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Na ö. N Gießen, Mittwoch, den 22. Juli 1896. ae 2 7 ne
der D t 0 dn Fh lene Ent ei 5 e Unter. 5 R N 00 zu 1 1 8 dug I. 9 u de beg 0 eu e, 9 0 mae de ne hüben g 1 8 Lehörde* e dar 0 bag 9 1 9 985 1 9 3 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. 3 D Expedition: sten h—— 8 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 24 Kreuzplatz Nr. 4.
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oh nee 0 P jnꝛi oc[den Radfahrersport seit Wochen gepflogen] 10. Juli v. J. um 8 Uhr Abends den Rothe] den Verbreitung dieses Sports sich auch in unheimlichem dauert hn Lokales und f rovinzielles. wurden, sind nunmehr zum Abschluß gekommen. mit einem blauen Sträußchen im Knopfloch 10 Maße die Zu be feet„Fahrraddie be“ ver⸗ Rethymg 1 Was Möbnasere Ni 9 er uns:] Drei Mitgliedern der Wanderer G. R. G. hat der gratzenbergerschen Wirtschaft gesehen. Der mehrt hat. Wo ein Nad urbeaufsehtiat an Zäunen ichen Chr 15 Bürgermeisterei in ssich der Brauereibesitzer Bichler gegenüber ver⸗ Angeklagte behauptet, er habe damals fest ge⸗ von Biergärten oder Hausfluren steht, da schwingen sie wer m. der B dat 0 115 1 5 Diese pflichtet, am Fuße der Hardt eine 400 Quadrat- glaubt, dieser Vorfall sei am 10. Juli 14 2 5 cc flug in den Sattel und fußren in Flug. davon anten dit Trage 0 119 1 0 as Le bal uusere mieter haltende Fläche mit einer Cementhahn für und er glaube dies beute noch. Wenn andere ace eren der on oer die oe eue Sun iu dne dürgerschaft.— Wir können nicht glauben, was Radfahrer einzurichten. Ferner sollen Tribünen, Zeugen das Gegenteil behaupten und sich nicht. Seer!:! die f gerest, uns von sonst gut informierter Seite versichert Musiktempel ꝛc. gebaut f. 8 5 707„. z, Spitzbuben, bringe sein Fahrrad, wenn man es verläßt, ie dre l„gebaut werden. Der Mittelraum irren, so wäre nur möglich, daß er sich irre., ga J
schristachn hird, daß trotz des eingelegten Rekurses gegen] der Strecke soll zu Spielplätzen benutzt werden. Als Zeugen wurden bernommen die Wirt ,,,, tet hal, en Beschluß der Stadtverordneten, krotz der Gi 21. Jult. Die Gießener K 5. hel a n die Wirt die spätere Ermittelung des Diebes zu erleichtern, so befürch,,, ber Bü, e aun e ießen, 21. Juli. Die Gießener Ruder⸗ Kratzenbergerschen Eheleute, die Frau Haus, die scharf wie möglich, alle eigentümlichen Merkmale der be⸗
efürchtet h er Bürgermeisterei und der Sta verordneten⸗[Gesellschaft ist mit den Eintrittspreisenssschon vor den Geschworenen vernommenen Zeugen nutzten Maschine ein. Denn die Fahrraddiebe sind keck um Apptoront hersammlung mitgeteilten Resolution der stark zu der am Sonntag stattfindenden Regatta Feldhaus, Becker und Wachester, sowie Clemens und verwegen und schre ren selbst vor den gefährlichsten umgertrun suchten Versammlung gegen die Verlegung des gegen früher herantergegangen. Von der Er⸗ Rothe. Derselbe behauptet selbst nicht, daß er] Wagnissen nicht zurück; sie werden nicht eher ihr ber⸗ un daun mi Narktes nach dem Südende der Stadt— daß bauung einer Tribüne hak man wie im Vorjahre] um die fragliche Zeit in der Wirtschaft gewesen, werfliches, aber pekuniär einträgliches Handwerk aufgeben
kotzdem an der Margarethenhütte im Auftrage ur Stadt Vermessungen vorgenommen werden, se doch zwecklos sein würden, wenn dem Rekurse uttgegeben und es zu einer neuen Verhandlung n Rathause über die schwebende Frage kommen
zugreifen. Ji i Tagen ware den 150 Ver
Nan itt hier zürde. Es wird uns aus Stadtverordneten⸗ J die pur selsen mitgeteilt, daß mindestens zwei der Ja⸗ den seit Jah, iger bei einer erneuten Abstimmung der Frage Zwei höher, it Nein stimmen würden.— Interesfant und verhaftel. it neues wichtiges Argument, welches gegen die —— elegung in der geplanten Weise spricht, ist die —— löwischen bekannt gewordene Ansicht eines unserer leterinär⸗Mediziner, daß nämlich die Gefahr
tel, al gehn ir Verseuchung eines Marktes um so größer te, dr. Obr.„ je mehr man die Ställe, in denen das Vieh n All. Ie er dem Markt untergestellt wird, auf eine brach. Stelle verlegt. Gerade die Dezentralisation der iuspach, geh Jiehställe zu unseren Märkten— so äußerte sich ben Tugläher“ er betreffende Herr— gäbe die Gewähr, daß man en, Gefotben] fit Erfolg der Seuche begegnen könne, wenn Die Leiche wich] gendwo in einem Stall ein seuchen verdächtiges gtück Vieh in einem der jetzt räumlich von
ander getrennt liegenden Ställe angetroffen bird.— Diese Ansicht, die sich stützen soll auf faktische Erfahrungen und welche auch wissen⸗ haftlich vertreten wird, soll auch der Bürger— essterei bekannt geworden sein und steht wohl hoffen, daß bei der demnächstigen erneuten Be⸗ utung der ganzen Frage hierauf gebührend hin⸗ Aloiesen werden wird, um dieselbe in anderer Beise zu lösen, als es projektiert gewesen.“ Gießen, 20. Juli. Verhandlungen, die
urg, Verantw. Je, Ottmann, beibe l.
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abgesehen und soll der ganze Bootsplatz einheit⸗ lich als Festplatz hergerichtet werden. Nur ein ganz kleiner Teil des Platzes wird für Rumme⸗ rierte⸗Sitzplätze in Anspruch genommen. Der Eintrittspreis beträgt, abgesehen von diesen nummerierten Plätzen, im Vorverkauf nur 80 pro Person, wogegen der Zutritt nicht nur zum eigentlichen Rennen, sondern auch zu den Vor— rennen am Vormittag und zu dem Festarrange⸗ ment, welches am Abend am Bootsplatz geplant ist, den Inhabern dieser Karten freisteht. Die festliche Veranstaltung am Abeud ist ganz be⸗ sonders glanzvoll geplant. Eine feenhafte Be⸗ leuchtung des ganzen Platzes wird nicht nur eine Hauptanziehungskraft ausüben, sondern das idyllische Plätzchen an der Lahn wird dadurch noch reizvoller gestaltet werden, daß die ganze Kapelle des 27. Artillerie-Regiments- Mainz unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten Herrn Breul auch während des Abends konzertieren wird. Betreffs des Wetters kann man ganz 9 5 Sorge sein, unsere Ruderer haben zweifels⸗ ohne dieses Mal Glück, es wäre wenigstens schade, wenn das schöne Arrangement zu Wasser würde.
* Gießen, 21. Juli. Heute Vormittag hatte sich der Arbeiter Ludwig Pitzer von Gießen wegen fahrlässigen Meineids zu verantworten. Der Angeklagte, welcher 56 Jahre alt ist, wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Ihm wird zur Last gelegt, daß er vor dem Geschwo⸗ renengericht in der Sache gegen den Kaufmann Clemens Rothe beschworen habe, er habe am
und erklärt unter Eid, daß er das ihm von Frau Haus an dem Tage geschenkte Sträußchen in deren Wohnung habe liegen lassen. Der Ver⸗ treter der Staatsbehörde, Assessor Brühl, plai⸗ diert für schuldig des fahrlässigen Falscheides und beantragt gegen den Angeklagten 10 Monat Gefängnis zu erkenneu. Die Strafkammer sprach den Angeklagten jedoch kostenlos frei. Es stehe zwar fest, daß der Angeklagte objektiv falsch geschworen, aber derselbe habe ge⸗ glaubt, das, was er damals unter Eid bekundet, sei wahr; wenn er beschworen nach bestem Wissen die reine Wahrheit zu sagen, so habe er sagen müssen, was nach seiner Meinung das Richtige war und mußte das, was er glaubte zu wissen, angeben. Es sei in der heutigen Verhandlung kein Beweis erbracht, daß der Angeklagte den
Glauben nicht gehabt habe, daß dem so sei, was er beschworen, daher sei der Angeklagte freizu⸗ sprechen und aus der Haft zu entlassen. Gießen, 21. Juli. Der edle Radfahrsport nimmt mehr und mehr an Ausdehnung zu, und das Fahrrad ist im öffentlichen Verkehrswesen ein Faktor geworden, mit dem man rechnen muß. Täglich wächst die Zahl seiner An⸗ hänger, wenn es auch täglich, Dank dem blinden Ueber⸗ eifer radelnder Dillettanten, zu unangenehmen Straßen⸗ szenen kommt. Radfahrer, denen es ernst um die Sache ist, werden mit Unwillen von solchen mißlichen Vor⸗ gängen Kenntnis nehmen und energisch darauf hinzu⸗ wirken suchen, daß mit der Zeit alle waghalsigen Stümper, die ohne gründliche Uebung im Fahren frisch drauf los radeln, endgiltig von der Bildfläche verschwinden. Auch der Strafrichter hat sich bereits vielfach mit dem edlen Radfahrsport zu beschäftigen gehabt, da mit der wachsen⸗
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bis die Fahrräder so billig geworden sind, daß es sich nicht mehr der Mühe lohnt, sie zu stehlen— ein märchen⸗ hafter Zustand, dessen Verwirklichung leider noch in weite Ferne gerückt scheint. Aussichtsvoller als dieser herrliche Zukunftstraum ist die Hoffnung, daß unsere Damenwelt immer regeren Eifer der Pflege des Radfahrsports widme. Schon jetzt kann man mit aufrichtiger Freude wahrnehmen, wie einzelne Vertreterinnen des schönen Geschlechts ohne Scheu vor der zimperlichen Kritik prüder Philisterseelen, hoch zu Stahlroß die Straßen durchfliegen, was sich gar nicht prosaisch, sondern im Gegenteil sehr poetisch ausnimmt und viel dazu beiträgt, den Radfahrsport po⸗ pulär und beliebt zu machen. Denn unbedingt gewährt eine radelnde Dame einen anmutigeren, reizenderen An⸗ blick als ein radelnder Herr, den sie an Chic und Ele⸗ ganz der Erscheinung, an Ruhe und Sicherheit im Fahren in der Regel bedeutend übertrifft. Wir hoffen, daß die Schar der Radfahrerinnen, die vorläufig leider noch eine kleine ist, erheblich zunehmen wird, sobald erst, die schwierige— Toilettenfrage eine glückliche Lösung ge⸗ funden hat. Wenn erst das ideale Kostüm für weibliche Radler erfunden worden, das gleichzeitig praktischen und modernen Ansprüchen genügt, dann wird unsere Damen⸗ welt hoffentlich definitiv ihre Zurückhaltung aufgeben und nicht länger seufzend dem edlen Radfahrsport fern bleiben!
* Bad Nauheim, 20. Juli. Nach der Kurliste sind in der letzten Woche 965 Fremde (1895: 879) angemeldet worden. Die Gesamt⸗ frequenz bis zum 16. Juli 1896 ist 9589; der Vorsprung gegen das Vorjahr berechnet sich an Personen auf etwa 1000, an verabfolgten Bädern auf 11555.
* Mainz, 20. Juli. Das 11. Pionier⸗ Bataillon veranstaltete vorgestern Nachmittag eine Ruderregatta, die sich über eine Strecke
chufs Schaffung einer Rennbahn für
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Digitalis purpurea. Eine Erzählung nach dem Leben von A. Oskar Klaußmann. (Schluß.)
Der Postenführer musterte Brettschneider einen
Augenblick, kam dann auf ihn zu und reichte ihm e Hand. „Hab die Ehr'“, sagte er,„Sie sind doch der err Professor aus Breslau, der in Ernstdorf zohnt. Habe schon einmal das Vergnügen gehabt, nit Ihnen dort zusammen zu sein. Es war vor ungefähr vierzehn Tagen. Mein Name ist Bundari.“ v5 Ah, Herr Postenführer, jetzt erlenne ich Sie. t mir außerordentlich angenehm, Sie wieder zu chen. Wollen Sie nicht die Güte haben, bei mir Alatz zu nehmen.“
„Küß' die Hand, Ehre nich, Herr Professor.“.
In wenigen Minuten war Brettschneider mit
außerordentliche für
d t J öfen Sie, Herr Professor, der Mann hat Sie cn, angelogen. Wer lügt, der macht auch L ftämmere Sachen. In ein paar Täg“ kann ich 5„ Anen vielleicht schon sagen, was das für ein Kadett
4 4 111 en eben so liebenswürdigen wie für seine beschei⸗ Miele ehen Beamtenverhältnisse recht gebildeten Manne grub rie„ einem interessanten Gespräch. Die Gendarmen 1 5 1 baren auf einer Streife und hielten in der Schenke augen u Ittagsrast. gegen Auch Brettschneider erzählte von seinem kleinen lisfluge, und es war eigentlich ganz selbstver⸗ amel. ändlich, daß er auch seiner Begegnung mit Brink⸗ ur Blech zenn⸗Kecskemet Erwähnung that und dem Posten⸗ 1 8 1 ö rer erzählte, auf welch sonderbare Weise er mit h busen pu m Manne schon im Leben zusammengekommen a K. i. Der Postenführer hörte aufmerksam zu, dann 1 77 echte er sich einige Notizen in seiner Brieftasche ute) n sagte:
1 0 6. 1 8 Mann müssen wir uns schon einmal ben er anschguen.“. 8 insel 100„Ich will den Mann nicht weiter verdächtigen, sc un cer Poftenführer!“ a. 1% 0„Bitte, das hat keinen Anstand, ich will mir lat li u diesen einsamen Kurgast in Ladua anschauen 1— az von Weitem, ohne daß er etwas merkt.
5 1 Ist er ein harmloser Kerl, nun, um so besser trase“ f ibn. Hab die Ehr, küß die Hand, Herr N bellen, wir müssen schauen, daß wir weiter
bormen.“ jonen 11 Die Gendarmen brachen auf und auch Brett⸗
scneider machte sich auf den Weg nach der Station, an der er noch eine mehrstündige Eisenbahnfahrt
bis nach Ernstdorf zurückzulegen hatte.———
Es waren ungefähr vierzehn Tage vergangen. Brettschneider hatte seine Sachen schon gepackt, um nach Breslvu zurückzukehren, da die Universitäts⸗ ferien zu Ende gingen. Dort erhielt er unmittelbar vor der Abfahrt einen Brief des Bezirksgerichtes in Teschen, in welchem er aufgefordert wurde, in einer Kriminalangelegenheit nach Teschen zu kommen. Unkosten würden ihm selbstverständlich vergütigt werden..
Er beschloß, dieser Aufforderung Folge zu leisten, obgleich er sich nicht erklären konnte, um was es sich handle. Die Angelegenheit Brinkmann-Keeskemet hatte er schon vollständig vergessen, zumal er den Mann gar nicht wieder gesehen hatte.
Er fuhr mit dem nächsten Morgenzuge nach Teschen und meldete sich hier im Bezirksgericht. Er wurde vor den„staatsanwaltlichen Funktionär“ geführt, einen Herrn, der trotz seiner Uniform ein sehr liebenswürdiger, jovialer Mann war.
„Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Herr Privatdozent! Wirklich eine außerordentliche Ehre! Ihr Herkommen ist im letzten Augenblicke gegen— standslos geworden, denn der Mann hat ein um⸗ fassendes Geständnis abgelegt, allerdings erst heut früh. Nun Sie aber einmal da sind, kann ich Ihnen doch gratulieren, von ganzem Herzen gratu— lieren!“
„Ich danke bestens!“ entgegnete Brettschneider, trotzdem er nicht wußte, wozu ihm der staatsan⸗ waltliche Beamte gratulierte.
„Es freut mich sehr, Herr Privatdozent, daß Sie gerade unseren Bundari auf die Sache auf⸗ merksam gemacht haben. Der Mann ist ein unbe— zahlbarer Exekutivbeamter. Ein Anderer wäre garnicht zu solchem Resultat gekommen. Die Hauptsache aber war doch, daß Sie ihn aufmerksam machten, und bei der Verteilung der Gelder wird auch genügend darauf Rücksicht genommen werden. Ich kann es Ihnen jetzt schon verraten, daß auf Ihren Anteil über achttausend Gulden kommen. Sie können das Geld schon in einigen Tagen in Empfang nehmen. Ich freue mich, daß Sie das Glück gehabt haben. Sie machen gewiß mit dem Gelde eine große Studienreise, und so hat halt die Wissenschaft wieder einen Vorteil davon. Nochmals meinen besten Glückwunsch!“
Brettschneider wurde ganz verwirrt. Er sollte achttausend Gulden bekommen? Soviel Geld hatte
er sich ja noch nie auf einem Haufen denken
können, und wofür sollte er denn die riesige Summe erhalten?
Er machte wohl ein sehr erstauntes Gesicht, der Beamte lächelte und sagte, nachdem er geklingelt hatte.
„Sie kösinen sich den Mann gleich ansehen. Sie haben ja auch schon in Breslau mit ihm zu thun gehabt.“
Wenige Minuten später brachten zwei Gendarmen den Brinkmann-Kecskemet in das Zimmer geführt.
„Kenuen Sie diesen Herrn? Erinnern Sie sich, diesen Herrn da schon einmal gesehen zu haben?“
„Nein!“ entgegnete der Arrestant.
Der Staatsanwalt erzählte in raschen Worten den Vorfall im botanischen Garten zu Breslau, und der Verhaftete sagte mit mattem Lächeln:
„Ach Sie sind es, Herr Doktor! Nun erkenne ich Sie.“
Brinkmann-Kecskemet Brettschneider erklärte:
„Nun, Herr Staatsanwalt, bitte ich Sie um gütige Aufklärung über die ganze Angelegenheit, denn ich verstehe vorläufig kein Wort davon.“
Der Staatanwalt nahm ein Aktenstück zur Hand, blätterte in demselben und sagte dann:
„Hier ist die erste Anzeige des Postenführers Bundari, in welcher er mitteilt, daß Sie ihn auf einen verdächtigen Mann in Ladna aufmerksam ge— macht haben. Hier ist einige Tage später eine zweite Meldung desselben Beamten, in welcher er mitteilt, er glaube einem Verbrecher auf der Spur zu sein. Der Verdächtige sammle Giftkräuter und gebe Thee davon der weiblichen Person zu trinken; es sehe aus, als beabsichtige der Verdächtige eine langsame Vergiftung der Frauensperson, die ihm vielleicht irgendwie im Wege sei. Gleichzeitig bat Bundari mit dem letzten Bericht um die Zusendung einiger alter Nummern von Späheblättern, durch welche Verbrecher steckbrieflich verfolgt werden, weil ihm die kranke Schwester des Verdächtigen selbst sehr verdächtig vorkam. Mit dieser Sache hat Bundari nun einen großartigen Griff gemacht. Vor länger als zwei Jahren ist auf ihrem einsamen un⸗ garischen Schlosse die reiche Gräfin Miskolos ver— storben. Bald nach ihrem Tode entdeckte man, daß nicht weniger als neunmalhunderttausend Gulden in Staatspapieren fehlten, die zugleich mit der Kammerjungfer der Gräfin verschwunden waren. Man nahm an, die Kammerfungfer sei nicht die Diebin, sondern sei zu dem Diebstahl von einem entfernten Verwandten der Gräfin, einem ver⸗ kommenen Subjekte angestiftet worden. Da das
wurde abgeführt, und
Mädchen spurlos verschwunden war, nahm man an, daß dieser entfernte Verwandte sie mit Gewalt bei Seite geschafft habe, zumal auch er nicht zu ent⸗ decken war. Es wurde von den Erben der Gräfin die Summe von zwanzigtausend Gulden auf die Wiederbeschaffung des verschwundenen Geldes aus⸗ gesetzt; aber alle Nachforschungen waren vergeblich. Da brachten Sie Bundari auf die Spur. Der angebliche Brinkmann mit seiner angeblichen Schwester ist der entfernte Verwandte der verssorbenen Gräfin und deren Kammerjungfer. Die Beiden haben sich gut verborgen gehalten, und der angebliche Brink— mann hat dem Mädchen nach dem Leben getrachtet, nicht nur um die Mitwisserin los zu werden, sondern um auch in den Alleinbesitz des gestohlenen Geldes zu gelangen, welches versiegelt unter falschem Namen bei einem Wiener Banquier deponiert war. Die Kammerjungfer war brustleidend und wird wohl an der Schwindsucht sterben. Angeblich um ihr zu helfen, in Wirklichkeit aber um ihren Tod zu beschleunigen, hat ihr der Verbrecher wochen⸗ lang schwache Abkochungen der Blüten und der Blätter von digitalis purpurea beigebracht. Das Mädchen hat dieses angebliche„Hausmittel“ willig genommen, da es sich wegen etwaiger Entdeckung fürchtete, einen Arzt zu konsultieren. Als das Frauenzimmer erfuhr, daß ihr Mitschuldiger sie vergiften wollte, hat sie aus Rache ein vollständiges Geständnis abgelegt und auch verraten, wo sich die deponierten Wertpapiere befinden.
Der angebliche Brinkmann hat bis heut' ge⸗ leugnet, aber sich jetzt doch zu einem Geständnis entschlossen.
Das ist der Zusammenhang. Die Prämie für die Wiederbeschaffung des Geldes kommt nun zur Verteilung, und wie ich Ihnen bereits mitteilte, kommen auf Ihren Anteil gegen achttausend Gulden, der Rest wird unter die Gendarmen verteilt.“—
Ein halbes Jahr später saß Brinkmann-Kecskemet zu fünfzehn Jahren schweren Kerkers verurteilt in Haft, während seine angebliche Schwester, die schon während der Uuntersuchung an Schwindsucht ver⸗ storben war, im Grabe ruhte.
Der Privatdozent Brettschneider aber befand sich auf einer Studienreise nach Südamerika, wohin zu gehen er sich schon zeitlebens gewünscht hatte. Der Prämienanteil für die Beschaffung der ver⸗ schwundenen 900 Tausend Gulden hatte ihm diese Reife ermöglicht.
f Wenn er zurückkommt, wird er wohl ordent— licher Professor werden.


