Ausgabe 
1.10.1897
 
Einzelbild herunterladen

erschienene 2080

8 Uhr, Abend Zitber⸗ Club

hett 1 Wolle, der rel.

fe

990 ran 2

Tageszelt. 6U5 pft

ate

gen 30, Sept. 0 1 can dhl

I Märchendrale J l 1e rbart Hau

9 12 unis: ö beuls it Loth soc lichen

cer

owe v 0 itte

h e 2 ö

Lokales und Provinzielles.

Jahre konnten wir an dieser Stelle über die

1 1

10

1 1 höher 178 Wand 4. 1 0

aus, mae 0

8

3

dem gestrigen Theaterbericht muß es Zeile 5

gewachsen.

Gießen, Freitag, den 1. Oktober

1897.

Postztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeilung.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4. 1

* Gießen, 30. Sept. Berichtigung. In

von oben natürlich effektvoll, nicht effektiv leißen. Gegen den Setzkastenteufel ist kein Kraut

* Grünberg, 29. Sept. Schon im vorigen

segeusreichen Erfolge des Erziehungsver⸗ Ens des Dekanats Grünberg berichten. Während dieser Zeit hat nun genannter Verein u unserem Dekanat immer festere Wurzeln ge⸗ 1155 immer mehr Gemeinden haben sich dem⸗ alben angeschlossen. Zu dem Verein zählen gegenwärtig 19 Pfarreien; auch wird demselben bon den großh. Kreisämtern Gießen und Alsfeld die möglichste Unterstützung zuteil, sodaß die Be⸗ hebungen des Erziehungsvereins von allen Seiten Förderung erlangen. Im Rechnungsjahr 1896/97 wurden 7 Kinder in Pflege gegeben, nämlich 4 aus Ober⸗Ofleiden, 2 aus Oppenrod aus Annerod. Die Einnahmen beliefen sich auf rund 574, die Ausgaben auf 230 l. In anbetracht der segensreichen Wirksamkeit ge⸗ kannten Vereins und der Schwierigkeit in der Erfüllung seiner Aufgaben ist demselben eifrige a zur Weiterarbeit zu wünschen.

* Bad Nauheim, 29. Sept. Der günstige Verlauf der diesjährigen Badesaison, die mit aner Frequenz von fast 18 Tausenden und mit einem Mehr von dritthalb Tausenden gegen das Vorjahr abschloß, hat eine sehr lebhafte Be⸗ wegung in das Immobiliengeschäft ge⸗ bracht. Es werden Preise gefordert und auch gegeben, bei welchen das solide Geschäft kaum mehr bestehen kann; in den besseren Lagen werden nämlich bis zu vierzig Mark für den Quadratmeter verwilligt. Der Fiskus, welchem auch viel Bauterrain zusteht, hat sich einer lobens⸗ werten Mäßigung beflissen. An eigentliche Speku⸗ lanten wird kein Gelände abgesetzt, und der Erwerber muß sich vertragsmäßig verpflichten, den Platz nicht zu veräußern und ihn binnen einem Jahre zu bebauen. Im Augenblick wird mit Vorliebe das Gelände zwischen der Linden⸗ straße und dem nördlichen Gradierwerk abgesetzt. Jedenfalls wird diesen Herbst weit über das Bedürfnis hinaus gebaut. Vielfach hört man, die Villa Britannia werde zu einem größeren Hotel umgebaut. An Logier⸗ und Pensions⸗ häusern ist bei alledem kein eigentlicher Mangel. Der Vergrößerung des Kurparks durch Heran⸗ ziehung des sogen. Donnergrabens zum Park⸗ gelände steht das einheimische wie das Kur⸗ publikum sehr mpassch gegenüber; durch die geplanten Anlagen und die Anlage von Prome⸗ nadenwagen nach dem Frauenwald und dem Johannisberg gewinnt die Umgebung außer⸗ ordentlich und werden die schönsten Teile der⸗ selben dem Park angegliedert.

Darmstadt, 29. Sept. DerDarmst. Zeitung zufolge trifft der Kaiser und die falserin bon Rußland mit den Groß⸗ fürstinnen Olga und Tatjana am Samstag, den 2. Oktober, nachmittags 4 Uhr, hier ein.

* Darmstadt, 29. September. Vorgestern fand im Gebäude der Landes irren anstalt Heppenheim 4. d. B. die 13. Jahressitzung des Kuratoriums der Unterstützungskasse der hessischen Landes⸗ irtenanstalten statt, wozu sich u. a. als Vertreter der großh. Regierung Provinzialdirektor Geheimrat v. Mar⸗ guard, ferner Mitglieder der Verwaltung, ständige und unständige Mitglieder des Kuratoriums, bew. Ersatzmänner derselben, sowie als Gäste Bürgermeister Höhn von Heppen⸗ helm und Direktor Dr. Unger von Heidesheim eingefunden hatten. Den Vorsitz führte in Verhinderung des er⸗ krankten Direktors Geh. Medizinalrats Dr. Ludwig der zwwelte Anstaltsarzt Dr. Kratz, der nach Begrüßung der Arenen des beklagenswerten Ablebens des Herrn Medszinalrats Dr. Wittich und des Domänenrats Stolz gedachte, zu deren Ehren sich die Versammelten von den Sitzen erhoben. In dem von ihm erstatteten statuten⸗ müäßsgen Jahresbericht wies er auf die erfreuliche That⸗ sache hin, daß sich die Zahl der erklärten Freunde der gasse um 4646(Geber) vermehrt und auf 31 556 ge⸗ 29 sel. Im letzten Jahr sind an freswilligen Gaben 19 368 vereinnahmt und in 395 Fällen 14 301 4 an Unterstützungen gewährt worden. Nicht ohne Interesse war die Mitteilung, daß Wärter und Wärterinnen in der Regel wieder zu einer anderen Beschäftigung übergeführt werden. Für einen anderen Berufszweig werden sie schon in der Anstalt thunlichst ausgebildet; um geeignet Wärter heranzuziehen, sollen sie nach zur Zufriedenheit zurückgelegter Dienstzeit nach Analogie der Unter⸗ offtzlere eine entsprechende Geld prämie erhalten uud soll der Staatsregierung eine dahingehenbe

orlage gemacht werden. Rechnung und Vor⸗ anschlag, die hierauf vorgetragen wurden, begegneten lelnem Widerspruch. Die im Spätherbst dieses Jahres

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Auzeigen: 10 Wie. für bie Sfpalelge Petttzeile,

werden. Die Festsetzung der Tagesordnung hierfür nahm längere Zeit in Anspruch. Statutengemäß erstatten in derselben der Präsident des Kuratoriums und der Rechner der Kasse über die Ergebnisse der Geschäftsführung seit der letzten Generalversammlung und die gegenwärtige ge⸗ samte Sachlache Bericht. Auch die Mikglieder des sogen. Neunerausschusses sind für die Zeit bis zur nächsten Generalversammlung neu zu wählen. Eine längere De⸗ batte veranlaßte der Name der Kasse, an welche die Irrenklin ik in Gießen neu angegliedert wurde und in deren Rahmen die Provinzialpflegeanstalten demnächst einbezogen werden sollen. Die seit der letzten General⸗ versammlung unter Zustimmung der bezüglichen Faktoren getroffenen Statuten veränderungen unterliegen ebenfalls der nachträglichen Zustimmung der Frankfurter Versammlung. Die Verwaltung der Kasse hatte eine Anzahl Leitsätze dem Kuratorium mitgeteilt und dessen Diskussion unter⸗ stellt. Bezüglich der Provinzialpflegeanstalten gingen die Ansichten auseinander; darüber war man einig, daß eine große Anzahl Geisteskranker darin auf⸗ genommen und die noch immer überfüllten Landesirren⸗ anstalten dadurch wesentlich entlastet werden sollten und könnten. Die gleichzeitige Aufnahme von Siechen, Altersschwachen, Preßhaften usw. hat gewiß manche In⸗ konventenzen zur Folge, aber die finanzielle Fundierung dieser Anstalten durch die Provinzen wird sich ohne die gleichzeitige Unterbringung der letzten Kategorien kaum ermöglichen lassen. Schließlich einigte man sich dahin, daß das Kuratorium vor der Frankfurter Versammlung noch einmal in Heppenheim zusammentreten und zu den ihm vorher schriftsich mitzuteilenden Leltfätzen Stellung nehmen solle.

Mainz, 29. Sept. Der 23 jährige Tag⸗ löhner und Schuhhändler Karl Reidenbach wurde gestern Abend an der Bahnunterführung in der Mombacherstraße mit einen Stich im Herzen tot aufgefunden. Gleich darauf stellte sich eine Frauensperson in zerrissenen Kleidern ein, die den Toten erkannte. Sie gab an, die Ehefrau des Schreiners Konrad Mantel, geborene Bibo, zu sein. Sie stehe unter Sitten⸗ kontrolle und sei in Begleitung des Reidenbach von ihrem Manne überfallen und geschlagen worden. Beide hätten sich geflüchtet, ihr Mann sei dem Reidenbach nachgelaufen, was nachher erfolgte, wisse sie nicht. Die Frau wurde in Haft genommen und ihr Ehemann als des Mordes verdächtig noch in der Nacht aus dem Bette heraus verhaftet. Er hat Kratzwunden im Genick, leugnet aber die That. Reidenbach soll einVerhältnis mit der Ehefrau Mantel gehabt haben.

Schwurgericht. W. Gießen, 20. Sept.

Heute Vormittag wird, nach Bildung der Geschworenen⸗ bank, in die Verhandlung gegen den Gastwirt Ludwig Menz J und dessen Ehefrau von Lindenstruth wegen Meineids eingetreten. Die Anklage wird vom Gerichts⸗ assessor Dr. Fried rich vertreten. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch. Es sind 14 Zeugen zu vernehmen.

Der angeklagte Ehemann ist 47 Jahre alt, in Paris geboren. Die zur Verhandlung stehenden falschen Eide sollen die Angeklagten, jeder sich für allein, in der Strafsache wider Wlh. Gräf, wegen Körperverletzung und Haus⸗ friedenbruch, am 5. Augnst 1896 vor dem Schöffen⸗ gericht Gießen und am 6. Oktober 1896 vor der Straf⸗ kammer Gießen geleistet. Der Thatbestand, auf den sich die Anklage stützt, ist kurz der folgende: Im März 1896 kamen Heinrich Schepp I und Wilhelm Gräf von Linden⸗ struth in die Wirtschaft der Angeklagten und verlangten Schnaps, den Schepp bezahlte. Der Wirt war nicht im Haus und Frau Menz bediente die Gäste. Nach ihrer Darstellung habe Gräf ebenfalls Getränke verlangt, die sie aber ihn zu geben sich weigerte, weil dieser ohne Geld nichts erhalten sollte, darüber kam es zu Differenzen. Die Wirtin will den Gräf mehrfach aufgefordert haben, die Wirtschaft zu verlassen. Derselbe habe dies nicht ge⸗ than, es sei ihr Mann nach Hause gekommen und da habe Gräf ihm einen Schlag auf den Kopf versetzt, sodaß ihr Ehemann blutete. Die Ehefrau will dann von Gräf ebenfalls einen Schlag vor den Kopf, daß das Blut spritzte, erhalten haben und dann einen weiteren Stoß, sodaß sie mit dem Kopf in die Fensterscheibe geflogen sei und diese zertrümmert wurde. Der Wirt hat dann den Gräf, am Ohr packend, hinausgeworfen. Beide Eheleute stellten Strafantrag gegen Gräf wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung, später ist im Laufe des Verfahrens, der Hausfriedensbruch seitens der Angeklagten noch dazu behauptet. Die Anklage behauptet nun, daß alle diese von den Eheleuten als Zeugen in der Strafsache wider Wlh. Gräf vor dem Schöffengericht sowohl, als vor der Strafkammer unter Eld behaupteten Thatsachen wissent⸗ lich falsche seien. Die Angeklagten behaupten, was sie beschworen, sei wahr, der Ehemann erklärte, er habe den Gräf mehrfach aufgefordert, die Wirtschaft zu verlassen.

Oberamtsrichter Mickel von Grünberg bestätigt, daß dle beiden Eheleute vor dem Schöffengericht in Grünberg die Thatsachen so dargestellt haben, wie es geschehen.

Der Eindruck der beiden Eheleute Menz war ein sehr guter; ihre Aussage stimmte überein, sodaß das Gericht

ul sechste Generalversammlung der Vertrauens- männer soll Mentag, 29. November l. J. im Saale des Zoologischen Gartens in Frankfurt a. M. abgehalten

von der Vernehmung weiterer Zeugen absah und den An⸗

1 Sryebttiun: Kreuzplatz Nr. 4.

*

Der Gerichtsschreiber Ries von Grünberg, welcher das Protokoll in der Schöffengerichtsverhandlung führte, bestätigte die Bekundung des Oberamtsrichters Mickel. Der Hauptbelastungszeuge, der 55 Jahre alte Pflasterer Wilh. Gräf von Lindenstruth, ein Mann, der schwer hört und schlecht sieht, wird vom Vorsitzenden ernst und streng ermahnt, sein Zeugnis so abzulegen, daß er es vor Gott und Menschen verantworten könne. Der Zeuge er⸗ klärt, mit Hrch. Schepp an dem betreffenden Abend auf dessen Veranlassung in die Gräfsche Wirtschaft gegangen zu sein. Schepp bestellte ein Kännchen Schnaps und bezahlte dasselbe. Noch während sie gemeinsam tranken, habe die allein hinter der Schenke stehende Frau Gräf erklärt, Napoleon, du kriegst keinen Schnaps, damit habe sie ihn gemeint. Da habe Schepp gesagt: was willst du denn, Napoleon hat gar keinen Schnaps bestellt, und auf den Tisch weisend: da liegt ja das Geld für das Känn⸗ chen, das wir trinken. Da sei Frau Menz plötzlich wie wütend geworden. Der Ehemann sei in die Gaststube getreten und habe ihn am Ohr gepackt, ihn daran ge⸗ rissen, sodaß er geblutet habe, da erst habe er sich gegen den Wirt gewehrt, aber vergeblich. Man habe ihn dann hinausgeworfen. Der Zeuge erklärt, als er der Menzschen Wirtschaft gewesen sei, habe er keinen Rausch gehabt. Es schien ihm damals, als ob die Wirtin Menz stark betrunken gewesei. Es sei überhaupt nicht wahr, daß die Ehefrau von ihm verletzt wurde, auch vom Zerbrechen einer Fenster⸗ scheibe will der Zeuge nichts wissen. Entgegen den An⸗ gaben der Angeklagten bestreitet der Zeuge Gräf, bei Menz noch Schulden gehabt zu haben, wenigsten will er davon nichts wissen. Auf Befragen erklärt der Zeuge, weder Menz noch dessen Ehefrau hätten ihn erustlich auf⸗ gefordert, die Wirtschaft zu verlassen.

Beide Angeklagte erklären, daß das, was der Zeuge Gräf angiebt, nicht wahr sei.

Der Landwirt Hrch. Schepp I von Lindenstruth erklärt, es set ganz unmöglich, daß Gräf die Frau Menz in das Fenster gestoßen haben könne. Wohl aber will der Zeuge wahrgenommen haben, daß Gräf erst schlug und sich wehrte, als man ihn packte. Eine Aufforderung an Gräf, die Wirtschaft zu verlassen, hat der Zeuge weder vom Wirt noch von dessen Frau vernommen. Wohl haben Beide gesagt, er kommt hinaus, mach dich raus, als sie den Gräf zum Hinauswerfen gepackt hatten. Das Ohr des Gräf war noch am nächsten Tage grün und blau und die Ohrmuschel eingerissen. Den ganzen Lärm hat nach der Wahrnehmung des Zeugen allein die Ehe⸗ frau verschuldet, die anscheinend angetrunken gewesen sei. Auf Befragen des Vorsitzenden giebt der Zeuge die Mög⸗ lichkeit zu, daß Gräf in dem Trubel beim Ausholen mit dem Arm die Fensterscheibe eingestoßen hat. Die Dar⸗ stellung der Ehefrau Menz, wie sie in die Scheibe ge⸗ stoßen sein will, ist überhaupt unmöglich. Richtig ist, daß die Ehefrau Menz während der Affalre eine 2 Cm. lange Rißwunde erhalten hat, aus der ja Blut geflossen, aber nicht gespritzt sei.

Hier tritt eine Pause ein.

Vermischtes.

Soldaten wider ihre Vorgesetzten. In der ungarischen Ortschaft Szamos⸗Ujbar hat am 21. September der Husar des 9. Honved⸗Husaren⸗Regiments Sojmer wegen schlechter Behandlung einen Lieutenant, mit welchem er auf der Szamosbrücke zusammentraf, nieder⸗ geschossen, die Leiche über die Brücke in den Fluß ge⸗ worfen und dann seinem Leben durch einen Revolverschuß ein Ende gemacht. Ein anderer Fall von Auflehnung gegen den militärischen Vorgesetzten wurde am 20. Sep⸗ tember in Algier mit dem Tode bestraft. Es wurde der Soldat Ernest Chevalier wegen Vergreifung an einem Vorgesetzten erschossen. Chevalier, 23 Jahre alt, hatte einem Korporal einen Faustschlag ins Gesicht gegeben.

Die umdrehungsgeschwindigkeit der Sonne ist immer noch nicht mit Sicherheit bekannt. Dies liegt daran, daß die Flecken, an deren Bewegungen man die Drehung der Sonne beobachtete, sich von einer Umdrehung zur anderen meistens so stark verändern, daß man nicht mehr gewiß ist, ob man es mit demselben Fleck zu thun hat, oder daß doch wenigstens darüber Zweifel vorhanden sind, wo in jedem Falle der Schwer⸗ punkt des Fleckens angenommen und mit den Instru⸗ menten eingestellt wurde. Denn bei größeren Flecken, auf die es hier hauptsächlich ankommt, ist es natürlich nicht gleichgiltig, welcher Teil des Fleckens jedesmal anvisiert wird, es kommt im Gegenteil darauf an, daß immer derselbe Punkt des Fleckes als Marke für die Messungen gewählt wird. Zu dieser Schwierigkeit kommt noch die merkwürdige Thatsache, daß die Umdrehungsgeschwindigkeit der Sonne nicht für alle Teile dieselbe ist. In der Nähe des Sonnenäquators nämlich erfolgt eine Umdrehung in ungefähr 25 Tagen 2 Stunden, während sie in einer Breite von 30 Grad 26 Tage 12 Stunden dauert. Man kann daher aus den Beobachtungen der Sonnenflecken nicht eine einheitliche Rotationsdauer des ganzen Sonnenkörpers ableiten, sondern nur folgern, daß er sich in 25 27 Tagen um seine Achse drehe. Neuerdings hat deshalb Bigelow in Pulkowa einen anderen Weg eingeschlagen, um zu einem zuverlässigen Wert für die Umdrehungs⸗ geschwindigkeit der Sonne zu gelangen. Er geht von den Beobachtungen der magnetischen Erscheinungen in Europa und Amerika aus und findet für diese eine Periode von 26,68 Tagen. Indem er nun annimmt, daß diese Periode direkt durch die Rotation der Sonne veranlaßt wird, hält er diese Zahl für die wahre Umdrehungszeit der Sonne. Es ist zu beachten, daß die Zahl ziemlich

von Helmholtz, Weltkörpers Strömungen Aequator nach den Polen zu sich ausbreitend der Be⸗ wegungsrichtung wegung des Weltkörpers selbst seiner Lufthülle übereinstimmt, so wird es recht wahr⸗ scheinlich, daß der von Bigelow gefundene 26,68 Tagen die wahre Rotationsdauer der Sonne darstellt.

daß in der Lufthülle eines rotierenden entstehen müssen, die vom

entgegenlaufen, daß de ennach die Be⸗ nur am Aequator mit der

Wert von

Der letzte Wunsch des Mörders. Dieser

Tage fand, wie schon kurz gemeldet ward, in Loos bei Lilli die Hinrichtung des am 3. August d. Js. von dem Schwurgerichte wegen Ermordung seines Mitgefangenen Sgaelens zum Tode verurteilten Zuchthäuslers statt. Das

grausige Schauspiel hatte natürlich ein zahlreiches Publi⸗ kum herbeigelockt. Der Verbrecher, der während seiner Haft sowohl, als bei den Verhandlungen einen unverwüst⸗ lichen Galgenhumor bewahrt hatte, zeigte bei dem ganzen Akte eine erstaunlich kaltblütige Haltung, stieg ruhig die Stufen des Schaffots empor und legte ohne jede Hilfe seinen Kopf unter das Fallbeil, das sofort heruntersauste, so daß die schreckliche Szene mit einer wohlthätigen Schnelligkeit sich abspielte. Als man Thomas am Morgen mitgeteilt hatte, er müsse sich auf den Tod vorbereiten, da der Präsident der Republik von seinem Begnadigungs⸗ rechte ihm gegenüber keinen Gebrauch machen wolle, er⸗ widerte er ruhig:Na, wenn's denn sein muß! und bat nur, sich ordentlich waschen zu dürfen, da er nicht mit schmutzigem Gesichte vor der Menge, dieihm zu Ehren sich zusammengefunden, erscheinen wolle. dankte in seiner höflicher Form dem Direktor des Ge⸗ fängnisses, dessen Aufsehern, sowie seinem Verteidiger für die ihm bewiesene Liebenswürdigkeit und ersuchte sie, ihm ein freundliches Andenken zu bewahren.

Natürlich echt. DerVossischen Ztg. wird aus Paris geschrieben: Den Händlern entgeht nichts. Vor einigen Jahren hatte ein Pariser Händler mit alten Kunstsachen in seinem Laden die Haut der Schlange aus⸗ gehängt, die Eva verführt hatte. Adam hatte diese nach⸗ her erschlagen. Die Haut vererbte sich unter seinen Nach⸗ koumen in Asien, wie es eine Menge Zeugnisse bestätigten, die der Händler vorlegte. Jetzt hat ein Haarkräusler im Badeort Bourboule in seinem Schaufenster einen häßlichen Knittel ausgestellt, mit der Beischrift:Stock aus echtem Olivenholz, aus Jerusalem, der Pontius Pilatus gehört hat im Jahre 27 unserer Zeitrechnung, Preis 7000 Fr. Da fehlen blos noch der Regenschirm des Herodes und die Brille des Hohenpriesters Kaiphas.

Neueste Telegramme.

Hd. Weimar, 30. September. In Buttstädt wurden durch Feuer 14 Scheunen eingeäschert.

Hd. Beuthen, 30. September. Der Streik auf der Hohenzollerugrube ist unter Bewilligung der von den Arbeitern verlangten Teuerungszu lage beendet.

Hd. Budapest, 30. Sept. Bei Maston⸗ rasan entgleisten 4 Waggons ohne großen Schaden zu nehmen. Personen wurden dabei nicht verletzt. Nur ein Waggon, in welchem sich mehrere Vollblutpferde befanden, wurde zer⸗ trümmert.

Hd. Warschau, 30. Sept. Eine Zirku⸗ larnote des Generalgouverneurs an sämtliche Bürgermeister und Polizeipräfekten Potens be⸗ stimmt, daß sämtliche Beamte auch im Verkehr mit polnischen Parteien sich ausschließlich der russischen Sprache bedienen sollen.

Hd. Venedig, 30. Sept. Seit einigen Wochen herrscht in Italien sommerliche Hitze. In Neapel zeigte das Thermometer 26, in Mailand 27 Grad. Süd⸗ lichere Orte hatten bis zu 31 Grad. Die Kirschbäume stehen in Blüte.

Hd. Madrid, 30. Sept. Die Königin hat die Demission des Kabinetts ange⸗ nommen, bat jedoch den Ministerpräsideuten, bes zur Erledigung der Angelegenheit im Amte zu bleiben. Heute wird die Königin mit dem Präsidenten der Kammer und den Führern der einzelnen Parteien beraten. Sagasta, welcher gestern hierher zurückgekehrt ist, wurde mit groß⸗

artigen Ovationen empfangen, da man in ihm erblickt.

den künftigen Ministerprästdenten

Sterbefälle.

Am 27. Sept. Ludwig Völker, 68 Jahre alt, Steuerrat i. P. dahier, Ostanlage Nr. 38. Am 28. Sept. Marie Roth, 45 Jahre alt, Privatin dahier, Grünbergerstraße Nr. 4. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. d. M., vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause aus statt.

Am 28. Sept. Luise Friedrich, geb. Scheuer⸗ mann, 66 Jahre alt, Witwe des Schuhmachers Jakob Friedrich dahier.

Am 28. Sept. Wilhelm Steinmüller, 2 Jahre alt, Sohn des Maurers Wilhelm Stein⸗

müller dahier. Gestorben in der neuen Klinik.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗

genau mit dem Mittel der von Carrington, Faye, Spörer, Tisserand für die Bewegung der Aequatortralzone gefundenen

geklagten allein auf das Zeugnis der angeblich vorletzten Eheleute Menz verurteilte.

Werte übereinstimmt. Nimmt man noch hierzu die Ansicht

teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanyschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18.