Ausgabe 
30.5.1896
 
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Gießen, Sonnabend, den 30. Mai

1896.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeikung.

Redaktion:

. Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.

Expedition: 2 Kreuzplatz Nr. 4.

hokales und Provinzielles.

* Gießen, 29. Mai. Der Oberhessische bstbauberein mit dem Sitz in Friedberg, ste in seiner Hauptversammlung, welche am 7, d. M. in unserer Stadt tagte, den Beschluß, in Alsfeld und Büdingen je einen Muster⸗Obst⸗ garten zu errichten; es wurden für beide Gärten

000, bewilligt. Zur Beschickung der dies⸗ rigen Ausstellung des deutschen Pomologen⸗ gekeins in Kassel wurden 500 4 bewilligt und

Antrage zugestimmt, daß sich der Verein

nuch an der im Jahre 1897 in Hamburg statt⸗ denden großen Obstausstellung beteiligt. Der * *

kein ließ im vergangenen Jahre durch seine Techniker über 300 Versammlungen, Vorträge dit Demonstrationen halten; im nächsten Jahre

Otmar, bebe n,* diese Vorträge noch vermehrt werden.

ießen, 29. Mai. Dem Besitzer desHotel

Prinz Karl genügte die gewöhnliche Straßenbe⸗

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keuchtung vor seinem Hause nicht mehr. Er wandte sich an das städtische Gaswerk und erklärte dessen Direktor sich in der liebenswürdigsten Weise be⸗ keit, die städtische Laterne vor demPrinz Karl mit Gas⸗Glühlicht zu versehen wenn der Besitzer des Hotels die Kosten der neuen Laterne

bezahle wozu derselbe sich auch bereit erklärte.

So ist denn seit einigen Abenden allen Teilen

auf dem Seltersweg, soweit es die Strecke Göthe⸗

straße Wolkengasse angeht, geholfen, denn hier ist Alles mit Glühlicht hell beleuchtet.

* Gießen, 29. Mai. Die Privatklage⸗ sache gegen den Landgerichtsdixektor i. P. Hof⸗ mann und dessen Ehefrau, wird nun auch die Strafkammer beschäftigeu, da die Beklagten die Berufung verfolgen.. Gießen, 29. Mai. Im Dachstuhl eines

Hauses in der Schottstraße eutstand gestern Nach⸗ mittag 6 Uhr Feuer, welches aber von den Anwohnern und einem Feuerwehrmann recht⸗

itig entdeckt und gelöscht wurde, ohne größeren

chaden anzurichten. Als Entstehungsursache wird angenommen, daß Funken aus dem Kamine in das Dach geflogen und die Sparren entzündet

Gießen, 29. Mai. Auf Befehl des Regi⸗ ments⸗Kommandeurs Oberst von Madai wird die Regiments⸗Kapelle jeden Mittwoch in der Südanlage mittags zwischen 12 und 1 Uhr konzertieren. Diese dankenswerte Anordnung wird gewiß von der Einwohnerschaft unserer Stadt mit Freuden begrüßt werden. In zahl⸗ reichen Garnisonstädten sind derartige öffentliche Konzerte der Regimentskapellen übrigens seit

langen Jahren üblich.

* Bad Salzhausen, 28. Mai. Die Saison

9 auch bei uns begonnen; bereits sind eine nzahl Kurgäste eingetroffen. Salzhausen eignet;

sich besonders für solche Personen, die Ruhe und Stille suchen; dieselbe wird ihnen in dem pracht vollen Park von seinen schönen Anlagen und seinen mächtigen Bäumen geboten, nicht minder auch zum Ferienaufenthalt für erholungsbedürftige Kinder. Für die leiblichen Bedürfnisse trägt der Pächter des Kurhauses die beste Sorge.

Bad ⸗Nauheim, 29. Mai. Die diesjährige Versammlung mittelrheinischer Aerzte wurde unter Leitung des Präsidenten des hiesigen Aerztevereins, des Herrn Medizinalrat Dr. Grödel in unserer Badestadt abgehalten. Mit den hiesigen Aerzten ist die Zahl der Teilnehmer wohl auf 100 zu bemessen, darunter eine Reihe bekannter Professoren aus Gießen, Marburg, Heidel⸗ berg ꝛc. Es wurden 13 Vorträge gehalten und drei Rekonvaleszenten vorgeführt. Nach der Versammlung fand im großen Konzertsaal des Kurhauses ein Festessen statt. Die nächstjährige Versammlung wird in Marburg abgehalten.

*Seligenstadt, 29. Mai. Ein in Gesell⸗ schaft von Miltenberg kommender Radfahrer aus Frankfurt hatte das Unglück, oberhalb unserer Stadt zu stürzen. Die Maschine, ein nagelneues Zweirad modernster Konstruktion, ging total in Stücke. Der Radfahrer selbst scheint innere Verletzungen erlitten zu haben. Die Ursache des Unfalls wußte er nicht genau anzugeben; wahrscheinlich aber geriet er mit einem Grenzstein in Kolliston. Mit den geretteten Trümmern seines Stahlrosses begab sich der Verunglückte per Bahn nach Hause.

* Darmstadt, 28. Mai. In der Zweiten Kammer der Stände, welche Dienstag, 2. Juni, vormittags Uhr, zu ihrer 69. Sitzung zusammentritt, kommen u. A. folgende Punkte zur Berathung: 1) Antrag der Abgeordneten Wasserburg und Genossen, die Auf⸗ hebung des Jesuitengesetzes betreffend; 2) die Rückäußerung Erster Kammer, die Vorlage der Großh. Ministerien des Innern und der Justiz, sowie der Finanzen wegen Herabsetzung des Zinsfußes bei Darlehen aus der Landeskreditkasse betreffend, sowie des Antrages des Ab⸗ geordneten Haas⸗Offenbach in gleichem Betreff; 3) die Rückäußerung Erster Kammer, die Gesuche der Großh. Steueraufseher um Gehaltsaufbesserung betreffend; 4) die Rückäußerungen Erster Kammer, den Antrag des Abge⸗ ordneten Metz⸗Darmstadt wegen Verbesserungen der Gehalte der Gemeinde⸗Forstwarte betreffend; 5) die Rückäußerung Erster Kammer, den Antrag der Abgeordneten Haas⸗ Offenbach und Metz-Darmstadt wegen Abänderung des Artikels 14 des Dammbaugesetzes vom 14. Juni 1887 betreffend; 6) die Rückäußerung der Ersten Kammer, die Gesetzesvorlage, die Entschädigung für Milzl rand und Rauschbrand betreffend; 7) den Antrag der Abgeordneten Möllinger und Genossen, die Verhältnisse der hessischen land⸗ und forstwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft be⸗ breffend; 8) den Antrag des Abgeordneten Köhler, die Abgabe von Drucksachen an die Abgeordneten betreffend; 9) das Gesuch des Metzgers Leopold Baum IV. von Alzey um Unterstützung.

Darmstadt, 29. Mai. Am 1. Juni findet ein in Hessen wohl noch nicht vorgekommenes Jubiläum statt. Herr Generallieutenaut à la suite Mootz feiert an diesem Tag die Vollendung seines 70. Dienstjahres. Unter fünf Groß⸗ herzögen hat er gedient. Nachdem der Jubilar seine letzte militärische Stellung im damaligen Kriegsministerium aufgegeben, wurde er von dem Großherzog als Offizier à la suite wieder an⸗ gestellt und befindet sich seitdem als Präses der Militär⸗Witwen⸗ und Waisen-Kommission un⸗ unterbrochen im Dienst.

Darmstadt, 28. Mai. Am 22. April l. J. spielte der junge Joh. Schulz von Bensheim mit dem in der Werkstatt seines Mei⸗ sters Grün stehenden Flobertgewehr und, nicht ahnend, daß es geladen wahr, hielt er es trotz Warnung nach seinem Kollegen Eichhei mer zu. Das Gewehr entlud sich aber und Eich heimer sank tödtlich getroffen zu Boden und starb Tags darauf. Wegen fahrlässiger Tödtung verurteilte die Strafkammer des Landgerichts Schulz heute zu 4 Wochen Gefängnis.

* Bensheim, 29. Mai. Der katholische Lehrerverein für das Großherzogtum Hessen hielt dahier seine dritte Generalversammlung ab, die sich eines überaus zahlreichen Besuchs zu er freuen hatte.

* Mainz, 28. Mai. Die Stadtverordneten⸗ versammlung hat den Antrag auf Einführung der freien Aerztewahl für arme Kranke abgelehnt.

* Mainz, 28. Mai. Auf Veranlassung des Großh. Ministeriums der Finanzen wurde das Brückengeld für alle Personen, welche die Brücke über den Rhein nach Kastel mit der Pferdebahn benutzen, von 5 auf 6 erhöht. Diese Erhöhung tritt bereits mit dem 1. Juni in Kraft. Da werden sich die Mainzer freuen!

* Mainz, 28. Mai. In das Rochushospital wurde gestern ein hier neugeborenes Kind ver bracht, das ohne Mastdarmöffnung und ohne Finger an den mißgestalteten Händen ge⸗ boren wurde. Ob das Kind durch eine Operation am Leben erhalten werden kann, ist fraglich.

Bingen, 28. Mai. Mit den Hebungs⸗ arbeiten des SchleppdampfersDisch 3 wurde bis jetzt noch nicht begonnen. Die seitens des Wasserbauamts vorgenommenen Untersuchungen erstreckten sich nur auf das Abpeilen, um die Lage des Wracks gena c festzustellen. Von Letz⸗ terem ist direkt nichts zu sehen, ein leiser Strudel an der Oberfläche des Wassers giebt Kunde von dem Ort der schrecklichen Kakastrop;he. Das Wrack liegt in einer Tiefe von Meter und wird von Meter Wasser überflutet, weshalb selbst die Floßen bei einiger Vorsicht passieren können. Mit den Hebungsarbeiten wird dem

nächst begonnen werden, da namentlich auch fest⸗ gestellt werden soll, ob noch Leichen zwischen den Schiffstrümmern liegen. Es werden noch die Leichen von sechs Personen vermißt.

Vermischtes.

Der Rhein als Kraftquelle. DieZ. P. stellt in einem längeren Artikel Betrachtungen darüber an, daß man in der Schweiz bereits die Gefälle der Reuß, der Limmat und anderer Flüsse zum Betrieb großer Elektri⸗ zitätswerke ausbeute, den Rhein aber als Erzeuger elek⸗ trischer Ströme verschmähe. Und doch stellt derselbe als Kraftquelle ein Nationalbermögen dar.Es sei hier bloß angedeutetet so schreibt dieZüricher Post daß wir jährlich immer noch 30 bis 35 Millionen Franken für Steinkohlen ins Ausland senden. Wir wünschen dringend, daß die Regierung am Zustandekommen eines Einvernehmens mit Schaffhausen über die Benutzung der Kräfte am Rheinfall und an der Verständigung mit Baden über die Anlagen eines Kraftwerkes bei Rheinau unausgesetzt und energisch sich bethätige. Die Frage ist brennend; das lehrt die rasch fortschreitende elektrische Kraftverwendung im Kanton. Es soll nicht ausgeschlossen sein, daß die Regierung doch, namentlich bei abermals schleppendem Gang der Verhandlungen, der Stadt Zürich für ihre ausnahmsweise dringenden und vielgestaltigen Bedürfnisse eine Konzession für ein Wasserrecht gewährt. Es giebt noch andere Stellen am Rheinstrom, außer dem Rheinfall und Rheingau, wo mit nicht zu kargen, finan⸗ ziellen Mitteln bedeutende Kräfte sich gewinnen lassen.

Treibende Wracks bilden bekanntlich für die Schiffahrt eine stetige Gefahr und die am Seewesen be⸗ sonders interessierten Staaten, hauptsächlich die nord⸗ amerikanische Union, wenden deshalb große Kosten auf, um solche Wracks aufsuchen und vernichten zu lassen. Ein Beispiel, wie lange sich oft verlassene und zu völligen Wracks gewordene Schiffe noch treibend erhalten, ohne aufzubrechen, liefert eine jüngst beim Hydrographischen Amte in Washington eingelaufene Meldung eines eng⸗ lischen Kapitäns. Derselbe traf am 9. März v. J. im Atlantischen Ozean, mitten zwischen den Kapverdischen Inseln und den Antillen, das bis zum Deck herunter⸗ gebrannte Wrack eines Schiffes. Aus dem noch vor⸗ handenen Namenbrette ließ sich feststellen, daß das Fahr⸗ zeug dieAlma Cummings war, die am 11. Februar 1805 von der Mannschaft verlassen wurde, nachdem an Bord Feuer ausgebrochen und die ganze Takelung, sowie der Oberbau des Schiffes bis zum Deck heruntergebrannt waren. Zur Zeit des Unfalles befand sich das Fahrzeug etwa 100 Meilen von der Bal von New⸗Nork. Es ist von dort mit dem Golfstrome nach Ostnordost, recht in den Kurs der nach Europa bestimmten Schiffe vertrieben, und wurde am 24. April 1895 wieder getroffen, nachdem es bereits den halben Weg bis zum englischen Kanal zurückgelegt hatte. Von da aus wanderte das Wrack in nahezu südlicher Richtung nach den Tropen, wo es von dem englischen Schiffe im März dieses Jahres getroffen wurde. Der Weg, den es, von Wind und Strom ge⸗ trieben, während seiner einsamen Wanderung zurückgelegt hat, beträgt über dreitausend Meilen. 3

Die Hüter der Sicherheit. Vor dem Kriminalgerichtshof Radom(Russisch⸗Polen) wurde gegen

Erste Liebe.

Humoreske von E. Duncker. (Nachdruck verboten.)

Acht Jungen und die meisten unter ihnen in der lieblichen Blüte der Flegeljahre o mein langmütiger Onkel, meine vielgeduldige Tante, mit welch dankbarer Rührung und Hochtung gedenke ich Eurer jetzt, wo schon drei Buben und es sind meine eignen hinreichen, mir das Haus mauch⸗ mal zu eng erscheinen zu lassen! Ja, es waren schöne Tage für Euch allerdings nicht die wir unter Euerm milden Zepter verlebten. Oft und gern habe ich mich im Geist in jene Zeit zurückversetzt, aber doch ist mir die Erinnerung an sie nie so lebendig geworden wie heute, wo mein alter Schulkamerad Tom Woodland mir in einem langen, herzlichen Brief von der Vermählung seiner Tochter Florence erzählt. Tom Woodland! ich sehe ihn in diesem Moment vor mir, wie an jenem Tage, wo er, umgürtet mit dem ganzen Stolz seines Englands, in unserm stillen Provinzial⸗ städtchen anlangte, ein bildhübscher, hochgewachsener Bursche, den man gut und gern für einen Zwanzig⸗ jährigen hätte halten können, obgleich er in Wirk⸗

lichkeit noch nicht achtzehn zählte. 5 Hätte doch das geistige Wachstum bei Ihnen mit dem körperlichen Schritt gehalten, Sie junger Goliath! pflegte mein Onkel, der verwitwete Ober⸗ lehrer Dr. Winkler, in dessen Hause es Tom wie uns an der Weisheit Brüsten mit jedem Tage mehr gelüsten sollte, seine fulminauten Panken über die Unzulänglichkeit englischer Schulen und die Hart⸗ näckigkeit englischer Schädel dem allereinfachsten Wissen gegenüber zu schließen, wenn Tom einmal wieder Probe von einer wahrhaft verblüffenden Un⸗ wissenheit abgelegt hatte. Unser junger Brite ließ sich dadurch nicht aufechten. Mit derselben Seelen⸗ muhe nahm er die Ausfälle desMagisters hin,

der im Grunde seines Herzens dem trotz einiger nationalen Absonderlichkeiten liebenswürdigen Haus genossen sehr zugethan war, wie er den Anforde- rungen meiner unverehelichten, aber bereits in höhern Semestern stehenden Tante Josepha Winkler, bei den durch ihre Fürsorge stets sehr ergiebigen Mahlzeiten ordentlich zuzulangen, nachkam. Es schien in der That, als ob nichts in der Welt die heitere Laune, die ihn bei jedem, der in seinen Ge sichtskreis kam, beliebt machte, zu trüben im stande sei. Und doch gab es für Eingeweihte, zu denen auch ich zu gehören die Ehre hatte, einen dunkeln Punkt in Toms sonnigem Dasein den Schnurr⸗ bart, dieses niederträchtig undankbare Gewächs, das sich trotz der liebevollsten Pflege nicht hervorlocken lassen wollte. Zwar konnte ein scharfes Auge auf der linken Seite von Toms Munde eine Anzahl dunkler Härchen, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, unterscheiden, aber auf der rechten, auf der er zu schlummern pflegte, war leider nur ein schwacher dunkler Schatten erkennbar.

Tom, in Deinem Schnauzbart sind die Motten! Laß Dir von dem Drogisten, der die hübschen Töchter hat, für 20 Pfennig Naphthalin geben. Wenn Du gerade blank bist, pumpe ich Dir das nötige. Solche und ähnliche witzige Redensarten mußte der unglückliche Schnurrbartaspirant über sich ergehen lassen. Er strich sich aber dann mit kühlem Lächeln die paar lebensfähigen Härchen auf seiner linken Gesichtsseite in die Höhe und vernichtete uns mit seiner stehenden Exwiderung:

Gemeines Abgunst von Euch Bengels, weil Ihr nicht habt solch patentes Moustache.

O Tom, was wurde die deutscheHeldensprache in Deinem Munde! Es gehörte schon eine gewisse Kenntnis des Englischen dazu, ihn überhaupt zu verstehen, da er frischweg aus seiner Muttersprache

wörtlich zu übersetzen pflegte. Wer hätte es dem

Leiter der Privatschule, die Tom wegen seiner mangelnden Reife fürs Gymnasium besuchen mußte, verdenken können, wenn er beim Zurückgehen des deutschen Aufsatzes seinen empörten Gefühlen in Kernworten wie den folgenden Luft machte:

Woodland, Woodland, wie ist es möglich, daß ein Mensch nach sechsmonatlichem Aufenthalt in Deutschland noch solche Sauerei zu stande bringt!

Glaube mich, Herr Doktor, ich habe bei das beastly Aufsatz scheußlich geochst, aber der öde deutscher Grammatik möge nicht zu gehen in mein Kopf, versicherte dann wohl Tom mit einem Auf schlag seiner Veilchenaugen, dem kein Weiberherz hätte widerstehen können, der aber dem gekränkten Lehrer nur ein zorniges Knurren entlockte.

Daß unser Freund mit Konsequenz alles, was auf vier Beinen herumlief, respektooll per Sie an⸗ redete, während er mit jedem vernunftbegabten Wesen ohne Unterschied des Alters und Standes Schmollis getrunken zu haben schien, diente auch nicht wenig dazu, die Heiterkeit, die sein Auftreten überall erregte, zu erhöhen. Ja, uns Jungen war er ein immer frisch sprudelnder Quell der Be lustigung in der Oede unsers Schullebens. Wenn er sich nur auch mal verliebt und uns dadurch Ge legenheit gegeben hätte, ihn auch in diesem Stadium zu bewundern. Aber sonderbar, dem weiblichen Geschlecht gegenüber war der sonst so zuversichtliche Goliath von einer unüberwindlichen Schüchternheit. Alle Aufforderungen meiner Verwandten, sie zu kleinen gesellschaftlichen Zusammenkünften, wie das Städtchen sie bot, zu begleiten, trafen bei ihm auf den hartnäckigsten Widerstand.

Ich wurde nicht wissen, was zu sagen zu die Weiber, behauptete er,und ich wunsche auch nicht. Ich liebe ihnen zu sehen aus die Ferne, aber nicht, sie zu sprechen. Sie immer gleich denken, man muß fallen in Liebe mit sie. Aber ich möge nicht

zu verheiraten und nie werde sa thun. Liebe ist faules Zauber.

Und doch sollte die Stunde schlagen, wo er jählings aus seiner schönen Objektivität gerissen wurde. Der arge Zufall führte ihm Else Biermann, dasfesche Skelett, wie wir sie in unsrer Schnod⸗ drigkeit zu nennen pflegten, in den Weg. Sie war eine von dem halben Dutzend Märzhühuchen, die bei der Geometriewitwe Frau Marie Röse die mystischen Tiefen der Kochtöpfe studieren und zu⸗ gleich etwaigem Mangel an wissenschaftlicher Bil⸗ dung durch Musik- und Sprachunterricht nachhelfen sollten. Die meisten der jungen Studentinnen, von unsWichter bezeichnet, waren von so alltäglich em Aeußern, daß unsre anspruchsvollen Augen bei den täglichen Begegnungen achtlos an ihnen vorbei⸗ glitten; aber die Biermann Donnerwetter, das Mädel hatte ein Paar Gucker in dem nicht eben⸗ mäßigen, aber pikanten Gesicht, die wie Funken in den Zündstoff empfänglicher Herzen fallen mußten. Ihre Finger waren etwas zu eckig und flach daher auch der Spitzname aber in Straßentoilette fielen diese Mängel nicht unangenehm auf. Biermann verstand sich zu kleiden! à la bonheur! Ihr Vater, der Inhaber eines Tabaksgeschäfts in Lübeck war, mußte zahlreiche und prompt zahlende

traf eines Tages, als sie vom Nordauer Wochen- markte heimwärts zog, unvermutet an einer Straßen⸗

daß der Korb das Gleichgewicht verlor und seinen Inhalt durch hier- und dorthin polternde Kohlköpfe,

zum sichklichen Aerger seiner Trägerin, die sich lieber mit Bücher- oder Musikmappe zeigte. (Fortsetzung folgt.)

Und die

Kunden haben. Diese verführerische Maid nun 6 ecke mit Tom zusammen und zwar so nachdrücklich, N

Rettiche und andre nützliche Küchengewächse verriet, 1