Ausgabe 
25.6.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 25. Juni

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Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 23. Juni. Die für das Steuer⸗ jahr 1896797 in Hessen erstmalig eingeführte Selbstdeklaration für Einkommen 1. Klasse (über 2600) bringt der Staatskasse ein Mehr an Einkommensteuer von 521713 K. Der Ueber⸗

in das nächste Staatsbudget für Anschaffung von Gemeindeebern für die Gemeinden jeder

Anerkennungen davongetragen.

Schluß der Ausstellung zeigt, große Ehren und

schuß stammt großenteils aus den Städten Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms und Gießen, während in den ländlichen Bezirken der Steuer ertrag vielfach zurückging in Folge der Abzüge, die das neue Gesetz für Unterhaltung u. s. w. gestattet.

* Gießen, 24. Juni. Der Landesaus⸗ schuß der landwirtschaftlichen Vereine des Großherzogtums Hessen beschloß, an Großh. Regierung das Ersuchen zu richten,

Provinz 4000., also insgesamt 12000, für Prämiierungen auf dem Gebiete der Schweine zucht für jede Provinz 1000, für Unterstützung und Förderung der Schweinezuchtvereine jeder Provinz je 3000 4 einzustellen und die Beträge den landwirtschaftlichen Provinzialvereinen zur Verfügung zu stellen. Desgleichen erstrebt man die Einstellung von 1500 ½(je 500, auf eine Provinz) behufs Prämiierung von Ziegen böcken. Ferner geht ein Ersuchen an die Großh. Regierung dahin, aus den Kreisen der praktischen Landwirte auf Vorschlag des Landesausschusses einen Beirat zu ernennen, der in allen die An⸗ schaffung der Hengste, Aufstellung derselben in den Stationen, Verteilung der Stationen auf dem Lande u. s. w. betreffenden Angelegenheiten der Landesgestütsdirektion beratend zur Seite zu stehen hätte.

* Gießen, 24. Juni. Auf der allgemeinen landwirtschaftlichen Ausstellung in Stuttgart hatte sich auch die Provinz Ober⸗ hessen mehrfach beteiligt und wie sich jetzt nach

Das schöne Vogelsberger Zuchtvieh erhielt mehrfache Preise. Der bekannte Züchter dieser Rasse in Hof Zwie⸗ falten erhielt 8 erste und 3 zweite Preise und eine Anerkennung. Die Genossenschaftsmolkerei in Reichelsheim erhielt für ihre ausgestellte Süß⸗ rahmbutter einen dritten Preis. Die Produkte dieser Molkerei erfreuen sich gegenwärtig auch großer

Beliebtheit in Bad Nauheim. Seit Beginn der

Badesaison geht nämlich täglich ein Wagen mit

süßem und saurem Rahm, süßer Rahmbutter

und Buttermilch dorthin finden dort sehr raschen Absatz.

Gießen, 24. Juni.(Statistisches.) Im Jahr 1895 sind aus dem Großherzog tum Hessen insgesamt 693 Personen nach überseeischen Ländern ausgewandert. Die Zahl der aus Hessen Ausgewanderten in den letzten 20 Jahren(1876 1895) beträgt 39241. Nach Ausweis desJahrbuchs fuͤr Bremische Statistik? wurden 1895 in Bremen für 1342588, Waren aus dem Großherzog⸗ tum Hessen eingeführt. Von Bremen nach Hessen gingen Waren im Wert von 2500551 KA. Werden die einzelnen Artikel der Einfuhr in Bremen aus dem Großherzogtum und diejenigen der Ausfuhr aus Bremen nach dem Großherzogtum in Hauptwarengruppen zusammengefaßt, so ergiebt sich folgende Uebersicht:

Einfuhr. Ausfuhr. 1..

Verzehrungsgegenstände 389 877 1647 812 Rohstoffe 8 556 408 614457 Halbfabrikate 121 290 45 125 Manufakturwaren 32 283 68 378 Andere Industrieerzeugnisse 242 730 124 779

1 342 588 2500 551 In den dem Jahre 1895 vorausgegangenen fünf Jahren umfaßte der Verkehr des Groß herzogtums mit Bremen folgende Wertsummen: Einfuhr Ausfuhr in Bremen aus dem aus Bremen nach dem Großh. Hessen. Großh. Hessen.

A. 2 1894 1069 110 2 693 445 1893 168 669 2374 042 1892 014119 2492 328 1891 1105 986 2317 564 1890 1507 978 2312 151 * Gießen, 24. Juni.(Viehmarktbe⸗

richt.) Der heutige Viehmarkt fiel mit dem im nahen preußischen Kirchhain errichteten Konkurrenz markt zusammen, so daß der Auftrieb nicht so bedeutend wie früher war. Die Ware wurde eben geteilt, womit weder dem Käufer noch dem Verkäufer gedient ist. Die Marktinteressenten sehen nicht ein, warum Vieh aus den preußischen Gebietsteilen ausgeschlossen wird, es sei denn, daß es 7 Tage vorher im Hessenlande im Stall h habe, während jenseits der rot-weißen

renzpfähle auf preußischen Märkten hessisches Vieh unbedenklich ohne weitere Umstände auf den Markt kommen darf. Man schüttelt eben in den betreffenden Kreisen verwundert den Kopf über die Erschwerung des Handels. Der heutige Auftrieb bestand aus 5-600 Stück Kühen

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die z3spaltige Petitzeile.

und diese Produkte Vogelsberger und Landrasse und ca. 70 Kälbern.

Es herrschte für frischmelkende Ware rege Kauf⸗ lust. Eigentliche Prima-Ware, die von den Händlern gesucht wurde, fehlte am Markt fast gänzlich. Man zahlte für Kühe 1. Qual. 300 bis 350., 2. Qual. 260300 /, 3. Qual. 180-220 K für das Stück. Die Preise für Fettvieh zogen etwas an. Kühe erzielten 50 bis 52 f, Rinder 5658, Kälber 5255 l. pro Zentner Schlachtgewicht.

Gießen, 24. Juni.(Viehmarktbe⸗ richt.) Der heutige Ochsenmarkt war von 100 Ochsen, sämtlich Fahrvieh, befahren. Der Handel war sehr lebhaft und waren es besonders Händler aus dem Rheinland und dem Sieger land, welche den Markt machten. Besonders schwere Ochsen waren stark begehrt und genügte der vorhandene Vorrat lange nicht der Nachfrage, auch die für diese Gattung bezahlten Preise waren verhältnismäßig sehr hoch. Man legte bis zu 920. pro Paar für schweres Vieh an. Im Allgemeinen wurden bezahlt für Ochsen 1. Qual. 750850 /, 2. Qual. 650-750., 3. Qual. 450600 ¼ pro Paar. Der Markt,

welcher um ¾10 Uhr zu Ende war, wurde bis

auf wenige geringe Stücke geräumt. Der Auftrieb auf dem Schweinemarkt betrug höchstens 600 Stück. In Folge dessen zogen die Preise, da flotte Kauflust herrschte, etwas an. 67 Wochen alte Ferkel wurden gehandelt mit 1824., 1213 Wo hen alte Ferkel mit 38 bis 44. pro Paar. Läufer, die wenig vor handen waren, wurden ebenfalls je nach Qualität sehr gut bezahlt. Der Auftrieb wurde geräumt.

Gießen, 24. Juni. Schildkröten handel. Auf unserem heutigen Krammarkt bot ein italienischer Händler einen neuen Artikel, nämlich Schildkröten, feil. Die munteren Tierchen wurden schon am Vormittag flott ge⸗ kauft. Der Preis richtete sich ganz nach der Größe der Tiere, und waren schon für 50 die kleinste Sorte zu haben, während für Riesen⸗ schildkröten 3& pro Stück verlangt wurden.

Gießen, 24. Juni. Der Unsitte, Obst⸗ kerne auf die Bürgersteige zu werfen, sollte jeder einsichtige Mensch energisch entgegentreten. Gestern Abend stürzte in der unteren Neustadt ein älterer Herr, indem er auf einen auf dem Trottoir hingeworfenen Kirschkern trat. Die Sache ging noch gut ab, denn außer einer leichten Handverstauchung passirte dem Gefallenen nichts, aber wie leicht konnte der Fall schlimmer aus⸗ gehen. Also keine Obstkerne auf den Bürger⸗ steig werfen!

Gießen, 24. Juni. Unser neulicher Hin⸗ weis auf die oft wenig appetitliche Art des Transportes von Fleisch in unserer Stadt scheint an zuständiger Stelle Beachtung gefunden zu haben. Man teilt uns aus Metzger⸗ kreisen mit, daß seit kurzem eine strengere Be⸗ aufsichtigung der betreffenden Transporte Platz gegriffen und bereits empfindliche Strafen ver⸗ hängt worden sind.

* Gießen, 24. Juni. Schulausflug und Landpartien sind jetzt an der Tagesordnung und verursachen Eltern und Lehrern das angenehmste Kopf⸗ zerbrechen, das man sich denken kann. Auch die liebe Jugend ist eifrig bei der Sache und läßt es sich nicht nehmen, bei jeder Gelegenheit mit eigenen Plänen und Ideen hervorzutreten. Weiß sie doch, daß in diesen wunderschönen, sonnig durchglühten Sommertagen selbst ein gewagtes Wort, ein kecker Vorschlag oft williges Ge⸗ hör findet, und daß die Großen zu dieser Zeit oft nicht minder arbeitsmüde und wanderlustig sind, als die Kleinen. Vater und Mutter lassen sich leicht zu Landpartien be⸗ reden und der gestrenge Herr Klassenlehrer zieht gleichfalls einen Ausflug ins Freie seiner trockenen Schulthätigkeit vor. Die Bücher fliegen in die Ecke und die Botanisir⸗ trommel und das Schmetterlingsnetz treten in ihre lange genug unterdrückten Rechte ein. Ach, wer vermöchte sich dem unwiderstehlichen Zauber einer Wanderung oder Luft⸗ fahrt ins Grüne hinaus zu entziehen! Mit Gesang und Musik bricht man morgens zu früher Stunde auf, wenn es noch kühl ist und auf den Gräsern noch glitzernde Tautropfen liegen. Staub und Hitze fallen noch nicht beschwerlich, und die Baume am Wege rauschen noch so munter im Winde. Wie köstlich ist die erste Rast im Forst⸗ haus, wie prächtig mundet das einfache Frühstück! Immer tiefer geht es hinein in die dunklen Laubschattten des Waldes, die der mälig in voller Glut herableuchtenden Sonne so neckifch den Weg versperren. Laute Spiele wecken das schlafende Echo, und ein heiteres Tummeln, ein Fliehen und Haschen auf weichem Moose beginnt. Zur Mittagsstunde vereinigt ein ländliches Mahl Alte und Junge zu fröhlicher Gemeinschaft. Der Nachmittag bringt, nach einem Schläfchen im duftigen Grase, unter dämmerigem Blätterdach, neue Freuden und neue Abwechs⸗ lung, und müde, aber gestärkt an Körper und Seele, pilgert man Abends singend und mustzirend heim. Freilich hat manchmal der schöne Tag ein schlimmes Nachspiel; im nächsten Schulaufsatz sollen die jungen Gelehrten aus⸗ führlich die Wonnen der frohen Pilgerfahrt schildern. Das ist nicht so leicht gethan wie gedacht, und manches arme Knäblein kaut einsam in seiner Kammer am Federhalter und verwünscht nun im Stillen die unschuldige Ursache seiner Leiden. Wir glauben aber nicht, daß es die nächste Landpartie, den Schulausflug aus Rache schwänzen wird.

Lich, 24. Juni. Der Schuhmachermeister K. Schepp von hier machte gestern Morgen seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Um des Todes sicher zu sein, hatte sich Sch. einen

Der geheimnisvolle Neffe. Von H. Erlin. (Nachdruck verboten

(Schluß.) Der Herr Rechnungsrat aber mußte wohl oder übel gute Miene zum bösen Spiel machen war

er, der früher so glühende Verteidiger kleinstädtischer Verhältnisse, ja so wie so schon vor dem jungen Sekretair durch das Verleugnen seines Wohnsitzes blamiert. Wenn das in N. herauskam! Freilich, wenn Schnittchen dort ebensoviel Takt besaß wie hier Herrn Worbke gegenüber, dann kam es nicht heraus. In seiner Hand war man aber immerhin, und wer trug die Schuld daran? Die Weiber trugen sie! Mochten sie es nun ausbaden! Er kümmerte sich um nichts mehr; so bemerkte oder wollte er auch den Glücksausdruck nicht bemerken, der Tekelchens Antlitz geradezu verklärte.

Und Herr Worbke erst! Der schwamm in Seligkeit! So ganz im Geheimen deutete er der immer noch völlig geknickten Frau Eleonore sogar an, daß er seinen Neffen zum alleinigen Erben seiner Südfruchthandlung einsetzen wolle, sobald sich eine Frau für den jungen Sausewind gefunden habe. Diese Worte gaben der bekümmerten Mutter neuen Lebensmut und neue Pläne.

Von Schnittcheu kam man, seitdem man hier falsche Thatsachen vorgespiegelt hatte, überhaupt nicht mehr los, das war klar. Außerdem hatte das Schicksal, dem man immer folgen soll, doch recht merklich durch den Zufall gesprochen, schließlich mußten Tekelcheus Gefühle berücksichtigt werden und endlich.... Herr Worbke mit der Südfrucht⸗ handlung!!! 5

Während dieser schwerwiegenden Erwägungen lebte Tekelchen beinahe in den Gefilden der Seligen, dabei dachte sie weder an die Südfruchthandlung, noch an den Kummer von Frau Eleonore. Sie dachte überhaupt nicht, und das war immer ein Hauptvorzug ihres Wesens gewesen. Vielleicht lag es an dieser ihr anhaftenden Eigeutümlichkeit, daß sie das Leben um so schneller lernte.

Und dank Tekelchens heiß entflammter Liebe ge

Wochen das zu erreichen, wonach er in N. Jahre umsonst gestrebt hatte er durfte nämlich die Sorge für das leibliche und geistige Wobl von Fräulein Thekla Pfeifer auf Lebenszeit übernehmen.

Herr Rechnungsrat hatte sich zwar bedenklich gesträubt, seine Einwilligung dazu zu geben, doch rechte Energie besaß er seit seinem Ahlbecker Fiasko nicht mehr, und so hatte Schnittchen leichtes Spiel gehabt.

Nun aber heim! dann noch wünschte.

In seinen alten vier Pfählen angekommen, schwor er seiner Eleonore mit feierlichstem Eide, daß er eine Sommerreise in seinem ganzen Leben nicht wieder mache.

Und sie konnte diesmal ausnahmsweise mit ihm fühlen, denn wenn man es so recht bedachte, Schnittchens Bekanntschaft hätte man eigentlich auf billigere und bequemere Weise machen können.

Das blaue Herz.

Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdruck verboten.) 1

In einem Seitengäßchen der Münchener Vor stadt befand sich zwischen allerlei Kramgeschäften ein kleiner Friseurladen. Das Schild über dem im Winde baumelnden, messingenen Barbierbecken war in dem trüben Lichte des beginnenden Februar abends schwer zu entziffern.Ludwig Dingel mann, approb. Bader und Coiffeur hieß es da.

Hinter der Glasscheibe der Eingangsthür stand der Eigner dieses Namens, Herr Dingelmann, und blickte mit kummervollem Gesicht in die Dämmerung hinaus.

Wie ist's, Meister, soll ich nicht Licht machen? fragte der Lehrjunge vom Hintergrund des Ladens her, wo die beiden Glasschränke mit den Par fümerieen im Verein mit einem dunkelroten Rips vorhang dazwischen eine Art von Kämmerchen bildeten.

war alles, was Männe

Nein, Nazi, wir wollen das Gas sparen,

lang es Sekretair Schnittchen schon nach drei

seufzte der Meister,man kann ja anzünden, wenn jemand kommen sollte.

Der Nazi nickte verständnisvoll, als ob er sagen wollte: Natürlich, es kommt ja doch keine Katze; man könnte ebensogut gleich schließen. Dann lehnte er sich an eines der Marmortischchen vor den Wandspiegeln und betrachtete melancholisch seine langen Beine, denen die Hosen beträchtlich zu kurz waren, und sein geflicktes, abgeschabtes Röckchen, das der Körper in seinem Drange, die Entwicklung zum Jüngling zu vollenden, täglich rücksichtsloser auf die Festigkeit der Nähte prüfte.

Aber die Flamme im Schaufenster könnte man doch wenigstens anzünden! meinte er nach einer Weile, die überlangen Arme schleukernd, die sich so gern beschäftigt hätten.

Meinetwegen!

Fünf Minuten später brachte Meister Dingel mann insofern etwas Abwechslung in seine ge zwungene Unthätigkeit, als er statt durch die Thür durch das Schaufenster seine trostlosen Obser vationen austellte.

Wie traurig sah es jetzt iu der Auslage aus, seitdem sie der Gerichtsvollzieher ihrer vorzüglichsten Zierde, der schönfrisierten Wachsbüste, beraubt hatte! Mit grimmigem Lächeln schielte Meister Dingelmann auf das zwischen einigen Perrückenstöcken ruhende Glasschildchen herab, das da mit seinen im Lichte der Gaslampe flimmernden Goldbuchstaben der Welt verkündete, daß man hier das Haarfärben nach der neuesten Methode verstehe, und Damen in und außer dem Hause frisiert werden könnten.

Als ob es für Meister Dingelmann überhaupt jemals eine Damenkundschaft gegeben hätte! Jetzt im Karneval hatten seine Berufsgenossen alle Hände voll zu thun, nur zu ihm, in dieses öde Gäßchen verirrte sich kein Mensch. Seitdem sie dort drüben in der Hauptstraße die große Kaserne demoliert hatten, die ihm noch Kunden zugeführt, war das Geschäft gänzlich auf's Trockene gesetzt worden.

Das Gäßchen war wirklich wie ausgestorben; es ging nicht mal Einer an diesem Schaufenster

vorüber. Aber ja gerade jetzt... Ah! Und

der Mann blieb so gar stehen und blickte durch die Glasscheibe. Was gab es denn da Anziehendes zu betrachten?

Meister Dingelmann hätte den Passanten, einen eleganten Herrn in Pelz und Cylinderhut, gerne mit einer einladenden Geberde darauf aufmerksam gemacht, daß er jetztgerade Zeit habe, ihm die sorgfältigste Bedienung zu widmen; aber der fach⸗ männische Blick des Friseurs hatte sofort konstatiert, daß der Herr neben seinem glänzend schwarzen Schnurrbarte auf das Tadelloseste rasiert und sein pechschwarzes Haupthaar so kurz als möglich ver⸗ schnitten war. Bei dem war also keinesfalls was zu verdienen.

Oder sollten wirklich die paar armseligen Pomadestangen und Seifenschachteln im Fenster seine Kauflust reizen? Seine lebhaften Augen musterten wenigstens mit hartnäckigem Interesse die da zur Schau gestellten Dinge und hoben sich jetzt mit scharfem Forscherblick zu dem betrübten Antlitz des approbierten Baders und Friseurs empor, das ihnen aus dem dunklen Innenfenster entgegensah.

Nun konnte Dingelmann doch nicht umhin, eine grüßende Verbeugung zu machen. Der draußen veränderte jedoch keine Miene, wandte sich und verließ das Schaufenster natürlich, um seinen Weg fortzusetzen. 8

Doch nein! Den nächsten Augenblick ertönte die Klingel unter der sich öffnenden Ladenthür, und der elegante Fremde trat ein.

Jetzt hatte Nazi die längst ersehnte Gelegenheit, seine Flinkheit zu zeigen. Wuppdich! stand er schon auf dem Stuhl und ließ in der nächsten Sekunde die beiden Gasflammen an der Decke aufzischen, während sein Prinzipal sich dem Zufallskunden mit der Grandezza eines Tanzmeisters zur Verfügung stellte.

Sie frisieren auch Damen? näselte der im Pelz, den Cylinderhut in den Nacken schiebend und den Griff seines Regenschirmes unter's Kinn stemmend.

Gewiß selbstverständlich!

(Fortsetzung folgt.)

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