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Nr. 125
Gießen, Dienstag, den 1. Juni
1897.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Hessische Landeszeitun
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Dic Eröffnung des Sportplatzes an der Hardt. P. Gießen, 30. Mal.
Der große Festkommers am Samstag Abend in geins Saalbau wurde um 9 Uhr von der Kraußeschen pelle durch die Fest⸗Ouverture von Latann eröffnet. rauf erhob sich der Vorsitzende der„Wanderer G.R.⸗G.“, helm Homberger, um die Erschienenen im Namen des ratorlums und der„Wanderer“ willkommen zu heißen. gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehungs⸗ schichte des Rennbahn⸗Unternehmens. Die Zahl der geunde der Rennbahn sei eine große. Redner bringt an Schlusse ein„All Heil“ den Gästen und Freunden. ge eigentliche Festrede hielt darauf der Vorsitzende des Abatoriums, Rechtsanwalt Dr. Jung. Es sei noch i lange her, daß das Fahrrad salonfähig wurde und che Aufregung rief es hervor, als sogar die Damen fingen zu radeln. Welche Wandlung in dieser Be⸗ ung in kurzer Zeit! Daß diese Wandlung in so ber Zeit möglich war, ist der Beweis dafür, welche lahtigkeit das Rad als Verkehrsmittel hat. Was die zuupfmaschine als Verkehrsmittel im Großen, bedeute Fahrrad im Kleinen. Das Radeln sei ein demokratischer Hort, Nun wird man aber wohl fragen, wozu denn die Renn⸗ en, wozu der Ren nsport. Beides gehöre zusammen und ee belebend und fördernd auf das Radeln. Durch den ort werden die Fabriken angesport zu immer neuen An⸗ semgungen, das Rad zu verbessern. Auf der Rennbahn sckelnen die Meister der Kunst und veranlassen damit ie Mitmenschen zur Nacheiferung, und es sei wohl mit icht zu behaupten, daß die Entwickelung des Rades d die Einführung desselben als Verkehrsmittel wesent⸗
dem Rennsport zu danken sei. Dr. Jung sprach n Wunsch aus, daß unsere Rennbahn gedeihen möge, ß sie eine Stätte werde, wo Deutschlands Jugend ihre en Kräfte hinsendet, um im friedlichen Wettkampfe zu agen, aber auch für Gießens Bewohner möge sie ein al der Erholung und der Freude werden, unserer Stadt de Zierde, darauf„All Heil!“
Herr Fritz Helm dankt namens der Gießener Arnerschaft dem festgebenden Verein für die freundliche lladung. Er wünscht, daß das morgen stattfindende t glanzvoll verlaufe und schloß mit einem„Gut Heil!“ f das Kuratorium und die„Wanderer“.
Hierauf nimmt C. Dönges ⸗Dillenburg, Mitglied Nordbezirks des Gaues 9 des D. R.⸗B., das Wort. 5 dränge ihn, auszusprechen, daß es wohl allgemein dig anerkannt werde, daß man in Gießen für den bffahrsport einen Tummelplatz geschaffen par excellence. Hade der Nordbezirk des Gaues 9 des D. R.⸗B. brauche feiner abgeschlossenen Lage einen festen Punkt, wo sich sportliche Leben kräftig entfalten könne. Dieser sei in der neuen Rennbahn geschaffen. Des Redners l Heil!“ gilt dem deutschen Radfahrer⸗Bund und der Haiger Weiterentwickelung des Radfahrwesens in unserem erke.
Stadtverordneter Kirch spricht den„Wanderern“ im trage der Gießener Rudergesellschaft deren Glückwunsch
Sein Wunsch gehe dahin, daß das Wetter während
Festes günstig sei und daß die Räder der„Wanderer“ idem Wettrennen morgen gut über das Band laufen Higen, darauf den Gruß der Ruderer:„Hipp, Hipp, ama!“
Damit waren die offiziellen Reden erschöpft. Gesang uud Musik füllte die Pausen zwischen den Reden aus und
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
blieb man beieinander.
in feucht⸗ fröhlicher Stimmung noch lange
Die Tagesreveille weckte heute kurz nach 6 Uhr in der Frühe die Bürgerschaft aus der Ruhe. Die Kraußesche Kapelle brachte den beiden Vorsitzenden des Kuratoriums und der„Wanderer“ ein Morgenständchen. Die Straßen machten unterdessen Toilette und zeigten das gewöhnliche Festgepräge.
Der Empfangs⸗Ausschuß waltete an den Bahnhöfen seines Amtes. Die oberhessischen Züge, aus der Richtung von Frankfurt und von Cassel, überall her die Männer mit ihren stählernen Rossen. Auf allen Landstraßen in unserer Umgebung wimmelte es von Radfahrern. Viele der ankommenden Radfahrer radelten mit ihrer besseren Hälfte durch unsere Straßen. Dieser Zuzug der Gäste dauerte bis zum Nachmittag.
Zur Vertreter⸗Sitzung des Nordbezirks des Gaues 9 waren die oberen Räume des Kaiserhofes be⸗ stimmt. Die dort gepflogenen Beratungen waren nicht öffentlich. Doch erfahren wir, daß bei dieser Gelegenheit Herr H. Fillmann, erster Schriftführer der„Wanderer G. R.⸗G.“, in den Vorstand des Nordbezirks gewählt worden ist.
Die Bannerweihe, welche um 11½ Uhr in Steins Saalbau stattfinden sollte, verzögerte sich um etwa eine halbe Stunde. Es hatten sich inzwischen in diesem Etablissement zahlreiche Sportgenossen des festgebenden Vereins versammelt. Auf einem mit Blattgewächsen bestellten Podium, welches im Hintergrund dekorativ mit dem vom Maler Fritz hergestellten Kolossalwappen der„Wanderer“ einen geschmackvollen Abschluß erhalten hatte, nahmen mit ihren Bannern die Abordnungen der auswärtigen Vereine Aufstellung, um Zeuge zu sein, der Weihe des nenen Banners, welches dem festgebenden Verein dediziert werden sollte. Mit einem schwungvollen Prolog wurde das prächtige Banner seitens der Stifterinnen dem Vor⸗ sitzenden der„Wanderer“ übergeben, welcher namens der Vereinigung den Frauen der Mitglieder für die Widmung herzlich dankte und gelobte, daß bei allen Anlässen dies Panier ihnen voranleuchten solle, als Zeichen, daß die Stifterinnen die Bestrebungen der„Wanderer“ anerkennen und billigen. Nachdem das Banner dem ersten Fahrwart der„Wanderer“ übergeben, brachte der Vorsitzende Wilh. Homberger ein„All Heil“ auf die Frauen aus. Das neue Banner aus der Fahnenstickerei von Julius Schulze⸗ Gießen hervorgegangen, ist auf der Wappenseite in weiß gehalten, während für den Mantel eine blaue Farbe ge⸗ wählt wurde,(weißblau sind die Farben der„Wanderer“.) Das Wappen der Gesellschaft in Seide gestickt, hebt sich kräftig von dem weißen Grunde ab. Die Widmungs⸗In⸗ schrift ist in Gold gestickt, während in gleicher Weise her⸗ gestellt die blaue Rückseite des Banners den Radlergruß „All Heil“ enthält. Reich mit goldenen Quasten, Franzen und Borden verziert, ist das Banner ein Beweis tüchtigen Könnens auf dem Gebiete der Kunststickerei unserer Stadt. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Jung, überreichte namens desselben eine wertvolle, rotweiße Bannerschleife mit gestickter Widmung. Dieselbe solle sein ein sichtbares Zeichen der intimen Beziehungen und der gefesteten Freundschaft, welche zwischen den Mitgliedern beider Ver⸗ einigungen bestehen. Ebenso überreichten die Vorsitzenden der Vereine, welche Pathenstelle bei dieser Bannerweihe übernommen, folgende prächtige Angebinde. Der R.⸗V. Darmstadt eine Schleife in den Farben des großherzog⸗ lichen Hauses, der R.⸗Cl. Butzbach eine ebensolche in weiß mit Goldstickerei, der R.⸗V. Weilburg eine Schleife
in den Farben seiner Vaterstadt, während der B.⸗Cl. Frankfurt, der R.⸗V. Lauterbach, der R.⸗Cl. Dillenburg, der R.⸗Cl. Frankfurt und der R.⸗V. Höchst je einen kunstvoll gearbeiteten Bannernagel überreichen ließen. Nach Beendigung des Weiheaktes folgte in Steins Saal⸗ bau eine Festtafel, an welcher sich etwa 250 Personen beteiligten.
Der neu angelegte Juxplatz auf dem Hochplateau der Hardt war gestern Nachmittag schon, währenddem unten auf der Rennbahn die heißen Kämpfe des Tages ausge⸗ ausgefochten wurden, von Besuchern des Festplatzes ge⸗ füllt. Als die Rennen aber beendet und als später die elektrische Beleuchtung aufflammte, da herrschte dort ein Gewoge und Gewühl von Menschen, wie wir es bei ähn⸗ lichen sestlichen Anlässen in Gießen noch nicht gesehen. Die Karoussels, Schiffsschaukel, Schießbuden und sonstigen Schaubuden, welche dort ihr Domiziel aufgeschlagen hatten, waren stark frequentiert. Der Elektrotechniker Max Weiß⸗ bäcker beleuchtete von der Terrasse aus mit einem Schein⸗ werfer die erreichbare Umgegend des Etablissements mit farbigem Licht, hierzu kam das abgebrannte Feuerwerk, Konzert, die bairische Bierkneipe mit der Damenbedienung, alles das hätte zusammen genommen vermocht, die Tau⸗ sende von Menschen bis tief in die Nacht hinein dort auf dem Festplatz fest zu halten. Der Morgen graute bereits als die letzten Besucher in fidelster Stimmung die Stätte des Frosinns und der guten Laune verließen und der Stadt zusteuerten.
Die Reunion in Steins Saalbau war von aus⸗ wärtigen Gästen sowohl als auch von der Bürgerschaft sehr gut besucht. Der erste Schriftführer der„Wanderer“ H. Fillmann begrüßte namens des Vereins die Damen mit trefflichen Worten. Das darauf in drei Abteilungen vorgeführte Kunstfahren des Kunstmeisterfahrers C. Vasserot⸗ Frankfurt a. M. erntete wohlverdienten Beifall. Es war im höchsten Grade bewunderungswürdig, mit welcher Ele⸗ ganz und Sicherheit derselbe die schwierigsten Trics aus⸗ führte. Der vierjährige Georg Meckel von Bad Nauheim, der jüngste Sportkollege im Gau 9, bewies mit seinen Leistungen auf dem Rad, daß der Meister Vasserot der Hoffnung leben darf, daß vielleicht in seinem Kollegen ein noch viel größerer Meister stecken mag, als er es ist. Bei der Preisverteilung erhielt für Korsofahren für die Vereine des Nordbezirks R.⸗Kl. Dillenburg als 1. Preis eine Bowle, R.⸗V. Lauterbach als 2. Preis ein Schreib⸗ zeug, R.⸗Kl. Butzbach als 3. Preis einen Pockal mit silbernem Deckel. Die Führerpreise fielen für den Damenpreis an Gg. Dönges⸗Bockenheim, für das Gau⸗ verbandsfahren an Hans Neumann⸗Hof⸗Schönau, für den Ehrenpreis des D. R.⸗B. an Ferd. Schrodt⸗Höchst a. M. Ein Ball bildete den Beschluß des gestrigen Festtages, mit dessen günstigem Gelingen alle dabei Beteiligten wohl zufrieden sein können.
Die Resultate des Preisrennens finden die Leser im Hauptblatt.
* 584. 41 8 19*
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 31. Mai. Ein für alle Stadt⸗ verwaltungen beachtenswerter Rechtsstreit hat jüngst nach dreijähriger Dauer durch Reichs⸗ gerichtsentscheidung sein Ende gefunden. In einer thüringischen Stadt war ein Dienstmann beim Tragen eines Schrankes auf der Straße gefallen und hatte sich dadurch einen mehrfachen
Poufsette. Von Ouida.
Deutsch von B. Treumann-Koner. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Doch ihm selbst unbewußt, war Poussette das zend gewesen, welches ihn noch auf die gesunden a lauteren Seiten des menschlichen Lebens hin— det. Wie oft hatte er ihr zu Liebe gethan, was seinetwegen nie gethan haben würde— nämlich h besseren Regungen seiner Seele nachgegeben. Anst pflegte er sich solcher weichen Gefühle zu men. Er vermißte das kleine Geschöpf mehr, er je für möglich gehalten hätte. Sie war einzige unschuldige Wesen, mit dem er noch in ammenhang gewesen, das einzige, was noch die gocht über ihn besessen hatte, ihn vor gänzlichem desinken in Selbstsucht zu bewahren, ab und zu in andere Empfindung in seiner Brust zu erwecken, A die der fieberhaften Begehrlichkeit des Spielers. gen fehlte dieser letzte gute Einfluß in seinem When, und die bösen beherrschten ihn völlig. arlher, wenn er sich im Kasino erinnerte, daß dinßen das treue Hündchen schon allzu lange ge— tanig auf ihn wartete, hatte er mitunter vom Theltisch losgerissen. Jetzt lenkte ihn nichts mehr ch, und verweilte Tag und Nacht in den Sälen kein Hazard. Mit nur 5 Goldstücken war er aus gien zurückgekehrt. Es war Alles, was ihm d geblieben war, selbst sein letztes Kleinod, das Muiaturporträt seiner Mutter, hatte er verspielt. Uẽ durch litterarische Arbeiten etwas zu erwerben, dan fühlte er sich jetzt außer Stande. Es war Aumie des Gehirns bei ihm eingetreten. Er war nit fähig, seine Gedanken solange zu sammeln, meine Seite schreiben zu können.
Nach seiner Ankunft in Monte Carlo hatte er gleich abends seine 5 Napoleon d'ors am Roulette eingesetzt und 50 damit gewonnen. Er spielte weiter, vom Roulette zum„Rouge et noir“ über⸗ gehend, und gewann zuerst beständig. Dann verlor er wieder, und so folgten einander Gewinn und Verlust in jener rasend machenden Launenhaftigkeit des Glücks, worin eben der bethörende Zauber des Spiels liegt. Die Göttin des Hazards liebt es, ihren Bewerber nach Medame de Maitenon's Methode zu behandeln:„Jamais content, jamais deésespeèrée“, bis ihr der Tribut gezollt wird— wie vom König die Krone, so vom Spieler das Leben.
Vallarec gewann große Summen, sie flossen aber stets dorthin zurück, woher sie gekommen— in die Kasse des Bankiers. Drei Wochen verlebte er in dieser Weise wie unter einem immerwährendem Alpdruck. Er sah alles durch einen roten Nebel, in welchem schwarze Flecken schwammen. In der ganzen Zeit aß er äußerst wenig. Sein Schlaf war kurz und unregelmäßig; er träumte dann fiebernd und immer dasselbe— von Serien und Systemen, welche unfehlbar die Bank sprengen würden. Keine Poussette war da, ihn zu wecken mit sachtem Druck ihres weichen Köpfchens gegen sein Gesicht und dem gedämpften Bellen, das deutlich sagte:„Steh' auf, steh' auf, es ist schon lange, so lange her, daß die Sonne aufging!“
Er spielte ohne Unterbrechung 20 Tage und 20 Nächte lang, hypnotisiert von den Schwankungen des Glücks, bis seine Züge einen beinahe blöd⸗ sinnigen Ausdruck bekamen. Er bemerkte nicht die auf ihn gerichteten bedenklichen Blicke. Den Meisten der Umstehenden war er seit Jahren bekannt, aber
so hatte ihn noch niemand gesehen. Seinen wüsten
Kopf durchfuhr hin und und wieder als leitende Idee der Wunsch:„Wenn ich doch 100000 Franks gewinnen könnte, um zu Marie Desjardins zurück zu können!“ Er hatte mit einem Blick gesehen, daß sie ihm verzeihen würde, daß ihn noch liebte. Und er sehnte sich nach ihr, nach der Ruhe und dem Frieden ihrer Nähe. Bettelarm konnte er nicht zu ihr gehen. Sie war wohl arm nach den Begriffen der Welt, dech reich zu nennen in Vergleich zu einem ruinierten Spieler, der nur noch die Kleider auf dem Leibe besitzt.
Die Erinnerung an Marie und ihr blumen— geschmücktes Gartenheim, wo er Poussetts ihrer Obhut übergeben hatte, zog mitunter, erquickend wie westlicher Windhauch, durch sein ermattetes Hirn. Gleich darauf aber umfing ihn wieder der halb— schlafähnliche Fieberzustand, in welchem er mechanisch weiterspielte, vor seinen Augen alles rot, mit schwarzen Assen gefleckt. Die Herren von der Spielbank beobachteten ihn mit Besorgnis. Er sah aus wie Einer, von dem für die Bank ein Skandal zu befürchten stand. Es war noch nicht gar lange her, daß der Marquis de Vallarec als eine der inter⸗ essantesten Erscheinungen von Monte Carlo berühmt und von aller Welt bewundert war. Jetzt, wo man wußte, daß er ein gänzlich ruinierter Mann war, bewachten ihn die Bankhalter wie einen durch ihre vergoldeten Portale eingedrungenen Bettler.
Ain Abend des 22. Tages hatte er sein letztes Goldstück verspielt. Er blickte um sich wie ein von den Jägern gestellter Wolf. Darauf besann er sich, daß er nicht länger da stehen bleiben durfte und trat von seinem Platz zurück. Sofort drängten sich die ihm zunächst Befindlichen heran, und die Lücke hatte sich im Nu geschlossen. Das Spiel wurde
edition:
Bruch der linken Kniescheibe zugezogen, sodaß er nach der Heilung dauernd in seiner Erwerbs⸗ thätigkeit beeinträchtigt blieb. Der Dienstmann führte den Unfall auf die schlechte Beschaffenheit des Straßenpflasters zurück, das an der be— treffenden Stelle ein Loch hatte, und verlangte daher von der Stadt neben dem Ersatz der Kur⸗ kosten eine Entschädigung von über 5000 A. Da die Stadtverwaltung sich keines Verschuldens bewußt war und die Feststellung einer Haftpflicht nur aus dem Grunde, weil der Straßendamm kleine Unebenheiten besaß, für unwahrscheinlich hielt, ließ sie sich auf den Rechtsstreit ein, wurde aber in allen drei Instanzen, Landgericht, Ober⸗ landesgericht und Reichsgericht, für haftpflichtig erklärt. Die Tragweite dieses Urteils ist vor der Hand noch gar nicht abzusehen, denn ähn⸗ liche Unfälle auf schlecht gepflasterten städtischen Straßen dürften gar nicht so sehr selten sein. Die betreffende Stadt Thüringens ist allerdings gegen Haftpflicht Ansprüche bei einer Versiche⸗ rungsanstalt versichert, die neun Zehntel der Vergleichssumme von 2380 K., zu der sich die Stadt nach Verlust des Prozesses sofort verstand, und außerdem alle übrigen Kosten zu tragen hat. — Angesichts dieses Entscheids dürfte es sich auch für Gießen empfehlen, verschiedene„Un— ebenheiten“ im Pflaster so bald als möglich aus— zugleichen.
* Gießen, 31. Mai. Das Ober⸗Ersatz⸗ Geschäft für 1897 wird im Kreise Gießen an folgenden Tagen abgehalten: Dienstag, den 15., und Mittwoch, den 16. Juni, im Rathause zu Lich, vormittags 8 Uhr; Freitag, den 18., Samstag, den 19., und Montag, den 21. Juni, in der Restauration„Zum Lonys Bierkeller“, Westanlage, zu Gießen, jedesmal vormittags 8 Uhr; Dienstag, den 22. Juni, im Gasthaus„Zum Rappen“ zu Grünberg, vormittags 8 Uhr. Die Gestellungs⸗ pflichtigen erhalten von den betreffenden Bürger⸗ meistereien besondere Ladungen.
* Bad Nauheim, 30. Mai. Eine un⸗ liebsame Ueberraschung steht den Steuer⸗ pflichtigen dahier bevor. Von der Mark Kom⸗ Munalsteuerkapital wurden im vorigen Jahr 23.711 Pfennige Kommunalsteuer erhoben. Der Steuerausschlag erhöht sich auf 34.281 Pfg. Es wurden bisher die Kanalgelder und die Beiträge zu den Kosten der Straßen, die von der Stadt 9 777 und von den betreffenden Hausbesitzern wieder erhoben wurden, zu den laufenden Aus⸗ gaben verwendet. Die obere Verwaltungsbe⸗ hörde hat dies für unzulässig erklärt. Es muß dieser Betrag fürderhin durch Umlagen gedeckt werden. Man hat an den Aussaben 10,200. gestrichen und es sind also noch 36,200 l. weniger 10,200& gleich 26,000. durch Um⸗ lagen zu decken und statt 75,000 nunmehr 101,000 Al. auszuschlagen.]
* Mainz, 30. Mai. Die Streitigkeiten in der hiesigen Bäckerinnung, die zum Kreise. Nur einem der Leute, welche im Dienst der Bank jeden Vorgang beobachteten, war der ver— zweifelte Ausdruck in Vallarecs Antlitz nicht ent— gangen, und der Mann flüsterte einem Anderen rasch einige Worte zu, worauf dieser dem Fort— gehenden in einiger Entfernung folgte.
Ohne zu ahnen, daß ein Späherauge auf ihn gerichtet war, durchschritt Vallarec die ihm so wohl— bekannten Räume, an Gruppen plaudernder, lachender Gäste vorbei durch die parfümierte Luft und die strahlende Helle, dann zur Treppe und die Parkanlagen hinunter. Die Kapelle drinnen im Musiksaal spielte den Marsch aus Massenet's „Le Mage“, und dumpf dröbnten die Klänge durch sein Hirn. Ihm war zu Mut, als sei er betrunken, oder— schlimmer noch— geistesabwesend.
Er besaß keinen Pfennnig mehr und auch nichts, worauf er sich ein Frankstück hätte verschaffen können, außer dem mit Elfenbein verzierten kleinen Revolver, den er stets in der Brusttasche bei sich trug.
In dem jetzt von Menschen verlassenen Garten ging er auf eine von Mimosen umpflanzte Marmor⸗ bank zu, die unter einer Aloengruppe stand. An dieser Stelle hatte die kleine Poussette ihn immer erwartet. Er setzte sich, und, die Ellbogen auf seine Kniee gestützt, senkte er den Kopf in beide Hände; das Mondlicht lag zitternd über dem Meer, die Erde zeigte sich in ihrem schönsten Liebreiz. Er aber hatte keinen Blick für ihre Schönheit, er sah nur in den Abgrund seines Elends.
Wie er so dasaß, näherte sich ihm der Emissär der Bank mit dem etwas verlegen gemurmelten An⸗ erbieten von Geld oder sonstigen Hilfsmitteln, wenn er das Fürstentum vor dem anderen Morgen ver—
ruhig fortgesetzt, an ihn dachte Niemand in dem
lassen wolle.(Schluß folgt.)


