Ausgabe 
24.5.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 24. Mai

1896.

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Ausgabe

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Lokales und Provinzielles. Gießen, 23. Mai. Stadtverordnetenver sammlung(Fortsetzung.) Der Vorstand und Aufsichtsrat der Gießener Omnibus⸗Gesellschast stellen den Antrag, zu den Betriebskosten der Gesellschaft für das Jahr 1896 und dann für die folgenden Jahre pro anno 3000, seltens der Stadt à fond perdu zuzuschießen, da man nur unter dieser Bedingung die Verantwortung eines weiteren ungeschmälerten Betriebes zum Einheitstarif von 10 für die ganze Tour übernehmen könne. Der Oberbürger⸗ meister giebt über die Entwickelung des ganzen Unter⸗ nehmens ein anschauliches Bild und glaubt konstatieren zu können, daß sich die Frequenz immer mehr gehoben habe. Im letzten Jahr habe die Genossenschaft 5000, fi hiugesetzt, wenn man den Betrag des Schadens durch den 90 e buthersssun Ausbruch der Rotzkrankheit in Abzug bringe und die er⸗ e folgten Abschreibungen außer Ansatz lasse. Würde die r. Gesellschaft in den kommenden Jahren nicht besser prospe rein. rieren, so würde ohne den verlangten städtischen Zuschuß kirche. das eingezahlte Kapital in einem Zeitraum von 11/ ey, Beichte und Jahren aufgebraucht sein und die Gesellschaft müßte dann hn nesgemen,, liguldieren. Unter gleichen Verhältnissen mit dem Zuschuß ben Pater a, der Stadt würde das Omnibusgeschäft weitere 5 Jahre 1 gefristet sein. Es empfehle sich die Annahme des Vor⸗ fun ad de Mag schlages die 3000 widerruflich pro Jahr zu bewilligen. gl. Nu Bum Stadt. Grünewald ist der Meinung, daß er als Ge⸗ . Rnaosse der Genossenschaft nach Art. 43 der Städteordnung nicht berechtigt sei, über die vorliegende Frage mit abzu⸗ stimmen, er glaube auch, daß diejenegen Kollegen, welche sich in gleicher Lage befinden, sich der Abstimmung bei 7 4 77 enthalten müßten. Der Oberbürgermeister teilt l, daß die juristische Kommission eine gegenteilige Mei⸗ nung in dieser Frage vertrete wie Kollege Grünewald. Er habe sich dieserhalb bei den Bürgermeistereien der Schwester⸗ sildte erkundigt. Teilweise sei dieser Fall dort noch nicht v0 gekommen und teilweise habe man, z. B. in Offenbach, dle hier aufgeworfene Frage dahin entschieden, daß die Akteiligung von Stadtverordneten an Unternehmungen, die dem allgemeinen Interesse dienen, deren Stimmrecht in der Versammlung nicht ausschließe. Er, der Vorsitzende der Versammlung, halte sich hiernach nicht für verpflichtet, die hier aufgeworfene Frage weiter zu verfolgen. Stadtv. Gutfleisch erklärte, daß er sich für berechtigt halte, obwohl er auch einen Anteilschein an dem Omnibusunter⸗ den Faßrbösen nehmen besitze, über die vorliegende Frage abzustimmen. e 1 9 Stadtv. Heichelheim ist derselben Ansicht wie der Vor⸗ 1 den 25 d. A. gehner. Stadtv. Haubach stellt den Antrag, die Ver⸗

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Vormittags 7 uslehre für die Au meinde flatt. Ptudtlirche un N er deulsch eonugelhh Eine Kollelk. m nicht geringen.

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Synagoge, Mai. 5 8.30 Uhr, e g 9.00 Uhr.

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sammlung entscheidet für die Zulässigkeit der Ab⸗ immung seitens Genossenschaftler, die gleichzeitig Stadt⸗ 3 sind. Gegen den Antrag stimmten nur die stwerordneten Grünewald, Flett und Orbig. An von 3000, an die Omnibus ⸗Gesellschaft d darauf genehmigt. Es folgt die Beratung der 5 lassung einer zweiten Schlachtviehversicherung egeselle Gießen eventuell ein Antrag, die Einführung eines 55 4 cherungszwanges für alles hier geschlachtete Vieh, und demelster Benn, in Verbindung damit seitens der Stadt eine allgemeine heim a. d M, Viehversichenungskasse zu schaffen. Der Antrag ist gestellt

cburg, Veranto. 5. Ottmann, bebe

bon einer Gruppe von Metzgern unter Führung des Ober⸗ meisters der Metzger⸗Innung Pirr. Der Oberbürger⸗ meister teilt hierzu das Folgende mit: Früher habe schon einmal begründet durch die Innung, eine solche Kasse be⸗

Schlachthofstierarzt Liebe als technischer Beirat der Kasse und der Verwalter Möhl als Kassirer. Der finanzielle Abschluß im ersten Betriebsjahr der Genossenschaft se ein finanziell günstiger gewesen. Die Schlachtviehversicherungs⸗ Gesellschaft hat den Rahmen ihres Betriebes in diesem Jahre bedeutend erweitert. Sie ist davon abgegangen, nur Vieh ihrer Genossen zu versichern, sie hat auch den anderen Metzgern gestattet, ihr Schlachtvieh zu versichern, und stellt es den Landwirten anheim, bei ihr das in dem Schlachthofe eingehende Vieh zu versichern. Dabei ergiebt sich nun, daß die Versicherung der Ochsen für das Unter nehmen sich sehr ungünstig gestaltet. Am 20. März d. J. haben sich nun die Gesuchsteller, deren Antrag heute zur Beratung steht, mit einem dringlichen Gesuch an die Bür⸗ germeisterei gewandt dahingehend, zu gestatten, eine weitere Versicherungskasse zu gründen, welche von denselben Be⸗ amten geleitet werden soll, die der andern Gesellschaft ihre Dienste widmen. Der Oberbürgermeister verliest das Gesuch, welches die Unterschrift von 24 Metzgern trägt. In demselben wird das Gebahren der 8 Kollegen, die die Gießener Schlachtviehversicherungsgesellschaft bilden, scharf kritisiert. Das Gesuch um Mitwirkung bei der Gründung einer zweiten Kasse hat den beiden in Frage kommenden Beamten des Schlachthofes zur Aeußerung vorgelegen. Der Tierarzt Liebe, sowohl wie der Verwalter Möhl haben es abgelehnt, nach Prüfung aller in Frage kommender Momente der geplanten zweiten Versicherungskasse ihre außerordentliche Mitwirkung zur Verfügung zu stellen. Ferner verliest der Oberbürgermeister eine Erklärung des Vorstandes der Gießener Schlachtviehversicherungs-Gesell⸗ schaft, worin dieselbe mit Entschiedenheit alle Anschul⸗ dtgungen der Gegenseite gegen ihr Geschäftsgebahren so⸗ wohl als auch wegen ihres vermeintlichen, unkollegialen persönlichen Verhaltens zurückweist. Die ganze Oposition gegen die Kasse, so behauptet der Vorstand in seiner Eingabe an die Stadtverwaltung, sei auf eine einzige Person zurückzuführen. Der Oberbürgermeister theilt mit, daß die juristische Com⸗ mission sich eingehend mit der vorliegenden Frage beschäf⸗ tigt habe und zu der Ansicht gekommen sei, daß die Stadt uur im alleräußersten Nothfalle sich dazu entschließen soll, die Versicherung von Schlachtvieh selbst in die Hand zu nehmen. Gerade der kleine Kreis von Mitgliedern, die der Gießener Schlachtvieh-Versicherungs-Gesellschaft angehören, mache den ganzen Apparat beweglich und gebe die Gewähr, daß die Sache lebensfähig bleibe. Würde die Stadt die Versicherungspflicht einführen und die Versicherung selbst übernehmen, so würde unser Markt der Stapelplatz für das allergefährlichste Vieh werden. Auch die 24 Petenten können das Vieh, welches sie schlachten, bei der Gesellschaft versichern. Diesem Bedürfnis ist also gedient, aber dem Bedürfniß der Petenten, in Angelegenheit der Kasse mit⸗ zureden, ist nicht gedient. Die Kommission ist der Mei⸗ nung, daß man den Petenten die Gründung einer eigenen Versicherungskasse nicht verbieten kann, daß man aber die Beamten zu einer Mitwirkung bei diesem Beginnen wäh⸗ rend ihrer freien Zeit dienstlich nicht zwingen könne und diese Mitwirkung lehnen unsere Beamten ab. Stadtv. Löber ist der Meinung, die 8 Rindsmetzger haben bei Begründung der Kasse und in der Art, wie sie die andern Metzger ausschließen, nicht collegialisch gehandelt und da es der Herr Oberbürgermeister abgelehnt hat, eine Ver⸗ söhnung der Parteien herbeizuführen, so solle man eine Kommission ernennen, die diese Leute zusammenführt. Sollte dieser Versuch scheitern, so solle doch die Stadt die Versicherung übernehmen. Der Herr Oberbürgermeister hält es nicht für seine Aufgabe, zu untersuchen, ob die Innungsmeister untereinander kollegialisch verkehren. Stadtv. Sch mall ist der Meinung, man solle die Gründung der Kasse gestatten und den beiden Beamten eventuell bedeuten, daß es nicht von ihrem Willen allein abhängt, ob sie beiden Gesellschaften ihre Dienste widmen wollen oder nicht, denn die beiden Beamten benutzten nicht nur ihre freie Zeit dazu so sei ihm von glaubwürdiger Seite versichert, die Geschäfte der Gesellschaft zu besorgen.

Stadtv. Haubach ist auch der Meinung, daß es nicht collegialisch gehandelt sei, wenn man die Petenten als Mitglieder der Kasse ausschließe, das ginge der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung aber nichts an, wenn unsere städ⸗ tischen Beamten nicht dabei betheiligt wären. Diese sollten daher entweder beiden Parteien ihre Dienste leisten, oder auf beide Parteien verzichten. Es wäre jedenfalls besser, wenn die Schlachthofsbeamten sich überhaupt neutral in diesem Streit verhielten. Stadtv. Grünewald be⸗ merkt. daß man den beiden Beamten gestattet habe, neben ihrem Dienst und soweit es dieser gestatte, der Versiche⸗ rungsgesellschaft zu dienen. Wohl würde uns dieser Streit der Metzger etwas angehen, wenn unsere Beamten bei der Dienstleistung für die Kasse ihr Amt vernachlässigten. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er das ersie Mal heute durch den Kollegen Schmall derartige Vorwürfe gegen die Beamten aufstelleu höre. Er sei aber der Meinung, daß wenn der Dienst der Beamten thatsächlich durch deren Mitwirkung bei der Versicherungskasse leiden würde, schon Beschwerden bei ihm eingegangen wären. Stadtv. Proffessor Gaffkky meint, die Mitwirkung beider städt. Beamten bei beiden Gesellschaften sollte denselben zur Dienstpflicht gemacht werden. Es sei dies der richtige Standpunkt, den man im vorliegenden Falle einnehmen könne. Stadtv. Schmall schließt sich dem an. Beigeord. Georgi stellt noch ein Mal den Antrag, die ganze Sache zu vertagen. Dieser Ansicht neigt auch Stadtv. Scheel zu. Stadtv. Heyligenstädt hält die Sache für spruchreif. Die Versammlung habe sich mit dieser Angelegenheit Stuude beschäftigt, die Ansichten darüber seien geklärt. Die Debatte ist hiermit erschöpft. Die Stadtv. Schmall und Löber stellen den Antrag, den beiden bei der Gießener Schlachtviehversicherungs-Gesellschaft thätigen Beamten auf⸗ zugeben, ihre Dienste der neu zu gründenden Viehver⸗ sicherung ebenso zu widmen wie der bestehenden oder ihre Dienste bei der letzteren niederzulegeu. Der Aatrag wird abgelehnt. Beigeordneter Georgi zieht seinen Vertagungsantrag zurück. Die Vorschläge der Kom⸗ mission werden darauf von der Mehrheit angenommen. Es werden folgende Wirthschaftskonzessionen genehmigt: Albert Kuhnt für die schöne Aussicht, Karl Loth auf der Liebigshöhe für den neu erbauten Saal daselbst, W. Kaiser von Bad⸗Ems für Lony's Bierkeller und Heinrich Günter für das Haus, Liebig⸗ straße 64. Dem Letzteren wird auch die Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein erteilt.

Gießen, 23. Mai.(Stadtverordneten⸗ Versammlung.) Gestern Nachmittab um ¼4 Uhr eröffnete der Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung zur Fortsetzung der Tagesordnung. Die Handels- und Ge⸗ werbekammer zu Sonneberg hat sich an die Bürgermeisterei gewandt zwecks Unterschrift zur Erreichung der Herab⸗ setzung der Fernsprechgebühren für kleinere Städte auf 50 /., In dem Anschreiben wird gewünscht, man solle hier eine Enquete veranstalten und durch Umfrage fest⸗ stellen, wie viel Teilnehmer sich gegen eine Gebühr von 50 zum Telephon finden würden. Die Versammlung beschloß jedoch eine Anschlußerklärung au eine vom deutschen Handelstag schon im vergangenen Jahre gefaßte Resolu⸗ tion, welche diese Herabsetzung der Gebühren für den Fernsprecher wünscht. Eine von der hiesigen Handels⸗ kammer früher erfolgte Umfrage wegen eventueller An⸗ schlüsse bei 100/ Jahresgebühr hatte das Resultat, daß diese Ermäßigung für Gießen eine Vermehrung von etwa 50% der Anschlüsse bedeute. Die Prüfung der Rech⸗ nung der Gemeindekrankenversicherung pro 1895, welche für die unständigen Arbeiter, die keiner Kasse angehören, begründet ist, ergab, daß zu derselben städtischerseits ein Zuschuß von 35, 7& geleistet werden mußte, um die Ausgaben zu decken. Der ganze Etat der Kasse, die zwischen 57 Mitglieder schwankt, beläuft sich auf 83 4 in Ein⸗ und Ausgabe. Der Zuschuß wird gutgeheißen. Dem Bleicher Schmall wird gestattet, von der Wieseck⸗ brücke her im Zuge der Moltkestraße unter gewissen Be⸗

ab bringen standen, doch mußte dieselbe schon nach kurzer Zeit des en uuseren Bestehens das Geschäft einstellen, wobei die Beteiligten er⸗ ieren auch hebliche Beträge einbüßten. Redner entwickelt nun, wie sich Ende 1894 aus einem dringenden Bedürfnis heraus die 8 Rindsmetzger zu einer Genossenschaft zusammen⸗ tet gethan haben zum Zwecke der Versicherung von Schlacht- 7 vieh. Die Stadtverordneten haben gestattet, daß zwei der städtischen Beamten des Schlachthofes, während ihrer zum Ver⸗ freien Zeit diesem Unternehmen ihre Kräfte widmen. Der pfehlen dies in a, Geisterspuk. . Humoreske von B. W. Zell. Nang Alkohol, da⸗(Schluß.) f en MalzPassiert kann nichts sind und nach die Jas⸗ Gehalt, anstalt brauch' nich gependelt werden, denn im Ernährung Hausflur brennt der Jas, meint der Meister. J undWird blos Wasser fehlen thun wollens mal c gleich aufjießen. Und er begiebt sich, gefolgt von nal⸗Porter der Köchin, die einen großen Topf Wasser trägt in Flasche den Korridor zum Gasometer. ö des Ouan⸗So, nu stecken Sie mal den Jas an 1 baus Wasser is nu allebend jenug drauf', tönt dann seine

Stimme in den Speisesaal hinein. Kühlke hat so⸗ fort den Gasanzünder in der Hand und hält ihn ö an den Kronleuchter es brennt nicht! 25 8Na, denn weeß ich nich, meint der Meister. denn muß damit was passiert sind und Sie müssen in die Jasanstalt wenn sie nicht jeschlossen ist, ehe Sie hinkommen. Oder auch, Sie behelfen sich mit Lampen. Frau Major Klencke ist einer Ohnmacht nahe, ihr Gatte sitzt da wie ein gereizter Löwe in Fesseln und unter den Gästen macht sich Unruhe und Un⸗ geduld bemerkbar. Frau von Götze spricht abermals vom Nachhausefahren noch vor beendetem Mahl und der Koch draußen ist in Verzweiflung, weil ihm über all dem Zögern die schönsten Gerichte kalt werden.

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Külke ist inzwischen auf den Gedanken gekommen, selbst noch einmal am Gasometer nachzusehen, ehe er zur Gasanstalt fährt. Beim ersten Blick darauf entfährt ein sehr unvorschriftsmäßiges Donnerwetter! seinen Lippen.Was giebts denn Külke?

Zu Befehl, Herr Major aber das ist doch zu doll der Gashahn ist ja zu Ein schneller Griff mit der Hand, dann eilt der Bursche den Gasanzünder zu entfachen das Flämmchen schwebt über der bereits vom ausströmenden Gas surrenden Krone und im nächsten Moment strahlende Helle rings umher.

Ein Ah! des Aufatmens von Aller Lippen. Das blendende Licht beleuchtet all die verängstigten verlegenen, schadenfrohen Gesichter, die sich alsbald wieder in die konventionell liebenswürdige Miene verwandeln. Fräulein Baring plaudert sehr laut und unbefangen mit ihrer Nachbarin, der jungen Frau Hauptmann das Ohnmächtigwerden hat sich nun eben nicht verlohnt! Schmoecken empfängt einen hoheitsvoll verächtlichen Blick von der gräf⸗ lichen Mama, ist aber trotzdem seelenvergnügt der Gefahr entronnen, das dreißigjährigeKind in deu Armen halten zu müssen.

Auch Frau Major Klencke fühlt sich allmählich wieder als Mensch und ihr Gemahl läßt, die Scharte auszuwetzen, die edelsten Marken aus dem Keller kommen, unter deren Einfluß sich die Stim

mung bald wieder hebt. Man belacht jetzt das

drollige Intermezzo und da der Major dem Herrn Oberst fleißig einschenkt und sich in zarten Auf⸗ merksamkeiten für dessen bessere Hälfte geradezu er⸗ schöpft, sind auch diese Gewaltigen allmählich ver söhnt. Jedenfalls sagt die Frau Kommandeuse, nachdem endlich die Tafel aufgehoben, die Herren sich auf ein halb Stündchen ins Rauchzimmer zurückgezogen haben und die Damenunter sich⸗ sind, recht laut und recht gnädig zu ihrer Nachbarin: Sind doch wirklich sehr nette Leute, Major Klenckes Und damit sind die neuen An⸗ kömmlinge bestens im Regiment eingeführt.

Als Lieutenant Marzahn nach beendeter Gesell⸗ schaft seine Wohnung betritt, erwartet ihn wie ge wöhnlich dienstbereit sein Bursche.

So, mein edler Stefanski wir haben noch ein Hühnchen miteinander zu pflücken, grollt er mit gerunzelter Stirn.Sie waren betrunken und haben getaumelt sonst hätten Sie unmöglich die ganze Kredenz umrennen können.

Lischinski legt beteuernd die Hand aufs Herz.

Zu Befehl, Herr Lieutenant nichts nich trinken heutige Abend nur Schreck in Glieder in Glieder gefahren hab' ich Gespenst gesehn im langen Gang von Herrn Major sein Wohnung

Sind Sie verrückt, Kerl?.

Ich schwöre Herrn Lieutenant bei allen Hei⸗

leigen weiße Gestalt mit lange blonde Haar

..

dingungen einen Zugang zu seiner Bleiche herzustellen. Ein Gesuch des Emil Schmall um Anlegung eines er⸗ höhten Trottoirs vor seinem Hause in der Lindengnsse auf dessen eigene Kosten wird, da die Arbeit mit Ge⸗ nehmigung des Stadtbauamts bereits ausgeführt, nach⸗ träglich von der Versammlung gutgeheißen. Bei An⸗ legung der erhöhten Trottoirs in der Marktstraße, deren Ausführung bereits vorgesehen, will man die in dieser Straße sehr ungleich vorhandene Fahrbahn regulieren, und zwar den Teil vom Markt bis zur Rittergasse in einer Breite auf 4,30 Meter und das Stück bis zur Bahn⸗ hofstraße auf 5 Meter. Auch diese Regulierung findet Annahme. Die Versammlung geuehmigt nachträglich die Vergebung einer Lieferung von 43,20 Meter Bordsteine für die Löber⸗ straße, da der dafür sonst übliche Preis berechnet ist. Der Rektor der Universität hat sich an die Bürgermeisterel gewendet, mit der Bitte, man möge doch den Uebergang der Göthestraße über die Ludwigstraße mit Holzpflaster versehen, um so die Störungen in den Hörsälen, welche durch das hier passierende Fuhrwerk herbeigeführt werden, zu mindern. Man war städtischerseits bereit, diese Pfla⸗ sterung auszuführen, wenn der Staat die Hälfte der Kosten, also 2300/ zuschießen würde. Die Universitätsbehörde, der man diesen Vorschlag machte, war der Meinung, daß dieser Zuschuß vom Staate für den gedachten Zweck wohl nicht erhältlich sei uud so soll deun diese Arbeit in Chaussierung ausgeführt werden, welches nur 700 Mark Kosten verursacht und wird von der Versammlung hierzu die Genehmigung erteilt. Der Turnverein Gießen be⸗ absichtigt am 2. August im Philosophenwald sein 50 jähriges Bestehen zu feiern. Das Arrangement soll in der Gegend des Sommerrestaurants getroffen werden. Die Versamm⸗ lung erteilt auch hierzu ihre Genhmigung. Damit schließt der Oberbürgermeister Gnauth den öffentlichen Teil der Sitzung.

Gießen, 23. Mai. Heute Vormittag fanden in den Straßen der Stadt polizeiliche Milchrevisionen statt.

* Gießen, 23. Mai. Fast sämtliche Klassen des Real⸗Gymnasiums und der Realschule machten mit ihren Lehrern in dieser Woche ihre alljähr⸗ lichen Pfingstausflüge. Ober- und Unterprima gingen schon am Mittwoch ins Hinterland und kehrten erst am Freitag Abend zurück. Die andern Klassen unternahmen Tagestouren in das Lahnthal.

* Gießen, 23. Mai. Von zuständiger Seite wird uns folgendes mitgeteilt: Auf Antrag der deutschen Gasglühlicht⸗Aktiengesellschaft Berlin vom 15. d. M. ist durch Beschluß des kgl. Land⸗ gerichts 1 zu Berlin vom 16. Mai 1896, im Wege der einstweiligen Verfügung, der Helios Gasglühlicht-Aktiengesellschaft und der offenen Handelsgesellschaft Martini und Co.⸗Berlin, bei Vermeidung einer fiskalischen Strafe von 500 A für jeden Fall des Zuwiderhandelus untersagt worden, die bisher von diesen Gesellschaften her⸗ gestellten und vertriebenen Gasglühlicht⸗ brenner fernerhin gewerbsmäßig herzustellen, feilzuhalten, in Verkehr zu bringen und zu ge⸗ brauchen. g

Offenbach, 21. Mai. Die Handelskam⸗ mier hat entsprechend den Wünschen der Kauf⸗ männischen Vereine beschlossen, sich für die Bildung von Sondergerichten zur Ent⸗ scheidung von Streitigkeiten aus dem kauf männischen Anstellungsverhältniß im Anschluß an die Amtsgerichte unter einem rechtskundigen Vorsitzenden und mit je zwei Bei⸗ sitzern aus dem Prinzipalstaude und dem Ge⸗ hilfenstande auszusprechen.

huscht sich vorbei dann gleich stockfinster oh, ich schon vorher träumen, daß Unglück giebt bei diese Fest.

Lieutenant Marzahn ist plötzlich ernst geworden und wendet sich ab. Er schaut eine Weile gerade vor sich hin, dann tönt ein halblauter Pfiff, lang⸗ gezogen von seinen Lippen. 8

Weiße Gestalt mit langem blonden Haar sieh da, kleine Henni! So ein gefährlicher Haus⸗ geist sind Sie? murmelte er leise. Dann schickt er den Burschen schlafen und begiebt sich selbst zur Ruhe.

Auch unten bei Major's hat's noch eine Familienszene gegeben. Als die Gatten ihr Schlaf. gemach betreten, fliegt ihnen aus einer Ecke Henni im Nachtgewand entgegen, zitternd, schluchzend. Sie wirft sich der Mutter an den Hals und beichtet.

Frau Major Klencke ist erschreckt und zum Tode betrübt. Das hat ihr eigenes Kind ihr anthun können bei der ersten Gesellschaft hier in Berlin! Und ihre Thränen mischen sich mit denen der reuigen Tochter.

Der Vater ist weniger weich gestimmt.

Heüni wird gleich morgen auf zwei Jahre in Pension gehen, befiehlt er in ehrlichem Zorn.

Und dabei blieb's.

Lischinski aber hat

nie wieder Geister im

Hause gesehen.

sische Aundeszeitung,