Angelegenheit im Sinne der Ablehnung Ar spruchrelf; zieht aber später seinen Widerspruch gegen de Jurückweisung zurück, welche alsdann einstimmig be⸗ Hossen wird. Zum Wiederaufbau der im Oktober J. auf dem Domanialgute Rheinfelder Hof durch Brand störten Gebäude werden 83,677/ bewilligt.

Sehr ausgedehnte Berathung erfuhr der Antrag Bester nacher auf Uebergabe der durch gesetzliche Maß⸗ uhmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche atstandenen Kosten auf die Staatskasse. Viele Abgeord⸗ ite klagten über die Höhe der Kosten und die theilweise gorose Handhabung der gesetzlichen Maßnahmen. Die seglexung versicherte, sie sei nach wie vor bestrebt, mit schonung und Milde, aber wenn es nöthig sei, auch mit ller Energie nach besten Kräften die Bekämpfung der Jaul⸗ und Klauenfeuche nach den Vorschriften des Reiches urchzuführen. Beschlossen wurde die einstimmige An⸗ uhme des Antrags Westernacher in Verbindung mit einem

om Ausschuß vorgeschlagenen Ersuchen, das sich auf die ekanntmachung im Falle des Ausbruchs von Viehseuchen

Die nächste Sitzung wurde auf Nachmittag 4 Nach einer Erklärung des Abg. Allrich ed indeß die gesammte Opposition nicht er⸗ cheinen, das Haus also nicht beschlußfähig sein.

zieht.

Die Nachmittagssitzung war nur von 19 Natlo⸗ alliberalen und dem als Sekretär des Hauses fungierenden Centrumsabgeordneten von Köth besucht.

Gleich beim ersten Gegenstande, der zur Berathung amd es handelte sich um eine Forderung des Justiz⸗ nimisteriums zur Ausstattung neuer Amtsgerichtsgebäude ꝛc. bezweifelte von Köthe die Beschlußfähigkeit des hͤuses. Die Erschienenen mußten unverrichteter dinge nach Hause gehen.

Die nächste Sitzung ist auf Dienstag Vormittag beraumt.

kokales und Provinzielles.

Gießen, 3. Mai. Durch Entschließung

s Großherzogs wurden an Stelle des in den uhestand getretenen Rabbiners Dr. Benedikt

ph für die Israeliten gemäßigt⸗liberaler Rich⸗ ung der bisherige 2. Rabbiner in Karlsruhe, Ir. David Sander und um dem Bedürfnis orthodoxen Juden, die in der Provinz vohnen, zu genügen, der Rabbiner der israeli⸗

chen Religionsgesellschaft in Gießen Dr. Leo

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen.

Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

Hirschfeld zu Provinzial-Rabbinern für Oberhessen, beide mit dem Sitze in Gießen, er nannt. Demnach sind für die Provinz nicht, wie wir am Samstag meldeten, einer, sondern zwei Rabbiner ernannt worden.

Gießen, 3. Mai. Mit Wahrnehmung der Dienstfunktionen eines Amtsanwalts bei den Amtsgerichten Hungen, Lich und Gießen ist

Herr Gerichtsassessor Bopp in Mainz beauftragt

worden. Gießen, 3. Mai.(Arbeiterfahr⸗ karten.) Auf den preußischen Staats-

bahnen sollen fortan Arbeiterfahrkarten nur noch an Personen die sich gehörig ausweisen, verabfolgt werden. Als Aus- weis diene eine Karte, die vom Arbeit- geber unterschrieben werden muß. Die Polizei hat darauf durch Unterschrift und Siegel die Richtigkeit der Unterschrift des Ar beitgebers zu bescheinigen.

* Gießen, 3. Maj. Eine aufregende Scene spielte sich gestern oberhalb der Lahn brücke ab. Ein ca. 14jähriger Junge war mit einem Boote bis dicht an die Stromschwellen des Wehres gerudert und mühte sich längere Zeit vergeblich ab, aus dem Strom zu kommen. Hunderte von Menschen standen am Ufer, ohne in der Lage zu sein, den bald Ermatteten aus der mit jeder Minute kritischer werdenden Situation heraushelfen zu können. Erst als man am Bootshause der Gießener Ruder-Gesellschaft den Vorfall bemerkte, begaben sich einige Herren eiligst zur Stelle, um mittels eines Seiles den jungen Menschen aus seiner Lage zu befreien.

* Gießen, 3. Maj. Das Naumannsche anatomische Museum, das nur noch bis morgen Abend auf Oswaldsgarten zur Schau gestellt bleibt, verdient mit Recht den ihm zuteil werdenden äußerst zahlreichen Besuch. Das Museum enthält eine Menge kunstvoll ausge⸗ führter Präparate, durch die der menschliche Or⸗ ganismus bis in die kleinsten Teilchen vor Augen geführt wird. Die verschiedenen Er⸗ scheinungen der Seuchenkrankheiten, wie Cholera, Pest ꝛc. sind durch zahlreiche Präparate vertreten, nicht minder solche, welche uns die inneren

aut⸗ und Kinderkrankheiten veranschaulichen. us hat noch die an fünf hintereinander aufge⸗ stellten männlichen Rumpf⸗Quer durch⸗ schnitten veranschaulichte Durchschlagskraft desKleinkalibrigen interessiert nicht etwa, daß wir davon entzückt wären. Nach⸗ dem eine Kugel vier Körper glatt durch- schlagen, bleibt dieselbe im fünften vor den hinteren Rippen stecken das genügt. Ueber die bis hererfolgreiche[ Anwendung desKleinkalibrigen gibt sogar der Ausstellungs⸗Katalog(bei Beschreibung der be⸗ züglichen Präparate) durch folgenden unsere heutige Weltordnung recht bezeichnenden Passus

Aufschluß. Derselbe lautet:Es fielen schon bei den bisherigen Anwen⸗ dungen des Geweh eres(Ar beiterun⸗ ruhen in Würschau und Biala) auf ein Geschoß drei, vier und mehr Ge⸗ troffene. Wir können den Besuch des

Museums Jedermann bestens empfehlen.

* Gießen, 2. Mai. Die gestern Nachmittag im RestaurantAquarium stattgefundene Ver⸗ sammlung des Geflügel- und Vogel züchter⸗ vereins für Gießen und Umgegend war außerordentlich gut besucht. Auch aus den um⸗

liegenden Orten hatten sich zahlreiche Geflügel⸗

Expedition:

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züchter eingefunden. Die Versammelten hielten es einstimmig als im Interesse der Züchter liegend, wenn eine solche Vereinigung stark und kräftig emporblühen würde. Nur allein durch den Zusammenschluß und durch gegenseitige Unterstützung würde mancher Züchter vor Schaden bewahrt bleiben. Der Zweck des Vereins be steht darin, reinrassiges Geflügel auf Kosten des Vereins zu beschaffen und dieses den ein⸗ zelnen Mitgliedern zugänglich zu machen. Auch den Interessen der Kanarienvogelzüchter ꝛc. soll durch den Verein nach jeder Richtung hin Rech⸗ nung getragen werden. Der Verein beabsichtigt hier in Gießen Geflügel-Ausstellungen zu veran⸗ stalten, um das Interesse für die gefiederte Welt auch in weiteren Kreisen zu erwecken. Nachdem die Konstituirung des Vereins mit 20 Mit⸗ gliedern, von welchen 7 außerhalb wohnen, vorgenommen, wurde ein Vorstand gewählt und beschlossen, regelmäßige Monatsversammlungen abzuhalten.

* Gießen, 3. Mai. Dem Militär hat man verboten, an dem Frühlingsfest des GesangvereinsEintracht, welches

gestern Abend im Saale des Café Leib abgehal⸗

ten wurde, theilzunehmen. Zahlreiche Besucher hatten sich zu diesem Frühlingsfest einge⸗ funden. Das Programm, das in allen seinen Theilen zur Zufriedenheit ausgefallen, macht dem Gesangverein alle Ehre. Bis in die früheste 1 amüsierte man sich auf das Köst lichste.

* Gießen, 3. Mai. Am Samstag Mittag entgleiste die Lokomotive eines Güterzuges auf der Strecke zwischen Ostheim und Nauheim, wodurch insofern eine Verkehrsstockung eintrat, als die Strecke zwischen beiden Stationen wäh rend mehrerer Stunden nur eingleisig gefahren werden konnte. Infolgedessen kamen mehrere Züge mit Verspätungen an.

* Gießen, 3. Mai. Heute Vormittag fand im Café Ebel unter Vorsitz des Kreisschulinspek⸗ tors Dr. Lucius eine Lehrer-Konferenz für den Bezirk Gießen statt.

* Gießen, 3. Mai.(Die Säbel, die Säbel!) Gestern früh 3 Uhr kam es in der Bahnhofstraße zwischen jungen Leuten zu einer Schlägerei, wobei sich ein beurlaubter Dragoner von Darmstadt mit blanker Waffe be⸗ 1 105 Gegen die Thäter wurde Anzeige er

oben.

* Gießen, 3. Mai. Die gestern Abend in Steins Saalbau stattgehabte Abendunter⸗ haltung desZither-Klubs verlief in schönster Weise. Besonders sind die Theaterauf⸗ führungen der jüngeren Mitglieder des Vereins hervorzuheben. An die Unterhaltung schloß sich ein Ball, der bis zum frühen Morgen dauerte.

* Gießen, 3. Mai. Die Viehhändler Joseph Simon aus Mainzlar und dessen Bruder Isaak Simon von Hermannstein hatten sich in der vergangenen Woche vor dem Schöffengericht in Wetzlar wegen Be⸗ trugs zu verantworten. Das Brüderpaar war beschuldigt, einem Schreinermeister in Salzböden eine Kuh für den nach ihrer Darstellung außer gewöhnlich billigen Preis von 190 KA aufge⸗ hängt zu haben, unter der ausdrücklichen Versicherung sie verdienten bei diesem Handel nicht mehr als 6 Mark. In Wirk⸗ lichkeit hatten die schlauen Händler das Tier aber für 138. eingekauft, sodaß deren Nutzen

lief. Isaak Simon wurde dieserhalb zu einer Geldstrafe von 50. verurteilt, sein Bruder Joseph dagegen freigesprochen, weil das Schöffen⸗ gericht den Nachweis vermißte, daß er es ge⸗ 10 55 der den Abschluß des Geschäfts besorgt atte.

* Grünberg, 2. Mai. Die gestern Nach⸗ mittag stattgefundene feierliche Grundstein⸗ legung der hiesigen Turnhalle war trotz ungünstiger Witterung unter zahlreicher Be⸗ teiligung gut verlaufen. Den Weiheakt vollzog namens des Turnvereins Herr K. H. Jöckel. Nach Beendigung der Feier vereinigten sich die beteiligten Kreise zu einer kleinen Nachfeier im VereinslokaleZum Taunus.

* Grünberg, 2. Mai. Zu dem heute Nach⸗ mittag auf der Neumühle abgehaltenen Freikonzert des Grünberger Streichquartetts hatten sich sehr viele Besucher von hier und auch von Laubach eingefunden. Das reichhaltige Pro⸗ gramm obiger Kapelle fand ungetheilten Beifall des Publikums und zeigte zur Genüge, daß dieselbe unter der Leitung des Herrn Gieß anerkennenswerthe Fortschritte gemacht hat.

Grünberg, 2. Mai. Als wir unlängst an dieser Stelle die Kin dertanzunterxrichte, vom pädagogischen Standpunkte aus betrachtet, als ein höchst zweifelhaftes Erziehungsmittel ver⸗ worfen, so wollten wir damit die Eltern nur auf die Gefahren aufmerksam machen, die den Kindern drohen, wenn sie so frühzeitig zu jungen Damen und Herren ausgebildet werden. Diese ernsten Mahnworte sind leider auf unfruchtbaren Boden gefallen. Der gestern im GasthauseZur Pinn abgehaltene Kin derball zeigte so recht, daß dieses moderne Erziehungsmittel auch in unserem kleinen Landstädtchen auf der Höhe der Zeit steht, indem Kinder, die kaum das schul pflichtige Alter(710 Jahre) erreicht haben, unter der Aufsicht ihrer Eltern bis spät nach Mitternacht der Terpsichore huldigten. Diese wenig erfreuliche Thatsache ist umsomehr zu be⸗ dauern, als wir in den Kindertanzunterrichten nicht ein einziger erzieherischer Moment erblicken, das für die weitere Entwickelung des Kindes Vorteile mit sich brächte. Wir wollen aus ge⸗ wissen Grunden diesmal von einer weiteren Polemik absehen, und wünschen nur noch, daß es der hessischen Geistlichkeit gelingen möge, eine ähnliche Konsisterialverfügung wie in Sachsen auch in unserem Hessenlande herbeizuführen, wonach schulpflichtigen Kindern vor Beendigung der Konfirmationszeit der Besuch des Tanzunter⸗ richts einfach verboten wird.

* Mücke, 2. Mai. Daß die Bahnstation Mücke an Ausdehnung und Bedeutung immer mehr gewinnt und einer von den besten Voraus⸗ setzungen gehegten Zukunft entgegengeht, ist an dieser Stelle schon wiederholt hingewiesen worden. Neuerdings verlautet nun, daß die Firma Wallach aus Alsfeld dortselbst ein Dampfsägewerk zu errichten beabsichtigt und bezüglich des Bodenerwerbs bereits in Unter⸗ handlungen steht.

* Neu⸗Ulrichstein, 1 Mai. Die Ar⸗ beiterkolonie hatte zum heutigen Tage an Insassen 60 stellen-, bezw. arbeitslose Männer, darunter aus dem Großherzogtum Hessen 9, aus dem Reg.-Bez. Kassel 8, aus dem Reg. Bez. Wiesbaden 7. Arbeiter waren unter der Gesamtzahl 28. An 1470 Tagen wurde ge⸗ arbeitet, verpflegt durch die Kolonie an 1783

bei diesem Kuhhandel sich auf 52 Mark be⸗

Fata Morgana. Novelle von H. René. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

Noch einmal schritt Therese abschiednehmend durch alle Gemächer des lieben, alten Hauses, das le so lange eine Heimat gewesen, in dem sich die liegenden Mutteraugen auch für immer geschlossen. un manchem Fenßser blieb sie stehen und schaute haus auf den im Abendwind rauschenden Park, nunchem Bild an den Wänden winkte sie wie einem aten Bekannten mit den Augen den letzten Guß zu.

Nun war sie in ihr Wohnzimmer getreten. Lorgsam verschloß sie dort die Schränke, fügte die schlüssel zum großen Bund, mit welchem zugleich i auch ihre Herrschaft in die Hände des neuen Herrn zurücklegte.

Sinnend, als zöge die Vergangeuheit noch ein

kal ganz an ihrer Seele vorüber, blickte sie umher.

mes Nähtischchen dort hatte immer die fleißige Putter benutzt, und in dieser Sofaecke würde Onkel doktor nie mehr mit seiner Pfeife sitzen.

Unwillig hob sie den Kopf. Wer kann sie in

Die alte Wartefrau war's die ihrer Mission im Schloß enthoben, bevor sie in die Stadt zu den verheirateten Kindern zog, sich zu verabschieden

Therese, in ihrer sanften Rührung war heute zugänglicher als sonst, und so fragte sie freundlich, wie die Alte nun zu leben gedenke.

Ach, gnädige Frau waren ja immer so gut und freigebig, haben meine schwachen Dienste weit über Gebühr bezahlt, sagte die unter unzählbaren Handküssen. In den Jahren, welche, Gott sei es geklagt, ich den armen Herrn Baron pflegen mußte, konnte ich mir ein kleines Sümmchen ersparen. Viel ist es ja nicht, aber der Schwiegervater hat auch sein Auskommen, und eine alte Frau, die mit einem Fuß schon im Grabe steht, braucht auch nicht mehr, als ein bischen Essen.

Die Thränen übermannten sie, sie trocknete sie ab, und dadurch verdeckte sie das schadenfrohe Lächeln, das um ihren eingefallenen Mund zuckte.

Es ist mit dem guten, gnädigen Herrn doch recht schnell gegangen, begann sie nach einer Weile von Neuem. Wer hätte vor einer Woche noch ge⸗ dacht, daß wir so bald eine Leiche würden im Hause haben. Und wie es in der Welt bunt zu⸗

wser Stunde stiller Weihe stören!

geht. Hochzeit und Begräbnis fallen oft zusammen.

Der Eine weint, der Andere lacht. Von einem Bräutigam kann man freilich nicht verlangen, daß er in ein Totenhaus heraufkommt.

Grinsend hielt sie inne, aber als sie bemerkte, daß Therese ihr nur zerstreut zuhörte, beschloß sie deutlicher zu werden.

Gerade an dem Tage, als unser gnädiger Herr Baron stare, haben sie bei Bürgermeisters Ver⸗ lobung gefeiert. Ein ganz neues Kleid hat Fräu lein Almachen dazu angehabt und reizend soll sie ausgesehen haben, wie eine Weihnachtspuppe. Spät ist es geworden, weit nach Mitternacht; eine Ge sundheit nach der anderen haben sie getrunken Deshalb konnte man, als es unserem armen Herrn so schlecht ging, auch den Doktor nirgends finden. Beim Bräutigam hat er gesessen.

Welchen Doktor? Therese versuchte ungläubig zu lächeln, obgleich es ihr doch war, als ob eine eisige Hand ihr das zuckende Herz aus der Brust gerissen.

Welchen Doktor? Gnädige Frau wissen doch recht gut, daß ich nur einen meinen kann. Wer anders, als der Doktor Senglin sollte denn der Bräutigam sein. Sie kennen sich ja schon lange,

les soll eine alte Liebe sein, und nur Almachens

Tagen. 19 Mann wurden entlassen. Seit

wegen ist er ja aus Berlin hierhergekommen. Bei Bürgermeisters nähen sie auf drei Maschinen die Ausstattung, und im September wird Hochzeit gefeiert.

Das ist nicht wahr! Therese hatte es heraus gestoßen, aber ihre Stimme klang so rauh und heiser, so schrill wie der Ton einer jäh zer sprungenen Glocke.

Nicht wahr? sagte Frau Krause anscheinend tief beleidigt.Ich werde mir doch nicht erlauben, Lügen aufzubringen. Die Verlobungskarten sind schon gedruckt, sie werden nur noch umhergeschickt, weil es sich nicht passen möchte, so lange der Herr Baron über der Erde steht. Arm in Arm sind sie gestern schon ausgezangen, und meine Tochter, die eben gekommen ist, um mir meine Sachen herunter schaffen zu helfen, hat selbst gesehen, wie der Doktor Almachen am Fenster geküßt hat. Doch, gnädige Frau sehen auf einmal so bleich aus wie der Kalk an der Wand. Mein Gott, Sie fallen ja. Gnädige Frau sind unwohl! Wasser! Hilfe!

(Fortsetzung folgt.)