ul, jurch den Rektor stattfinden. Mit Beginn dieses
0 ng, ingehändigt werden. Der Inhaber dieses Buches Hasle ö 11 durch die in demselben enthaltenen Vor⸗ itt a schriften manche Frage und manchen Weg, den uktiong, ir sonst zu seiner Information machen mußte.
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% zraktisch eingerichtete Kollegienbücher eingeführt,
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Gießen, Donnerstag, den 30. April
1896.
Ausgabe
Gießen.
ische maudeszeikung.
Redaktion:
Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg.
Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die ᷑spaltige Petitzeile.
Expedition:
. 2. Kreuzplatz Nr. 4.
0 Kreuzplatz Nr. 4. 2 lokales und Provinzielles.
„Gießen, 29. April. Gestern begannen die ee an unserer Hochschule. fachdem am 20. ds. Mts. die Inskription der Studierenden begonnen, wird am Samstag die bbste feierliche Immatrikulation in der Aula
Semesters sind für die Studierenden auch neue
velche den Studenten beim Belegen des Kollegs
* Gießen, 29. April. In der Strafsache gegen den ehemaligen Bürgermeistereischreiber ffoth von Lich wegen Urkundenfälschung und Betrug ist nunmehr die Voruntersuchung ge⸗ schlossen und wird die Verhandlung jedenfalls N hald vor der Strafkammer stattfinden. * Gießen, 29. April. Viehmarkt. Der gestrige Markt hatte einen etwas stärkeren Auf⸗ krieb als der letzte. Es mochten etwa 600—750 Stück Rindvieh vorhanden gewesen sein. Die Preise zeigten sich stark abweichend, was wohl
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wurde. Unter dem Auftrieb waren ca. 100 bis
darin seinen Grund hat, daß in Folge der vor⸗ jährigen guten Preise die Zucht stärker betrieben
150 Kälber, 100 Rinder und 500 Kühe Vogels⸗ berger und Simmenthaler Kreuzung, tragend und frischmelkend. Fremde Käufer waren nicht am Markt. Das Geschäft in Zuchtkühen ging flott und stellten sich deren Preise 1. Qualität auf 340400 l, 2. Qualität 280—350, Ware 3. Qualität, welche überwiegend vorhanden, war sehr billig zu haben. Der Handel in Fett⸗ vieh war wie beim letzten Markt sehr flau, trotz⸗
dem nur ein sehr schwacher Auftrieb am Markt war. Kühe erzielten 45—50, Stiere 53 bis 60, Kälber 50—55. pro Zentner Schlacht⸗ gewicht. Die neue Einrichtung, daß der Markt bor 6 Uhr von Vieh nicht betreten werden darf, erfreut sich des Beifalls der Käufer und Ver⸗ klufer, trotzdem wickelte sich das Geschäft schnell ab, denn um 10 Uhr war der Markt schon be⸗ endet. Nächster Markt am 12. und 13. Mai d. J.
* Gießen, 29. April. Saatenstand in 1 Mitte April 1896. Im Durchschnitt
steht Winterweizen und Sommerweizen gut, Winterroggen gut, Sommergerste gut bis sehr gut, Hafer und Klee ebenfalls gut bis sehr
macht noch folgende Bemerkungen: Die Winter⸗ saaten sind im allgemeinen gut durch den milden Winter gekommen. Nur im Vogelsberg(Kreis Schotten und Lauterbach, in letzterem Kreise auf schwerem Boden) ist etwas Weizen und Roggen ausgewintert. Ziemlich allgemein ist die Klage über Mäusefraß an dem Wintergetreide und dem Klee, der auch, so weit es sich um junge Felder handelt, außerordentlich durch die vorjährige Dürre notgelitten hat; von letzterem mußten z. B. im Erhebungsbezirke Pfeddersheim 80 pCt. um⸗ gepflügt werden. Die Bestellung der Frühjahrs⸗ saaten war in den klimatisch günstig gelegenen Landesteilen von der Witterung im März außer⸗ ordentlich begünstigt; in den rauheren Lagen be⸗ ginnen die Bestellungsarbeiten erst.
Gießen, 29. April. Im Großherzogtum Hessen wurden im Jahre 1895 512728 Tele⸗ gramme aufgegeben gegen 476 534 im Vor⸗ jahre. Eingegangen sind 537681 Telegramme gegen 500 461 im vorausgegangenen Jahre. Auf Oberhessen kommen 100 858(89 975) aufgegebene und 97211(86 865) eingegangene Telegramme. In unserer Stadt wurden 1895 33796(32463) Telegramme aufgegeben. Eingelaufen sind 29812 (27761) Telegramme.
Gießen, 29. April. Bettler und Land⸗ streicher. Im Jahre 1895 wurden in Hessen 2583 Personen wegen Bettels rechtskräftig ver⸗ urteilt. Davon entfallen Verurteilungen auf die Wintermonate Dezember— Februar 901, März—Mai 663, Juni—August 458, Sep⸗ tember—- November 521. Auf die Zeit mit der geringsten Arbeitsgelegenheit, den Winter, entfällt auch die größte Zahl der Verurteilungen. Das ist Grund genug, nachzudenken über die Ursache der Verurteilungen resp. der vorausgegangenen Bettelei. Von den 258g verurteilten Personen wurden 419 der Landespolizeibehörde überwiesen (auf Grund des§ 362 des R.⸗St.⸗G.⸗B.), und zwar 6 bis zu 3, 185 von 3—6 und 121 von 3 Monaten bis zu 2 Jahren. 20 wurden der Landespolizei auf 2 Jahre und 26 auf unbe⸗ stimmte Zeit überwiesen. Ein trauriges Los.
* Lollar, 29. April. Entgegen den früher aufgestellten Vermutungen über den Tod des Müllers Frey von hier wird uns von anderer Seite folgendes mitgeteilt. An dem Verstorbenen, der längere Zeit leidend gewesen, sind nicht, wie irrtümlich berichtet, Spuren von Geistesstörung bemerkt worden, wohl aber äußerte sich sein Krankheitszustand in häufigen Schwindelanfällen.
ut, die Wiesen wurden als ziemlich gut(1,9)
ewertet. Die obere landwirtschaftliche Behörde
An der Unglücksstelle führt ein Fußpfad dicht an dem außergewöhnlich hohen und teilweise vom
Wasser unterspülten Ufer hin. Der Verstorbene, welcher den Pfad passierte, ist zweifellos an jener Stelle von Schwindel befallen worden und hat auf diese Weise seinen Tod gefunden. Uebrigens befindet sich diese Stelle nicht an der Baden⸗ burg, sondern oberhalb der Einmündung der Lumda.
* Steinbach, 29. April. Die Maul⸗ und Klauenseuche hat in unserer Gemeinde er⸗ schreckender Weise um sich gegriffen. Auf fast sämtlichen Gehöften ist die Sperre angeordnet worden, welche sich in den landwirtschaften Be⸗ trieben der kleinen Landwirte umsomehr empfind⸗ lich macht, als denselben jede Möglichkeit be⸗ nommen ist, ihre Felder zu bewirtschaften. Die pferdebesitzenden Landwirte haben daher jetzt alle Hände voll zu thun, um ihren durch die Seuche in Bedrängnis geratenen Mitein⸗ wohner so gut, wie es eben geht, Aushülfe zu leisten. Eine Schafheerde ist durch die Seuche nahezu aufgerieben worden. Als Kuriosum wird uns mitgeteilt, daß sich die Seuche selbst auf den Wildstand übertragen hat. So sollen vor einigen Tagen nicht weniger als fünf Rehe ver⸗ endet vorgefunden worden sein.
Aus der Wetterau, 28. April. Aus hiesiger Gegend werden eben die ersten jungen flüggen Gänse zu Markt gebracht. Für das Stück zahlen die Händler je nach der Qualität 4 bis 6. Die Gänsezucht ist ja für die Leute sehr beschwerlich, wird aber in einzelnen Orten, wie Ober⸗Florstadt, Dornassenheim, Leidhecken, Bingenheim u. s. w. sehr schwunghaft betrieben, weil die Arbeiten einerseits in eine Zeit fallen, in welcher man noch nicht durch andere land⸗ wirtschaftliche Arbeiten zu sehr in Anspruch ge⸗ nommen ist, und weil anderseits der Erlös in der für den Landwirt magersten Zeit zwischen Ostern und Pfingsten eingeht. Einzelne Züchter verkaufen eben bis zu 40 Stück.
* Unter⸗Schmitten bei Nidda, 27. April. Wie in andern Orten des Kreises Büdingen, so ist auch bei uns durch Verordnung eine neue kreisamtliche Ordnung auf unsrem Friedhof getroffen worden. Sämtliche Gräber müssen in würdigem Stand gehalten, die Hügel regelmäßig geformt, die Wege sauber gehalten werden. Der Hauptweg ist mit Schlacken überfahren worden. Durch diese Anordnungen wird die Pietät gegen die Verstorbenen wachgehalten, wie auch der An⸗ blick des Friedhofs zu einem würdigen gestempelt. * Büdingen, 28. April. Unsere Stadt ist
ihrer die Ziffer von 3000 übersteigenden Ein⸗ wohnerzahl zwölf Gemeinderäte zu wählen berechtigt ist. Da auch in diesem Jahre die Dienstzeit unseres Bürgermeisters abläuft und der Beigeordnete bestem Vernehmen nach sein Amt niederzulegen wünscht, stehen uns be⸗ deutungs volle Wahlen bevor.
* Worms, 27. April. Heute Vormittag fand die technische Prüfung und Abnahme der neuerbauten Buschbahn durch Herrn Ober⸗ baurat Mayer in Gegenwart der Herren Ober⸗ bürgermeister Küchler, Oberingenieur Seibert und Ingenieur Schneider statt. Da sich keine Austände hierbei ergeben haben, so wird der Be⸗ trieb der Bahn eröffnet werden.
* Mainz, 28. April.(Die Polizei im Dienste der Schule.) Bei der Bubdget⸗ beratung wurde seitens des Stadverordneten Tiefel als mißständig bezeichnet, daß die Schulkinder bei Versäumnissen durch Schutz⸗ leute in Uniform zur Schule gebracht würden. Schon früher wurde erwähnt, daß ein Beschluß bestehe, wonach diese Verrichtung durch Schutzleute in Zivil ausgeführt werden solle. Herr Oberbürgermeister Pr. Gaßner verwies Tiefel damals an den Schulvorstand, er möge dort einen bezüglichen Antrag stellen. Dies hat sich nun als überflüssig erwiesen. In erster Linie wurde auf Ersuchen des Antragstellers ermittelt, wie viele Kinder vorgeführt wurden, und da ergab sich das überraschende Resultat, daß im Schuljahr 1895/96 nicht weniger als 724 Vorführungen stattgefunden hatten. Zugleich wurde der frühere Beschluß eruirt und es ergab sich die Richtigkeit, daß Schutz⸗ leute in Zivil die Vorführungen besorgen sollten, es geschah nur nicht. Der Vorsitzende des Schul⸗ vorstandes wird sich mit der Polizei in Ver⸗ bindung setzen, damit der Beschluß künftig be⸗ folgt wird und die Oberlehrer wurden ange⸗ wiesen, jeden Verstoß hiergegen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
* Mainz, 27. April. Die heutige General⸗ versammlung der Hessischen Ludwigs⸗ bahn war außerordentlich zahlreich besucht. Es waren etwa 300 Aktionäre anwesend, die ein Aktien⸗Kapital von 27 650 000 ½ mit 2586 Stimmen vertraten. Seitens der hessischen Re⸗ gierung waren als Vertreter zwei Kommissare entsandt worden; die preußische Regierung war dagegen nicht vertreten. Nach Verlesung des Vor⸗ trages des Verwaltungsrats und des Revistons⸗
mit der letzten Volkszählung in die Reihe der⸗ jenigen hessischen Gemeinden gerückt, die wegen
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berichts wurde Entlastung erteilt und die bean⸗ tragte Gewinnverteilung genehmigt. Bei der
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Sascha. Novelle von Graf Günther Rosenhagen. (Fortsetzung.)
Stürmend flog er die Treppe hinauf, richtete seine Bestellung aus und bald darauf betraten sie Beide die kleine Villa:
„Markewitz, ich danke Ihnen, daß Sie ge⸗ kommen sind, ich habe Wichtiges mit Ihnen zu be⸗ sprechen.“
Es war ein stillschweigendes Uebereinkommen, daß sie den um zwei Jahr Jüngeren ohne jede Förmlichkeit anredete.
Sie reichte ihm die Hand, die er zum Kuß an seine Lippen führte:„Gnädige Frau, Sie wissen, ich bin stets zu ihren Diensten bereit, wie kann ich Ihnen heute helfen?“
„Davon nachher“, entgegnete sie,„lassen Sie uns vorläufig in Ruhe unseren Thee trinken, nehmen Sie getrost Ihre unergründlich tiefe Zi⸗ garettentasche hervor und geben Sie mir auch eine Papyros, vielleicht verscheucht der Rauch meine Sorgen.“
„Sie haben sich gegrämt, gnädige Frau?“
Er hatte ihr gegenüber in dem großen, be⸗ quemen Lehnstuhl Platz genommen und schaute sie voll aufrichtiger Teilnahme an, während Sascha sich auf seine Kniee gesetzt und den Kopf an seine Must gelehnt hatte. Sie deutete mit den Augen auf den Knaben, er verstand, daß sie in dessen Gegenwart nicht sprechen wolle:„Sascha, mein Galupschick, steh auf“, bat er,„geh in den Garten
ud arbeite dort. Ich habe mit Deiner Mutter zu sprechen, heute Abend gehen wir zusammen an den Strand.“ E.
„Ist es so Ernstes und Wichtiges, das Sie quält“, fragte er, als Sascha sie verlassen hatte, „daß Sie es selbst nicht einmal in Gegenwart des Knaben, vor dem Sie doch sonst keine Geheimnisse haben, zu sagen wagen?“
Sie schwieg einen Augenblick, als suche sie nach Worten, daun sagte sie plötzlich und ohne jeglichen
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Kameraden mich bei ihm verleumdet hätten, daß man Schlechtes über meinen Umgang mit Ihnen, Markewitz, rede.“
Er antwortete nicht gleich, wortlos saß er ihr gegenüber und starrte sie an, als wenn er den Sinn ihrer Worte nicht zu fassen vermöge. Zornig schwollen die Adern auf seiner Stirn und dröhnend schlug er mit der geballten Faust auf den Tisch: „Wer ist der Elende, der Sie zu beleidigen und zu kränken wagt?“
Sie winkte ihm, sich zu beruhigen.„Unnötig und überflüssig wäre es, den Namen des Ver- leumders zu wissen, ein Anderes gilt es zu beraten und zu beschließen. In unserem Verkehr muß eine Aenderung eintreten, Markewitz, darüber bin ich mir heute Mittag klar geworden. Sie wissen, ich verachte die Menschen und das Urteil der Menge, aber ich muß Rücksicht nehmen auf Sascha. Nie und nimmermehr dürfen wir dazu Veranlassung geben, daß dem Kinde solche Gerüchte zu Ohren kommen.“
„Sie haben Recht, gnädige Frau“, entgegnete er,„aber darf ich fragen, wie sich in Zukunft nach Ihrer Meinung unser Umgang gestalten wird?“
„Das zu entscheiden und darüber auch Ihren Rat zu hören, bat ich Sie hierher.“
Er sah eine Weile sinnend vor sich hin, dann erhob er seine Augen und ließ sie bewundernd auf Frau von Smirninghoff ruhen. Noch immer war sie eine schöne, vornehme Frau. Sie war von großer, kräftiger Figur und vollen Formen, klar und offen blickten die braunen Augen in die Welt, ihr schweres, aschblondes Haar lag in Wellen um das blühende, rosige Gesicht und tadellose Zähne blitzten zwischen den roten Lippen hervor. Heute, da sie ihm hülflos gegenübersaß, seinen Rat und seinen Beistand erwartend, erschien sie ihm schöner und begehrenswerter denn je. Er kämpfte augen⸗ scheinlich mit sich einen schweren Kampf, dann sagte er leise:
„Ich habe Ihnen zwar versprochen, nicht mehr auf den mich ganz erfüllenden und durchdringenden
A. ders„Sascha kam heute Mittag weinend aus der Schule und erzählte mir, daß seine
*
Beide keinen anderen Ausweg.— Lassen Sie mich Ihnen noch einmal sagen, was Sie längst wissen, daß ich Sie liebe, über Alles liebe! Machen Sie meiner grenzenlosen Sehnsucht ein Ende, erhören
Sie mich— seien Sie mein, werden Sie mein Weib!“ Schon bei seinen ersten Worten war ein
glühendes Rot in ihre Wangen gestiegen und eine große Erregung hatte sie ergriffen. Als er sie nun flehenden Auges anblickte, sprach sie mit weicher, sanfter Stimme:„Markewitz, ich bitte Sie, sinnen Sie auf eine andere Lösung. Sie wissen, weshalb ich nicht schon vor Jahr und Tag, als Sie um meine Hand baten,„ja“ sagte und die Gründe, welche damals gegen unsere Verbindung sprachen, bestehen noch heute. Seien wir verständig,“ sie suchte einen scherzenden Ton anzuschlagen,„oder lassen Sie wenigstens mich als die Aeltere von uns Beiden Vernunft predigen.“
Ungeduldig unterbrach er sie:„Vernunft! Ich habe immer geglaubt, der wahren Liebe gegenüber hielte keine Vernunft stand und das wäre eben der Daseinsbeweis echter Liebe, daß sie durch die Hindernisse, die sich ihr entgegenstellen, nicht ent⸗ mutigt, sondern gestärkt würde.“
Sie sah ihn traurig und vorwurfsvoll au. „Sie sind ungerecht, Markewitz, aber wenn Sie nicht anders wollen, so muß ich Ihnen die Gründe auseinandersetzen, die mich auch heute abhalten, die Ihre zu werden. Liebe allein genügt nicht; fehlt die feste Basis, auf der sich Vertrauen und Achtung aufbauen können, so reicht Liebe allein nicht aus, um das Glück dauernd zu fesseln. Ich bin nicht reich, mit dem wenigen, das ich besitze, kann ich kaum die nötigsten Ausgaben bestreiten, jeder Luxus, der mich früher im Ueberfluß umgab, ist mir jetzt fremd. Auch Sie sind ohne Mittel, was Sie be⸗ saßen, haben Sie in edelmütiger Weife für uns geopfert, was Sie jetzt besitzen, verdanken Sie lediglich der Güte Ihres Vaters und der Frei— gebigkeit Ihrer Brüder. Wenn es ihnen einst ge⸗ fällt, zu sagen:„Wir haben jetzt genug für Dich
Wunsch zurückzukommen, aber ich sehe für uns
gethan, nun sieh zu, wie Du weiter kommst“—
— so wären Sie verraten und verkauft, weil Sie zu arbeiten nicht gelernt haben! Sie sagen zwar, zu arbeiten verbiete Jhuen Ihre Gesundheit, aber lieber Freund, nehmen Sie es mir nicht übel, das ist für Sie eine bequeme Entschuldigung, mit der Sie sich und Andere über den wahren Grund hin— wegtäuschen wollen. Sie mögen nicht arbeite n, weil Sie die Freude und den Segen der Arbeit noch nie empfunden haben. Schon einmal sagte ich es Ihnen und wiederhole es Ihnen heute:„Ar⸗ beiten Sie, suchen Sie sich irgend eine lohnende Beschäftigung, ganz einerlei, welcher Art, denn Arbeit schändet nie, und an demselben Tage bin ich die Ihrige. Werden Sie nicht ungeduldig, Markewitz, und trommeln Sie nicht mit den Fingern auf die Tischplatte, Sie wissen, das macht mich nervös— ich bin gleich mit meinen Ausführungen zu Ende. Nähme ich nun auch Alles, was ich Ihnen soeben erklärt habe, zurück, so bliebe dennoch ein Hindernis für unsere Ehe bestehen: das ist Sascha!
Noch besser als ich, wissen Sie, der Vormund, daß ich ohne die hohen Krongelder, die ich als Wittwe beziehe, den Knaben nicht so erziehen könnte, wie es mir jetzt möglich und wie es für seine Zu⸗ kunft nötig ist. Sobald ich mich wieder verheirate, fällt die bedeutende Summe fort und wovon soll ich dann seine Erziehungskosten bestreiten? Sie sagen von dem, was Sie besitzev, aber selbst wenn Ihnen Ihr Vater das bisherige Einkommen ließe, es würde kaum für uns Beide, nie aber für Drei reichen. Als Mutter habe ich zu unterscheiden zwi⸗ schen meinen eigenen Wünschen und dem, was für mein Kind von Nutzen und Vorteil ist, und ein Mutterherz versagt sich Alles, giebt Alles dem Kinde, denkt nie an sich. Wäre Sascha groß, er⸗ wachsen, eine Sekunde länger würde ich zögern, auch meinem Herzen endlich die Ruhe, das Glück zu geben, nach dem es sich sehnt. So aber muß ich Ihnen ein⸗ für allemal jede Aussicht auf diese für uns Beide glückliche Lösung nehmen, denn es wäre grausam, wollte ich Ihnen Hoffnungen lassen, die sich nie, niemals erfüllen können.“(Forts. folgt)
nicht mehr von mir abhängig— nicht


