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Gießen, Dienstag
„den 18. Februar
1896.
sei eine Fabrikinspektorin erforderlich. ein reiches Thätigkeitsfeld, namentlich könnte sie auch die Paschawirthschaft und ähnliche Zustände, wie sie in vielen
worbringen.
Ausgabe
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Gießen.
lung.
Redaktion:. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. d Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. E Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die 5spaltige Petitzeile. 20 Kreuzplatz Nr. 4.
75 omnementsbeste lungen
„Hessische Landeszeitung“
nehmen unsere sämmtlichen Träger sewie die Expedition Kreuzplatz 4 zu jeder Zeit entgegen.
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Weibliche Fabrikinspektoren.
* Wie aus unserem heutigen Bericht über die Verhandlungen der Zweiten hessischen Kammer zu ersehen ist, hat der Antrag, weib— liche Fabrikinspektoren in Hessen anzu— stelleu, Annahme gefunden.
Mit diesem Beschluß hat sich unser hessisches Parlament ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Von allen deutschen Volksvertretungen ist die hessische nunmehr die erste gewesen, welche in dieser hochwichtigen Frage eine Entscheidung ge— troffen hat, wie sie seit Jahrzehnten von den arbeitenden Klassen gewünscht wurde.
Die Petition des Bundes der deutschen Frauen— bereine, welche die Anstellung weiblicher Gewerbe— inspektoren forderte, war allen deutschen Parla— menten zugegangen. Aber wie ging man mit dieser Petition, auf deren Schicksal Hundert⸗ tausende Fabrikarbeiterinnen warteten, um? Hier wurde die Petition als zur Verhandlung im Plenum nicht für geeignet gefunden und in der Petitionskommission begraben, dort schlug ein „Volksvertreter“, dessen Urteil durch keinerlei sozialpolitische Sachkenntnis getrübt war, vor, zur Tagesordnung überzugeheu u. s. w.
Während in Amerika, England und Frank reich seit Jahren das segensreiche Wirken der weiblichen Fabrikinspektoren anerkannt ist, ging man in Deutschland über diese Frage zur Tages⸗ ordnung über!
Freuen wir uns, daß Hessen eine größere Einsicht gezeigt hat. Steht erst im Großherzog—⸗ tum fest, wie sehr sich die weibliche Fabrik— inspektion bewährt, so id hoffentlich auch die anderen Bundesstaaten bald folgen.
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer. Darmstadt, 15. Februar.
Nach längerer Berathung nahm die Zweite Kammer heute eine Regierungsvorlage an, welche die Entschä⸗ digung für an Milzbrand und Rauschbrand ge⸗ fallene Thiere regelt.— Zur Eingabe des Bundes deutscher Frauenvereine um Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren empfiehlt der Finanzausschuß, die Regierung möge im nächsten Budget die Mittel für weibliche Assistenz vorsehen. Die Regierung be— zweifelt einen praktischen Erfolg und will nähere Erwä⸗ gungen eintreten lassen. Alle Redner heben das Erfor— derniß weiblicher Fabrikinspektoren im Interesse der Arbeiterinnen hervor; namentlich Ullrich fordert größere Befugnisse für die Fabrikinspektoren. Für Offenbach allein Eine solche finde
Fabriken herrschen, beseitigen helfen. Die Heranziehung won Aerztinnen werde gleichfalls heilsame Wirkung her⸗ Der Ausschuß hat folgenden Antrag gestellt: „die Zweite Kammer wolle Großherzogliche Regierung er⸗ suchen, im nächsten Staatsbudget einen Ausgabeposten Borzusehen, um den Fabrikinspektoren weibliche Assistenz
nnit vorstehender Beschränkung beizuordnen.“
Abg. Reinhart beantragt die Anstellung eines weiblichen Fabrikinspektors und begründet diesen Antrag.
Für den Ausschußantrag sprechen sich die Abgg. Vogt,
Wasserburg, Wolfskehl, Schröder, Metz(Darmstadt), Haas Offenbach), Metz(Gießen) aus.
8 Für den Antrag Reinhart treten ein die Abgg. Ullrich, Schmitt, Osann, Bähr.
Abg. Haas(Offenbach) bringt einen Antrag ein, daß erstens für„Assistenz“„Assistenten“ gesetzt, zweitens„mit vorstehender Beschränkung“ gestrichen werde.
Der Antrag Reinhart wird gegen 15 Stimmen ab—⸗ gelehnt, der Ausschußantrag mit der Aenderung des An— trags Haas einstimmig angenommen.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 16. Februar. Von der hiesigen Staatsanwaltschaft wird steckbrieflich ver— folgt: Taglöhner Johann Ritter aus Oklingen— stadt wegen verschiedener Begangenschaften.
Gießen, 15. Febr. Weil er Fleisch in einem unappetitlichen Wagen befördert hatte, wurde einem Metzgermeister ein Haftbe— fehl über Mark 9 behändigt und die hierüber angerufene richterliche Entscheidung bestätigte kostenpflichtig diese Bestrafung. Die Sache ist aber nicht etwa in Gießen, sondern nach der „Allg. Fleischerztg.“ in Zülz in Schlesien passiert. Auch in Gießen stehen sehr viele Fleisch— Transportwagen in scharfem Kontrast zu den eleganten Fleischerlden. Ja, man kann ruhig die Behauptung aufstellen, daß es auch hier un— appetitliche Fleichwagen giebt.
* Gießen, 15. Febr. Eine sehr mangel- hafte Beleuchtung ist vor dem Kollegien— hause vorhanden. Die Straßenlaternen ge— nügen nicht. Die zu beiden Seiten der Frei— treppe stehenden Kandelaber sind ja für das Gebäude eine passende Zierde, aber ihre Leucht— kraft langt, da aus Rücksichten der Sparsamkeit von 6 vorhandenen Flammen immer nur 2 brennen, lange nicht hin, um die Freitreppe zum Gebäude zu erhellen. Halbdunkel, welches durch diese„Beleuchtung“ geschaffen wird, ist den zahlreichen Passanten gefährlich. Man sollte mit einer ausreichenden Beleuchtung nicht warten, bis erst ein Unglück passiert ist.
* Gießen, 17. Febr. Geheim mittel⸗ schwindel. Das Großh. Ministerium hat eine Ver— fügung erlassen, nach welcher es den einzelnen Kreisen des Landes überlassen bleiben soll, den Verkauf und den Vertrieb von Geheim- mitteln zu verbieten. Ob sich einer der Kreisausschüsse Oberhessens schon entschlossen hat, ist uns unbekannt. Der Kreisausschuß des Kreises Mainz befaßte sich mit der Frage, war sich aber darüber nicht klar, was alles unker dem Begriff„Geheimmittel“ zu rubrizieren sei. Manu hat daher vorerst von dem Erlaß einer Bestimmung über den Vertrieb von Geheimmitteln Abstand genommen.
Gießen, 17. Febr. Immer märchen— hafter wird's um die Wende des Jahrhunderts in der nüchternen Welt: immer neue Kunde von unerhörten wissenschaftlichen Erfolgen dringt an unser Ohr. Kaum haben wir uns von dem Staunen erholt, das die Entdeckung der Röntgen— schen X Strahlen uns bereitete, so versetzt uns auch schon die fabelhafte Nachricht von der Ent⸗ deckung des Nordpols in starres Verwundern. Was Jahrhunderte lang für unmöglich galt, scheint Ereignis geworden zu sein. Noch freilich wird die Meldung, die aus Nordsibirien kommt, von Sachkundigen stark bezweifelt. Aber wir haben in unsrer Zeit so viel Wunderbares er— lebt, daß wir für stärkste Zweifel nachgrade un⸗ empfänglicher sind als für kühnste Hoffnungen. Fridtjof Nansen ist der Name des Forschers, dem das gewaltige Werk, den Nordpol entdeckt zu haben, gelungen sein soll. Er zählt noch nicht fünfunddreißig Jahre und hat sich bereits als Polar— reisender einen beträchtlichen Ruf erworben. Im Juni 1893 begab er sich mit zwölf mutigen Männern auf die Fahrt nach dem hohen Norden, und wenige Monate später wurde sein Schiff im Karischen Meere zum letzten Male beobachtet. Seitdem, also fast volle drei Jahre hindurch, fehlte jede Kunde von ihm. Man hielt ihn allge— mein für verloren in jenen schaurigen Regionen ewigen Eises, die schon so zahlreiche Opfer an Menschenleben gefordert haben. Und nun: nicht nur, daß seine baldige Rückkehr verkündet wird, es wird auch behauptet, daß er den Pol erreicht und dort Land gefunden habe. Eine Mär, die noch vor wenigen Jahrzehnten spöttisch belächelt worden ware. Freilich wird man auch diesmal gut thun, weitere ausführliche Berichte abzuwarten; aber der Ge— danke, daß endlich das rätselhafte Geheimnis des Nordpols enthüllt sei, ist doch zu berauschend schön, um ihm nicht träumerisch nachzusinnen und mit fieberhafter Sehnsucht seine Verwirk⸗ lichung zu erharren. Schon die Thatsache, daß Nansen überhaupt zurückkehrt, giebt zu phantasie— vollen Bildern überreichen Anlaß. Ob er den Nordpol entdeckt hat oder nicht— welche Fülle neuer Eindrücke wird er mit heimbringen! Wie wird er unsere Kenntnis jener Gegenden schwim— mender Eisberge und furchtbarer Stürme klären
und erweitern! Wie es Nansen, wenn er sein Ziel wirklich erreichte, fertig gebracht hat, diese ungeheuere Strecke zurückzulegen, diese Eiswüste, die vor ihm noch nie eines Menschen Fuß betrat; welcher Hilfsmittel er sich bediente, welche Stra— pazen er glücklich überwand— das alles wird ein lehrreicher Beitrag zum Kapitel menschlicher Thatkraft und menschlicher Unerschrockenheit sein, wie er selten gehört wurde. Wer aber im Hin— blick auf solchen Helden der Wissenschaft, auf ein so weltbewegendes, mit einer Unsumme von Geist, Mut und Energie durchgeführtes Unter— nehmen noch leugnen will, daß wir leben in einer Zeit mächtigen Schaffensdranges und großer Ideen— der mag sich getrost mit einer Ehren— schlafmütze auf dem Kopfe begraben lassen.
Lelhgestern, 16. Februar, Gestern Mittag brannte hier 1 Scheuer ab, doch ist der Inhalt derselben versichert.
* Harbach,(Kreis Gießen), 15. Februar. Eine etwas starke Zumutung wurde dieser Tage unsrer Bürgermeisterei gestellt. Kam da ein in französischer Sprache verfaßtes Schreiben, worin sich ein in Paris Wohnender nach seinem in unsrem Dorfe lebenden Anverwandten erkundigt und zum Schluß an Großh. Bürgermeisterei das Ersuchen richtet, die Auskunft doch in französischer Sprache an die angegebene Adresse gelangen zu lassen.— Das war allerdings viel verlangt von der Harbacher Bürgermeisterei.
* Lauter(Kreis Gießen), 15. Febr. Die 1895 hier stattgehabte Gemeinderatswahl war infolge eingelegter Reklamation für ungültig erklärt worden. Die gestrige Wahl hatte das selbe Ergebnis wie die erste Wahl, indem wieder Gg. H. Schmidt, Chr. Pitz und Adolf Volp als Sieger aus der Wahlurne hervorgingen.
h. Darmstadt, 16. Febr. Die hessische Staatsschuld betrug am Schlusse des Etats⸗ jahres 1893/94 nach einer eben veröffentlichten Zusammenstellung Mk. 41,312,0 24.79.— Pro⸗ fessor Forbach wurde zum Direktor der höheren Mädchenschule in Offenbach ernannt.— Am Abend des 9. ds. sind zwischen Darmstadt und Griesheim in der sog. Tanne zwei Holzstangen quer über das Schienen⸗ geleise der Straßenbahn gelegt worden. In der Nähe sind die Wegweiser mehrerer Schneisen umgerissen und auf die Straße geworfen worden. Die Staatsanwaltschaft ersucht um Nachforschung nach dem oder den Thätern, die Direktion der
süddeutschen Eisenbahngesellschaft hat auf die Ermittlung eine Belohnung von 50 Mark ausgesetzt.
h. Darmstadt, 16. Februar. Wie zuver— lässig verlautet, wollen die hessischen Landtags— abgeordneten Kreisrat Schönfeld⸗Schotten, Rechtsanwalt Metz-Darmstadt, Ph. Müller-⸗ Arheilgen und Holzhändler Jöst-Mainz ein Mandat nicht wieder annehmen. Für Herrn Jöst soll angeblich Herr Dr. Ed. David in Gießen aufgestellt werden.
* Offenbach, 16. Februar. Für die vom 11. bis 13. April d. J. in der Schlosserschen Liegenschaft stattfindende Vogel- und Ge—⸗ flügelausstellung, die für das Großherzog— tum Hessen und Hessen-Nassau bestimmt ist, hat der Großherzog, der das Protektorat übernommen, einen Ehrenpreis gestiftet. Als Preisrichter sind erste Autoritäten in Aussicht genommen, außer Geldpreisen steht eine große Anzahl Ehren⸗ preise zur Verfügung. Programme nebst Klassen⸗ aufstellung und Anmeldebogen werden in etwa drei Wochen ausgegeben und sind vom Verein für Vogel- und Geflügelzucht in Offenbach zu beziehen.
* Klein-Auheim, 14. Febr. Ein Bier- brauer aus Seligenstadt, der auf die„Kunden— suche“ ausgegangen war, gab dieser Tage in einer hiesigen Wirtschaft den anwesenden Gästen einige Schoppen Freibier. Damit wollte er den Wirt, der bisher seinen Bierbedarf aus einer Hanauer Brauerei deckte, für sich gewinnen. Der Hanauer Lieferaut, dem dies mitgeteilt wurde, erschien bald darauf mit einer aus sechs Hektolitern bestehenden Bierladung, die un— entgeltlich ausgeschenkt wurden!— Fällt das auch unter die geplanten Bestimmungen über den unlauteren Wettbewerb?
Mainz, 14. Februar. Ein Soldat des brandenburgischen Fußartillerie-Regiments Nr. 3 wurde vom Militärgericht wegen wiederholter Fahnenflucht und Diebstahls zu 2 Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heer ver— urteilt. Er wurde nach dem Zuchthause in Wehlheiden verbracht.
Mainz, 13. Februar. In das hiesige Hospital wurde eine Schiffersfrau von der
Gustavsburg aufgenommen, welche auf ihrem Schiffe durch Eingießen von Petroleum in den Feuerherd in Brand geraten war; die Unglück⸗ liche wurde so furchtbar verbrannt, daß sie bereits nach 2 Stunden starb.
Vermischtes.
— Je des Mal, wenn in den Zeitungen von einem Raufhandel die Rede ist, der in einem öffentlichen Lokale mutwillig von einem Stärkeren hervorgerufen worden, um einem Schwächeren was am Zeuge zu flicken — so schreibt dem„N. Wien. Tagbl.“ ein Leser— muß ich an Mr. Mac Winds und sein Schicksal denken. Be⸗ sagter Mac Winds, ein Irländer. tauchte plötzlich in Wien auf und machte sich in kurzer Zeit zum Schrecken der jungen Leute. Wie ein Würgengel ging er umher, for⸗ derte durch Blicke, Mienen und Reden Jeden heraus, der ihm nicht zu Gesichte stand und boxte oder säbelte ihu dann zu Schanden; denn er war nicht bloß geübt im Faustkampfe, sondern auch in der Führung der Klinge. Dumpfe Verzweiflung bemächtigte sich allgemach der jungen Lebemänner ob deren Unsicherheit, von dem überall auf⸗ tauchenden Irländer angerempelt und trotz aller persön⸗ lichen Tapferkeit verhauen zu werden. Man rüstete end⸗ lich eine Expedition der stärksten Männer von Wien gegen den Unhold aus, allein dieser war klug genug sich der Uebermacht nicht in den Weg zu stellen, sondern nach wie vor den männermordenden Einzelkampf vorzuziehen. So schien es denn, als ob die Gottesgeißel nicht loszu⸗ werden sei, bis eines Tages Mr. Mac Winds selbst so unvorsichtig war, seinem Ueberwinder in die Arme zu laufen. Es war ein Kampf wie zwischen Hektor und Achilles; noch singen und sagen die Zeitgenossen davon. Damals hielt sich in Wien für kurze Zeit auch ein Schwede Namens Herson auf, ein kleiner, fast unansehn⸗ licher Mann mit blassem, hagerem Gesichte, aber von un⸗ geheurer Kraft un Behendigkeit. Dieser Schwede saß ein⸗ mal spät Nachts mit einem Landsmann in dem Kaffee⸗ hause, wo Mac Winds zu verkehren pflegte und das, ob aus diesem oder einem anderen Grunde, just keinen an⸗ deren Geist beherbergte. Die beiden Schweden ließen sich durch den Eintritt des Brambarbas, der ihnen unbekannt war, nicht stören, sondern plauderten in ihrer Mutter⸗ sprache weiter. Mac Winds hatte sich an einem der nächsten Tische niedergelassen, beide Beine auf einen Sessel geräkelt und fixierte die beiden Schweden. Als diese die insolenten Blicke nicht bemerkten, sagte Mac Winds mit lauter Stimme:—„Jönköping tändstikkor utan svafel och fosfor“ Die beiden Schweden horchten einen Augen⸗ blick auf, sprachen aber wieder weiter im Glauben, dem Gaste beliebe es eben, in so weitschweifiger Weise Feuer zu verlangen.—„Jonkôping tändstikkor utan svafel och fosfor,“ wiederholte Mac Winds noch lauter als vorhin, und mit einem suffisanten Grinsen. Herr Oerson unter⸗ brach sich, faßte den Irländer fest ins Auge und fragte hinüber:„Sie wollen haben was von uns 2“— „Jönköping“ hänselte Mac Winds, indem er nickte.— „Sogleich“, gab ihm Herr Oerson beinahe freundlich zur Antwort. Dann sagte er zu seinem Laudsmann: „Nimm einstweilen eiue Zeitung und vertiefe Dich ins Lesen, damit er an Dir keinen Zeugen hat.—„Brauchst Du mich nicht?“ fragte der Andere.— Keine Rede. Und Sie Marqueur, gehen Sie hinaus, bringen Sie Wasser.“ Nun schritt Herr Oerson gemächlich auf den voll froher Siegesahnungen seines vermeintlichen Opfers harrenden Raufbold zu, indem er sagte:„Kommen Sie“ Mac Winds stürzte in der Boperauslage vor, schlug aber mit der Faust in die Luft, denn der kleine Schwede hatte sich blitzschnell gebückt, seinen Gegner mit eiserner Umklammerung an beiden Beinen in die Luft gehoben und kopfüber niedergeworfen, daß der Boden zitterte. Ebenso flink hämmerte er jetzt mit beiden Fäusteu auf das Haupt des halb Betäubten los, faßte ihn nochmals an und warf ihn wie einen Stock in die Nähe des Tisches, an dem der Landsmann mit der Zeitung saß.—„Ei, hier liegt ein Mann,“ sagte der Leser, wie überrascht aus der Zeitung aufblickend, zu dem mit dem Wasser ein⸗ tretenden Marqueur, indem er auf den Niedergestreckten hinwies.„Maria und Josef, was ist das?“ kreischte die erschreckt herbeieilende Kassirerin.„Nur ein bisken swedische Keil-Gymnastik“, antwortete Herr Oerson verbindlich,„entschuldigen Sie und fürchten Sie nichts.“ Unterdessen hatte sich Mac Winds mit blutunterlaufenem Gesichte erhoben und stürzte fluchend neuerdings auf den Schweden los. Dieser faßte ihn, wieder dem Schlage ge⸗ schickt ausweichend, seitlings um den Körper, sprang wie ein Tiger mit seiner Beute gegen die Glasthüre zu und schleuderte den Irländer durch die klirrende Spiegelscheibe auf die Straße hinaus, worauf er sich, wie um die wissen⸗ schaftliche Erklärung des Vorganges nicht schuldig zu bleiben, mit der Bemerkung umwandte:„Telemarkswung“. Wiederum sah sein Landsmann von der Zeitung auf und sagte, auf die zerschlagene Glasthüre zeigend, lakonisch: „Es zieht!“ Der Marqueur, obgleich ganz zufrieden mit der Niederwerfung des Tyrannen, fühlte sich doch ver⸗ pflichtet, nach dem Befinden des antichambrierenden Gastes zu forschen. Er kam bald zurück und brachte dessen Forderung: Hut, Ueberrock und einen Stiftzahn. Diese Gegenstände wurden Mr. Mac Winds großmütig hinaus⸗ gereicht, und seit jenem Augenblicke hat man in Wien von ihm nichts mehr gesehen, noch gehört.
Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 17. Dez. Die Holzar⸗
beiter Berlins, Tischler und Berufsgenossen,


