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7 Marja, das Heldenmädchen
Gießen, Sonntag, den 23. August
1896.
Ausgabe
sche Landeszeitung
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.
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Expedition: 2
Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 21. Aug. Die prächtigen August⸗ tage, die uns noch vor kurzem erfrenten und in em⸗ pfänglichen Gemütern neue Wanderlust weckten, scheinen vorüber zu sein: der sommerlichen Hitze ist ein kühler Herbsthauch gefolgt, eiskalte Regengüsse sind niedergegangen — und wer in den städtischen Anlagen spazieren geht, der kann bereits tiefsinnigen Betrachtungen über die zahlreichen fallenden Blätter nachhängen, die welk und müde zur Erde herabwirbeln und sich zu Häufchen gruppieren, in denen der Wind mit keckem Finger wühlt. Haben wir wirklich schon Herbst und leben wir, statt im August, in den letzten Tagen des Oktobers? Fast möchte man's glauben, wenn man den zähen, erbitterten Kampf der Elemente sieht, der alle Sommerträume hinwegfegen und grausam vernichten will. Eben noch sproßte und grünte die Natur in üppigster Fülle, und von fahlem Laub, das morgens die sonnigen Wege bedeckte, konnte gar keine Rede sein. Und nun: wie ein verfrühter melancholischer Herbstgruß raschelt es überall zu unsern Füßen. Ganz plötzlich und
unerwartet kam dieser jähe Umschlag der Witterung. Die
Nebel senken sich feucht und bleiern auf all' den farbigen
Blumen⸗ und Blätterschmuck hernieder. Aergerlich und verschnupft wenden wir uns von dem widrigen Schauspiel ab, das allen Kalender⸗ Gewohnheiten Hohn spricht und uns wenig Gutes für die nächste Zukunft in Aussicht zu stellen scheint. Besonders unsere Nimrods sind tief em⸗ pört, denn das herrliche Wetter der ersten August⸗Wochen, das keinen Wechs befürchten ließ, wäre der Eröffnung der Jagd vortrefflich zu statten gekommen. In Regen und Sturm zu jagen, ist kein Vergnügen; das wird Jeder gern bestätigen, der neben anderen gesunden Passionen auch dem edlen Weidwerk mit einiger Leidenschaft fröhnt. Jäger von Profession und Sonntagsjäger werden freilich selbst durch das scheußlichste Wetter sich von der Aus⸗ übung ihres Jagdrechts nicht abhalten lassen; die Einen aus Gewohnheit, die Andern aus Renommisterei. Ge⸗ wohnheit hilft über alle Unbilden hinweg; Renommisterei aber kommt manchmal arg zu Fall und endet in Jammer und Schrecken. Es soll uns daher nicht wundern, wenn demnächst unsere Sonntagsjäger durch allerlei trübselig verlaufene Jagdabenteuer an Stammtischen und in Witz⸗ blättern wieder von sich reden machen.
* Gießen, 22. August. Heute Mittag um 1 Uhr fand an der Nordanlage die feierliche Grundsteinlegung für das Kaufmän⸗ nische Vereinshaus, welches nach Plänen der Architekten Stein und Meyer erbaut werden wird, statt. Es waren dabei anwesend: Ver⸗ treter der städtischen Behörde, der Handelskammer, der Kreisschulkommisston, des Vorstandes der Spar⸗ und Leihkasse, der Vorstand des Kauf⸗ männischen Vereins, sowie Mitglieder von dessen Baukommission und dessen Schulkommission.
* Gießen, 22. August. Der Uebergang der Hessischen Ludwigsbahn an den Staat und in preußische Verwaltung wird ohne Zweifel große Umwälzungen in dem Per⸗
sonen⸗ und Guͤterverkehr zur Folge haben. Die Verschiebungen im Güterverkehr werden voraussichtlich auch den Oberhessischen Bahnen zu gute kommenz sie werden lebhaft
an der Güterbeförderung vom Rhein und aus Westfalen nach Bayern und umgekehrt beteiligt sein. Eine besonders hervorragende Stellung dürfte dadurch der Station Friedberg zu Teil werden, es wird sich von hier aus der Verkehr strahlenförmig über die in Friedberg einmündenden Vahnstrecken verteilen. Die Bahn⸗ hofsverhältnisse Friedberg sind allerdings einst⸗ weilen noch geringwertig, weder der Personen⸗ noch der Güterbahnhof entsprechen der Wichtigkeit dieses werdenden Knotenpunktes, der demnächst noch die Strecke Homburg aufzunehmen hat. Wie man jetzt hört, ist die Erbauung eines Güterbahnhofs nach der Südwestseite bevor⸗ stehend, und zwar in einem den neuen Verhält⸗ nissen entsprechenden Maßstab, selbstverständlich zugleich unter Hinwegräumen des gefährlichen, den Verkehr hemmenden Fauerbacher Ueberganges. Aber auch der Personenbahnhof bedarf einer Erweiterung, die gleichzeitig mit der Er⸗ bauung des neuen Güterbahnhofs zur Ausfüh⸗ rung kommen müßte.— Unter dem Vorsitz des Vorstandes der Verkehrskontrolle 1 der Direktion in Frankfurt, Herrn Siebert, ist seit Dienstag in Mainz im Verwaltungsgebäude eine Bureau⸗ abteilung im Prüfungssaale gebildet worden, der etwa 20 Kontrollbeamte der Direktionen in Frankfurt und Altona, der Hessischen Staats⸗ bahnen und der Hessischen Ludwigsbahn an⸗ gehören. Unter Leitung des Herrn Siebert soll durch„Komplex⸗Berechnungen“ der Koeffizient des nächsten und ersten Gewinnanteiles, der Preußen und Hessen nach geschehener Verstaat⸗ lichung zustehen wird, festgestellt werden. Alle diese Neueinrichtungen und Hierherversetzungen von Beamten sind gewiß seitens der beiden Regierungen schon seit langer Zeit vorbereitet. Daß die Verstaatlichung später als am 1. Januar 1897 erfolgen sollte, ist kaum noch anzunehmen. In Folge der Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn erhält Limburg vom 1. Januar kommenden Jahres ab eine zweite Betriebs⸗ Inspektion, der die Westerwaldbahnen unterstellt werden. Die bisherige Inspektion soll die Strecken von Mainz nach Wetzlar, Niedernhausen, Schwal— bach und Laurenburg umfassen. Gleichzeitig wird eine Aenderung der Direktionsbezirke eintreten. Die Strecke Niederlahnstein⸗Troisdorf wird von der Direktion Frankfurt an Köln und die Strecke Siegburg-Derschlag an Elberfeld übergehen. Die Inspektion Wetzlar wird nach Gießen verlegt. Der Güterverkehr von und nach dem Westerwald, nach Frankfurt und Wiesbaden und darüber hinaus wird, um eine Beschleunigung zu erzielen, nicht mehr über Schwalbach, sondern über Niedernhausen geleitet werden.
* Gießen, 22. August. Bei der Mühle am unteren Wehr fiel gestern Abend 6 ¼ Uhr ein kleiner Knabe während des Spieles in die
Lahn. Ein Glück war es, daß die Bewohner der Mühle schon Feierabend hatten und Hilfe gleich zur Stelle war. So kam der Kleine mit dem Schrecken und einem kalten Bade davon, mußte auch ohne Fußbekleidung nach Hause gehen, da er die Schuhe im Wasser verloren hatte.
Gießen, 21. August. Ein Nachspiel zu der Reichstags⸗Wahlbewegung in der Provinz Oberhessen im Jahre 1893 bot eine Verhandlung in der gestrigen Strafkammersitzung. Der zur antisemischen Partei gehörige Schneidmüller Andreas Lang von Seibels⸗ dorf hatte sich wegen Urkundenfälschung aus 8 267 des R.⸗Str.⸗G.⸗B. zu verantworten. Er bestritt, trotzdem die Sache ganz offenkundig war, heute alles, was ihn irgend wie belasten konnte. Daß er Anhänger der antisemischen Partei gewesen sei, was er früher un⸗ umwunden zugestauden, leugnete er ebenfalls. Der That⸗ bestand der Anklage ist der Folgende: Im Juli 1893 ging eine schriftliche Denunziation bei der Staatsanwalt schaft ein, die voller orthographischer Fehler und mit An⸗ dreas Werner, Schmied von Vockenrod unterzeichnet war. Datiert war jedoch die Denunziation von Seibelsdorf. In der Anzeige war behauptet, der Gutspächter Schade von Seibelsdorf, ein Anhänger der nationalliberalen Partei, habe sich in verschiedenen Fällen eines widerrechtlichen Vermögensvorteils schuldig gemacht, derselbe habe seine von ihm abhängigen Knechte, sowie verschiedene Reichstags⸗ wähler, die ihm Geld schuldeten, mit Versprechungen und Drohungen beeinflußt, dem nationalliberalen Kandidaten Backhaus die Stimme zu geben. Unter einer Reihe nam⸗ haft gemachter Zeugen für die Wahrheit der behaupteten Thatsachen war auch in der Anzeige der Andreas Lang (der heutige Angeklagte) angegeben, der Einzige übrigens, welcher bei der darauf erfolgten Vernehmung dieser Zeugen, den Angezeigten Schade belastete. In der heutigen Ver⸗ handlung erklärte der Schmied Andreas Werner, daß er weder die fragliche Anzeige geschrieben, noch von derselben etwas wisse, ebenso seien ihm die darin behaupteten Be⸗ schuldigungen gegen den Gutspächter Schade vollständig fremd. Ein weiterer Zeuge, ein politischer Gesinnungs⸗ genosse des Angeklagten, Kajetan Kranz von Seibelsdorf, verweigert sein Zeugnis und läßt durchblicken, daß er sich event. einer strafbaren Handlung bezichtigen würde, worauf auf dessen Vernehmung verzichtet wird. Guts⸗ pächter Schade erklärt der Angeklagte sei ihm auch aus anderen als politischen Gründen feindlich gesinnt. Der Schreibsachverständige Reallehrer Albach erklärt mit großer Sicherheit, daß nur der Angeklagte der Schreiber der An⸗ zeige gegen Schade sei. In den zum Vergleich herange⸗ zogenen Schriftproben, darunter ein Diktat der Anzeige selbst, befänden sich teilweise dieselben orthographischen Schnitzer wie in dem mit Werner unterzeichneten Schrift⸗ stück, aber auch sonst sei das charakteristische der Schrift des Angeklagten in der gefälschten Anzeige überall vor⸗ handen. Die Staatsbehörde beantragte in Rücksicht auf die vielen Vorstrafen des Angeklagten und weil dessen Handlungsweise im höchsten Grade gemeingefährlich zu nennen sei, auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monate er⸗ kennen zu wollen. Der Gerichtshof erkannte jedoch auf 5 Monate. Die politische Erregung, in er der sich wohl bei Abfassung der Anzeige befunden haben mag, wurde ihm zu Gute gehalten.
* Schotten, 20. August: Vor unserem
Schöffengericht stand dieser Tage Termin in Sachen des Fräulein Marie Kröll ne Genossen von Reinrod. Dieselben sollten si wegen Verfertigen unzüchtiger Abbildungen un Schriften, die sie in der Sylvesternacht an de Gemeindebackhaus ihres Heimatsdorfes angehe tet, verantworten. Aus dieser Sache war schh eine Meineidsanklage entstanden, die das G schworenengericht zu Gießen beschäftigte. Nas dieser Verhandlung war die Kröll von Reinro fortgegangen, angeblich um nach Amerika aus zuwandern, doch hatte dieselbe in Offenbac Wohnung genommen, von wo sie auch zur Ver handlung vor das Schöffengericht Schotten 90 3 laden war. Ungeachtet dieser Ladung war Dame aber zum Termin nicht erschienen und d mußte dieser vertagt werden. Das Gericht be schloß jedoch, die Angeklagte zur neuen Verhand lung zwangsweise vorführen zu lassen. Mainz, 22. August.(Kleine Nach richten.) Ein gemeingefährlicher Ver brecher befindet sich zur Zeit in dem hiesigen Untersuchungsgefängnis.
Derselbe ist 25-30 Jahre alt, dessen Name aber noch unbekannt denn die verschiedenen Namen, die er bisher an. 1030 gegeben hat, haben sich stets als falsch erwiesen Der Unbekannte, dem verschiedene Diebstähle ir Fulda und mehrere Einbrüche in Marburg nachgewiesen sind, spielt nunmehr den Irrsinnigee in der Hoffnung, in das Hospital gebracht zu
werden, um van da entspringen zu können.— In einem hiesigen Lokalblatte wurde von der „San jana⸗Gesellschaft“ ein Mittel zur Verhütung aller möglichen Krankheiten empfohlen. Gegen den Verleger des Blattes und den Re⸗
dakteur des Inseratenteils wurde von der Staatsanwaltschaft eine Klage wegen Em⸗ pfehlung von Geheim mitteln angestrengt.
wurden beide Angeklagte für schuldig erklärt, indirekt ein Geheimmittel empfohlen zu haben, und zu je 10 Mark Geldbuße verurteilt.— Ein neugeborenes Kind wurde gestern Morgen in dem Koupee des von Frankfurt kom- menden Personenzuges gefunden. Das Koupee wurde sofort geschlossen und der Polizeibehörde von dem Fund Anzeige gemacht.— Beim Jagen nach Fasanen in den Gemarkungen von Finthen und Drais kam ein Jäger dem erstgenannten Orte so nahe, daß er fast großes Unheil angerichtet hätte. Denn schon hatte er sein Gewehr nach einem Garten gerichtet, wo eine Frau mit ihrem Söhnchen sich befand, als letztere die Gefahr bemerkte und sich sofort bückte. Der Schuß krachte und die Frau hörte auch die Schrotkörner über ihrem Haupte pfeifen. Der Jäger sah nun, in welcher Gefahr die auf den Tod Erschrockene geschwebt, entschuldigte sich und zahlte ein Reuegeld von 10 Mk.
von Transvaal.
Zeitroman von Pieter Vryburg Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.) a
* In ihre Betrachtung versunken und ganz seinen
Gedanken folgend, murmelte er!„Wenn sie es wäre! Wenn ich gefunden hätte—!“ „Was?“ fragte sie schlicht. 5 Er forschte in ihren Zügen, als suche er da nach einer Aehnlichkeit, nach einem Erkennungs⸗ zeichen. „Ihr Name?“ „Marja Witborg.“ Er schüttelte leise den Kopf. „Und Ihre Mutter?“ Sie sah ihn fragend an. „Meine Mutter?“ Ja, ihren Mädchennamen mir den!“ 25 Sie zuckte verständnislos mit den Achseln. „Da müssen Sie den Vater fragen— ihren Mädchennamen? Den kenne ich nicht.“ 5 Eine Wolke senkte sich auf seine Stirn und sinnend starrte er vor sich hin. „Warum? Kannten Sie meine Mutter?“ fragte sie zögernd. g Was immer er antworten wollte— es blieb ungesfagt. Der fieberhaften Erregung, in welcher er seine letzten Fragen gethan hatte, folgte ein plötzliches, blitzartiges Versagen seiner Kräfte. Seine Augen schlossen sich, und lautlos glitt sein
— Sie
nennen
Hiaupt von ihrem Schooß zur Erde.——
Es mochten mehrere Stunden vergangen sein, als ihm das Bewußtsein zurückkehrte. Mit einem Ruck brachte er sich in die Höhe. Er war allein!
Inzwischen war der Mond aufgegangen. Sein mildes Licht ergoß sich über die nebelumzogene Prairie. Tau blinckte auf den Gräsern und an den Kelchen der halb geöffneten Blumen. Der war auch auf ihn gefallen, und das hatte ihn erfrischt.
Noch lag eine gewisse Starrheit in seinen Gliedern und eine dumpfe Schwere in seinem Kopf. Aber die Schatten des Todes waren mit diesem letzten Ohnmachtsanfall von ihm gewichen. Es war wie ein Wiedererwachen zum Leben. Er fühlte den Drang, sich Bewegung zu machen, um sein er— starrtes Blut zu erwärmen.
Aber was war das doch? Hatte er denn so lebhaft geträumt? War hier nicht ein Mädchen ge⸗ wesen, ein Hirtenmädchen, das ihn gerettet, zu ihm gesprochen, ihn gestützt und seinen brennenden Durst gelöscht hatte? 3
Er stützte sinnend und grübelnd den Kopf in die Hand.
„Marja— Marja.“
Halb unbewußt stahl sich ihm der Name der schönen Fremden über die Lippen. Ihren Vater⸗ namen hatte er vergessen.
„Und das alles nur ein Traum?“ fragte er sich ungläubig.„Ein Hirngespinst meiner überreizten Sinne? Unmöglich! Nein— es kann nicht sein— und doch— verschwunden, mich verlassen, nachdem sie alles das für mich gethan? Das scheint nicht glaubhaft, nicht menschlich— und sie war so voller Teilnahme, so sanft und gut!“
Wo aber war sie hin? Was hatte das helden— hafte Mädchen, das die Existenz von umherstreifen⸗ dem Raubgesindel zugab und die ihn für einen Ueberfallenen, Beraubten gehalten hatte, in die Flucht getrieben, nachdem sie von ihrer Furchtlosig— keit und Menschenliebe so glänzende Proben ge⸗ geben? Wollte sie nur Hilfe herbeiholen? Oder hielt sie ihn nun doch für tot?
Es war naheliegend, daß sich in diese nicht zu beantwortenden Fragen immer wieder leise Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Erscheinung mischten.
„Vielleicht war es nur, weil mir der Name Marie so unauslöschlich tief im Gedächtnis lag“, fuhr der Grübler sinnend fort.„So kam ich auf den Namen Marja; und als ich erst den Namen hatte, dichtete ich mir auch die Gestalt hinzu— ein jener ähnliches Wesen. Ach, Thorheit!“ rief er dann ärgerlich.„Sie hatte ja noch eine Heerde Schafe bei sich, und die wird doch, wenn sie überhaupt dagewesen, Spuren hinterlassen haben.“
Mit Anstrengung erhob er sich jetzt aus seiner sitzenden Stellung, und nach kurzer Umschau er— kannte er, daß das schöne Boerenmädchen wirklich ihre Heerde hierher und nach längerem Verweilen weiter getrieben hatte. Das Gras war abgeäst, die kleinen Hufe hatten den Boden zerstampft.
Nun er sich hierüber Gewißheit verschafft hatte, lenkten sich seine Gedanken wieder ganz der Be— gegnung mit Marja zu, deren liebliche Gestalt er sich noch einmal mit allen Einzelzügen auszumalen bemüht war.
Plötzlich faßte er sich nach der Stirn.
„Mein Gott, wo hatte ich nur meine Augen? rief er aus.„Sie ist es, die ich suche!— Marja! Wo finde ich Dich, Marja?!
Weit hinaus spähte er in die endlose, mondhelle Wüste, an deren Saum die Nebel brauten. Er lauschte angestrengt mit hochklopfendem Herzen. Aber alles blieb tot und still. Nirgends zeigte sich eine Spur von Leben.
Ja, sie hatte ihr Rettungswerk für verloren erachtet— so nur konnte es sein. In der Mei— nung, einen Toten zurückzulassen, war sie weiter gezogen, nachdem sie wohl noch neben seinem ent⸗ seelten Körper für ihn gebetet hatte.
Tiefe Rührung ergriff ihn, als er sich die. 10 stalt der knieenden Jungfrau vergegenwärtigte,
wie sie in Nacht und Wildnis für die Seele eines 15 Unbekannten Gebete zum Himmel sandte. 1 40
„Fürwahr ein Heldenmädchen!“ rief er dann 1 begeistert aus.„Ein Eugel in Menschengestalt!— Die Spur der Gesuchten wies nach Norden“, fuhr er sinnend fort,„und hier finde ich eine Spur. Das war ein Fingerzeig des Himmels, und ich will ihm folgen. Mut! Mut! Der mein Leben so wunderbar behütet hat durch Marja, der wird mir auch Kraft geben, sie wiederzufinden. Stunden trennen uns nur, und eine innere Stimme sagt es 1 mir, jetzt bin ich auf dem rechten Wege, um mein gefahrvolles Unternehmen zum glücklichen Ende zu führen. Eine Unterredung mit Marja's Vater wird vielleicht genügen, um Licht in jahrelanges Dunkel zu bringen, und dann—.“ Er verlor sich Gedanken.
Plötzlich schreckte er empor. 0
Eine Gestalt schritt weit drüben schattengleich durch die Mondnacht— eine Gestalt, welche die Nebel wie mit einem gespenstischen Schleier um— 9 woben.
Marja?
Die Gestalt glitt vorüber. Er war unbemerkt geblieben. Sollte er rufen? Seine geschwächte Stimme reichte wohl kaum so weit. 0 0
War sie zurückgekehrt und fehlgegangen? Hatte sie Leute nach ihm ausgeschickt, um ihn zu suchen? ö Und wenn das alles nicht zutraf, wer war es denn, der in der Tiefe der Nacht die stille Wüste durch⸗ wanderte“
Zögernd und doch von unbezwinglicher Neugier getrieben, folgte er dem Schattenmenschen.
(Fortsetzung folgt.)
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