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Nr. 206
Gießen, Freitag, den 3. September
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
seslüche
Ausgabe
Gießen.
undeszeitung
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
NMedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 2. September.(Militär- dienst nachrichten.) Die Assistenzärzte 1. Kl. der Reserve Professor Dr. Poppert vom Landwehrbezirk Gießen, Dr. Koch vom Land⸗ wehrbezirk Friedberg, die Assistenzärzte 1. Kl. der Landwehr 1. Aufgebots Dr. Cahn vom Landwehrbezirk Mainz, Dr. Schliephake vom Landwehrbezirk Gießen— zu Stabsärzten be⸗ fördert; Dr. Braune, Oberstabsarzt 2. Kl. und Regimentsarzt vom 1. Großh. Dragoner⸗ Regiment(Garde⸗Dragoner⸗Regiment) Nr. 23 der Charakter als Oberstabsarzt 1. Kl. ver⸗ liehen.
„Gießen, 2. September. Wie der Kaiser keist, ergiebt sich aus eine Notiz des„Mainzer Journals“. Das genannte Blatt schreibt unterm J. September: Der Kaiser passierte in verflossener Nacht 2 Uhr auf der Durchreise von Coblenz nach dem Paradefelde bei Aschaffenburg den Centralbahnhof. Eine Strecke dem Zug boraus fuhr eine Recognoscierungs⸗Loko⸗ motive. Der kaiserliche Zug fuhr mit einer Geschwindigkeit, die etwas größer war als die eines gewöhnlichen Güter⸗ zuges. Auffallend war es, daß heute Nacht, als der kaiserliche Zug unsere Stadt passierte, die ganze Bahnstrecke durch die Stadt wieder durch Gensdarme, Polizeikom⸗ misfsäre, Polizeiwachtmeister und Schutz— leute besetzt war.
* Gießen, 2. Sept. Der gestrige Ochsen⸗ markt bot wieder einmal seit langer Zeit eine größere Auswahl. Der Auftrieb bestand aus etwa 150 Ochsen und ca. 80 Stiere. Der Handel, der anfangs langsam einsetzte, machte sich jedoch gegen Mitte des Marktes noch ganz gut. Es fehlie wieder schweres Fahrvieh, wofür die Händler von außerhalb Abnehmer gewesen wären. Das beste Paar Ochsen am Markt wurde mit 850 X verkauft, dann folgten Tiere zum Preise von 7— 750 4 und darunter. 5 bis Jährige angelernte Fahrstiere wurden mit 400—450 4 pro Paar gehandelt. Einzelne vorhandene junge Zuchtbullen, Vogelsberger Rasse, fanden mit 270— 300 l willig Käufer. Die Nachfrage nach Zuchtbullen war groß, in⸗ dem Händler aus der Harzgegend solche suchten und sich mit einzelnen Tieren begnügen mußten, obgleich sie auf einen größeren Transport ge⸗ rechnet hatten. Der Markt war frühzeitig aus- verkauft. Auf dem Schweinemarkt bestand der Auftrieb aus etwa 400 Stück. Der Handel ging nicht sehr lebhaft, woran die geforderten hohen Preise die Schuld trugen. Der vorhandene kleine Vorrat wurde zu Preisen wie bei den letzten Märkten abgesetzt. f
* Gießen, 2. September. Hohe Fettvieh⸗ preise treten auf den Viehmärkten Ober- hefsens in die Erscheinung. Auf dem Geder⸗ ner Viehmarkt wurden fette Schweine zu 66
das Pfund gehandelt. Einlegschweine kosteten durchschnittlich 100 1 das Paar, 8 Wochen alte Sommerferkel 40. Niedrig sind die Rind⸗ viehpreise, es kosteten frischmelkende Kühe das Stück durchschnittlich 300, andere Kühe 225. Ein Jahr alte Stiere wurden mit 220, zwei Jahre alte mit 325 1 das Paar bezahlt, einjährige Rinder mit 125, zweijährige mit 170 Mark das Stück.
* Gießen, 2. September. An der Eisen⸗ bahnstrecke der Main-Weserbahn zwischen Ost— heim und der Station Butzbach wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden. Das Kind war lebend aus einem Eisenbahn⸗ zug herausgeworfen worden. Von der Mutter fehlt bis jetzt jede Spur.
* Lollar, 2. Sept. Einer von hier vor einiger Zeit abgegangenen Eingabe wegen Späterlegung des Lokalzuges 99a von Gießen nach Marburg behufs Herstellung eines Anschlusses an den abends 10 Uhr 25 Min. von Gelnhausen in Gießen eintreffenden Personenzug hat die königliche Eisenbahndirektion zu Frank⸗ furt a. M. in dankenswerter Weise entsprochen, indem nach eingegangener Mitteilung die Ab— fahrtszeit des Lokalzuges 99(Gießen-⸗Marburg), mit Beginn des Winterfahrplans(1. Oktober) auf 10 Uhr 43 Min. abends ab Gießen verlegt und somit ein Anschluß an den von diesem Tage ab um 10 Uhr 38 Min. abends eintreffenden Zug von Gelnhausen hergestellt wird.
* Bad Nauheim, 1. September. Die Villa Britannia, die vor etwa 12 Jahren zu 100 000& erstanden wurde, ist heute an die Firma Franz Brofft von Frankfurt a. M. und fünf Privatleute zu 315000 4 verkauft worden. In der Zwischenzeit wurden etwa ein halbes Dutzend Bauplätze vom zugehörigen Ge⸗ lände abgesetzt, so daß sich der erzielte Nutzen auf mehr als auf eine viertel Million beziffert.
* Neu⸗Ulrichstein, 1. Sept. Von den heutigen 36 stellen-, bezw. arbeitslosen Insassen der Arbeiterkolonie waren 3 aus dem Großherzogtum, 6 aus dem Regierungsbezirk Kassel, 3 aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden. Arbeiter waren es unter der Gesamtzahl 14; eine größere Anzahl Gewerbe hatten 2, bezw. 1 Vertreter. An 896 Tagen wurde gearbeitet; Verpflegung durch die Kolonie geschah an 1241 Tagen; 8 Mann wurden entlassen, davon 4 auf eigenen Wunsch, je 1 in Arbeit durch eigenes Bemühen, wegen Arbeitsscheu, wegen Krankheit, 1 ist entlaufen. Seit Eröffnung beherbergte die Kolonie 3289 Mann.
* Nidda, 1. September. Infolge schwerer Wetter in der Nacht vom Samstag auf Sonn⸗ tag mit stundenlangen, heftigen Regengüssen war die Nidda im Laufe der letzten Tage so an⸗ geschwollen, daß ein Uebersteigen der Ufer zu
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzelgen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
Expeditlon: Kreuzplatz Nr. 4.
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befürchten stand. Der plötzliche Umschlag der Witterung jedoch hat dieses verhindert und dem zu fürchtenden Schaden in den Wiesen vorge⸗ beugt.— Ein in diesen Tagen mehr als in anderen Jahren in den Häusern angebotener Verkaufsartikel sind die Brombeeren, die sich wegen des ihnen eigenen Aromas sowohl zur Gelee als zur Weinbereitung eignen. Fragt man aber, woher das große Angebot in diesem Jahre kommt, so liegt das nicht bloß in der in diesem Jahre vorhandenen Menge der Beeren, son⸗ dern auch wesentlich in der nunmehr seit Einführung der 4. Wagenklasse der Bahn erleichterten Trans— portgelegenheit.
* Sarmstadt, 1. September. Der hier stationierte Hilfswagenmeister Jakob Kraft aus Goddelau geriet heute Nachmittag zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde erdrückt.
* Darmstadt, 1. Sept. Vor der Ferien⸗ strafkammer stand dieser Tage der 15 Jahre alte Schreinerlehrling Georg Peter Haas von Ober⸗Ramstadt wegen Brandstiftung. Haas stand bei dem Schreinermeister Oesterling in Eberstadt in Arbeit, wurde sehr angehalten und streng behandelt. Um loszukommen, beschloß er die„Boutique“ anzustecken. Er machte von dem Plan einem guten Freund gegenüber Mitteilung. In der Nacht vom 15. Juni legte er in der Werkstatt Feuer an, das jedoch bald gelöscht wurde, weil der Geselle durch den Rauch zeitig geweckt wurde. Nun wählte Haas die Nacht vom 4. bis 5. Juli für die That. In dieser war der Geselle fort und wurde er selbst zu Hause ver⸗ mutet. Er stieg ein, schüttete Petroleum aus und zündete Spähne und Holz an. Dann entfernte er sich und brachte die Nacht in einem Kornfeld zu. Diesmal gelang sein Vorhaben. Es entstand ein großes Feuer, das viel Schaden anrichtete; zwei über der Werkstatt schlafende Kinder konnten gerade noch rechtzeitig gerettet
werden. Das Gericht erkannte auf drei Jahre Gefängnis. * Mainz, 1. September. Die Bürger⸗
meisteret hat dem Vorstand der hiesigen Orts⸗ krankenkasse als Aufsichtsbehörde eröffnet, daß der Beschluß des Kassenvorstandes, soge— nannte Naturheilkundige zur Behandlung der Kranken zugelassen, gegen das Gesetz ver— 55 und deshalb nicht zur Ausführung gelaugen ürfe.
Allerlei Prüfungen“).
Der Brigadier hielt in der Unterofftziers-Bildungs⸗ schule des Regiments die Schlußprüfungen ab. In allen bisher durchgeprüften Unterrichtsgegenständen hatten sämtliche Lehrer und Bildungsschüler das uneingeschränkte Lob des Herrn Generals geerntet. Zuletzt kam die Waffenlehre an die Reihe. Man wußte, daß der Herr General seit Einführung des neuen Repetiergewehres mit besonderem Fleiß und Eifer sich dem Studium des
) Aus einem Feuilleton von Zdenko Anderle in der Wiener Militärzeitung„Die Vedette“.
Waffenwesens gewidmet hatte. Auch der diesen Gegen⸗ stand vortragende Oberlieutenant Spannriegel wußte dies; er sah daher mit ein wenig Bangen der Vornahme „seines“ Gegenstandes entgegen. Wenn der Herr General den„Verschluß“ und den„Zubringermechanismus“ aus⸗ ließ, dann ging ja alles gut. Aber daran war nicht zu denken. Den„Lauf“ konnte er doch nicht einem Jeden aufgeben. Ein Glück war es nur, daß gerade diese Frage der Mindestbefähigte erhielt, denn den„Lauf“ kannten Alle. Endlich kommt der Brigadier zu dem gefürchteten Repettermechanismus. Er nimmt dle Sitzordnung zur Hand und wählt den in der letzten Tischreihe allein sitzenden Infanteristen Kuchta aus.
„Infanterist Kuchta!“
„Hier!“
„Sagen Sie mir, aus welchen Teilen die Zubringer⸗ vorrichtung besteht und wie dieselbe funktiontert.“
Infanterist Kuchta antwortet sofort ohne Zögern:
„Die Zubringervorrichtung besteht aus der Zubringer⸗ platte, dem Zubringerhebel, der Zubringerfeder“,—— und so geht es fort, bis der Mann die gestellte Frage zur besonderen Zufriedenheit des Herrn Generals, sowie des beifällig nickenden Regiments⸗Kommandanten tadellos beantwortet hatte. Die Prüfung war beendet.
Der Herr General wendete sich an den Herrn Ober⸗ lieutenant Spannriegel, um auch ihm seine Anerkennung für die von ihm erreichten Ausbildungsresultate in dem ungemein wichtigen Fache„Waffenlehre“ auszusprechen. Dann belobte er den seines Erfolges sich bewußten In⸗ fanteristen Kuchta mit folgenden Worten:
„Es freut mich, bei Ihnen so viel Sinn und Ver⸗ ständnis für das Waffenwesen zu finden, behalten Sle das Erlernte und bestreben Sie sich, Ihre milltärische Ausbildung zu vervollkommnen. Es wird Ihnen nur zur Ehre und zum Vorteil gereichen. Sind Sie Pro⸗ fesstonist?“
„Jawohl, Herr General.“
„Welcher Profession?“
„Kunstschlosser.“
„Wo haben Sie denn zuletzt gearbeitet?“
„In Steyr, in der Waffenfabrik!“
„Und was arbeiteten Sie dort?“
„Melde gehorsamst: Zubringervor richtungen,
Herr General!“
** *
Die Mannschaft saß auf den Kommißbänken neben⸗ einander wie Sperlinge auf der Dachrinne und lauschte mit mehr oder weniger geteilter Aufmerksamkeit den Offen⸗ barungen des Herrn Lleutenants über die Gliederung der Feuerlinle im allgemeinen und der den Zweck der„Re⸗ serven“ im besonderen. Da gellt aus der Kehle des knapp neben der Thür sitzenden Tambours ein nerven⸗ erschütterndes„Habt Acht!“ durch das für einige Stunden der hohen Schule militärischer Gelehrsamkeit dienende Mannschaftszimmer. Alles springt mit dröhnendem Schlage von den Sitzen auf. Der Herr Major ist er⸗ schienen. Wie Mauern stehen die Reihen der Leute zwischen den Bänken, mit Spannung der Dinge harrend, die da kommen sollen.
Auf die liebenswürdige Einladung des Herrn Malors, „nur weiter zu machen“, setzte der Vortragende die Er⸗ klärung über den Zweck der„Kompagnie⸗Reserve“ fort und führt selbe bald darauf zu Ende. Der Vortragende hofft, daß, dank seiner Beredtsamkelt, jetzt jeder der An⸗ wesenden ganz genau wisse, wozu im Gefechte die„Re⸗ serve“ ausgeschieden werde. Dieser Meinung scheint sich auch der Herr Major hinzugeben und zeichnet, um sich
Eine reiche Partie.
Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
„Nun, wenn Sie's wissen, was fragen Sie denn?“ meinte Jürgen ärgerlich. Warnshagen ver⸗ bengte sich höflich und wand sich lächelnd durch die übrige Gesellschaft, bis er das junge Paar dort am Fenster erreicht hatte.
„Nun? Die Mufik stimmt schon ihre Instru⸗ mente. Ich freue mich auf den Augenblick, wo das junge Ehepaar mit einander durch den Saal fliegt. Das muß reizend sein.“ Röschen warf einen fragenden Blick auf Hellmuth, und halblaut er⸗ widerte er:„Wir tanzen einmal herum, und dann gehen wir.“
„Wie?“ fragte Warnshagen.„Sobald wollen Sie fort? Aber da würden Sie die ganze Gesell⸗ schaft unendlich betrüben. Sie sind ja doch die Krone des Festes, und ohne Sie wären wir ja gar nicht hier.“
„Wir wollen den Abendzug noch erreichen“, er⸗ widerte Hellmuth erust.
„So, so! Aber daß ich Sie nicht verrate! Sonst läßt man Sie nicht fort!“ Warnshagen drohte der jungen Frau mit dem Finger. dachte: er ist doch ein ganz gemütlicher und netter alter Herr. Daß Hellmuth nicht gerne von ihm spricht, ist recht merkwürdig. g
Jetzt wandte Warnshagen sich an den jungen Ehegatlen.„Ihr Herr Schwiegervater ist übrigens von einer Laune heute,— hinreißend! Ich glaube, er könnte heute keinem einen Wunsch abschlagen.“
Röschen suchte mit den Augen ihren Vater und trat dabei einige Schritte zur Seite. Warns⸗
Und sie
hagen konnte unbemerkt zu Hellmuth sprechen. „Ich rate Ihnen“, flüsterte er,„versuchen Sie's! Jetzt oder nie. Lassen Sie sich'ne bindende Zu⸗ sicherung geben.“
In Hellmuths Augen gab sich der Entschluß kund, diesen Ratschlag zu befolgen. Wahrlich, dachte er, das ist das beste. Dann bist Du eine Last los, kannst ruhig reisen und am Verfalltage den Conitzer zum Schwiegervater schicken....
Als Röschen wieder herantrat, sagte er zu ihr: „Einen Augenblick, liebstes Herz, ich muß mal ein paar Worte wegen unserer Reise mit Deinem Vater sprechen, ich komme gleich wieder.„Er nickte seiner Frau zu und ging. 5
Röschen dachte zwar, er hätte nicht nötig gehabt, sie so allein stehen zu lassen und wollte schon nachgehen, doch nun nahm Herr von Warns⸗ hagen sie mit seiner Unterhaltung in Anspruch.
Er war sehr aufgekratzt.„Wie beneide ich Sie um Ihre Reise, gnädige Frau!“ begann er.
Sie lächelte. Das„gnädige Frau“ war gar zu komisch! i g
„Sie wollen nach Thüringen? Da werden Sie viel Schönes sehen. In schöner Natur genießt man das Glück ja doppelt. Alles verklärt sich in poetischem Schimmer. Sogar der Pfiff der Loko⸗ motive, der zwischen Großstadthäusern und Werk⸗ stätten so hart und gellend ertönt, hat in schönem Waldthal einen fast poetischen Klang.“ f
Sinnend waren Röschens Augen hinausgerichtet. Sie versetzte sich schon im Geiste in dies stille Waldthal und sah sich an Hellmuths Seite über⸗
ich dahinfahren. 190 let kam ihr der Gedanke, einmal Warnshagen zu fragen, ob er irgend etwas mit
Hellmuth habe. Sie sagte also, indem sie ver⸗
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legen an ihrem Schleier zupfte:„Sind Sie eigentlich böse mit Hellmuth?“
„Ich? Aber gnädige Frau! Woraus schließen Sie das?“
„Also nicht?“
„Nicht im mindesten. Seit ich ihn kenne, haben wir uns noch kein böses Wort gesagt.“
Erstaunt blickte Röschen auf. Die Neugierde trieb sie zu weiteren Fragen.
„Und wie lernten Sie sich kennen?“
„Ja, wie war es doch gleich? Ich suchte den Vater auf, mit dem ich zusammen gedient habe, und da lernte ich wohl auch den Sohn kennen.“
„Und— daß Sie mit ihm zu uns kamen, war das reiner Zufall?“
„Reiner Zufall, natürlich. Er sagte, er möchte Friedrichsthal kennen lernen, und da schlug ich ihm vor, ihn in einer eingesessenen Familie bekannt zu machen—“ Was die nur mit ihren Fragen will? dachte Warnshagen, und dabei sah er nach Hell— muth aus. Er konnte ihn nirgends entdecken.
Röschen lächelte vor sich hin. Sie hatte sich also unnötige Besorgnisse gemacht. Es war nur Einbildung von ihr, daß Hellmuth ihr aus unbe— greiflichen Gründen irgend etwas habe verbergen wollen. Es war wirklich nur Zufall gewesen, daß Hellmuth kurz nach seinem Besuch auf dem Kirchhof durch Warnshagen bei ihnen eingeführt wurde.
Eigentlich war Röschen ein wenig enttäuscht. Sie hatte immer geglaubt, der Eindruck, den Hell— muth auf dem Kirchhof von ihr empfangen, habe ihn veranlaßt, ihre nähere Bekanntschaft zu suchen. Doch andererseits fühlte sie sich auch merklich er- leichtert.
Er hatte keinerlei Geheimnis vor ihr, das war nun sicher.
„Sie sehen ja so stillvergnügt aus, gnädige Frau? Ist es indiskret, zu fragen, woran Sie denken?“
„O nein! Ich amüsiere mich nur über etwas. Aber ich kann es Ihnen ja ruhig sagen. Sie meinen, Hellmuth hätte Friedrichsthal und— mich noch nicht gekannt, als Sie zu uns kamen?“
Warnshagen stutzte.„So so? Sie kannten sich schon?“ „Freilich, aber nur von Ansehen. Ein paar
Tage, ehe Sie mit Hellmuth zum ersten Mal bei uns waren, hatten wir uns auf dem Kirchhof ge— sehen, allerdings nicht gesprochen,.. doch, auch gesprochen! Aber nur„Guten Abend“ hatten wir uns gesagt. Und ich glaube, ich glaube— er war mir nachgekommen! Was sagen Sie dazu?“
„Daß er ein Schwerenöter ist, der Hellmuth, und ich ihm solche Hinterlist nicht zugetraut hätte,“ erwiderte Warnshagen lachend, und Röschen stimmte in dies Lachen ein.
Innerlich aber war Warnshagen durchaus nicht so heiter gestimmt. Dieses Geständnis eröffnete ihm keine angenehmen Ausblicke. Augenscheiulich hatte Hellmuth das Mädchen ohne seine Ver⸗ mittelung kennen lernen und ihm ein Schnippchen schlagen wollen. Es war nun allerdings doch anders gekommen, und er, Warnshagen, konnte mit Fug und Recht seine Provision fordern. Jeden⸗ falls wollte er doch sehr auf der Hut sein. Dies große Geschäft, das die Basis für seine weitere Thätigkeit bilden sollte, durfte ihm keinesfalls entgehen.
(Fortsetzung folgt.)


