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20.2.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 20. Februar

1896.

Ausgabe

Gießen.

ssche Landeszeikung.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die 5spaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

ngen Hessicche Landeszeitung

nehmen unsere sämmtlichen Träger sewie die Expedition Kreuzplatz 4 zu jeder Zeit entgegen.

Kein anderes hiesiges oder auswärti ges Blatt bietet annähernd die Vor teile derHessischen Landeszeitung, die der Einwohnerschaft von Gießen und Nachbarorten in zwei Ausgaben un jedem Werktag ausgehändigt wird.

Preis nur 60 Pfg. monatlich

e inschließlich Trägerlohn.

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Lokales und Provinzielles. Gießen, 19. Februar. Der Fa schings krubel gestern setzte verhältnismäßig trotz des überaus günstigen Wetters spät ein. 4 Bläser mit dahinter marschierenden 6 Mann in kanarien⸗ gelben Kueipjacken zogen den Seltersweg zuerst un die Höhe nach dem Markte zu und erregten die allgemeine Heiterkeit. Die Korps fuhren auf 2 mit Tannengrün geschmückten Erntewagen un einer Musikbande spazieren. Die Alemannen

1 N und Germanen ließen sich in Equipagen sehen. Jahlreiche Clowns und Einzelmasken trieben duf den Straßen ihr Wesen. Ein Quartett des Blümchen war es ganz besonders, welches Furore machte. Vor allen Häusern, aus deren Fenster das schöne Geschlecht dem Treiben der Straße zuschaute, ließen die vier lustigen Brüder Studio hre gerade nicht harmonisch klingenden Lieder utönen. War auch das Karnevalstreiben der Straße diesmal ungeregelter denn je, so hielt doch das schöne Wetter unser Publikum bis zum Dunkelwerden auf den Straßen. Abends herrschte im allen Wirtschaften und allen verfügbaren Tanz⸗ lokalen frohe Laune unter den Gästen und mauches Dippchen wurde aus Anlaß des Tages über den Durst getrunken. Möge es den wackeren Zechern gut bekommen sein.

* Gießen, 19. Febr.(Strafkammer⸗ sützung.) Eine interessante Beleidigungsklage Wurde gestern vor der Strafkammer verhandelt. Die Klage war im öffentlichen Interesse vom Ersten Staatsanwalt Dr. Güngerich erhoben. Es handelte sich um eine Beleidigung des Oberamts lichters Wahl zu Schlitz begangen durch den dortigen Bürgermeister und Landtags⸗Abgeord⸗ neter Zinßer. Der Bürgermeister hatte zu dem i Schlitz gebildeten Komité zur Feier des Sedan⸗Festes den Oberamtsrichter nicht zugezogen, worauf dieser sich bei Zinßer brieflich beschwerte.

Der Empfänger der Beschwerde antworte eben falls schriftlich und bemerkte in seinem Brief an Wahl, dessen Schreiben enthalte von A bis 3 infame persönliche Beleidigungen. Die Staatsbehörde beantragte bei der Schwere der Beleidigung auf eine Geldstrafe von Mk. 300 zu erkennen. Der Gerichtshof verurteilte den Be klagten zu Mk. 250 eventuell 25 Tage Gefängnis. Es sei der schwerste Vorwurf, den man einem Richter machen könne, wenn man ihm nachsage, er habe infam gehandelt, der Gerichtshof habe aber in Betracht gezogen, daß Beklagter noch nicht bestraft sei und diefen Umstand als Milderungs grund gelten lassen. Andererseits aber sei erschwerend der Umstand, daß der Beklagte in seiner Eigenschaft als Bürger- meister, Standesbeamter und Orts gerichtsvorsteher der Untergebene des Beleidigten sei, und mußte daher auf eine so hohe Strafe erkannt werden.

h. Bad⸗Nauheim, 18. Februar. Bei der hiesigen Aktiengesellschaft Fabrik feuerfester und säurefester Produkte ist die dritte Million Mark voll eingezahlt und dadurch das bisherige Grundkapital von zwei Millionen Mark auf drei Millionen Mark erhöht worden. Dem hiesigen Badekommissär Obersten z. D. Hofmann, Bruder des Staatssekretärs von Hofmann, wurde der erbliche Adel des Großherzogtums verliehen.

Darmstadt, 17. Februar. Der Bericht des ersten Ausschusses der Zweiten Kammer über den Antrag der Abgeordneten Möllinger und Genossen, die Verhältnisse der hessischen land⸗ und forstwirtschaft⸗ lichen Berufsgenossenschaft betreffend Berichterstatter Abg. Haas(Offenbach) gipfelt in der Proposition, dem Abg. Möllinger und Genossen keine Folge zu geben.

Darmstadt, 17. Februar. Anläßlich der zu Anfang des Monats März d. I stattfindenden Feier des 275 jährigen Bestehens des I. Großh. Hess. Inf.(Leibgarde) Regi⸗ ments Nr. 115, das mit einer Unterbrechung von etwa 10 Jahren(1860-1870) stets seine Garnison in Darmstadt hatte, wurde von der hiesigen Stadtverordnetenversammlung beschlossen, der Unteroffiziers-Unterstützungskasse des Regiments einen Kapitalbeitrag von 2000 Mark zuzuwenden und zu den Kosten einer Ball festlichkeit der Unteroffiziere 200 Mark beizu tragen; auch sollen die städtischen Dekorations⸗ Gegenstände, soweit solche für die Festlichkeit erforderlich sind, dem Regiment unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Ein Kessel⸗ schmied war mit Nietenstemmen an einem Dampf⸗ kessel beschäftigt, wobei ein kleiner Eisensplitter den Mann unbedeutend am linkem Unterarm verletzte. Bis zum nächsten Tage bildete sich ein Geschwulst und wurden die Schmerzen so arg, daß der Mann sich zur Untersuchung in das Krankenhaus begeben mußte, wo eine Blut- vergiftung festgestellt wurde.

* Darmstadt, 18. Februar. Es sei noch nachgetragen, daß zu dem Antrag des Abg. Muth jährlich 10,000 Mk. zur Aufforstung vonGemeindewüstung und Hutweiden im Vogels

berg aufzuwenden, von der zweiten Kammer be schlossen wurde, hierfür 18,000 Mk. jährlich im nächsten Staatsbudget vorzusehen.

* Offenbach, 18. Febr. Nach der Volks⸗ zählung am 1. Dezember 1895 zählt unsere Stadt 40 310 Seelen. Im Laufe des verflossenen Jahres wurden 433 Ehen geschlossen. 1328 Geburts⸗ und 716 Sterbefälle waren zu verzeichnen. Nach der Sterblichkeitsstatistik sind in erster Linie 115 Todesfälle, herbeigeführt durch akute Erkrankung der Armungsorgane zu verzeichnen, ferner starben 103 an Lungenschwindsucht. An Schlagfluß endeten 31, an Mord und tödlicher Verletzung 18, Diphtherie 15, Keuchhusten 13, Masern 7, Scharlach 4, Unterleibstyphus 4, Kindbettfieber 2, an anderen bekannten Krankheiten verstarben 293, bei 13 Fällen war die Todesursache unbekannt.

i. Mainz, 18. Februar. In unserer Stadt sind sehr viele Fälle von Bartflech te konstatiert worden. Es sollen deshalb polizeiliche Maßregeln getroffen werden. Das beste Schutzmittel dürfte die Vermeidung unsauberer Geschäfte sein oder das Wachsenlassen des Bartes.

Vermischtes.

Augenoperation an einem jungen Tiger. Einer der jungen Tiger im hiesigen zoologischen Garten, so wird derMagdeb. Ztg. aus Stuttgart geschrieben, litt an Augenwasser sucht(Hydrophtalmos ingenitus). Um das Tier von seinen heftigen Schmerzen zu befreien, nahm ein Augenarzt, nachdem medikamentöse Mittel ohne Erfolg geblieben waren, die Entfernung des kranken rechten Auges vor. Die Operation wurde, da Chloroformanwendung wegen der geringen Widerstandsfähigkeit des Katzengeschlechts gegen die todbringenden Eigenschaften des Chloroforms sich von selbst verbot, unter Anwendung von Cocain ausgeführt, während mehrere kräftige Männer das junge Tier hielten. Auf die zur notwendigen Erweiterung der Lidspalte und zur Loslösung der Bindehaut nötigen Eingriffe reagierte der Patient wenig, dagegen gab er bei der Durch schneidung der Muskelausätze und der Sehnerven lebhafte Zeichen des Schmerzes von sich. Sofort nach der Operation beruhigte er sich aber voll kommen und schon kurze Zeit nachher schien er sich viel wohler zu fühlen, als vor der Operation. In vierzehn Tagen wird die Einsetzung eines Glasauges vorgenommen werden.

Ein Schatz auf dem Meeresgrund. Wie) eits früher gemeldet worden ist, hat ein gewisser Plastunoff die Erlaubnis erhalten, die am 27. November 1854 teils in der Bucht von Balaklawa, teils im offenen Meere beim Ein⸗ gang der Bucht untergegangenen englischen Schiffe zu heben. Bekanntlich waren damals während eines Sturmes zwanzig englische Schiffe zu Grunde gegangen. Es waren bereits in den siebziger Jahren Versuche zur Hebung dieser Schiffe gemacht worden. Ein gewisser Ehrhart hatte damals eine diesbezügliche Konzession er halten und im Jahre 1885 hatte sich eine mit großen Geldmitteln ausgerüstete französische Ge

sellschaft gebildet, welche sich die Hebung der er⸗ wähnten Schiffe zur Aufgabe machte. lang ihr auch wirklich, alle in der Bucht selbst untergegangenen Schiffe ans Tageslicht zu be⸗ fördern, sie boten aber für die Aktionäre kein besonderes Juteresse. Das SchiffPrinz-Regent aber, auf das es die Gesellschaft hauptsächlich abgesehen hatte, konnte damals nicht gehoben werden. Der Prinzregent hatte nämlich außer einem Quan⸗ tum Silbergeld 200 000 Pfund Goldgeld an Bord; das Geld war in Fässer verpackt und zur Auszahlung an die Truppen bestimmt. Der Prinz⸗Regent liegt im offenen Meere in einer Tiefe von 196 Fuß, 1400 Fuß von der Fels⸗ wand Sidero entfernt, an der er auch zerschellt war. Der mit demPrinz-Regent unterge⸗ gangene Schatz ist es auch, auf den es Plastunoff bei seinen Versuchen in erster Linie abgesehen hat.

Die unbefleckte Standeseh re. Mit soge⸗ nannter schneidiger Eleganz verbeugt sich der Barbier, oder wie er sich lieber nennt, der Coiffeur Knülle vor dem Richtertisch, und erst auf Befehl des Vorsitzenden nimmt der wegen Körperverletzung Angeklagte auf der Anklage⸗ bank Platz, aber nicht eher, bevor er mit einem roten kleinen Taschentuche die Sitzfläche abgestäubt hatte. Vorsitzender: Setzen Sie sich nur hin, ohne alle Ge⸗ schichten. Angekl.: Wat ick sagen wollte, hochjeschätzter Jerichtshof, det is vorläufig det Eenzliche, det man mir jeutzt hat, jewissermaßen uff-alle Fälle janz jreulich jeutzt hatte, indem ick mit mein janzet Bewußtsein von meine mich anjeborne Standesöhre... Vors.: Nun hören sie aber auf! Es ist ja unerträglich, Ihren albernen Tiraden zuhören zu müssen. Sie sind uns ja nicht so ganz unbekannt und haben also nicht nötig, sich anders zu geben, als Sie wirklich sind. Angekl.: Jott, det sind ja die reenen Icksstrahlen, wenn Se mir jleich bis hinter de Rippen abnehmen können, denn hab ick freilich nich nötig, mir zu verheimlichen. Also jut, ick jebe zu, det ick nich immer mit de Leitnants und mit de Aristrohkraten in intimen Verkehr jestanden habe, det ick sojar ohne ohne pfeu Deibel, det Wort will mir nich aus de Jurjel det ick sojar obdachlos ufjejriffen wurde und det et der Staat sich nich nehmen ließ, mir per Eklipasche in't Centralhotel Plötzensee zu bringen un dort uf seine Kosten zu beköstijen, det is allens nich zu bestreiten, aber mir det immer und immer wieder vor de Beene zu schmeißen, det ick drieber stolpern muß, det is erschtens zu jemeene, zweetens hundsjeme ne und for's dritte reizend. Vors.: Erzählen sie deutlicher. Ihre letzten Worte sind uns unerklärlich. Angekl.: Det soll besagen: Wat meine Mitjehilfen waren in det Jeschäft in de Leipzigerstraße, wohin ick mir durch eijene Kraft uffgeschwungen hatte von Penne zu'n Jehilfen bei'n

Fufzigpfennigbarbier, meine Mitjehilfen reizten mir mit det eene Mal Plötzensee so, det ick se der Reihe nach ver⸗ tobacken mußte, det Uebel wurde aber nur noch schlimmer un nu kriegte sogar meine jeliebte Braut ick jeh jetzt nich mehr mit se janz jemeene Lüjenbriefe, un aus de miserable Klaue un aus de Fehler denken Se blos, det Wortjroß, hatte die Quatschbacke immer kleene geschrieben na kurz un jut, ick erkannte jleich, det die Briefe der Robelt verzappt hatte. Vors.: Zeuge Robelt bestreitet das. Angekl.: Na wat wird er nich? Er is et aber doch jewesen, dadruff hab ick ihm ja aber noch jar nischt jedahn, hin und wieder jab's blos een Stoß von hinten mit'n höflichetPardonk dran, oder nen Tritt uff de Appelkähne mit'nExkusöh. Erscht wie meine ver⸗ flossene Braut foljendet Jedicht kriegte, wat der Irund war, det die Verlobung von die ihre Seite uffjehoben wurde, habe ick janz ecklich rinjehauen. Det Jedichte

Der Treffer. Von Rudolf Herzog.(Frankfurt a. M.) (Nachdruck verboten) (Schluß.)

Jetzt war es ganz um seine Stimmung geschehen. Er wußte, daß dieser Theaterbeherrscher keine drei Seiten, vielleicht nur das Personen-Verzeichnis ge sesen. Er hatte sich im Buche ein Zeichen gemacht, im dem es ihm hätte auffallen müssen. Und trotz zem eine solch kühle Ablehnung, die Verurteilung iner Arbeit, an die er sein Bestes gesetzt. Und er bar ein Künstler! Die Presse hatte es oft genug merkannt; freilich bei Lyrik. Davon konnte er ürst recht nicht leben. Und urplötzlich überkam ihn en grimmiger Humor.

Mit dröhneuden Schritten durchmaß er das immer, blieb überlegend stehen, um in sich hinein ichend die Wanderung wieder aufzunehmen.Gut, ut, nickte er.Nur weiter so. Je toller und usciver, desto besser. Unsinn, was thuen Königinnen lauf der Bühne? Dirnen müssen hinauf! Greise nit Faunsgesichtern! Männer und Frauen, die sich u der Ehe ums Heiligste betrügen, so lustig und ffiffig, als ging's um Walluüsse. Das ist amüsant, us kitzelt die apathischen Nerven. Und Kouplets,

pikant, daß sie wie der Wind den Weg ins

Folk finden, daß die Kinder sie auf den Gassen eim Spiel singen oder abends beim Zubettgehen, iind die junge Frau den Gatten lachend und er setend austößt. Bravo, so ist's recht. Jetzt aus

nrichten, da ihr's so haben wollt.

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Von diesem Tage an war Lasser für seine Freunde nicht mehr zu sprechen. Er ging nicht, mehr aus seiner Wohnung heraus.

Das ist ja ein mordslustiger Herr geworden, der Herr Lasser, erzählte die Wirtin deu abge wiesenen Besuchern.Das lacht und pfeift und summt hinter der Thür den ganzen Tag. Und Lieder thut er zuweilen singen oder hersagen, ein schandbares Zeug, der Beichtiger würd' sich be danken. Meine Tochter und ich stehen oft ein bischen an der Thür und haben unsern Possen dran. Sie ist zwar eigentlich noch zu jung dazu, das Ding.

So erfuhren die Freunde, welcher neueste Lasser'sche Geistesprodukt war.

Doch ein vernünftiger Kerl, der Lasser! Hat's eingesehen, was unsrer Zeit not thut. Keine großen Tiraden von Menschenwürde und Gott weiß was. Dafür haben wir ja den Schiller. Der reicht aus. So ga bissl Lieb und a bissl Treu und a bissl Falschheit dabei, das macht uns Spaß und ihm Geld. Man darf sich doch zuletzt noch auf der Welt amüsieren.

Und sie amüsierten sich, amüsierten sich wie Tollhäusler, und tobten und lachten und schrieen, während Lasser unter ihnen stand, sein fertiges Werk zu verlesen, und bei jedem neuen Heiterkeits erfolg um eine Nuance blasser wurde.

Hör' auf, hör auf, ich sterbe! Grandios! Süperb! Der alte Boccaccio dreht sich vor Neid im Grab herum. O, o! Du kleiner Casanova in

Art das

der Westentasche

Sie ließen es sich nicht nehmen, der Tag mußte ge feiert werden. So etwas kann nur mit Sekt ge tauft werden. Erst aber das Manufkript fort zur Direktion des Schwanktheaters. Die Pflicht geht vor. Nein, werden die dort Augen machen! Augen? Wenn sie sich vor Lachen ihrer überhaupt noch ent sinnen. Diese Unterkleidergeschichte haha dieser Esel von einem Ehemann!

Spät in der Nacht kam Lasser nach Hause. Der Kopf war ihm wüst. Und eine Bitterkeit in der Seele, eine Bitterkeit. Er blickte wild um sich. Wo waren seine Ideale, die ihn begeistert hatten, das ersehnte Königreich der Kunst? Scherben, Schmutz, eine lärmende eynische Komune, die die Gottheit gestürzt und den Menschenleib auf das geschändete Piedestal gehoben! Er spie aus vor Ekel.

Die Freunde hatten Recht behalten. Lasser hatte einen Tresser gethan. Klar und licht brach der Wintertag an, der Tag, an dem der Weltstadt die Premiere des in der ganzen Lebewelt besprochenen Stückes dargebracht werden sollte. Lasser erhob sich nach einer schlaflosen Nacht. Bleich und ver stört saß er vor seinen Büchern. Er fühlte, es war in ihm etwas entzwei gebrochen, was durch keine Flickarbeit wieder hergestellt werden konnte mit diesem Werke hatte er unwieder bringlich den Glauben an die Schönheit der Kunst, den Glauben an sich selbst verloren. Wollte er ihn auch zurückzugewinnen suchen, die Leute würden den Autor nicht mehr ernst nehmen. Nun wohl, so

hatte er doch vor tausend Klagen Ruhe, vor denen der Freunde, der Braut, der Mutter. Auch die lieben Nachbarn daheim, die Bekannten und Ver wandten würden sich nunmehr beruhigen müssen. Der Gedanke schuf ihm eine wilde Befriedigung.

Als der Tag weiter und weiter vorrückte, als es langsam zu dunkeln begann, überfiel ihn wieder ein furchtbarer seelischer Schmerz, Eine ganze Ju⸗ gend hindurch von der Priesterschaft zu träumen, um als Klown zu enden

Die Freunde kamen, um ihn zu seinem Triumphe abzuholen. Er sträubte und sperrte sich dagegen. Fast mit Gewalt mußte man ihn ins Theater bringen. Doch als er in einer dunkeln Ecke der Bühne stand und die donnernden Lachsalven des Publikums vernahm, da hielt es ihn nicht länger. Er schlich sich hinaus und rannte nach seiner Woh

nung, wo er sich todesunglücklich niederwarf. Nun war es vorbel, vorbei für immer. Das Stück hatte zündend eingeschlagen. Welch

ein ungeheuerlicher Erfolg! Der glückliche Theater leiter, er hatte ein Kassenstück, und der glückliche Dichter! Die Nachtkafés waren voll von seinem Ruhm. Man schüttelte sich noch vor Lachen.

Das war ein Treffer, bemerkte zur selben Zeit ein eruster Mann zu der Wirtin Lassers, die händeringend auf dem Korridor stand.Mitten durchs Herz. Da ist alle ärztliche Kunst vergebens

Es ge⸗