Ausgabe 
28.10.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 28. Oktober

1896.

ische Landeszeitung.

Postztg. Nr. 323 9a, Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

g Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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Expedition:

Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

0 Gießen, 27. Okt. Der Großherzog hat dem Maher und Aeallons⸗ Kommenden

Winter im Infanterie⸗Regiment Graf Werder

bat nicht verfehlt.

5 Rheinischen) Nr. 30, früher à la suite des ufanterie⸗Regiments Kaiser Wilhelm(2. Groß⸗ herzoglich Hessischen) Nr. 116, die Krone zum Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Gießen, 27. Okt.(Gießener Turner schaft.) Nachdem am 17. d. M. die General⸗ bersammlung des Männer⸗Turn⸗Vereins und am gestrigen Abend diejenige des Tur n⸗ Vereins ihre Genehmigung zu der von den Vorständen der beiden Turnvereine gegründeten Gießener Turnerschaft gegeben und auch u den Statuten ihre Bestätigung erteilt Pers, wird sich der Vorstand der Gießener Turnerschaft nun in Bälde durch Wahl in den beiden Vereins⸗Vorständen konstituieren. Mögen durch diese Wahl Männer an die Füh⸗

rung der Turnerschaft gestellt werden, die das K

SprichwortEinigkeit macht stark immer vor Auge halten. Gut Heil!

Gießen, 27. Okt. Die gestrige zweite Vorstellung des Schliersee'r Bauern theaters hatte gleich der ersten ihre An Der Saal war is auf das letzte Plätzchen ausverkauft. Das

1

VolksstückIm Austragstüberl, in welchem ein

Stück ländlichen Familienlebens in markanter Weise skizziert wird, war reich an packenden

Szenen, welche das Publikum zu stürmischem

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Applaus hinrissen.

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Daß der mit den Volks⸗

stücken der Schlierseer obligate Schuhplattlertanz

bon prickelnder Wirkung ist, bedarf keiner Ver⸗ cherung. Als Zither⸗Virtuose kennzeichnete sich der jugendliche Andreas Mehringer und erntete mit seinen Solis reichen Beifall. Heute Abend wird als Novität das Haktige Charakterbild Die 3'widerwurzen aufgeführt, in welchem de Schlierseer ihr ländliches Volksleben wieder 1 ch einer anderen Richtung zur Darstellung ngen. Gießen, 27. Oktober.(Schlierseer Bauerntheater.) Die vierte Gastvorstellung de Schlierseer bringt uns denHerrgotts⸗ schnitzer von Ammergau. Das Stück ist 1 bekannt, als daß es einer besonderen Vor⸗ besprechung desselben bedürfte. Der Reiz der lufführung liegt darin, daß es eben die Schlier⸗ seer, als thatsächliche Bauern, sind, welche die gestalten in selbem verkörpern. Der immer beliebte, nie versagende Zug eines Kassestücks wird als solches auch bei dieser Aufführung wieder bewähren. Gießen, 27. Okt.(Diebstahl.) In r Nacht vom Sonnabend auf Sonntag wurden einem Studenten aus seiner Wohnung 200. s Geld und 100 Stück Cigaretten gestoh len. Gießen, 27. Oktober. Der heutige erste iehmarktstag brachte nach langer Pause wieder ein außergewöhnlich lebhaftes Treiben in

.

unseren westlichen Stadtteil. als Verkäufer waren Auftrieb an Rindvie

Sowohl Käufer zahlreich vertreten. Der Auf; h ließ nichts zu wünschen übrig, wenn auch der Handel als kein besonders flotter bezeichnet werden muß.

Gießen, 27. Oktober. Morgen Nach⸗ mittags 3 Uhr wird im VereinshausWestend in Frankfurt a. M. die zweite Hauptversamm⸗ lung des Verbandes von Rettungshäusern und verwandten Anstalten und Vereinen in dem Großherzogtum Hessen und der Provinz Hessen⸗ Nassau stattfinden. Die Versammlung wird sich nicht nur mit den eigentlichen Verbandsangelegen⸗ heiten beschäftigen, sondern auch einen Vortrag des Herrn Kontre⸗Admiral a. D. Werner von WiesbadenDie Deportation von Verbrechern Deutschlands nach dessen Kolonien entgegen⸗ nehmen, welchem sich ein Korreferat des Herrn Strafanstaltsgeistlichen Pfarrers Reuß von PreungesheimDie Notwendigkeit der Depor⸗ tation anschließen wird.

* Heuchelheim, 27. Oktober. Der hiesige riegerverein wurde in einer Stärke von 20 Mitgliedern in den Landesverband der Kriegerkameradschaft Hassia aufgenommen und dem Bezirke Friedberg zugeteilt.

Grünberg, 27. Okt. Auf dem am Sonn⸗ abend stattgehabten Wochenmarkte wurde für Getreide auf je 50 Klgr. folgende Durchschnitts⸗ preise notirt: Weizen 7,91 1, Roggen 7.16 f, Gerste 6,33, Hafer 6,17 f, Erbsen 7 Al.

Bad Nauheim, 25. Oktober. Trotz der sehr vorgerückten Saison weilen immer noch eine Anzahl Kurgäste hier.

*Darmstadt, 27. Okt. Die 2. Kammer wird in der bevorstehenden 30. Tagung der Stellung im bürgerlichen Leben nach ge⸗ ordnet an Abgeordneten zählen: 4 Staatsbeamte, 6 Anwälte, 2 Fabrikanten, 2 Privatiers, 3 Wirte, 8 Bürgermeister, 2 Mühlenbesttzer, 15 Landwirte, 2 Redakteure, 1 Buchdruckereibe⸗ sitzer, 1 Schriftsetzer, 1 Bankier und 1 Schrift⸗ steller. Zwei Mandate sind zur Zeit unbesetzt. Man ersieht aus dieser Zusammenstellung, daß das bäuerliche Element in der neuen Kammer stark hervortritt.

* Offenbach, 27. Oktober. In einer am Sonntag stattgehabten Konferenz der sozial⸗ demokratischen Wahlmänner des Wahl⸗ kreises Offenbach-Land wurde an Stelle des

und Land doppelt gewählt worden ist und für die Stadt Offenbach optiert hat, der Gastwirt Rauch zu Mülheim am Main als Kandidat für die Zweite Kammer für den Landkreis Offenbach(Mülheim⸗Bürgel⸗Heussenstamm) auf⸗ gestellt.

Offenbach, 26. Oktober. Die mehrfachen Milchfälschungsprozesse in Frankfurt und Um⸗ gegend haben zunächst in Offenbach zur Grün⸗ dung einer Milchlieferungsgenossenschaft geführt. Unterm 21. d. M. ist in das hiesige

Abgeordneten Ulrich, welcher in Offenbach-Stadt

Genossenschaftsregister dieMolkereigenossenschaft e. G. m. b. H. eingetragen worden mit dem Zwecke der Versorgung der Stadt Offenbach mit einem billigen, gehaltreichen und gesunden Volksnahrungsmittel. Die Genossenschaft will dem Vernehmen nach in erster Linie den Milch⸗ verkauf in Offenbach organisieren und nur die nicht verbrauchten Lieferungsmengen verbuttern lassen. Die Milch soll durchweg in einer eigenen Anstalt sterilistert werden. Die Genossenschaft gewinnt ihre Mitglieder, wie die Zusammensetzung des Vorstandes zeigt, nicht nur unter den Milch⸗ produzenten des Kreises Offenbach, sondern auch unter den städtischen Konsumenten.

* Aus Rheinhessen, 26. Okt. Von Mit⸗ gliedern des Bundes der Landwirte in Wöllstein ist eine Genossenschaftskelterei gegründet worden, um Most direkt an die Konsumenten zu

liefern.

5 Ae 24. Oktober. Auf dem gestern hier abgehaltenen ersten Obstmarkte in diesem Jahre waren die Preise zum großen Teile ziemlich hoch und der Markt war ent⸗ sprechend den zur Verfügung stehenden Obst⸗ mengen gut befahren. Das Geschäft ging schon bei dem Beginn des Marktes recht flokt, so daß schon gegen Mittag eine größere Anzahl von Käufern ihren Bedarf nicht mehr decken konnte. Im ganzen wurden abgesetzt etwas über 45 Zentner Obst, und zwar etwa 41 Zentner Aepfel für etwa 770, 4 Zentner Birnen zu 90. und 30 Pfund Trauben zu 4 A 50 H. Außerdem wurden aber nicht unbeträchtliche Mengen für spätere Termine angekauft.

Mainz, 26. Okt. Der schon 27 Jahre im Amte thätige Gerichtsvollzieher Georg Rube von hier war angeklagt, die Staatskasse durch Stempelhinterziehung um 1044 l. geschädigt zu haben. Rube hat bei Wechselpro⸗ testen von den Schuldnern, die in seinem Bureau die Wechsel einlösten, bevor er sie wieder abzuliefern verpflichtet war, nur seine Gebühr von 1 1,50 erhoben, die Stempelmarke von 4 2 jedoch nicht in Anrechnung gebracht. Er be⸗ rief sich darauf, daß dies Verfahren in Rücksicht auf das Publikum allgemeiner Brauch sei und seine vorgesetzte Behörde, das Amtsgericht, um diese Art und Weise der Behandlung des Wechselprotestes gewußt und ste all' die langen Jahre seiner Amtsthätigkeit gebilligt habe. Rube wurde zur Zahlung von 4 1044 an die Staats⸗ kasse und der Kosten verurteilt. Die Gründe des Aufsehen erregenden Urteils wurden nicht publiziert, da der Angeklagte bei der Verlesung nicht anwesend war. Rube wird gegen den Spruch Rekurs beim Reichsgericht einlegen.

* Mainz, 24. Okt.(Kleine Mitteilungen.) Bei einer Zechprellerei ist dieser Tage hier ein Mann verhaftet worden, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt ist. Anscheinend ist es ein gefährlicher Dieb, der an einer Reihe hier verübter Diebstähle beteiligt ist. Er hat sich unter den verschiedensten Namen überall um⸗ hergetrieben und verweigert genauere Angaben über seine Person. Verschwunden ist die 17jährige Tochter eines im Hauptweg wohnhaften Bäckermeisters. Das

Mädchen hatte in der letzten Zeit Spuren von Trübsinn gezeigt. Durch Spielen mit Feuerzeug gerieten gestern Abend die Kleider eines etwa achtjährigen Kuaben in Brand. Bis Hilfe kam, war der ganze Oberkörper schwer verbrannt, und das Kind erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Seine Mutter liegt in Krämpfen schwer darnieder. Der hier in Haft befindliche Franz Schweik⸗ hard hat verraten, wo sein Anteil an dem Raub in der Nieder⸗Ingelheimer Backsteinfabrik vergraben war. Das Geld wurde im dortigen Feld in Gegenwart des Unter⸗ suchungsrichters gehoben. Der Rest der& 7800 ist auch wieder herbeigeschafft. Sie waren zu Weisel bei Koblenz in dem Elteruhaus des Hauptattentäters Göttert vergraben. Heute wurden sechs Personen verhaftet, die im Ver⸗ dacht stehen, während der Anwesenheit des Kalsers in Wiesbaden die vielfachen Einbruchsdiebstähle begangen zu haben. Der hiesige amerikanische Konsul Bar⸗ tholow geriet am Samstag mit einem Einwohner seines Hauses in Wortwechsel, wobei er einen Revolver ergriff und den Schaft der Waffe dem Einwohner der⸗ art auf den Kopf schlug, daß der Mann schwere Wunden davontrug. Gegen den Konsul ist Untersuchung einge⸗ leitet. Heute Nacht fand eine blutige Schlägerei z wischen Soldaten und Zivillisten statt; einer der letzteren wurde schwer verletzt. Die Soldaten sollen von den Zivillisten zuerst ohne jede Veranlassung beschimpft worden sein.

Vermischtes.

Ein Familiendrama. Der 45 jährige Schriftsteller Dr. jur. Paul Eulenburg in Blasewitz bei Dresden, der, wie schon gemeldet wurde, sich, seine Frau und seine drei Kinder wegen Nahrungssorgen vor kurzem vergiftete, hatte in der Umgebung die Nachricht verbreitet, er reise mit seiner Familie nach Berlin. Des⸗ halb blieb es einige Tage unauffällig, daß man die Familie nicht sabh und die Wohnung verschlossen blieb. Endlich wollte der Gerichtsvollzieher pfänden und ließ die Wohnung polizeilich oͤfnen. Ein grausiges Bild bot sich dar: Auf den Betten lagen die schon in Verwesung über⸗ gegangenen Leichen Eulenburgs, seiner 35 jährigen Frau und der drei Kinder, welche zehn, acht und anderthalb Jahre alt waren. Der Arzt stellte Blausäurevergiftung fest. Dr. Eulenburg hat unter AndermEin letzter Sommer in Tolkewitz, ein oft aufgeführtes Bismarck⸗ Festspiel, verfaßt. Die Sache klärt sich jetzt dahin auf, daß Dr. Eulenburg durch Gutsagen für einen Berliner Freund sein Vermögen in Höhe von 90 000 Mark verloren hatte. Die Einrichtung Dr. Eulenburgs war eine sehr wertvolle, seine Ehe sehr glücklich und er selbst ein Ehrenmann und allgemein beliebt. Der Ver⸗ storbene war übrigens ein Sohn des verstorbenen Berliner Arztes Professor Eulenburg und Bruder des bekannken Nervenarztes Professor Eulenburg in Berlin, sowie des Verlagsbuchhändlers Eulenburg in Leipzig.

Die Liebe auf dem Zweirad. Es giebt verschtedene Reime aufZweirad zum Beispiel Beirat,Polizeirat undKanzleirat, allein am klang⸗ und bedeutungsvollsten reimt sich aufZweirad das WörtchenHeirat. In diesem Reime klingt die Beziehung sinnig wieder, die sich bei der wachsenden Ver⸗ breitung des Velozipeds zwischen der Liebe und dem Zweirad etabliert hat. Das Promenierrad ist mit der Zeit zum Flanierrad, zum Konversierrad, Animierrad und zum Poussierrad geworden, und die passende Liebes⸗ erkärung für die Kreise deshigh life und solche, welche ihnen ähnlich sehen wollen, würde jetzt ungefähr lauten:Find' ich Gegenliebe? O sprich, ist's an dem? Riskier'n wir die Fahrt durch's Leben mit Tandem?

Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Pferd und Sattelzeug hatte ich ja jetzt in der

NMaähe, und kam er heute wieder angeritten, der

Weißbart, dann war ich entschlossen, ihm zu folgen.

nichts.

Die Geisterstunde verrann. Niemand erschien. Ich wartete noch bis halb zwei Uhr. Dann kehrte ich in arger Verstimmung nach einer Hütte zurück, um zu schlafen. Am ganzen nächsten Tag ereignete sich gar Nicht einmal Rauch sah ich aufsteigen. Was sollte ich hier noch, da ich bei Tag keine

N Nachforschungen anstellen durfte.

1 ülber den Wald und die tote Schluch, welche nun

Schlucht.

Mit Anbruch der Nacht verschärfte ich meine

Wachsamteit, aber Alles blieb still.

Der Mond kam und ergoß sein mildes Licht

wirklich wie ausgestorben zu meinen Füßen lag. Nach einstündiger ergebnißlofer Beobachtung kletterte ich wieder in dieselbe hinunter, um meine gestern unterbrochenen Nachforschungen fortzusetzen. Diese führten mich durch die ganze Länge der Ich hielt mich ziemlich inmitten und

muäherte mich bereits dem Ausgang, als ein eigen⸗

mümliches Geräusch meine Aufmerksamkeit fesselte. Es klang wie Scharren und Stampfen, als

wwenn in einer der Gruben gearbeitet würde, aber

so di pf, daß es nur aus einem der Minengänge

jetzt geglaubt haben, hier seien Goldgräber thätig, welche, um den Zuzug fern zu halten, den Spuk in Szene gesetzt haben.

Nach meinem Einblick in die wohlgefüllte Schatz kammer und nach dem Verzweiflungsschrei des un⸗ bekannten Hüters derselben, der mir noch jetzt, wo ich daran zurückdachte, in den Ohren klang, ver mochte ich mich zu einer so einfältigen Annahme nicht zu bekennen.

Ich mußte eine andere Erklärung für dieses dumpfe Geränsch suchen. f

Es waren nur wenige Gruben hier, und ich überzeugte mich, daß aus keiner derselben das Scharren und Pochen drang.

Dennoch hielt es an. i

Ein furchtsamer Beobachter würde hieraus natürlich neue Beweise für die Thätigkeit eines ge⸗ spenstischen Goldgräbers geschöpft haben, wie man denn auch die Worte des Schatzhüters:Lasse meine Seele nicht länger zwischen Himmel und Hölle hin schwanken, in diesem Sinne hätte deuten können. Ich war von Gespensterglauben und Gespenster furcht frei und suchte weiter nach einer natürlichen Erklärung für diese nächtliche Minir-Arbeit.

Beharrlichkeit führt zum Ziel.

So geschah es auch in meinem Fall. 5

Zunächst ermittelte ich, daß das Geräusch nicht unterirdisch war, sondern aus der Wand kam, welche hier etwa fünfzig Fuß hoch und dicht mit Kriech⸗ und Schlingpflanzen bedeckt war. 8

Ich untersuchte diese bekleidete Wand näher und fand nun hinter dem grünen Vorhang einen ge wölbten, ziemlich hohlen Höhlen⸗Eingang, der aber

0 u konnte. Wäre nicht meine Entdeckung d gestrigen Nacht gewesen, dann würde ich

in tiefste Finsternis gehüllt war.

Aus der Tiefe dieser Höhle drang das Geräusch, auf das ich jetzt anhaltend lauschte.

Ich hätte nicht Kavallerist sein müssen, um nicht auch aus der Ferne zu erkennen, daß es von Pferden herrührte, welche da tief hinein eingestellt waren.

Ein freudiges Beben ging durch meine Gestalt.

Aus der Zahl der Pferde ließ sich auf die Zahl der hier hausenden Räuber mit ganzer Sicherheit schließen, was zu ermitteln jetzt meine nächste Auf⸗ gabe war. N

Ich hatte, wie gestern Nacht, wieder meinen Stab bei mir, dessen ich als Tastleiter bei meiner Bewegung zwischen den offenen Gruben durchaus bedurfte.

Da hier Pferde hindurchgeführt wurden, glaubte ich allein, mit Hilfe desselben, ohne Licht zu machen, bis zu den Ställen vordringen zu können.

Das gelang.

Ich fand ziemlich ebenes Terrain und durchweg festen Boden

Und nun machte ich eine Entdeckung, welche mir Alles enthüllte, was für mich noch rätselhaft war, dasGeheimnis der toten Schlucht selbst aber noch mehr verdunkelte.

In einer matt erleuchteten kleinen Seitenhöhle befand sich der Stall.

Derselbe enthielt nur zwei Pferde, einen Rappen und eine Fuchsstute.

Ich erkannte beide unschwer als diejenigen wieder, welche von dem gespenstischen Goldgräber und von dem Mann benutzt worden waren, den ich gestern Nacht unten in der Mine getroffen hatte.

Nachdem ich mich überzeugt hatte, daß ich hier

ganz allein und unbeobachtet war, untersuchte ich den Stall näher.

Da fand ich zunächst, unweit der Standstelle für den Rappen, vier so zusammengelegte und mit Schnüren versehene wollene Decken, daß ich über ihre Be stimmung keinen Augenblick im Zweifel sein konnte.

Sie dienten zur Umwickelung der Hufen des schwarzen Pferdes, wenn dieses zu den mitternächt lichen Geister-Ritten benutzt wurde.

Das erklärte die fast lautlose Bewegung des Tieres und den Mangel jeglicher Huf-Eindrücke.

Ich machte aber noch eine wichtigere Entdeckung.

In einer aus altem Holz gezimmerten Futter⸗ kiste lag in einem besonderen kleinen Fach eine langhaarige weiße Perrücke und ein ebensolcher Bart, welcher das Gesicht des Trägers zum größten Teil verdeckte und demselben bis auf den Gurt herabreichte. 5

Genau solches Haar und solchen Bart hatte der gespenstische Reiter getragen.

Und wie ich mich nun noch weiter umsah, fand ich in einer Nische, am Nagel hängend, den weit⸗ faltigen, schwarzen Mantel, welcher wie ein Bahr⸗ tuch die Gestalt verhüllte, wodurch aber das Ge spenstische der Erscheinung noch erhöht wurde.

Ich wußte genug.

Die tote Schlucht hatte nur einen Bewohner. Es war der Mann, den ich gestern Nacht unten im Schatzgewölbe gesehen hatte.

Ab und zu wählte er diese Verkleidung, um ängstliche Gemüter zu schrecken und seinen Schlupf⸗ winkel unnahbar zu machen.

(Fortsetzung folgt.)