Ausgabe 
21.6.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 21. Juni

1896.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

Redaktion: 2 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feierta N 8

ö gen. pedition: Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 20 e Nr. 4. .

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 17. Juni.(Stadtverordneten⸗ versammlung. Schluß.) Der Oberbürgermeister acceptirt die Zusage der Vorredner, daß sie für die Er⸗ richtung von Lagerhäusern stimmen wollen. Es handele sich hier vorerst noch nicht um die Errichtung eines Vieh⸗ marktes und Viehhofes, sondern in ersterLinie drehe es sich um die Zustimmung zur Erwerbung von 80000 Quadr. Meter Gelände seitens der Stadt. Wenn man seitens der Bürgermeisterei die Lagerhausfrage mit der Vieh⸗ marktsfrage zusammen behandele, so liegt der Grund lediglich darin, daß die Einheitlichkeit des geplanten Be⸗ trlebes für beide Veranstaltungen dies bedinge und vorteilhaft erscheinen lasse. Er wolle auch darauf hin⸗ welsen, daß eine Schädigung der Gastwirte keines Falles zu befürchten stehe, denn die fremden Händler würden bor wie nach schon am Tage vorher, ehe der Markt stattfindet, hier eintreffen müssen, um ihr Vieh unter⸗ suchen lassen zu können, sie würden dann aber in Gießen logiren, während jetzt nachgewiesenermaßen zu jedem Markt 300 Menschen in Wieseck logiren. Stadtv. Haubach steht auf demselben Standpunkt wie seine Kollegen Grünewald, Schmall und Loeber. Er hält die Verlegung des Marktes für nötig, nicht aber die Her⸗ stellung eines Bahnanschlusses für unbedingt erforderlich. Stadtv. Helfrich hält ebenfalls einen Bahnanschluß nicht für erforderlich und tritt für die Belassung des Marktes in der Neustadt ein. Stadtv. Dr. Gut fleisch ist der Ansicht, daß die Gegner der Vorlage sich schwerlich überzeugen lasien wollen. Es sei der Gegensatz der kleinlichen eigenen Juteressen gegen das Gesamt-In⸗ teresse, der unbewußt hier in dieser Frage zum Ausdruck gebracht werde. Es sei in der Vergangenheit in unserer Stadt viel versäumt worden, kleinliche Gesichtspunkte haben häufig verhändert, daß so gehandelt wurde, wie es im Interesse des Gemeinwohls hätte geschehen müssen, da sel es wohl erklärlich weun jetzt bei Nachholung des Ver⸗ fäumten die Steuerlast wachse. Aber unsere Städte haben die vornehmliche Aufgabe, die Interessen des Handels und der Industrie zu heben und zu schützen und gerade unsere Stadt in ihrer zentralen Lage darf sich dieser ihrer Aufgabe nicht entziehen und darf die Opfer dafür nicht scheuen. Man muß die Vorlage von einem großen Gesichtspunkt aus betrachten und wenn man dies thut, so wird man nach einem Rentabilitätsnachweis nicht fragen, sondern anerkennen müssen, daß es eine Frage der Zukunft sei, an der wir arbeiten, deren Lösung, sowie es die Kom⸗ mission beschlossen, eine unglückliche ist im Interesse des Ganzen, zur Erhaltung der Steuerkraft unserer Bürger und zum Segen unserer Stadt, darum werde er für den Kommisstonsbeschluß stimmen. Stadtv. Emu lius er⸗ Hlärt für den Kommissionsbeschluß stimmen zu wollen. Die geschädigten Interessen der Neustadt würden durch die Einmündung der Bieberthalbahn ausgeglichen. Stadtv. Schmall verwahrt sich den Ausführungen Gutfleischs gegenüber als ob er mtt seinem ablehnendem Votum der Verlegung des Viehmarktes von der Neustadt kleinlichen In⸗ teressen diene. Die Bevölkerung habe gesprochen, mit Verstand gesprochen, man habe auch dem In⸗ teresse der kleinen Gwerbetreibenden Rechnung zu tragen und dem sei mit der Verlegung nicht gedient. Beige⸗ ordueter Georgi rechtfertigt seinen ablehnenden Stand⸗ punkt gegen die Verlegung in der Kommission. Dem Ge⸗ samtinteresse sei damit nach seiner Meinung nicht gedient. Man könne nicht verlangeu, daß er Gutes aufgebe, im Unklaren darüber, ob Besseres geschaffen werde. Stadtv. Wallenfels will für die Lagerhofsanlage stimmen, die Verlegung des Viehmarktes aber ablehnen.

Stadtv. Grünewald verwahrt sich und die Gegner der Verlegung des Marktplatzes dagegen, als ob sie dem Eigen⸗ nutz und kleinlichen Interessen dienen. Diese Beschuldigung des Kollegen Dr. Gutfleisch komme ihm so vor, als wenn im politischen Leben eine Partei die Andere mit dem Ver⸗ dikt der Reichsfeindschaft belege, weil sie in dieser oder einer anderen Frage eine entgegengesetzte Ansicht verfechte. Sollte es ohne Eisenbahnanschluß nicht abgehen, so könne man auch diesen nach dem Platz hinter dem Schlachthof schaffen, man baue eventuell eine Brücke über die Lahn, wenn es unbedingt später sich als nothwendig erweise. Oberbürgermeister Gnauth verweist darauf, daß ein Brückenbau über die Lahn mindestens 60,000 4 kosten würde, daß aber/ und mehr des ganzen Rindviehes, welches zu unserem Markt kommt, mit der Bahn her- und wieder fortgeschafft wird und daß ohne Bahnanschluß die Spesen pro Kopf des Viehs den Handel zu sehr belasten und daher unser Markt keine große Anziehungskraft für diesen Handel ausüben wird, wenn ihn nicht Schienen⸗ geleise mit dem großen Verkehr verbinden. Stadtv. Gut⸗ fleisch weist daraufhin, daß unsere Märkte nichts nützen, wenn sie jeden Augenblick verboten werden können wegen der Seuchengefahr und daß das Verbot damit zusammenhängt, weil das zum Auftrieb gebrachte Vieh Landwege passiert und dadurch die Gefahr der Weiterverbreitung der Seuche vor⸗ handen ist. Es gab seither viele Dinge, wo die Bürger⸗ schaft am Althergebrachten geklebt hat und doch hat die

Versammlung Wandel geschaffen durch ihre Abstimmung. Dieselben Leute, welche heute den Viehmarkt belassen wollen, wo er ist, sind wohl im Unklaren darüber, welcher Aufschwung der Stadtteil vor dem Rodheimer Thor nehmen wird, wenn der ganze Güterverkehr, der Verkehr der Bieberthalbahn erst sich entwickelt hat; dann werden sie kommen und petitionieren, man sollte den Viehmarkt verlegen aus jenem Stadtteil, dann sei aber die Gelegen⸗

anderer Meinung sein, als sie es eben heute sind. Stadtv. Petri ist der Ansicht, daß der Platz hinter dem Schlacht hofe der doch nun ein Mal zur Verlegung des Viehmarkt⸗ platzes da ist, der geeignetste dafür ist. Der Geländeerwerb im Süden würde die Steuerlast mehren und die Verlegung des Marktes die Interessen der Altstadt tief einschneidend schädigen. Stadtv. Helfrich ist der Meinung, daß durch die ge plante neue Anlage das Gegenteil von dem hervorgerufen würde, was man angeblich vermeiden will: nämlich, daß beim Vorhandensein einer Seuche nur bei einem einzigen dort untergebrachten Stück Vieh diese auf den ganzen Bestand des Marktes übertragen wird. Stadtv. Scheel erklärt, für den Kommissions-Antrag stimmen zu wollen. Er könne nicht einsehen, in wiefern die Stadt geschädigt sein solle, wenn der Markt im Süden abgehalten werde. Stadtv. Jughardt ist entgegengesetzter Ansicht. Nicht nur geschäftlich werden die Einwohner der ganzen Altstadt geschädigt, sondern teilweise wird auch der Grundstücks⸗ wert erheblich verringert, wenn der Markt aus der Gegend verlegt wird. Stadtv. Schmall ist der Meinung, daß die Bedeutung unserer Märkte nicht etwa davon abhängt, ob dieselben Schienenverbindung bekommen oder nicht. Unser für die Rindviehzucht bedeutendes Hinterland giebt die Gewähr, daß diese Märkte weiterblühen auch ohne Eisenbahnverbindung des Marktplatzes. Wenn die Gießener Märkte zu ruinieren wären, wären sie längst nicht mehr, denn soviel Scherereien und Plackereien als bei uns haben die Marktbesucher nirgendwo zu erdulden, und doch kommen dieselben immer wieder nach Gießen, um ihr Geschäft zu machen. Das zu erwerbende Gelände wird mindestens 90 000*, kosten, so habe er gehört, und diese Auf wendung sei zu hoch, um so mehr, als das Terrain hinter dem Schlachthof vorhanden ist und ausreicht. Der Oberbürgermeister ist der Ansicht, daß das Gelände hinter dem Schlachthof später, wenn der Stadtteil sich erst entwickelt habe, sehr an Wert zunehmen würde. Das zu erhebende erhöhte Standgeld und Stallgeld werde die aufgewendete Summe teilweise verzinsen, wozu auch der erhöhte Auftrieb beitragen wird. Stadtv. Heyligen⸗ städt spricht für den Kommissionsantrag, ebenso Prof. Dr. Gaffky. Dieser hat zwar auch geglaubt, der Vieh⸗ markt gehöre hinter den Schlachthof, doch habe die Dis⸗ kussion ihn eines Besseren belehrt. Die Gründe der Kommission könne er billigen, während die Opposition hiergegegen nichts vorgeführt habe, was diese Begründung widerlege. Stadtv. Orbig tritt auch für die Anlage der Lagerhäuser ein, für die Verlegung des Viehmarktes aber nicht. Das Projekt sei an und für sich ja sehr schön, aber es passe nicht für Gießen und sei mehr ge⸗ eignet für eine Großstadt. Den Viehmarkt vom Krämer⸗ markt zu trennen, gehe nicht an. Diese Märkte gehören zusammen. Der Platz hinter dem Schlachthof sei am geeignetsten und durch Schlagung einer Holzbrücke über die kleine Lahn nach hinten heraus seine eine gute Ver⸗ bindung mit der Eisenbahn zu schaffen. Stadtv. Vogt beantragt Schluß der Debatte. Der Antrag wird an⸗ genommen. Es sprechen noch die Stadtv. Wallenfels und Brück, welche sich vorher zum Wort gemeldet hatten. Beide sind gegen die Verlegung des Marktplatzes nach dem Süden. Stadtv. Löber beantragt namentliche Ab⸗ stimmung. Mit Ja stimmen Oberbürgermeister Gnauth, Beigeordneter Wolff und die Stadtverordneten Ad ami, Emmelius, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Hei- chelheim, Heyligenstädt, Homberger, Keller, Kirch, Petri II, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Dr. Thaer und Vogt. Mit Nein stimmten die Stadt- verordneten Brück, Faber, Flett, Grünewald, Habenicht, Haubach, Helfrich, Jughardt, ber, Loos, Orbig, Schmall, Wallenfels und Beigeordneter Georgi. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde dem Albert Köchlin für das Haus Weser⸗ straße 8 der Branntweinverkauf über die Straße gestattet und dem Georg Klein die Wirtschaftserlaubnis für das Haus Bleichstraße 8 erteilt. Es folgt eine geheime Sitzung.

* Gießen, 20. Juni. Offiziell fängt erst heute, am 20. Juni, der Sommer an, obwohl wir schon wochenlang wie mitten im Sommer gelebt haben. Denn die vier Jahreszeiten kümmern sich sehr wenig um den offiziellen Kalender; sie kommen und gehen, wie's ihnen beliebt, so daß wir oft winterliches Schneetreiben zur Osterzeit und sommerliche Baumblüte zur Weihnachtszeit beobachten können und was dergleichen programm⸗ widrige Späße mehr sind, die bureaukratisch geschulte Wetterpropheten zur Verzweiflung zu bringen vermögen. Diesmal fiel der Sommer sozusagen mit der Thür ins Haus: er kam früh und ohne erst anzuklopfen, und präsentierte sich gleich in seiner ganzen Glorie, in seinem aus feurigsten Sonnenstrahlen gewebten Galakleide. Zu⸗ nächst war er uns, in seiner brünstigen Zudringlichkeit, die uns vor lauter heißen Umarmungen garnicht zur Be⸗ sinnung kommen ließ, etwas unbequem; aber nach gerade haben wir uns an das Uebermaß seiner Liebkosungen ge⸗ wöhnt und freuen uns, wie nur je zuvor, der üppigen Vegetation, die überall, wohin er seine funkelnden Blicke richtet, um uns aufsprießt. Wir glauben das Gras wachsen und das Korn reifen zu sehen, und haben vor dem fixen Hexenmeister allen Respekt, der zarte Knospen über Nacht zur vollen, leuchtenden Blume entfaltet. Vor allem die Königin der Blumen, die Rose, prangt in ihrer köstlichen Zier und spendet eine Fülle berauschenden Duftes. In Gärten und an Hecken flattern die roten Blüten grüßend über sonnige Wege, aus Büschen und Lauben lauschen sie mit purpurnem Munde hervor und machen die schmeichelnden Lüfte von ihren Küssen trunken. Ein Singen und Klingen geht durch die sommerlich glühende

heit verpaßt. Würden die Petenten belehrt, sowie das Kollegium belehrt worden ist, dann würden auch viele

Welt; Fink und Drossel schlagen, in den Kiefern gurrt

die Taube, und auf glänzendem Kies wandeln schlanke Mädchen und holde Frauen hdaer, mit Rosen geschmückt, oder rosenbekränzt von hohen Balkonen schelmisch herab⸗ winkend. Ach, die Tage der Rosen sind so recht eine Zeit für süßes Träumen, für zärtliches Kosen und Schmachten. Liebesbrände flammen lodernd auf, die Dichter schwelgen

in herrlichen Gefühlen und ergehen sich, Verse spinnend, unter duftigen Lindenbäumen im Mondlicht. Der dicke

Philister aber, der keuchend nach Mitternacht aus schat tigem Biergarten heimkehrt, seufzt verzweifelt vor sich hin: Nicht mehr zum Aushalten, diese Hitze! Ob es wohl bald wieder regnen wird? Und die liebliche Rose, die er ins Knopfloch gesteckt hat, senkt traurig das Köpfchen, als schämte sie sich, daß es auf unsrer poetischen Erde auch solche Käuze giebt. Arme Rose! Bald wirst Du hinwelken wie Deine Schwestern, die Tage des Duftes und der Rosen werden vergessen sein und rauhe Herbststürme werden

mit der ganzen sommerlichen Pracht schrecklichen Kehraus halten.

* Gießen, 19. Juni. Mittwoch, den 1. Juli, begeht die Landes-Universität ihr Stif tungsfest.

* Gießen, 20. Juni. Die Frau, welche sich gestern in der Marburgerstraße aus dem Fenster stürzte, ist ihren Verletzungen erlegen. Die Verlebte ist nach unseren Erkundigungen gemütskrank gewesen und hat in diesem Zustand die That begangen. Dem bedauernswerten Ehemanne wird von allen Seiten die tiefste Theilnahme entgegengebracht.

Gießen, 20. Juni. Nach hierher gelangten Mitteilungen wird Mitte Juli der Vorsitzende des Vereinigten Staaten Gleiberg-Komitees, General Wagner- Philadelphia hier ein⸗ treffen, um den Gleiberg zu besichtigen.

*Gießen, 20. Juni. Wegen einer Schlägerei, die um Fastnacht in einer Wirtschaft zwischen Markomannen und der sogenannten Unitas einer⸗ seits und den Arminen andererseits stattgefunden, sind die Letzteren laut Anschlag am schwarzen Brett 4 Wochen lang vom Farbentragen ausge⸗ schlossen. Gewiß eine furchtbare Strafe.

* Lollar, 20. Juni. Morgen, Sonntag, begehen bei uns 40 Mann der freiwilli⸗ gen Feuerwehr ihr 20 jähriges Jubi⸗ läum als Feuerwehrleute. Aus Anlaß dessen wird die Feuerwehr den morgenden Tag festlich begehen.

* Langsdorf, 20. Juni. Gestern Nach⸗ mittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Un⸗ glücksfall. Der 17jährige Heinrich Scheld war beim Ziegeldecken auf einer neuen Scheuer beschäftigt und stürzte herunter. Beim Fallen schlug der Unglückliche auf eine eiserne Schiene und zog sich derartige Verletztungen zu, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Mainz, 17. Juni. In derStadt Frank⸗ furt wurde heute ein Verein zum Schutze der Detailgeschäfte gegründet. Ein provi⸗ sorischer Ausschuß von 11 Personen wurde ge⸗ wählt. Erster Beschluß der neuen Vereinigung war, eine Kollektiveingabe an die Handelskammer und das Ministerium zu richten, in der gegen den Achtuhrschluß der Ladengeschäfte protestiert werden soll,ohne dadurch in irgend welcher Weise den Schutz der Angestellten, wie ihn das Gesetz vorsieht, beeinträchtigen zu wollen.

Vermischtes.

Eine Walsischkatastrophe. Die unter⸗ seeischen Kabel haben von der Tier- und Pflanzenwelt des Meeres mancherlei Anfechtungen zu erleideu, die ihre Unbrauchbarkeit und allmählig völlige Zerstörung herbei⸗ führen können. In der Mehrzahl aber sind nur kleine Schmarotzer, z. B. Muscheln, Bohrwürmer u. s. w. an dem Zerstörungswerk thätig, obwohl an Kabeln, die zur Ausbesserung an die Oberfläche geholt worden sind, auch schon Verletzungen durch größere Seetiere, z. B. durch Bisse, die sich in der Umhüllung abdrückten, wahrge⸗ nommen sind. In der Regel liegt ja das unterseeische Kabel auf dem Meeresgrunde, oft in Schlamm eingebettet, und wird dadurch schon gegen die Angriffsgelüste der Seeungeheuer geschützt; stellenweise hängt aber das Kabel als gespanntes Seil über unterseeischen Thälern, und dann kann es kommen, daß ihnen Walfische gefährlich werden, wenn dieselben auf ihren unterseeischen Streifzügen durch Zufall dagegen schwimmen oder auch die Kabel den Wal⸗ fischen, wie folgende Geschichte beweist. Jüngst machte man die Wahrnehmung, daß das westbrasilianische Kabel krank wurde, wie es in der Sprache der Telegraphisten heißt, d. h. allmählig immer schlechter funktionirte. Man bestimmte den Sitz der Krankheit 76 Seemeilen im Norden von Santa⸗Katharina entfernt. Das Reparaturschiff Wicking wurde hinausgeschickt, um den Schaden zu heben. Es fischte auch nach einigen vergeblichen Versuchen das Kabel auf und schnitt es, um seine Leitungsfähigkeit nach beiden Richtungen prüfen zu können, durch. Kaum hatte es dasselbe nach der fehlerhaften Stelle zu eine Strecke lang aufgenommen, als plötzlich das Kabel von selbst einen Auftrieb nach oben zeigte und in einiger Ent⸗

fernung ein mächtigerSchwimmer aus den Fluten auf⸗ 9

tauchte, der einen furchtbaren Gestank verbreitete. Es war die sterbliche Hülle eines 16 Meter langen Walfisches welcher, als er in den Tiefen sich vergnügte, oder seiner Nahrung nachging, sich in dem Kabel verfing. Das ge⸗ waltige Tier war schließlich erstickt, da es zum Luftschöpfen nicht an die Oberfläche konnte und hatte bei den gewaltigen Kraftaustrengungen, um sich zu befreien, das Kabel so stark verletzt, daß die Leitung gestört war. Auf einigen Hautfetzen, die von dem Tiere für die Wissenschaft auf⸗ gefischt wurden, hatte sich schou zahlreiches Seegetier der Tiefe, Muscheln und auch Pflanzen, angesiedelt. Diese Walfisch⸗Tragödie hatie sich offenbar am 9. September abgespielt, an dem Tage, als der Telegraphist an den Störungen in der Leitung die letzten Anstrengungen des gewaltigen Tieres in seinem Todeskampfe spürte. Es ist der dritte Waffisch, von dem die Geschichte der unter⸗ seeischen Telegraphie zu melden weiß, der so in seinem eigenen Lebenselement seinen Tod fand; von seinen Lel⸗ densgenossen verunglückte der eine im persischen Golf, der andere an der Küste von Peru.

Eine aufregende Szene auf dem Wasser spielte sich am Dienstag gegen Abend zwischen Spandau und Plötzensee auf dem Schiffahrtskanal ab. Ein mlt Holz beladeuer Spreekahn war auf der Fahrt nach Berlin begriffen, seine Besatzung bestand aus einem Knecht, der Frau des Eigentümers und deren zwei Kindern, von denen sie eins an der Brust hatte. Das ältere Kind, ein Mädchen von acht Jahren, war damit beschäftigt, in der Küchenkabine Feuer anzumachen, und bediente sich dazu einer Flasche Petroleums, welche plötzlich explodierte und die Kleidung des Kindes in Flammen setzte. In Todes⸗ angst rannte das Mädchen auf die Mutter zu, die den Säugling eiligst von der Brust nahm und das einer Brandsäule gleichende Kind ins Wasser schleuderte, wobel sie selbst schwere Brandwunden an den Händen erlitt. In demselben Augenblick fuhr der Handelsmann Georg Schulz aus Berlin in seinem Fuhrwerk mit seiner Ehe⸗ frau an der Unfallsstelle vorüber, er sprang dem brennen⸗ Kinde nach, rettete es und brachte es mit seinem Fuhrwerk nach dem Krankenhause Moabit. Das Mädchen, das sehr schwer darniederliegt, heißt Emma Trieme. Das Feuer auf dem Spreekahn wurde bald gelöscht.

Nach reiflicher Ueberlegung. v. Stritzow: Da wäre mir im letzten Sommer beinahe'n Malheur passirt im Jebirge. Ich war schon'n paar tausend Fuß jestiegen und turne jergde an'nem Abhang vorbei als ich janz plötzlich strauchle und abstürze.... Wäre auch sicher'n Kind des Todes jewesen, wenn mir nicht der Je⸗ danke durchs Hirn jeschossen wäre: Wer stürzt ejentlich heutzutage ab? Ungeübte Touristen und Kuhjungen! Na, und da überlegte ichs mir denn doch und stürzte janz einfach nicht weiter!

Standesamtliche Nachrichten. Geburten.

Am 9. Juni. Dem Schuhmacher 1 Sohn Georg Albert,

Am 9. Juni. Spengler Georg Dahmer 1 Sohn.

Am 9. Juni. Taglöhner Johann Peter Rosenbecker 1 Tochter Emma.

Am 11. Juni. Institutsvorsteher Dr. Franz Kübel Zwillinge, 2 T., Antonia Theresia und Karoline Isabella.

Am 13. Juni. Universitäts⸗Professor Dr. Otto Wiener 1 T. Else.

Am 13. Juni. Lokomotivheizer Arnold Handloser, 1 T. Ella Margarethe.

Am 14. Juni. Bureau⸗Vorsteher Ludwig Haustein, 1 Tochter.

Am 15. Juni. Schreiner Heinrich Freihöfer, 1 T. Karoline.

Am 15. Juni. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Jung, 1 Tochter.

Am 17, Juni. Straßenkehrer Heinrich Hopp ein Sohn.

Am 18. Juni. Schlosser Georg Reinstein 1 Sohn Friedrich.

Aufgebote. Am 15. Juni. Hermann Kahn, Schneider dahte r,

mit Zerline Goldschmidt zu Idstein.

Am 17. Juni. Franz Jakob Szerzodrowski, Tag- löhner dahier, mit Elisabeth Hofmann hierselbst. 5

Am 19. Juni. Ernst Hermann Fritz Zach, Zahn⸗ techniker dahier, mit Luise Franziska Rüger hierselbst.

Am 19. Juni. Carl Ernst Louis Urbach, Küfer dahier mit Katharina Becker hierselbst.

Eheschließ ungen.

Am 19. Juni. Karl Erb, Dienstknecht dahier, mit

Barbara Braun hierselbst. Sterbefälle.

Am 12. Juni. Elisabethe Scherer, geb. Judt, 61 Jahre alt, Wittwe von Schuhmacher Ludwig Scherrer von Königsberg, Kreis Biedenkopf.

Am 13. Juni. Elisabeth Philippine Clara Keil, 10 Monate alt, Tochter von Schuhmacher Friedrich Keil dahier.

Am 14. Juni. Wilhelm Lorenz, Weichensteller i. P. von Runkel.

Am 16. Juni. Christine Müller, 70 Jahre alt, Privatin dahier.

Am 18. Juni. Heinrich Müller, 29¾ Bergmann von Oberhattert, Amt Hachenburg.

Auszug aus den Kirchenbücher der evangelischen Gemeinde. Matthäusgemeinde.

61 Jahre alt,

Jahre alt,

Taufen.

Den 14. Juni. Dem Kaufmann Heinrich Göhcke

Friedrichhalner