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Gießen, Mittwoch, den 18. November
Posiztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
ische Landeszei
Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
420 Kreuzplatz Nr. 4.—
Erscheint täglich mit Ausnahme der
Preis der Anzeigen: 10 Pfg.
Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
8. Gießen, 17. November. Gewinn⸗Liste der Lokal⸗Gartenbau⸗Ausstellungs⸗ botterie zu Gießen am 16. November 1896.
(Ohne Gewähr.) Der erste Gewinn im Werte bon 100 Mark fiel auf die Nr. 1777. Ferner ind noch als Haupttreffer die Nrn. 589. 951. 696. 699. 705. 797. 1024. 1198. 2390. 2525. 2754. 3386. gezogen worden. Es wurden weiter gezogen die Nrn. 21. 22. 23. 24. 36. 37. 40. 47. 53. 54. 59. 68. 70. 78. 82. 91. 2. 3. 15. 16. 26. 28. 30. 35. 37. 39. 46. 48. 49. 52. 53. 55. 60. 66. 71. 80. 82. 86. 99. 213. 16. 21. 29. 31. 39. 52. 58. 3. 68. 71. 73. 79. 86. 88. 91. 92. 94. 312. 5. 16. 19. 23. 27. 29. 36. 39. 44. 46. 54. e722. 18. 85. 403. 7. 10. 12. A. 27. 31. 33. 40. 42. 47. 57. 64. 55. 74. 79. 80. 87. 89. 90. 92. 503. 24. 27. 0. 50. 55. 56. 57. 65. 71, 76. 79. 81. 87. 89. 92. 604. 7. 10. 12. 16. 17. 20. 23. 26. 33. 38. 50. 51. 54. 56. 60. 64. 66. . 79. 87. 90. 96. 99. 704. 5. 12. 13. 18. e 1. 52, 54 56. ne 28. 88. 84 85. 90. 92. 0. 11. 14. 15. 16. 26. 28. 31. 84. 43. 44. 45. 49. 55. 64. 71. 72. 83. 85. 9905. 7. 8. 10. 11. 15. 25. 32. 34. 35. . 52. 55. 64. 67. 68. 70. 71. 74. 15. 78. 94. 95. 97. 99, 1005. 8. 10. 13. 18. 28. 43. 44. 53. 59. 61. 69. 70. 76. 78. 80. 83. 95. 97. 1103. 4. 8. 17. 21. 26. 30. 0. 43. 50. 52. 54. 64. 65. 72. 76. 80. 85. 89. 94. 95. 98. 99. 1209. 12. 18. 20. 29. 33. 35. 38. 43. 44. 45. 46. 48. 49. 54. 57. 38. 59. 63. 74. 85. 86. 93. 94. 98. 1302. 6. 22. 40. 44. 46. 51. 57. 69. 4. 76. 78. 79. 85. 86. 87. 88. 95. 99. 1411. 18. 28. 29. 30. 38. 52. 53. 60. 63. 73. N. 78. 82. 83. 86. 87. 89. 92. 95. 1501. 5. 10. 17. 19. 24. 32, 33, 34. 35. 42, 45. 46. 49. 68. 76. 80. 83. 87. 88. 89. 94. 95. 1616. 22. 24. 25. 32. 33. 41. 42. 43. 44. 49. 55. 68. 69. 72. 79. 82. 83. 85. 90. 95. 1710. 13. 20. 21. 24. 29. 33. 39. 41. 48. 60. 62
91. 92. 2801. 7. 11. 15. 22. 26. 35. 38. 41 44. 46. 54. 55. 57. 58. 61. 62. 64. 68. 72. 88. 98. 2903. 9. 21. 22. 23. 24. 26. 38. 40.
41. 50. 60. 71. 74. 76. 91. 95. 3000. 1. 8. 9, 15. 17. 20. 21. 23. 25. 34. 38. 41. 65. 68. 69. 71. 72. 88. 89. 92. 93. 96. 3106. 7. 13. 15. 17. 18. 25. 27. 30. 34. 36. 39. 43. 46. 56. 57. 58. 61. 63. 68. 69. 71. 76. 79. 94. 96. 3206. 8. 19. 21. 22. 27. 38. 50. 63. 65. 18. 79. 81. 87. 3301. 6. 7. 14. 19. 22. 24. 25. 27. 30. 38. 40. 43. 46. 47. 49. 54. 56. 64. 65. 70. 86. 93. 3405. 12. 14. 15. 23. 24. 29. 32. 34. 35. 36. 40. 42. 46. 48. 49. 52. 56. 58. 60. 65. 74. 77. 82. 84. 85. 87. 89. 91. 94.
Parmäne in vollendetster Ausbildung“, sagt der Bericht.— Mit diesem Monat haben in unserm Kreise überall die Fortbildungsschulen be⸗
gonnen. Sie sind allenthalben Abendschulen. Den Lehrern wurde durch den Kreisschulinspektor
die Weisung zu teil, überall das praktische Be⸗ dürfnis beim Unterricht in den Vordergrund zu stellen, ohne die genannten Schulen aber 1 zu bestimmten Fachschulen zu stempeln, da sie ja von Schülern der verschiedensten Berufsstände
besucht würden. * Darmstadt, 16. November. Das Schöf— fengericht verurteilte vorige Woche zwei
Studierende der technischen Hochschule, Ernst August Beck aus Meisenheim bei Kreuznach
Lollar, 17. Nov. Am vergangenen Sonn⸗ tag feierte der hiesige Turn⸗ und Gesang⸗ verein in seinem Vereinslokal„Gasthaus zum Schwanen“ sein 35jähriges Stiftungsfest. Der Besuch war ein sehr starker, denn die beiden 1. Säle waren stark überfüllt. Die
äste wurden durch ein abwechslungsvolles Programm in die heiterste Feststimmung versetzt. Besonders großen Beifall erntete das lebende Bild„Zigeunerlager.“ Einen wirklichen Genuß boten uns die Gesangseinlagen des Herrn Emgé aus Offenbach. Stürmischen Applaus erntete er für seine Vorträge, so daß Herr Emge wiederholt auftreten mußke. Erst am frühen Morgen verließen die Festteilnehmer das Lokal mit dem Bewußtsein, wieder einmal einen ge⸗ mütlichen Abend verlebt zu haben. Möge dem Verein vergönnt sein, noch recht oft solche Feste feiern zu können.
W. Leihgestern, 17. November. Gestern Abend fand hier eine öffentltche Wählerver⸗ sammlung statt. Herr Redakteur Scheide⸗ mann aus Gießen sprach über die bevorstehende Stichwahl. Er befaßte sich namentlich mit einem von den deutsch⸗sozialen Reformern ver⸗ breiteten Flugblatt, das er als einen trefflichen Beleg für die traurige Kampfesweise jener Partei be⸗ zeichnete. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Trotz mehrfacher Aufforde⸗ rung meldeten sich Gegner nicht zum Wort.
* Friedberg, 16. November. Der Nestor
68. 73. 78. 88. 91. 94. 1807. 16. 24. 30. 39. 40. 41. 44. 45. 48. 58. 64. 72. 75. 88. 90. 92. 94. 97. 99. 1900. 6. 7. 12. 16. 28. 30. 32. 55. 69. 87, 88. 89. 93. 2001. 6. 11. 12. 14. 18. 25. 29. 44. 48. 56. 64. 67. 69. „79. 87. 91. 95. 98. 2106. 7. 8. 10. 26. . 33. 34. 38. 40, 73. 87. 92. 99. 2200. 8. I. 26. 69. 18. 84. l.
2300. 1. 4. 9. 14. 16. 18. 22. 23. 25. 31. 35. 40. 42. 43. 48. 65. 69. 74. 85. 87. 90. 92. 97. 2426. 31. 34. 38. 53. 55. 56. 57. 63. 65. 71. 72. 78. 85. 88. 2502. 3. 4. 6. 13. 18. 19. 24. 25. 44. 46. 52. 56. 58. 59. 60. 61. 65. 71. 72. 74. 75. 79. 80. 83. 95. 2603. 5. 6. 7. 9. 15. 26. 41. 42. 46. 40. 52. 54. 56. 57. 58. 59. 64. 78. 91. 92. 94. 95. 97. 99. 2702. 8. 13. 17. 19. 22. 23. 33. 34. 47. 53. 54. 58. 60. 72. 76. 80. 84. 87. 89.
der Schornsteinfeger⸗Innung für das Groß⸗ herzogtum Hessen, Herr Hofschornsteinfegermeister Joh. Frick hier, ist vorige Woche im hohen Alter von 82 Jahren verschieden. Der Ver⸗ storbene war eine auch in weiteren Kreisen wohl⸗ bekannte und allenthalben geachtete und beliebte Persönlichkeit. Die Berufsgenossenschaft der Schornsteinfeger des Deutschen Reiches verlieh ihm vor drei Jahren gelegentlich der Feier seines 50 jährigen Berufsjubiläums ein prächtiges Ehren⸗ diplom.— Nach Bekanntgabe der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins fielen auf der Allgemeinen Deutschen Obst⸗ ausstellung zu Kassel nicht weniger als 26 Preise nach Oberhessen, darunter eine preußische Staatsmedaille und sechs Ehrenpreise. „In den Sortimenten Oberhessens sah man be⸗ sonders die Gravensteiner und Winter-Gold⸗
und Karl Göhrs aus Darmstadt, wegen gemein⸗ schaftlich auf dem hiesigeu Main⸗Neckar⸗Bahnhof verübten Hausfriedens bruchs, Widerstands und Körperverletzung. Beck erhielt fünf Wochen, Göhrs einen Monat Gefängnis.
„ Darmstadt, 16. Nov. Hier wurden zweifellos von einer und derselben Person ver⸗ schiedene Einbruchsdiebstähle in der Weise ausgeführt, daß der Thäter die Mansardenwohn⸗ räume mittels Nachschlüssel geöffnet und die in den einzelnen Räumen vorgefundenen ver⸗ schlossenen Behältnisse(Schränke, Koffer, Schließ⸗ körbe usw.) mit Gewalt erbrochen und goldene Schmuckgegenstände und 78* Bargeld daraus entwendet hat. Als dringend verdächtig wird ein unbekannter Bursche in der zweiten Hälfte der 20er Jahre von schmaler Statur, dunklem Schnurrbart und wahrscheinlich kariertem Sack⸗ anzug, vom Amtsanwalt II hier verfolgt.— Von den zwei Jungen, die als vermißt ge⸗ meldet wurden, ist der 13jährige wieder in der elterlichen Wohnung eingetroffen, während der 15jährige immer noch vermißt wird. Wir lassen das Signalement, desselben folgen: schlanke Statur, blonde Haare, blaue Augen, Kleidung: dunkles Jaquet, graubraunen Havelock, braun und schwarz gestreifte Hosen und braunen weichen Filzhut.
* Darmstadt, 16. November. Heute be⸗ gann im Justizpalast die Prüfung für Ge⸗ richtsschreiber-, Gerichtsvollzieher⸗ und Polizeikommissariats⸗Aspiranten,
lichen Vorschriften ein. Auf Ersuchen des Militärgerichts hat nun das hiesige Landge richt gemäß§ 144 der Reichsstrafprozeßordnung einen bel, e zum Verteidiger des Weygandt estellt.
* Darmstadt, 16. Nov. Betreffend die Einberufung von Beamten zu mili⸗ tärischen Uebungen hat das Ministerium der Justiz angeordnet, daß in allen Fällen, in denen in Folge Beurlaubung eines Beamten oder Funktionärs zum Zwecke einer militärischen Uebung die Anordnung einer besonderen Aus⸗ hilfe erforderlich wird oder gewichtige dienstliche Bedenken gegen die Beurlaubung bestehen, sofort an das Justizministerium zu berichten ist, damit beurteilt werden kann, ob die nötige dienstliche Vertretung angeordnet werden kann oder Be⸗ denken gegen die Uebung bezw. etwaige Wünsche in Bezug auf die Zeit der Einberufung alsbald bei der zuständigen Militärbehörde geltend ge⸗ macht werden können.
* Darmstadt, 16. Nov. Von dem Lust⸗ mörder Weygand wird erzählt, daß dessen Bruder im April 1893 in der Gefangenen⸗ Anstalt Zweibrücken, wo er haftiert war, in Gemeinschaft mit dem Sträfling Meyer aus Ansbach den Gefangenen-Aufseher Wehrfritz er⸗ mordete. Der Mörder wurde für diese That zum Tode verurteilt, später aber zu lebens⸗ länglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Weygand erhängte sich bald darauf in der Zuchthaus⸗ zelle zu Kaiserslautern. Die Gemüter der hie⸗ sigen Einwohnerschaft sind noch sehr erregt über die scheußliche unmenschliche That.
* Offenbach, 16. Nov. Seitens der hie⸗ sigen sozialdemokratischen Partei wurde für 69000 4 das Anwesen des Herra Klement angekauft. Es soll ein großer Saal er⸗ richtet werden.
* Offenbach, 16. November. Der seit Jahren hier herausgegebene„Offenbacher General-Anzeiger“ hat dem„Mainz. Journ.“ zufolge am Mittwoch sein Erscheinen eingestellt.
* Seligenstadt, 16. Nov. Der bekannte Altertumsforscher Herr Koffler aus Darm⸗
der sich 28 Kandidaten unterziehen. 2
* Darmstadt, 17. November. Die Tech⸗ nische Hochschule zählt bei etwas über 1000 Studenten 15 studentische Korporationen, von denen nicht weniger als acht„Couleur“ tragen. Diesen tritt nächster Tage eine weitere hinzu, die katholische Verbindung Nassovia, deren Statuten bereits die Genehmigung des Rektorats erhalten haben.
* Darmstadt, 15. November. Die Abur⸗ teilung des Lustmörders Weygandt wird in nächster Zeit durch das zuständige Militär⸗ gericht erfolgen. Da das Verbrechen des Weygandt mit Todesstrafe bedroht ist, treten nach§ 116 der Militärstrafprozeßordnung vom 3. April 1845 in Friedenszeiten wegen Zu⸗ ziehung des Verteidigers die allgemeinen gesetz⸗
stadt besichtigte am Freitag mit dem Präsidenten der Limeskommission verschiedene Merkwürdig⸗ keiten unserer Stadt zur genaueren Feststellung über die Hauptgebäude des Römerkastells, der Göttertempel und Luxusbauten, insbesondere des Bade⸗ und Wärmehauses. Demnächst sollen beim neuen Schulgebäude Nachgrabungen vorge⸗ nommen werden.
* Groß ⸗Steinheim, 14. November. Ob⸗ schon hier und in Klein⸗Steinheim eine Anzahl größerer Zigarrenfabriken existieren, so hat wiederum eine auswärtige Firma heuer eine neue Zigarrenfabrik für etwa 100 Arbeiter erbauen lassen, welche soweit fertig gestellt ist, daß dieselbe in aller Kürze dem Betrieb über⸗ geben werden kann. Gewiß ein Zeichen, daß die Cigarrenbranche in hiesiger Gegend in fort⸗ schreitend zunehmender Entwicklung begriffen ist.
Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel.
(Fortsetzung.)
Er war der Briefschreiber, er hatte auch sehen wollen, was sich in dem Schlafzimmer Eugeniens ereignen würde, ob sie den Zettel fand und las.
„Sie wird kommen. Morgen Nacht!“
EEs lag eine ruhige Zuversicht in seinen Worten, die wohl nur unbewußt laut gewordene Gedanken waren. Er hatte es nicht für nötig gefunden, sich zu verbergen, sonst wären wir sicher in meinem Ver⸗ steck zusammengetroffen. Er wähnte sich allein hier, und fast in Griffweite von ihm stand der Mann, dem er schon einmal den Hut vom Kopf geschossen, und der jetzt nur seinen Revolver zu erheben brauchte, um ihn todt niederzustrecken, denn jetzt war ich bewaffnet.
„Sie wird kommen. Morgen Nacht!“ i
Die Worte retteten ihn und bewahrten mich vor einem Verbrechen. Wußte ich soviel, dann wollte ich Alles wissen. Morgen Nacht also in der toten Schlucht!.
Das war das Rendezvous, zu dem sie nach seiner Meinung sicher erscheinen würde.
Er wandte sich hinweg, und ich ließ ihn gehen. Es war das letzte Mal, daß er mir entkam.
Morgen Nacht verlor er entweder seine Freiheit oder sein Leben, denn ohne Zweifel würde ich bei jener Begegnung Alles erfahren, was ich Ju. wissen brauchte, um in meiner amtlichen Eigenschaft Hand an ihn zu legen; ob auch an sie? Ich keyrte in das Haus zurück.
Hier fand ich Alles in Angst und Aufregung.
Mistreß Milton war, als sie im Salon saß, ohne sichtbare Veranlassung ohnmächtig umgesunken.
Den vereinten Bemühungen Eugenie Milton's und der Dienerinnen war es endlich gelungen, sie in's Bewußtsein zurückzurufen, aber ihr Geist schien umnachtet.
Sie sagte, sie habe ein Gespenst gesehen, einen Toten. Auf die Frage, wen, schüttelte sie nur den Kopf, als wenn sie es nicht sagen wolle oder selbst nicht wisse.
So berichtete mir Eugenie.
„Und Sie haben selbst keine Ahnung, wen sie gesehen haben kann?“ fragte ich zweideutig.
„Nicht die mindeste“, entgegnete sie mit über⸗ zeugender Wahrheit.
Ich wandte mich ab, denn Ekel gährte in meiner Seele.
So können nur Teufel lügen.
Sie gab vor, die Mutter schützen zu wollen, Schreck und Aufregung von ihr fern halten zu wollen, und sie konnte es zugeben, daß jener un- heimliche Mensch hier herumstrich, der auch ohne Maske etwas Gespenstisches hatte.
Sie wußte um seine Anwesenheit, mußte darum wissen und doch leugnete sie mit der Miene eines unbefangenen Kindes.
Welche Schlechtigkeit durfte ich hiernach nicht in ihr suchen!
Vielleicht stand die Mutter allein noch trennend zwischen ihr und diefem Menschen, und so wollte man durch Schreck auf sie wirken, um den drohenden Wahnsinn zum Ausbruch zu bringen. Dann fort mit ihr in's Irrenhaus!
Dann waren ja Beide frei, hinauszufliegen in die Welt und in einem stillen Erdwinkel oder in einer Millionenstadt dem erträumten und durch Ver⸗ brechen erkauften Glück zu leben. Wie ich mich nun voll Ekel von der Tochter abwandte, erwachte in meinem Herzen die tiefste Teilnahme für die Mutter, die einem furchtbaren und unverdienten Schicksal entgegenging.
Ich ging hinein zu ihr und suchte selbst be⸗ ruhigend auf ihren Geist einzuwirken, leider ganz ohne Erfolg.
„Denken Sie noch an meine Frage von vor wenigen Tagen?“ fragte sie gleich nach meinem Eintritt. Ich verneigte bejahend das Haupt. Wie hätte ich jene seltsame, zum zweiten Mal an mich gestellte Frage vergessen können.„Sie hatten Unrecht mit Ihrer Antwort“, fuhr sie fort.„Es giebt Gespenster, es giebt eine Wiederkehr nach dem Tod; ja, ja, es lebt ein Gott zu rächen und zu richten.“
Diese Aneinanderkettung von nicht zusammenge⸗ hörigen Dingen war mir ein voller Beweis für ihren geistigen Verfall.
„Und doch muß ich bei meiner Antwort von damals stehen bleiben. Madame“, erwiderte ich. „Sie dachten—“
„An gar nichts!“ fiel sie mir erregt in's Wort. „Gelangweilt blickte ich von meinem Buch auf, und weil ich zufällig dem offenen Fenster gegenübersaß, ging mein Blick dorthin. Und da sah ich ihn mit derselben Deutlichkeit, wie ich Sie jetzt vor mir sehe, die Totenfarbe im Gesicht und die Lippen zu einem Fluch geöffnet—“
Sie schauderte in sich zusammen und bedeckte das Gesicht mit den Händen.
„Wen, wen sahen Sie?“ drängte ich, nun selbst sehr erregt, denn was sie von dem Mann am Fenster sagte, hatte ich selbst an ihm beobachtet. Sie meinte ihn und Niemanden sonst hatte sie ge⸗ sehen.„Er war's, er war's!“ stöhnte sie hinter den vorgehaltenen Händen, und das war ihre ganze Antwort.
Ich muß gestehen, mir wurde hierbei selbst un⸗ heimlich zu Mut.
Hätte der Mann aus der toten Schlucht seine Maske getragen, dann würde ich an eine beab⸗ sichtigte Täuschung geglaubt haben, aber er gab sich, wie er war, und doch glaubte sie, den Geist eines Abgeschiedenen gesehen zu haben, der ihr im Leben einmal nahe gestanden.
Diese Geschichte wurde immer geheimnisvoller.
Ich hatte mich schon am Ziel gewähnt, Verstand und Herz sprachen für die Erklärung, welche ich in einer heimlichen Liebschaft Eugeniens gefunden, und nun fiel mit diesen Worten der armen Frau Milton doch wieder der Schatteu des Gespenstischen auf das Geheimnis der toten Schlucht! Nun, noch einmal vierundzwanzig Stunden, und Alles, Alles mußte klar vor meinen Augen liegen!
Ich sprach noch viel zur Beruhigung der Un⸗ glücklichen, doch, wie gesagt, ohne wahrnehmbaren Eindruck.
Sie beharrte in ihrem unseligen Wahn.
Ich empfahl Eugenie, bei ihr zu wachen und zwei Dienerinnen im Vorzimmer zu lassen.
(Fortsetzung folgt.)


