Ausgabe 
22.10.1896
 
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Auf dem herz

90A zäustetr, f 16, Ansen 28, h. St. 90-10 Ginse per Puh und Nude A., gesclz. 70-1 70, Kattofflg y entner 4,0050, 8,1000 Uh

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Gießen, Donnerstag, den 22. Oktober

1896.

1 Redaktion:

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zogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Her⸗

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Ausgabe

Gießen.

adeszeikung.

6 Kreuzplatz Nr. 4. 2

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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edition: gen Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 20. Okt. Der Gro hat am 14. Oktober der durch die

ßherzog Dekanats⸗

16 55 des Dekanats Alsfeld für den Rest der

Jahre 1898 ablaufenden Wahlperiode voll⸗

mann Wörißhoffer zu Groß⸗Felda zum Dekan und des evangelischen Pfarrers Friedrich N Jäger zu Billertshausen zum Stellvertreter des 9215 des Dekanats Alsfeld die Bestätigung erteilt. Gießen, 21. Oktober.(Stadttheater.) Herr Clemens Grün vom Frankfurter Stadttheater, der geniale Darsteller komischer Rollen, der Liebling des Frankfurter Publikums, 25 7 am Donnerstag, den 22. Oktober, m hiesigen Stadttheater. Derselbe wird in den heiden EinakternErlauben Sie, gnädige Frau undTaub muß er sein zwei seiner besten Rollen spielen und auch eine seiner köstlichen Soloszenen, betiteltMeine drei Töchter, zur Darstellung bringen. Gießen, 21. Okt.(Stadttheater.) Die NovitätGräfin Fritzi, Lustspiel in drei Akten von Gustav Blumenthal, ging gestern 115 erstenmal in Szene. Das Stück ist voll klomischer und überraschender Situationen. Die Handlung selbst ist äußerst einfach. Das Haupt⸗ motiv ist folgendes: Eine Sängerin vermählt ich an einen Grafen. Nach dem Tode ihres Gemahls, der in einem Duell fiel, lebt sie zwei volle Jahre in Zurückgezogenheit, um dann wieder in einem Bade⸗Orte die Bekanntschaft einer Dame, der Frau Justizrätin Helling, zu 115 Sie wird wieder in weitere Kreise der besseren Gesellschaft zugezogen und von einer Frau Kommerzienrat Mainhard mit Reserve und Mißtrauen behandelt. Die schöne Gräfin hat aber auch ihre Anbeter, und zwei Herren der Gesellschaft bemühen sich um ihre Gunst. Der Schleier des Herkommens der Gräfin wird gelüftet, sie steht wieder als Künstlerin vor ihnen. Gräfin Fritzi, der das formelle Leben zuwider, will wieder zur Bühne zurückkehren. Doch einer ihrer Aubeter, ein junger Rechtsanwalt, macht ihr einen ernsthaften Antrag. Sie nimmt denselben an unter der Bedingung, daß sie der Bühne entsagen muß. Neben diesem Hauptmotiv geht eine hübsche Liebesgeschichte zwischen Fräulein Hedda und einem Herrn Helling, Justizrats⸗ Sohn, vor und nach verschiedenen komischen Auftritten bekommen sich auch diese Beiden. Aber auch eine hübsche, temperamentvolle Wiener ⸗Operettensängerin mit lieben schelmischen Augen erscheint auf der Bühne, um bei einem Stadtrat, Kommerzienrat Mainhard, wegen Herabsetzung ihrer hohen Steuern Gehör zu inden. Auch hier reihen sich durch die besondere Liebenswürdigkeit des Herrn Kommerzienrats heitere Situationen an. Auch etwas Moral fehlt dem Stücke nicht. Die Handlung ist also, wie wir eingangs gesagt haben, sehr schlicht und gentlich nicht neu oder gar originell. Und doch

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mutet das Lustspiel in jedem Augenblick wie etwas ganz Besonderes an. Es ist nämlich mit einer solchen Fülle von liebenswürdigem und lebendigem Humor gegossen, daß einem das Herz vor Freude aufgeht. Das Publikum ist gewiß noch selten so angenehm angeregt aus dem Theater gegangen wie gestern, denn das beweisen die lauten Beifallsbezeugungen seitens des ani⸗ mierten Publikums in hohem Grade. Der Bei⸗ fall rührte natürlich auch daher, daß die Komödie famos gespielt wurde. Fräulein Egger ver⸗ körperte ihre Gräfin Larah vorzüglich. Cerline Grundel(Fräulein Dell mar) bewegte sich als Wiener Operettensängerin ungezwungen, so ganz Natur, und mit besonderem Vergnügen und Wärme hat das Publikum ihre Leistungen an⸗ erkannt. Ganz gut war Herr Helm als Kom⸗ merzienrat, auch Frau Helm als Kommerzien⸗ rätin; ferner sind Herr Goldbach als Franz Helling und Fräulein Diener als Hedda in allen Szenen mit ihren Aufgaben zurecht ge⸗ kommen. Herr Schröder kopierte seinen Kapell⸗ meister Ambrosius mit urwüchsiger Natürlichkeit. Nur Herr Peickner als Rechtsanwalt konnte sich mit seiner Rolle nicht recht abfinden; ein nach Liebe dürstender Rechtsanwalt tritt etwas anders auf. Herr Peickner markiert stets zu sehr den Schauspieler; er muß eben natürlicher sein. Wahrscheinlich wirdGräfin Fritzi wieder⸗ holt werden. Und deshalb betonen wir zum Schlusse nochmals, daß das Werk sich so lachend dahinlebt, ohne Pose, auch ohne jede Schlüpfrig⸗ keit. Es kann daher Alt und Jung seine Freude dran haben!

Gießen, 21. Oktober. Die Befürchtung, daß mit der Auflösung der Direktion der Ober⸗ hessischen Eisenbahnen, durch den Uebergang dieser Bahnen in preußische Verwaltung, unsere Stadt dadurch benachteiligt würde, daß eine Anzahl von Beamten hier ihren Wohnsitz aufgeben müßte, bewahrheitet sich nicht. Wir erfahren, daß die vier bei uns zu errichtenden Inspektionen mit einem Personal von 200 Beamten, darunter 8 Ingenieuren, besetzt werden. Die hier zu errichtende Maschinen⸗Juspektion wird eine der größten mit in Deutschland werden. Allerdings verlautet auch, daß das Bureau für die Ober⸗ hessischen Nebenbahnen mit dem 1. April k. J. aufgelöst werden soll, wodurch natürlich auch

ein Weniger an Beamten entsteht.

* Gießen, 20. Okt. Die Nass. Landes⸗ bank hat den Zins fuß für Darlehen gegen Hypotheken und Bürgschafts⸗Darlehen auf 35/ Prozent, für Darlehen gegen Verpfändung von Wertpapieren(Lombarddarlehen) bis zu 5000 . auf Proz. herabgesetzt.

* Gießen, 21. Oktober. Eine große Kaffee⸗ gesellschaft war gestern Nachmittag im Gießener Fest⸗ saal versammelt. An sauber gedeckten Tischen saßen wohl über 500 Damen, vor jeder derselben stand eine Tasse mit einem Stück Gebäck. Die Theaterbühne war in eine Kaffeeküche verwandelt, in der zwei Köchinnen ihres Amtes walteten und den Trank bereiteten, der der Gesellschaft nach Anhörung eines Vortrages über die Bedeutung des Kaffeegenusses in der Familie kredenzt werden sollte. Die

Vortragende, Fräulein H. Hohtmann aus Hannover, verstand es aber auch vorzüglich, ihre Kaffeegesellschaft, unter der sich nur einzelne Herren befanden, in kurzer Ausführung vorzubereiten auf den Mokka, welcher auf Veranlassung der Firma Kathreiners Malzkaffee deren Gästen zur Probe verabfolgt werden sollte. Sie gab zuerst eine Geschichte des Kaffees, der zuerst von den Türken von Mokka nach Europa gebracht wurde. 1679 wurde in Hamburg das erste Kaffeehaus in Deutschland eröffnet, und zwar von einem Engländer. Berlin erhielt erst 1721 sein erstes Kaffeehaus, obwohl am Hofe des Großen Kurfürsten bereits 50 Jahre früher der Kaffee bekannt war und auch getrunken wurde. Wie der Tabak, war auch der Kaffee lange Zeit verpönt. Besonders Friedrich der Große war es, welcher den Kaffeegenuß für das gemeine Volk nicht zulassen wollte und die sogenannten Kaffeeriecher anstellte, die darüber zu wachen hatten, daß niemand gegen die Verbote des Kaffeetrinkens sündigte. Er schuf das Kaffeemonopol in Preußen, und nur die Vornehmen und Reichen durften Kaffee genießen. Der alte Fritz wollte damit erreichen, daß das Geld im Lande bleibe und nicht für Kaffee ins Ausland wandere. Aber aller Verbote zum Trotz erlangte der Kaffeegenuß eine große Bedeutung, und heute zahlt Deutschland allein für die Bohnen zu diesem braunen Getränk 240 Millionen Mark an das Ausland. Die Rednerin ging dann dazu über, den Kathreinerschen Malzkaffee als bekömmlich und zuträglichen Kaffee warm zu empfehlen. Dieser schütze vor Nervosität, die durch den Bohnenkaffee erzeugt und genährt werde. Dieser Kaffee wachse nicht im Ausland, sondern werde aus unseren goldenen Aehren in der Weise hergestellt, als die Firma Kathreiner aus dem Fleisch der Kaffeebohnen, welches in deren Heimat einfach fortgeworfen werde, durch ein besonderes Verfahren ein Extrakt bereiten lasse, mit dem das Malz imprägniert werde, um so im Geschmack den Bohnenkaffee noch zu übertreffen. Nach dem auf den Tischen ausliegenden Rezept genüge/ Bohnenkaffee zu/ Malzkaffee, um ein wohlschmeckendes Genußmittel zu erzeugen. Rednerin verlas dann mehrere Gutachten medizinischer Sachverständiger, welche mit ihrer Autorität dafür einstehen, daß Kathreinerscher Malzkaffee gesundheitlich zuträglicher sei, als Bohnenkaffee. Hierzu komme noch, daß eine Familie von 6 Köpfen, bei Ver⸗ wendung von/ des Malzkaffees zu/ Bohnenkaffee pro Jahr mindestens 100, erspare. Die Rednerin er⸗ klärte, daß der verabreichte Kaffee in dem von ihr ge⸗ nannten Mischungsverhältnis zubereitet sei, und bat die Versammelten, zu probieren, um sich von der Güte des Getränkes zu überzeugen. In großen weißen Kannen wurde nun der braune Trank verabreicht und lebhaft tauschten die Damen nunmehr ihre Meinung über die Qualität des Gebotenen aus. Diese Art, eine Ware an⸗ zubieten, war unserer Gießener Damenwelt ganz neu, und wir müssen gestehen, wenn die Stimmung in der Kaffee⸗ gesellschaft bald eine festliche und gehobene wurde, nicht zum wenigsten die liebenswürdige Art dazu beitrug, mit der Fräulein Hohtmann die Wirtin machte. Die Dame ist Wanderrednerin der deutschen Gas- und Wassermänner und stellte in Aussicht, bald in Gießen einen Vortrag halten zu wollen über das Thema:Kochet mit Gas. Im Vertrauen verriet sie uns, daß es dabei die leckersten Speisen zu kosten geben würde. Uns solls recht sein.

* Friedberg, 20. Okt. Herr Lehrer Gg. Eck von Mainz wurde als Lehrer an das hie⸗ sige Schullehrerseminar versetzt.

*Darmstadt, 21. Oktober. Am 31. März l. J. hat sich hier ein Verband des Hessischen Fecht⸗ vereins Waisenschutz gebildet. Das Interesse an der guten Sache und die Beweise opferfreudigen Sinnes,

welche die Gründe des Verbandes zunächst im Kreise von Angehörigen und Freunden gefunden haben, hat den Wunsch rege gemacht, auch weitere Kreise mit den Zle len und Zwecken des Vereins bekannt zu machen und für dessen edle Bestrebungen zu erwärmen. Man ist von der Erwägung ausgegangen, daß einmal die Waisenpflege in unserem Großherzogtum durch Landesgesetz geregelt wird und daß die bedeutenden Summen die den Fechtschulen im Laufe der Jahre aus Hessen zugeflossen sind, zu den durch die Aufnahme von Kindern in die erbauten Waisenhäuser bis jetzt verursachten Kosten in keinem Verhältnis stehen. Man erstrebt daher das Ziel, das in Hessen aufgebrachte Geld im Interesse zunächst von Kindern unseres engeren Vaterlandes in nutzbringender Weise zu verwenden. Um verwahrlosten Kindern ein bleibendes Heim zu schaffen, ist die Erbauung einer Heimstätte, in der die Zöglinge Erziehung und Pflege ähnlich wie in den Pestalozzihäusern finden sollen, ins Auge faßt. Daß das erstrebte Ziel zu erreichen ist, dafür spricht die Thatsache, daß vom September 1892 bis dahin 1896 seitens des Vereins bar 2500,70 Mark verzinslich angelegt werden konnten und außerdem ein Vermögensbestand, bestehend in Sammelbüchsen usw. von 3494,75, nachgewiesen ist, was zusammen 5995,45 4 ergiebt. Dazu ist neuerdings seitens des Großh. Minlste⸗ riums des Innern die Genehmigung zur Abhaltung einer Lotterie zu Gunsten des Vereins erteilt worden, ferner wurde von einem Gönner ein Grundstück zur Erbauung eines Hauses zum Geschenk gemacht, sodaß der Gedanke, den Bau eines Hauses bald in Angriff nehmen zu können, seiner Verwirklichung um ein Beträchtliches näher gerückt ist. Aber noch viel bleibt zu thun, um das Ge⸗ lingen des Unternehmens dauernd zu sichern. Auch in unserem Hessenlande kann ähnliches geschaffen werd en und insbesondere in Darmstadt ist uns ein weites Feld der Thätigkeit eröffnet. Ueber die Organisation des Hes⸗ sischen Fechtvereins ist noch bekannt zu geben, daß die Oberleitung desselben in den Händen der Oberfechterei liegt, die ihren Sitz in Mainz hat und daß z. Zt. be⸗ sondere Verbände außer in Darmstadt in Mainz, Al⸗ zey, Bingen, Worms, Gießen und vielen kleineren Orten unseres Großherzogtums bestehen. Das Zentral⸗ organ, in welchem die Vereinsangelegenheiten behandelt werden und das den Fechtwartstellen kostenlos zugestellt wird, führt den Titel Waisenschutz, Zentralorgan des Hessischen Fechtvereins, Wohlthätigkeitsverein zur Pflege armer hilfsbedürftiger Halbwaisen im Großherzogtum Hessen.

*Ober⸗Roden, 18. Okt. Auf der neuer⸗ öffneten Bahnstrecke 0 denen Reinheim ereignete sich vorgestern bei der hle⸗ sigen Station der erste Bahnunfall. Wäh⸗ rend des Rangierens versperrten nämlich mehrere Waggons das Hauptgeleise. Der von Reinheim kommende Personenzug rannte gegen den ersten Wagen, der zertrümmert wurde. Auch die Ma⸗ schine des Personenzuges wurde erheblich be⸗ schädigt. Zum Glück beschränkten sich die Folgen des Zusammenstoßes nur auf den Materlial⸗ schaden. Die Klagen über Unregelmäßig⸗ keiten auf dieser neuen Strecke wollen nicht verstummen. Der starke Güterverkehr perursacht sehr häufig bedeutende Verspätungen, die große Unzufriedenheit hervorrufen. 2

* Mainz, 20. Okt. Im Juli d. Js. er⸗ schien in derMainzer Volksztg. eine Notiz, worin über die Behandlung eines Schülers der Volksschule Klage geführt wurde. Es seien ihm Prügel mit einem Gummischlauch angedroht

Zwischen Liebe und Pflicht.

Roman aus dem australischen Buschleben 4 von G. Löffel. 28(Fertsetzung.) Dann kletterte ich noch einmal hinunter, um ine Unterlage für mein Lager hinaufzuschaffen. An einer ferneren Stelle, wo das Farnkraut

ungewöhnlich dicht stand, schnitt ich mit meinem

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Nesser eine Menge desselben dicht über dem Erd⸗ loden ab, sodaß man die Herausnahme nicht gleich semerken konnte, trug das gewonnene Material zu⸗ ammen, umschnürte es mit meinem Strick und krachte es so nach der Hütte. 5 Nachdem ich auch hier jede Spur meiner Thätig⸗ keit vernichtet hatte, zog ich die Leiter hinauf und 0 efand mich nun in verhältnißmäßiger Sicherheit. Mein Lager war schnell hergerichtet. Ich streckte mich auf demselben aus und lauschte. Lein verdächtiges Geräusch wurde laut. 3 55 Nach Verlauf einer halben Stunde lag ich in nem festen, tiefen Schlaf.

1 Als ich erwachte, stand die Sonne schon hoch Im Himmel. Ich verspürte Hunger und Durst. Den ersteren konnte ich sogleich stillen, denn ich 1. auf wenigstens acht Tage mit Proviant

ersehen. Der Durst trieb mich endlich hinunter, um nach asser zu suchen. 8 Ich schöpfte solches dicht bei der Hütte aus mem gemauerten Brunnen und fand es gut trink * nit schwand meine letzte Sorge. s 1 mein Blech⸗Eimerchen und stieg wieder

Von meinem Dach, in dem einige Schindeln fehlten, konnte ich auf eine ziemliche Entfernung im Walde Umschau halten, ohne selbst gesehen zu werden.

Da wäre ja nun Alles beieinander gewesen, was ich brauchte, um mir eine gute und andauernde Beobachtung zu ermöglichen.

Nur eins fehlte mir noch mein Pferd.

Wenn ich das hätte bei der Hand haben können, um dem Goldgräber der toten Schlucht auf seinem Nachtritt zu folgen, dann konnte ich mein Beob⸗ achtungsfeld bedeutend erweitern..

Das arme Tier mochte auch selbst schon Durst leiden, und wenn es kein Wasser fand, in die Schlucht hinab dringen, um dort solches zu suchen; oder es irrte immer weiter ab und ging mir ver loren.

Dieser Gedanke beunruhigte mich im höchsten Grad.

Ich wartete noch eine ganze Stunde, dann wagte ich mich abermals aus meinem Versteck hervor. i

Ich versteckte jetzt die Leiter im nahen Farn⸗ kraut. Ehe ich mich auf die Suche nach meinem Pferd begab, schlich ich mich noch einmal zum Rand der toten Schlucht.

Die Januar-Sonne schien heiß aus dem wolken⸗ losen Himmel hernieder.

Kein Lüftchen regte sich.

In der Natur herrschte eine wahre Totenstille. Ob der unheimliche Mensch wohl den ganzen Tag über in seinem Versteck verblieb?

Ich suchte mir den am meisten gedeckten Weg,

und als ich in Sichtweite angelangt war, ließ ich mich auf die Kniee nieder.

Vorsichtig kroch ich auf Händen und Füßen durch das hohe Farnkraut weiter, bis zu einer Stelle, wo ich jene übersehen konnte.

Ich kam gerade noch zurecht, um am ferneren Ende, dort wo die tiefe Schlucht in ein flaches Thal auslief, einen Reiter davonsprengen zu sehen.

Dieser war ein Anderer als der Mann von gestern Nacht und er ritt auch ein anderes Pferd!

In seinem Aeußeren glich er einem gewöhnlichen Buschmann, das Pferd war ein Fuchs.

Im nächsten Augenblick war er in der Thal windung verschwunden.

Ich war über diese Entdeckung ganz erschrocken. Sollte der Sergeant mit seiner Vermutung doch recht behalten und hier eine ganze Bande ein quartiert sein? Da hieß es, meine Aufmerksamkeit verschärfen.

Aber auch mein Pferd mußte ich in der Nähe haben, denn vor einer Uebermacht konnte ich mich nur durch die Flucht retten.

Ich verharrte über eine Stunde auf meinem Beobachtungs-Posten.

Der Reiter kehrte nicht zurück und unten blieb Alles still.

Die Hitze wurde drückend; die ganze Luft war in eine flimmernde Bewegung geraten.

Ich durfte nicht länger zögern, mein Pferd mit zu versorgen.

So begab ich mich denn auf Schleichwegen zurück nach der Hütte und von hier nach dem Scrub.

̃ Vergebens sah ich mich da nach meinem Pferd Bis zum Mittag irrte ich im Serub umher. Sein Strauchwerk spendete nicht den mindesten Schatten. Endlich fand ich den Strauch wieder, in welchem ich Sattel und Zaum versteckt hatte.

Nun hatte ich Hufspuren, denen ich folgen konute. Ich that es ohne Zögern und nach Ver⸗ lauf einer weiteren Stunde fand ich mein Pferd.

Mit freudigem Wiehern lief es auf mich zu. Das war mir so, als wenn ein Mensch zu mir gesprochen hätte. Ich klopfte dem treuen Tier lieb⸗ kosend den Hals, schwang mich hinauf und lenkte es auf demselben Weg zurück.

Sattel und Zaum waren schnell angelegt und nun ging es im schlanken Trab nach dem Wald, durch den ich mir dann einen Weg bis zu meiner Hütte bahnte.

Unweit des Brunnens lag ein Trog, ein aus- gehöhlter Baumstamm, der allen Witterungs⸗Ein⸗ flüssen widerstanden hatte.

Diesen füllte ich mit Hilfe meines Blech- Eimerchens mit Wasser und tränkte da mein Pferd.

Nun wußte ich, daß es dahin immer wieder zurückkehren würde, um seinen Durst zu löschen.

Nachdem es getrunken hatte, trieb ich es eine Strecke weit fort und ließ es grasen.

Sattel und Zaum nahm ich mit nach oben. Die Leiter zog ich natürlich wieder hinauf.

Als ich dann selbst gegessen und getrunken hatte, streckte ich mich auf mein Lager, um den Rest des Tages zu verschlafen. In dieser Nacht gedachte ich die tote Schlucht vollständig zu durchforschen.

um.

ortsetzung folgt.)