Ausgabe 
31.7.1896
 
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Ausgabe

Gießen, Freitag, den 31. Juli

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Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

75

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Expedition: 2. Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles. Gießen, 29. Juli. Mit dem Schluß des hessischen Landtages sind 25 Mandate der Zweiten Kammer des hessischen Land- sages erledigt; von diesen Mandaten gehörten 18 der nationalliberalen, 3 der freisinnigen, 3 ber sozialdemokratischen und eines der Zentrums⸗

Partei an. Zehn entfallen auf die Provinz Starkenburg, 8 auf die Provinz Oberhessen und auf die Provinz Rheinhessen. In allen größeren Städten des Landes sind Neuwahlen

ben bag borzunehmen so in Mainz Darmstadt, Gießen 8 5 dihe Offenbach, Worms und Bingen. . ee Gießen, 30. Juli.(Feuerwehrfeste⸗) b. St W Am 2. August findet in Herborn der 11. Ginse uur Feuerwehrtag für den Bezirk Herborn statt. bud Nsesgg Am 15., 16. und 17. August begeht die fl, ez. 705 ö eee zu Nieder-Esch⸗ cc, Kartfch. bach das 25jährige sFest ihres Bestehens, bei stter 500 A., belcher Gelegenheit die Frauen und Jungfrauen r 1 der Gemeinde dem Korps eine prachtvolle Standarte überreichen werden. An denselben Tagen feiert auch die Freiwillige Feuer⸗ pehr zu Bockenheim bei Frankfurt a. M. er, 42 Jahn hr 25jähriges Jubiläum. Zu allen drei Ge⸗

estorben in der

. legenheiten sindunsere beiden freiwilligen in die Heimat

Feuerwehren eingeladen und werden sich durch Deputationen vertreten lassen.

* Gießen, 30. Juli. Das große Preis- schießen ünseres Schützenvereins, von dem wir vor Wochen schon Mitteilung machten,

ftudet, wie wir erfahren, bestimmt in den Tagen bom 15.17. August statt und sind hierzu zahl⸗ eiche Einladungen an fremde Schützen ergangen. Gießen, 30. Juli. Die Mitglieder der Gießener Schlachtvieh-Versicherungs⸗ Gesellschaft beabsichtigen demnächst eine drei⸗ tägige Rheinreise zu unternehmen, zu welcher ste Einladungen au befreundete Innungsmit⸗ glieder und Viehhändler haben ergehen lassen.

* Gießen, 30. Juli. In der Umgegend von Gießen scheint eine Einbrecherbande ihr Unwesen zu treiben. Wir hatten vor einigen Tagen Gelegenheit über einen in Lollar ver⸗ übten äußerst verwegenen Einbruchsdiebstahl zu berichten, während uns heute eine Anzahl solcher Diebstähle aus Langgöns mitgeteilt wird. Einem Lehrer wurden an einem der letzten Abende aus seiner Wohnung 75 Mk. gestohlen, während er in eine Wirtschaft ging, um seinen Abend schoppen zu trinken. Dem Gastwirt Brichel bortselbst wurde in derselben Nacht aus seiner Schlafstube(ähnlich wie dem Gastwirt Geißler in Lollar) ein größerer Geldbetrag entwendet, während die Diebe bei dem Gastwirt Sinning inen Einbruch versuchten.

* Gießen, 30. Juli. Das Kreisamt bringt zur öffentlichen Kenntnis, daß das zweite

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116 Samstag, den 1. August l. J., von vor⸗ mittags 7 bis 3 Uhr nachmittags ein Schießen mit scharfen Patronen in dem Gelände westlich Wismar mit der Schußrichtung gegen den Wismarer Wald bezw. Oberwalgern und Kirchvers abhalten wird. Das Gelände zwischen den Ortschaften Launspach-WismarRutters⸗ hausen Odenhausen Salzböden Schmelz Forsthaus Waldhaus Krofdorf ist gefährdet und darf in der vorstehend angegebenen Zeit nicht betreten werden. Die Straße KrofdorfForst⸗ haus Waldhaus Schmelz ist für jeglichen Ver⸗ kehr gesperrt.

W. Gießen, 30. Juli. Als Beweis, wie sorgfältig an der Zentralstelle das Material der letzten Wolkszählung geprüft und verarbeitet wird, mag die Nachricht dienen, daß jetzt, nach dem beinahe 7 Monate darüber verflossen, an Zähler unserer Stadt viele mit Auständen bversehene Zählkarten zurückgelangt sind, zu dem Zwecke, dieselben zu vervoll⸗ ständigen. Ganz besonders peinlich und genau scheint man die Statistik der Arbeits- losen zu behandeln, was daraus hervorgeht, daß gerade nach dieser Richtung den Zählern Auftrag erteilt ist, Rückfragen in einzelnen Fällen zu stellen, deren Beantwortung allerdings den zuverlässigsten Schluß ermöglicht.

* Gießen, 30. Juli. Eine kreisamtliche Aufforderung an die Bürgermeistereien Albach, Allendorf a. d. Lda., Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Geilshausen, Gießen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Holzheim, Kesselbach, Lauter, Linden⸗ struth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangen⸗ rod, Steinbach, Stockhausen, Treis a. d. Eda. und Weickartshain fordert auf, die Listen der Wahlberechtigten zu den bevorstehenden Landtags⸗ wahlen bis zum 15. August fertigzustellen. Land⸗ tags⸗ und Reichstagswahl werden demnach kurz nacheinander stattfinden.

* Gießen, 30. Juli. Es lag in der Ab⸗ sicht, das Schwesternhaus in der Lony⸗ straße durch einen Umbau zu vergrößern und, obgleich der Bauplan recht gewichtige Bedenken hatte, war derselbe bereits von der Stadtver⸗ ordneten-Versammlung wee Die maß⸗ gebenden Personen des Allgemeinen evangelischen Vereins für Armen⸗ und Krankenpflege scheinen aber von der Idee des Umbaues abgekommen zu sein und lieber ein ganz neues Schwestern⸗ haus errichten zu wollen. Nun hört man aber, daß zu diesem Bau ein Platz ganz außerhalb der engeren Grenzen unserer Stadt zu kaufen beabsichtigt wird. So viele Vorteile eine An⸗ siebelung im Freien haben mag, so sollte man aber doch bedenken, daß ein solches Wohlfahrts⸗ Institut nicht außerhalb der Stadt liegen darf, wenn dessen Bewohner(die Schwestern) segens

reich wirken sollen. Wenn die Not in den Be hausungen der Armen und Beladen en einkehrt, so darf die Hilfe nicht gar so weit sein, und bei der langgestreckten Lage der Stadt muß ein solches Institut, das jederzeit werkthätige Hilfe leisten soll, möglichst in der Nähe des Mittel- punktes der Stadt gelegen sein. An geeigneten Bauplätzen in geeigneter Lage ist kein Mangel und sollte man selbst dafür einen höheren Preis anlegen müssen, so darf die Kostenfrage keines⸗ falls bestimmend für die Lage des Schwestern hauses sein. Der wohlhabendere Teil unserer Bevölkerung hat es stets für eine Ehrenpflicht gehalten, zu helfen, wo man durch Einrichtungen die sozialen Gegensätze zu mildern bestrebt war, und ein Appell an diese Schichten unserer Be wohner wird nicht ungehört verhallen, wenn es gilt, in unserer Stadt, nicht außerhalb derselben, ein Heim für die Pflegerinnen von Armen und Kranken zu erbauen.

Gießen, 30. Juli. Daß Bäume im Juli zum zweiten Male blühen, dürfte wohl keine Seltenheit sein, daß aber diese Blüten sich zu Früchten entwickeln, kommt doch wohl sehr selten vor. In einem Garten der Frankfurterstraße kann man neben im Früh⸗ jahr geblüten und jetzt schon kräftig entwickelten Birnen die kleinen Früchte der Juli⸗ 1 erblicken. Fürwahr ein seltenes Natur- spiel.

Gießen, 30. Juli. Herr J. Simon in Mainzlanu besteht trotz unserer gestrigen Brief kastennotiz darauf, daß seineBerichtigung von uns abgedruckt werde. Wir hätten dem Herrn gern den Abdruck erspart. Da er aber heute wiederholt darauf besteht, seineBerichtigung gedruckt zu sehen, so wollen wir ihm zu Willen sein. Hier die wortgetreue Wiedergabe der Berichtigung:

Auf das in der hessischen Landeszt. Zeitung Ausgabe Giesen vom 26 Julie Eingesandt von Mainzlar vom 25 Julie erwiedere ich hier⸗ durch, daß der Einsender des Artikels nicht wahrheitsliebend ist, oder den Sachverhalt nicht kennt, dann ich bin Iten nicht beim Fleischbeschauer Herrn Deker gewesen, daß Er fragliches Stoppelkalb besichtige zum zweck der Schlachtung und zweiten auch nicht zugemutet, daß Er einen Befundschein ausstellen soll, dies ist die erste Lüge(was ich beweise). zweitens hat Herrn Fleischbeschauer Heinrich Zecher, fragliches Kalb vor dem Schlachten gesehen, und nach dem Schlachten auch, und dasselbe für gut befunden, worüber Er als dann ein mier genügenden Befundschein ausstellte,(also dieses die zweite Lüge, daß ich Ihm ein Schein forgelegt hätte ohne das Vieh gesehen und Er denselben unterschrieben hätte) Ich habe auf Grund dieses Befundscheines das Fleisch nach Giesen verkauft, und mit einem Fuhrmann

hinbringen lassen derselbe wurde aber durch

ein Schutzman zum Schlachthaus geführt, das

Fleisch nachgewogen was daselbe gewogen ist

mier heute noch nicht bekannt, das Fleisch

wurde von der Schlachthaus verwaltung in

Folge eines Knochenbruchs für minderwärtig

aber verkäuflich zurükgewiesen, und wurde

mier von Großherzoglichen Polezeiamt Giesen auf meine Anfrage hin der Bescheid, daß ich dasselbe verkaufen dürfe ich habe dasselbe für minterwertig verkauft und die Käufer waren sehr zufrieden damit, welches ich durch sämt⸗ liche beweisen werde, Ich werde nun um die Warheit an Tag zu bringen den Einsender des betreffenden Artikels verklagen, und jede weitere lügenhafte Aüserung in dieser Sache gerichtlich belangen, dies meiner werthen Kund⸗ schaft und Freunden zur Nachricht zeichnet Achtungsvoll J. Simon 25 5 von Mainzlar.

Hoffentlich ist Herr Simon nunmehr zufrieden⸗ gestellt. Unser Berichterstatter hält auch heute noch seinen Bericht als der Wahrheit entsprechend aufrecht.

* Gießen, 30. Juli. Ein Vergnügen eigener Art ist nicht nur, wie Wilhelm Busch in seiner humorvollen Weise versichert, eine Wasserfahrt, sondern auch, wie wir ergänzend und ohne Rücksicht auf den Reim hinzu⸗ fügen möchten: eine Landpartie. Ja, wir wagen zu behaupten, daß Landpartien sehr viel häufiger unter⸗ nommen werden und daher auch bedeutend populärer sind, als Wasserfahrten; aus dem einfachen Grunde, weil unser geliebtes deutsches Reich zum überwiegenden Teile aus Land und nicht aus Wasser besteht. Es giebt Städte und Städtchen in großer Menge, die überhaupt nicht den Vorzug genießen, von einem bescheidenen Flusse durchquert zu werden oder in der nächsten Nähe eines schiffbaren Stromes zu liegen, weshalb den Bewohnern das eigen⸗ artige Vergnügen des Wasserfahrens so gut wie unbekannt bleibt, wogegen ihnen die Freuden der Landpartie, sei es zu Fuß oder zu Wagen, in reichstem Maße bescheert sind. Denn zu einer gelungenen Landpartie gehört, wie man denken sollte, weiter nichts, als eine passable Chaussee, ein gemütliches Bierdorf und ein bischen Wlese und Wald. Weit gefehlt! Es kommen da manchmal noch ganz andere Faktoren in Betracht, von welchen der beschränkte Unterthanenverstand sich nichts träumen läßt. Man höre und staune, was zum Beispiel in Sorau in der Nieder⸗ lausitz zu einer Landpartie alles erforderlich ist: 1. Er⸗ laubnis vom Königlichen Forstmeister; 2. Erlegung des Obolus für diese Erlaubnis auf der Forstkasse; 3. Er⸗ laubniseinholung zum Bierschank auf der Euterpe beim Amtsvorsteher des Schloßbezirks; 4. Bitte um Genehmigung beim Amtsvorsteher in Seifersdorf wegen Durchzuges durch das Dorf mit Musik; 5. Anmeldung eines Tänzchens am Abend bei der Sorauer Polizeibehörde und Bezahlung der Steuer hierfür; 6. Abmachung mit dem betreffenden Restaurateur auf der Euterpe; 7. Musik⸗Engagement; 8. Oeffentliche Bekanntmachung. Nach Erledigung all' dieser Formalitäten, die mehr Zeit beanspruchen dürften als das ganze Vergnügen, kann die Landpartie ungehin⸗ dert von statten gehen. Die Geschichte klingt komisch ge⸗

Bataillon des Inf.⸗Rgts. Kaiser Wilhelm Nr.

Wr Das blaue Herz. . Roman von Karl 19 Klopfer.

.(Fortsetzung. ohniImmerhin ist es gut, bemerkte endlich wieder Wen ver Freiherr,daß man in diesem Lakaien des r scgaten Alttaches wenigstens einen Mann gefunden bat, der 2 Zimma, wohl imstande sein dürfte, noch über manche Per⸗

u are sönlichkeit von der Dienerschaft auf Chlobonitz Aus Kreml, ünfte zu geben. 5

slafstell 1Das ist mir mittlerweile eben beigefallen,

hlaf 100 uimmte Degenstein zu.

ler u ge

JAber ich glaube auch, daß Thekla gerade

A u durch jenes Notizblättchen in dem blauen Herzen Jan den Beweis dafür geliefert, daß sie die Führung e eines regelmäßigen Tagebuches nach der Brautzeit nufgegeben hat. Sie spricht es darin deutlich ge. cparatur 0 Agug aus, daß sie sonst keine Stelle habe, ihrem ib 2.4 Empfinden schriftlichen Ausdruck zu verleiben. * Taschen 1 55 sollen sich selbst noch einmal überzeugen, Braf! f ine Tashl 1 ging Adele hinaus, das Souvenir 5 15 aus dem Schreibpult in ihrem Boudoir zu holen. 50 14 Als sie das Vorzimmer betrat, sah sie da zu 3 0,%10 bbrem Staunen die Zefe Wetti in eifrigstem las 03. Hespräch mit dem Bedienten des Attaches Fröden..

Ignaz hatte es ohne seinenTalisman nicht lange ausgehalten.

Ich habe die ganze Nacht kein Aug' zuge⸗ fttzhan! schwor er, als er vor wenigen Minuten da heraufgeschlichen war, um dem Satansmädel von

riner Zofe die bitteren Vorwürfe zu machen, die er gestern hatte hinabwürgen müssen.Wetti, rine solche Falschheit hätt' ich Ihnen nie zu Petraut! Wetti war um so eher geneigt, ob ihrer ggestrigen Verräterei Reue und Leid zu zeigen,

dals ihre Neugierde dabei nicht auf ihre Rechnung gekommen war.

Es ist wahr, bekannte sie mit einer so sanften Miene, daß Nazis Groll sofort in's Schmelzen kam;ich bin ein bissel unüberlegt ge wesen seien S' nicht bös, Herr Ignaz! ich wollt' Sie nur necken weil Sie mit dem blauen Herzel gar so wichtig than haben. Später erst, wie die Suppen schon ein'brockt war, ist mir um Sie leid'worden. Um Gotteswillen, sagen Sie, Herr Ignaz, Sie werden doch jetzt, nicht etwan Ungelegenheiten zu fürchten brauchen, weil sich 'rausgestellt hat, daß das Anhängerl wirklich der Gräfin Thekla gehört hat?

Wahrhaftig? rief Ignaz. Graf erkannt?

Wetti kam nicht dazu, ihm auseinanderzusetzen, auf welche Weise das blaue Herz agnosziert worden war, deun in diesem Augenblick erschien eben die Baroneß im Vorzimmer.

Ach, Sie kommen schon, sich nach dem Berlok zu erkundigen, guter Freund?

Ignaz konnte nur mit kläglichen Lauten be jahen, war er doch in der Hoffnung gekommen, seinen Talisman direkt von Wetti zurückerhalten zu können.

Das trifft sich sehr gut, fuhr die Baronesse fort;Graf Degenstein drückte soeben den Wunsch aus, Sie selbst in der Sache zu sprechen. Sie kommen also wie gerufen. Warten Sie einen Moment!

Adele flog nach ihrem Zimmer, das blaue Herz mit dem Zettel zu holen. Ignaz wandte sich in: dessen seufzend an Wetti.

Sehen Sie, das hab' danken! flüsterte er ihr zu. beschwichtigen.

Der Graf wird Ihnen wahrscheinlich eine Gratifikation zukommen lassen wollen, einen Finder

at's der Herr

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ver⸗ zu

ich Ihnen zu Wetti suchte ihn

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Da wäre Ignaz aber bald auf's neue bös geworden.

Ach was, ich wollte gern auf das schönste Trinkgeld verzichten, wenn ich nur wieder das Herz haben könnte!

Wetti stieß ihn mit dem Ellenbogen an und sagte halb gutmütig, halb schmollend:

Sei'n Sie doch nicht so eigensinnig auf so eine Dummheit versessen! Nehmen Sie au, Sie hätten's mir geschenkt!

Da blinzelte der Ignaz die appetitliche Kleine ungemein schmachtend au.

Ja, ja, das wär' schon recht Sie erinnern sich wohl auch noch an die Be dingungen, unter denen ich Ihnen das Anhäugsel lassen wollte, verehrte Wetti? Wenn ich das Herz jetzt also durch ihre Schuld einbüße, so ist es eigentlich Ihre Pflicht, mich mit dem festgesetzten Preise zu entschädigen...

Hier mußte er in seinen Auseinandersetzungen jedoch abbrechen, denn zu seinem Aerger kehrte die Baronesse wieder zurück und forderte ihn auf, in den Salon mitzukommen, da Graf Degenstein gerade anwesend sei. Er mußte der Dame folgen und hatte nur noch Gelegenheit, der schämig zurück tretenden Zofe hinter dem Rücken ihrer Gebieterin eine zarte Kußhand zuzuwerfen.

Adele glaubte, daß der Graf den Zufall, der Frödeus Diener eben zur Stelle geführt hatte, mit Genugthuung begrüßen werde. Degenstein zeigte sich aber unangenehm betroffen beim Anblick des jungen Menschen. Er überließ es auch dem Haus herrn, das erste Wort an ihn zu richten.

(Foytsetzung folat.)

und hm!

Das Gehen und Laufen in gebeugter Haltung hat der französische Artillerieoffizier de Raoul zur Einführung bei den Truppen empfohlen, weil dasselbe

gestatte, von nur wenig geübten Mannschaften schnelle und

lange Märsche zu erzielen, ohne sie mehr zu ermüden, als wenn man sie halb so lange Märsche in der üblichen militärischen Haltung zurücklegen läßt. Diese neue Gang⸗ art ist nun von Comte und Regnault am physiologischen Institut in Paris mit Hilfe des Mareyschen Verfahrens der Chronophotographie(Aufnahme ganzer Reihen von Augenblicksbildern) untersucht und in ihrer Zweckmäßig⸗ keit bestätiget worden. Sie verglichen den Gang von Menschen in gewöhnlicher soldatischer Haltung mit dem in gebeugter Haltung auf Grund von schematischen Bil⸗ dern, die sie sich aus den photographischen Aufnahmen herstellten. DieNaturwissenschaftliche Rundschau bringt eine Wiedergabe und Erläuterung dieser Bilder. Man sieht, daß beim gewöhnlichen Gang der Körper heftige und ziemlich hohe senkrechte Schwankungen ausführt, während bei dem von de Raoul vorgeschlagenen Gauge diese Schwankungen langsam und wenig hoch sind. Da nun die senkrechten Schwankungen des Körpers die Hauptursache des Arbeitsverbrauchs beim gewöhnlichen Gehen bilden, so ist es natürlich, der Verringerung dieser Schwankungen die beobachtete geringe Ermüdung bei der zweiten Gangart zuzuschreiben. Die Ursache der Ver⸗ schiedenheit in der Größe der senkrechten Schwankung liegt in der Art, wie das Knie sich in den verschiedenen Ab⸗ schnitten des Aufstützens beugt und streckt. Auch der Druck der Füße gegen den Boden, der ein Maß abgiebt für die angewendeten Muskelanstrengungen, ist in beiden Fällen verschieden. Comte und Regnault fanden beim gewöhnlichen Gang sehr energische und plötzliche Drucke im Beginn und am Ende des Aufstützens, während beim Gange in gebeugter Haltung der Druck allmählig wächst und in seinem Höchstbetrage nur sehr wenig den Wert des Körpergewichts übertrifft. Zwischen den beiden Arten des Laufens bestehen entsprechende Unterschiede, besonders wenn man den gewöhnlichen Dauerlauf mit dem Laufe in ge⸗ beugter Haltung vergleicht; denn beim Schnelllaufe wird der Mensch iustinktiv veranlaßt, die unnütze Arbeit mög⸗ lichst zu verringern, und er erreicht dies, indem er die Beugung der Gelenke des unteren Gliedes vermehrt und den Körper nach vorn beugt.