Ausgabe 
29.8.1896
 
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Gießen, Sonnabend, den 29. August

1896.

Ausgabe

Udeszeitung.

Gießen.

8 Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

E

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Gießen, 28. August. Vakanzen im Bezirke des 11. Armeekorps. Eisenach, Landgericht bezügl. Staatsanwaltschaft beim Landgericht, Hilfsdiener, 900 Mk. jährlich. ae und ber Dortmund, 700 Mark

1 und der gesetzliche Wohnungs⸗ geldzuschuß. Michelstadt, Kaiserl. Postamt, andbriefträger, 700 Mark Gehalt und 72 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Soden(Kreis Schlüch⸗ tern), Stadtgemeinde, Stadt⸗ und Polizeidiener, 350 Mk. und 100 Mk. Nebeneinnahmen. Wiesbaden, Magistrat, 2 Feldhüter, je 1200 Mk. Wiesbaden, Königl. Polizei⸗Direktion, 3 Schutzleute, während der Probezeit je 1000 Mark Remuneration, bei definitiver Austellung jährlich je 1000 Mk. Gehalt und 180 Mk. Woh⸗ nungsgeldzuschuß Gießen, 28. August. Gestern wurde ein Gemeiner der 4. Kompagnie, des 116. Inf. Reg. in Begleitung eines Unteroffiziers und eines Gesteiten vom Griesheimer Lager nach der Gar⸗ nison zurückgebracht. Die Begleiter, welche die Gewehre scharf geladen hatten, nahmen den Mann nach Ankunft am hiesigen Bahnhof in die Mitte und marschierten mit demselben um die Anlage nach der neuen Kaserne. Was der arme

Teufel verübt, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Von einer anderen Seite wird uns mitgeteilt, daß der Gemeine Knöß von der 4. Kompagnie aus Rüttlingshausen bei Alsfeld ge⸗ bürtig, am Sonntag Abend von der Festung beim Regiment wieder eingeliefert wurde.(Der Mann hatte eine einjährige Strafe verbüßt.) Im Griesheimer Lager, wohin er am Montag Morgen gleich mit ausrückte, soll er sich während des Dienstes betrunken gezeigt, außerdem aber seine Waffen ꝛc. mutwillig ruiniert haben, weß⸗ halb seine Verbringung in Untersuchungshaft nach der Garnison verfügt sei.

* Gießen, 28. August.(Strafkammer⸗ Verhandlung.) Heute Vormittag verurteilte die Strafkammer den 15 jährigen Schirmflicker Andreas Delies wegen Diebstahls zu drei Wochen Gefängnis, die durch Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Der junge Mensch, welcher seinem Meister unter Mitnahme von Hammer und Zange durchgegangen, wußte seine Heimat nicht anzugeben und hat seiner Schilde⸗ kung nach ein Zigeunerleben geführt. In einer weiteren Verhandlung hat sich das 15⸗ Arche Bürschchen Theodor Kranz von Fischbach wegen schweren Diebstahls zu ver⸗ antworten. Derselbe hat im April in der Nacht mittels Einsteigen eine Uhrkette, ein Halstuch und eine Schachtel aus einem Raum gestohlen,

0 100 1 pat aun ern daten wurde und geschlosse, 12.30 An ares erfolg, ittag 3 Kalser Fr Zar f ahr 200 me Menschen at.

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n⸗ in dem der Eigentümer dieser Sachen schlafend U im Bette lag. Der Gerichtshof billigte dem ege n. jugendlichen Sünder mildernde Umstände zu und

8 okales und Provinzielles. verurteilte denselben zu 4 Wochen Gefängnis,

von denen 2 Wochen durch die Untersuchungs⸗ haft als verhüßt erachtet werden. 1 9950 wird in die Sache Karl Link von Heidel⸗ bach eingetreten. Es sind 16 Zeugen und zwei Schreibsachverständige zu vernehmen. Der 20. jährige Angeklagte ist Müller und Landwirt, und der Sohn des Besitzers der Reitzer Mühle bei Heidelbach. Er wird beschuldigt, im März und April ds. Js. 1. durch Verbreiten von Schriften den Lehrer öffentlich verleumderisch beleidigt zu haben, 2. unzüchtige Schriften und Abbildungen an Orten, die dem Publikum zu⸗ gänglich sind, nämlich dem Gemeindebackhaus zu Heidelbach, angeheftet zu haben. Staats⸗ anwalt Zimmermann, der die Anklage vertritt, beantragt im Interesse der Sittlichkeit den Aus⸗ schluß der Oeffentlichkeit während der Verhand⸗ lung. Der Vorsitzende Landgerichtsrat Möbius bemerkt, daß allerdings hier bedenkliche Dinge zur Sprache gebracht würden und daß die Pla⸗ kate Unflätereien der ärgsten Art enthalten, und beschließt der Gerichtshof, hinter verschlossenen Thüren zu verhandeln.

* Gießen, 28. August. Vorsicht beim Pflaumenessen. Eine ernste Mahnung an Eltern und solche, die Kinder zu beaufsichtigen haben, bietet wieder ein kürzlich in Beerfelden stattgehabter Sterbefall eines Kindes. Wie verlautet, soll dasselbe eine größere An zahl Pflaumen, teilweise mit den Steinen gegessen haben.

*» Gießen, 28. August. Die Versteige⸗ rung der offenen Obststände an den Thoren der Stadt und auf Oswalds Garten, welche gestern Vormittag stattgefunden, hat einen wieder Erwarten hohen Erlös zu gunsten der Stadtkasse ergeben. Der höchste Betrag mit 445. wurde für den Platz an der Westanlage geboten. Im Ganzen wurden 1245. für die 5 Plätze erzielt, während früher im Ganzen 25-30, für diese Plätze an die Stadt be zahlt wurden. Diese vermieteten Stände, welche meistens von auswärtigen Händlern be⸗ setzt sind, kamen um deswillen so hoch bei der Versteigerung, weil die hiesigen Gemüsehändler gestern flott mitboten, wohl aus der Erwägung heraus, der auswärtigen Konkurrenz das Leben sauer zu machen.

* Gießen, 28. Aug. Müssen die Mieter einem Mietslustigen die Wohnung zeigen? Diese Frage wird immer wieder aufgeworfen. Es sei deshalb an eine in Elberfeld getroffene Entscheidung erinnert, wonach die Mieter die Pflicht haben, den Mietslustigen die Wohnung zu zeigen. Jedoch nicht den ganzen Tag, viel⸗ mehr sind die Stunden von bis Uhr Nachmittags täglich als angemessene Zeit zu be trachten, mit der Beschränkung jedoch, daß der

Mieter an Sonn- und Festtagen gar nicht dazu verpflichtet ist.

L. Gießen, 28. August. Nordpol-Debatten sind jetzt bei öffentlichen und privaten Zusammenkünften an der Tagesordnung. An Stammtischen und in Familien⸗ zirkeln, ja sogar bei den Kaffeekränzchen unsrer Damen⸗ welt bilden die überstandenen Eismeer-Abenteuer Frithjof Nansens ein beliebtes Gesprächsthema, das nach allen Richtungen hin umständlich erörtert wird. Natürlich werden dabei zuweilen die wunderlichsten Ansichten ge⸗ äußert, bei deren Anhören denkende Leute ein mitleidiges Lächeln oder vergnügtes Schmunzeln kaum unterdrücken können. Ab und zu freilich werden sie auch unwillig den Kopf schütteln und energischen Widerspruch erheben. Denn jene Ansichten beschränken sich leider nicht darauf, thöricht oder komisch zu sein, sondern sie tragen vielfach einen dummdreist⸗arroganten Charakter zur Schau, für den das bezeichnede Wortphiliströs wohl der treffendste Aus⸗ druck sein dürfte. So ein eingefleischter Philister, der nie über seine vier Pfähle hinausgekommen ist, entblödet sich nicht, im abfälligsten Ton über Nordpolfahrten zu reden und die kühnen Entdecker, die ihr Leben für ein großes Ziel in die Schanze schlugen, von obenher als eine Art einfältiger Narren zu behandeln. Was haben diese son⸗ derbaren Schwärmer denn nun eigentlich erreicht? Die paar wissenschaftlichen Resultate, die sie heimbringen, sind doch im Grunde keinen Pfifferling wert. Zwei bis drei kleine unwesentliche Aenderungen der Erdkarte das ist Alles. Die praktischen Ergebnisse der langjährigen mühe⸗ vollen Reise, die soviel schönes Geld gekostet hat, sind doch wirklich gleich Null. Denn man wußte ja läugst, daß da oben, im ewigen Eise, Niemand wohnen und Handel treiben kann, daß also die Erforschung dieser Ge⸗ biete von keinem handgreiflichen Nutzen für die Mensch⸗ heit ist. Ueber klimatische und magnetische Erscheinungen, über Luftbewegungen, Meeresströmungen und ähnliche Probleme mögen die Herren Gelehrten sich ereifern; den Mann vongesundem Verstande lassen sie kalt, weil sie weder dem Einzeln noch der Allgemeinheit zu Gute kom⸗ men und geschäftlich im Weltverkehr keinerlei Chancen bieten. Mit solchen Redensarten werden Dinge angethau, die für die wissenschaftliche Erkenntnis von so ungeheuerer Tragweite sind. Für die ideale Seite der Sache haben selbstredend kleinliche Philisterseelen selten viel übrig; auch begreifen sie nicht oder wollen nicht begreifen, daß noch jedes ideale Streben zu außergewöhnlichen praktischen Er⸗ folgen geführt hat. Dem Idealismus des großen See⸗ fahrers Kolumbus verdanken wir die Entdeckung Amerikas, derenpraktischen Nutzen heut Niemand mehr ableugnen wird, und auch die Geschichte der Polarreisen, die bis zur Zeit der Entdeckung Amerikas hinabreicht, weist praktische Erfolge in überreicher Menge auf. Wir erinnern nur an die Großthat Nordenstjölds, der die nördliche Durchfahrt von Europa nach Asien, die Küste Sibiriens entlang, suchte und fand ein Ziel, dem vor ihm bedeutende Seefahrer vergeblich nachgestrebt hatten. Und wer möchte heut, wo wir dem Nordpol bereits so nahe sind, zu er⸗ messen wagen, von welchem Werte dereinst die Entdeckung des Pols für die Menschheit sein wird? Danken wir also den Männern, die, wie Nansen, ihre ganze Kraft dieser schwierigen Aufgabe widmen, und unterschätzen wir nicht die scheinbar nur theoretische Bedeutung ihrer Fahrten auf Tod und Leben. Erst die Zukunft soll lehren, welche praktischen Folgen ihre wissenschaftliche Forschung haben kann und in die Zukunft zu blicken, ist Keiner weit⸗

sichtig genug, der biedere Ofenhocker Philister!

Daubringen, 28. August. Der Land⸗ wirt Joh. Kraushaar pflügte vor einigen Tagen seinen Acker und geriet dabei an ein Wespennest. Die Tiere richteten den Mann sowohl als auch die Kühe so gräßlich zu, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.

Bad Nauheim, 27. August. Unter den 14136 angemeldeten Kurfremden des Jahres 1895 befanden sich nach verlässtgen Zusammen⸗ stellungen nicht weniger als 2755 Ausländer, besonders aus Rußland, Großbritannien, Amerika, Skandinavien, Holland u. a. L. Ein wesent⸗ liches Verdienst um den stärkeren Besuch unsres Heilapparates aus dem Ausland ist dem Bade⸗

am wenigsten

schreiben, der den offiziellen Badeprospekt in die Hauptkultursprachen übersetzen und in den be⸗ treffenden Ländern unter den namhaftesten Aerzten verbreiten ließ. Neuerdings ist nun der Pro⸗ spekt auch in die Volapücksprache übersetzt wor⸗ den und zwar durch die Gefälligkeit des Herrn Lehrers A. Wagner hier, der dieses Idioms vollständig vertraut ist und die mühselige Arbeit unentgeltlich besorgte. Die Uebersetzung wird an die Mitglieder des Weltsprachevereins in allen Weltteilen versendet. Der Prospekt liegt nun⸗ mehr in 13 Sprachen vor.

* Dieburg, 26. August. In verwichener Nacht wurde in der Wohnung des Herrn Gold schmidt in der Steinstraße ein Einbruch ver⸗ übt. Dem Diebe fielen ein schwarzer Anzug, 2 Uhren und eine goldene Uhrkette zur Beute. Im dringenden Verdacht der Thäterschaft steht ein junger Mensch, der sich gestern Abend in den benachbarten Wirtshäusern aufhielt und vermut⸗ lich in der Scheuer des Bestohlenen nächtigte.

* Mainz, 27. August. Es ist jetzt gelungen, die Person eines Unbekannten festzustellen, der sich im hiesigen Untersuchungsgefängnis befindet. Er heißt Weber und ist als Festungsgefangener aus Torgau entsprungen, wohin er nunmehr zurücktransportiert wurde. Dieser Weber war bereits zweimal wegen Desertation bestraft wor⸗ den, aber jedesmal entsprungen, außerdem ist er aber einer der raffintiertesten Einbrecher und Gauner, der von verschiedenen Polizeibehörden steckbrieflich verfolgt wurde.

* Mainz, 27. August. Gestern Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr wurde ein 16jähriges Mädchen aus Bodenheim am Rheinufer in der Pähe von Laubenheim von zwei fremden Strol⸗ chen überfallen, seiner Baarschaft beraubt und in den Rhein geworfen. Das Mädchen fiel auf einen Stein und rettete sich ans Ufer, während die beiden Räuber in der Richtung nach Mainz auskniffen. Die Meldung von dem Ueberfall brachte erst gestern Abend der Bodenheimer

Marja, das Heldenmädchen

dorfer 0 von Transvaal. i on Pieter Vrybur 0 0 f lk U 5 en 5 e 9299 5 ö 0(Fortsetzung.) N Der energische Mann machte eine unzweifel⸗ rah, 0 hafte Bewegung nach der Thür. 8 e Die Goldgräber blickten einander betroffen an. Einen so kurzen Abschied hatten sie nicht gewollt und nicht erwartet. Alle hatten wohl das Gefühl, mn daß hier ein Mann von ihnen schied, der von der wein Natur und vermöge seiner Stellung berufen war, a in dem Kampfe gegen die Boerenherrschaft, unter der alle Engländer ohne Ausnahme seufzten, die 1d Fuührerrolle zu übernehmen. Sein Auftreten impo⸗ 017 nierte ihnen schließlich doch. Sie sahen in Jameson diane,. einen Mann, der geradewegs auf sein Ziel losgeht ase und Furcht nicht kennt. Einen solchen Mann brauchten sie, und nun er gehen wollte, beherrschte sie nur ein Gedanke, daß er bleiben müsse. Der Gouverneur hat Recht! rief Williams freimütig.Er möge bleiben und sehen, daß wir 9e 00 einig sind, sowie es gegen die Boeren geht. Diese kleine Streitigkeit war ganz belanglos. Hier, Tom, 100 meine Hand! Um einer Bauerndirne willen sollten

zwei so alte Kameraden und brave Kerle einander nicht die Hälse brechen. a Jameson war stehen geblieben. Sein Falken⸗ Ait, u auge ruhte auf den beiden Gegnern. Er sagte 15. w nichts, er beobachtete nur.

f Offenherzig, ohne Rückhalt sprochen, und so bot er dem Hand zur Versöhnung. 5

Der aber zögerte noch, einzuschlagen, und er bedurfte erst des lebhaften Zuspruchs seiner Kame- raden, ehe er mit innerem Widerstreben und einem

den Blick seine Hand in die des Gegners

hatte Williams ge⸗ finsteren Tom seine

Hurrah, Williams!Bravo, Tom! riefen die anderen Goldgräber im Chor, und:Bleiben! Bleiben! Führung übernehmen! schallte es aus zwanzig Kehlen dem Gouverneur entgegen.

Jameson, der kein Auge von Tom gelassen hatte, erhob Ruhe gebietend die Hand.

Ehe wir weiter reden, ertönte seine markige Stimme,verpflichte ich jeden Einzelnen von Euch auf Handschlag, der einem Schwur gleich sein soll, nichts von allem zu verraten, was wir hier und anderwärts verhandeln werden. Wer es dennoch thut, ist dem Tode verfallen!

Wir schwören! hallte es dumpf im Kreise.

Nach einander schüttelte der Gouverneur schweigend, aber mit einem beredten Blick, jedem Einzelnen die Hand. Es lag eine gewisse Feier⸗ lichkeit in dem Akt, die selbst auf den Lauscher an der Wand nicht ohne Eindruck blieb.

An den schwarzen Tom, der noch immer grollend bei Seite stand, wandte Jameson sich zu⸗ letzt, und dessen Hand noch fest in der seinen haltend, wiederholte er nochmals zu den Uebrigen gewendet:Also dem Verräter der Tod! 5

Der Tod! wiederholten alle mit Ausnahme Toms.

Fest drückte Jameson ihm die Haud und sah ihn an mit einem flammenden Blick seiner kohl⸗ schwarzen Augen, vor denen Tom die seinen zu Boden schlug.

Alles das bemerkte der Deutsche, und er machte sich dabei so seine eigenen Gedanken. Der schwarze Tom interessierte ihn vou Allen am meisten. So wenig, wie davon gesprochen worden, war es doch unverkennbar, daß dieser Mann ein Herzensge heimnis hatte, das sich an den Namen Marja Witborg knüpfte. Diese Erkenntnis brachte auch in des Deutschen Brust seine gewisse Gährung hervor.

Welcher Art waren die Beziehungen Toms zu

der Tochter des Boeren? Wurde seine Neigung von jener geteilt erwidert? War Marja eine heimliche Freundin des Uitländers? Hatte sie dem Deutschen nur um deshalb, weil sie ihn für einen Engländer hielt, ein so freundliches Entgegenkommen bewiesen und ihn verlassen, als sie wußte, daß er kein Engländer war?

In diese Gedanken versenkt, bemerkte der Lauscher nicht, wie der Gouverneur den mit ihm gekommenen Soldaten der Chartered Company einen Wink gab, worauf jene zurücktraten und die Thüre zudrückten.

plötzlich kam es ihm zum Bewußtsein, daß er sich bei längerem Verweilen hier der Gefahr aus⸗ setzte, ohne Verhör sofort standrechtlich erschossen zu werden, denn die vernommenen Erklärungen gaben diesen Engländern die Bedeutung einer kriegsfüh⸗ renden Macht. Er aber war ein Deutscher, und die Deutschen galten als die Freunde und festesten Stützen der Boerenherrschaft. Was er gehört hatte, genügte ja auch, um der höchsten Stelle, das heißt dem Präsidenten Krüger eine Warnung zugehen zu lassen, die jetzt noch rechtzeitig kam, um die Be⸗ schlüsse dieser geheimen Verbindung unausführbar zu machen.

Von diesem Gedanken erfüllt, richtete der Deutsche aus seiner kauernden Stellung sich auf, um die stille Farm auf demselben Wege zu verlassen.

Er hatte sich kaum aufgerichtet und einen forschenden Blick umhergeworfen, als er erschreckt zusammenzuckte.

Die Soldaten der Chartered Company waren auf jenen Wink des Gouverneurs auf Posten ge zogen und zwar außerhalb des Grabens. Sie konnten ja nicht ahnen, daß in der Zwischenzeit schon Jemand zu dem Haufe heraugeschlichen

war. Sie blickten in die Wüste hinaus, um jede Annäherung von dort sogleich melden zu können.

78 Der Mond schien fast tageshell, und wäre der Deutsche hier nicht durch ein Gebüsch gedeckt ge⸗

Posten bemerkt haben.

möglich. Seine Anwesenheit sogleich zu erkennen zu geben, verbot ihm die Klugheit, und so sah sich der Deutsche wider Willen gezwungen, sich noch einmal niederzuducken und die Rolle des Spions fortzu⸗ zusetzen. Es war nur ein Glück, daß keine Hunde da waren, denn die würden ihn aufgespürt haben. Nur, wenn er sich gänzlich ruhig verhielt, durfte er hoffen, nach dem Abzug der Verschwörer den gefährlichen Ort ungestraft verlassen zu können. 6. Kapitel. Der Kriegsplan.

Der Gouverneur Jameson hatte sich auf eine Kiste niedergelassen, die Verschwörer hatten sich am Boden um ihn herum gelagert.

Ehe wir in die Verhandlungen eintreten, be⸗ gann der Erstere,bitte ich jeden von Ihnen einzeln aufzustehen, seinen Namen zu nennen und den Distrikt anzugeben, welchen er vertritt, auch wäre

bild zu erhalten, um darnach meine Maßregeln treffen zu können. Ich werde mir dazu Notizen machen.Also bitte!

Aus dem Weiteren ergab sich nun, daß sämt⸗ liche, zumeist von Engländern bearbeiteten Gold und Diamantfelder, an denen Trausvaal so reich ist, vertreten waren, und die einzelnen Berichte ließen erkennen, daß die Unzufriedenheit unter den Uitländers überall gleich stark war. Es bedürfe nur eines äußeren Anstoßes, um einen allgemeinen Aufstand hervorzurufen. g

Nachdem der Vorbericht erledigt war, nahm der Gouverneur das Wort.

(Fortsetzung folgt.)

wesen, so müßten sie ihn sogleich beim Beziehen der

es mir interessant, sogleich ein kleines Stimmungs⸗

kommissär Herrn Oberst von Hofmann zuzu.

Jetzt noch ungesehen fortzukommen, schien un⸗ 1