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Gießen, Dienstag, den 24. Mürz
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeikung,
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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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ö Expedition: 2.
Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 23. März. Der lachende Himmel und der warme Frühlingssonnenschein an dem heutigen ersten Sonntage nach Frühlingsanfang war wohl geeignet, auch dem ärgsten Hypochonder die trüben Gedanken und täglichen Sorgen zu herscheuchen und ihn aus seinen 4 Pfählen hinaus⸗ zutreiben in die frische freie Natur. Die Straßen der Stadt waren am 5 0 öde, wie lange licht; um so fröhlicher und lebendiger wars aber draußen auf allen Wegen und Straßen ach nahen und fernern Ausflugsorten. Die Omnibusgesellschaft hatte ihre Fahrten nach dem Schiffenberger Walde zum ersten Male in diesem Jahre wieder aufgenommen und zeigte nur voll— besetzte Wagen, sowohl nach als später von dem Walde. Der Pächter des reizend gelegenen Schiffenberges ist sicher mit seinem Geschäfte zu— frieden gewesen. Stark besucht waren außer den Nachbardörfern, wie Wieseck, Heuchelheim u. s. w. unter andern auch die„Schöne Aussicht“„Phi⸗ epherwold u.„Liebigshöhe“. Ueberall konnten die Gäste im Freien sitzen, und dem Bierumsatz muß es wohl keinen Abbruch gethan haben, denn wie wir hören, ist dem Wirt auf der Liebigs⸗ höhe das Bierquantum, welches für den Konsum der ganzen Woche bestimmt war, bis auf den letzten Tropfen an diesem einen Nachmittage aus⸗ getrunken worden. Den Durstigen wird's hoffent⸗ lich gut bekommen sein.
* Gießen, 23. März. Wir machen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung des Gas- u. Wasserwerks aufmerksam, wonach morgen, den 24., während mehrere Stunden die Wasser⸗ leitung für die obere Frankfurterstraße 115 der Wilhelmstraße aufwärts) abgestellt vpird.
* Gießen, 23. März. Für Lauterbach und Grünberg hat die hess. Regierung für diese Woche e 1 Viehmarkt genehmigt, allerdings mit der Bedingung, daß nur Rindvieh aus Hessen auf⸗
1 werden darf. Ueber die Gießener Märkte
cheint man sich noch nicht schlüssig zu sein.
Gießen, 23. März. Das neue Adreß⸗ buch kommt mit dem heutigen Tage zur Aus⸗ gabe. Der Umfang des Buches ist trotz der wenigeren Inserate derselbe wie im Vorjahre. Besonders 120 0 ist die tabellarische Uebersicht der Agenten und Vertreter auswärtiger Firmen. Wir bemerken, daß nur wenige Exemplare über die subscribirte Anzahl Adreßbücher hergestellt e und daß vor dem Juli 1897 keine neue
Auflage im Druck erscheint. Gießen, 23. März. Es wird uns mit⸗ geteilt, daß einzelne Restaurateure in der Nähe der neuen Kaserne einen schwunghaften Handel mit Kommisbrod betreiben. Wöchentlich sollen bon denselben mehrere Hunderte dieses Brodes sogar als Pferdefutter verkauft werden. Es be⸗ darf wohl nur dieses Hinweises, um die Militä behörde zu veranlassen, diesen Handel zu unter⸗ binden. Der Soldat bekommt doch dieses nahr⸗ bien Brod nicht geliefert, damit er es für wenige fennige verhandeln soll.
Gießen, 23. März. Es wird vielfach bom Publikum darüber geklagt, daß unsere Om⸗ sibusse die Fahrzeit nicht inne halten und häufig bis 5 Minuten zu früh die Haltestellen passieren.
Im Spiegel. Skizze von M. Elsner. (Schluß.)
erschüttert, und von einer Fülle seltsamer, bis dahin tben das letzte Blatt des zweiten Bandes um, als sie vernahm, daß die Wohnungsglocke ziemlich un— . in Bewegung gesetzt wurde. 9 ar, und sie horchte verwundert, um zu erfahren, er zu so später Stunde Einlaß bei ihr begehren önne. Eine Minute später sprang sie auf und ilte hochklopfenden Herzens zur Thür. Sie hatte
10 lun Sinn seiner Worte nicht verstanden, so war 14% hrem feinen Frauenohr doch der Klang von Augst, 0115 ind Aufregung nicht entgangen, der in dieser voll— dolonae nenden Mäunerstimme zitterte.
10 Das Mädchen war offenbar im Begriff, ihn tersolch, vieder fortzuschicken, oder vielleicht auch wollte er ö wma freiwillig gehen; denn Leonie vernahm das Geräusch
ich entfernender Tritte. Da riß sie mit raschem
Entschluß die Thür ihres Boudoirs auf und rief einen Namen.
Dann war Leonie wieder allein, und sie fuhr sort zu lesen, ohne jetzt auf den Lauf der Viertel- funden zu achten, die ihr während des endlosen Nachmittags so träge dahingeschlichen waren. Tief⸗
laum gekannter Empfindungen bewegt, wandte sie
Ein Blick auf ie Pendule belehrte sie, daß zehn Uhr vorüber
ie Stimme des Doktor Jordan gehört, wie er nit dem Stubenmädchen sprach, und wenn sie auch
Ebenso sollte die Leitung dieses Unternehmens den Schaffnern einschärfen, am Linden⸗, Kirchen-, Markt⸗ und Kreuzplatz besser Umschau zu halten nach Passagieren. Wir beobachteten jüngst, wie Jemand an einem dieser Plätze, wo er im Wirts⸗ haus auf die Fahrgelegenheit zum Bahnhof ge— wartet hatte, sich vergeblich bemühte, dem Om⸗ nibus⸗Kondukteur sich bemerklich zu machen. Es war Regenwetter und der Passagier mußte min⸗ destens 12 Häuser weit hinter dem eilig davon⸗ rollenden Wagen herlaufen, bis er bemerkt und nun natürlich der Omnibus zum Halten gebracht wurde.
* Gießen, 23. März. Die am Sonntag Abend in Steins Saalbau stattgefundene Abendunterhaltung des Kaufmännischen Vereins war von dessen Mitgliedern und Gästen sehr zahlreich besucht. Zur Aufführung gelangte das Lustspiel„Unter vier Augen“ von Ludwig Fulda und die komische Pantomime„Die lustige Fliege oder zuletzt kriegen sie sich doch“. Die Zwischenpausen wurden durch Konzert, ausgeführt von Mitgliedern der Regimentskapelle, ausgefüllt. Zum Schluß wurde das Tanzbein geschwungen, und hielt sich besonders die junge Welt noch bis zum frühen Morgen zusammen..
Gießen, 23. März. Der Zirkus Lorch war gestern zweimal gut besucht. Sowohl in der Nachmittags als auch in der Abendvorstellung wurde wiederum Vorzügliches geboten. Da der Zirkus Lorch nicht mehr allzulange hier— bleiben wird, dürfte es zu empfehlen sein, die dem Zirkus noch zugedachten Besuche nicht hinaus— zuschieben.
Gießen, 23. März. Was wird die Reise nach Berlin zur Ausstellung kosten? Diese Frage ist nicht nur zeitgemäß, sondern beschäftigt weite Kreise der Bevölkerung schon jetzt. Wir erhalten vom offiziellen Verkehrsbureau und dem offiziellen Wohnungs⸗Nachweis der Berliner Ge⸗ werbe⸗Ausstellung auf unsere Anfrage dieserhalb folgende Auskunft: Es werden von allen Sta— tionen mit 10tägiger Giltigkeit einfache Fahr⸗ karten zur Hin⸗ und Rückfahrt benutzbar aus⸗ gegeben. Demnach stellt sich der Fahrpreis von Gießen mit einfachen Personenzügen 4. Klasse 10. 10, 3. Kl. 20. 10&, 2. Kl. 30%. 10, 1. Kl. 40 ½ 10. Für Schnellzug⸗ beförderunb kostet die Reise 3. Kl. 23% 40&, 2. Kl. 33, 50 3, 1. Kl. 45. 10.— Auf Rundreisebillets werden nach Berlin während der Ausstellung 30 Prozent Rabatt gewährt. Die Fahrscheinhefte gelten bekanntlich 45 Tage, sind aber nur erhältlich, wenn die zurückzulegende Strecke mindestens 600 Kilometer beträgt, welche Entfernung zwischen Gießen⸗Berlin überschritten wird. Wer sich im Uebrigen über Entree-Preise für die Ausstellung ꝛc. informieren will, wende sich an das oben angegebene Bureau Berlin W, Moghrenstraße 10, und es wird ihm bereitwilligst ein Programm zum Besuch der Berliner Gewerbe— Ausstellung gratis und franko übersandt, in welchem er alles Wissenswerte verzeichnet findet.
Gießen, 23. März. Eine merkwürdige Vorschrift hat das Offenbacher Kreisamt für eine große Anzahl Orte des dortigen Kreises er— lassen. Danach ist für die Folge in den betreffen⸗ den Orten minderjährigen Mädchen der Besuch von Wirtschaften ohne Begleitung ihrer Eltern
oder deren Stelle vertretender Personen unter- sagt. Das Verbot erstreckt sich nicht auf den Besuch von polizeilich gestatteten Concerten und Tanzmusiken. Die Zuwiderhandelnden sowohl, als auch die Wirte welche das Verweilen minder⸗ jähriger Mädchen entgegen den Bestimmungen dieser Verordnung in ihren Wirtschaften dulden, unterliegen, insofern nicht nach den bestehenden Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, einer Strafe bis zu 30. Uns ist diese poli⸗ zeiliche Einschränkung der persönlichen Freiheit der Mädchen bis zum vollendeten 21. Jahre rein unverständlich.
Gießen, 23. März. Groß-Reine⸗ machen! Das ist ein Wort, welches schlecht zu Sonntagsfrieden und Sonntagsfreude paßt; und doch ist es, als die Familie gestern Morgen gemütlich am Kaffeetisch saß, dem Munde der Hausfrau fast widerwillig entschlüpft. Wochen⸗ lang lag es ihr auf der Zunge; nun aber ver—⸗ mag sie's nicht länger im Busen zu bewahren, denn heute, am Montag, soll Groß-Reinemachen beginnen. Da ist es natürlich die höchste Zeit, das würdige Familienoberhaupt auf all' das Schreckliche, was ihm in anbetracht des nahen Osterfestes noch in Aussicht steht, geziemend vor— zubereiten. Der Erfolg entspricht ganz den ge⸗ hegten Befürchtungen. Sprachlos starrt zunächst der Hausherr seiner getreuen Ehehälfte ins Auge; der Blick, den er ihr zuwirft, ist unendlich viel— sagend: der ganze Jammer einer gequälten Mannesseele, die von der heimischen Scholle jäh— lings vertrieben wird, liegt darin. Schweigend steht er auf, schweigend rüstet er sich zum Aus⸗ gang. Umsonst versucht die eingeschüchterte Gattin, einen gütigen Gruß beim Abschied von ihm zu erhaschen; für die nächsten Tage ist sie„Luft“ für ihn, und schon heute fängt er an, sein Quar— tier in der gastlichen Kneipe aufzuschlagen. Der Stammtisch ist nämlich, so lange Groß-Reine⸗ machen währt, die einzige Zuflucht für ihn. Zu Hause sieht's öde und traurig aus; die Gardinen sind heruntergerissen, die Teppiche zusammengerollt, die Möbel von ihren Plätzen gerückt und über einander getürmt, Wasserfluten ergießen sich auf die blanken Dielen und derbe Scheuerfrauen lassen mit rauher Faust den Schrubber darüber hintanzen. Biegsame Ausklopfer rumoren auf Sesseln und Sophas herum und unter ihren energischen Hieben wirbelt der Staub hoch auf; die sonst so wohnlichen Räume sind in ihrer kahlen Nacktheit kaum wieder zu erkennen und bieten in dem unruhigen, lärmenden Tohuwabohu, das sie erfüllt, einen trostlosen Anblick. Fürwahr, da ist's gut, in der Kneipe zu hausen und den häus⸗ lichen Penaten den Rücken zu wenden. Nur die Kinderschar fühlt sich von dem aufregenden Treiben, das daheim herrscht, unwiderstehlich angezogen; munter tummelt sie sich zwischen Stühlen und Schränken und hilft nach ihrer Art wacker mit, das oberste zu unterst zu kehren— zum Schrecken der Mutter, deren Auge nicht überall sein kann und in diesen Tagen des Fegens und Schrubberns, des Staubwischens und Teppichklopfens nirgends vor den schlimmen Streichen ihrer lieben Kleinen sicher ist. Schließlich nimmt freilich auch die Periode Groß-Reinemachens ein freundliches Ende. In acht Tagen wird sicher der Hausherr, wenn er morgens am Kaffeetisch sitzt, doppelt heiter
dreinschauen und seiner Ehehälfte das Lob nicht versagen, daß sie ihre Sache wieder einmal aus⸗ gezeichnet gemacht habe!
Darmstadt, 22. März. Gestern Nach⸗ mittag gegen 6 Uhr wurde in einem Ladenge⸗ schäfte in der Elisabethenstraße ein frecher Dieb⸗ stahl ausgeführt. Während der Laden von einer größeren Anzahl Käufer besucht und der Ladeninhaber nebst drei Gehülfen beschäftigt war, die Kunden zu bedienen, wurde die Ladenkasse mit etwa 200 Mark Inhalt von einem in das Geschäft eingetretenen jüngeren Mann entwendet. Die Kasse ohne Inhalt wurde später im Nach⸗ barhause auf der Haustreppe aufgefunden. Der Verlust der Kasse wurde alsbald bemerkt und bei der Polizei Anzeige erstattet. Dem Thäter ist man auf der Spur. Wald⸗Michelbach, 21. März. Einen furchtbaren Tod fand hier ein zweijähriges Kind. In einem unbewachten Augenblick zündete das vierjährige Schwesterchen unter der Wiege des schlafenden zweijährigen Kindes ein Feuer an. Als der Großvater im Hofe ein jämmer⸗ liches Schreien hörte und in die Stube kam, stand das Bettchen mit dem Kinde in hellen Flammen. Man zog letzteres über und über verbrannt mit eigner Gefahr aus den Flammen. Die Brandwunden waren aber so stark, daß der gestern eingetretene Tod als Erlöser aus furcht⸗ baren Qualen er schien.
Mainz, 21. März. Im Haftbefehl des 2. Polizeibezirks hat sich ein Frauenzimmer aufgehängt, das in das Arbeitshaus nach Dieburg verbracht werden sollte. Durch zu⸗ fälliges Erscheinen eines Schutzmannes wurde die Lebensmüde noch rechtzeitig abgeschnitten.— Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte die Strafkammer heute den Ziegeleibesitzer Philipp Jungk II. in Wöllstein zu einer Woche Gefängnis. Er hatte eine 14jährigen Jungen beschäftigt, der am 27. August von der Transmisston erfaßt und geradezu in Fetzen gerissen worden war. Die Fahrlässigkeit wurde darin erblickt, daß die Transmission nicht wie in einer solchen Unglücks⸗ fälle ausschließenden Weise verwahrt war.
Vermischtes.
— Der rechte Bote. Aus süddeutschen Kreisen wird der„Saale-Ztg.“ geschrieben: Im „Rodensteiner“ der kleinen Universitätsstadt X. saßen Studenten verschiedener Korporationen und zechten. Es dauerte nicht lange, so gingen die Holzereien zwischen zwei sich befehdenden Ver⸗ bindungen los. Plötzlich fühlte sich Herr Müffel durch die Worte des Herrn Scharf, dessen Zunge wie Klinge gleich gefürchtet waren, gröblich be⸗ leidigt. Er erhob sich und verließ mit seinem Leibfuchs das Lokal. Seine Couleurbrüder folgten ihm. Nach einer Stunde ungefähr er⸗ schien Müffels Leibfuchs wieder im„Rodensteiner“ und zwar in Wichs. Herausfordernd stellte er sich vor Scharf hin und donnerte ihm ins Ge⸗ sicht:„Herr Scharf, mein Leibbursch Müffel sendet Ihnen durch mich einen„Dummen Jungen“!“ „Das sehe ich“, sagte Scharf gelassen. Unter homerischem Gelächter schlich sich Monsieur Leib fuchs aus dem„Rodensteiner“.
— Ueber einen Mordversuch an Bord eines Hamburger Schiffes auf hoher See berichten die
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Der Doktor wandte sich nach ihr um und that paar zögernde Schritte auf sie zu.
„Ich bitte, mir die späte Störung zu verzeihen, Frau Baronin“, sagte er unsicher,„aber ich erfuhr soeben im Hause des Kommerzienrats Linsinghoff, daß Sie sich wegen plötzlicher Erkrankung hätten entschuldigen lassen. Und da ich im Grunde doch noch immer verpflichtet war, mich als Ihren Haus— arzt zu betrachten—“
„So opferten Sie Ihr Vergnügen, um nach meinem Befinden zu sehen“, ergänzte die junge Witwe, und die demütige Weichheit ihres Tones zauberte einen Ausdruck freudigen Erstaunens auf das Gesicht des Arztes.„Ich danke Ihnen dafür um so inniger, je weniger ich es verdient hatte. Warum aber wollten Sie nun wieder gehen, ohne mir ein Wort zu gönnen?“
„Weil Ich hörte, daß Ihr Unwohlsein jeden— falls nicht von ernstlicher Natur und weil—“
„O doch— ich habe soeben eine sehr ernste Krisis überstanden, Herr Doktor“, unterbrach sie ihn mit einem holden, verschämten Lächeln,„und ich würde Ihnen gern darüber berichtet haben, wenn Sie noch ein paar Minuten für mich übrig hätten.“
Er stand ihr in dem traulichen kleinen Boudoir gegenüber und indem seine klaren Augen forschend auf ihrem erregten Gesichtchen ruhten, sagte er:
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„Sie waren also wirklich krank, Frau Leonie? — Und Sie haben es nun bereits ganz über wunden?“
„Ja,“ erwiderte sie, und es war eine reizende Mischung von Schalkhaftigkeit und Ernst in ihren Worten.„Ihr ärztliches Selbstbewußtsein, lieber Freund wird hoffentlich nicht all' zu empfindlich verletzt werden, wenn ich Ihnen sage, daß ich die
Heilung diesmal nicht Ihnen verdanke. Es war eine richtige Wunderkur, die mich von meiner
Krankheit befreite. Eine kluge und edle Frau, die ich von heute an verehre, ohne sie zu kennen, hat mir mein eigenes Bild im Spiegel gezeigt und mich zu meinem Schrecken erkennen lassen, wieviel Ungesundes schon in mir und an mir war. Alles, was ich Ihnen an diesem Mittag sagte, war nur ein Ausfluß dieser Krankheit, und darum lasse ich Sie jetzt nicht, bevor Sie mir versichert haben, daß Sie mir verzeihen.“
Doktor Jordan wußte nicht, ob er seinen Ohren trauen dürfe. Eine heiße Glücksempfindung durch strömte sein Herz und fand ihren leuchtenden Widerschein in seinen treuen, ehrlichen Augen.
„Ja, wenn ich nur wüßte, ob das alles Ihr Ernst ist, Leonie!— Ich kann mir den Wechsel in Ihrem Benehmen ja garnicht erklären. Wollen Sie mir nicht wenigstens sagen—“
„Nein, nein! Sie müssen das Wunder gläubig hinnehmen, ohne weiter nach seinem Hergang zu
fragen, denn all' zu tief darf ich mich doch nicht vor Ihnen demütigen, mein Freund! Aber Sie hatten, wenn ich nicht irre, die Absicht, mir gestern Abend etwas mitzuteilen, etwas, auf das Sie be— sonderen Wert legten. Meinen Sie nicht, daß viel- leicht auch jetzt eine geeignete Zeit dazu wäre?“
Ihr süßes Lächeln und der seuchte Glanz der dunklen Augensterne waren nicht länger mißzuver⸗ stehen. Ueberwältigt von der Macht seiner lange gehegten Liebe für das holde, anbetungswürdige Wesen, erfaßte der Doktor mit leidenschaftlicher Wärme ihre beiden Hände:
„Darf ich Sie denn wirklich noch bitten, Leonie, mein Lebensloos mit mir zu teilen? Sie sind ja soviel umschwärmt— so verwöhnt— Sie werden mir vielleicht schon Morgen auf's Neue zürnen, wenn ich auf den ersten Ruf, der an mich ergeht, von Ihnen hinweg zu einem Kranken eile; wenn—“
Da machte sie eine ihrer kleinen Hände frei, um damit seine Lippen zu verschließen, und indem sie sich auf die Fußspitzen erhob, flüsterte sie ihm ins Ohr:
„Nein, nein!“— Seitdem ich ich im Spiegel gesehen habe, wie häßlich ich schon geworden war, bin ich davon auf immer geheilt. Ich will von jetzt an weder eine gefeierte Weltdame, noch helden— hafte Amazone sein, sondern nichts als ein Weib— Dein Weib, wenn Du willst, Du lieber grausamer Tyrann.“


