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Gießen, Mittwoch, den 25. März
1896.
ische Landeszeitung.
Ausgabe
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeile.
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2.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 24. März. Die Direktion der berhessischen Eis ubahnen macht bekannt, daß die am 4. April d. J. gelösten Rückfahrkarten um 7. April, also am Tage nach dem zweiten sterfeiertage und die am 23. Mai d. J. ge⸗ bösten Rückfahrkarten noch am 26. Mai, also um Tage nach dem zweiten Pfingstfeiertage zur ückfahrt zugelassen werden.
* Gießen, 24. März. Eine wichtige Erfindung für Straßenbeleuchtung mit Auer'schen Doppelgasglühlichtbrennern hat ein unger Danziger Ingenieur von Mohrstein ge— nacht. Er entdeckte bei seinen Versuchen auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik ein sinn⸗ geiches Verfahren, das es ermöglicht, die ge— sannten Brenner auf den Straßenlaternen von
iner Zentralstelle aus gleichzeitig zu itzünden. Die Erfindung ist von einer süd⸗ eutschen Fabrik sofort für 60000% zur Aus⸗ eutung angekauft worden. Wenn die Einrich— ung sich bewährt, dürfte sie wohl bald in den Städten, die sich mehr und mehr dem Gasglüh— cht zuwenden, zur Anwendung kommen. Gießen, 24. März. Die gestrige Vor⸗ sellung im Zirkus Lorch schloß sich den borausgegangenen würdig an. Hervorgehoben ien besonders die Leistungen des Handequlli⸗ lristen Feroni, der Geschwister Lorch in hren karischen Spielen, Fräulein Amalie auf dem Drahtseil, sowie der Gebrüder Benares am 3 fachen Reck. Sämtlichen Darstellern wurde leicher Beifall zu teil. Wir verweisen noch auf
die am Donnerstag stattfindende Abschiedsvor⸗ . deren Besuch wir aufs wärmste empfehlen
önnen. * Gießen, 24. März. Ein wunderbares
,
nne an Vetter! Der März hat, nun seine Tage fast 165 115 gezählt sind und seine Herrlichkeit zur Neige geht, ii ins zum ersten Male durch Sanftmut und Milde 1 überrascht; keine tückische Launenhaftigkeit mehr,
ie uns das Leben so hämisch vergällte, die uns
urch Regen und Schnee, Hagel und Sturm⸗ ung. bind die Freude am jungen Frühling so schmäh⸗ uma ich verdarb. Er gleicht einem alternden Spring⸗
zelt.
isfeld, der endlich zur Vernunft gekommen ist ind noch kurz vor seinem Hinscheiden kokett auf
Freiersfüßen einhertänzelt. Er läßt die Sonne
edel
aagelang freundlich auf uns herablächeln, er färbt en Himmel entzückend blau, er gestattet den büften, uns schmeichelnd zu umkosen. Nicht das leinste drohende Wölkchen am Horizont, Friede ind Heiterkeit überall. Wir treten aufatmend, die von einem drückenden Alp erlöst, vor die Thür, und lassen Wintermantel und Regenschirm sorglos daheim. Welche Lust, durch die reinlichen, kockenen Straßen zu gehen, wo die Kinder sich föhlich tummeln und alte Leute behaglich im barmen Sonnenschein spazieren! Die Jugend tscheint uns doppelt jung und das Alter zu feuer Jugend verklärt. Selbst die Häuser dünken ins nicht mehr so starr und steinern wie sonst; in festlicher Schimmer, ein Hauch von Anmut legt auf ihnen. Langsam, bedächtig, mit allen Sinnen genießend, schreiten wir zum Thor hinaus. ner Herz dehnt sich weit, unsere Pulse klopfen
winziger schwarzer Punkt im lichten Blau: die Lerche! Schmetternd klingt ihr munteres Früh— lingslied ins Weite, und die Spatzen, die zu⸗ traulich an uns vorüberhuschen und eifrig in den dampfenden Furchen umherstochern, fallen in bester Stimmung zwitschernd mit ein. Ihr Gepiepse hört sich nicht gerade melodisch an, aber wir nicken den grauröckigen Dilettanten doch lustig zu: laßt euch nicht stören, wir sind heut zu gut gelaunt, um Kritik zu üben!
* Grünberg, 22. März. Unser Feuer⸗ wehr⸗Bezirk wird, nachdem die Stelle eines Feuerwehrinspektors durch den Tod des bis— herigen Inhabers erledigt, mit den Bezirken Gießen und Lich unter die Kontrolle des Feuer— wehrinspektors Loos-Gießen gestellt werden.
Vilbel, 22. März. Hanauerstraße wohnenden Gebrüdern Bellinger kam es heut zu einem Streit, in dessen Verlauf der 20 Jahre alte Bellinger, der schon längere Zeit geistesgestört ist, seinem 18 Jahre alten Bruder 3 Stiche in den Kopf und Hals beibrachte, von denen einer die Schlagader traf und den Tod herbeiführte. Es gelang, den Thäter, der sich geflüchtet hatte und von der Niddabrücke in in den Fluß stürzen wollte, in Haft zu bringen.
*Darmstadt, 23. März. Das Ministerium des Innern und der Justiz hat den Landständen einen Gesetzentwurf auf anderweitige Organi— sation der Polizeiverwaltung nebst Mo— tiven vorgelegt.
* Darmstadt, 22. März. Das Gesetz be⸗ treffs Regelung der Polizei in den Städten über 20 000 Einwohner, dessen Vorlage an diesen Landtag man nicht mehr erwartete, il nun doch noch dem Gesetzgebungs-Ausschuß der II. Kammer zur Beratung zugegangen. Zum Referenten dieser Vorlage ist der Landtagsabg. Metz Gießen bestellt.
* Darmstadt, 23. März. Am Samstag und Sonntag fand die Jubelfeier der Groß⸗ loge„Zur Eintracht“ unter Teilnahme von in⸗ und ausländischen Logenvertretern statt. Der Großherzog sandte ein Gratulationsschreiben, in dem er auf das Interesse seiner Vorgänger an dem Freimaurerbund verwies und dem Bund „im treuen Festhalten an seinen bewährten Grund— sätzen“ ferneres Blühen wünschte. Um seinem Interesse und seinen guten Wünschen für den Eintrachtsbund einen sichtbaren Ausdruck zu ver— leihen, werde er den in ihm vereinigten Logen zu Alzey, Bingen, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms sein Bild schenken.
h. Darmstadt, 24. März. Die Erste Kammer tritt heute zusammen. Auf der Ta ges- ordnung steht u. A.: Beratung und Abstimmung über: 1. Die Mitteilung der Zweiten Kammer a) bezügl. des Antrags der Abgg. Haas(Offen⸗ bach) und Genossen, die Aufhebung des Gesetzes vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung des Weins betreffend, sowie b) Bitte der Großherzogl. Handelskammer zu Mainz, dem Antrag der Abgg. Haas und Genossen auf Aufhebung des Gesetzes, betreffend die Besteuerung des Weines vom 9. Dezember 1876, ihre Zustimmung erteilen zu wollen; e) Eingabe der Bürgermeisterei der Großh. Provinzialhauptstadt Mainz wegen Auf⸗ hebung des Gesetzes, die Weinsteuer betreffend; d) Eingabe der Großh. Handelskammer Bingen
Zwischen den in der,
in gleichem Betreff; 2. Antrag des Abg. Dr. Vogt, staatliche Unterstützung solcher Teilnehmer an den letzten deutschen Kriegen, welche erwerbsunfähig und bedürftig, einen rechtlichen Anspruch auf den Juvalidenfonds ꝛc. nicht zu erheben in der Lage sind, sowie die hierzu ein⸗ gegangenen Beschlüsse der Kreistage Friedberg, Schotten und Worns betreffend; 3. desgl. be⸗ züglich des Autrags des Abg. Metz(Darmstadt) um Rücknahme der Verordnung vom 10. No⸗ vember 1886, den Betrieb von Wirtschaften und den Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus betreffend; 3. desgl. bezüglich des Gesuchs des Vorstandes des Vereins Mainzer Kaufleute, das Offenhalten der Schaufenster der Ladengeschäfte an Sonn- und Festtagen betreffend; und die Eingabe der Großh. Handelskammer in Gießen in gleichem Betreff; ferner die an die Erste Kammer gerichtete Eingabe des Vereins Mainzer Kaufleute in gleichem Betreff.
* Mainz, 23. März. Ein barbarischer Ehemann, der in der Wallaustraße wohnt, bedrohte gestern, nachdem er die Thür ver⸗ schlossen, seine Frau mit Beil und Messer. Die Geängstigte sprang aus dem Fenster des ersten Stockwerkes auf die Straße. Schwer verletzt wurde die Frau in das Spital verbracht, der Mann wurde sofort verhaftet.
Mainz, 23. März. Der städtische Bauausschuß bewilligte zur Errichtung eines Neubaues für ein drittes Volksbad 60000 l. Mit Bauplatz wird der Bau 117000 ½¼ bean⸗ spruchen.
Vermischtes.
— Die ungeheure Geschwindigkeit, mit der die Fixsterne den Weltraum durcheilen, ist an einem sehr merkwürdigen Falle soeben auf der Pulkowaer Sternwarte(bei Petersburg) fest⸗ gestellt worden. Durch die Messungen mit Hilfe des Fernrobrs waren einige von den zahllosen Fixsternen bereits als nicht feststehend erkannt worden. Immerhin waren die Bewegungen so minimal, daß sie auch nach Jahrhunderten noch nicht mit freiem Auge wahrzunehmen sind, der Fixsternhimmel vielmehr' wie seit den historischen Zeiten, auch jetzt noch als ein starres, unver⸗ aͤnderliches Gefüge erscheint. Um so erstaun⸗ licher sind die enormen Geschwindigkeiten, mit denen nach den neuen Forschungen die scheinbar feststehenden Fixsterne begabt sind. Es bedurfte zu dieser Erkenntnis freilich noch einer Beob— achtungsmethode, welche die beobachteten Be⸗ wegungen in einem irdischen, linearen Maße er— gab. Dies leistet aber die Beobachtung der durch die Sternbewegung hervorgerufenen Ortsver— änderung der Frauenhoferschen Linien im Spektrum der Fixsterne. Die Hauptschwierigkeit besteht nun in der großen Lichtschwäche dieser Stern— spektren, und es war daher auch erst von den allerersten Sternen gelungen, die Geschwin— digkeit ihrer Bewegung in der Richtung auf unseren Standpunkt in Meilen pro Sekunde zu ermitteln. Jetzt ist es nun auf der Pulko— waer Sternwarte, die einen großen Refraktor von 30 Zoll Objektivöffnung besitzt, gelungen, auch die Verschiebung der Spektrallinien an einem
sehr interessanten Sterne zu messen, der aber
zu den schwächsten der eben noch mit freiem Auge sichtbaren Sterne gehört; es ist ein Doppelstern im Schwan(61 Cygni), dessen Entfernung von uns von Bessel in Königsberg zuerst mit großer Genauigkeit gemessen wurde und der sich dabei als einer der uns am nächsten stehenden Fix⸗ sterne erwies. Die Messung der Spektrallinien (Eisenlinien wurden gemessen) hat nun ergeben, daß die absolute Geschwindigkeit, mit der der Stern durch den Weltraum zieht, in jeder Se⸗ kunde acht geographische Meilen beträgt.
— Das Melken mit der Maschine. Im Ber⸗ liner Klub der Landwirte machte dieser Tage Professor Alexander Müller Mitteilungen über eine Melkmaschine, welche Dr. de Laval erfunden hat und auf seinem Gute bei Stockholm mit bestem Erfolg verwendet. Mit einer Maschine können bis zu 10 Kühen gleichzeitig gemolken werden. Herr de Laval hat fünf Maschinen in Betrieb, die alle von einem Motor aus betrieben werden. Der eigentliche Melkapparat, der Milchsauger, wiegt nur 14 Pfd.; er liegt in einem Zugriemen, der die Kuh umspannt und sich mechanisch genau nach dem Euter einrichtet; die An⸗ bringung des Riemens erfordert nur wenige Sekunden. Die Thätigkeit, die der Apparat ausübt, ist genau der Saugthätigkeit der Kälber nachgeahmt und besteht in ab⸗ wechselndem Drücken und Saugen, Die Milch gelangt aus dem Euter in einen kleinen abgeschlossenen Behälter und von da durch eine Vakuumsleitung in den in der Decke des Stalles staubfrei angebrachten Milcheimer. Die Kühe lassen den maschinellen Melkprozeß ganz ruhig über sich ergehen, selbst wenn derselbe, wie dies zur Probe ge⸗ schehen ist, über eine Stunde ausgedehnt wird.
— Von einer Lawine verschüttet. Zwei Bauern⸗ burschen wollten dieser Tage über den Tennenberg nach Imst im Oberinnthal zur Militärstellung gehen. Auf etwas über halbem Wege gewahrten die jungen Leute, daß das Gebiet, auf dem sie sich befanden, sehr lawinen⸗ gefährlich war und beschlossen, da es schon spät geworden war, unter einem hervorragenden Felsen zu übernachten und am nächsten Morgen nach vorgenommener Rekognos⸗ zierung entweder weiter zu marschieren oder umzukehren. Beim Holzsuchen für das anzubrennende Feuer sauste plötzlich eine Lawine nieder, erfaßte den Johann Friedl, riß ihn in die Tiefe und schließlich in einen Abgrund. Die Leiche konnte weder von dem unversehrt Gebliebenen, noch von anderen Leuten wegen fortgesetzter Lawinengefahr aufgefunden werden.
— Amerikanisch. In seinem kürzlich veröffent⸗ lichten Buche über Nicaragua und den Nicaragua⸗Kanal „The Key of the Pacific“(London, A. Constable) ent⸗ wirft A. Colguhoun eine erbauliche Schilderung von der Art und Weise, wie in dieser mittelamerikanischen Republik die Wahlen zu den höchsten Staatsämtern ins Werk gesetzt werden. Wenige Wochen vor dem Zeitpunkt, der für die sogenannten Wahlen bestimmt ist, läßt die Regierung im Lande vertraulich bekannt machen, daß ihr natürlich kein Gedanke ferner liege, als der, die freie Entschließung des Volkes irgendwie zu beeinträchtigen, daß sie es jedoch für ihre Pflicht halte, bestimmte Per⸗ sonen, die namhaft gemacht werden, als allein geeignet für die neu zu besetzenden Aemter in Vorschlag zu bringen. Sollte jedoch der Fall eintreten, daß das Volk mit den offiziellen Kandidaten nicht einverstanden ist, nun, dann folgt ohne Gnade die„piece de résistance“ des mittel⸗ amerikanischen politischen Lebens: eine kleinere oder größere Revolution, je nach Bedürfniß. Mit ewiger Gleichheit spielten sich die Ereignisse nun folgendermaßen ab. Die verschiedenen Parteiführer belegen alle Waffen, die in ihren Bereich fallen, mit Beschlag, und alle Männer, die schon oder noch eine Flinte tragen können, werden für eine Zeitlang Soldaten. Die Regierung aber setzt sofort nicht allein die ihr feindlich gesinnten männlichen Personen, deren sie habhaft werden kann, hinter Schloß und Riegel, sondern nimmt auch ohne Weiteres von allen Eisenbahnen,
ehh isch und feurig. Die Ackerscholle duftet kräftig i dau zu uns herüber. Und dort, hoch oben, wie ein ——— ö——0
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(Nachdruck verboten.) Elli!“— Das nenne ich aber einen glücklichen zufall, der Dich mir hier geradewegs in die Arme ührt! Wohin geht denn Deine Reise?“
Eine zierliche, allerliebste Brünette mit lustigen Rehaugen, Grübchen in den runden Wangen und In kecken Stumpfnäschen war es, welche diese Worte einer soeben einsteigenden, nicht minder rei— enden Blondine zurief.„Nach N. fahre ich zu bretas Hochzeit,“ entgegnete diese, indem sie in nem Nichtrauchkoupee neben der anderen jungen Dame Platz nahm.„Du reisest doch natürlich auch borthin Mieze?“ fuhr sie fort.
„J bewahre, man hat mich nicht beehrt. Ich hube auch niemals Sympathie für die Greta ge— habt und das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit. Du aber warst ja immer ihre Intima!“
O bitte, bitte, das geht wohl an,“ erwiderte ie Blonde abwehrend,„Sie hätte mir keinen größeren befallen thun können, als wenn sie mich mit ihrer Anladung verschonte. Ich verspreche mir absolut, schts von dem Familienfest dieser simplen, lang⸗ heiligen Leute.“
„Greta ist aber doch klüger, als ich dachte,
dem sie Dich herbeizieht,“ sagte Mieze,„denn es Arleiht ihrem Festtage gewissermaßen ein Lüster,
wenn sie zwischen all' ihren Landpommeranzen eine hübsche, elegante Großstädterin präseutieren kann. Du wirst als solche da Eroberungen machen! Es muß amüsant sein, alle die Rabattentrampler in Deinen Netzen zappeln zu sehen; weiter wird ja von Belang nichts unter ihren Gästen sein.“
„O doch, sie haben auch städtische Verwandte,“ sagte Elli.„Ich weiß, daß Greta mal in Leipzig zum Besuch war, daher datirt ja ihre Bekanntschaft mit ihrem Auserkorenen.“
„Ach, wen können sie da haben! Aber freilich, dann hättest Du Chancen, zum Brautführer einen Jüngling aus der großen Seestadt Leipzig zu be— kommen,— einen Heringsbändiger mit dicken, roten, frostvernarbten Fäusten, der trotz der reichlichen Aufwendung von Borsdorfer-Apfel-Pomade und Patschult das Parfüm von Harzkäse und Heringen nicht loswerden kann. Hu, wird der Süßholz raspeln—“
„Ach, Mieze hör auf damit!“ unterbrach Elli sie, halb geärgert, halb belustigt.
„Ja, die Leipziger Herrenwelt soll Herzen zu erobern und zu brechen verstehn“, fuhr Mieze un— beirrt fort,„hüte das Deine!— Also die Greta hat ihres auch allda verloren? Ich kann mir diese Personifikation des„Ewig Weiblichen“ ganz wun— dervoll vorstellen in dem welterschütternden Moment, als sie mit niedergeschlagenen Augen, hold er—
glühend, die erhabene, althergebrachte Autwort ge⸗
stammelt:„Sprechen Sie mit meinem Vater!“ Daß der Tugendspiegel nur überhaupt Verständnis für eine Liebeserklärung gehabt hat. In der Pension hatte sie doch nie auch nur den geringsten Schimmer eines Techtelmechtels. Ich glaubte wirklich, die Fähigkeit für die Liebe ginge ihr gänzlich ab. Und daß sich jemand in sie verliebt hat—! Ich begreife es nicht, und in was denn wohl? Ju ihre großen Augen mit dem dummen Ausdruck? Ju ihre robuste Gesichtsfarbe?— Das einzige, was noch Reize aufweisen könnte, ihren famosen Wuchs, wußte sie ja gar nicht zur Geltung zu bringen—“
„In der That nicht“, fiel die auffallend elegant und kokett gekleidete Elli ihrer Freundin in's Wort. „Wie plump und geschmacklos waren ihre Toiletten — von Chic keine Spur!“
„Er hat sich wohl in fragte Mieze.„Wie kam es denn? Weißt Näheres darüber?“
„O ja“, entgegnete Elli,„die Geschichte ist gottvoll. Also sie ist mit besagten Verwandten in Leipzig in einem Konzert. Der Saal ist gedrängt voll und kurz vor dem Beginn sieht man eine alte Dame noch einen Platz suchen. Die Greta mit ihrer pyramidalen Zuvorkommeunheit rückt mit ihren beiden Cousinen auf zwei Stühle zusammen und bietet jener Dame den ihren. Dabei soll das alberne Ding scherzend ihren Cousinen zugeflüstert
ihr Geld verliebt?“ Du
haben,„es lohnt sich vielleicht, wer weiß, sie hat wohl einen Sohn!“
„So viel Spirit traue ich ihr gar nicht zu“, lachte Mieze.
„Ich auch nicht“, fuhr Elli fort.„Aber so viel ist gewiß, der Sohn war da. Er erschien in den Pausen bei seiner Mutter, man machte Be— kanntschaft. Als dann nach Jahr und Tag der damalige candidatus theologiae eine Pfarre bekam, ging in aller Ehrbarkeit die Verlobung von statten.“
„Eigentlich ist die Geschichte doch riesig pro— saisch und altfränkisch“, entschied Mieze.„Dieses langatmige„Sich treu im Herzen tragen“, bis der ersehnte Moment gekommen, da man eine Ver— sorgung bieten kann—“
„Und was für eine?“ unterbrach Elli.„Ein Butterbrotsparadies! Für Greta's Ausprüche paßt ja freilich so ein„Gottes Wort auf dem Lande“ ganz gut. Jedenfalls werden nun neben den Oeko— nomikern auf der einen, die Schwarzröcke auf der andern Seite vertreten sein auf ihrer Hochzeit. Zwei Brüder des Bräutigams sind auch Theologen.“
„Verheiratet?“ fragte Mieze schnell.
„Nein, noch zu haben. Der eine studiert noch, der andere hat erst kürzlich eine Pfarre bekommen.“
(Schluß folgt.)


