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am 7. Juni auf der Liebigshöhe abzuhalten,
der Heimat keine Nachricht übermitteln können, da
Gießen, Donnerstag, den 23. April
1896.
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Ausgabe
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Gießen.
7 Redaktion:. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 2⁰ Kreuzplatz Nr. 4. ——— 5 ä
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 22. April. Oberst von Rosen— berg, der seitherige Kommandeur unserer 116er, ist dieses Postens enthoben. An seine Stelle tritt Oberst von Madai vom 93. Anhaltischen Infanterie ⸗ Regiment Dessau. Wenn wir recht berichtet sind, ist der neue Regiments-Kommandeur ein Sohn des ehemaligen Polizei-Präsidenten von Madai-Berlin.
* Gießen, 22. April. Major Kuehne, Kommandeur des 4. Bataillons, wurde unter Beförderung zum Oberstlieutenant nach Metz versetzt. Major Weimer wurde nach Gumbinnen versetzt.
* Gießen, 22. April. Hessischer Fecht— verein„Waisenschutz“. In der gestrigen Vorstandssitzung, die im Restaurant Arnold, Bahnhofstraße, stattfand, wurde beschlossen, das diesjährige große Sommerfest des Vereins
bis zu welchem Zeitpunkt der neue Saalbau fertig sein wird. Ferner soll die nächste Mit⸗ gliederversammlung am 9. Mai nach dem Re— staurant Rühl, Schanzeustraße, einberufen werden, um über Anträge, die der Verband Gießen der in Darmstadt tagenden Landesversammlung unter— breiten will, zu beraten. Außerdem wurde der Rechner angewiesen, weitere 100 //. zu Lasten des abgelaufenen Gesa äftsjahres an die Ober— fechterei nach Mainz abzusenden.
* Gießen, 22. April. Zum ersten Male seit dem Bestehen des hiesigen Gewerbe⸗ gerichts trat dasselbe unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Gnauth zu einer Plenarsitzung zusammen, um sich gutachtlich zu äußern über die Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises. Die Be⸗ dürfnisfrage wurde bejaht. Eine aus drei Ar⸗ beitgebern und drei Arbeitnehmern auf Grund des§ 70 des Gesetzes über die Gewerbegerichte gebildete Kommission wird die Angelegenheit weiter verfolgen und namentlich die Punkte noch durchberaten, über die in der Plenarab— stimmung Einstimmigkeit nicht herrschte.
* Gießen, 22. April. Für Freunde schlechter „Scherze“ wird die Nachricht von Wichtigkeit sein, daß das Reichsgericht ein Urteil gefällt hat, nach welchem wegen groben Unfugs der— jenige bestraft werden kann, der einem ihm be⸗ kannten Berichterstatter einer Zeitung eine nach— weislich falsche Nachricht unterbreitet, von welcher er voraussetzen kann, daß sie zur Kenntnis der Leser gebracht wird. Ist mit solcher Veröffent⸗ lichung noch der Schaden einer oder mehrerer Personen verbunden, so kann der Ausstreuer der Nachricht außerdem für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden.
* Gießen, 21. April.(Strafkammer⸗ verhandlung.) Gestern nahmen auf der An⸗ klagebank 5 kräftige junge Männer aus Vilbel Platz, Joseph Atzert, Georg Atzert, Joseph Gabrian, Heinrich Muth und Martin Muth. Sie waren vom Schöffengericht Vilbel wegen Haus⸗
friedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschä— digung und groben Unfugs zu Gefängnisstrafen in der Höhe bis zu 3 Monaten verurteilt, wobei jeder der Angeklagten wegen groben Unfugs noch nebenher 3—6 Wochen Haft aufgebrummt erhalten hatte. Die Verurteilten hielten die gegen sie er— kannten Strafen für zu hoch und vertraten die Meinung, unsere Strafkammer würde sie weniger schwer verurteilen. Aber sie sollten sich schmählich geirrt haben, denn auch die Staatsbehörde ver— folgte Berufung, weil die erkannten Strafen ihres Erachtens zu milde seien. Durch die Beweis— aufnahme wurde festgestellt, daß die Angeklagten in Vilbel als Raufbolde bekannt sind. Außer dem Hrch. Muth sind die Angeklagten wegen der in Frage kommenden Delikte bereits mehrfach vorbestraft. Es handelt sich bei der ganzen Affaire um eine Wirtshausrauferei, wobei der Wirt von den Angeklagten so zugerichtet wurde, daß, wie er als Zeuge bekundet, ihm 8 Tage nachher noch alle Rippen im Leibe weh gethan haben. Einer der Kumpane der Angeklagten, als Entlastungs⸗ zeuge vernommen, wurde nicht vereidigt. Im Laufe der weiteren Beweisaufnahme stellte sich heraus, daß dieser Zeuge der Mitthäterschaft im vorliegenden Falle verdächtig sei. Die Staatsbehörde sah die Handlungen der An⸗ geklagten für so sträflich an, daß sie Gefängnis⸗ strafen von 7 Monat und 2 Wochen bis 2 Monat beantragte, außerdem aber wegen des groben Unfugs und der Sachbeschädigung Haftstrafen von 2—3 Wochen erkannt wissen wollte, auch wären 3 der Angeklagten wegen der Höhe der Strafe sofort in Haft zu nehmen. Der Gerichts⸗ hof hob das schöffengerichtliche Urteil auf und erkannte auf Erhöhung der vom Schöffengericht gegen die Angeklagten festgesetzten Strafen. Georg Atzert erhielt wegen gemeinsamen Haus⸗ friedensbruchs und Körperletzung sowie wegen Bedrohung 4 Monat Gefängnis 2 Wochen Haft, Joseph Atzert bekam für den gemeinsamen Haus⸗ friedensbruch und Körperverletzung mit 3 Monat Gefängnis und wegen Sachbeschädigung mit 1 Woche Haft davon. Josef Gabrian erhielt wegen Hausfriedensbruch in 2 Fällen und Körperverletzung 3 Monat und 2 Wochen Gefängnis. Martin Muth und Wilhelm Muth erhielten wegen derselben Vergehen 3 und 2 Monate Gefängnis. Dem Antrag auf sofortige Inhaft⸗ nahme entsprach der Gerichtshof nicht.
* Gießen, 22. April. Die Sache gegen Freißfeld und Schnitzler— unsere Leser erinnern sich der Verhandlung gegen die beiden Studenten vor dem Schöffengericht wegen Wider— stands gegen die Staatsgewalt— wird am 28. d. M. die Strafkammer als Berufungs-Instanz beschäftigen.
* Gießen, 22. April. Die während des landwirtschaftlichen Festes auf Oswaldsgarten errichlet gewesene Grotte hat in Gießen viel Staub aufgewirbelt. Man stritt sich damals darum, ob es überhaupt möglich sei, aus dem Gestein der Bieberbrüche derartige Grotten— bauten herzustellen. Seit einigen Tagen ist im
Garten der Aktienbrauerei ein solcher Grottenbau ausschließlich aus Bieberbruchgestein hergerichtet und können sich Liebhaber denselben dort ansehen.
Gießen, 22. April. Schon über 8 Tage treiben sich im Süden der Stadt die von der schönen Aussicht durchgebrannten beiden Affen, Jocko und Minka, herum und treiben allerhand Allotria. Das eine der Tiere ist inzwischen wieder eingefangen, während Jocko ungeniert sein Wesen fortsetzt und Nachstellungen mit einer Schlauheit und Geriebenheit sich zu entziehen weiß, die dem Affen alle Ehre macht. Würde dem Tiere nicht von allen Seiten Futter verab- folgt, dann wäre es wohl längst in den Tier- park freiwillig zurückgekehrt. Gestern Nachmittag wurde unter Assistenz der Quarta des Gymnasiums eine große Affenjagd veranstaltet, die aber er— folglos blieb.
Gießen, 22. April. Kritische Tage im schlimmsten Sinne des Worts bescheert der dies⸗ jährige Frühling unsern Damen. Denn trotz aller großen Worte von„Frauenbewegung“ und „Emanzipation“ fühlen unsere Damen noch immer so stark wie zu Olims Zeiten das unabweisbare Bedürfnis, schön zu sein und diese Schönheit ins rechte Licht zu setzen. In jedem jungfräu⸗ lichen Gemüte blüht still und durchaus nicht verborgen die Liebe zum Mann und die Liebe zum Putz; aber die Liebe zum Putz ist die stärkere von beiden. Die Liebe zum Mann ist vergänglich und kann in der Ehe dahinwelken und sterben; doch selbst die unglücklichste Gattin, die geschiedenste Frau, wird der Liebe zum Putz nicht entsagen und mit gleicher Inbrunst das neue Kleid und den neuen Hut begrüßen, wie der unschuldige Backfisch sie begrüßt, dessen Ideale von hehrer Männlichkeit noch durch keinerlei bittere Ent— täuschung getrübt wurden. Hunderte eleganter Modejournale, die in Millionen von Exemplaren sind, legen beredtes Zeugnis dafür ab, wie treu unsere Mütter und Töchter die Liebe zum Putz im Busen hegen, und teure Schneider- und Putz⸗ macherrechnungen sind nicht minder sprechende Beweise für diese Schwäche. Nur männliche Barbaren werden die Schale des Zorns oder des Spotts ob den Häuptern ihrer Bräute oder bessern Hälften entleeren, weil sie dem Putz hul⸗ digen und sich gerne schmücken. Geht doch Mutter Natur ihnen mit so gutem Beispiel voran, wenn sie im Frühling für ihre Verehrer sich schmückt, wie unsere Frauen und Töchter sich für uns Männer schmücken. Oeffne drum jeder, der für den lockenden Reiz der Schönheit nicht unempfäng⸗ lich ist, willig seine Augen und seinen Beutel, wenn„Winterstürme dem Wonnenmond“ wichen und„in mildem Lichte“ der Lenz leuchtet, der die nüchterne Welt„mit zarter Waffen Zier“ bezwingt. Leider zögert er diesmal unverant⸗ wortlich lange, so daß unsere Damen ihre duftigen Frühjahrstoiletten durchaus nicht zur Geltung zu bringen vermögen. Hoffend treten sie morgens aus Fenster und spähen nach dem Wetter aus; aber es will sich gar nicht klären, ein Tag ist
kritischer wie der andere, und flüchtige Sonnen⸗ blicke sind fast so selten wie die Krebse in den Monaten ohne r. Melancholisch-gedrückt hängen die bunten Gewänder im Schranke, die ihre Trägerinnen zu zweibeinigen Märchenblumen um⸗ wandeln sollten, und die farbenleuchtenden Hüte müssen ihr kurzlebiges Dasein in der ägyptischen Finsternis der Pappschachtel vertrauern, weil ihr leichter Bau nicht geeignet erscheint, prasselnden Hagelschauern und klatschenden Regentropfen die genügende Widerstandskraft entgegenzusetzen. Schattenhaft, in Kapuzen und Wintermäntel ge⸗ hüllt, huscht das schöne Geschlecht mißvergnügt durch Straßen und Gassen; weiß es doch, daß viel Aufwand an Zeit, an Schneider und Putz⸗ macherkunst schmählich verthan ist, wenn nicht bald der Frühling mildere Saiten aufzieht und die schlechte Aprillaune gründlich ablegt. Denn im Mai muß man schon wieder ernstlich an die neuen Sommermoden denken und mit ihnen rechnen. Vieles, was für den jungen Lenz gar herrlich paßte, muß dann als unmodern auf⸗ gegeben oder mit Fleiß und Mühe geändert werden; eine ärgerliche Sache, die es völlig er⸗ klärlich macht, daß unsere Damen, ob jung oder alt, die kritischen Tage des diesjährigen Frühlings dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst— wohin sie denn auch sich schleunigst empfehlen mögen!
Bad Nauheim, 21. April. Der„D.⸗Ztg.“ wird von hier geschrieben:„Ein eigentümlich er Streit ist zwischen den Nachbarstädten Bad Nauheim und Friedberg ausgebrochen. Der aus dem Usathal kommende Usabach ist im Sommer südlich von Bad Nauheim oft dem Ver⸗ siegen nahe, da derselbe den großen Sammelteich speist und das Wasser von ihm durch zwei Wehre zum Treiben des Kunstrades am Gradier— werke abgeleitet wird. Der Mißstand ist um so größer, als das Gefälle geradezu ein minimales ist. Bad Nauheim ist fast durchweg kanalisiert und werden die Abwässer in einen Sammelkanal geleitet und dessen Inhalt dann einer im vorigen Jahre in Betrieb gesetzten Klärbeckenaulage zu— geführt. Seit dieser Zeit mehren sich nun in Friedberg die Klagen über die zunehmende Ver- unreinigung und den üblen Geruch des Usa— wassers. Der Besuch der nördlich der Stadt gelegenen Badeanstalt des Herrn Walter hat thatsächlich Einbuße erlitten. Man sah sich des⸗ halb in Friedberg zu Rekriminationen in der Presse und zu Beschwerden bei den oberen Ver⸗ waltungsbehörden veranlaßt. Professor Gaffky in Gießen hat auf Ersuchen nach genommener Lokaleinsicht und Prüfung der Sache ein aus⸗ führliches Gutachten erstattet. In der vorigen Woche wurde hier eine Tagfahrt abgehalten, an welcher der erwähnte Sachverständige, Mitglieder des Ministeriums, Beamte des Großh. Kreis⸗ amts Friedberg und der hiesigen Badedirektion, sowie die Bürgermeister der beteiligten Städte teilnahmen. Eine Reihe von Vorschlägen zur Verbesserung des Kanalsystems und der Klär⸗ beckenanlage behufs Beseitigung der Uebelstände wurde gemacht und Herrn Walter unterbreitet,
Eine fixe Idee? Von Martin Böttcher. (Schluß.)
Diese Umstände wurden aber ohne Aufforde—⸗ rung mitgeteilt und konnten mit wenigen Worten erzählt werden:
Der junge Mann war in der Verwirrung kurz nach der Katastrophe— die in der Nähe der nord— amerikanischen Küste stattfand und durch einen Zusammenstoß herbeigeführt wurde— von dem schnellsinkenden Schiffe in der Absicht über Bord gesprungen, das Leben vorläufig durch Schwimmen zu erhalten. Er war mit anderen Unglücksgenossen sofort von einem der Schiffsboote aufgenommen worden und dann in den Dampfer an Bord ge⸗ kommen, der„Fortunas“ Untergang verursacht hatte. Aber eine schwere Verwundung am Hinter⸗ kopf, herbeigeführt durch einen starken Stoß— vielleicht gegen die scharfe Kaute eines Wrackstücks, vielleicht gegen die Planken des sinkenden Schiffes, gegen welches ihn die wildbewegten Wellen mit einem heftigen Wurf geschleudert haben mochten— hatte ihm das Bewußtsein geraubt und würde augenblicklich sein Schicksal besiegelt haben, wenn nicht der Rettungsgürtel ihn am Versinken ge⸗ hindert und wenn nicht die Hülfe in unmittelbarer Nähe gewesen. So bald wie möglich war er in einem Hospital des fremden Landes untergebracht worden. Hier kannte ihn niemand, und von hier aus hatte man einstweilen seinen Angehörigen in
nichts bei ihm vorgefunden worden war, was auf deren Spur hätte leiten können, und da er in seiner bedauernswerten Verfassung lange selber nicht imstande war, nähere Aufschlüsse zu geben.— Die Beschädigung hatte sich nämlich als ein Schädel— bruch herausgestellt, der wieder einen Gehirndruck verursacht, welcher nun seit Monaten seine Sinne umnebelt hatte. Nun hatten sie sich mittlerweile etwas geklärt, und ein Hospitalarzt hatte einen der ersten lichten Augenblicke des Patienten benutzt, deuselben nach der Adresse seiner Angehörigen zu fragen. Sie war ihm mitgeteilt worden, und da— rauf hatte er gleich geschrieben.
Ein Spiel des Zufalls— eiue auffällige Aehn— lichkeit hatte zu einer Verwechselung des bewußt— losen Unbekannten mit einem auderen nur ober flächlich nach Namen und äußerer Erscheinung be— kannten Passagier, der ertrunken war, die Veran— lassung gegeben, und so war durch Fahrlässigkeit auch eine verhängnisvolle Verwechselung von Namen in die Liste über Verunglückte und Vermißte hinein gekommen.—— Ein Spiel des Zufalls hatte auch Sorge getragen, den Irrtum zu berichtigen. Man hatte nämlich eine Leiche gefunden, deren Ideutität mit dem erwähnten Passagier durch un umstößliche Beweise dargethan werden konnte.— Aber wer von deu Vielen, die auf der Liste als Vermißte bezeichnet waren, mochte derjenige sein, welcher im Hospital lag mit umnebelten Sinnen? Man hatte sich mit der Beantwortung dieser Frage gedulden müssen, bis man die Auf—
klärung aus dessen eigenem Munde empfangen konnte.
Der Brief enthielt eine Bitte um möglichst schonende Mitteilung seines Inhaltes an diejenige, für welche derselbe zunächst bestimmt war. Der erste bewußte Gedanke des Kranken hatte also bei ihr geweilt.
Er konnte ja nicht wissen, daß die bittere Er— fahrung den alten Kaufherrn Vorsicht gelehrt— auch in Dingen, die nicht zum Geschäft gehörten, und daß die harte Prüfung ihn rücksichtsvoll ge— macht hatte.
Ob die größte Gefahr schon überstanden sei— ob man au völlige Heilung hoffen dürfe— davon hatte der Arzt kein Wort geschrieben, wahrscheinlich weil er zweifelte. Sie zweifelte nicht, daß alles jetzt gut werden würde, jetzt weniger denn je, und ihr Vater zweifelte auch nicht mehr.— Was er bis jetzt für eine fixe Idee, eine krankhafte Illusion gehalten, das hatte er ja neulich als„eine feste Hoffnung, die nicht zu schanden werden könne“, anerkannt.
Daß diese Hoffnung nicht schwanke, da sie keine Stütze hatte, das war für die Taute immer ein Zeichen gewesen, daß sie von demjenigen„ins Herz gepflanzt“ sein müsse, der Mittel und Wege findet, wo die Menschen keine sehen⸗— Als sie nun die Botschaft hörte, da sah sie schon die Erfüllung des so lange gehegten innigen Wunsches.
„Ich wußte es ja“, sagte sie.„Eine Liebe, die zalles glaubt, alles hofft, alles duldet“, eine solche Liebe kann nicht vergeblich glauben und hoffen und dulden.“
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Es ist lange her seit der Lenz, der neue Herrscher, ins Land zog— feierlich unter großem Geprän ze—: seit der Wald sein prächtiges Fest— gewand anlegte, seit über Wiesen und Felder grüne, blumige Teppiche gebreitet wurden. Es ist lange her; aber noch ist der junge Herrscher jugendfrisch und froh; noch freut er sich mit seinem Hofstaat von Schwalben und Blumen: Sang und Klang; Tau und Duft.
Und lange ist es her, seit der Lenz der Lebens— freude seine erste, erlösende Botschaft sandte an das Herz, das von der herben Winterkälte der Sorge und Sehnsucht so sehr zusammengepreßt war. Aber erst heute wird er in dies Herz einziehen. Der Zauberfaden, vom forschenden Menschengeist aus Gedanken und Eisen gesponnen und von der zähen Kraft über Länder und Meere gewoben— der Zauberfaden, der so weite Fernen mit einander verbindet, hat heute Sehusucht mit Sehusucht ver— bunden und Stillung der Sehnsucht verheißen. Es kam neulich Nachricht aus der Hafenstadt.„Wieder auf dem Boden des Vaterlandes; heute Abend im Hafen der Heimat.“—
Und die Zeit schreitet mit Schneckenschritten und zügelt die Stundenzeiger der Uhr, daß sie kaum vorwärts kommen können; sie scheinen zu schlafen.— Aber heute Abeud werden sie geweckt werden; das Aechzen und Schnauben des Dampf- rosses wird sie wecken, und fortan werden sie sich beeilen, das Versäumte nachzuholen: Fortan wird sich die Zeit beflügeln, vorwärts eilen wie auf einem rollenden Rade.


