Ausgabe 
19.9.1896
 
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Fliegens der Menschen zu lösen, den Drachen zu ihrem Studium benutzt haben, und die ein⸗ zigen praktischen Erfolge, die man auf dem Gebiete dieses Problems, wenn auch bisher nur in beschränktem Maße erzielt hat, gründen sich alle auf dasselbe Gesetz des Luftdrucks auf die schiefe Ebene, der dasSteigen des Drachens bewirkt. Aber auch die Kriegstechnik verwendet, wie wir in derAgbg. Allg. Ztg. lesen, den Drachen, und zwar zu demselben Zwecke wie den Fesselballon, nämlich zur Auskundschaftung der feindlichen Stellungen. Der Drache bringt einen photographischen Apparat hinauf, der durch die Schnur aus übersponnenem, Kupferdraht; elektrisch reguliert wird. Ein Druck unten, es öffnet. sich das Objektiv der mit dem Drachen in den Lüften schwebenden camera obscura, und eine Moment⸗ aufnahme ist gemacht. Nachdem man den Drachen wieder zur Erde gezogen und die Brom⸗ silber⸗Gelatine⸗Platteentwickelt hat, sieht man getreulich auf der Platte, was da oben das künstliche Auge des Drachens erblickt hat. Der eschwänzte Luftbummler kann also unter Um⸗ tänden auch als Vaterlandsverteidiger im Festungsdienste eine Rolle spielen.

* Grünberg, 17. September. Der kunst⸗ fertigen Hand des Herrn Bildhauers Leon⸗ 1 5 hier ist es gelungen, den steinernen zöwen, der seit mehr denn dreihundert Jahren unseren Marktbrunnen zierte und der vor einiger Zeit nächtlicherweile herabgeworfen und durch den Sturz stark beschädigt wurde, wiederher⸗ zustellen. Das ebenfalls in Stein gehauene städtische Wappen, ein geharnischter Reiter mit fliegender Fahne, das der Löwe in der einen Vorderpfote hält, war durch die Länge der Zeit infolge Verwitterung fast nicht mehr zu erkennen. Es 5 von genanntem Meister ebenfalls in kunst⸗ voller Weise ausgearbeitet worden. Der Löwe selbst soll mit sogen. Sandsteinfarbe angestrichen und das Wappen bunt bemalt werden. Wie Herr Leonhard versichert, kann das Ornament

jetzt wieder viele Jahrzehnte überdauern, wenn es nicht wieder von bübischer Hand be⸗ schädigt wird. Von jedem Altertumsfreund wird es mit Genugthuung begrüßt werden, daß es gelungen ist, in dem Löwen eines der wenigen Wahrzeichen aus alter Zeit, die unsere Stadt noch aufzuweisen hat, zu erhalten. Da der Marktbrunnen nunmehr entfernt worden ist, fehlt es bis jetzt an einem geeigneten Platz zur Aufstellung des Löwen. Es wäre zu wünschen, daß der von einem Sachverständigen gemachte Vorschlag, aus den Umfassungssteinen des Marktbrunnenkumpfes auf dem Marktplatze eine Säule aufzuführen, die dann das noch vorhandene steinerne Postament mit dem Löwen tragen könnte, zur Ausführung käme. Dem Vernehmen nach hat man sich im Stadtvorstande

hierüber noch nicht schlüssig gemacht. In

dieser Woche haben die Obstversteigerungen von den an den Staatsstraßen befindlichen Bäumen stattgefunden. Für die Aepfel wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Ein Bäum⸗ chen, das kaum zwei Körbe voll lieferte, kostete 6 A., andere kamen noch viel höher. Für Früh⸗ äpfel, die hier dieser Tage als Kelterobst an einen Händler verkauft wurden, wurde dagegen viel weniger erlöst. Der Zentner galt nur 3 4 50& bis 4 A1. In dieser Preislage wurden auch größere Mengen Auflesäpfel, die durch den heftigen Wind der letzten Tage abgeschüttelt wurden, abgesetzt. Einen überreichen Ertrag liefern heuer die Walnußbäume, von denen allerdings in unserer Gegend nur wenige Exemplare vorhanden sind. 5

Stockheim, 16. Sept. Die hiesige Aktie n⸗ Zuckerfabrik tritt demnächst in ihr 13. Ge⸗ schäftsjahr, das für die Rübenlieferanten recht günstig zu werden verspricht. Mit dem Ergeb⸗

nis des letzten Jahres sind die beteiligten Land⸗ wirte recht wohl zufrieden gewesen, denn die Zuckerausbeute war in demselben bei durchschnitt⸗ lich 14,2 Proz. um 2,11 Proz. höher als im vorhergehenden. Der Durchschnittsertrag belief sich auf rund 116 Zentner für 1 Morgen. Im ganzen wurden im letzten Jahre von der Fabrik 373 440 Zentner Rüben mit einem Kaufpreise von 352719,70 K verarbeitet, die von 3196 Morgen geerntet wurden. Der Erlös für Zucker betrug im Durchschnitt 11774. 4

* Kirchberg, 18. Sept. Die Gastwirtschaft des Herrn Heinrich Rau von hier ist für den Preis von 9000. in den Besitz des Keller⸗ meisters an der Aktienbrauerei zu Gießen über⸗ gegangen. Die nicht weit von der Bahn ent⸗ fernt liegende Wirtschaft dürfte ein viel aufgesuchter Ausflugsort werden, da die Lokalität schön ein⸗ gerichtet und die Umgebung reich an landschaft⸗ lichen Schönheiten ist. In dem benachbarten Dorfe Ruttershausen, woselbst am ver⸗ gangenen Sonntage die Kirmes stattfand, ver⸗ unglückte ein Bursche beim Aufbauen der Musik⸗ bühne, indem derselbe einen Armbruch erlitt.

* Friedberg, 16. Sept. Nächsten Sonntag hält die am 17. März 1895 von 37 Mitgliedern gegründete O b stverwert ungsgenossen⸗ schaft ihre diesjährige Generalversammlung hier ab. Die Mitgliederzahl ist bereits auf 49 gestiegen. Die Versammlung wird u. a. über die Verwendung des Gewinns von 361 Mk. 39 Pf. zu beraten haben, der im ersten Jahre des Bestehens gemacht werden konnte, obgleich der Geschästsumfang der geringen vorjährigen Obst⸗ erträge wegen sehr unbedeutend war. Auch in diesem Jahre ist die junge Genossenschafi sehr rührig und hat für unsre Gegend abermals großen Nutzen gebracht, da sie der wichtigste Faktor bei der Preisbildung des Obstes ge⸗ worden ist. Das haben im Sommer bereits die Orte mit großer Kirschenzucht erfahren, die nur

schnell.Wenn ein Hund zu bellen anfängt, so bellen sie bald alle.Ein Blinder fürchtet keine Schlange. Reue kommt später.Zu viele Seeleute lassen das Schiff auf einen Berg auffahren.Wenn jemand seine Krankheit kennt, ist er schon halb geheilt. unbekannte in der Nähe sind besser, als Verwandte in der Ferne. Man kann in der Welt nicht steigen, wenn man sich ihrer Weise nicht beugt.Der Meister ist oft der Diener.Der Besiegte ist häufig der Sieger.Der Fisch, den man nicht gefangen hat, ist immer groß.An die Götter wenden wir uns nur, wenn wir in Not sind.Seines Vaters Liebe erkennt man erst, wenn man selbst Kinder hat. I der Liebe giebt es keinen Rangunterschied.Liebe ist ein Mysterium.

Zitate im Munde von Göttern und Menschen.Das Hemd ist mir näher als der Rock, meinte die schaumgeborene Venus.Jetzt gieb mir einen Menschen, gute Vorsicht! brüllte der hungernde Riese Polyphem.Alles ist eitel! rief. sich im Wasser⸗ spiegel betrachtend, Narciß.Nun sei bedankt, mein lieber Schwan, sang die Leda.Arbeit macht das Leben süß! tröstete sich der arme Sisyphus.Von des Lebens Gütern allen, Ist der Ruhm das Höchste doch, deklamierte stolz Herostratus.Raum ist in der klein⸗ sten Hütte, sprach Diogenes und kroch in seine Tonne. Der Tod macht Alles gleich, tröstete sich der Gast, als er statt eines Hasen⸗ einen Katzenbraten. Alles in der Welt läßt sich ertragen, Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen, meinte der Regenschirmfab⸗ rikant.Das bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht, meinte der Pantoffelheld und zog, als er vom Wirtshaus spät nach Hause kam, auf der Treppe die Stiefel aus. Das Wasser ist das Beste, versicherte der Wirt und goß Wasser ins Weinfaß.Fluchwürdig Schicksal des Soldaten! jammerte die Köchin, als ihr Schatz nach Germersheim versetzt wurde.Geben ist seliger denn Nehmen, dachte Jörg und gab dem Hans eine Ohrfeige. Und sie bewegt sich doch, dachte im Schweiße seines Angesichts der Lieutenant beim Tanze mit der dicken Kommandeuse.Ein jeder Wechsel schreckt den Glück⸗ lichen, stotterte verwirrt der Studio, da ihm ein Accept präsentiert wurde.

Die Spielhölle in Ostende. Aus Brüssel

durch das Bieten jener von den Händlern höhere Preise, namentlich für die Brennkirschen, erzielen konnten.

* Darmstadt, 17. Sept. In der Merckschen Fabrik in der Mühlstraße sind gestern Nachmittag drei Arbeiter von einem etwa vier Meter 1 Gerüst gestürzt, so daß einer der Ar- eiter schwer verletzt in das städtische Kranken⸗ haus verbracht werden mußte, während die beiden anderen nur leichte Verletzungen davon getragen haben.

* Darmstadt, 17. Sept. Zur bevorstehen⸗ den Wahl zum 30. hessischen Landtag ist Seitens des Landesausschusses der hessischen Centrums partei soeben der Wahlaufruf erschienen. In demselben werden als Haupt⸗ forderungen des Centrums drei Punkte angeführt: 1. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht. 2. Die Abänderung der jetzigen

wird derVoss. Ztg. geschrieben:Es ist schon wieder⸗ holt hervorgehoben worden, daß in Ostende eine Spiel⸗ wirtschaft herrscht, die eine Schmach für Belgien ist, Ostende hat längst Monaco überflügelt. Wie im soge⸗ nannten Privatklub des Ostender Kurhauses jetzt gespielt wird, davon giebt heute dieLüttich. Ztg. ein erbau⸗ liches Bild. In Monte Carlo ist der höchste Einsatz auf einer Nummer des Roulette 180 Fr.; hier kann man bis 300 Franken gehen und man hat berechnet, daß ein ein⸗ ziger Koup an 200 000 Fr. Gewinn bringen kann. Bei dem Trente et Quarante ist der höchste Einsatz 12 000 Fr., aber die Kroupiers lassen einen Zuschnß von 6000 Fr., ja sogar für die großen Gegenspieler 25 000 Fr. für einen Wurf zu. Während man in Monte Carlo mit Gold spielt, läßt man in Ostende die Spielmarken, deren Wert bis 6000 Fr. geht, zu; gewisse bekannte Persön⸗ lichkeiten haben bei der Spielbank unbegrenzten Kredit. Kürzlich haben vier Spieler zu gleicher Zeit den höchsten Einsatz 12000 Fr. auf jeden Wurf gesetzt, was niemanden bewegte, während in Monte Carlo alle Spieler sich erheben, wenn der Ruf ertönt:Ein Herr spielt das

Wahlkreiseinteilung, Beseitigung jeder Wahlkreis⸗ Geometrie. 3. Die Beseitigung der gesamten hessischen Kulturkampfgesetzgebung, Freiheit der Confessionen in ihren religiösen und sozialpoli⸗ tischen Bestrebungen. Insbesondere der Wieder- einführung der confessionellen Schule.

Vermischtes.

Japanische Sprichwörter. Japan ist reich an Sprichwörtern. Die folgenden mögen beispielsweise angeführt werden:Der Weise redet nicht von allem, was er thut, aber er thut nichts, wovon er nicht reden kann.Die Menschen können sich vor der Tugend beugen, aber die Tugend nicht vor den Menschen. Aufmerksamkeit auf kleine Dinge ist die Sparsamkeit der Tugend.Die Tugend verleiht keine Talente, sondern tritt an ihre Stelle, aber die Talente können nicht an die Stelle der Tugend treten.Heute trifft ein Unglück Andere, morgen uns selbst.Faule Leute arbeiten an Festtagen.Wer schnell lernt, vergißt

Maximum! Leider giebt sich in der diesmaligen Bade⸗ zeit gerade das schöne Geschlecht mit einer wahren Leiden⸗ schaft dem Hazardspiele hin; an der Spitze stehen die Engländerinnen, ihnen folgen die deutschen Frauen. Die Halbwelt ist natürlich sehr stark vertreten. Die großen russischen Spieler erscheinen erst im September. Die Säle sind zu eng geworden; nur die großen Spieler können noch einen Stuhl erhaschen; die mittlere Klasse der Spieler ist gezwungen seine Geldstücke stehend zu ver⸗ lieren. Und das geschieht öffentlich unter den Augen der belgischen Behörden! 5

Die Wirkung der Freiheitsstrafe auf das Leben der Verbrecher. Wie dasNeue Wiener Tageblatt mitteilt, hat Strafanstaltskontrolleur Nadastiny soeben über diesen Gegenstand eine interessante und lehrreiche Studie unter Zugrundelegung praktischer Erfahrungen, die er sich während eines Jahrzehntes in der österreichischen Strafanstalt Stein erwarb, veröffent⸗ licht. Dieser Abhandlung, welche für Reformen in Bezug auf die ärztliche Behandlung der Gefangenen und des

zu entnehmen: Von den in den Jahren 1885 bis 1

in Stein eingelieferten 5981 Sträflingen wurden 0 0

ihrem Eintritte in die Strafanstalt rund 75 Prozent ge. wu Tg sund befunden. In diesem Zeitraume starben im ganz Ait Villen bew 1082 Sträflinge, und zwar 6 in einem Alter bis zu 16 n 5 unde b Jahren, 70 von 16 bis 20 Jahren, 397 von 20 bis 0 f% fel Jahren, 268 bon 30 bis 40 Jahren, 176 von 40 big 6 f. u d 50 Jahren, 97 von 50 bis 60 Jahren und 68 im Alter 10 i

von mehr als 60 Jahren. Die größte Sterblichkeit weist demnach das Alter von 20 bis 30 Jahren mit 36,6 Prozent auf. Von den Verstorbenen war mehr als die 5 fh Hund w. Hälfte(55,1 Proz.) bei der Einlieferung für gesund er. gal ur 1 ef kannt worden. Von diesen 1082 Verstorbenen starben e dee

558 an Lungenkrankheiten, und zwar die meisten an 5 0, un Tuberkulose, 57 an Auszehrung, 100 an Wassersucht 15 gallen, 118 an Beinfraß oder Skrophulose, 67 an Marasmus, scha.

31 an Lähmungen des Gehirns, des Rückenmarks oder des Herzens, 47 an Entzündungskrankheiten, 104 an ver⸗ Kirch. schiedenen anderen Krankheiten, worunter auch eine Üb⸗ Coon rigens verschwindende Zahl von Selbstmördern und 2 Justifizierungen aufgezählt erscheint. Bemerkenswert ist der Sonntag, 0 Umstand, daß gerade Personen, die gesund und kräftig 0 waren, in verhältnismäßig kurzer Zeit von der Lungen⸗ In! tuberkulose ergriffen und hinweggerafft wurden, während 15 l Gefangene, die bei der Einlieferung kränklich waren, sich peu. f gegen die Tuberkulose weit widerstandsfähiger erwiesen, erna l Bei den erstgenannten trat gewöhnlich zwischen dem dritten Nahe und vierten Jahre der Kerkerhaft die Erkrankung en, guvitu% g welcher nach 2 bis 3 Monaten der Tod folgte. Die u helles 5 höchste Strafdauer erreichte in diesen zehn Jahren ein 7 Aumelbuld 1 Jahre alter, gesund eingelieferter Rückfälliger, welcher 3814 male 17 7 Tage verbüßte und schon nach 28 Spitalstagen an gollche zun Tuberkulose starb. Der Verfasser erörtert sodann die An⸗ che Zwolle steckungsgefahr, eine Folge der gemeinschaftlichen Schla⸗ In der säle und Zellen, und bedauert, daß bei Knochenerkrankungen 4%, J Uhr: keine operativen Eingriffe gemacht würden. Das Faktum, dem daß sich jahrelange Verwesungsprozesse an dem lebendem.

Körper vollziehen, stelle das menschliche Empfinden manches Gefängnisbeamten auf eine harte Probe. Eine dritte, durch die Verhältnisse des Gefängnislebens mitbedingte

Krankheit, die Wassersucht, nehme in Stein einen rapfden fung weiden u.

Verlauf. Verfasser führt diesbezügliche Beispiele an, wo⸗ i ben Sansun nach Sträflinge innerhalb sieben bis elf Spitalstagen an lr h en Wassersucht gestorben seien. Die verstorbenen Sträflinge ae verbüßten zusammen 444 230 Straftage, hiervon 89 774 10 Meter Tage, also 20,2 Prozent im Spitale. Die Einzelh 1 bulbleinen

linge konnte der Verfasser nicht eingehender behand weil kranke Zellenhäftlinge, sobald ihr Zustand mehr bedenklich erscheine, in die Gemeinschaftshaft versetzt un dann zu den verstorbenen Gemeinschaftshäftlingen gezählt werden. Nur selten gelinge es einem oder dem anderen Zellensträfling, früher als seine Auszellung erfolgt sel, ins Jenselts hinüberzugehen. Nadastiny belegt dies mt mehreren Beispielen, welche darlegen, daß Häftlinge schon nach einem Tage(in drei Fällen) nach ihrer Auszellung gestorben seien. Im Laufe seiner weiteren Ausführungen empfiehlt der Verfasser gegenüber diesen ungünstigen sanl⸗ tären Verhältnissen besonders die Einführung des irischen Gefängnissystems und eine neue Organisation des Lel⸗ tungs⸗ und Ueberwachungsapparates.

ibi 0 sucgeföbige G00 0 Musern bi en 26. d. N., da unecem, Anmenaf ul die 10 55 0 ace fund., gehen, den 12. Se 18

eambtag) den! Vom Propheten Jonas. DemSchwarz, fachhmwittags ö Uhr wälder Boten wird aus dem württembergischen Städt-:(bellen, als:

J. DagaldseinLieferun J Aufsehen derselben, J Chausseren, veranf 1 leberdeden, J. Grabenaufräumen, a hiesigem Raths

chen Wangen geschrieben: Das hiesige GasthausZum Walfisch trägt an seiner Vordersette ein Doppelbild, das wohl als ein Kuriosum bezeichnet werden darf. Das eine Bild stellt nämlich Jonas dar, wie er im Schlunde bez

Walfisches verschwindet, das andere zeigt den ausgespieenen

Propheten. Dabei wäre nun nicht sonderlich viel Merk Wied, am 14. S. würdiges; aber daß Jonas mit ein Paar Sandalen Otoßb. den Füßen in den Bauch des Meerungeheuers einzleh. 80 und mit ein Paar Stiefel bekleidet wieder zum Vorschesn kommt, das war es, was bis jetzt den Beschauern del U 1 Bildes schmerzhaftes Kopfzerbrechen machte. Nun aber i liform des Räthsels Lösung gefunden. Wie ein eifriger Nati; den dauernde B. forscher herausgebracht hat, hatte der Walfisch an jenen§el Tage zum Frühstück einen Matrosen verspeist, dessen gu us gießen genagelte Stiefel als unverdaulich im Magen zurüchg u ching blieben waren. Diese Stiefel eignete sic Jonas natiril E e en an, da sie ihm zu seiner langen Reise zweckmäßiger et Schmied scheinen als seine Bastsandalen. 0 ui erden Die Austernbank im Schiff. Eine eiges 3 e teiue artige Szene spielte sich jüngst in einem Liverpool le A. W

Trockendock ab. Dort wurde der DampferKwa von der Afrikanischen Dampfschiffgesellschaft zum Zy der Reinigung des Bodens gedockt. DieKwarra

Klesnes

I J. Olkaber zu de

Sanitätswesens in den Gefängnissen eintritt, ist folgendes

ein Dampfschiff von 900 Register Tons, das nahezu!

in ihrem Urteil über den Deutschen hin und her geschwankt. Da handelte es sich nur um seinen Charakter, den sie, das liebende Weib, gern hoch gehalten hätte. Wo seine Gefühle in Frage kamen, unterschied sie besser. Auch sie stimmte dem letzten Sprecher im Stillen zu. So mußte es sein. Der Gift der Eifersucht war in ihr argloses Herz ge fallen. Zum ersten Mal empfand sie eine Qual, welche ihrem jungen, thaufrischen Leben so lange völlig fremd gewesen war.

Was nun? Ja, was nun?

Sie dachte an ihr armes, bedrohtes Vaterland, zu dessen Rettung sie sich aufgemacht hatte, und sie erkannte, von welcher unendlichen Wichtigkeit es jetzt war, den Deutschen die Augen zu öffnen, ihn nach Transvaal zu seiner Pflicht zurückzuführen.

Sollte sie es wagen, das zu bewirken? Nie⸗ mand sonst konnte es, als sie. Hier waren nur Engländer, herrschten nur englische Interessen. Man sprach ganz offen von diesen Dingen, die in Pretoria noch Geheimnis waren. Es schien, als sollte es schon Morgen losgehen, und das Volk war für den verwegenen Feldzug begeistert. Es würde in hellen Haufen der Fahne der Empörer zuströmen, in der Gewißheit, die Landsleute in Transvaal dasselbe thun zu sehen.

Und was dann?

Sie stand leise auf und verließ die Veranda.

Niemand achtete auf sie.

Jetzt erst wußte sie, was der große Volkszulauf

nach Buluwayo zu bedeuten hatte.

Nicht das Fest des Gouverneurs, nicht die An⸗ wesenheit von Cecil Rhodes bewirkte dieses Wunder. Die Idee des Feldzuges gegen Transvaal war durch Emissäre Jamesons im Lande verbreitet worden, und nun sammelte sich ein Heer von Abentenrern hier an, um gegen den Erbfeind zu marschieren und das Goldland in Besitz zu nehmen. Englische Truppen waren in den Kämpfen mit den furchtbaren Boeren unterlegen. Die sich jetzt ihnen gegenüber stellen würden, waren gleich verwegene Männer und gleich gute Schützen, und Jameson

schien ganz der Mann, um General Joubert die errungenen blutigen Lorbeeren zu entreißen.

Und wie sie jetzt dahinschritt, nach dem Palaste des Gouverneurs, war sich Marja der Gefahr be wußt, in welcher sie schwebte.

Wenn einer der ihr Begegnenden geahut hätte, wer sie war, würde er an ihr zum Mörder ge worden sein und noch ehrende Anerkennung bei dem fanatisierten Volke gefunden haben.

Der Tod umlauerte sie auf Schritt und Tritt. Und doch ging sie weiter.

Plötzlich blieb sie stehen.

Brachte sie nicht die Sache des Vaterlaudes mit diesem Gange in Gefahr? War es nicht weiser, sofort wieder zu Pferde zu steigen und von jenseits der Grenze das Land zu alarmieren? Wer sonst konnte die Kunde von dem hier Erlauschten nach Transvaal zu bringen?

Sie schwankte in heftigem Kampfe mit sich selbst.

Dann aber tauchte wieder die Gestalt der schönen Creolin vor ihren Augen auf, wie sie den ahnungs losen Deutschen umstrickte und ihn, der so hoch über ihr stand, zu sich hinabzog. Und dann quoll die Eifersucht in ihrem Herzen auf. Da regte sich das Weib in ihr, und das Weib errang den Sieg über das Heldenmädchen von Transvaal.

Sie ging weiter. Es war ihr Verhängnis.

15. Kapitel. Bianca.

Die schöne Creolin war ein leidenschaftliches, in allen Verführungskünsten geübtes Weib. Sie lebte in der großen Welt, war klug und formengewandt. Siegesbewußt trat sie dem Deutschen gegenüber.

Graf Hallern war von ihrem Anblick betroffen. Er glaubte noch nie eine so schöne Frau gesehen zu haben. Er führte sie zum Tanz und erwies ihr alle die Aufmerksamkeiten, welche ein Kavalier seiner Dame schuldig ist.

Sie lud ihn ein, neben ihr Platz zu neben, und nun begann sie halb hinter ihrem Fächer eine der gewöhnlichen Ballkonversationen.

Deutschland ist ein großes, herrliches Reich,

sagte sie im Lauf des Gesprächs.Ich bewundere Ihren jungen Kaiser, der so klug, so mächtig und so schön ist. Welch ein herrliches Heldengeschlecht, diese Hohenzollern, das mit seinem Ruhme die Welt erfüllt! Und dann Ihre Armee! Wahrhaflig, Graf, Sie sind ein beneidenswerter Mann. Offizier einer Elitetruppe, der Garde, Günstling bei Hofe hier richteie sie einen lauernden Blick auf des Grafen ausdrucksvolle Züge, um zu sehen, wie er diese Auspielung aufnehmen würdeStamm⸗ halter eines alten, edlen Geschlechts und, ohne Zweifel, ein Liebling der Frauen ja ja und wenn Sie das mit stolzer Bescheidenheit auch abwehren wollen frei, in Friedenszeiten den Waffenrock vorübergehend ablegen und weite Welt⸗ reisen machen zu können: was mehr kann das Leben Ihnen bieten, was mehr können Sie vom Leben verlangen! Dagegen wir hier in unserer großen Oede und Thatenlosigkeit ach, es ist immer mein Sehnen gewesen, die Welt zu sehen, in der Welt zu leben, aus der Sie kommen, und ich kann es mir garnicht vorstellen, wie man ihr den Rücken wenden kann, um wüste Strecken zu durchreiten und unter dem niederen Dache einer Boerenhütte Schutz und Erholung zu suchen. Selbst unsere Vereinigung hier muß Ihnen ein heimliches Lächeln abnötigen, entspricht sie doch so wenig dem Bilde von Glanz und wahrer Vornehmheit, wie sie es zu sehen gewöhnt sind. Und Ihr Urteil über die Ge⸗ ellschaft hier, wie kann es anders lauten als: sunpel und roh!

Aber, meine Gnädigste, ich bitte! wehrte Kurt euergisch ab.Im Gegenteil, ich bin eutzückt, hier im fernsten Süden eine so feine Geselligkeit und einen solchen Kreis schätzenswerter Menschen und schöner Frauen zu finden, deren herrlichste, die mit ihrer sieghaften Schönheit alles diesseits und jeu⸗ seits des großen Wassers überstrahlt, mir die Huld ihrer beglückenden Nahe zu Teil werden läßt.

Er beugte sich zu ihr hinüber und küßte ihre Hand. Aber Graf, was soll man denken? wehrte sie

Tonnen

. ab. Sie warf einen Blick des Triumphes nag

ir i des hinü* ber iweste ee Rhodes hinüber, der ihr lächeln erm ß 19 5 5 mee. Niere

Denken? wiederholte Kurt.Daß ich bil Königin des Festes meinen ritterlichen Tribut dar bringe. Und was sprechen Sie da von Oede ui Thatenlosigkeit! Da ist der Mann, den man de ungekrönten König von Südafrika nennt, el

J zu verkaufe Mann so hochstehend und selbstbewußt wie ein wil,

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licher Regent; da ist Dr. Jameson, klug 1 N thatendurstig, ein Feldherr ohne Degen und Orde ec Und dann diese Stadt, diese blühenden Heuwese N

haben Sie sie nicht, wie unser Schiller faßtGRe prangend aus der Verwilderung steigen lalsen ö flug zu de Ist es nicht ein größerer Ruhm, neue Kulturstättt L zu schaffen, als alte zu erhalten? O und wi diese alten Kulturstätten, ihre überverfeinerte Klim. fen Sitten und raffinierten Genüsse anbetrifft, sehn be den Sie sich nicht nach ihnen! Sie machen lebensmü! 0 nend schlaff und unzufrieden. Nur was er selber schaff pschen

gewährt dem Menschen Genuß. Frei dehnt o hier der Blick, die Brust in der endlosen Weit

man fühlt sich als Herr im großen Naturganza

wo man zu Hause im engsten, intimsten Kreise uc Lunge Sklave veralteter Vorurteile und eines stets läfis 2 empfundenen Etikettenzwanges ist. O es ist ein 0 iner i. Lust, so zu reisen, Abenteuer zu bestehen und dal kalen

wie durch Verzauberung den alten Marchenglaube wieder aufleben zu lassen von unermeßlich Schätzen, welche verborgen in der Erde ruhen, el Kauibalen und himmlischen Feen, welche dem irn den Ritter immer dann begegnen, wenn sein Mill versagt und er der Verzweiflung anheimfalll

möchte. Diesen fröhlichen, allen Uufrieden N Seele lösenden Kinderglauben hat mir die Beg

nung nut Ihnen wieder erweckt, und diese Stund birgt für mich die schönste Erinnerung, die ich en

N N mit hinwegnehmen werde. N N

mal nach meiner Wiederbefreiung von Südafre bün ge, (Fortsetzung folgt.) 10 fh 5 Heir ü Anh. 1

10.