Ausgabe 
29.4.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 29. April

1896.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

lles. * Gießen, 28. April.(Generalversammlung Schluß.) Der Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1895/96, den der 1. Schriftführer O. Meyer er⸗ stattete, konstatierte ein gedeihliches Weiterent⸗ wickeln des Kaufmänuischen Vereins, welcher 279 Mitglieder(10 mehr als im Vorjahr) zählt.

Das Vermögen des Vereins besteht in baren Mitteln aus ca. 2500, wovon 900 l, ver

zinslich angelegt sind. Die acht abgehaltenen

Vorträge waren gut besucht und hat sich die

Einrichtung, diese Vorträge gemeinsam mit dem

Ortsgewerbeverein halten zu lassen, sehr gut

bewährt. Den Bericht über die Fachschule er- stattete Herr Frick; auch hier wurde ein Fort⸗

schreiten auf der Bahn, welche sich der Verein

vorgezeichnet, konstatiert. Der Kassenbericht, er⸗ stattet vom Rechner Georg Böhm, schließt mit einer Einnahme von 6412,26 /. ab, welcher eine Ausgabe von 4909,09/ gegenübersteht, so daß ein Kassenbestand von 1503,07 vorhanden ist. Unter den Einnahmeposten interessieren ein Geschenk des Kommerzienrats Heichelheim 200, Subvention für die Fachschule von der Stadt Gießen 900, desgleichen von der Spar- und

Leihkasse 600%. Für wissenschaftliche Zwecke sind vom Verein ausgegeben 1092,91.

Neu⸗ anschaffungen für die Bibliothek 182,70. Für

5 die Fachschule sind verausgabt Honorar an die

Lehrer 2017, Inserate 56,72, Drucksachen, Schreibmaterial 87,38, Beleuchtung, Heizung,

LVokalmiete 738,65, Weihnachtsfeier für die

Fachschüler 67,15. Dem Vorstand wurde die erbetene Entlastung erteilt. Die Neuwahl des

Vorstandes ergab folgendes Resultat: 1. Vor⸗ sitzender Karl Orbig, 2. Vorsitzender Emil Horst, 1. Schriftführer Otto Meyer, 2. Schriftführer

W. Loesch, Rechner Georg Böhm, 1. Bibliothekar

C. Waag, 2. Bibliothekar Fritz Wagner. Zu

Revisoren wurden ernannt Eduard Spornhauer und Jak. Wilh. Rau. Den Aufnahme⸗Ausschuß

bilden J. Ehrmann, G. Mootz, F. Roth, Eduard Spornhauer und Jak. Wilh. Rau, Ersatzmänner sind die Herren Gullmann, Althaus und Bender. Die Kommission für Unterrichtswesen besteht aus H. Eichenauer, C. Röhr und E. Wetter. Im Voranschlag pro 1896/97 sind u. A. vorgesehen 700 K für Vorträge und Zuschuß zur Fachschule 1000 4. Für die Gesamtausgabe sind 3000. in Ansatz gebracht. Der Voranschlag wurde ohne

Debatte genehmigt.

* Gießen, 28. April. Die Strafkammer

verurteilte heute Vormittag den Landwirt Karl

Gatzert von Ostheim wegen Beleidigung im Sinne der§§ 185 und 286 des R.⸗St.⸗G., be⸗ 5 7 00 gegen den Kommissar der Feldbereinigung,

eisamtmann Göttelmann⸗Friedberg, zu 250 /. Geldstrafe. Die Anklagebehörde hatte nur 200 KA. beantragt. Die Beleidigung wurde gefunden in einer Eingabe, die der Angeklagte an seinen Landes⸗ herrn, den Großherzog, eingereicht hatte, worin er sich beschwert, daß der Beleidigte am 16. Sep⸗ tember v. J. einen Termin in Ostheim, bei

welchem ca. 550 Berechtigte abzustimmen hatten, nach einer Dauer von 25- 30 Minuten für be⸗ endet erklärte. Der Gerichtshof gestand zu, daß dem Angeklagten der Schutz des§ 193 zur Seite stehe, doch trete in der Form der betreffenden Eingabe die Absicht der Beleidigung hervor, außerdem enthalte die Beschwerde unwahre That⸗ sachen, doch könne man da annehmen, daß der Angeklagte diese im gutem Glauben abgegeben habe. Gießen, 28. April. Nach dem soeben erschieuenen Jahresbericht der Kriegerkamerad schaftHassia umfaßt deren 17. Bezirk, Gießen, 29 Vereine. Die Mitgliederzahl im Bezirk Gießen beträgt 1493. Der Vorstand be⸗ steht aus Postsekretär 1 5 1. Vorsitzender Gießen, dessen Stellvertreter Leicht-Watzenborn, dem Schriftführer Keller-Gießen und dem Kassirer Volkmann⸗Heuchelheim. Die drei größten Vereine des Bezirks sind der Krieger verein Gießen mit 271, Veteranen- Verein Gießen mit 121 und der Verein in Watzenborn⸗ Steinberg mit 115 Mitgliedern.

* Gießen, 28. April. Am Sonntag fand in Frankfurt a. M. der 57. Turntag des Mittelrheinkreises statt. Es waren 128 Vereine mit 247 Stimmen vertreten. Der Vor⸗ sitzende, Kreisvertreter Rothermel-Darmstadt, machte verschiedene Mitteilungen, über die inner halb der Gaue vorgekommenen Veränderungen. Es folgte dann Berichterstattung des Kreisver treters. Wir erwähnen daraus, daß neue Gau⸗ gründungen nicht vorgekommen sind; der Kreis hält überhaupt die Gründung von Stadtgauen, die nur durch Abspaltungen der Stadtvereine von den Landvereinen entstehen, für nicht för⸗ derlich. Die Beteiligung an dem Turnen ist um die Ziffer 4242 zurückgegangen, während die Turnabende um 2672 zugenommen haben. Auch die Gründung zweier Vereine an einem Platze ist hintanzuhalten; die neuen Vereine unterbinden häufig den Lebensnerv der älteren Vereine. Der Kreis besteht aus 566 Vereinen, 21 mehr wie im Vorjahr, mit 52,985 Mit⸗ gliedern, mehr 2534. Ueber die Turnspiele und das Frauenturnen sind keine Berichte eingegangen. Kreisturnwart Heidecker⸗Wiesbaden erklärte in seiner Berichterstattung bei Besprechung des Kreisturnfestes in Gießen, daß namentlich das Turnen auf dem Lande ganz anders ge⸗ pflogen werden müsse, es entspricht nicht mehr den gestellten Anforderungen. 1 diesem Zwecke erscheint ein systematischer Lehrgang bei allen Vereinen notwendig, die Gauturnwarte dürfen nicht nach ihrem eigenen Kopfe handeln. Vor⸗ geschlagen wurden Vorturnerstunden der Gau⸗ turnwarte unter dem Kreisturnrat und so weiter herunter. Volze-Frankfurt protestiert gegen die Aeußerung des Kreisschriftführers Münch, der dieFreiübungen in Gießen als einen Unfug bezeichnet hätte. Münch war in seiner Entgegnung immer noch der Ansicht, daß die Freiuͤbungen so waren, daß man die Art ihrer Ausführung bedauern mußte. Sodann wurde der nach den Beschlüssen des 11. deutschen Turntags zu Eßlingen abgeänderte§ 5 des Kreisgrundgesetzes ohne Debatte angenommen.

Neu ist in diesem Paragraphen jetzt die Einschal⸗ tungso wie die Pflege deutschen Volks⸗ bewußtseins und vaterländischer Ge sinnung. Marburg beantragte die Turnwett⸗ spiele am ersten Festtag vorzunehmen. Es er⸗ folgte Ablehnung und hierauf Annahme des vom geschäftsführenden Ausschuß vorgeschlagenen ab geänderten§ 30.

* Gießen, 28. April. Von Frithjof Nansen, dem kühnen Nordpolfahrer, ists stiller und stiller geworden; und wenn wir den letzten verbürgten Nachrichten trauen dürfen, so war die voreilige Kunde von seiner Rückkehr und der Entdeckung des Nordpols eitel Vermutung und Kombination, die beide jeder thatsächlichen Grund lage entbehrten. Es ist bitter, das klipp und klar sagen zu müssen, aber es hätte keinen Zweck mehr, sich länger angenehmen Täuschungen hin⸗ zugeben, die unserer Einbildungskraft so ver⸗ lockende Bilder vorspiegelten. Nansens Schiff schaukelt irgendwo auf den Wogen des nördlichen Eismeeres oder ist eingefroren und eingekeilt zwischen Eisblöcken und Eisbergen; vielleicht hat es thatsächlich am Nordpool Anker geworfen, vielleicht ruht der Forscher, der sich ein so ver wegenes Ziel gesetzt hatte, längst auf dem starren Grunde der todbringenden Flut oder fiel bei der schaurigen Wanderung durch endlose Eiswüsten dem nagenden Hunger, der grimmigen Kälte zum Opfer. Freilich fehlt glücklicherweise auch hierfür jeder Schatten eines Beweises; man kann nach Belieben das Beste wie das Schlimmste an⸗ nehmen und das ist gewissermaßen in der gedrückten Stimmung, die sich aller Nansen⸗ Verehrer bemächtigt hat, eine Art Trost. Man ruft sich, um pessimistische Gedanken zu ver⸗ scheuchen, die Thatsache ins Gedächtnis zurück, daß Nansen selbst die Dauer seiner Fahrt auf fünf Jahre veranschlagt hatte, wovon erst drei Jahre verflossen sind; man gedenkt seiner Umsicht und Thatkraft, seines mit Klugheit gepaarten Muts, der ihn sicherlich vor gar zu gewagten Schritten weise bewahrt haben mag. Man blickt, je düsterer die Gegenwart scheint, desto vertrauens voller in die Zukunft, man giebt, je mehr die völlige Haltlosigkeit der gehegten Erwartungen u Tage tritt, desto freudiger der Hoffnung Raum, daß Nansen einst doch als Entdecker des Nordpols triumphierend heimkehren wird. Wir haben keine Ursache, an dieser Hoffnung zu rütteln, die so natürlich und im vorliegenden Falle zu⸗ gleich so berechtigt ist. Sträubt sich doch unser Gefühl gegen die Annahme, daß eine genial ver⸗ anlagte Natur wie Nansen, bei einem zwar äußerst schwierigen, aber doch für menschliche Kraft nicht unmöglichen Unternehmen, schmählich gescheitert sei. Wir meinen vielmehr, daß er siegreich mit Hilfe des Schicksals alle Hindernisse bewältigen und die phantastischen Träume, die ihn bei seiner Fahrt begleiten, in nicht zu ferner Zeit herrlich verwirklichen werde ein neuer Kolumbus, an dem Zeile für Zeile die schönen poetischen Worte sich bewahrheiten mögen, die Schiller in einem seiner tiefsinnigsten Gedichte dem großen Genuesen zuruft:

Es mag der Witz dich ver⸗ höhnen,

Und der Schiffer am Steur senken die lässige Hand. Immer, immer nach West! Dort muß die Küste sich

zeigen,

Liegt sie doch deutlich und liegt schimmernd vor

deinem Verstand. Traue dem leitenden Gott und folge dem schweigenden Weltmeer! Wär' sie noch nicht, sie stieg jetzt aus den Fluten empor. Mit dem Genius steht die Natur im ewigen Bunde; Was der eine verspricht, leistet der andere gewiß. Bad Nauheim, 27. April. Am Pfiugst⸗ Dienstag, den 26. Mai, findet die Versammlung des Vereins mittelrheinischer Aerzte hier statt. Am Vorabend werden die fremden Gäste von 8 Uhr ab im großen Speisesaal des Kurhauses begrüßt; Dienstag, den 26. Mai, in den Vormittagsstunden Besichtigung der Kur⸗ anstalten, Trinkquellen, Badehäuser, des med iko⸗ mechanischen Instituts u. s. w. dann Früh⸗ schoppen in der Restauration am Teichhause von 121 Uhr. Vorträge werden im Kurhause von Uhr abgehalten. Bis jetzt haben Geh. Hofrat Dr. Kehrer von Heidelberg, Professor Dr. Ostmann von Marburg, Dr. Presgen, Pro⸗ fessor Dr. v. Norden und Dr. Sippel, diese sämtlich von Frankfurt a. M., Vorträge ange⸗ kündigt. Das gemeinschaftliche Mittagessen findet um 4 Uhr im Kurhause statt. Bei eintretender Dunkelheit werden der große Sprudel und die nächsten Parkanlagen erleuchtet.

Nidda, 27. April. Am 23. d. M. hielt die Sektion Nidda des Vogelsberger Höhen⸗ klubs ihre Generalversammlung im Gasthofe Zur Traube hier ab. Die zahlreich Er⸗ schienenen begrüßte der Vorsitzende, Herr Rendant Hunsinger, worauf die Rechnungsablage erfolgte. Der nach Ablieferung der Hälfte der ordnungs⸗ mäßigen Einnahmen an den Gesamtverein noch verbleibende Ueberschuß wurde für die im nächsten Jahre hier tagende Hauptversammlung aufgehoben. Der seitherige Vorstand verblieb; als Helfer bei Arrangements von Ausflügen und sonstigen Ver⸗ gnügungen wurden die Herren Fischer, Ortolph und Erck jun. gewählt. Im September wird in hiesiger Stadt die bereits auf voriges Jahr an⸗ gesetzte, aber nachher mit der landwirtschaftlichen Ausstellung in Gießen vereinigte 36. Wander⸗ versammlung des Oberhessischen Bie⸗ nenzüchtervereins, verbunden mit einer Ver⸗ losung von Bienenvölkern, Honig und Bienenuten⸗ silien, stattfinden.

* Nidda, 27. April. Die Arbeiten an der Bahnlinie Nidda-Beienheim sind nun⸗ mehr auch an dem Baulos Nidda-Häuserhof in Angriff genommen worden. Die fruchtbare Acker⸗ erde der gekauften Grundstücke wird besonders gefahren, um bei den Böschungen der Bahn benutzt zu werden, die in der Regel mit Klee bepflanzt werden. Durch den Bahnbau wird zahlreichen Arbeitern auf längere Zeit Verdienst gegeben.

* Mainz, 26. April. Im Auftrage der Mainzer Handelskammer begeben sich die Herren

Steuere, mutiger Segler!

Sascha. Novelle von Graf Günther Rosenhagen. (Fortsetzung.)

Schon als Vera ihn zum ersten Mal sah, fühlte sie sich zu ihm hingezogen, sie las in seinen Augen und in seinem beredten Mienenspiel, daß auch er sehr häufig die Meinungen seiner Landsleute nicht teile, daß auch ihm ihre Urteile, ihr Thun und Treiben oft im höchsten Grade unsympathisch waren

vort herrschenden, sie anheimelnden Ansichten in sich aufgenommen habe. Sie unterhielt sich gern und lange mit ihm, sei es, daß seine interessante Unter⸗ balkung sie zerstreute, sei es, weil sie von ihm, der des Deutschen bis auf die jedem Russen eigentüm⸗ liche scharfe Betonung der Konsonanten vollständig mächtig war, ihre Muttersprache hörte. Aber noch Anderes machte Herrn von Markewitz ihr lieb und

teuer, er hatte Mitleid mit ihr, er sah und em⸗

pfand es, daß sie trotz des Reichtums und aller Pracht, die sie umgaben, nicht glücklich war, daß sie sich einsam und verlassen fühlte. Mit keinem Wort verriet er seine Gedanken, aber in seinen Augen las sie, daß er sie verstand. Und die

Stunde kam, in der er durch die That beweisen

konnte, wie er ihr gesonnen sei. Eines Abends brachten sie ihren Gatten bewußtlos nach Hause, ein Schlaganfall hatte ihn betroffen, große Verluste, die das Ansehen u. den Ruf des alten Handelshauses auf das Spiel stellten, mochten wohl die Veran⸗

erklärte, er opfere, um die Ehre Smirninghoff's zu retten, freiwillig sein ganzes Vermögen, wurde der Konkurs abgewendet. Dennoch erholte sich das Geschäft von dem schweren Schlage nicht wieder. Als kurze Zeit darauf Herr von Smirninghoff starb, traten noch so viele und bedeutende Forderungen hervor, daß es Markewitz nur mit der größten Mühe gelang, für die Witwe ein kleines Vermögen zu retten, dessen Zinsen gerade ausreichten, sie vor der bittersten Not zu schützen. Er hatte die Ordnung des gesamten Nachlasses übernommen und sich frei willig als Vormund für Sascha, den er wie sein eigenes Kind liebte, erboten. Sie hatte erleichtert aufgeatmet, als das Gericht die Wahl bestätigte, denn nun wußte sie die Erziehung ihres Sohnes und die Verwaltung ihrer Angelegenheiten in guten Händen. Auf Markewitz Rat hin hatte sie ihr großes Haus verkauft und sich am Hafen, dicht hinter den Dünen ein kleines Häuschen erworben, in dem sie allein mit Sascha und einer alten Magd wohnte. Sie verkehrte mit Niemand, denn sie lebte nur für ihr Kind, dessen Erziehung sie die strengste Sorgfalt widmete. Ihre Erholung und ihre Zer streuung waren die Nachmittagsstunden, in denen Markewitz kam, um sie zu einem kurzen Spazier⸗ gang oder zu einer Ausfahrt in seinem kleinen, eleganten Lackwagen mit den beiden Orloff-Trabern abzuholen. Oft auch saßen sie bei ihr auf der Veranda, von der aus man eine weite Fernsicht über das Meer hatte und Stunden heiterer, fröh

lassung gewesen sein. Nur dadurch, daß Markewitz

licher Unterhaltung waren es, die die drei Menschen

so zusammen verlebten. Denn nie fehlte Sascha, er war bei den Gesprächen zwischen seiner Mutter und Markewitz ein fleißiger Zuhörer, dem keins ihrer Worte entging und dessen scharfer Verstand durch ihren Meinungsaustausch zum Nachdenken angeregt wurde.

Und doch wußte Vera schon lange, daß man über ihren intimen Verkehr mit Markewitz spottete, und nicht einmal den Vorwurf, daß man sie blind über ihr Treiben, daß man sie ungewarnt den Ver⸗ leumdungen gegenüber gelassen hatte, durfte sie er heben. Mit klaren Worten hatte ihr eine am Ort lebende Schwägerin bedeutet, wie die Gesellschaft die Freundschaft zwischen der schönen, jungen Witwe und dem alleinstehenden Mann auffasse. Lebhaft widersprach Vera, daß sie Niemandes Blick zu scheuen brauche und Niemandem als dem eigenen Gewissen Rechenschaft schuldig sei.Vera, hatte jene kurz erwidert,vergiß nicht Dein Kind. Die Stunde wird kommen, da auch au sein Ohr Verdächtigungen klingen werden, Zweifel werden sich in seiner unschuldigen Seele regen und mit der Un barmherzigkeit der Kinder, die wohl sich oder An⸗ deren, doch nie ihren Cltern eine Sünde, einen Mackel an der Ehre vergeben, wird er Dich ver urteilen, wenn nun wenn Du nicht auch den Schein vermieden hast.

Ich habe nichts zu fürchten, hatte Vera stolz entgegnet,ich bin rein vor meines Kindes Augen, und ich weiß, er wird die Verleumdungen zertreten,

sie ausrotten, ohne daß davon ein Schatten in seinem Herzen zurückbliebe.

Und heute war die Stunde gekommen, die erste Anfechtung hatte die Kindesliebe spielend, mit trotzigen Händen, von sich geschleudert doch würde es so bleiben?

Aus dem Nebenzimmer ertönten helle Schläge in ihren Träumereien:Schon fünf Uhr?

Erschrocken über den Zeitverlust erhob sie sich, ordnete schnell ihre Haare vor dem Spiegel und betrat dann die Veranda, wo sie Sascha bereits mit den Schularbeiten beschäftigt, ihrer wartend, vorfand. Er sprang auf und küßte ihr der Sitte gemäß die Hand und den Arm, dann sagte er:

Maminka, soeben habe ich Onkel Markewitz gesehen, in einer Stunde will er uns abholen und mit uns spazierenfahren.

So geh hin zu ihm, Sascha, und sage ihm, ich wäre nicht wohl genug, das Haus zu verlassen. Aber bring Onkel Markewitz mit, vielleicht trinkt er ein Glas Thee bei uns und raucht seine Papyros hier auf der schattigen Veranda.

Freudig eilte Sascha davon: für ihn gab es kein größeres Vergnügen, als Onkel Markewitz in seiner Wohnung aufzusuchen und dessen schöne Sachen, die von weither mitgebrachten, seltenen Waffen, die wertvollen Münzen und Freimarken zu bewundern und in den großen, mit herrlichen Bil dern gezierten Büchern zu blättern. Es war ein Eldorado für ein Knabenherz, und Sascha betrachtete es als seine zweite Heimat.(Forts. folgt)