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Gießen, Samabend,
den 2. Oktober
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
ssische Landeszeitung.
Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
* Kreuzplatz Nr. 4..
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 30. Sept.(Stadt verordneten⸗Ver⸗ sammlung.) Oberbürgermeister Gnauth eröffnet um 3½ Uhr die Sitzung und teilt vor Eintritt in die Tages⸗ ordnung der Versammlung mit, daß Stadtverordneter Vogt sein Mandat als Mitglied des Kollegiums nieder⸗ gelegt hat, und zwar krankheitshalber. Der Oberbürger⸗ meister gab seinem Bedauern Ausdruck, daß dies so sehr berdlente Mitglied aus der Versammlung scheide.— Be⸗ treffs der Verteilung der Stiftungssumme aus der Stif⸗ tung der Kommerzienrat Heichelheimschen Eheleute beschließt die Versammlung, dies der betreffenden Kommission zu überlassen.— Ein Gesuch des Barbiers F. Klenker um Erlaubnis zur Anbringung eines Fahnenschildes Selters⸗ weg 16, wird genehmigt.— Die Erlaubnis zur Er⸗ hauung eines Hinterhauses längs des Dammes der Main⸗Weserbahn wird dem A. Euler erteilt, doch ist außerdem noch die Genehmigung zum Bau bei der Eisen⸗ bahnbehörde einzuholen.— Die geforderte Summe von 170„ zur Aufstellung eines Gasofens im Zimmer 5 des Bürgermeistereigebäudes wird genehmigt.— Zur An⸗
gung von Fensterläden und einer Marquise am Thor⸗ 10 an der Rodheimerstraße werden die erforderlichen Mittel (405% bewilligt.— Zur Anschüttung des Straßenkörpers der Moltkestraße wollte sich erst kein Unternehmer melden, der die Arbeit zum Preise des Voranschlags übernehmen wollte. Es haben jedoch nun drei Reflektanten sich ge⸗ meldet, die Aufschüttung zu übernehmen, und zwar Unter⸗ nehmer Valenthien zu 1,28 ,, Bauunternehmer Winn zu 1,15, und Fuhrunternehmer Herzberger mit 1, pro Kubikmeter Erde. Die Versammlung beschließt, dem Mindestfordernden die Anschüttung zu übertragen.— Für den Umbau der Wieseckbrücke an der Bismarckstraße werden 8650/ gefordert und bewilligt. Die Brücke, welche Bohlenbelag hat, soll an Stelle dessen mit Asphalt abgedeckt werden.— Die Witwe J. Leyerzapf und die Mitwe H. Dörr, welche an der Schützenstraße Hofraithen besiten, sind wegen des Straßenkostenbeitrags heranzu⸗ zlehen, und zwar in Höhe von 600 resp. 350 44. Da aber ein der Grundstücke an der Straßenfront ge⸗ legen und noch als Bauplatz zu betrachten ist, so wird für diese Teile auf Zahlung des Straßenkostenbeitrags vorerst verzichtet und die städtischerseits zu fordernden Beiträge auf 332& bei Leyerzapf und auf 172 l bei Dörr herabgesetzt.— Die Bauunternehmer Abermann und Wagner haben von der Stadt früher Gelände in der Bismarckstraße erworben, mit der Verpflichtung der Be⸗ bauung dieser Flächen bis zum Jahr 1897. Diese Frist wird den Gesuchstellern verlängert.— Mehrere Wirtschafts⸗ gesuche werden genehmigt.— Ein Gesuch des Valenthien für das Haus Rodheimerstraße(zum Bieberthal) wegen Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein wird ab⸗ gelehnt.— Zur Unterstützung der durch Wetter⸗ und Wasserschäden heimgesuchten Bevölkerungskreise in Schlesten, im Königreich Sachsen und Württem— berg werden 1000& bewilligt.— Für die Be⸗ leuchtung des Kirchenplatzes resp. zur Anschaffung der hlerzu nötigen Kandelaber werden 700, gefordert und bewilligt.— Bei der vorgelegten Uebersicht der Ein⸗ nahmen und Ausgaben des städtischen Gas⸗ und Wasser⸗ werks für 1896/97 hat die Versammlung nichts zu erinnern.— Es folgt eine geheime Sitzung.
Gießen, 1. Oktober. In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde beschlossen, die Coakspreise zu erhöhen und Coaks nur noch in drei Sorten statt wie Usher in vier Sorten abzugeben. Die neuen Verkaufspreise stellen sich auf 1. Sorte 1,10., 2. Sorte 1,20 und 3. Sorte 1,25& pro Zentner.
a. Gießen, 1. Okt.(Stadt⸗Theater.) lleber Gerhart Hauptmanns„Versunkene Glocke“ haben sich schon Dutzende berufene und ; 7——.
unberufene Kritiker die Finger wund geschrieben. Der eine stellt Hauptmanns Märchendrama direkt neben Goethes„Faust“, der andere er⸗ klärt, er wäre am liebsten nach Beendigung des ersten Aktes aus dem Theater geflohen— nebenbei gesagt: einem Berliner Theater. Der Geschmack ist gar zu verschieden und die Ansichten über Poesie und Aesthetik gehen auch zu weit aus⸗ einander. Das eine dürfte feststehen, daß Haupt⸗ manns Gemeinde um Tausende zugenommen hat, seitdem er seine„Versunkene Glocke“ schrieb. Das gewaltige Drama„Die Weber“ hatte doch viele zahlungsfähige Moralisten, viele Leute„von Bildung und Besitz“, gar zu arg verschnupft. Es sind nicht Menschen von Fleisch und Blut, wie in den„Webern“, die Hauptmann in der„Ver⸗ sunkenen Glocke“ agieren läßt. Die Hauptper⸗ sonen des Märchendramas sind außer dem Glockengießer Heinrich die alte Wittichen, Rau⸗ tendelein, der„Elementargeist“ Nickelmann, Waldschratt, ein faunischer Waldgeist und weitere vier Elfen. Im übrigen giebt es Zwerge und sonstige„märchenhafte“ Gesellschaft. Wir müssen darauf verzichten, auf den Inhalt des poetischen Werkes hier einzugehen. Ausführlich könnte das nicht geschehen. Und bloßes Skizzieren wäre hier ein Vergehen. Was die Aufführung in unserem Stadtthegter anbelangt, so sind wir mit derselben im großen und ganzen zufrieden. Wie sehr man in Gießen auf die Aufführung der „Versunkenen Glocke“ gespannt war, bewies das volle Haus. Glücklicherweise waren für gestern Abend die neuen, prächtig gemalten Dekorationen eingetroffen. Das kam dem phantastischen Märchen⸗ drama sehr zu statten. Auch die anscheinend aan neuen Kostüme trugen nicht wenig dazu bei, ie ganze Aufführung mit märchenhaftem Glanz zu überhauchen. Gespielt wurde im allgemeinen sehr gut. Am besten war Frl. v. Winterstein als„Rautendelein“. Ein liebreizendes„elbisches Wesen“. Sie fand sich mit ihrer schwierigen Rolle vorzüglich ab und wußte stets den rich⸗ tigen Ton zu finden. Das letztere ist Herrn Fritzschler, der den Glockengießer Heinrich im übrigen recht gut spielte, nicht immer gelungen. Herr Fritzschler schien gestern Abend nur über zwei Töne zu verfügen. Entweder jammerte er — und zwar recht eintöntg— oder aber er deklamierte, wie ein Schauspieler alter Schule Schillersche Verse deklamiert: übertrieben pa⸗ thetisch. Auch das zu häufige und jedesmal zu lang anhaltende seitwärtige Ausstrecken der Arme sah nicht schön aus. Es erinnerte gar zu sehr an das Kasernenhofkommando: Arme seitwärts he-e-e-bt! Abgesehen von diesen Kleinigkeiten war die Leistung des Herrn Fritzschler eine an⸗ erkennenswerte. Die„alte Wittichen“ fand in Frau Helm eine gute Vertreterin. Die rätsel⸗ hafte Buschgroßmutter war eine der besten uns bekannten Leistungen der Frau Helm. Recht nett waren die Herren Liebscher und Janson als Nickelmann und Waldschratt. Auch von Frau Würdig können wir sagen, daß sie die Magda, des Glockengießers Weib, recht gut zur Darstellung brachte. Die übrigen Rollen, so z. B. des Pfarrers(Herr Forsch) lagen gleich- falls in guten Händen. Angesichts der immerhin primitiven Bühnenverhältnisse klappten auch die künstlichen Naturereignisse— Donner und Blitz— recht gut. Für die Direktion unseres
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petttzeile.
edition:
5 Kreuzplatz Nr. 4.
Theaters bedeutet der gestrige Abend einen schönen künstlerischen Erfolg.
* Gießen, 1. Okt. In der vorgestrigen Sitzung des Vorstandes des hiesigen Detail- listenvereins machten die Delegierten, welche den Verein bei der Wiesbadener Konferenz ver— treten hatten, die Mute e, daß dort beschlossen sei, die nächste Konferenz der Detaillistenvereine Südwestdeutschlands im Februar oder März kommenden Jahres in Gießen abzuhalten.— Die Generalversammlung des hiesigen Vereins findet am 13. Oktober statt.
* Gießen, 1. Oktober. Bei der gestern in Butzbach abgehaltenen Wetterauer Geflü— gelausstellung wurden dem hiesigen Schreiner⸗ meister Heinzerling für Hühner(Brahma) 4 und für Tauben 2 Preise zuerkannt.
* Gießen, 1. Oktober. Wegen verschiedener Betrügereien wurden gestern Abend zwei Fremde in Haft genommen. Dieselben führten die Betrügereien in der Weise aus, daß sie in verschiedenen Geschäften kleine Einkäufe machten, ein größeres Geldstück als Zahlung hinlegten und dann dasselbe mit dem herausbekommenen Geld verschwinden ließen. In einigen Fällen war denselben das Geschäft geglückt.
K. Staufenberg, 1. Oktober. Vergangene Nacht gegen 1 Uhr wurde unser Dorf durch Feuerlärm in Aufregung versetzt. Das Wohn⸗ haus und die Scheuer des Schmieds Heinrich Schwalb stand in Flammen. Die Nachbarorte Ruttershausen, Mainzlar und Daubringen wurden sofort allarmiert. Als das Feuer an Ausdeh⸗ nung zuzunehmen drohte, wurde noch die Frei— willige Feuerwehr in Lollar allarmiert, die aber nicht mehr in Aktion zu treten brauchte. Das Feuer konnte auf seinen Herd beschränkt werden. Sämtliches Vieh ist gerettet, jedoch sind die Wintervorräte ein Raub der Flammen geworden. Die Annen ache des Feuers ist bis jetzt noch unbekannt.
Schwurgericht. Verhandlung gegen Menz' Eheleute von Lindenstruth wegen Meineids. (Schluß.)
W. Gießen, 20. Sept.
Die Zeugen, Ziegeleiarbeiter Johs. Albach, Schmied Kaspar Schepp III, Landwirt Peter Sehrt, Landwirt Chr. Schepp, Maurer Konrad Weiß, Milchfuhrmann Hrch. Gehrt, Nachtwächter Johs. Kühn, Landwirt Hrch. Strack, alle von Lindenstruth, sagen sehr verschieden aus. Keiner der Zeugen hat gehört, daß Menz oder dessen Ehefrau den Gräf aufgefordert haben, die Wirtschaft zu verlassen. Richtig sei, daß Menz' Ehe⸗ frau, sowohl als der Mann gemeint haben, Gräf soll hinaus. Dies sei aber erst geschehen, als beide denselben gepackt gehalten.
Auf Veranlassung des Rechtsanwalts Dr. Gut⸗ fleisch wird Gräf noch einmal vorgerufen. Der Ver⸗ teidiger richtet an diesen die Frage, ob er im Jahre 1893 in der Menz'schen Wirtschaft einmal die Fensterscheiben eingeworfen, weil man ihm dort keinen Schnaps auf Borg habe geben wollen.
Gräf stellt dies entschieden in Abrede.
Der Vorsttzende fragt den Zeugen Gräf, ob er diese Frage nicht lieber in dem Sinne beantworten wolle, daß er sich auf den Vorfall nicht besinnen könne.
Gräf bleibt aber dabei, die Sache entschieden zu ver⸗ neinen und nimmt diese Versicherung auf den ge— leisteten Eid.
Eine reiche Partie.
Erzählung von Felix von Stenglin.
(Nachdruck verboten). (Fortsetzung)
Dieser erzählte seiner Wirtin, was er für gut befand. Daß er in Frauensee gewesen, daß er auf eine Provislon entgiltig verzichtet habe.
5* Gesicht wurde sehr ernst, als sie dies ver⸗ ahm.
„Und an mich haben Sie dabei nicht gedacht, Herr von Warushagen 7“ fragte sie mit bitterem
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Herr von Warnshagen stellte sich mit halb seit⸗ wärts geneigtem Kopf vor die Frau hin und machte sein süßestes Gesich!.„Ich habe Liebe gesäet!“ er⸗ widerte er schmachtend.
Sie 155 ein eigentümliches Lachen hören, das wie das Meckern einer Ziege klang und deutlich ihre verzweifelte Gemütsstimmung bekundete. Dann wandte sie sich ab und ging erhobenen Hauptes hinaus, mit dem festen Vorsatz, diesem Manne gleich morgen früh vie Rechnung hinzulegen.
XVIII.
In Unruhe hatte Röschen den Tag verbracht. Ales Zureden der Mutter half nichts. Bald ging
auf ihr Zimmer, um mit ihren hin- und her⸗ wagenden Gedanken allein zu sein, bald lief sie wieder die Treppe hinunter, um vor die Thür
zu treten und die Straße hinabzublicken. Drei⸗ mal war sie schon drüben bei Frau Grünebohm gewesen, deren Mann immer noch nicht zurückge— kehrt war. Bedeutet Schlechtes?
etwas Gutes oder etwas
Tötliche Angst durchfuhr sie von Zeit zu Zeit, wenn sie an Hellmuth dachte. Wie thöricht, wie unrecht, daß sie ihm auf seine Frage eine so unbe⸗ stimmte Antwort gegeben hatte! Wie falsch über⸗ haupt, daß sie ihn durch ihre Zweifel von sich ge⸗ scheucht hatte! War es christlich, sich so über seinen Mitmenschen, und sogar über den Nächststehenden, emporzuheben? Er hatte sie verletzt,— ja! Aber sie hätte ihm vergeben und ihn doppelt lieben sollen, um ihn wieder mit sich selbst auszusöhnen. Hatte er doch unter dem, was geschehen war, am meisten zu leiden! Ach wenn sie doch alles, was sie durch ihre Härte verschuldet hatte, wieder gut machen
nnte. 8 * Und heute gerade! Wie er ihr heute fehlte! Das erste Weihnachtsfest, seit sie verheiratet waren! Wenn nur Grünebohm wieder käme und Bescheid brächte! Dann wollte sie in die Stadt und Hell- muth aufsuchen und nicht wieder von seiner Seite gehen... Alles, auch die bitterste Armut, wollte
sie mit ihm teilen!
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langen Jahren immer wieder von Frau Puhlmann hervorgesucht wurden, an den Weihnachtsbaum. Ab und zu betrachtete er selbstgefällig sein Werk und lachte. Schenken that man sich bei Puhlmanns nichts, das war nicht Mode.
Herr Karl Puhlmann ging, die Hände in den Hosentaschen, in seinen Latschen ruhelos durch das ganze Haus, und wenn er seiner Tochter begegnete, brummte er vor sich hin. Seine Frau saß im guten Zimmer, wo auch der Weihnachtsbaum stand, und las in der Bibel.
Nun kam Karl Puhlmann wieder herein. blieb vor seiner Frau stehen.
„Kalb's Liese hat sich sprochen.“
Frau Puhlmann blickte auf.
„Mit den jungen Koofmann?“
„Ja, mit den Miehlke.“
Frau Puhlmann seufzte auf.„Wer weeß,“ sagte sie dann,„wie't noch wird!“ Sie dachte an ihre Tochter.
„In de Welt is't so: man kann nischt vorher seh'n.“
Puhlmann nickte, dann nahm er seine Wande— rung wieder auf.
„Dat is wahr,“ meinte er,„vorher kann man nischt seh'n.“
„Et is nu mal so,“setzte die Frau hinzu.„Un so bliwt et ooch. Vorherseh'n kann man nischt.“
Er
ja heut' boch ver⸗
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Der Bürgermeister Scheld von Lindenstruth war, als er von der Balgerei in der Wirtschaft erfahren, dort hingegangen. Die Angeklagte habe an der Stirn eine kleine Narbe gehabt. Menz habe ihn, unter Mitteilung des Vorgefallenen, gefragt, was da zu machen sei und da habe er demselben gefagt, da macht man Anzeige wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Von Haus⸗ friedensbruch sei aber damals bei dem Angeklagten keine Rede gewesen. Gräf habe später Anzeige gegen Menz bei ihm machen wollen, doch habe er demselben bedeutet, daß dies bereits von den Eheleuten Menz gegen ihn, den Gräf, geschehen sei.
Damit ist die Beweisaufnahme erschöpft.
Den Geschworenen werden folgende Fragen vorgelegt:
Betreffs des Angeklagten Ehemanns:
1. Hat derselbe am 5. August 1896 vor dem Amts⸗ gericht Grünberg einen Meineid geleistet?
2. Hat derselbe am 6. Oktober 1896 vor dem Land⸗ gericht Gießen einen Meineid geschworen?
Für den Fall der Bejahung der beiden Fragen:
3. Bilden beide Eide eine fortgesetzte strafbare Handlung?
4. Konnte die Angabe der Wahrheit gegen den Ange⸗ klagten eine Vorfolgung wegen eines Verbrechens oder Vergehens nach sich ziehen?
Für den Fall der Verneinung der Fragen 1 und 2:
5. Hat der Ehemann Menz vor dem Amtsgericht Grün⸗ berg fahrlässig falsch geschworen?
6. Hat derselbe vor dem Landgericht Gießen fahrlässig einen falschen Eid geleistet?
7. Bilden beide Eide eine fortgesetzte strafbare Hand⸗ lung?
Wegen der angeklagten Ehefrau waren dieselben sieben Fragen formuliert.
Gerichtsassessor Dr. Friedrich hält die Anklage in allem Umfange aufrecht. Er verlangte, daß die Ge⸗ schworenen heute das doppelt verletzte Recht wieder her⸗ stellen und so dem zu Unrecht bestraften Gräf, der neun Wochen Gefängnis, die ihm zuerkannt gewesen, die er bereits verbüßt hat, die Möglichkeit zu geben, im Wege des Wiederaufnahmeverfahrens seine Freisprechung zu er⸗ wirken. Selbstverständlich sei auch die Bejahung der Frage, daß beide Eide eine einheltliche strafbare Handlung bilden und daß der Milderungsgrund des§ 157 Abs. 1 des Str.⸗G. hier vorliege.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch er⸗ klärt, daß es für ihn ganz zwelfelhaft sei, daß die Ge⸗ schworenen zur Prüfung der verschiedenen Fragen gar nicht kommen würden, denn nach seiner Meinung müßten beide Angeklagte überhaupt freigesprochen werden. Es sel in der heutigen Hauptverhandlung durchaus nichts darge⸗ than, was das Gegenteil von dem beweise, was die Menz'schen Eheleute mit ihrem Eide bekräftigt hätten. Für die von der Staatsanwaltschaft behaupteten Verab⸗ redung seiner Klienten, um einen dem Trunke ergebenen Menschen reinzuschwören, sei auch nicht der mindeste Be⸗ weis erbracht. Man solle doch bedenken, daß der ganze Vorfall in der Wirtsstube in Gegenwart vieler Zeugen passiert sei und für so kindisch solle man doch keinen Menschen halten, daß dieser unter solchen Umständen falsch schwören werde. Auch er, der Verteidiger, denke über die Heiligkeit des Eides sehr streng. Aber gerade darum gehe es nicht an, die Angeklagten wegen eines schweren Ver⸗ brechens zu verurteilen, weil der von ihnen belastete Gräf und eigentlich nur dieser allein die heute auf der An⸗ klagebank sitzenden Angeklagten unter Eid beschuldige. Er kommt zu dem Schluß, daß die Geschworenen zu keinem anderen Spruch im vorliegenden Falle kommen können, als zu einem Nichtschuldig.
Nach ganz kurzer Gegenrede des Staatsanwalts, ent⸗ gegnete ebenfalls der Verteidiger kurz, worauf der Vor⸗ sitzende den Geschworenen die Rechtsbelehrung erteilt.
Nach ½stündiger Beratung der Geschworenen ver⸗ kündet der Obmann, Professor Krüger-Gießen, den Wahrspruch, demzufolge sämtliche Schuldfragen verneint werden. Der Gerichtshof verkündet darauf das Urteil,
———. T
„Hä, hä!“ machte Onkel Fritz. „If! Ff! Und dann hing er weiter Sprüche auf.— Die Unruhe Röschens war auf's Höchste
gestiegen. Eben war sie zum viertenmal bei Grünebohms gewesen. Der Mann war noch nicht da.
Hastig warf sie ihr Tuch ab, als fie eintrat. Die Blicke flogen hin und her. Sie ging an's Fenster und preßte den Kopf an die Scheiben. Wenn er nun nicht bald kann, fuhr sie nach Berlin.
Da schrack sie auf. Das Rollen eines Wagens, das sie nicht beachtet hatte, ertönte dicht am Hause. Ein paar Pferdeköpfe tauchten auf,— dann hielt das Gefährt.
Was war das? Sie wandte sich in's Zimmer zurück. Aber schon flog die Thür auf, und Hell⸗ muth stand auf der Schwelle.
Mit einem Freudenschrei stürzte sie ihm ent⸗ gegen, und fest, wie unauflöslich hielten sich Beide umschlungen.
Dann begann Röschen krampfhaft zu schluchzen. Hellmuth streichelte ihr Haar und redete ihr freund⸗ lich zu.„Liebes Röschen! Meine liebe, süße, kleine Frau! Es ist alles vorüber! Beruhige Dich, es ist alles gut!“ Und abermals küßte er sie innig
auf den Mund. (Schluß folgt.)


