Ausgabe 
26.11.1896
 
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Postztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.

Gießen, Donnerstag, den 26. November

ische Landeszei

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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4

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

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Expedition: 2

Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles. Gießen, 25. November. In den Ruhe stand versetzt wurde am 18. November 1896 der Zügführer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Heinrich Biedenkapp zu Gießen auf sein Nach⸗ suchen wegen geschwächter Gesundheit, Wirkung vom 1. Dezember l. J. an.

Gießen, 25. November. Anläßlich des Geburtstages des Großherzoglichen Paares hat ünsere Stadt reichen Flaggenschmuck angelegt. Eingeleitet wurde die Feier durch den Weckruf der Regimentskapelle. Vom Turme der Stadt⸗

mit

flrche erscholl durch ein Bläserkorps nach 7 Uhr

ein Choral. In den Schulen wurden der Be⸗ deutung des Tages entsprechende Feierlichkeiten ehalten. Die öffentlichen Bureaus und viel⸗ auch die Comptoire der größeren Firmen vparen heute von 11 Uhr vormittags ab ge⸗ 1 2 Zur Parade hatte sich ein zahlreiche Menschenmenge auf dem geräumigen Hof der euen Kaserne eingefunden. Von den einzelnen fkompanien des Regiments werden abends in 1 n Lokalitäten Vergnügungen ver⸗ altet. Gießen, 24. November. Das Hessische Miinisterium fordert auf, das Geschäftsgebahren derInternationalen Bank Antwerpen zu beobachten und etwa ermittelte Agenten dieser Firma, die den Vertrieb von im Großherzogtum cht zugelassenen Lotterieloosen vermitteln, zur nzeige zu bringen. g * Gießen, 25. Nov. Gestern Abend wurde der RestaurationZum Wiener Hof die eneralprobe des Männer⸗Gesang-Vereins d Bauerschen Gesang-Vereins für das am ächsten Sonntag in Steins Saalbau statt⸗ dende Wohlthätigkeitskonzert abge⸗ lten. Da die Leistungen der beiden Vereine kur vorzüglich find, können wir jedem Gesangs⸗ e en Besuch des Konzertes empfehlen, . t als der Erlös für wohlthätige Zwecke N estimmt ist. 5 * Gießen, 25. Nov. Der Konflikt in nserer Universität, welcher, use wir vor⸗ stern berichteten, zwischen den medizinischen N ne und einem Professor zum Austrag zu mmen drohte, ist durch das Dazwischentreten bes Dekans der medizinischen Fakultät, Geheim⸗ f kat Professor Riegel, für den größten Teil der Mediziner beigelegt. Der Dekan, welcher von Sache Wind bekommen, that dasjenige, was bon dem betreffenden Professor verweigert wurde. Er lud die Parteien und Zeugen vor, und der

eleidiger sprach sein Bedauern über das un⸗ e Benehmen seinem Kommilitonen gegen⸗ ber aus. Der Beleidigte erklärte sich hiermit frieden, und nun wäre die Aer de babe 2 erledigt, denn auch die Mehrheit der dabei 1

eteiligten Studenten ist

N jetzt zufrieden und geht

vor wie nach ins Kolleg. Nur die Herren von S. C. scheinen mit dem Ende der Affaire nicht einverstanden und streiken. Ob den Herren ein Vergleich mit blutigen Köpfen am Ende lieber gewesen wäre, wer kanns wissen. Jeden⸗ falls und das ist ein Fortschritt waren sie zuerst für einen gütlichen Vergleich, und ob Hinz oder Kunz denselben vermittelt, sollte sich unseres Erachtens doch gleich bleiben.

* Gießen, 26. November.(Straf- kammer.) Der Schuhmacher Hermann Koch VII, sowie dessen Ehefrau Marie Koch aus Alsfeld wurden von dem dortigen Schöffen⸗ gericht zu 14 bezw. 8 Tagen Gefängnis verur⸗ teilt, weil sie ihre Schwägerin mißhandelt hatten. Gegen dieses Urteil legten die Ange⸗ klagten Berufung ein, die jedoch verworfen wurde. Wegen Diebstah!l hatte sich heute der Fabrikarbeiter Heinrich Möhlig von West⸗ braubauerschaft und wegen Anstiftung dazu bezw. Hehlerei der Gastwirt Karl August Gehren, sowie dessen Ehefrau von Wissenhof zu verantworten. Möhlig hatte im Jahre 1894 und 1895 fortgesetzt Kohlen bei der ihn beschäf⸗ tigenden Firma Robert Wegner in Blitzenrod entwendet, für die er bei den Eheleuten Gehren, die damals in Blitzenrod Wirtschaft betrieben, Ab⸗ nehmer fand. Möhlig erhielt für die Kohlen jedesmal eine Flasche Bier. Er war heute ge⸗ ständig und erklärt, Gehren habe ihn zu dieser That verleitet. Die Eheleute Gehren führen zu ihrer Verteidigung an, sie hätten schon immer Kohlen von Wegner bezogen und auch im fragl. Falle die Absicht gehabt, die von Möhlig erhal⸗ tenen Kohlen zu bezahlen. Aus der Beweisauf⸗ nahme ging hervor, daß die Angeklagten sich noch mehrerer solcher Delikte schuldig gemacht haben. Der Staatsanwalt beantragte gegen Möhlig ein Jahr Gefängnis, gegen Gehren ein Jahr Zuchthaus. Das Gericht verurteilte Möhlig zu sechs Monaten Gefängniß, Gehren und dessen Ehefrau zu je ein Jahr Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Gegen die 3 Angeklagten, welche sich seither auf freiem Fuß befanden, wurde sofort Haftbefehl erlassen.

* Gießen, 25. Nov.(Stadttheater.) Weniger die Aufführung des Sensations⸗Schau⸗ spielsDie offizielle Frau als vielmehr das Auftreten des Fräulein Thessa Klink⸗ hammer, welches darin die Hauptrolle über⸗ nommen hatte, war es, was gestern unserem Stadttheater ein volles Haus schaffte. Die Nihilisten, die Helene, welche im Auftrage des nihilistischen Komitees mit einer wichtigen Mis⸗ sion betraut, an der Grenze ankommt ohne einen Paß zu besitzen, das berückend schöne Weib, welches sich an den reichen Amerikaner, den Linienkapitän Franzis Martens macht, um mit demselbenals dessen Frau über die Grenze

zu gelangen, wurde von Fräulein Klinkhammer brillant dargestellt. Keinen Moment kam die gefährliche Nihilistin, deren Ankunft der russischen Sicherheitsbehörde gemeldet, in Verlegenheit, selbst das Erscheinen des Chefs der russischen politischen Polizei, des Barons Friedrich, der sich dem vermeintlichen Ehepaare Martens vor⸗ stellte, brachte die Pseudo⸗Gemahlin nicht aus ihrer Ruhe und Sicherheit. Zu wahrhaft dra⸗ matischer Höhe gedieh das künstlerische Können der Thessa Kliukhammer, als sie dem Ameri⸗ kaner, der wahnsinnig in sie verliebt war, er⸗ klärte, daß sie nicht die sei, für die er sie halte, daß sie nicht die Ehefrau seines Jugendfreundes, wie sie behauptet, sondern daß ste frei sei aber doch gebunden, eine gesuchte und gefürchtete Nihilistin, auf deren Kopf ein Preis gesetzt wäre. Mit packender Beredsamkeit schilderte sie die Vergangenheit, den liche ihrer Familie, herbeigeführt durch russischen Despotismus. Glühender Haß lodert aus ihren Worten, mit denen sie begründet, weshalb sie sich in. den Dienst einer großen Idee gestellt. Die übrigen Darsteller reihten sich mit ihren Leistungen denen des Frl. Klinkhammer würdig an. Herr Goldbach, welcher denoffiziellen Ehemann der Helene verkörperte, gebührt alle Anerkennung, nur hätte er seine Verlegenheit in der ersten Szene auf der Zollstation an der Grenze etwas weniger zur Schau tragen können. Ebenso wird man im Schlußakt nicht klar, ob er aus Abscheu vor dem Mord oder um sich vor Strafe zu retten, den Anschlag der Nihilistin, den diese auf den Ministerpräsidenten ausführen will, dem Polizeiminister verriet. Eine Glanz⸗ leistung war Herr Schröders Fürst Palatzin: der komische alte Höfling, welcher immer vergaß, was er sagen wollte. Auch die Prinzessin Doßfa des Frl. Leno war zu loben. Ebenso wurde der Polizeigewaltige des Herrn Kunert fein pointiert zur Darstellung gebracht. Fräulein Klinkhammer sowie die übrigen Darsteller wurden lebhaft applaudiert und mußten sich am Schluß zu wiederholten Malen dem Publikum zeigen. Auf vielseitigen Wunsch wird morgen Dienstag Abend das SchauspielDie offizielle Frau mit Fräulein Thessa Klinkhammer als zum zweiten Male pfgefan Wir wollen daher nicht unterlasseu, besonders alle diejenigen, welche der gestrigen Aufführung fern geblieben sind, auf den genußreichen Abend auf⸗ merksam zu machen.

* Gießen, 25. Nov. Der schon mehrmals

vorbestrafte Fabrikarbeiter Heinrich Bender von Alsfeld ist wegen Sittlichkeitsverbrechens in zwei Fällen angeklagt, begangen an Kindern unter 14 Jahren. Das Urteil lautet auf eine Zuchthausstrafe von vier Jahren und Ehrverlust auf fünf Jahre. Der Staatsanwalt hatte 7 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust be⸗

antragt. Wegen Vergehen gegen die Religion wurde der Tagelöhner Heinrich Jöckel von Zeil⸗ bach zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte am 6. September auf der Orts⸗ straße nach Obererlenbach an einem Christus⸗ bild eine die Religion verhöhnende Aeußerung gethan.

* Gießen, 25. Nov. Der dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangene Gesetz⸗ entwurf betr. den Erwerb der Hessischen Ludwigsbahn ermächtigt die Regierung, nach Maßgabe der Verträge vom 8. und 9. Juli und vom 23. Juli 1896 den Umtausch von 111900 000 Mark Stamm⸗Aktien der Hessischen Ludwigsbahn in Schul dverschreibungen der Zprozentigen preu⸗ ßischen Staatsanleihe und in Schuldverschreibungen der Zprozentigen hessischen Staatsanleihe herbei⸗ zuführen, sowie die Schuldverschreibungen der 3prozentigen preußischen Anleihe in dem zur Ausführung der Verträge erforderlichen Betrage auszugeben. Die Regierung ist ermächtigt, von dem Barbetrage 41 4 auf jede Aktie gleich dem in Höhe von 7646500%. auf Preußen ent⸗ fallenden Anteil zu vertragsmäßigen Abfindungen an den Vorsitzenden, die Mitglieder der Spezial⸗ direktion an die gegenwärtigen Mitglieder des Verwaltungsrates der Hessischen Ludwigsbahn, zur erstmaligen Instandsetzung und Ergänzung der Betriebsmittel der Bahn eine Million, zur Deckung der schwebenden Schulden der Hessischen Bahn bis 2253 000dem auf Preußen ent⸗ fallenden Anteil zu zahlen. Der Finanzminister und Arbeitsminister sind ermächtigt, den Kauf⸗ preis für den Erwerb der Bahn zu zahlen bezw. auf die Staatskasse zu übernehmen. Der Finanz⸗ minister ist ferner ermächtigt, die bisher begebenen Anleihen des bezeichneten Eisenbahnunternehmeus soweit sie nicht bereits ergänzt sind, zur Rück⸗ zahlung zu kündigen. Die von Preußen auf⸗ zubringenden Mittel sind durch Verausgabung des entsprechenden Betrages von Staatsschulden⸗ Verschreibungen aufzubringen. Wegen Verwal⸗ tung und Tilgung der Anleihe kommen die Vor⸗ schriften des Gesetzes vom 19. Dezember 1869 zur Anwendung.

* Stockhausen(Kreis Gießen), 24. Nov. Der hiesige Einwohner Kaspar Biedenkapp feierte heute seinen Walen e Geburts- tag. Trotz seines hohen Alters erfreut sich derselbe noch großer körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Der Greis arbeitet jetzt noch als Hausweber für einen Fabrikanten in Grünberg zu dessen vollster Zufriedenheit. Seit dem 1. Juli 1894 ist er im Besitze der Altersrente. Möge dem hraven Alten noch eine Reihe von glücklichen Tagen beschieden sein!

* Lauterbach, 24. November. Ein ge⸗ fährliches Spiel. In Frischborn spielte sich am Freitag ein bedauerlicher Vorfall ab, der leicht die schlimmsten Folgen hätte haben

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Zwischen Liebe und

Pflicht. MRoman aus dem australischen Buschleben

1 von G. Löffel.

(Fortsetzung.)

Seuche es durch die ganze Welt, die auch Du jun unstät und flüchtig durchirren wirst und wenn Du sie gefunden hast, meine liebe, kleine Eugenie, bann sage ihr Alles, sage ihr, wie sehr ich sie ge⸗

lleebt, daß mein letzter Seufzer ein Segenswunsch

N für sie gewesen, daß mein Leib nur hinsank in Staub

und Moder, daß aber mein Geist nicht mit mir erben konnte, daß er um sie sein wird als ein

liebender Schutzgeist, daß nie ein Unfall sie treffe, ie eine Gefahr an sie herantrete. Und dieser Schließer waret Ihr?

War ich, und ich empfing diesen Auftrag aus inen gefesselten Händen als ein heiliges Ver⸗

hmächtnis. Er sagte mir noch mehr:Ich sterbe

und es ist auch besser so, denn, wenn ich jetzt vor sse hinträte, würde sie vielleicht ihrem Vater

fuchen a Nein, nein! rief Eugenie mit gerungenen Händen und fliegendem Atem. Sie würde sich schaudernd abwenden von dem Jerbrecher, von dem Mörder und nimmer würde se der Arm nach mir ausstrecken, nimmer würde r eine süße Laut, nach dem ich gelechzt wie der Ferschmachtende nach einem Tropfen Wasser, um ten zu hören ich zum Mörder geworden, nie würde us WortVater über ihre Lippen kommen. Vater! stammelte das junge Mädchen mit um Himmel gefalteten Händen und thränenerstickter Stimme,wenn jetzt Dein Geist um mich ist, wenn Du mich siehst und hörst, dann wirst Du wissen, saß auch Dein Kind in seiner herzlichen Verein- amung, ach, wie oft! verlangend seine Arme nach Dir ausgestreckt hat, daß es seine thränenfeuchten sugen fragend und suchend in schlaflosen Nächten

zu den Sternen erhoben und zu Gott gebeten hat, nur einmal noch ihn sehen und das Wort von seinen Lippen hören zu dürfen:Eugenie mein Kind!

Da hielt es den Andern nicht mehr, da sprang er auf mit einem wilden Satz, da schrie er es hinaus in die Nacht mit einem Schrei so voll von Himmelslust und tiefstem Erdenweh:

Eugenie! Mein Kind!

Er breitete die Arme nach ihr aus.

Blitzartig flog das Wort zu ihr hinüber, blitz⸗ artig schlug es ein in ihre Brust.

Ein Blick von Auge zu Auge, ein unartikulierter Laut und er hatte gefunden.

Die Tochter ruhte an dem Herzen des Vaters.

Nur ein ersticktes Schluchzen rang sich zwischen Beiden empor und erfüllte die stille Hütte und gab Zeugnis von den Thränen, welche die Liebe weint.

Vater Du?! rief Eugenie endlich mit einem Blick voll Zärtlichkeit.

Ich, rang es sich dumpf aus seiner schwer atmenden Brust.Jener menschenfreundliche Schließer that mehr für mich, als ich von ihm gesagt. Er kam Nachts es war die Nacht vor meiner Hin⸗ richtung zu mir herein und sagte: Flieht, Kamerad, ich will Euch eine letzte Gelegenheit geben, die Frei⸗ heit zu gewinnen und Euer Kind wiederzufinden. Fesselt mich zum Schein, legt meinen Oberrock und meine Mütze an und dann versucht, wie Ihr weiter kommt. Die Loosung ist für diese Nacht: Marseille. Unten, hinter der großen Plantane, werdet Ihr ein segelfertiges Boot finden, mit Proviant versehen. Mehr brauche ich Euch nicht zu sagen. Und nun Gott mit Euch! Kommt, macht Euch fertig.

Und der Name dieses Edlen? fragte Eugenie mit verklärten Blicken.

Ich habe ihn nie erfahren.

Gott segne ihn für diese edle That! Und Du entkamst. Du wurdest nicht verfolgt, Vater?

Ich entkam. Auch die Geschichte meiner Flucht wurde vertuscht und geheimgehalten. Sie hätte den Gouverneur seinen Posten gekostet, wenn es heraus⸗ gekommen wäre. Später fand ich in französischen Blättern eine Zeitungsnotiz, welche mit wenigen dürren Worten meine Hinrichtung meldete. Das sicherte mich gegen Nachforschungen daheim, denn nach Frankreich ging ich jetzt zurück, um Dich zu suchen.

Wo man Dich kannte, wandte Eugenie mit angstbebender Stimme ein.

Wer glaubt an eine Wiederkehr nach dem Tode! Und man wähnte mich tot. Zehn Jahre hatte ich in der Verbannung verbracht und halb so viel brauchte ich, um endlich zu ermitteln, daß Deine Mutter in England, wohin sie später gegangen, einen Herrn Milton geheiratet hatte, mit dem sie nach Australien ausgewandert war. So kam ich hierher, wo ich Euch durch weitere zwei Jahre ver⸗ gebens suchte. Nach dieser Zeit traf ich hier, in Melbourne, merkwürdiger Weise mit einem früheren Aufseher zusammen, der mich genau kannte und auch sofort wieder erkannte.

Er wollte mich verhaften lassen, wohl in Hoff nung einer reichen Belohnung, die ihm von hoher Stelle zu Teil werden würde. Ich flüchtete vor ihm in die Wildnis hierher. Der alte Dulder⸗ wille wohnte nicht mehr in meiner Brust. Ich lehnte mich gegen das Schicksal auf, das mich so schwer getroffen. Ich hatte zu tief gelitten unter deu Ungerechtigkeiten der Menschen und nahm das Recht nunmehr in meine eigene Hand. Wie ich dessen gewaltet, magst Du aus meinem mir beige⸗ legten Namen entnehmen denn ich bin Morgan!

Unwillkürlich trat Eugenie einen Schritt von ihm zurück.

Morgan? Du Vater? stammelte sie.

Ich die Geißel Gottes!

O, Vater!

Ich weiß, was Du sagen willst, Eugenie: Mein ist die Rache, spricht der Herr,ich will vergelten. Vielleicht irrte ich, indem ich nach den Sternen griff, um Nahes zu treffen. Gleichviel, ich that's, und Geschehenes ist nicht wieder gut zu machen. Heute, wo ich Dich in meinen Armen ge⸗ halten, beklage ich es, zu der fremden, eigene, selbst gewollte Schuld hinzugefügt zu haben. Lassen wir das, auch diese Klage wird bald verstummen und gerichtet werden, wo aller Erdenstreit sich schlichtet.

Eines Abends, fuhr er schnell, wie um den Eindruck dieser Worte zu verwischen, fort,kam ich in Ausübung meines Räuberhandwerkes nach der Milton-Park⸗Station, deren Namen ich nicht kannte. Ich blickte durch ein offenes Fenster in ein Prunk⸗ gemach, das von üppigstem, schwelgerischem Wohl⸗ leben zeugte.

Da sah ich sie! Sah sie in dem Abglanz ihrer früheren Schönheit, reich gekleidet und als Besitzerin jener fürstlichen Liegenschaften! Sie, die ich haßte, wie sonst nichts auf der Welt, sie, die mir mein Glück zerstört und mir Alles geraubt hatte: mein Kind, meine Freiheit, ja, mein Leben, denn das Leben, welches ich jetzt führte, verdiente nicht diesen Namen.

Ha, wie es da in mir aufzuckte von ungestillter Rachelust! Wie die Mordgier mich da packte mit dem unwiderstehlichen Drange, ihren Reichtum, dem sie Alles geopfert, vor ihren sterbenden Blicken in Rauch aufgehen zu lassen!

(Schluß folgt.)