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Nr. 16

Gießen, Sonntag, den 19. Jannar

1896.

90

Ausgabe

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Gießen.

eikung.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile.

. Expedition: 20 Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 18. Jan. Alle im Großherzog tum Hessen wegen Uebertretung und wegen Vergehen zu Geld- und Gefängnisstrafen bis zu einer gewissen Höhe verurteilten Personen werden aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Deutschen Reiches amnestiert werden.

Gießen, 18. Januar. In der prächtig mit Palmen, Blattgewächsen und den Bannern der Korporationen der Studentenschaft geschmückten großen Aula versammelten sich gegen 12 Uhr mittags die Spitzen unserer Behörden, die Ver treter der Studentenschasft sowie die sonst noch geladenen Gäste, unter den Letzteren zahlreiche ehemalige Studenten, welche in den Kriegsjahren 1870/71 an unserer Landes-Univer⸗ sität immatrikuliert waren. Pünktlich um 12¼ Uhr öffneten sich die weiten Flügelthüren des Fest⸗ raumes, und der gesammte Lehrkörper der Ludovitiana erschien in feierlichem Zuge im Saale. Voran schritt Se. Maguifizenz der Rektor, augethan mit den Insignien seiner Würde, welchem 2 Zepter tragende Pedelle voran schritten. Nachdem die Herren Platz genommen, intonierte der Kronbauersche Quartettverein Salamis, Siegesgesang der Griechen, von Gerns heim und leitete so stimmungsvoll die Feier ein. Hierauf betrat Se. Magnifizenz Rektor Behaghel die Rednertribüne, um die Festrede zu halten. In großen Zügen entwickelte der Redner ein historisches Bild, um zu zeigen, wie der Reichs gedanke in unserem Vaterlande stets lebendig, wie das Sehnen des Volkes stets darauf gerichtet war, in einem geeinten Deutschland einen macht vollen Kaiser zu haben, wie aber die Umstände in der Vergangenheit gegen die Verwirklichung dieser Idee waren und wie schließlich doch sich des Volkes Sehnen so wunderbar erfüllte. Weihevoll klang hieraufDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre von Beethoven, wieder vom Kronbauerschen Qnartettverein gesungen. In 1 5 7 Stimmung verließ, nachdem erst der ehrkörper der Hochschule sich entfernt hatte, die Festversammlung die Aula.

* Giesten, 18. Jan. Gleich nach 11 Uhr Vormittags verließen die 21 Mitglieder des Studenten-Ausschusses in Equipa gen das Kollegienhaus und begaben sich nach dem botani schen Garten, um Namens der gesammten Stu⸗ dentenschaft an dem in den Kriegsjahren 1870 bis 71 für das Vaterland gebliebenen Studenten, von der Universität dort errichtete Denkmal einen prachtvollen Kranz niederzulegen, welcher aus

Lorbeer⸗Aestchen gewunden, mit Palmenzweigen durchlegt, ein Meisterwerk der Kranzwinderei darstellt. Eine daran befindliche schwere seidene

Schleife, in den Farben der Universität, trägt folgende Widmung: Den für das Vaterland ge fallenen Kommilitonen. Die Studentenschaft der Ludoviciana am 18. Januar 1896. Von hier

aus begab sich der Ausschuß nach der großen Aula, um an der dortigen Feier teilzunehmen.

* Gießen, 18. Januar. Herr Musidirektor Krauße dürfte gewiß in Gießen der Einzige sein, welcher vor 25 Jahren aktiv mitgewirkt hat bei der Kaiserproklamation zu Ver⸗ sailles. Als junger Hautboist diente er damals bei dem berühmten Westpreußischen Königs Grenadier-Regiment, durch welches mit klingendem Spiel die Fahnen zu dem historischen Akt nach dem Spiegelsaal verbracht wurden.

* Gießen, 17. Jan. Das 2. Bataillon un⸗ seres Regiments rückte heute früh nach Gro ß⸗ Rechtenbach zum Scharfschießen aus. Die Truppe marschierte Vormittags auf Umwegen bis zum Schießplatz 15 Kilometer und kochte unterwegs ab. Gegen 5 Uhr Nachmittags rückte das Bataillon mit klingendem Spiel hier wieder ein. Die Mannschaft hatte vielfach tagsüber Feldwege zu passieren gehabt.

* Gießen, 18. Jan. Unser alter Rat⸗ hausbau am Markt wird sich heute Abend bei der Illumination besonders vorteilhaft re präsentieren und dabei Beleuchtungskörper zeigen, die, wie man uns versichert, im Jahre 1848 das letzte Mal zur Schmückung des Rathauses be nutzt worden sind.

Gießen, 18. Jan Gestern verhandelte die Strafkammer gegen den Küfer Voll von Neustadt a. d. Saale, zuletzt in Bad⸗Nauheim wohnhaft. Dem zweimal wegen Diebstahl vorbestraften Angeklagten wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 15. zum 16. August d. J. zu Bad⸗Nauheim im Hotel Kursaal, sowie in der Villa Bittong eingebrochen zu sein und einen Geldbetrag von ca. 6 Mk., Postwertzeichen im Betrage von 10 Mk. und ein Kistchen 10 Pfg. Zigarren gestohlen zu haben. Der Angeklagte bestreitet seine Schuld mit, aller Entschiedenheit. Die ganzen Belastungsmomente beruhen nur auf Indizien. Trotzdem der Augeklagte, welcher vom Justizrat Baist verteidigt wurde, zum Schluß der Verhandlung noch erklärte, daß, wenn er verurteilt werde, er die Strafe unschuldig erleiden müßte, gewann der Gerichtshof doch die Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und verurteilte denselben wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle zu 2 Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren, ihm 2 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung bringend. Die Staatsbehörde hatte 3 Jahre Zuchthaus zu erkennen beantragt.

* Gießen, 18. Jan. Der heute Morgen von der Regimentskapelle ausgeführte Weckruf fand fast schou die ganze Stadt auf den Beinen. Man war früher als sonst aufgestanden, um die Beflaggung der Häuser vorzunehmen, die auch eine allgemeine ist. Unser Gießen bietet heute das bekannte Bild der alten Feststadt. Um 10 Uhr wurde es in den Hanptstraßen lebendiger als an sonstigen Tagen. Die Schuljugend kehrte von den Festakten nach Hause zurück, die in allen

gesetzt werden.

Schulen der Stadt mit Ansprachen seitens der Lehrer sowie mit Gesang stattgef unden haben. Die Mitglieder des Studentenausschusses fahren in Equipagen nach dem Kollegienhause. In den Geschäften, welche Illuminationsflammen feil halten, ist starke Nachfrage. Voraussichtlich wird die Illumination eine großartige.

h. Lollar, 18. Jan. Der hier seit 40 Jahren auf der Main Weser-Hütte, und zwar seit 25 Jahren als Meister beschäftigte Formermeister Wolf erhielt von dem jetzigen Chef der Firma eine goldene Uhr, von seinen Kollegen ein hübsches Gedenkblatt. Das Jubiläum wurde außerdem durch eine hübsche Feier in derGermania ver herrlicht.

D. Z. Hungen, 18. Januar. Hier wurde nach einem don Herrn Generalsekretär Dr. Rode wald von Offenbach gehaltenen Vortrage eine Rohstoff-Ein- und Verkaufsgenossen schaft gegründet. Als Artikel, deren Ein- und Verkauf von der Genossenschaft betrieben wird, sind bezeichnet: Futterartikel, künstliche Dünge⸗ mittel, Sämereien u. s. w. Die Genossenschaft wird sich dem Verband der hessischen landwirt schaftlichen Genossenschaften anschließen, sofern ihre den oberhessischen Verhältnissen angepaßten Interessen gewahrt bleiben. Die neue Genossen⸗ schaft, wohl die erste derartige in Oberhessen, hat sich aus der Molkereigenossenschaft Hungen entwickelt.

D. Z. Romrod, 17. Jan. Ein furchtbarer Schneesturm stellte sich gestern vor Abend ein und wütete fast die ganze Nacht durch. Die Wege wurden gänzlich verweht. Fußgänger konnten nur unter den größten Anstrengungen das schützende Obdach erreichen; das öftere Ab kommen vom Wege war in der That lebensge fährlich, da der Sturm den Schnee mit solcher Heftigkeit wirbelte, daß ein Sehen fast unmöglich war. Der Postschlitten fiel auf dem Wege dom Bahnhof Zell nach Romrod mit dem Pferde um und mußte über Nacht hier bleiben; erst heute morgen konnte die Fahrt nach Windhausen fort Unterwegs befindliche Schlitten kehrten nach den Ortschaften zurück, da die Ge fährte bald im Chausseegraben, bald im freien Felde waren und jegliche Fahrt unmöglich war.

h. Darmstadt, 18. Januar. Gegenüber der Meldung, daß der sich s. Zt. hier befindende Geheimrat Bänsch von Berlin schwer erkrankt sei, wird derD. Z. aus guter Quelle ver sichert, daß Herr Bänsch allerdings einen Anfall seines Leberübels nach seiner Ankunft zu bestehen hatte, aber voraussichtlich in Kürze wieder her gestellt sein wird.

Darmstadt, 16. Jan. Der Vorstand des hessischen Landeslehrervereins hat be züglich des Gesetzentwurfes, betreffend die Ge halte der Volksschullehrer eine Petition an die Zweite Kammer der Stände gerichtet, worin dankend anerkannt wird, daß die Ver wirklichung dieses Gesetzentwurfes eine tiefgreifende Verbesserung der ökonomischen Verhältnisse des

Volksschullehrerstandes herbeigeführt. Weiter wird aber gewünscht, daß das Gesetz nicht am J. April 1897, sondern am gleichen Zeitpunkt 1896 in Kraft trete, 2) im Artikel 2 Pos. 2 des Gesetzentwurfes, betreffend Wohnungsvergütung, die Worte:und zwar mit Unterscheidung, ob es sich um eine Wohnung für einen verheirateten oder einen unverheirateten Lehrer handelt zu streichen(so daß sämtliche definitiv angestellte Lehrer die gleiche Höhe der ortsüblich festzu⸗ setzenden Wohnung zu beanspruchen baben.) Der Vorstand des Landeslehrervereins fordert auf, nicht auf eigene Weise mit Petitionen und Denkschriften in der Gehaltsfrage vorzugehen. Der diesjährige hessische Lehrertag, zugleich Vertreter- und Hauptversummlung des hessischen Landeslehrer⸗ vereins findet in der Pfingstwoche zu Bad Nauheim statt. bh. Darmstadt, 17. Jan. Der 19 jährige Sohn des hiesigen Gastwirts S. entfernte sich letzten Dienstag Abend aus dem Hause seines Arbeitgebers, des Metzgermeisters K. hier, ohne bis jetzt wieder zurückzukehren. Seitens der An⸗ gehörigen und der Polizei angestellte Nach⸗ forschungen über den Verbleib des jungen Mannes waren bis jetzt ohne Erfolg. Der Kommis eines hiesigen Manufakturwarengeschäfts ent⸗ wendete nach und nach, soweit bis jetzt poli⸗ zeilich festgestellt wurde, sieben fertige Anzüge und versetzte sie im Pfandhaus. Auch die Pfand⸗ scheine machte der Mann zu Geld. Wegen dieser Unredlichkeit wurde er nun auf Veranlassung der hiesigen Polizei in seinem Heimatsorte fest genommen.

ch. Offenbach, 17. Jan. Viel Lärm um Nichts. Heute Morgen gegen ½7 Uhr weckten die Feuermelder die Einwohner aus dem letzten Schlummer. In einem Hause des Linsenberges waren beim Feueranmachen Hobelspähne in Brand geraten, alsbald aber mit einem Eimer Wasser gelöscht. Nichtsdestoweniger wurde wegen dieser Kleinigkeit, welche von einer Person erledigt wurde, die ganze Stadt auf die Beine gebracht. Es ist endlich an der Zeit, daß in dieser Be⸗ ziehung eine Aenderung im Löschwesen herbeige⸗ führt wird. 2

i. Mainz, 17. Jan. Die Strafkammer hat den 33jährigen Schneider Philipp Schröder aus Gaubirkenheim, der am 31. Oktober zu Wöll⸗ stein aus Fahrlässigkeit seinen zukünftigen Schwager, den 24jährigen Peter Lau, mit einem Flobertgewehr erschosen hatte, freigesprochen. Die neulich in der Zauggasse 2 Stockwerk hoch abgestürzte Frau des Schneiders Ludwig John ist drei Stunden nach dem Unfall im Rochusspital gestorben. Bei der Schwere der Verletzungen, insbesondere am Kopf, war an Rettung gar nicht zu denken. Die Frau hinter⸗ läßt 5 unerzogene Kinder; das Jüngste ist erst 23 Monate alt. Für die bedauernswerte Fa⸗ milie, die in kümmerlichen Verhältnissen lebte, wurden öffentliche Sammlungen eingeleitet. Es war nicht das erste Mal, daß sich die Frau bei

. Dünenzauber. Georg schloß das Feuster. 20 1 1270 ing der Nane Elisabeth, ein Baron]Der Selbstmörder in den Dünen! Jawohl

5 0 5 IH Rudulf Kronau aus München Aber wir wollen nicht v if Der j B E te von Ormänos Sandor. 5 5 5 5 1 en. 8 1 orgreifen. Der junge Baron Eine eee) 1 Ein Selbstmord in den Dünen. Der Rechtsanwalt ließ Löffel und Serviette auf besaß große Güter in Mitteldeutschland, wor Ulanen

Dorette, wollte er rufen. Daun lächelte er. Wohl eine jugendliche Insulanerin, die den Schatz zu einem heimlichen Stelldichein in die Dünen ge rufen hatte. Wie zur Bestätigung seiner Ver mutung tauchte in diesem Moment neben der weiblichen Figur die Gestalt eines Mannes mit lose übergehängtem Havelock und breitkrämpigem Filzhut auf. Seite an Seite ging das Paar nach der Richtung zu, wo Georg stand, weiter.

Georg trat einen Schritt in die Dünenkulisse zurück, um die beiden nicht zu erschrecken. Das Paar kam näher. Ein halblautes Gemurmel drang zu dem unfreiwilligen Zeugen hinüber, dann sprach eine klare, wohltönende Frauenstimme, deren Klang ihm das Blut in stürmischen Wogen zum Herzen ists:

War es Dorette? Wirklich Dorette?

Jetzt schritten sie an ihm vorüber. Weiß und glänzend fiel das Mondlicht über ihr Gesicht. Ja, es war wirklich Dorette.

Sie dämpfte ihre Stimme nicht einmal, aber er hörte trotzdem nicht, was sie sprach. Das Blut brauste ihm in die Ohren wie das vom Winde aufgerüttelte Meer.

Mit großen Schritten eilte er aus den Dünen heraus, seinem Hotel zu.

Oben in seinem Zimmer lag er noch lange im offenen Fenster, sah auf das vom Londe seltsam angeschimmerte und erhellte Wasser und horchte auf den unregelmäßigen Rhythmus des Wogenschlags.

Alles ftill, bis plötzlich ein dumpfer, vom Echo unheimlich zurückgeworfener Knall die nächtige Ruhe erschütterte. Dann wieder Ruhe.

Frühmorgens hatten die ersten Spaziergänger die blutüberströmte Leiche an einem Dünenabhang gefunden. Die geballte Rechte hatte noch den Re volver umklammert, aus dem der verhängnisvolle Schuß in die Schläfe abgegeben war

Die Sylter Badegesellschaft befand sich über den geheimnisvollen Selbstmord in begreiflicher Auf regung. Die Annahme, daß der Tote, wie sich aus seiner Kleidung schließen ließ, den besseren Kreisen an jehört und wahrscheinlich auch als Gast auf der Insel geweilt hatte, erhöhte das Juteresse, welches man an dem Drama nahm. Die Per sonalien des Toten waren noch nicht festgestellt.

Georg Rosen erfuhr den unheimlichen Sen sationsfall erst, als er zur table d'hote hinunter ging. Er war erst gegen Morgen zur Ruhe ge kommen und hatte bis an den Mittag unruhig und traumgequält geschlafen.

Mit unwillkürlicher Bestürzung gedachte er, während ihm der Portier das traurige Ereignis mitteilte, seiner Begegnung in den Dünen am ver gangenen Abend. Vergebens suchte er den Ge danken, dieser Selbstmord könne mit Dorette und ihrem Begleiter in Verbindung stehen, abzuschütteln; der Gedanke klammerte sich fest und lag ihm wie ein Alpdruck am Herzen.

Die table d'hote war schonu besetzt, als er seinen gewohnten Platz einnahm. Wahrend die Suppe serviert wurde, richtete sein Nachbar zur Linken, der Bremenser Rechtsanwalt, eine das alle bewegende Ereignis betreffende Frage an den Kellner.

Ja, man kennt ihn jetzt, lautete die Antwort,

den Tisch fallen.

Kronau, murmelte er,also doch

Sie kaunten den Toten? fragte Georg und ehe er sich dessen selbst bewußt war, flog eine zweite Frage über seine Lippen, deren Beantwortung ihn mehr interessierte als die erste

Dorette von UelzenOb ich sie kenne! sagte der Rechtsanwaltsie und den Toten.. Wenn die Verhältnisse Sie interessieren, will ich Ihnen gerne Näheres mitteilen. Aber das sind keine Geschichten, die man zwischen Suppe und Fisch erledigen kann, warten Sie bis nach i

Georg dankte lebhaft. Endlich sollte sich viel leicht Dorettens Geheimnis ihm enthüllen!...

Nach Beendigung der Tafel begaben sich die beiden Herren in die Strandhalle hinunter, um dort den Kaffee einzunehmen. Nachdem sie an einem einsamen Tisch in der Ecke Platz genommen und der Dampf des heißen Getränkes sich mit dem blauen Rauch der Cigarren vermischte, begann der Rechtsanwalt seine Erzählung:

Dorette von Uelzen war das einzige Kind ihrer Eltern. Ihre Mutter verlor sie schon in ihrem zwölften Jahre, der Vater liebte sie abgöttisch. In Bremen und auch über die Umgegend hinaus hielt man den alten Freiherrn er hatte spät geheiratet für einen schwer reichen Mann und das wurde Dorettens Unglück. Sie war erst eben aus der Pension zurück, als ein entfernter Verwandter der verstorbenen Frau von Uelzen Baron Rudolf Kronau nach Bremen auf Besuch kam

Kronau

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lieutenant, hübsche schneidige Erscheinung, hatte viel chic, viel Witz. genug, es wurde ihm nicht schwer, die Phantasie des ohuehin etwas romantisch angehauchten Backfischcheus dermaßen zu erhitzen, daß er, als er endlich mit seiner Erklärung und dem Heiratsantrag herausrückte, sowohl von Dorettens wie von des Vaters Seite ein freudiges Ja auf seine Werbung erhielt.

Die Vorbereitungen zur Hochzeit wurden auf beiden Seiten mit auffallender Eile betrieben. Be reits zwei Monate nach der Verlobung fand die Vermählung statt. i

Am Tage nach der Hochzeit kam der Krach. Die Heirat war auf beiden Seiten ein Mißgriff, eine große Enttäuschung. Die Güter des Barons waren überschuldet, die Verbindung mit der reichen Erbin sollte ihm zum Anker werden, vermittels dessen er in dem auf ihn anbrausenden Meer der Manichäerforderungen wieder Grund zu finden ge⸗ hofft hatte. Dagegen hatte der alte Freiherr auf eine kräftige Verbesserung seiner eigenen zerrütteten Finanzen seitens des reichen Schiegersohnes gerechnet. Die Enttäuschung war fürchterlich.

Es gab Szenen über Szenen. Der Baron tobte wie besessen in den unvorsichtig angeschmiedeten Ketten; der alte Uelzen bekam in Folge der Auf- regung einen Schluganfall, dem er nach drei Tagen erlag. Am tiefsten litt die arme junge Frau.

(Schluß folgt.)