Ausgabe 
20.10.1896
 
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Gießen, Dienstag, den 20. Oktober

1896.

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Ausgabe

Gießen.

andeszeikung.

Redaktion:

5. Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

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edition: Kren latz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 19. Oktober. Die gestrige Auf⸗ führung der 4aktigen Posse von Leon Treptow

Schützenlis'l fand vor nahezu ausverkauf⸗

em Hause statt. Mag dieser Umstand die Di⸗ kektion veranlassen, für die Zukunft auf ihrem Repertoir die Sountage stets mit Possen zu be⸗ sezen. Es dürfte damit dem Geschmacke des 10 95 Publikums entsprochen werden, das in er Woche leider nur zu wenig in der Lage ist, das Theater zu besuchen, dafür aber am Sonn⸗ dag für die heitere Muse gestimmt ist.Schützen⸗ liel, das bekannte Stück mit seinen zahlreichen, vortrefflich wirkenden Verwechselungs-Szenen purde ausgezeichnet gespielt. Den urkomischen Rentier Stopsel spielte Herr Helm mit zwerch⸗ sellerschütternder Laune; er hatte die Lacher pieder auf seiner Seite. Den Reisenden Felix Breuse spielte Herr Ebers mit viel Humor und much dasSchützenlis'l war in der Person des Fräulein Dellmar sehr gut verkörpert. Die übrigen Rollen waren in ruhigen guten Händen, sodaß das Stück seine Wirkung nicht verfehlte.

* Gießen, 19. Okt.(Stadttheater.) Wir wollen nicht unterlassen, auf die heute er⸗ solgende Aufführung des neuen Blumenthal⸗ schen LustspielsGräfin Fritzi, welcher man allgemein mit großer Spannung Enitgegen⸗

sieht, hiermit hinzuweisen. Gießen, 19. Okt. In der Fehsenfeldschen Universitäts⸗Buchhandlung(Juhaber: August Frees) ist gegenwärtig das Gießener Uni⸗ sitätstaschenbuch in achter Ausgabe erschienen. Die frühere Auflage des Werkchens hatte den 91 75 Beifall der Studierenden, als aller der senigen gefunden, welche sich um irgend eine 1 551 in Universitäts⸗Angelegenheit desselben bedienten. Die vorliegende Ausgabe, welche be⸗ f deutende Verbesserungen erfahren hat, wird ihrem Zweck umsomehr genügen. Auch der in dem⸗ elben Verlag erschienene Katalog über Juris⸗ brudenz und Staats wissenschaft sei besonderer Beachtung empfohlen. Gießen, 19. Okt. Der Gesangverein Eintracht hielt am Samstag Abend eine Abend⸗ haltung ab, welche sich eines zahlreichen Be⸗ 8 zu erfreuen hatte. Die Mitwirkenden im ealischen wie gesanglichen Teil hatten ihre en Kräfte aufgeboten, um den Besuchern den d zu einem recht vergnügten zu gestalten, ihnen auch in jeder Beziehung gelungen ist. zum frühen Morgen wurde unter der 555 Harmonie das Tanzbein geschwungen id trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen amüsanten Abend verlebt zu haben.

Gießen, 19. Okt. Am 10. d. M. ging der dies⸗

fährige Orgelkursus zu Darmstadt, der am 21. September begonnen hatte, zu Ende. Er

1 von 18 Lehrern des Großherzogtums be⸗ sucht, worunter 14 der Provinz Ober⸗

hessen, 3 Starkenburg, 1 Rheinhessen ange⸗

hörten. Der Leiter des Kursus, Herr Kirchen⸗ 1 usikmeister Mendelssohn, versteht es,

denselben für jeden Teilnehmer ebenso interessant als lehrreich zu gestalten. Ganz besonders wert⸗ voll und anregend waren die Mitteilungen des Herrn Mendelssohn über den Rhythmus und die Spielart der einzelnen Chöre des neuen evange⸗ lischen Choralbuches für das n Es herrschte daher nur eine Stimme der Be⸗ friedigung und des Dankes unter den Be⸗ teiligten.

Gießen, 19. Oktober.(Sitzung der Großh. Handelskammer vom 9. Oktober 1896.) An⸗ wesend die Herren: Koch, Gail, Heichelheim, Homberger, Katz, Klingspor, Wortmann. Die deutsche Handels- kammer in Brüssel benachrichtigt ihre diesseitigen Schwesterkammern, daß sie infolge mannigfacher An⸗ regungen Ende vergangenen Jahres, im Verein mit der Mehrzahl der belgischen Handelskammern, bei dem belgischen Finanzministerium beantragt habe, daß Sendungen vom Auslande nach dort, welche aus irgend einem Grunde nicht zur Ablieferung kommen können, ohne Zollspesen an den Absender zurückgelangen können. Dieser Antrag bezog sich auf Sendungen, welche fracht- und zollfrei expediert, von der Bahnverwaltung der Endstation verzollt und dann mit den Zollspesen belastet den Adressaten zur Abnahme angeboten, aber nicht angenommen werden. Gemäß besonderer Uebereinkunft zwischen mehreren euro⸗ päischen Staaten, so auch zwischen Deutschland und Belgien, wird bei Postsendungen der so vorgelegte Zoll zurück⸗ erstattet, nicht aber bei Bahnsendungen. Das belgische Finanzministerium verhielt sich gegenüber dem sehr ein⸗ gehend motivierten Antrage, die Vergünstigung zollfreien Rückgangs auch auf den Bahn⸗ versand auszudehnen, ablehnend und begründet diese Haltung mit dem Umstande, daß die beantragte Maßregel bis jetzt in keinem der anderen Staaten bestehe. Die Deutsche Handelskammer glaubt auf die Geneigtheit des dortigen Ministeriums rechnen zu können, einem inter⸗ nationalen Abkommen bezüglich dieser Angelegenheit zwischen den durch Handelsverträge verbundenen Staaten die Hand zu bieten und hat von diesem erweiterten Ge⸗ sichtspunkte aus aufs neue bei ihrem Ministerium einen Antrag eingebracht. Zugleich ist an die deutschen Schwesternkammern die Aufforderung ergangen, in geeig⸗ neter Weise bei ihren Regierungen gleiche Schritte zu thun, um desto sicherer einen Erfolg zu verbürgen. Die Handelskammer beschloß, das Ihrige zur Verwirk⸗ lichung dieser wichtigen, dem Handelsverkehre dienlichen Maßregel in geeigneter Weise beizutragen. Seitens des Herrn Reichskommissars für die im Jahre 1900 in Paris stattfindende Weltausstellung, Geheimrat Richter in Berlin, wurde der Handelskammer eine Anzahl Drucksachen, betr. die Beteiligung des Reiches an dieser Ausstellung, nämlich Ausstellungsprogramm, Anmeldungsformulare, sowiedie allgemeine Klassifikation der zur Ausstellung gelangenden Gegenstände nach Gruppen und Klassen übersendet. Den⸗ jenigen Firmen unseres Bezirks, sowie des sonstigen Teiles der Provinz Oberhessen, welche sich für die genannte Ausstellung interessieren, werden jene Drucksachen auf Wunsch alsbald übersandt werden. Außerdem wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß am 21. l. M., mittags 12 Uhr, im Konzerthause der Liedertafel in Mainz, Große Bleiche, eine Vereinsversammluug des Mittelrheinischen Fabrikantenvereins stattfindet; auf der Tagesordnung steht eine Besprechung über die Weltausstellung. Der Herr Reichskommissar wird diese Sitzung mit einem einleitenden Referat eröffnen. Am 15. Oktober I. J. und den folgenden Tagen findet eine außerordentliche Plenar⸗ versammlung des Deutschen Handelstages in Berlin statt. Auf der Tagesordnung steht die Veratung eines Entwurfs

des Handelsgesetzbuchs. Die Kammer wird in der Ver⸗ sammlung durch Herrn Geheimen Kommerzierat Michel in Mainz vertreten sein. Einer Eingabe der Bergischen Handelskammer zu Lennep an den Herrn Handelsminister, betr. die Zollbehandlung der Retourwaren, schließt sich die Kammer nicht an, da sie die Eingabe für aussichtslos hält. Dem königl. rumän. Generalkonsul in Frank⸗ furt a. M. wird mitgeteilt, daß in den Transporttarifen der rumänischen Eisenbahnen für unrichtige oder ungenaue Deklarationen von Waren, welche durch die rumänischen Eisenbahnen befördert werden sollen, hohe Geldstrafen angedroht sind. Die Interessenten werden deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß die Deklarationen über Waren,

welche in Rumänien eingeführt werden sollen, sehr detail-

liert und bis ins kleinste spezifiziert werden müssen. An folgenden Orten wurden Reichsbanknebenstellen er⸗ öffnet: Am 1. Oktober zu Hadersleben, abhän gig von der Reichsbankstelle in Flensburg, am 7. Oktober zu Demmin, abhängig von Stralsund, und am 15. Oktober zu Rendsburg, abhängig von der Reichsbankstelle in Kiel. Das Verzeichnis der Kammer von schwindelhaften Firmeu im Ausland hat einige Erweiterungen für Japan, Niederländisch⸗Indien und Transvaal erfahren.

* Gießen, 19. Oktober.(Entscheidungen des Großh. Oberlandesgerichts.) Eine konzesstons⸗ pflichtige Schankwirtschaft im Sinne des§ 33 der Ge⸗ werbeordnung betreibt begrifflich nur derjenige, welcher gewerbsmäßig zur Erfrischung dienende Getränke zum Zweck des unmittelbaren Genusses an dem Ort der Ver⸗ abreichung an andere überläßt. Der Betrieb muß hier⸗ nach a. gewerbsmäßig, d. h. in der Absicht ge⸗ schehen, durch Wiederholung des Verabreichens einen Gewinn zu erzielen, b. einen Verzapf von vorzugsweise geistigen Getränken: Wein, Obstwein, Bier, Branntwein ꝛc. zu bethätigen und c. zum unmittelbaren Genuß an Ort und Stelle der Verabreichung erfolgen. Es liegt daher ein gewerbsmäßiger Betrieb nicht vor, wenn ein Verein oder eine geschlossene Gesellschaft durch ein Gemeinschafts⸗ organ auf Rechnung der Mitglieder Getränke der unter § 33 G.-O. fallenden Art anschafft und sie im Vereins⸗ lokal an die Mitglieder zum unmittelbaren Genuß abgiebt, da eine Gewinnerzielung nicht beabsichtigt ist, sondern nur eine Ersparnis, die sich in den billigeren Preisen der Getränke zum Ausdruck bringt. Es gilt dies namentlich von den Konsumvereinen und den Unterhaltungsgesellschaften, welche eine besondere Wirtschaftsräumlichkeit halten. Werden aber in den betreffenden Räumlichkeiten solcher Vereine Nichtmitglieder zum unmittelbaren Genuß von Getränken zugelassen, so ist Erlaubnis erforderlich, sobald dieser Be⸗ trieb zur eigentlichen Gewinnerzielung, also nicht lediglich aus Rücksichten des nicht auf Gewinn gerichteten Ge⸗ schäftszwecks erfolgt. Ebenso bedarf ein Konsumverein, dessen satzungsmäßiger Zweck lediglich auf Einkauf und Abgabe von Waren einschließlich von Getränken, nicht aber auf Halten eines zum Genuß von Getränken be⸗ stimmten Lokals gerichtet ist, dann einer Wirtschafts⸗ erlaubnis, wenn er in den Räumlichkeiten des Vereins und zwar auch an Mitglieder Getränke zum unmittel⸗ baren Genuß verabreichen läßt, da dies nicht mehr in den Grenzen des Vereinszwecks gelegen ist. Ist endlich in Wirklichkeit ein Verein mit gemeinschaftlichem Betriebe gar nicht errichtet worden, sondern nur des Scheins halber eine Vereinsbildung mit einem vorgeschobenen Vereins⸗ organe erfolgt, um die Vorschriften der G.⸗O. über die Erwirkung der Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe und über die Entrichtung der für diesen Betrieb maßgebenden Abgaben zu umgehen, so kann die in dieser Form gesetz⸗ widrig erfolgende Verabreichung von Getränken gemäß 8 15, Abs. 2 G.⸗O. polizeilich gehindert und strafrechtlich

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verfolgt werden. Wird ferner von dem Vereinsorgan die Abgabe der Getränke im Gesellschaftslokal einem Lager⸗ halter, Geschäftsführer, Vereinswirt(Zäpfer) derart über⸗ tragen, daß die vom Verein bestellte Person auf eigene rechtliche Verantwortlichkeit, nicht als Stellvertreter oder Gehülfe des Vereins, die Getränke beschafft und absetzt, so ist diese Person alsUnternehmer zu betrachten, welcher gewerbsmäßig die Wirtschaft auf eigene Gewinn⸗ erzielung ausübt und muß die Erlaubnis für sich selbst einholen, und zwar auch dann, wenn er hinsichtlich der Güte und der Art der Getränke, sowie der Höhe der Preise einer Aufsicht und Einwirkung des Vereinsor gans

unterliegt.

* Grünberg, 19. Okt. Am 12. Oktober wurde die Dekanatssynode des evange⸗ lichen Dekanats Grünberg in Lon dorf abgehalten. Aus dem Rechenschaftsbericht über den religiösen und sittlichen Zustand im Dekanat ist zu erwähnen: Die Bevölkerung des Dekanats hat in der letzten Zeit erheblich abgenommen; als Grund wird angegeben das allzuleichte Auf⸗ geben der Heimat; der Prozentsatz der Klrchen⸗ besucher an den 3 Zähltagen beläuft sich auf 41 Prozent der Erwachsenen und 27 Prozent der ganzen aeg der Prozentsatz der Abend⸗ mahlsbesucher auf 107% Prozent; die Teilnahme an den Werken christlicher Barmherzigkeit auf 25 Pfg. pro Kopf der Bevölkerung.

* Hartenrod bei Grünberg, 18. Oktober. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Rock mit 43 Stimmen gewählt, der Gegenkandidat Men gel erhielt 35 Stimmen.

* Aus dem westlichen Vogelsberg, 16. Oktober. Die Viehpreise stehen in diesem Herbste auf einer bemerkenswert niedrigen Stufe. Bei dem Rückgang der Getreidepreise bildet die Viehzucht die Haupteinnahmequelle der Landwirte. Der auffallende Preisrückgang beim Vieh ist demnach leider gleichbedeutend mit einer Min⸗ dereinnahme im landwirtschaftlichen Be⸗ triebe. Beim Rindvieh beträgt die Preis reduk⸗ tion nicht selten/ 7 des früheren Preises, bei den Jungschweinen(Ferkeln) aber /2. So kauft man jetzt das Paar prima Ferkeln zu 20 , wofür man vor einigen Jahren den doppelten Betrag zahlen mußte. Dieser Rückgang in den Ferkelpreisen wird aber nicht durch den angeb⸗ lichenschlechten Ausfall der Kartoffelernte, sondern durch die Ueberzucht an Jungschweinen verursacht. Während man früher in einer Ge⸗ meinde nur 20 Mutterschweine hielt, hält man heute meist die vierfache Anzahl. Die fetten Schweine werden keinesfalls schlecht bezahlt; das Pfund Lebendgewicht, welche Verkaufsart hier meist üblich ist, hat einen Preis von 35 Pfg. In der Zucht von Mastschweinen liegt n los eine der lohnendsten Einnahmequellen für den Landwirt.

* Aus dem Kreise Schotten, 16. Ott. Ju vielfach sehr schlechtem Justan ist das Grummet in die Scheuer gebracht worden. Nicht selten tritt bei der Gährung, die dasselbe durchmacht, ein solcher Wärmegrad ein, daß bei günstigen Umständen, wie Zutritt frischer Luft,

f Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel.

(Fortsetzung.)

Es giebt nichts Uebernatürliches, sagte ich lalblaut entschlossen zu mir selbst.

Hier begann eben das Geheimnis seine Kreise weshalb zu ergründen ich ausgesandt vorden war.

Ich beklagte nur noch, nicht den Spuren des

3 beheimnisvollen Reiters folgen zu können. Aber in der Richtung, aus welcher er gekommen bar, konnte ich zurückgehen.

Ich stellte diese Richtung mittels meines Taschen⸗

kompasses fest und damit zugleich die, in welcher

g fortgeritten war.

Es war die Richtung, in welcher ich nach des Sergeanten Angabe von der toten Schlucht aus die Milton⸗Park⸗Station zu suchen hatte.

Das war eine wichtige Entdeckung. 0

Nun konnte ich nicht länger daran zweifeln,

nich hier doch in unmittelbarer Nähe der Schlucht befinden.. Einen Augenblick war ich schwankend, ob ich nuch meinem Pferd laufen und dem gespenstischen keiter nachsetzen sollte, oder ob es nicht besser war, eine Abwesenheit zu benutzen, um mich näher in einem vermuteten Versteck umzusehen.

Ich entschied mich für das Letztere und begab

ich sogleich auf den Weg. f

eil von einer Viertelstunde gelangte ich des ehemaligen Flußbettes. mit welchem 12 gegangen war.

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Natürlich bewegte ich mich mit großer Vorsicht und ließ meine Augen fleißig umherschweifen, ohne indessen etwas Verdächtiges zu bemerken.

An der Stelle, wo ich auf die tote Schlucht stieß, glich diese mehr einer flachen Thalmulde mit grünen Hängen, ein Thal in der Ebene. 5

Unten wuchsen Farnkraut, Malley und verein⸗ zelte Bäume. Von einem ehemaligen Goldfeld war da keine Spur.

Ich schritt nun am Rande der Schlucht auf⸗ wärts, um die erwähnte Vertiefung zu finden, die ich weiter unten wohl nicht suchen durfte, wo die Schlucht sich mehr und mehr verflachte.

Nach einer weiteren Viertelstunde war ich am

iel. 5 Immer düsterer, aber auch immer malerischer gestaltete sich das Bild zu meinen Füßen..

Hier an der tiefsten Senkung war der Anblick ein geradezu großartiger und von einer wilden Romantik. g

Die Schlucht war hier hundertfünfzig bis zwei⸗ hundert Fuß breit und etwa dreißig Fuß tief.

An den zerklüfteten Steilwänden hingen Schliug⸗ gewächse gleich grünen Vorhängen hernieder.

Im Grunde wechselten gelber Sand, Farnkraut und Buschwerk.

Rot und weißblühende Myrthenbäume, Akazien und Fächerpalmen, von Schlinggewächsen um⸗ sponnen, ragten hier und da auf, auch einige wenige Gummibäume, darunter eine Auygdaleen, der Riesen⸗Baum Viktorias, dessen säulenglaller Stamm in einer Höhe von hundertfünfzig Fuß die ersten baumartigen Zweige ansetzte.

Seine Gesamthöhe mochte vierhundert und mehr Fuß betragen.

Aus seinem Geäst fiel der rotblühende Loranthus wie ein Funkenregen herab.

Die Schlucht war, so weit ich es übersehen konnte, fiebartig durchlöchert.

Gleich offenen Grüften, gähnten die Schachte schwarz herauf.

Die nur schmalen Zwischenwäude waren zum Teil schon eingestürzt.

Reste von Eimer-Winden, wie man sie sonst über Brunnen sieht, steckengebliebene Zeltstangen und halb oder ganz verfallene Hütten, die von Farnkraut und Malley überwuchert waren, gaben Zeugnis davon, daß die tote Schlucht einmal be⸗ wohnt gewesen war.

Hatte ein neuer Wassersturz in einem übermassen Winter die Menschen verjagt?

War das Goldfeld erschöpft?

Hatten neue und größere Funde an anderen Orten eine vollständige Auswanderung, herbei geführt?

Wer vermochte das jetzt zu sagen?

Die tote Schlucht war verlassen.

Spaten und Wiegen ruhten.

Der Geist der Oede war hier eingezogen und mit ihm hatte sich eine wahre Friedhofs-Stille auf das einst so geschäftigte Goldfeld gesenkt.

Ich hatte mich abermals am Boden ausge streckt, aber nicht um zu ruhen, sondern nur, um zu beobachten, ob irgendwo sich noch etwas Lebendiges regte.

In dumpfem Hinbrüten verbrachte ich so eine weitere halbe Stunde.

Als Alles still blieb, sah ich mich nach einer Stelle um, an der ich hinabklettern konnte.

Ein paar Stunden hatte ich noch Zeit, ehe der gespenstische Goldgräber von seinem Nachtritt zurück⸗ kehrte, vorausgesetzt, daß er sich nach der Milton⸗ Park⸗Station begeben hatte.

Ich wollte seine Abwesenheit benutzen, um mich selbst nach einem Versteck umzusehen, in welchem ich den nächsten Tag verbringen konnte.

Ich fand die gesuchte Stelle etwas weiter ab⸗ wärts, und mit Hilfe der sehr starken Schling⸗ pflanzen kletterte ich hinab.

In diesem Augenblick ließ noch einmal die große Nacht⸗Eule ihren Klageschrei ertönen.

War das eine erneute Warnung?

Ich war tief erschüttert.

Aber nun ich einmal hier war, wäre ich nicht mehr zurückgegangen, und wenn ich gleich meinen Tod vor Augen gesehen hätte.

Es war gefährlicher Boden, welchen ich da be⸗ trat. Die Schacht-Oeffnungen waren zum Teil von überragendem Farnkraut verdeckt.

Morsche Bretter und Stangen waren Träger von Schlingpflanzen, welche tief hinabhingen in die schwarzen Schlünde.

Wo ich über die schmalen Zwischenwände wie über eine Brücke schritt, fühlte ich den Boden unter meinen Tritten erbeben und schwanken, und einmal rettete ich mich vor dem Verschüttetwerden nur durch einen kühnen Sprung.

(Fortsetzung folgt.)

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