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Gießen, Sonnabend, den 25. Januar
1896.
Ausgabe
Gießen.
ndeszeitung
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
E I bonnementspestelungen
auf die
„Hessische Landeszeitung“ nehmen unsere sämmtlichen Träger sowie die Expedition Kreuzplatz 4 zu jeder Zeit entgegen.
Kein anderes hiesiges oder auswärti— ges Blatt bietet annähernd die Vor— teile der„Hessischen Landeszeitung“, die der Einwohnerschaft von Gießen und Nachbarorten in
zwei Ausgaben an jedem Werktag ausgehändigt wird
reis nur 60 Pg. monatlich
einschließlich Trägerlohn. Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 24. Januar. Im Schaufenster der Ricker'schen Buchhandlung, Südanlage, ist eine im physikalischen Staatslaboratorium zu Hamburg mit den neuen Röntgen'schen X⸗Strahlen photographierte Hand eines erwachsenen Mannes ausgestellt. ie Photo⸗ graphie zeigt auch dem Lafen, von welch außer— ordentlichem Wert die neue Erfindung ist. Das Skelett der Hand, sowie der anscheinend in der Luft schwebende Trauring sind sehr deutlich zu sehen. Das Fleisch der Hand dagegen ist nur schwach sichtbar.
* Gießen, 24. Januar. Der Ausflug in den Weltenraum, den wir gestern Abend auf eine Einladung des Kaufmännischen und des Gewerbevereins hin unter Führung des wegekundigen Herrn Jens Lützen unter— nahmen, gehört zu den angenehmsten Ausflügen, die wir jemals gemacht haben. In populär— wissenschaftlichem Vortrag führte uns Herr Lützen viele Millionen Meilen durch das unendliche Weltall. Und was gab es da zu schauen! Diese prächtige Sternenwelt, veranschaulicht durch wirk— lich vollkommen zu nennende Lichtbilder. Und wie verstand es Herr Lützen, uns in all die Geheimnisse einzuweihen! Sein humorgewürzter Vortrag wird gewiß allen Hörern unvergessen
bleiben. Auf Einzelheiten einzugehen müssen wir
uns leider versagen. Die beiden veranstaltenden Vereine jedoch beglückwünschen wir zu dem Erfolg des gestrigen Abends. Herrn Orbig, der dem Vortragenden den Dank der beiden Vereine für den ausgezeichneten Vortrag aussprach, stimmten wohl Alle, die gestern Abend den Stein'schen Saal bis auf das letzte Plätzchen füllten, zu, als er sagte: Auf Wiedersehen, Herr Lützen, im nächsten Jahre! Gießen, 24. Jau. Die Pestalozzi⸗ feier des hiesigen Arbeiterbildungsvereins findet nicht Sonntag, wie wir gestern irrthümlich be—
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richteten, sondern Samstag(25. Januar), Abends 9 Uhr im Restaurant Böhm statt.
Lollar, 23. Jan. Am 21. d. Mts. hatte der hiesige Turn-Vesrein Generalversamm— lung. Tagesordnung: Rechnungsablage, Vor— standswahl u. s. w. Die Versammlung eröffnete der 1. Vorsitzende Schreinermeister Rohrbach und übergab dem Rechner das Wort zur Rech— nungsablage. Es ergab sich eine Einnahme, einschließlich einiger Rückstände von 326,00 Mk.; hiervon die Ausgabe von 173,25 Mk.; mithin verblieb ein Kassenbestand von 153,45 Mk., wovon hundert Mark dem Reservefond des Turnhallen baus zugeschrieben wurden, welcher jetzt die Höhe von 1045,27 Mk. erreicht hat. Beschlossen wurde noch, das Winterfest am 16. Februar abzuhalten und ein eisernes, transportables Reck vom hie sigen Schlossermeister Kutscher zum Preise von 92 Mk. anfertigen zu lassen.
Friedberg, 23. Jan. Bei der am 2. Dezember v. J. stattgehabten Volkszählung ergab sich in den 72 Gemeinden unseres Kreises eine Einwohnerzahl von 65048 Seelen. Von diesen entfallen auf die Städte Friedberg 6051, Vilbel 4085, Bad Nauheim 3480 und Butzbach 3138. 13 Orte haben eine Einwohnerzahl von 1000 bis 2000, während 37 Orte eine Seelen— zahl von mehr als 500 und 18 Orte eine solche von weniger als 500 zu verzeichnen haben.
Vilbel, 23. Jan. Die Gemeinde Vilbel erleidet durch die Unterschlagungen ihres Einnehmers Hermann Rausch keinen Verlust, indem mehrere Bürger, die Bürgschaft für den Beamten geleistet haben, zur Deckung der Fehl— summen herangezogen werden können. Der vorige Bürgermeister von Vilbel, Herr Hinkel, ist mit 5000 Mk. beteiligt; in die Bürgschaft von weiteren 5000 Mk. teilen sich mehrere andere Personen.
*Darmstadt, 23. Jau. Für die hiesigen Proviantamts-Neubauten ist die Aus⸗ führung der Hofentwässerungsanlagen, veran— schlagt zu 7000 Mk., ungetrennt vom hiesigen Garnisons-Bauinspektor zu vergeben. Eröff— nungstermin der Angebote und Materialproben ist Mittwoch, 5. Februar, vormittags 11 Uhr. Die Zuschlagsfrist beträgt 4 Wochen.
h. Darmstadt, 23. Jan. Folgende Berichte des ersten Ausschusses der Zweiten Kammer liegen u. a. z. Zt. vor. 1. Ueber die Vorlage den Gesetzentwurf, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend.— Die Mehr— heit des Ausschusses beantragt: 1. Annahme des Gesetzentwurfs, die Gehalte der Volksschul— lehrer betreffend, und 2. der Großherzoglichen Regierung gegenüber die Ermächtigung auszu— sprechen, bei Pensionierungen innerhalb des Jahres 1896/97 die Ruhegehalte nach den Grund— lagen des neuen Gesetzes eintreten zu lassen. Die Minderheit beantragt: die Gehalts— aufbesserung mit dem 1. April 1896 in Wirksam— keit treten zu lassen und die erforderlichen Mittel für das Rechnungsjahr 1896797, soweit sie nicht aus den infolge des Inkrafttretens des neuen Einkommensteuergesetzes zu erwartenden Mehrein— nahmen aus dieser Quelle sich ergeben, den Ueber— schüssen der früheren Finanzperioden zu entnehmen. Der Gesamtausschuß beantragt ferner, die
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in gleicher Angelegenheit hierher gerichteten schon er— wähnten Eingaben für erledigt zu erklären. 2. Ueber das Gesuch des Vorstandes des Vereins Mainzer Kaufleute, das Offenhalten der Schau— fenster der Ladeugeschäfte an Sonn- und Festtagen betreffend, und die Eingabe der Großherzoglichen Handelskammer Gießen in gleichem Betreff. Der Antrag des Ausschusses will dem in Rede stehenden Gesuche und der betr. Eingabe keine Folge geben.
Mainz, 23. Januar. Eine Abteilung Rekruten des Nassauischen Inf.-Reg. Nr. 88 hielt eine Uebung, bei der Platzpatronen zur Ver— wendung kamen. Ein Unteroffizier, der sich vor der Front befand, wurde durch einen Streif— schuß an der linken Kopfseite verwundet und mußte in das Lazarett aufgenommen werden. Nach der angestellten Untersuchung war aus dem Gewehr eines Rekruten mit einer scharfen Patrone geschossen worden und man kann sich vorerst nicht denken, wie diese unter die Exerzier— patronen geraten war.
Mainz, 23. Jan. Seit einiger Zeit treiben einige Flußpiraten auf der Rheinstrecke von der Amöneburg nach Biebrich ihr Unwesen. Nach— dem kürzlich schon Nachts ein Schiff bestohlen wurde, stahlen sie gestern Nacht eine in Biebrich vor Anker liegende Schaluppe; mit ihr fuhren sie an 4 Schiffe, durchsuchten sie und raubten Alles, was ihnen erreichbar war. In der Nacht noch fuhren sie mit der Schaluppe und den ge— stohlenen Sachen rheinabwärts. Mit Hilfe des Telegraphen gelang es, den Rädelsführer nebst der Schaluppe in Rüdesheim festzunehmen.
Vermischtes.
— Vetzberg, 24. Januar. Der hiesige Ge— meinderat beschloß gestern in seiner Sitzung, endlich ein neues Schulhaus zu erbauen, um den Kindern den täglichen Weg nach Rod— heim zu ersparen. Der Beschluß ist im Interesse der Gemeinde zu begrüßen.
— Mannheim, 22. Jan. Eine Falsch⸗ münzerbande, bestehend aus dem 23 Jahre alten Fabrikarbeiter Franz Kattermann aus Sins— heim, wohnhaft in Neckarau, dessen 28 Jahre alter Ehefrau Eva geb. Nickel aus Schönau, dem 18 Jahre alten Taglöhner Jakob Martin Ueltzhöfer aus Schwetzingen, dem 18 Jahre alten Peter Kolb aus Neckarau, und dem 29 Jahre
alten Fabrikarbeiter Valentin Ludwig aus Neckarau, stand heute vor den Schranken des
Schwurgerichts. Am 3. November v. J. wurde Kattermann, der vier Tage vorher wegen Ent— führung und Verführung der Schwester des Mit— angeklagten Kolb zu 3 Monaten Gefängnis ver— urteilt worden war, wegen Fluchtverdachts in der Fabrik, in der er damals arbeitete, festge— nommen. Seine Durchsuchung, der er ver— zweifelten Widerstand entgegensetzte, hatte ein Ergebnis, das zum heutigen Prozeß Anlaß gab. Man fand nämlich in einem besonderen Fach seines Portemonnaies fünf falsche Zwei— markstücke. Nach anfänglichem Leugnen gab Kattermann zu, in Gemeinschaft mit Kolb das Geld in Gypsformen aus Zinn hergestellt zu haben. Das Geheimnis des Gießens hatten die
D Expedition: —4 Kreuzplatz Nr. 4.
Beiden von dem genau vor einem Jahr wegen Münzverbrechens ebenfalls vom Schwurgericht verurteilten Ueltzhöfser um 5 Mark erkauft. Ludwig soll einige Materialien zur Falschmünzerei geliefert haben. Das falsche Geld wurde von den Eheleuten Kattermann und von Kolb meistens bei Ausflügen, Waldfesten und dergl. an Wirte und Händler verausgabt. Das bei der Geld- macherei verwendete Zinn war aus der Necka⸗ rauer Gummifabrik gestohlen. Das Urteil lautete gegen Franz Kattermann auf eine Zuchthaus⸗ strafe von 2 Jahren 3 Monaten, 3 Jahre Ehr⸗ verlust und Polizeiaufsicht, gegen Kolb auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 3 Jahre Ehr⸗ verlust und Polizeiaufsicht und gegen die Ehefrau Kattermann auf 4 Monate Gefängniß abzüglich der Untersuchungshaft.
— Akademische Prügelei. In Würzburg entstand am 18. Januar abends nach dem studentischen Kommers zur Feier des fünfund⸗ zwanzigjährigen Bestehens des Reiches, als die offiziellen Personen die Festräume verlassen hatten, eine furchtbare Holzerei zwischen den schlagenden und nichtschlagenden(katholischen) Studentenverbindungen. Der Skandal war nach der„Pf. Pr.“ großartig und dauerte stunden— lang. Wiederholt wurden die kath. Studenten⸗ vereine„Markomania“ und„Normannia“ zum Saale hinausgedrängt, worauf die Prügelei im Garten sich fortsetzte und dann wieder in den Saal hineinzog. Blutige Köpfe gab es auf beiden Seiten die Menge. Aber auch das Messer spielte eine Rolle in dem Geraufe. Denn mit einer erheblichen Stichwunde im Beine verließ ein Korpsstudent(Mainländer) den Kampfplatz.
— Als ein falsches Sparsamkeitsprin⸗ zip muß die Gepflogenheit mancher Mütter be⸗ zeichnet werden, bei Eisenbahnfahrten ihren Kin— dern ein geringeres Alter zuzuschreiben, um dadurch eine billigere oder freie Fahrt für dieselben zu erzielen. In seltenen Fällen entgeht es den vielbeschäftigten Eisenbahnbeamten, daß man sie belügt, zumeist ist die sparsamme Mutter genöthigt, das Billet für das Kind noch nach— zulösen, außerdem noch einen nicht niedrigen Strafzuschlag zu bezahlen und schließlich muß sie noch wegen versuchten Betruges auf die An— klagebank. So erging es der Frau eines Beam⸗ ten, die mehr todt als lebendig vor Angst und Aufregung die Anklagebank der 135. Abtheilung des Schöffengerichts Berlin betrat. Sie hatte eines Tages mit ihrem kranken Mann und 5jährigen Kinde eine größere Reise mit der Hamburger Bahn gemacht. Für das Kind hatte sie kein Billet gelöst. Der kontrolirende Beamte erkundigte sich nach dem Alter des Kindes, das ihm als nicht ganz 4 Jahre bezeichnet wurde. Das höhere Alter stellte sich heraus, die Ange klagte mußte Mk. 6 Strafe bezahlen und das Billet nachlösen und die Anklage legte ihr nun versuchten Betrug zur Last. Der Staatsanwalt hielt ein solches Vergehen für vorliegend und beantragte Mk. 20 Strafe; der Gerichtshof glaubte der Angeklagten aber, daß nicht sie, sondern eine andere Frau, die mit in dem Wagenabtheil fuhr und sich ihres kleinen Kindes angenommen hatte, weil sie sich mit ihrem kranken Mann beschäftigen mußte, das Alter des Kindes
— Im Dienst. Keine Militär-Humoreske von Gottfr. König. (Fortsetzung.)
Nach einer Weile wendete er sich plötzlich dem Mädchen zu.„Marie, was haben Sie von mir zu fordern“, sagte er eigentümlich ruhig. Die Au— geredete sah ihn verständnislos an, sodaß er fast ungeduldig fortfuhr, ohne ihr ins Gesicht zu sehen: „Sie wollen doch wohl Ihren Lohn ausgezahlt haben, wenn Sie jetzt gehen, nicht wahr?“ Der sprachlose Schreck, der sich im Gesichte des Mäd— chens malte, peinigte ihn sichtlich, und mit einem tiefen Seufzer sagte er endlich:„Ich sehe, ich muß offen mit Ihnen reden, Marie.— Ich kann Sie nicht mehr bezahlen, deshalb müssen Sie gehen!— Es geht nicht, Sie müssen selbst am besten wissen, daß es nicht geht!— Ich bin arm, ganz arm! Wissen Sie das?— Ich danke Ihnen für das, was Sie an Else gethan, aber nun müssen Sie gehen, verstehen Sie?— Ich muß nun sehen wie weiter.“ Er sprach beharrlich in die Zimmerecke und sah dabei in die Sonne, die jetzt den ganzen Raum mit blendendem Lichte füllte.
Nun kam Leben in die reglose Gestalt ihm gegenüber. Ohne zu wissen, was sie that, ging Marie auf ihn zu, legte die Hände fest auf seine Schultern, und zwang ihn so, ihr voll ins Gesicht zu sehen, das von plotzlich hervorstürzenden Thränen naß war. Eine fremde Gewalt zwang sie zum
Reden. Unaufhaltsam stürzten ihr die Worte von den bebenden Lippen, und sie wunderte sich über die Klarheit, mit der sie ihm vorstellte, daß es nicht gehen könne ohne sie, daß es ihre Pflicht sei, die böseu Tage zu nehmen wie die guten, und daß es Sünde wäre, das hilflose Geschöpfchen, das der Mutter das Leben gekostet, treulos zu verlassen, um des Geldes Willen.
„Und wenn Sie es mir befehlen, daß ich gehen soll, wenn sie mir die Thüre weisen, ich bleibe, denn ich will bleiben und ich muß! Und Sie wollen es auch und sind blos zu stolz und schämen sich vor mir! Aber ich habe die Else auch lieb ge— habt wie Sie und deshalb bleibe ich!“
Mit hochwogender Brust stand sie vor ihm, in den nassen Augen eine seltsame Mischung zornigen Trotzes und heißer, flehender Bitte. Staunend blickte der Maler auf die eigentümlich fesselnde Gestalt des maßlos erregten Mädchens, das er nie zuvor so gesehen.— Aber nur einen Augenblick behielt der Künstler in ihm die Oberhand, dann sank er in seine Gleichgiltigkeit zurück und sagte, während ein verzweiflungsvolles Lächeln über seine bleichen Züge irrte:„Nun, so mögen Sie mit mir verhungern!“—
Dazu kam's zwar nicht, denn Frau Elsens Haushaltungsschule war eine gute gewesen und Marie hatte gelernt. Aber es schien, als seien die Räume noch einmal so enge geworden. als sei die Soune untergegangen und alles Leben erloschen in
dem flillen Hause. Marie grämte sich. Wenn sie
nach gethaner Arbeit müde au des Kindes Bettchen schlich, das zusehends unter ihrer Pflege gedieh, geschah es, daß ihr eine heiße Unruhe im Herzen aufquoll, eine Sehnsucht, die sie nicht verstand, und
die ihr Thränen des Unmuts und Zornes in die
Augen trieb. War's das herbe Gefühl, daß all ihr Schaffen und Thun, der ganze mühselige Kampf um das Heute und Morgen, den sie stillschweigend auf sich genommen, nur um so schneidender den Kontrast hervorhob zwischen ihr und dem heiteren, lachenden Sountagskinde, das zu ersetzen sie sich vermaß? Sie wußte es nicht. Sie fühlte nur, daß ihre Haud schwer und ihr Sinn trübe war, und das quälte sie.
Der Maler war unempfänglicher, tiefsinniger als je. Tagelang schloß er sich ins Atelier ein. Aber wie er sich mühte, seine Phautasie war ge— lähmt, sein Auge stumpf. Nur das notbdürftigste vermochte er bei angestrengter Thätigkeit zu er werben. Ihm war, als sei ihm plötzlich der Boden unter den Füßen, die Luft zum Atmen gestohlen worden. Alle Lebensbedingungen schienen abge— schnitten, und doch sollte und mußte er leben!
Ganz allmählich wurde er Herr in dem dunkeln Kampfe seines Innern. Daun aber riß ihn die wachsende Erkenntnis wie auf Sturmesflügeln mit sich fort. Klar und scharf umrissen sah er das neue Ziel vor sich liegen. Er mußte es erreichen oder untergehen!—
Wie damals war's wieder, als sie ihn aus der Schule stießen, weil er statt des Aufsatzes über Odysseus Rettung aus Meereswogen das Bild der schaumumflossenen Leukothea in das Schulheft ge—
zeichnet. Damals hatte er über Bord geworfen, was hinter ihm lag, und war ein neuer Mensch geworden. Nun mußte er's wieder. Und er
wollte es.
Ein Traum, ein Zaubermärchen war sein Leben gewesen bisher und Else die Fee, an deren Hand er blind und glücklich in sorgloser Fröhlichkeit dahin gewandert. Jetzt aber war der Traum zerronnen in nacktes Nichts. Scham und Herzweh blieb übrig.
Mit der kahlen, nüchternen Wirklichkeit galt es zu rechnen, zu ringen mit der harten Not, klaren Blickes, mit fester Hand. Gottlob, er spürte die Kraft dazu! Als sei auf eiumal der Schleier vor seinen Augen zerrissen, so wogte chaotischer Ge— stalten Reichtum in seinem Junern, und plötzlich ward es klar vor seiner Seele. War's ein innerer Zwang, der ihn trieb, schmiedete ihn eine unsicht— bare Macht an den einen Gedanken, daß er ihn nicht los werden konnte, nicht abschütteln, ehe er auf die Leinwand gebannt war? Ihm war's gleich. — Mit Feuereifer ging er an die Arbeit.„Brünn— hilde, von Wotan verflucht, schlafend auf dem Flammenberge“, hieß das Bild.
(Schluß folgt.)


