Ausgabe 
26.6.1896
 
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Gießen, Freitag, den 26. Juni

Gießen.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 25. Juni. Der Rentamtmann des Rentamts Gießen, Domänenrat Wil helm Rube, sowie der Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Gießen J, Rendant Karl blatz, wurden beide auf ihr Nachsuchen, letzterer mit Wirkung vom 1. Juli d. J. an, in den

Ruhestand versetzt. Rentamtmann des Rentamts Alsfeld Johannes Dexheimer wurde in gleicher Diensteigeuschaft an das Rentamt Gießen hersetzt, der Revisionskontrolleur bei dem Haupt⸗

steueramte Darmstadt Adam Ofenloch zum

Hauptsteueramtskontrolleur bei dem Hauptsteuer amte Offenbach ernannt.

* Gießen, 25. Juni. Wir machen auch an dieser Stelle auf die am Samstag im Café Leib

* stattfindende Bürgerversammlung aufmerk⸗

Es wäre im Juteresse der Sache zu wenn die Versammlung auch von unseren Stadtverordneten zahlreich besucht würde,

sam.

und zwar besonders von denjenigen, welche für

erlegung des Viehmarktes gestimmt haben, damit die Burgerschaft ausführlicher die Gründe kennen lernt, unter deren Erwägung dem Projekt zugestimmt wurde. Nur im Austausch der gegen⸗ seitigen Meinung in öffentlicher Versammlung unter den Bürgern der Neustadt herrschende Erregung beschwichtigt werden.

Gießen, 25. Juni. Gestern Abend hat

sich in unserer Stadt ein Haus⸗ und Grun d⸗ bedsitzer⸗Verein mit 69 Mitgliedern konstituiert.

Die Sitzung fand im Hotel Viktoria statt. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Rechtsanwalt Grünewald, Fruchthändler Aron Katz, Wilh. Wallenfels, Schneid⸗ müller Ph. Euler und Professor Pasch. Ge⸗ schäftsführer des Vereins wurde Adolf Bieler. Außer dem Eintrittsgeld von 1 4 beträgt der Jahresbeitrag 4%. Der Verein bezweckt, die

Ignteressen seiner Mitglieder zu schützen und zu

wahren.

* Gießen, 25. Juni. Das gestrige Prome⸗ naden⸗Konzert in der Südanlage verlief bei dem schönen Wetter wieder ganz prächtig. Man hat sich so an diese Unterhaltung gewöhnt, daß allgemein bedauert wird, derselben während des Manövers entbehren zu müssen. ü

* Gießen, 25. Juni. Auf dem gestrigen Krammarkt war in den Nachmittagsstunden starker Verkehr, doch klagten die Händler über schlechte Geschäfte; auch die Ladenbesitzer in der Neustadt erklärten, das Publikum zeige im Gegensatz zu früheren Märkten keine Kauflust. Die besten Geschäfte machten die Kirschen⸗Ver⸗ käuferinnen, sie gaben das Pfund für 18 und 20, sodaß sich schnell ein Korb nach dem

andern leerte. Auch das Karussell und die

Schiffsschaukel waren bis zum späten Abend gut besetzt. Auf dem Lahnstein amüsierte sich das junge Volk bis spät in den Abend hinein bei munterem Tanz.

* Gießen, 25. Juni. Im Philosophen wald fand man einen in Ulrichstein geborenen 54 Jahre alten Arbeiter erhängt vor. Der Mann war unverheirathet. Ueber das Motiv der That fehlt jeder Anhalt.

Gießen, 25. Juni. Der neulich in Haft genommene Clemens Rothe von hier, ist aus der Untersuchungshaft wieder entlassen.

Grünberg, 24. Juni. Durch Herrn Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern zu Gießen wurde die landespolizeiliche Prüfung und Abnahme der nun vollendeten Nebenbahn strecke GrünbergLondorf vorgenommen. Während der Fahrt, an welcher sich die ver schiedenen Baubeamten beteiligten, wurden die Anlage selbst, wie auch die durch dieselbe nötig gewordenen Aenderungen und Verlegungen öffent⸗ licher Wege, die Uebergänge, Schutzvorrichtungen u. s. w. einer eingehenden Besichtigung unter⸗ zogen. Auch war den Bewohnern Gelegenheit gegeben, etwaige Wünsche wegen Einzelheiten der Bahnanlage vorzubringen, Einwendungen zu erheben oder Anträge zu stellen. Die Bahn wird am 1. Juli eröffnet und in fahrplan⸗ mäßigen Betrieb gesetzt werden; es werden täg lich 8 Züge auf der Strecke verkehren.

Bad Nauheim, 24. Juni. Die Ge⸗ sammtfremdenfrequenz hat die Zahl 6000 nahezu erreicht, von denen 930 in der letzten Woche angekommen sind. Geht es in gleichem Tempo fort, so werden wir heuer am Schlusse der Saison gewiß die Zahl von 16000 Fremden erreichen. Auch die Bäderzahl ist eine bedeutend höhere.

Friedberg, 24. Juni. Die Versamm⸗ lung der evangelischen Konferenz für das Großherzogtum Hessen findet Mittwoch, 1. Juli, vormittags halb 12 Uhr, im Saale des Hotel Trapp hier statt. Auf der Tagesord⸗ nung stehen: 1) Referat und Thesen des Herrn Pfarrers Knab(Bruchenbrücken) zu dem Thema: Die Frage der Kirchenzucht und der Kirchen zuchtsgesetze in der evangelischen Kirche der Ge genwart. 2) Rechnungsablage pro Oktober 1894/95. 3) Mitteilungen, Anträge u. s. w. 4) Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes.

* Darmstadt, 24. Juni. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte heute die noch nicht 18 Jahre alte Prostituirte Anna Barthel von Biebrich wegen Majestätsbeleidigung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Die Angeklagte hatte die Aeußerung über den Kaiser in angetrunkenem Zustand gethan.

* Darmstadt, 24. Juni. Der Meister⸗

lverbandstag der Mitteldeutschen Bäcker⸗

innung hat beschlossen, den nächsten Verbands⸗ tag in Gießen abzuhalten. Man überließ es dem Vorort, geeigneten Falls schon im nächsten Jahre einen Verbandstag dorthin zusammen zu berufen. Aus den Mitteilungen des Referenten über vorstehende Angelegenheiten geht ferner hervor, daß eine Backstuben-Ordnung nach dem Muster der Harburger Innung geplant ist, einzelne Abänderungen will man je nach den örtlichen Verhältnissen dem Gutdünken der Einzel⸗ innungen überlassen. Köbrich(Mainz) als Vorsitzender teilte auf Anregung aus der Mitte der Versammlung mit, daß mit Einführung der Handwerkerkammern wegen des den Einzelregie rungen zugestandenen Rechts des Erlasses von den Ausführungsbestimmungen eine anderweitige Ein⸗ teilung der Verbände durchzuführen sei, während der Zentralverband verbleibe. Zum Vorort wurde Kassel gewählt. Die von der Kom⸗ mission geprüfte Jahresrechnung wurde für richtig befunden und dem seitherigen Vorstand Decharge erteilt. Hennings(Gießen) dankte noch für die Wahl der Stadt Gießen als nächstem Ver⸗ sammlungsort und sicherte gute Aufnahme zu. Runkel(Marburg) dankte dem Vorsitzenden Köbrich für die Geschäftsleitung, darauf wurde der Unter⸗Verbaudstag geschlossen. Nachmittags fand ein Familienausflug nach der Ludwigs⸗ höhe statt.

* Mainz, 25. Juni. Gestern ging in den spargelbautreibenden Orten unsrer Umgegend es werden bekanntlich in der Nähe von Mainz nach Braunschweig die meisten Spargeln in Deutschland gebaut die Spargelsaison zu Ende, da die von den Aufkäufern mit den Produzenten geschlossenen Lieferungsverträge mit dem 24. Juni erlöschen. Dieses Jahr war wohl die Ernte etwas mißlich, weil einesteils der April und der Anfang-Mai zu kalt, Ende Mai und Anfang Juni aber zu trocken waren. Wenn man aber erwägt, daß der Spargel unter der Erde erntereif wird und schon lange vor der Ernte feste Lieferungspreise für die ganze Saison vereinbart werden, so darf man behaupten: die Erträge des Spargelbaues sind doch keine sehr unterschiedliche. Die Landwirte unsrer Gegend haben also wieder ihre Haupternte glücklich zu Geld gemacht. Sind ja doch mehrere Orte in unsrer Nähe, deren hauptsächliche Kultur im Spargelbau besteht. Und was die Hauptsache ist: durch den Spargelbau sind diese Orte zu großem Wohlstande gekommen. Die vermehrte Produktion hat die Preise nicht nennenswert herabgedrückt, sondern hat immer stärkere Nachfrage verursacht. Kurz: der Spargel bau wirft für die Landwirte so hohe Reinerträge ab, wie z. Z. keine andre Kulturpflanze. Sind

es doch gar keine Ausnahmen, daß ein hessischer Morgen- 2500 Quadratmeter mehr als 300. Reinertrag brachte, dazu noch auf Ländereien, die früher des vorherrschenden Flugsandes wegen fast nichts erbrachten.

Worms, 23. Juni. Bei den Ausgrab⸗ ungen für den Bau eines neuen Militär⸗ lazarethes stieß man auf ein Gräberfeld aus späterer römischer Zeit. Soweit die Grabstätten bis jetzt aufgedeckt, sind dieselben noch nicht durchforscht worden.

*Gaulsheim, 23. Juni. Die tropische Hitze der letzten Tage hat auch hier ein blühendes Menschenleben vernichtet. Ein Land⸗ wirt wurde bei der Feldarbeit, die er mit un⸗ bedecktem Kopfe verrichtet haben soll, von einem Hitzschlage betroffen und war sofort eine Leiche.

Vermischtes.

Ein japanischer Bettlerstaat. Die ja⸗ panische ZeitungKokumin enthält einen interessanten Bericht über eine Bettlergemeinde, die in einem Walde in der Provinz Shinano ihren Wohnsitz hat. Sie besteht schon seit 40 Jahren und zählt gegen 300 Mitglieder, darunter auch viele Frauen und Kinder. An der Spitze steht einKönig, ein Mann von über 60 Jahren, der mit fast unumschränkter Gewaltregiert, aber sich nicht etwa von seinen Unterthanen ernähren läßt, sondern gleich ihnen tagsüber betteln geht. Bei warmem Wetter schlafen die Bettler einfach im Freien, nur im Winter oder wenn es regnet, errichten sie abends Zelte aus dickem Oelpapier. Am Morgen wird das Lager abgebrochen. Alles wird in Kisten und Kasten verpackt, und jede Spur ihres Aufent⸗ haltes vertilgt. Darauf verteilen sie sich in die um⸗ liegenden Dörfer und gehenauf den Bettel, um am Abend wieder im Walde zusammenzukommen, gemeinschaft⸗ lich ihr Mahl zu kochen, zu essen, zu schwatzen, zu singen, zu trinken u. s. w. Dabei wissen sie dies ist eins der wichtigsten Gesetze ihresKönigs die Spuren ihres jedesmaligen Nachtquartiers so geschickt zu ver⸗ wischen, daß bis vor wenigen Jahren selbst die Einwohner der umliegenden Dörfer keine Ahnung von dem Dasein dieses Bettlerstaates, sozusagen in ihrer eigenen Mitte, hatten. Uebrigens sollen diese Bettler, obgleich viele von ihnen ehemalige Spieler, Diebe und dergleichen sind, sich jetzt, wenigstens in den Dörfern, wo sie als Bettler bekannt sind, aller Diebstähle und sonstigen Gesetzwidrigkeiten enthalten. Wenn sich ein neuer Ankömmling zur Aufnahme meldet, muß er zuerst demKönig seine Lebensgeschichte erzählen, worauf dieser über seine Zulassung entscheidet. Ebenso steht ihm auch das Recht zu, ungeeignete Mitglieder auszustoßen, Streitig⸗ keiten zu entscheiden, Strafen zu verhängen u. s. w. Nie⸗ mand würde gegen den Ausspruch desKönigs zu murren wagen. Seine Autorität schreibt sich daher, daß er der Gründer dieses Staates ist, indem er zuerst seinen Aufent⸗ halt in diesem Walde nahm, worauf sich nach und nach immer mehr Anhänger bei ihm einfanden. Als Kuriosum verdient noch erwähnt zu werden, daß die Bettler sich sogar den Luxus eines heißen Bades, dieses jedem Japaner

Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Fortsetzung.)

Und können auch Haarefärben, wie Sie da draußen ankündigen, wie?

Sie sollen auf das Prompteste bedient werden, mein Herr.

Ich meine das Färben von Frauenhaar, ver⸗ stehen Sie mich wohl!

Das ist sogar meine Spezialität, hauchte Dingelmann, nur durch das Bewußtsein beklommen, daß es mit seinem Vorrat an Tinkturen zu dieser Spezialität recht schlecht bestellt war.Be⸗ lieben Sie mir nur zu sagen, welche Nuance der betreffenden Dame genehm wäre, und welche ursprüngliche Haarfarbe verdeckt werden soll.

Ach ja meine Schwester ist blond von jener matten Nuance, die man aschblond nennt, und ich möchte ihrem Haare etwas lebendigeren Glanz geben, so ungefähr die Farbe reifen Hafers, und was ich hauptsächlich betonen will, die Färbung muß vergänglich, abwaschbar sein. Es handelt sich nämlich nur um den Einklang mit einem Kostüm,

das sie morgen zu einem Karnevalsfeste, zu einem

Maskenballe anlegen wird. Wir beteiligen uns an einer Gruppe, die florentinische Edelleute aus dem vierzehnten Jahrhundert darstellt, und da schwebt mir als reizende Ergänzung zum Kostüm meiner Schwester jenes seltene Goldhaar vor, welches die Pinsel der alten Meister an den Porträts der Florentinerinnen mit so viel Liebe behandelt haben.

Ich begreife ganz wohl, entgegnete Dingel⸗ mann etwas unsicher.Es soll sozusagen nur eine Auffrischung von Blondhaar sein, die Verleihung eines blendenden Schimmers, der am andern Tage

Ganz recht. Und haben Sie so ein Mittel, so eine Tinktur?

Ich denke wohl.

Meister Dingelmann wandte sich nach dem einen der Parfümerieschränke, in dessen oberstem Gefach drei verschiedene Flaschen mit Haarfärbemitteln ein einsames Dasein fristeten. Der Fremde betrachtete sich den Lehrling, der seinem Prinzipal diensteifrig die kleine Trittleiter herbeiholte, mit der die Höhe des Schrankes allein zu erreichen war.

Ja um es nicht zu vergessen! Sagen Sie, ist hier in der Nähe ein Droschkenstandplatz?

Ja wohl, drei Straßen weit. Wenn Sie wünschen, mein Herr, so könnte Ihnen der Bursche da einen Wagen besorgen.

Sehr gut! Seien Sie so freundlich, junger Mann und bitte gleich ich habe wenig Zeit und kann mich nicht lange aufhalten!

Nazi flog hinter die Schrankwand nach seiner Mütze und stob im nächsten Augenblick schon auf seinen langen Beinen davon, während Meister Dingelmann auf der Höhe seiner Leiter nach einer der drei Flaschen griff.

Hier, mein Herr, do wäre gerade, was wir brauchen.

Ah! Danke, ich reiche schon! Bleiben Sie nur! Vielleicht wählen wir doch noch anders. Jedenfalls muß ich erst...

Der Fremde entkorkte die Flasche, die er dem Friseur abgenommen, roch daran und goß dann einige Tropfen auf das Marmortischchen in seiner Nähe, um die tiefdunkelgelbe Tinktur auch mit dem Auge zu prüfen.

Lassen Sie mal sehen, was Sie noch haben, meinte er dabei, mit einer flüchtigen Kopfbewegung zu den übrigen zwei Flaschen hinaufdeutend.

Das ist nur noch Dunkelbraun und Schwarz,

von selbst vergeht und keinerlei Veränderung des Haares zurückläͤßt.

entgegnete Dingelmann kleinlaut; er hatte ja nur

zu wohl vorausgesehen, daß diese klägliche Auswahl den Kunden nicht befriedigen werde.

So, so! Na, zeigen Sie immerhin einmal her! Am Ende wäre es ja nicht unmöglich, daß ich mich noch anders entschließe, und doch zu der ge wöhnlichen Haarfarbe der Südländerinnen greife.

Dies sagte der Herr, während sich der Friseur umdrehte, um die Flasche mit der Tinktur zum Schwarzfärben herabzulangen.

Hier, wenn ich bitten darf! Aber ich muß bekennen, ich weiß in der That nicht, ob diese Farbe nicht etwa doch noch längere Zeit Spuren zurückläßt...

Ei, dann freilich können wir sie nicht brauchen. Was denken Sie! Meine Schwester würde nie ein willigen.... Gut also, bleiben wir bei der ersten da!

Der Herr stöpselte die Flasche mit der blonden Tinktur, die er in der Hand behalten hatte, wieder zu, schüttelte sie und betrachtete sie durch's Licht. Dingelmann atmete froh auf und hüpfte von der Leiter herab.

Unschuldig ist das Zeug doch wohl?

Ich übernehme jede Garantie, versicherte der Friseur, die Hand auf's Herz legend.

Auch für die leichte Abwaschbarkeit?

Ebsenso. Sie können sich vollkommen lassen.

Gut. Dann bitte, wickeln Sie mir das Dings ein und stellen Sie's zur Seite, damit Sie es nicht etwa irrtümlich an einen anderen Kunden ab geben!

Dingelmann hätte dem Fremden auch hierüber sehr beruhigende Versicherungen geben können, be eilte sich aber, seinem Wunsche zu gehorchen, um somehr als er sah, daß er in die Tasche nach dem Portemonnaie griff.

Ich bezahle es gleich, um mir die Flasche auf

ver⸗

jeden Fall zu sichern. Da das wird genügen!

Dingelmann wäre fast ausgerutscht bei der tiefen Verbeugung, mit der er die zwei harten Thalersßücke begrüßte, die der Freigiebige auf das Spiegeltischchen niederklirren ließ, und seine Hände zitterten, während sie die reservierte Flasche in einen Bogen des scönsten Seidenpapiers einwickelten.

Also morgen? sagte er dann, die so splendid bezahlte Ware in ein Extrafach stellend.Und wohin soll ich kommen, das Fräulein zu bedienen?

Ah! Sie werden das doch jedenfalls hier am besten machen. Wir werden auf der Fahrt zum Balle bei Ihnen einsprechen, schon kostümiert. Aber es scheint, Sie haben kein gesondertes Kabinett zur Verfügung, wo meine Schwester vor der Neugier anderer Kunden geschützt wäre?

Leider nein. Ich glaube Sie jedoch auf das Bestimmteste versichern zu können, daß das Fräulein trotzdem durchaus ungestört sein wird.... Gegen Abend habe ich selten noch Kundschaft zu erante n

Selten, das schließt doch nicht aus, daß eine Belästigung zu fürchten wäre. Meine Schwester ist sehr schüchtern, müssen Sie wissen. Da will ich Ihnen einen Vorschlag machen. Wir werden sehr spät kommen, zu einer Stunde, wo Sie sonst schon Feierabend machen dürften sagen wir: nach zehn Uhr. Schließen Sie den Laden eine Viertelstunde vor zehn, ich werde anpochen, Sie lassen uns ein und üben Ihre Kunst bei wieder geschlossenen Thüren. Ich werde Sie für diese Extrabedieuung natürlich genügend entschädigen.

Ganz nach Belieben! flöͤtete Meister Dingel⸗ mann unter einem neuen, devoten Bückling.Ich stehe jederzeit zu Diensten.

Eortsetzung folgt.)

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