— Nr. 304
Gießen, Dienstag, den 29. Dezember
1896.
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Poflztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.
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pedition: N Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 28. Dez. Mit dem 1. Januar k. J. werden als Dekane fungieren für die theologische Fakultät Professor Dr. Köstlin, für die juristische Fakultät Professor Dr. Leist, 41 die medizinische Fakultät Professor Dr.
ostroem und für die philosophische Fakultät Professor Dr. Höhlbaum.
* Gießen, 28. Dez. Dem Vernehmen nach
hat das Großherzogliche Ministerium die Wahl ur Handelskammer für ungiltig er⸗ Hlärt und eine Neuwahl angeordnet.
* Gießen, 28. Dezember. Am Gewerbe⸗ gericht werden für Monat Januar k. J. mit⸗ wirken, für die Arbeitgeber Jean Kirch, für die Arbeitnehmer Wilhelm Reuschling.
* Gießen, 28. Dez. Die Krauße⸗Kon⸗ zerte während der Feiertage in Steins Garten waren sehr gut besucht. Waren es beim ersten Konzert die Weihnachtsmelodien, welche das Publikum euthusiasmierten, so sorgten gestern die Herren Schwarz und Querchfeld mit ihren Solis für Ahwechselung. Auch die alt⸗ en Märsche, 129 Heroldstrompeten geblasen, fanden reichen Beifall.
* Gießen, 28. Dez. Der Gießener Zitherklub(Wohlthätigkeits verein) hielt am 1. Feiertag Abend im Lenzschen Felserkeller unter seinem neuen Vorstand eine Weihnachts- bescheerung ab. Die früheren Zitherspieler, welche schon seit längerer Zeit dem Verein nicht mehr angehörten, waren gekommen, um durch ihre Mitwirkung die Feier verschönern zu helfen. Die Gäste hatten sich so zahlreich eingefunden, daß der Festraum zu enge wurde, um die Fest⸗ teilnehmer zu fassen, sodaß zum Bedauern der Veranstalter viele wieder umkehren mußten. 14 armen Kindern wurde bescheert. Es scheint so, als wenn der nun wieder eingekehrte Friede im Zitherklub die früheren Sympathien, welche in weiten Schichten der Bürgerschaft für denselben bestanden, wieder neu belebt hätte, denn zahlreiche Neuanmeldungen von Mitgliedern waren das Resultat dieser wohlgelungenen Weihnachtsbe⸗ scheerung.
* Gießen, 28. Dez. Der Vorstand der land⸗ und forstwirtschaftlichen Berufs⸗ Genossenschaft in Darmstadt für das Groß⸗ herzogtum Hessen besteht z. Zt. aus folgenden
erren: 1. Großh. Regierungsrat Nover in
armstadt, Vorsitzender; 2. Großh. Geheimer Oberforstrat Frey in Darmstadt, Stellvertreter des Vorsitzenden und Vorstandsmitglied; 3. Guts⸗ keen Johannes Lutz V von Lengfeld; 4. Guts⸗ besitzer Beigeordneter Kalbhenn von Vilbel; 5. Gutsbesitzer Anton Schmftt II von Bretzen⸗ heim; 6. Großh. Bürgermeister Trautmann
zu Rimbach. Stellvertreter des Vorstandes sind die Herren: 1. Großh. Oberforstmeister Krauß in Gießen; 2. Gutsbesitzer Schlenke vom Hardt⸗ hof bei Gießen.
Hausen(Kr. Gießen), 28. Dezember. Der hiestge Krieger⸗Verein veranstaltete am zweiten Weihnachtstag im Vereinslokal eine Abschieds⸗ feier für zwei seiner Mitglieder, nämlich des Forstwarts Konrad Schlag, jetzt nach Mittel⸗ dick versetzt, und Philipp Müller, der nach Darmstadt übergesiedelt ist. Bei Gesang, einem vorzüglichen Gerstensaft und verschiedenen Trink⸗ sprüchen nahm die Feier den schönsten Verlauf. Grünberg, 20. Dez. Hier verschted im hohen Alter von 79 Jahren dee in weiteren Kreisen bekannte langjährige Rechner der Stadt, Herr Johannes Schäfer. Außer der Stadt⸗ kasse verwaltete der Verblichene bis vor wenigen Jahren auch die Rechnerstelle am hiesigen Vor⸗ schuß⸗ und Kreditverein, dessen Mitbegründer er war. Kurz nachdem Herr Schäfer sein fünfzig⸗ jähriges Jubiläum als Gemeinderechner unter allgemeiner Beteiligung der Bewohnerschaft ge⸗ feiert hatte, warf ihn ein Schlaganfall auf das Krankenlager, wodurch er genötigt wurde, seine Aemter niederzulegen. Er erholte sich wieder, so daß er sogar seine durch die Krankheit unter⸗ brochene Thätigkeit als Rechner einiger kleineren Gemeinden der Umgegend wieder aufnehmen und mit bewunderuswerter Rüstigkeit seine gewohnten Ausgänge unternehmen konnte. Der Tod, der infolge von Altersschwäche eintrat, hat einem arbeitsreichen Leben ein Ende gemacht. Eine größere Anzahl von Bureau- und Kassenbeamten unseres Landes haben auf der Geschäftsstube des Entschlafenen als Gehilfen ihre Laufbahn be⸗ gonnen und dort unter seiner bewährten Leitung die praktische Ausbildung im Rechnungswesen erhalten. * Schotten, 25. Dezember. In Ul fa wurde die Einweihung der neu gegründeten Mol⸗ kereianstalt vollzogen. Am Schulhause stellte sich ein einfacher Zug auf. Ein neuer, ge⸗ schmückter Milchwagen ꝛc. mit dem Molkereiver⸗ walter nebst Gehilfen eröffnete denselben. Es folgten ein Musik⸗Korps, Mädchen mit Melk⸗ eimern, Handwerksleute, der Genossenschaftsvor⸗ stand, der Aufsichtsrat, der Gesangverein und sonstige Teilnehmer. Herr Döll, der Direktor, hielt hierauf eine Rede, worin er allen dankte, die zum Gelingen des Unternehmens mitgewirkt hatten.
* Büdingen, 26. Dezember. Vor einigen Tagen wurde von dem Lehrer der Physik und Mathematik am Gymnastum hier, Herrn Dr. Kost, die Hand eines am hiesigen Kreisamt beschäftigten Beamten, dem vor neun Jahren eine Nähnadel iu die
Hand geriet, ohne daß es[fall ereignet. An einem Neubau am Zollhafen
den Aerzten bis jetzt gelungen wäre, sie aufzu⸗ finden und zu entfernen, mit Röntgenschen Strahlen durchleuchtet. Die photographischen Platten lieferten ein genaues Bild der Hand, wobei sich erwies, daß die Nadel dicht am unteren Gelenk des Ringfingers steckte. Die Photographie war so genau, daß man sogar die Oese der Nadel deutlich wahrnehmen konnte. Der Betreffende wird sich demnächst nach Gießen begeben, um sich die Nadel auf Grund der Photographie entfernen zu lassen.
* Aus dem Kreise Offenbach, 26. Dez. Die Molkereigenossenschaft m. b. H. zu Offenbach a. M. hat den für dieses Unternehmen sehr geeigneten Tulpenhof käuflich erworben und steht zur Zeit im vollen Betriebe. Auch einige Filialausgabestellen wurden errichtet. Eine größere Anzahl von auswärtigen Milch produ⸗ zierenden Landwirten sind in Anbetracht der durch die Genossenschaft gebotenen Vorteile der⸗ selben beigetreten und haben sich zur Milchliefe⸗ rung verpflichtet, was auch schon geschieht. Manche Leute sind der Genossenschaft noch nicht beigetreten, da sie diesem Unternehmen noch unsympathisch gegenüberstehen, trotzdem sie Be⸗ denken hegen, daß die Milchhändler in der Stadt Offenbach nach und nach mehr Abnehmer ver⸗ lieren könnten und sie dadurch in die unan⸗ genehme Lage versetzt werden könnten, ihre Ab⸗ satzguellen zu verlieren. Die zur Probe und zur chemischen Untersuchung enknommene Milch ergab im Durchschnitt einen Fettgehalt von 4 Prozent. Die Kinder- und Kurmilch, die nur von sorgfältig gepflegten Kühen genommen wird, ist wie die übrige Milch durch besondere maschi⸗ nelle Einrichtungen von Schmutz und Bakterien gereinigt.
* Offenbach, 27. Dezember. Unter dem Vorsitze des Gr. Kreisrates Haas von Offen⸗ bach hat sich ein Komitee gebildet, das die Er⸗ bauung einer festen Brücke über den Main anstrebt, die eine Verbindung zwischen Seligen⸗ stadt und den am rechtsseitigen Mainufer liegen⸗ den bayerischen Ortschaften herstellen soll. Nächsten Mittwoch wird in dieser Angelegenheit in Seligen⸗ stadt eine öffentliche Versammlung abgehalten, bei der auch das bayerische Bezirksamt von Alzenau, der Distriktsrat, sowie sämtliche inter⸗ essterten bayerischen und hessischen Gemeinden vertreten sein werden.
* Mainz, 26. Dez. Der Stadtverordneten⸗ versammlung wurde eine Vorlage zur Bewilligung von 5000. zur Vornahme von Notstands⸗ arbeiten unterbreitet. Am nächsten Mittwoch wird darüber beschlossen werden.
* Mainz, 26. Dezember. Hier hat sich am heiligen Abend ein schrecklicher Unglücks⸗
wollten nach Feierabend noch drei Arbeiter einige Kleinigkeiten von dem Gerüst herabholen. Kaum waren die Arbeiter oben angekommen, als sie infolge eines schwankenden Brettes in die Tiefe stürzten. Einer der Unglücklichen war sofort tot, die beiden anderen sind sehr schwer verletzt.
* Mainz, 27. Dez. Am 25. d. M., früh, bald nach 7 Uhr, stieß der von Worms ein⸗ laufende Personenzug auf eine im Auswechseln begriffene Abteilung, bestehend aus Maschine, Packwagen und einem leeren Personenwagen 3. Klasse des kurz zuvor mit halbstündiger Ver⸗ spätung eingetroffenen Darmstädter Frühschnell⸗ zuges. An der Maschine des Wormser Zuges wurden die Puffer abgebrochen und die Laternen zertrümmert. Mehrere Passagiere dieses Zuges erlitten leichte Kontustionen; die Abteilung des Schnellzuges blieb ziemlich unversehrt. Der An⸗ prall erfolgte vor den Augen zahlreicher Reisenden, die auf dem Perron auf den nach Köln abgehen⸗ den Schnellzug warteten, und jagte diesen einen nicht geringen Schrecken ein.
Vermischtes.
— Von der Mutter totgeprügelt. Elber⸗ feld. Eine Mutter, die ihr leibliches Kind in maßloser Erregung mit Stockhieben totgeprügelt hatte, stand in der Person der 25jährigen Ehefrau des Feilenzuschlägers Johannes Hahn von Remscheid hier vor den Geschworenen. Die Angeklagte hatte trotz ihrer Jugend schon 4 Kindern das Leben gegeben, das 5. hat sie in einigen Wochen zu erwarten; sie hat bei ihren Wochenbetten viel gelitten, und namentlich seit dem letzten wird sie viel von ner⸗ vösen Kopfschmerzen geplagt. Ihr kleines Söhnchen Fritz war ein kleiner Schreihals. Sie konnte sich darüber immer sehr aufregen und züchtigte das Kind dann hart. Am 11. September, Nachmittags, schrie der Junge wieder einmal, daß man ihn Häuser weit hören konnte. Da lief sie denn zornig zu ihm hinaus und prügelte ihn mit einem fingerdicken Stock durch. Hageldicht fielen die Schläge, und wo sie fielen, hinterließen sie blaue Striemen. Ein Hieb traf den Kopf des Jungen so unglücklich, daß der
Schädelknochen zerbarst und ein Bluterguß in das Ge⸗
hirn und die Kopfhöhle dem Leben des kleinen Burschen nach kurzer Zeit ein Ende machte. Ein hinzugerufener Arzt vermochte nicht mehr zu helfen. Nach der That war sie wie verzweifelt und überhäufte sich mit bitteren Selbstanklagen. Ihre Nachbarinnen stellten ihr das beste Zeugnis aus; sie wußten auch davon zu erzählen, daß sie ihre Kinder in der Erregung oft sehr züchtigte. Die Frau stand nun gestern wegen vorsätzlicher Körperver⸗ letzung mit Todeserfolg vor dem Schwurgericht; die Ge⸗ schworenen erklärten sie aber nur der fahrlässigen Tötung schuldig und empfahlen sie zugleich der Milde des Ge⸗ richts. Der Staatsanwalt beantragte darauf ein Jahr Gefängnis, das Gericht erkannte auf sechs Monate Ge⸗ fängnis.
— Der scherzhafte Neffe. Ein Pariser Rentier kam vor wenig Tagen aus Havre zurück. In dem Abteile, in dem er Platz genommen, setzte sich ein junger Mann von sehr elegantem Aussehen ihm gegenüber und knüpfte
Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. (Fortsetzung.)
Aus dem führerlosen Jüngling, in dessen Kopfe abenteuerliche Pläne und märchenhafte Phantasie⸗ gebilde ihr Wesen trieben, war längst ein kraft⸗ voller arbeitsgestählter Mann geworden, den die Kämpfe des Lebens und die ernsten Pflichten einer verantwortungsreichen Stellung früher und voll⸗ ständiger gereift hatten als Andere. Trotz unge⸗ wöhnlich rasch errungener Erfolge war von den schönen Träumen seiner Jugend einer nach dem andern in leeres Nichts verflogen, und der einzige von Allen, der noch manchmal in stillen Stunden gar lieblich und verlockend vor seine Seele trat, war der Traum des Wiedersehens mit seiner kleinen, holdseligen Reisegefährtin vom Tage der Eisenbahn—⸗ latastrophe bei Ragosewo. Und er hatte sich noch immer darin gefallen, dies Wiedersehen in leuchtenden, glanzvollen Farben auszumalen, wie mitleidig er dann vielleicht auch eine Stunde später seine eigenen Illusionen belächelte. Es hatte ihn so glücklich ge⸗ macht, sich vorzustellen, wie sie bei seinem Anblick laut aufjubeln würde und wie er ihr mit frei er— hobener Stirn sagen wollte:
„Sieh, ich habe Deine Mahnung getreu be⸗ herzigt, und ich habe mein Wort eingelöst wie ein ganzer Mann!“ a
Nun aber, da sie der Zufall früher zusammen⸗
geführt hatte, als Bernhard es beabsichtigt und zu
ihm
2 in ihrem Herzen lebendig sei;
hoffen gewagt, nun war weder das Eine noch das Andere geschehen. Elisabeth's tödtliches Erschrecken bei seinem Wagnis mit dem Dampfhammer war nur für einen flüchtigen Augenblick als ein Beweis erschienen, daß noch die alte Freundschaft schon in der nächsten daß die Befürchtung, sich wohl in der auch wenn
Minute hatte er sich gesagt, etwas Entsetzliches sehen zu müssen, jämlichen Weise geäußert haben würde,
nun hatte er ebensowenig den Mut, sie an ihren Abschied im Parke von Sandhofen zu erinnern, als Elisabeth angesichts seines vermeintlichen Stolzes das rechte Wort für den Beginn der Unterhaltung fand.
Sie gingen denselben Weg zurück, den sie ge⸗ kommen waren. Schon sahen sie das Glasdach der großen Maschinenhalle wieder vor sich im Sonnen⸗ schein glitzern, und nach wenig Minuten mußten sie mit Rodewald zusammengetroffen sein.
Da war es denn doch Elisabeth, welche zuerst, wenn auch mit merklicher Befangenheit, das Schweigen brach.
„Es ist mir fast unbegreiflich, daß ich Sie nicht sogleich erkannte“, sagte sie,„aber ich war freilich anf nichts Anderes so wenig vorbereitet als auf diese Begegnung.“
„Und ich muß Ihnen dankbar sein, mein Fräu— lein, daß Sie sich meiner unbedeutenden Person überhaupt noch erinnern“, gab er mit einem kleinen Anfluge von Bitterkeit zurück, für den im Grunde durch die Situation nicht der geringste Anlaß ge— boten war.„Wie hätten Sie dazu kommen sollen, an mich zu denken, da ich Ihren Lebensweg doch nur für die Dauer weniger Stunden gekreuzt hatte!“
Elisabeth fühlte sich durch diese fast unfreund— liche Erwiderung verletzt, und es war begreiflich genug, daß auch sie nun eine etwas kältere Miene annahm.
„Man kann Ihnen, wie ich glaube, Glück wünschen zu der Stellung, welche Sie hier be⸗ kleiden“, sagte sie mit wiedergewonnener Sicherheit. „Es ist gewiß ein großes und fruchtbares Arbeits⸗ feld, das Ihnen da zur Verfügung steht.“
„Einem ungewöhnlichen und vielleicht nur zum kleinsten Teile verdienten Wohlwollen des Herrn Morris verdanke ich meinen gegenwärtigen Platz.
er ihr in der That ein Fremder gewesen wäre. Und 9
Noch vor einem Jahre war ich der letzte und jüngste Ingenieur der Fabrik; aber der Besitzer derselben wandte mir in einer fast beschämenden Weise sein ganzes Vertrauen zu, als es mir gelungen war, einige Verbesserungen an Maschinen-Konstruktionen zu ersinnen, welche sich in der Praxis bewährten. Ich würde unter gewöhnlichen Verhältnissen kaum in einem Jahrzehnt meine Wünsche und Hoffnungen zu einem solchen Posten erhoben haben.
„So ist es doch immerhin nur Ihre eigene Kraft gewesen, welche Sie emporgeführt hat. Die kindliche Zuversicht, mit welcher ich damals im Park von Sandhofen, trotz der Oberflächlichkeit unserer Bekanntschaft, an Ihre bedeutende Zukunft glaubte, scheint eine vollkommen berechtigte gewesen zu sein.“
Sie hatte in einem scherzenden Tone gesprochen, und Bernhard nahm ihre Worte für Spott. Eine lebhafte Röte färbte seine Wangen, als er ent— gegnete:
„Wahrscheinlich werden Sie es überaus lächerlich finden, mein Fräulein, wenn ich Ihnen sage, daß gerade jenes Gespräch unter der Statue der Diana für die Gestaltung meines Lebens entscheidend ge— worden ist. Die Verhältnisse waren für mich da⸗ mals von eiuer so traurigen und hoffnungslosen Art, daß ich sehr nahe daran war, aus Mangel an Selbstvertrauen auf einen jener Wege zu ge— raten, die haltlosen jungen Leuten so bequem er— scheinen, weil sie im Anfang nur ganz allmählich bergab führen und weil man den Abgrund an dem sie enden, zumeist erst erkennt, wenn man bereits im vollen Gleiten ist. Es bedurfte wahrlich eines Antriebes von ganz besonderer und nachhaltiger Art, um mich auf den rauhen, steilen Pfad der Arbeit zu führen, und mich trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, trotz aller Enttäuschungen und Ent; behrungen auf demselben zu erhalten. Ich mußte
lockenden Preis vor mir sehen, wenn ich allen neuen
ich mußte im Stande sein, mich an einem lieblichen Zukunftsbilde, das in ganz bestimmten Umrissen vor meiner Seele stand, zu erquicken und zu stärken, wenn mir Geist und Körper erlahmen wollten in dem unaufhörlichen und scheinbar so aussichtslosen Ringen.“
In seiner Bitterkeit hatte er viel mehr gesagt, als er in seiner Freude zu sagen gehabt hätte. Die schmerzliche Erregung hatte ihn fortgerissen, so daß er erschrocken innehielt, als er sich der Bedeutung seiner eigenen Worte bewußt wurde. Welche Wirkung dieselben auf Elisabeth ausgeübt, konnte er nicht erkennen, denn sie gab ihm nicht so— gleich eine Antwort, und ihr Köpfchen war tief gesenkt. Aber als er sie, wie es ja seine Pflicht war, durch das Portal der Maschinenhalle führen wollte, empfand er einen leichten Druck der kleinen Hand, die noch immer auf seinem Arm ruhte, und mit einer Bestimmtheit, die jedes Mißverstehen ihrer Absicht unmöglich machte wandte sich Elisabejh seit⸗ wärts auf einen hügelanstrebenden Weg.
Sie waren schon einige Dutzend Schritte von der Halle entfernt, als die junge Dame die schönen Augen zu seinem ernsten Gesicht erhob und halb zaghaft, halb schelmisch fragte:
„Und wäre es wirklich mein kindliches Geplau— der gewesen, aus welchem Sie alles dies gewonnen haben?“
Heiß strömte dem Manne an ihrer Seite alles Blut zum Herzen. Er war nicht mehr so thöricht, den vermessenen Hoffnungen seiner Jünglingsjahre auf ein einziges freundliches Wort hin sogleich wieder die Herrschaft über sich einzuräumen; aber er war doch auch nicht stark genug, zu verhindern, daß der Blick dieser sammetglänzenden schimmernden Augen die unvergessene knabenhafte Neigung zu
irgend ein herrliches Ziel, irgend einen verführerisch
starker, hellauflodernder Leidenschaft entzündete. (Fortsetzung folgt.)
Auwandlungen der Mutlosigkeit Trotz bieten sollte,


