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Nr. 257
Gießen, Dienstag, den 2. November
1897.
5
Postztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
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Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 1. Nov. Der Oberlandesgerichts⸗ rat Maximilian Scriba ist zum Mitgliede des Verwaltungsgerichtshofes ernann worden.— Der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg, Friedrich Rübsamen, ist auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 16. November l. J., in den Ruhestand versetzt.
a. Gießen, 1. Nov.(Stadttheater.) In 5 kleinen Dosen, jedesmal einen halben Thee⸗ löffel voll, wurde gestern Abend dem ausver— kauften Hause„Das Käthchen von Heil⸗ bronn“ verabreicht. Das arme Käthchen— hoffentlich hat sich diese Nacht ein gewisser Heinrich von Kleist nicht im Grabe herum ge⸗ dreht! Herr Helm spielte den Wirt Jakob Pech.„Pech“ wäre für die gestrige Vorstel⸗ lung ein vortrefflicher Titel gewesen, trotzdem einige Rollen recht gut gespielt wurden. Schwamm drüber.
* Gießen, 1. Nov. Am Samstag Abend feierte die Gießener freiwillige Feuer⸗ wehr in Steins Saalbau ihr 42 jähriges Stif⸗ tungsfest, womit das 25 jährige Dienstjubiläum ihres 1. Hauptmanns, Herrn C. L. Gail, ver⸗ bunden war. Herr Wiegand eröffnete mit einer kurzen Ansprache die Feier. Daraufhin nahm Herr Provinzialdirektlor Frhr. von Gagern das Wort und hob die Verdienste des Herrn Gail hervor, welche er sich während seiner 25 jährigen Thätigkeit erworben. Im Namen des Groß⸗ herzogs überreichte er ihm das Allgemeine Ehren⸗ zeichen der Feuerwehren nebst einem Diplom. Seitens der städtischen Feuerwehr wurde Herrn Gail eine goldene Uhr überreicht. Die Pflicht- feuerwehr beschenkte ihn mit einem silber⸗ beschlagenen Pokal. Zur Verherrlichung des Abends trug die in zuvorkommender Weise von der Theaterdirektion Kruse⸗Helm veranstaltete Theatervorstellung nicht wenig bei. Das hierauf folgende Ball vergnügen hielt die Festteilnehmer bis zur frühen Morgenstunde in feucht⸗fröhlicher Stimmung beisammeu.
* Gießen, 1. November. Für den Monat November sind als Beisitzer für das Ge⸗ werbegericht für die Arbeitgeber Spengler⸗ meister Faber, für die Arbeitnehmer Fabrik⸗ arbeiter Karl Ockel bestimmt.— Für den Monat Dezember fungieren als Vertreter der Arbeitgeber Uhrmacher Otto Schmidt und als Vertreter der Arbeitnehmer Borstensortier Jul ius
Bräutigam. f
* Gießen, 1. Nov. Der Weltmeister des Bilkard⸗Spiels, der Gründer und Inhaber der internationalen Billard⸗Akademie zu Berlin, welcher im März den Weltrekord von 4285 Points in einer Serie festsetzte, der 22 Jahre alte Hugo Kerkau, beabsichtigt in einigen Wochen nach Gießen zu kommen, um seine Kunst hier öffentlich zu zeigen. Zwar hat die Lokalfrage ihre großen Schwierigkeiten, doch hoffen hiesige Billardfreunde, welche die Sache in die Hand nehmen wollen, ein Entgegenkommen bei einem der großen Saalbesitzer zu finden.
* Gießen, 1. Nov. Eine Stube warm zu machen ist leichter, als sie warm zu halten. Da sei denn betout, was eigentlich Jeder wissen sollte, daß reine Luft sechs Mal so schnell, also auch sechs Mal so billig zu erwärmen ist, als berdorbene, und daß sich reine Luft auch viel
Erscheint täglich mit Ausnahme der
länger hält. einmal gewärmtes Zimmer geschlossen sein müsse, wenn auch Tabaksqualm und sonstige Verderbnis
Also fort mit der Angst, daß ein
der Luft kaum mehr das Atmen gestattet! Die Fenster auf! Ein bis zwei Minuten solch winter— lichen Zug hindurch, der alle schlechten Lüfte hinausfegt, und dann wird man sehen, wie an— genehm die Luft sich wieder erwärmt.
Butzbach, 31. Okt. Unser Gewerbe⸗ verein beabsichtigt im kommenden Jahre hier— selbst eine Ausstellung oberhessischer Industrie- und Gewerbe-Erzeugnisse zu veranstalten. Das Ausstellungskomitee, welches sich bereits gebildet hat, hat schon die Einladungen zum Beschicken der Ausstellung an die inter— essierten Kreise versandt. Hiernach ist die Dauer der Ausstellung auf vier Wochen bemessen und deren Beginn Anfang August geplant. Als Ausstellungsräume stehen zunächst— außer noch zu errichtenden Gebäuden— die städtische Markt⸗ halle(ca. 1000 Quadratmeter Bodenfläche) und die Schulgebäude zur Verfügung.
* Butzbach, 31. Okt. Am Freitag Abend wurde durch die Energie des hiesigen Bahnhof— vorstehers Lucan ein Eisenbahnunglück ver⸗ hütet. Passanten in der Nähe des Bahnhofs hörten während der Durchfahrt des kurz nach 6 Uhr fälligen Personenschnellzugs Haltrufen und Pfeifen, worauf der Schnellzug unter hef⸗ tigem Bremsen in der Station anhielt und zwar nur einige Schritte vor einem in demselben Ge— leise stehenden rangierenden Güterzug. Durch das Haltrufen des Bahnhofvorstehers waren der Lokomativführer des Schnellzuges und Passagiere des Zuges auf die Gefahr aufmerksam geworden und hatten vermocht, den Zug noch rechtzeitig zu stellen. Bei der vollen Fahrt des hier fahr⸗ planmäßig nicht anhaltenden Schnellzuges läßt sich ermessen, welch einer Katastrophe die Passa⸗ iere glücklich entgangen sind. Hier bestehen bezüglich des Rangierens der Güterzüge wohl die unhaltbarsten Zustände im Reiche. Der Güterverkehr ist ein sehr bedeutender und stets wachsender, während die Bahnverwaltung trotz der ständigen Mahnungen Umänderungen verschiebt.
* Bad Nauheim, 31. Oktober. In der letzten Woche sind noch 365 Bäder bereitet worden. Bis gestern betrug die Gesamtzahl der seit dem 1. April d. Is, verabfolgten Bäder 227 224, darunter 11491 Freibäder; gegen das Vorjahr sind wir in dieser Beziehung um 27077 Bäder(379 Freibäder) voraus.
* Friedberg, 31. Oktober. Hier hat sich eine Genossenschaft unter der Firma„Milch- verwertungsgenossenschaft eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Friedberg Bad Nauheim“ gebildet. Die Haft⸗ summe der einzelnen Genossen für jeden erwor— benen Geschäftsanteil beträgt 100. Gegen⸗ stand des Unternehmens ist die Milchverwertung auf gemeinschaftliche Rechnung und Gefahr.
* Rixfeld(Oberhessen), 31. Oktober. Hier fand zum zweiten Male Bürgermeister⸗ wahl statt, nachdem dem beim ersten Male ge⸗ wählten Herrn Heinrich Weiß die Bestätigung aus dem Grunde versagt worden war, weil er Gastwirtschaft betreibt. Weiß wurde indes mit großer Mehrheit wiedergewählt. Man ist allgeim darauf gespannt, ob jetzt die Bestätigung wieder versagt wird; eine Erklärung, die Gast⸗
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
Tage nach Sonn- und Feiertagen.
5 Expedition: E Kreuzplatz Nr. 4.
* Büdingen, 31. Okt. Die unter staat⸗ licher Aufsicht stehende land wirtschaftliche Winterschule dahier beginnt am 4. November ihren Kursus pro 1897/98, der Ende März schließt. Das zunächst für die Befriedigung des Bildungsbedürfnisses der mittleren und kleinen Landwirte bestimmte Institut gewährt neben Fortbildung in den Realfächern die Grundlage für rationellen Betrieb der Land— wirtschaft und umfaßt zwei Klassen. Das Unterrichtshonorar beträgt für einen Turnus 12. Unbemittelte sind von der Zahlung be— freit. Der Besuch dieser Anstalt entbindet 9 11 5 Besuch der obligatorischen Fortbildungs—
ule.
* Darmstadt, 31. Oktober. Der Abg. Haas und Gen. beantragen in der zweiten Kammer die Errichtung von Kornlager⸗ häusern auf Staatskosten. Es sollen 500 000 Mark auf Staatskredit beschafft und auf⸗ gewendet werden.
* Offenbach, 31. Oktober. Von der deut⸗ schen Abteilung der Brüsseler Weltaus⸗ stellung wurde der Stadt Offenbach für die von ihr ausgestellten Pläne des Stadtbades die goldene Medaille zuerkannt.
* Offenbach, 31. Oktober. Seit einiger Zeit treten hier mehrfach Bleivergiftungen infolge Genusses unseres Leitungswassers auf, was auf die Verwendung von Bleiröhren für die Wasserleitung zurückzuführen ist. So wurden auf dem vor der Stadt gelegenen Milch— hof vor einigen Tagen an mehreren Personen Bleivergiftungen festgestellt. In der gestrigen Sitzung befaßten sich die Stadtverordneten mit dieser Sache. Oberbürgermeister Brink teilte mit, daß nach eingeholten Gutachten sorgfältig ge— schwefelte Bleirohre durchaus unschädlich seien; nur solche würden von der Stadt verwendet; Bleivergiftungen könnten daher nur durch von Spenglern gelegte schlecht geschwefelte Rohre ent⸗ stehen; in Frankfurt verwende man ebenfalls Bleirohre. Die Versammlung beschloß die Vor— nahme weiterer Erhebungen in dieser Sache.
* Wetzlar, 31. Oktober. Heute Nachmittag fand in Burgsolms eine kolossal stark be⸗ suchte Volksversammlung statt, in der Herr Redakteur Scheidemaun aus Gießen einen 1½dstündigen Vortrag hielt. Seine Ausführungen wurden sowohl von den im Lokal Anwesenden, wie auch von den die Straße dicht besetzt hal⸗ tenden Zuhörern oft durch lebhaften Beifall unterbrochen. Herr Lehrer Zipp aus Leun trat dem Referenten entgegen und suchte dessen Ausführungen, die sichtlich großen Eindruck auf die Versammlung gemacht hatten, zu widerlegen. Herr Scheidemann wußte seinen Gegner aber derart geschickt abzufertigen, daß wir uns der Empfindung nicht erwehren konnten, Herr Zipp hätte lieber geschwiegen. Durch seine ungeschickten Ausführungen hatte er dem sozialdemokratischen Redner nur Wasser auf die Mühle geliefert. Kurz nach 6 Uhr wurde die durchaus ruhig und sachlich verlaufene Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen.
Litterarisches. Gießener Universitäts-Taschenbuch für das
Winter⸗Semester 1897/98. Seit einer Reihe von Semestern giebt die Universitäts⸗Buchhandlung von Au gust
wirtschaft einzustellen, hat der Neugewählte uoch nicht abgegeben.
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Der Pferdebahnschaffner.
Skizze von E. Fahrow. (Nachdruck verboten).
Berlin W. eine geraume Zeit hindurch gezwungen war, vom Westen nach der inneren Stadt zu fahren, wird sich erinnern, daß er hier und da unter den Pferdebahnschaffnern Ge⸗ stalten sah, denen es auf dem Gesicht geschrieben stand, daß sie„einst bessere Tage gesehen“ hatten. — Die Meisten werden auch das Original kennen gelernt haben, das in Versen zu sprechen und die . Dinge in poetischer Form auszudrücken pflegte. Dieses Original ist jetzt aus der Gr. B. P. G.— verschwunden, und man kann nun seine Geschichte erzählen, ohne ihn in Verlegenheit zu setzen; Herr Oswald Körner weilt fern von Berlin, und falls er diese Skizze unter die Augen bekommen sollte, wird er lächeln, wie einer lächelt, der sich aus tobendem Gewässer auf eine stille Insel gerettet hat. Oswald war der Sprößling einer wohlange⸗ sehenen Gelehrtenfamilie aus einem bekannten Städschen Thüringens.— Sein Vater war Professor und dabei ausnahmsweise wohlhabend; das kam
Jeder der in
) Große Berliner Pferdebahn⸗Gesellschaft.
von der weisen Entschließung her, die von jeber bei den Körners dann eintrat, wenn sie dreißig Jahre alt wurden: sie heirateten dann ein wohlhabendes Mädchen und vereinten so die Int ressen des Herzens mit denen des Verstandes, ein Kunststück, welches die wenigsten Menschen fertig bringen.
Aus dieser Ehe war als einziger Sohn Oswald entsprossen, nachdem drei Schwestern vor ihm das Licht der Welt erblickt hatten.
Aber dieser Sohn machte von früh auf dem ehrsamen Elternpaar wenig Freude. Er war so namenlos unpraktisch, dieser Junge! g
Ja, wenn er noch aus lauter Gelehrsamkeit zerstreut und unerfahren geblieben wäre! Aber nein, der Bengel war ein absoluter Windhund,— so wenigstens meinte der Vater Professor. 5
Mit zwölf Jahren verfaßte er in den grie⸗ chischen Stunden deutsche Knittelberse, und in den lateinischen malte er Karrikaturen seiner Lehrer und Mitschüler, die nicht nur ihn selbst vom Unterricht abzogen, sondern auch noch seine Komilitonen zu unzeitgemäßen Heiterkeitsausbrüchen veranlaßten,— ja seinen leiblichen Vater hatte er zu verspotten ge⸗ wagt, indem er ihn in der Tracht eines mittel⸗ alterlichen Folterknechts mit einer Stachelpeitsche in der Hand darstellte. Das mißhandelte Opfer war
natürlich er selbst, Oswald, dem sich bei der Exe—
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Frees in Gießen ein Taschenbuch heraus, das den Zweck
—
versitätsangelegenheiten kurz und zuverlässig zu unterrichten. Die allseitige Beliebtheit, deren sich das Büchlein in allen Universitätskreisen stets erfreute, hat den Herausgeber er⸗ mutigt, das Taschenbuch für das Winter⸗Semester 1897/98 noch zu verbessern und durch Zugaben zu vermehren. Wir finden in dem Büchlein alles für den akademischen Bürger Wissenswerte, u. a. eine Uebersicht der Vor⸗ lesungen, ein Verzeichnis sämtlicher Universitäts⸗Behörden und Institute, sowie aller Lehrkräfte mit Angabe der Wohnungen, Bestimmungen über Stipendien und Honorar⸗ Stundungen, eine Aufzählung der Preisaufgaben, der akade⸗ mischen Vereinigungen usw.; außerdem ist ein vollständiges Verzeichnis, der an der hiesigen Hochschule eingeführten Lehr⸗ und Handbücher beigegeben. Geschmückt ist das Büchlein mit dem Bilde Sr. Magnificenz des Rektors für das Jahr 1897/98 Herrn Professor Dr. Spengel, mit mehreren Ansichten der verschiedenen Universitätsinstitute und einer ganzseitigen Photographie des Liebigdenkmals. Daß in einem für Studenten bestimmten Taschenbuch auch dem Humor sein Platz gebühre, ist ebenfalls nicht ver⸗ gessen. Ein fast den ganzen ersten füllender Bogen„Abriß der Geschichte der griech. Philosophie“ ist von einem echt⸗ witzbegabten Bierpoeten„zu Nutz und Frommen der studierenden Jugend“ entworfen, zum ersten Male in unserem Büchlein abgedruckt und mit Illustrationen geziert: wir sind überzeugt, daß der Herausgeber Recht hat, wenn er in Bezug auf diese bierpoetische Beigabe im Vorworte meint, daß dieser Abriß„in seinem hübschen Illustrations⸗ gewand gewiß auf ungeteilten Beifall rechnen dürfe.“ An poetischen Leistungen ist außerdem beigegeben ein Preislied auf Gießen:„Hoch Gießen!“ singbar nach der Weise„Alt Heidelberg, du feine.“ Geschäftliche Anzeigen aller Art von hiesigen besseren Geschäften, sowie von den angesehensten Verlegerfirmen, die für Universitäts⸗Lehr⸗ mittel in Betracht kommen, vervollständigen das Büchlein. Durch eine Anzahl weißer Blätter und Beigabe einer Stunden⸗Uebersicht und eines Kalendariums ist dasselbe zugleich als ein Notizbuch eingerichtet. Die typographische Ausstattung durch die Ottmannsche Druckerei hier verdient alles Lob. Der reiche Inhalt des Büchleins und seine bedeutende Vermehrung gegenüber seinen Vorgängern zeigt uns, daß der Herausgeber weder Mühe noch Kosten gescheut hat, einen zuverlässigen und in seiner Mischung von Scherz und Ernst echt studentischen Führer für die Musensöhne herzustellen. Die älteren Semester werden auch diese Ausgabe gern zur Hand nehmen und in dem neuen Gewande den alten treuen Freund erblicken; den neukommenden Füchsen aber sei der Fülle und Wichtigkeit des darin Gebotenen wegen sie zur Benutzung ange⸗ legentlichst empfohlen; der Herausgeber versendet gratis an jeden Immatrikulierten ein Exemplar; sollte einer der ankommenden Herren bei der Versendung über⸗ gangen werden, so bittet ihn der Herausgeber, sich ein Exemplar in seiner Buchhandlung(Seltersweg 53) abzu⸗ holen, wo ihm mit größter Bereitwilligkeit ein solches kostenlos abgegeben wird. Möge sich der Herausgeber für den großen Aufwand von Mühen und Kosten, die er der Herstellung des Taschenbuches gewidmet, durch recht große Abnahme belohnt sehen!
Der 87. Jahrgang des so beliebten und weitver⸗ breiteten Leskes Schreib- und Geschäfts⸗ Kalenders ist erschienen. Das für Jedermann prak⸗ tische Notizbuch enthält: einen Kalender und Notizblätter für alle Tage des Jahres, einen Kalender der Juden, ein Kassabuch, die Interessen-Rechnung von 3—6 Prozent, Umrechnungstabellen von sechs verschiedenen Währungen in die Deutsche Reichswährung, viele wichtige und höchst interessante, im Geschäftskeben wohl zu verwendende No⸗ tizen, einen Post⸗ und Gebühren⸗Tarif für Telegramme, einen ausführlichen Verlosungs-Kalender, sowie sehr ver⸗ wertbare statistische Notizen und schließlich eine ausführ⸗ liche Genealogie der Regenten und aller hohen fürstlichen Häuser und zwar alles dies— sauber und solid ge⸗ bunden— zu dem Preis von eine Mark 25 Pfg., zu welchem das handliche Büchlemn in Taschen-⸗Format durch jede Buch⸗ und Papierhandlung, sowie von dem Verleger — C. W. Leske in Darmstadt, Bismarcksstraße Nr. 5—
hat, die Herren Studierenden über die wichtigsten Uni⸗
——
kution sämtliche Haare steil sträubten und aus dessen Mund im Zickzack die Worte strömten: „Seht hier mit Schaudern diese Beiden! So mußte stets die Unschuld leiden! Und klar tritt es auch hier zu Ta ze: Ein strenger Vater ist'ne Plage.“
In solchen und ähnlichen Ergzüssen mihte sich sein gepreßtes Herz Luft; mit den Jahren wurden Zeichnungen sowohl wie Verse immer abgerun deter und gewandter, und es gab schon Leute, welche Oswald einen zweiten Busch nannten.
Allein Professor Körner ließ nicht mit sich spaßen. Oswald sollte und mußte ein Brotstudium ergreifen, und die Kunst konnte selbst ein hoch⸗ idealer Mensch hierzu nicht rechnen.
Die milde Mutter mußte mit manch' mäßiger Mahnung,(so nannte es Oswald allitterierend) den Vater bearbeiten, bis er endlich dem Sohne er— laubte, anstatt der Universität die Kunstschule zu besuchen.
Welcher Jubel durchströmte Burschen Brust!
Er ging nach Berlin, begann von der Pike auf zu dienen, das heißt, er zeichnete mit Kohle nach Gypsabgüssen und stürzte sich kopfüber in das Studium der Malerei und der Dichtkunst; denn immer noch betrieb er beides zugleich, und die
da des lustigen
zu beziehen ist. ——————— ů ů— Mutter hatte hauptsächlich mit dem einen Argument den Vater zu besänftigen gewußt, daß ja Oswald, wenn es mit dem Malen nichts würde, immer noch ein glänzender Schriftsteller werden könne. Nach der Meinung der Frau Professor mußten sich ja alle Redaktionen nach der Feder ihres Sohnes reißen, und Feuilletons wurden ja so kolossal be— zahlt, daß davon allein ihr hoffnungsvoller Sproß ein Vermögen sammeln konnte!———
Indessen nahte sich Oswald das Schicksal in Gestalt eines reizenden, jungen Mädchens, einer angehenden Klaviervirtuosin, die auf einem Konser— vatorium eine Freistelle hatte und von der Unter— stützung einiger Verwandten lebte.
Emily hieß sie, und sie besaß eine große Anzahl häuslicher Tugenden, welche fast so mächtig in ihr waren, wie ihr musikalisches Talent. Niemals hatte sie zerrissene Schnürsenenkel an den festen, schmalen Stiefelchen, niemals war ihr der Kleiderstoß abge— treten oder ein Knopf am Mantel locker. Sie lebte schlecht und recht in einem möblierten Zimmerchen bei einer der fabelhaften Berliner Pen⸗ sionatsmütter, die für fünfzig Mark monatlich einem erwachsenen Menschen ausreichende freie Station und sogar Sonntags eine Flasche Bier geben.
(Fortsetzung solgt.)
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