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weis Ihres Vertrauens,
Gießen, Dienstag, den 22. September
1890.
ische Landeszeitung.
Ausgabe
Gießen.
Redaktion:
8 Kreuzplatz Nr. 4..
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 21. Sept. Restaurant Feidel einberufene Ver⸗ trauensmännerversammlung der frei⸗ sinnigen Volkspartei für den I. Hess. Reichstagswahlkreis war auch von außerhalb gut besucht. Rechtsanwalt Metz entwickelte die Gründe, welche bestimmend gewesen seien für die Aufstellung der Kandidatur Stengel für die bevorstehende Reichstagswahl und betonte An⸗ riffen der Berliner Presse gegenüber, daß sein ollege Dr. Gutfleisch nur aus Gründen per⸗ sönlicher Natur eine Kandidatur zum Reichstag für unseren Wahlkreis für dieses Mal habe ab⸗ Es sei unrichtig, wenn von anderer Seite behauptet werde, der Vorstand des Freisinnigen Wahlvereins habe mit dem nationalliberalen Vorstand wegen einer gemein⸗ samen Kandidatur Gutfleisch verhandelt, es sei auch unwahr, wenn behauptet werde, daß der Vorstand in der Befürchtung, Gutfleisch würde sich, wenn er gewählt würde, der freisinnigen Volkspartei nicht anschließen, er würde wild bleiben, von dessen Aufstellung als Kandidat ab⸗ gesehen und die Kandidatur dem Prof. Stengel Wr habe. Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, welcher in der Versammlung anwesend war, nahm hierauf das Wort, um auszuführen, daß es ihm thatsächlich seine privaten Verhältnisse nicht gestatten würden, längere Zeit in Berlin zu leben, es sei denn, wenn er seine Advokatur hier aufgebe und nach dorthin verlege. Dieser Vor⸗ schlag sei ihm von seinen Parteifreunden auch schon gemacht, aber er hinge an dem ihm lieb gewordenen Wirkungskreis, an seinen vielfachen vertraulichen Beziehungen und an den ihm ver⸗ trauensvoll übertragenen Aemter und stehe nicht an, zu erklären, daß er sogar bereit sei, ein Landtagsmandat eher zu übernehmen, wenn es ihm angeboten würde, als ein Mandat zum eichstag, weil er von Darmstadt aus seine Ad⸗ vokatur immer noch besser besorgen könne, als von Berlin aus. Gutfleisch kommt dann auf die Kandidatur Stengel und bemerkt vorweg, daß es ganz außer Zweifel sei, daß unser früherer Kandidat Dowe ein freisinniger Mann sei, der allerdings kein geschickter 5 1 sei und der für unseren mehr ländlichen Wahlkreis nicht passe. Stengel aber sei bei uns heimisch; er habe be⸗ wiesen, daß er es verstehe, die einzelnen In⸗ teressen der Wähler zu beurteilen und daß er es durch sein freundliches Wesen besonders gut ver⸗ stehe, sich die Sympathien der Wähler auf dem ande zu erobern. Stengel sei aber auch poli⸗ tisch eine tüchtige Kraft, sodaß er denselben nur warm empfehlen könne. Redner kommt nun auf die ihm gemachten Vorwürfe, und erklärt, daß es für ihn rein unmöglich sein würde, mit den Nationalliberalen zusammen zu gehen, mit den Nationalliberalen, die im Schlepptau der Agrarier marschieren, die für den Antrag Kanitz ꝛc. schwärmen. Man mache ihm den Vorwurf, daß er hier gelegentlich der eier der Wiederaufrichtung des deutschen eiches Bismarck gefeiert habe als den größten Staatsmann des Jahrhunderts. Der Vorwurf,
Die gestern nach dem sch
daß sich dieses nicht mit der Gesinnung eine freisinnigen Mannes vertrüge, 10 ihm früher on in sozialdemokratischen Blättern gemacht worden, ohne daß er es für nötig gehalten, darauf zu reagieren. Diese Festversammlung am 18. Januar war veranstaltet von einem Komitee, welches bestand aus Mitgliedern aller politischen Parteien für unsere Bürgerschaft ohne Unterschied des Standes und der Partei. Die Reden waren vorher bestimmt und man hatte ihm den Auftrag erteilt ein Hoch auszubringen auf all die deutschen Staatsmänner, welche in diesem Jahrhundert für die Einigkeit unseres Vaterlandes gewirkt hatten; wenn man ihm ge⸗ rade diese Aufgabe übertragen hatte, so wollte man jedenfalls einer Bismarcksverhimmelung, in die vielleicht ein Anderer dabei übergegangen wäre, vorbeugen, man hatte wohl zu ihm das Vertrauen, daß er die Gefühle der Versammlung, in der alle politischen Parteien vertreten waren, nach keiner Richtung hin verletzen würde. Das, was er in seinem Toast von Bismarck gesagt, bezog sich auf den Staatsmann bis 1870 und dessen Anteil an der Gründung des Reiches und seine politischen Freunde hätten ihm zugestimmt in der Beurteilung Bismarcks nach dieser Richtung. Es habe dieses mit der Thätigkeit des späteren Bismarck als Minister des Innern ganz und gar nichts zu thun. Die Versammlung erhob sich von ihren Plätzen zum Zeichen, daß sie mit den Ausführungen des Dr. Gutfleisch einverstanden sei und die in der Presse gegen denselben gerichteten Angriffe miß⸗ billige. Bürgermeister Heller-Lich fragt an, ob man denn zum Reichstagskandidaten außer Dr. Gutfleisch im Wahlkreise nicht einen anderen tüchtigen Mann habe finden können. Rechts⸗ anwalt Dr. Jung führt demgegenüber aus, daß Professor Stengel ja so gut wie aus unserem Wahlkreise sei, er sei oft von Marburg herüber⸗ gekommen und habe mit uns beraten, man müsse ihm als tüchtigen und überzeugungsvollen Mann nur seine Stimme geben und darum bitte er die Versammlung, einstimmig dessen Kandidatur zu⸗ zustimmen. Die Abstimmung ergiebt, daß die Kandidatur des Professor Stengel auch von den Vertrauensmännern einstimmig acceptiert wird. — Zu einer Besprechung der Landtagswahl übergehend erklärt Dr. Gutfleisch auf Befragen, daß er ein Landtagsmandat anzunehmen bereit sei, wenn er gewählt werde, aber etwa hinaus⸗ zugehen und darum zu werben oder zu agi⸗ tieren, das könne man ihm nicht zumuten. Seine Ansichten seien ja überall bekannt. * Gießen, 21. Sept. Provinzial⸗Aus⸗ schußfitzung vom Samstag den 19. Septem⸗ ber. Verhandelt wird ein Rekurs des Restaura⸗ teurs Binzer, Liebigstraße gegen einen ver⸗ sagenden Entscheid des Kreis⸗Ausschusses betref⸗ fend Ausschank von Branntwein in Gläsern. Die Polizeibehörde und die Stadtverordneten⸗ versammlung hatten das Bedürfnis für die Binzersche Wirtschaft anerkannt, der Kreis⸗Aus⸗ schuß jedoch war entgegengesetzter Meinung. In der Verhandlung wurden 2 Gutachten, erstattet vom Kreisgesundheitsamt und von der Direktion des Hygienischen Instituts verlesen, welche dahin
sich aussprechen, daß ein Schnaps zwar zuträg⸗ lich und gesund sei, wenn man denselben vor einem kalten Glase Bier genösse, besonders sei dies anzuerkennen, wenn zum Beispiel ein er⸗ hitzter Gast, bevor er kaltes Bier trinke, vorher ein Gläschen Schnaps zu sich nehme. Es würde dadurch einer Erkältung der Verdauungsorgane vorgebeugt, doch erkennen beide Gutachten die unbedingte Notwendigkeit, um diese Wirkung zu bekommen, den Genuß von Schnaps nicht an, denn es genüge für den Erhitzten, bevor er das Bier trinke schon der Genuß eines Stückchen Brodes, welches überall zu haben sei. Das Gut⸗ achten des Hygienischen Instituts erklärt üb⸗ rigens, daß Bier bei 10 Grad Celsius genossen überhaupt nicht schade. Der Provinzialausschuß erkennt hierauf auf Verwerfung des Rekurses. — Ebenso wird der Rekurs des Gemarkungs⸗ vorstandes der Gemarkung Ober-Steinberg, ver⸗ treten durch den Bürgermeister Heß von Watzen⸗ born, sowie des Schneidmüller Balthasar Schneid— müller von Steinberg verworfen. Bei einer Jagdverpachtung war der Forstassessor Groß von Gießen Meistbietender mit 210 Mark für die Jagd im Bezirk Ober⸗Steinbach. Der Ge⸗ markungsvorstand genehmigte aber dieses Gebot nicht, weil er erfahren, daß Schneidmüller 20 Mark mehr für die Jagd geben würde. Es wurde ein neuer Termin ausgeschrieben, von dem Groß auch Kunde erhielt und bei dem er durch einen Bevollmächtigten vertreten war, der aber nicht mit bot. Balthasar Schneidmüller bot nun 230 Mark für die Jagd und erhielt zu diesem Preise die Jagd zugeschlagen.(Schluß folgt.)
* Gießen, 21. Sept.(Militärdienst⸗ nachrichten.). Müller, Garn.⸗Verw.⸗Insp. hierselbst ist nach Küstrin, Senst, Garn.⸗Verw.⸗ Insp. in Einbeck, nach Gießen versetzt.
* Gießen, 21. September. Gestern fand im Hotel Viktoria hierselbst eine Vorstands⸗ sitzung des Provinzialverbandes der freisinnigen Volkspartei für Oberhessen statt. Als Vorsitzender wurde für das Geschäfts⸗
jahr Fabrikant Langsdorf⸗Friedberg gewählt.
Es wurde weiter beschlossen, für Butzbach eine freisinnige Landtagskandidatur aufzustellen. Auch wurde erwogen, ob man in den weiteren freien oberhessischen Wahlkreisen nicht auch eigene Kandi⸗ daten zum Landtag aufstellen solle. Es wurde beschlossen, die im Dezember fällige General⸗ versammlung des Verbandes in Friedberg ab⸗ zuhalten. Ferner einigte man sich dahin, den Bürgermeister Jutz⸗ Butzbach infolge seiner in Ostheim in der Vertrauensmänner⸗Versammlung des Mitteldeutschen Bauernbundes abgegebenen Erklärung, welche dahin geht, er(Jutz) billige das Vorgehen und die Prinzipien des Bundes und sei damit einverstanden, als nicht mehr zur freisinnigen Volkspartei gehörig, der er bisher angehörte, zu betrachten und demselben davon Mitteilung zu machen.
* Gießen, 21. September. An den Ge⸗ werbegerichtswahlen am Samstag be⸗ teiligten sich 242 Arbeitnehmer und nur 19 Arbeitgeber. Wieder ein Zeichen, wie wenig Interesse die Letzteren für diese Einrichtung be⸗ thätigen.
»Gießen, 21. Sept. Sein 7. Stiftungs- fest feierte am Samstag Abend der Gärtner⸗ Verein„Flora“ in dem festlich geschmückten Saale des Café Leib. Unter den Festteilnehmern befanden sich zahlreiche auswärtige Kollegen, die Gärtner aus Bad⸗Nauheim waren vollzählig erschienen. Das reichhaltige Programm wurde durch eine Ansprache des Herrn Volk eröffnet. Der Gesangverein„Heiterkeit“ füllte mehrere Nummern des Programms durch Liedervorträge aus, von dem ein gemischter Chor unter Leitung des Herrn Dirigenten Gröninger am besten gefiel. Zwei kleine Theaterstücke wurden recht nett wiedergegeben. Ehe der Tanz begann, wurde den Damen ein prachtvoller Humpen überreicht und ihnen dafür durch ein kräftiges Hoch gedankt. Der Rest des Abends wurde bei 9 Tanze in der urgemütlichsten Weise verlebt.
* Gießen, 21. Sept. Einen überaus sel⸗ tenen Fang hat in diesem Sommer Herr Professor Stade von der hiesigen Universität am Fuße des Stoppelberges bei Wetzlar gemacht. Er fing nämlich einen schwarzen Schwalben⸗ schwanz, welcher angeblich so selten ist, daß er sich in Deutschland nur in einem einzigen Exemplar in einer Sammlung befindet.
* Gießen, 21. September. Ein 155
Junge von Geilshausen versuchte heute Mittag
in der Marktstraße das durchgehende Gespann seines Vaters zu halten, fiel dabei und kam unter den Wagen zu liegen, dessen Räder über ihn weggingen. Ohnmaͤchtig wurde der an⸗ scheinend nur leicht Verletzte vom Platze getragen. Der Gaul, welcher die Wettergasse nach der Mäusburg zu raste, wurde dort zum Stehen gebracht. Der Wagen war zum Glück ohne Ladung.
* Grünberg, 21. Sept. Ein Einwohner aus Saasen war von einem Jagdpächter mit dem Jagdschutz betraut worden. Anstatt nun gewissenhaft seines Amtes zu walten, tötete er, jedenfalls in der Absicht, sich
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Braten zu verschaffen, ein Rehkitzchen und nahm es, unter den Kleidern verborgen, mit nach
Hause. Wegen dieses Vergehens hatte er sich vor dem hiesigen Schöffengericht zu verant⸗ worten. In der Verhandlung leugnete der An⸗ geklagte die ihm zur Last gelegte That und gab an, ein Unbekannter habe das Tierchen getötet, sei aber durch seine Dazwischenkunft gestört wor⸗ den und habe die Flucht ergriffen. Er habe es unterlassen, hiervon pflichtgemäß Anzeige zu
machen, da das Tierchen inzwischen von einer 1
Katze gefressen worden sei()) Das Gericht
schenkte jedoch den Angaben keinen Glauben und verurteilte den Angeklagten nach Anhörung der
Zeugen zu einer Gefängnisstrafe von vier
Wochen. Erschwerend fiel ins Gewicht, daß
der Angeklagte sich eines schweren Vertrauens⸗
bruchs schuldig gemacht hatte.
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Woche vom 10. bis 17. September sind 5324
0 1 Bad Nauheim, 20. September. In der
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Bäder, also durchschnittlich per Tag 760, ver⸗
abfolgt worden. Wenn auch die Saison all⸗
mählich ihrem Ende entgegengeht, so kommen
doch noch täglich Fremde an, und kann die Zahl
Marja, das Heldenmädchen von Trausvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg (Nachdruck verboten.) (Jortsetzung.)
„Ich verstehe, Signora“, sagte er.„Doktor Jameson machte mir bereits derartige Andeutungen, und da ich nicht widersprach und auch nicht zu⸗ stimmte, war mein Urteil gesprochen. Man möchte eine Erklärung von mir haben und die sollen nun Sie von mir erlangen. Ich hätte nicht gedacht, daß Sie sich dazu hergeben würden! Darum gebe ich Ihnen den mir gemachten Vorwurf der Spionage zurück. Ich habe Ihnen nichts weiter zu sagen.
Er wollte weiter gehen, sie aber legte be⸗ schwörend die Hand auf seinen Arm.
„Sie verkennen mich“, sagte sie dringend;„es war mir allerdings eine solche Rolle zugedacht, aber nachdem ich Sie gesehen und mit Ihnen ge⸗ sprochen, besann ich mich auf mein besseres Ich. Es wäre mir lieb, wenn Sie mir sagen könnten, daß man sie falsch verdächtigt hat. Graf, dieser Augenblick zu einer geheimen Aussprache kehrt viel⸗ leicht nicht wieder. Man glaubt, ich sei bemüht, Ihre Geheimnisse zu erlauschen und läßt mich ge, währen. Das will ich aber nicht. Nur Wahrheit will ich, und wenn Sie mir die geben, als einen Be⸗
handlung die man Ihnen bisher zu Teil werden ließ, nicht täuschen. Das kann sich ändern. Ich schwöre es Ihnen, daß ich nichts von dem verraten werde, was Sie mir sagen. Ich babe nur den einen Wunsch, Ihnen zu helfen. Glauben Sie mir nicht?“
Sie hatte sich ganz dicht an ihn herangedrängt. Ihre Augen ruhten in den seinen. Er fühlte die stürmischen Schläge ihres Herzens.
„Glauben Sie mir nicht?“ fragte sie mit heißem Atem.
Er sah sie forschend an.
„Das ist die Sprache der Wahrheit“ sagte er. „Ich sollte Ihnen vertrauen.“
„Sie können es.“
„Nun denn, Signora, Ihre und des Doktors Ansichten sind völlig irrig. Ich habe weder einen politischen Charakter, noch bin ich ein Spion. Was mich nach Trausvaal führte, ist eine Familienange— legenheit. Ich suche einen Mann Namens Strehlen, der vor etwa zwanzig Jahren vou Natal nach Trausvaal kam. Dort ging seine Spur verloren und ich suchte nicht sowohl nach diesem Mann, sondern auch nach etwaigen Hinterbliebenen des⸗ selben. Ich habe ganz öffentlich nach jenen Leuten geforscht und auch den Doktor um Auskunft ge⸗ beten. Er meinte auch, daß ihm der Name nicht fremd klinge und daß sich möglichenfalls an den—
dann werden Sie mich haben keine treuere so viel Anteil an sich durch die Be⸗
gleich wahr erfinden. Sie Freundin und Niemand hier, der Ihnen nimmt, wie ich. Lassen Sie
selben irgend ein Ereignis aus seinem viel bewegten Leben knüpfe, auf das er sich zur Zeit nicht be⸗ sinnen könne.“
„Und wie kamen Sie nach der stillen Farm?“
Kurt erzählte kurz die ganzen Vorgänge, so wie sie sich zugetragen hatten.
Ganz besonders weilte er bei der lieblichen Ge⸗ stalt Marja's, und seine Art ließ erkennen, daß die schöne Boerentochter einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht hatte.
Sie waren unterdessen in einem schattigen Palmengange fortgewandelt, so daß Kurt seine Be⸗ gleiterin nicht näher beobachten konnte. Er würde sonst bemerkt haben, wie ihre Empfindungen während des Zuhörern srasch wechselten und mit südlicher Leben⸗ digkeit auf ihren Zügen zum Ausdruck kamen. Als er so viel Liebes von der schönen Marja sagte, zuckte ein Blitz der Eifersucht und des Hasses aus ihren Augen hervor.
Bianca Capella war eine verwegene Abenteuerin und in ihrem klugen Kopf reifte sofort ein Plan, wie sie diese überraschenden Mitteilungen ihren Zwecken nutzbar machen könne. Auch als Kurt schon geendet, sah sie noch grübelnd vor sich hin.
„Das ist recht seltsam“, sagte sie dann aus tiefem Sinnen heraus,„ich kenne den Namen, welchen Sie mir soeben nannten, und besser, als sie ahnen.“
„Wäre es möglich!“ rief Kurt in freudigem Schreck.„Dann allerdings hätte der Zufall hier wunderbar gespielt, und ich müßte meine Verfolgung und Gefangennahme als ein großes Glück preisen. O sagen Sie mir, was wissen Sie von diesem Mann? Wo lebt er? Was betreibt er? Und vor
allen Dingen, was wissen Sie von seiner Frau?“
„Um die also handelt es sich?“
„In erster Linie.“ 1
„Dachte ich es mir doch. Um aber ganz sicher zu gehen und Ihnen und mir keinerlei Täuschung
zu bereiten, sagen Sie mir, wie war der Mädchen- 5
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name dieser Frau?“
Kurt stand im Begriff zu antworten, als rasche
Tritte auf dem Kiesweg hörbar wurden.
Bianca preßte seinen Arm, ihm bedeutend, daß
er schweigen solle.
„Nein, das kann ich nicht zugeben“, ließ sich
hier die Stimme Sir Cecil Rhodes“ vernehmen, „Sie entführen mir unsere schönste Tänzerin, Graf. Eben intoniert man den Walzer, welchen Signora
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Capella mir zugesagt hatte. Sie müssen schon ge— 159
statten, daß ich ältere Rechte geltend mache.“ 0 Er stand jetzt vor den überraschten und bol 1
Bianca den Arm. Diese war recht unangenehm 1 0
berührt.
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Nichts konnte ihr ungelegener kommeu.
als die Abberufung in einem Augenblick, wo den Graf im Begriffästand, sie in ein sie tief berührende
Familiengeheimuis einzuweihen. Sie hatte dem Lor!“ keinen Tanz zugesagt und durfte doch nicht wagen ihn Lügen zu strafen. Sie konnte nur noch Kurtz
Arm pressen, was wohl eine stumme Erinnerung 0
ihres Versprecheus war, ihn nicht zu verraten. (Fortsetzung felgt.)


