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Gießen, Sonnabend, den 25. April
1896.
Ausgabe
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Gießen.
Redaktion:. Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 24. April.(Militärdienst⸗ nachrichten.) Kuehne, Major und Bat. Kommandeur vom Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, unter Beauftragung mit den Funktionen des etatsmäßigen Stabs⸗ offiziers, in das Königs⸗Inf.⸗Regt. Nr. 145 ver⸗ etzt. Schöngarth, Major à la suite des Juf.⸗
egts. Nr. 137, als Bat.⸗Kommandenr in das Juf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116 einrangiert. v. Ma dai, Oberstlieutenant und etatsmäßiger Stabsoffizier des Anhalt. Inf.⸗Regt. Nr. 93, unter Beförderung zum Obersten, zum Kommandeur des Inf⸗Regts. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116 ernannt. Weimer, Major aggreg. dem Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116, als Bats.⸗Kommandeur in das Füs.⸗ Regt. Graf Roon(Ostpreuß.) Nr. 33. v. Rosen⸗ berg, Oberst und Kommandeur des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116, mit sion und der Regiments⸗Uniform, Krüger Sek.⸗Lt. von demselben Regiment der Abschied bewilligt.
2 Gießen, 24. April. Assessor Osann, Sohn des Landtagsabgeordneten gleichen Namens, übernimmt stellvertretungswegen von morgen an das Schöffengericht. Amtsgerichtsrat Gebhardt, der bisherige Vorsitzende des Schöffengerichts,
t 4 Wochen als Stellvertreter des dortigen eurlaubten Amtsrichters nach Lich.
* Gießen, 24. April. Morgen, Samstag, feiert der Bauersche Gesangverein, dessen Leistungsfähigkeit nicht nur in unserer Stadt, sondern auch auswärts anerkannt ist, unter Lei⸗ tung seines bewährten Dirigenten, Herrn Polster, sein 32. Stiftungsfest in Steins Garten. Das Programm il ein gut ausgewähltes und dürfte den Mitgliedern wie den Gästen ein recht genußreicher Abend geboten werden.
* Gießen, 24, April. Das Schöffengericht sprach heute in der Raufaffaire zwischen Metzgern und Militär den Metzgerburschen Buß von hier frei. Keuscher von Marburg erhielt wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt 5 Monat und 1 Woche Gefängnis. Heinrich Keuscher wurde wegen Körperverletzung zu 6 Wochen Gefängnis und wegen Beilegung eines falschen Namens zu 10 Mk. Geldstrafe event. 2 Tage Haft verurteilt.
* Gießen, 24. April.„Es giebt kein schönres Leben als Studentenleben!“ heißt es im Liede. Wenn man aber den Mitteilungen Glauben schenken darf, die gestern an einen alten Abonnenten unseres Blattes gelangt sind, so hat das Lied Unrecht und das Studentenleben ist das trübseligste Leben von der Welt. Unser alter Abonnent, der seit Ostern glücklicher Vater eines auswärts studierenden Sohnes ist, muß das wissen. Er hat nämlich gestern einen Brief des neugebackenen Bruder Studio erhalten, der das Universitätsleben, wie wir uns durch den Augen⸗ schein überzeugt haben, in den schwärzesten Farben malt. Alle Eltern, die zu Ostern studienbeflissene Sprößlinge auf auswärtige Universitäten schickten,
werden mit Teilnahme vernehmen, welches Schicksal dort ihrer Söhne harrt— notabene, wenn es ihnen ähnlich geht, wie dem Sohne unseres alten Abonnenten, dessen briefliche Klagen uns tief zu Herzen gedrungen sind. Schon um sechs Uhr muß der arme Junge, wie er schreibt, aus den Federn, weil um sieben sein erstes Kolleg beginnt. Von sieben bis zwölf lauscht er ununterbrochen, wie er versichert, den klugen Reden der Pro— fessoren; von zwölf bis zwei macht er Mittags⸗ pause, die ihm wohl zu gönnen ist, weil er von zwei bis fünf wieder andächtig in den Hörsälen sitzt und dicke Kollegienhefte unermüdlich voll⸗ schreibt. Von fünf bis sechs erholt er sich ein wenig durch Spazierengehen, von sechs bis acht studiert er auf seiner Bude, dann speist er allda zu Abend und kriecht, nachdem er das neu am Tage Gelerute noch einmal repetiert hat, spätestens um zehn Uhr müde und abgespannt ins Bett. Täglich wiederholt sich dies Tagwerk, mit Aus⸗ nahme des Sonntags, an welchem er früh die Kirche besucht und nachmittags mit Freunden einen Gang ins Freie macht. Unter ernsten wissenschaftlichen Gesprächen pilgert man hinaus vor die Thore, um im nächsten Dorf ein Glas Milch zu trinken und abends daheim von neuem zu büffeln. Man sollte denken, daß diese arbeits- reiche, aber geregelte Lebensart wenig Geld kostet. Dem ist aber, wie der Sohn unseres alten Abon⸗ nenten beteuert, leider nicht so. Das anhaltende Studieren kostet unbändig viel Geld, weil eine Menge Bücher erforderlich sind und jedes Buch ziemlich hoch im Preise steht. Die paar hundert Thaler, die unser alter Abonnent seinem Sohne mitgegeben hat, sind schon vollständig alle. Er beschwört also den Vater hoch und heilig, ihm eiligst noch zweihundert Mark extra zu schicken, womit er ein teueres wissenschaftliches Werk, das er dringend gebraucht, vom Buchhändler erwerben will. Natürlich hat unser alter Abonnent, gerührt von dem Fleiß und der Strebsamkeit seines Jungen, das Geld sofort an dessen Adresse be— fördert; telegraphisch sogar, damit er das kostbare wissenschaftliche Werk umgehend in seinen Besitz bringen kann. Er meint, das werde dem wackern Herrn Sohn eine angenehme Ueberraschung sein. Wir meinem es auch, zittern aber vor der schreck— lichen Katastrophe, die demnächst unfehlbar ein⸗ treten muß. Demnächst will nämlich unser alter Abonnent nach der auswärtigen Universität— wir wissen nicht mehr, heißt sie Jena oder Halle — ohne vorherige Anmeldung abdampfen, um die reichhaltige Bibliothek des jungen Gelehrten persönlich in Augenschein zu nehmen. Er ver⸗ spricht sich gleichfalls eine angenehme Ueber— raschung von dieser Reise; freilich können wir diesmal seine Ansicht nicht teilen. Wir sind vielmehr der ketzerischen Meinung, daß man junge Gelehrte im ersten Semester sich selbst überlassen und nur aus der Ferne, auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Postanweisung, über⸗ raschen soll. Unser alter Abonnent, der leider anders denkt, läuft blindlings, wie uns deucht, in die schmerzlichste Enttäuschung seines Lebens hinein!
Gießen, 24. April. Heute oder morgen beginnt die Schutzmannschaft mit der Verteilung
der Zettel zur Erhebung der Gemeinde— steuern pro 1896/97. »Niederweisel, 23. April. Das Pro⸗ gramm zur Einweihung der restaurirten Kom⸗ thurkirche am 6. Mai d. J. ist wie folgt fest⸗ gesetzt: Nachmittags um 4 Uhr versammeln sich die geladenen Gäste, die Johanniter-Ritter, die Geistlichen, die Schwestern im Krankenhause, vor welchem der Empfang des von Laubach zu Wagen kommenden Herrenmeisters, Prinz Albrecht von Preußen, stattfindet. Hierauf Zug zur Kirche. Einweihungsrede des Dekans. Rittertag in der alten Kirche. Um 6 Diner im Hess. Hof zu Butzbach. Abends kurz nach 9 Uhr halten an diesem Tage die nach Süden und Norden passirenden D.-Züge auf der Station Butzbach zum Mitnehmen von Passagieren. Aus dem Nidderthale, 23. April. Die Spar- und Leihkasse Altenstadt, e. G. m. u. H., hielt in dem Rathaussaale zu Alten⸗ stadt ihre diesjährige ordentliche Generalver⸗ samlung ab. Die Einnahmen der Genossen⸗ schaft im abgelaufenen Geschäftsjahre betrugen 400 725,25, welchen an Ausgaben 397 803,15. gegenüberstehen; es verbleibt mithin ein Gewinn von 2922,10. Von letzterem kommen 10 pCt. zum Reservefonds, die Stammanteile werden mit 12 pCt. verzinst und der Rest wird der Betriebs— rücklage zugeschrieben. Ausgeliehen sind auf Schuldscheine 106 480,03%, auf Hypotheken 111034,92, auf Kaufschillinge 131 762,14 und auf laufende Rechnungen(ohne Bankver— kehr) waren am 31. Dezember 1895 ausständig 13 235,47. Ein Vergleich zwischen dem Ge⸗ schäftsverkehr des letzten und demjenigen des vorausgegangenen Jahres ergiebt eine Steigerung von rund 70000 ¼ Butzbach, 23. April. Die Vorbereitungen zu dem am 3. Mai d. Is. hier stattfindenden Radfahrerfeste haben begonnen. Der Stadt⸗ vorstand beschloß, die große Markthalle zur Abhaltung des Festes dem Verein zur Verfügung zu stellen. Um auch dem Turnverein Entgegen⸗ kommen zu zeigen, wurde gleichzeitig genehmigt, daß die Halle in unverändertem Zustande bis Mitte Juni, für das am 13. und 14. Juni d. Is. abzuhaltende 50 jährige Jubiläums⸗ fest des Turnvereins bestehen bleiben kann. Büdingen, 22. April. Auf dem Hof⸗ gute Konradsdorf gerieten nach reichlichem Genuß geistiger Getränke die Knechte in Streit, im Verlauf dessen ein älterer Knecht von einem jungen Mitknecht mittelst einer Mistgabel er⸗ schlagen wurde. Der Thäter ist verhaftet. *Darmstadt, 23. April. Die Strafkammer verurteilte heute den Ingenieur Otto Ruhl, jetzt in Frankfurt a. M., wegen Kartelltragens zu 2 Tagen Festungshaft. Ruhl hatte im Juli v. J. im Auftrage mehrerer hiesiger Korpsstudenten dem zu einer Reserveübung im 23. Dragonerregiment einberufenen Gerichtsreferendar Dr. Rieger aus geringfügigem Anlaß Säbelforderungenüberbracht, die Rieger auf Pistolen acceptiert hatte. Der studentische Ehrenrat genehmigte die Pistolenforde⸗ rung nicht, während der Reserveoffizier erklärte, daß er sich nicht schlage. Die Forderung war daher nicht zum Austrag gekommen.
* Darmstadt, 23. April. Nach der letzten Jahresrechnung der Hessischen Lud⸗ wigsbahn betragen die Betriebseinnahmen einschließlich des Uebertrages aus dem Vorjahre 22551 970,88 Mk., die Betriebsausgaben, ein⸗ schließlich der aus den Erneuerungsfonds zu be⸗ streitenden, 12 265 655,42 Mk., der Anteil der Er⸗ neuerungsfonds an den Betriebskosten 1176 581,80 Mark, der Staatsbeitrag zu der Jahresrechnung 101 931,43 Mk. Es stehen zur Verfügung der 1
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Generalversammlung 7580 074,73 Mk., das ist 284 262,51 Mk. mehr als im Vorjahr. Der Verwaltungsrat beschloß, der Generalversamm⸗ lung vorzuschlagen: 5,45 pCt. Dividende gegen 5 pCt. im Vorjahre, ferner Dotation der Er⸗ neuerungsfonds mit 1 Million, der Pensionskasse mit 250000 Mk., wie im Vorjahre.
* Offenbach, 23. April. In den ersten Tagen des Monat Mai findet in sämmtlichen Räumen der Schlosser'schen Liegenschaft ein großer Wohlthätigkeitsbazar zu Gunsten des hiesigen Hilfsvereins statt. Die Veranstaltung wird den Charakter eines Jahrmarkts tragen. — Sonntag den 26. April nimmt der Bischof von Mainz dahier die Firmung vor und begiebt sich des Nachmittags nach dem benachbarten Bürgel, um der Grundsteinlegung der neuen kathol ischen Kirche beizuwohnen.
Mainz, 23. April. hier die Ausschüsse der Detaillistenvereine der Städte Mainz, Worms, Mannheim, Hanau, Darmstadt, Frankfurt, Cassel, Hamburg und Offenbach zusammen. Auf der Tagesordnung N steht die Regelung der Poststunden an Sonntagen, Bericht über Schiedsgerichte im Handelsgewerbe, Schutz gegen Erschwindeln von Waren durch pfandlose Schuldner und Manifestanten, der Ge⸗ setzentwurf gegen den unlauteren Wettbewerb, Reform der Handelskammern durch Vermehrung der Zahl ihrer Mitglieder und das Offenhalten der Schaufenster an Sonntagen.— Zwischen den Stepperinnen und Akkordarbeiten und der Schuhfabrik von Rosenbusch u. Co. sind die Differenzen durch Genehmigung sämtlicher Forde⸗ rungen seitens der Fabrikleitung ausgeglichen.
* Mainz, 23. April. In einer gestern Abend abgehaltenen Sitzung des städtischen Finanz⸗ ausschusses wurde die Reorganisation des Stadt bauamtes beschlossen. Das Penstonierungsgesuch des Herrn Stadtbaumeister Baurat Kreyßig wurde 0 einstimmig unter Belassung des vollen Gehalts genehmigt. Die Stelle eines Stadtbaumeisters?s wird nicht wieder besetzt, dafür aber ein städtischen besoldeter Beigeordneter gewählt werden. Für das Hoch- und Tiefbauamt wird die Stadt je einen Bauinspektor anstellen.
Vermischtes.
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— Den atlantischen Ozean in drei und ein⸗ 1 halb Tagen durchkreuzen zu können, behauptet der Marine⸗Ingenieur Daniel S. Dark in Newyork. Er war früher bei der englischen Marine angestellt und hatte vor kurzem ein Patent auf eine Erfindung erwirkt, welches, ö auf Seeschiffe angewendet, das erwähnte Resultat zu er zielen bestimmt sein soll. Die Vorrichtung Darks besteht in Seitenwänden, welche mit demselben Kraftaufwand ge⸗ N trieben werden, den man jetzt bei manchen Daupfern, wie
Am 3. Mai kommen
Soldatenliebe.
Preisgekrönte Humoreske aus dem Soldatenleben
von S. Steinberg. Schluß.)
Wie mir zu Mute war, kann sich Jeder leicht vorstellen; meine Jlieder schlotterten man so am Leibe, ick hatte Mühe zu verhüten, daß sie in ihren elektrischen Zuckungen jejen die dröhnende Kupfer⸗ wand meines Verstecks rempelten, denn noch immer klammerte ick mir an die Hoffnung, Frau Haupt⸗ mann würden noch eenen Augeublick das Zimmer verlassen. War det denn so janz unmöglich! Aber sehr bald sollte ick durch das dünne Gewebe meinen Irrtum einsehen. Die ahnungslose, gnädige Frau begann alle Vorbereitungen zu kreffen, meine jrenzen⸗ lose Verlegenheit noch zu vergrößern. Dreimal hatte id det sonderbare Rascheln jelöster Bänder ver⸗ nommen, dem eben so prompt ein rauschendes Niedersinken von Kleidungsmaterial und weiblicher Montierungsstücke gefolgt war. Det Rauschen war endlich zu Ende. Der Angstschweiß tröppelte mir von der Stirn,— die paar Sinne, die mir noch jeblieben waren, wollten ooch noch schwinden. Da, — da,— alljütiger Himmel, näherte sich det „schlanke Etwas“ meinem Verstecke, berührte mit der einen Hand der am Fuße der Badewanne an⸗ gebrachten Mechanismus und— O! du heiliger Strohsack! ein zischelnder und sprudelnder, erst fiedendheißer und dann eisig⸗kalter Wasserstrahl er⸗ gießt sich mit einer ungemütlichen Dreistigkeit auf mich Unglücksmenschen. Vom siebenten Himmel
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hatte ick jede Spur verloren. Meine Höllenqual kann keen Schriftjelehrter beschreiben— un dabei noch die entsetzlichen körperlichen Schmerzen. Mir war zu Mute, als ob ick in der glühendsten Hitze uf Eis läge. Während die Füße zu verbrennen drohten, begannen die weiter rückwärts gelegenen Partien unter dem Einfluß des kalten Wassers all— mählich zu erstarren. Krampfhaft hatten sich meine Lippen geschlossen. Immer höher stieg det feuchte Element und dennoch— ach wenn ick daran denke, drücke ick mir jerührt die Hand— hielt ick stand— haft aus, getreu dem Soldatenschwur:„Zu Wasser und zu Lande“, lieber hier in der Badewanne mein Leben fürs Vaterland verbuddeln, als meine gnädige Herrin in ihrer notdürftigen Umhüllung erschrecken. Det hätte ick nich erleben mögen. Aber wat helfen alle juten Vorsätze, wenn die Vorsehung keene Ver— nunft annimmt und das neidische Geschick eene janz jewöhnliche Wendung beschlossen hat? In demselben Augenblick nämlich, als das zudringliche Wasser schon um meine Gurgel herumplanschte, zog die zarte Hand der noch immer nichts ahnenden Frau Hauptmann ooch noch das Badelaken von der Oberfläche meines unfreiwilligen Asyls.——— Ein markerschütternder Augstschrei der gnädigen Frau erschütterte das Zimmer, und alarmirte sofort die janze Etage— dann knickte sie, beide Hände drohend nach mir ausgestreckt, ohnmächtig uf den nächsten Stuhl zusammen.——— Jetzt hatte meine freiwillige Selbstaufopferung keenen Zweck mehr, und so rannte ick so eilig wie es meine triefende Kleidung und die gefüllten Wasserstiefel
erlaubten, zur Thür hinaus in die offenen Arme des ebenfalls erschreckt herbeieilenden Herrn Haupt— manns. Die Pastete war fertig.— Wat nun folgte, kann sich jeder leicht denken. Nach einer fürchterlichen Pause rief mir die donnerjrollende Stimme meines Kompagnie-Chefs zum Verhör. Ick hörte eigentlich Nichts.— Stumm und staxr nahm ick mit aufjelöstem Herzen und aufjeweichtem Anzug das standgerichtliche Urteil entgegen.„Sie ganz gewöhnliches Sumpfhuhn, Sie verunglückte Wassernymphe, scheren Sie sich sofort in die Ka— serne— wie Sie da siud und melden sich beim Feldwebel mit„Drei Tage“. Das andere findet sich.“ Hätten wir nicht die schweren jewässerten Stiefel gehalten, ick wäre in die Knie jerutscht, — aber so nahm ick den französischen Abschied von meiner verflossenen Braut und schlich„langsamen Schritts“ von dem Schauplatz meiner ersten zu Wasser gewordenen Liebe.
Mit militärischer Pünktlichkeit erhielt ich meinen ersten Arrest, die andern folgten sehr pünktlich in kurzen Zwischenräumen, damit ick nich aus der Je— wohnheit kam. Jette, die meine militärische Lauf— bahn in der Badewanne so rasch beendet hatte, habe ick niemals wieder jesehen. Nur wenn ick meinen Militärpaß aublicke, in welchem„meine drei Tage“ wegen„Unachtsamkeit im Dienst“ be— scheinigt stehen, dann kann ick mir ihren liebebe
dürftigen Anblick wieder vorzaubern. Aber so mache ick mir dieses Vergnügen nicht, denn ick
werde dadurch nur an die grenzeulose Ueberraschung und Verlegenheit der gnädigen Frau Hauptmann und
an das unjemütlichste Bad meines Lebens erinnert. In die Badewanne kriegt mich keen Mensch wieder rin, und wenn ick noch 100 Jahre alt werde.———
— Etwas vom preußischen Landrecht. Vor zirka 23 Jahren nahm ein in Erfurt dienender Lieutenant, ein Herr v. Tr., von einem dortigen Privatmann D, der selbst nicht in glänzenden Verhältnissen lebt, ein Dar⸗ lehen von 45 Thalern auf und gab dem Darleiher dafür einen Wechsel von 50 Thalern. Der Lieutenant verzog nach Köln, löste aber den Wechsel nicht ein. D. gab aus Rücksicht für seinen Schuldner den Wechsel nicht zum Protest, begnügte sich vielmehr damit, den Säumigen von Zeit zu Zeit an seine Verpflichtung zu mahnen. Aus dem Lieutenant wurde schließlich ein Hauptmann und aus dem aktiven Offizier ein solcher a. D. Der gegenwärtig in Berlin wohnende Edle v. T. reagirte lange Zeit nicht auf die Mahnungen seines Gläubigers, bis ihm endlich Anfang dieses Jahres die Sache doch zu bunt wurde. Er ließ durch einen Rechtsanwalt Klage beim Amtsgericht erheben auf Herausgabe des Wechsels und Nichtanerken⸗ nung der aus demselben resultirenden Forderung des Gläubigers, wobei er sich darauf stützte, er hätte die Summe bereits bezahlt. Das Gericht nahm an, daß es dem v. Tr. nicht gelungen sei, einen Beweis für seine Behauptungen beizubringen, daß vielmehr die größere Wahrscheinlichkeit für die Darstellung D.'s spreche. Aber trotzdem kam dieser nicht zu seinem Gelde, denn das Ge⸗ richt zog einen Paragraphen des Allgemeinen Landrechts an, wonach Darlehen an Lieutenants, welche ohne Ge⸗ nehmigung des Regimentskommandeurs aufgenommen werden, nicht klagbar sind. Damit war D. mit seiner Forderung abgewiesen, v. Tr. aber ist schön heraus, denn
er ist auf eine gute Art seine Schulden los geworden.


