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17.6.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 17. Juni

1896.

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Ausgabe

Gießen.

andeszeitung.

Redaktion:.

kommt.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: Kreuzplatz Nr.. 8 Preis der Anzeigen; 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeile. 2 Kuengp ka Nr. 4.

Das Radfahren und die Medizin.

Wir lesen imN. W. T.: Es ist selbstverständlich, daß jeder auf körperlicher Uebung beruhende Sport das Interesse des Arztes erwecken muß. Denn die Erfahrung lehrt ja, daß die systematisch angeregten Bewegungen des Leibes und seiner Glieder unter Umständen tief in den Gesundheitszustand eines Menschen, sei es schädlich, sei es nützlich, eingreifen können. Auch dem Radfahrer folgi itzt bereits der ärztliche Blick mit begründeter Aufmerk⸗ samkeit. Denn diese Art des Sports ist nicht nur ein Mittel geblieben, um die Anforderungen an die physische Leistungsfähigkeit in einer neuen Richtung aufzustellen, son⸗ ddrn das Rad erobert sich immer mehr als ein einfaches Transportmittel die verschiedensten Berufskreise. Was nun die Stellung dee Aerzte in dieser Angelegenheit betrifft, so ist zunächst zu bemerken, daß sie bisher im Allgemeinen dem Radfahrsporte nicht sehr freundlich gegenüber standen. Der Grund mag wohl darin liegen, daß man einer re⸗ lativ neuen Sache überhaupt stkeptisch entgegentritt und daß eben der Doktor vor Allem mit solchen Radfahrern zu thun hat, welche infolge von irgend welchen schädlichen Wirkungen des Fahrens in ärztliche Behandlung treten. Mittlerweile find aber auch unter den Aerzten, und zwar auch solchen, welche sich selbst zu dem Sporte qualifizirten uo also aus eigener Erfahrung reden können, Stimmen lallt geworden, welche das Radfahren direkt als gesund⸗ heitsförderlich empfehlen.

Man hat die Muskelthätigkeit bei dieser Uebung ver⸗ glichen mit dem Treppensteigen, wobei beim Radfahren die Stufe selbst, während der Körper sich auf sie hinauf⸗ hebt, gleichermaßen nach unten ausweicht, so daß eine thatsächliche Hebung des Oberkörpers nicht zu Stande Den wesentlichen Teil der Arbeit leisten die Streckmuskel des Beines und zwar alle drei Gelenke: Hüfte, Knie und Fuß. Im Uebrigen ist fast die gesammte Körpermuskulatur des Cyklisten während des Fahrells thätig. Allein eben durch die gesteigerte Muskelarbeit wird im Körper mehr Kohlensäure angehäuft, was wieder eine gesteigerte Atmungsthätigkeit zur Folge hat. Es ist daher die größte und wichtigste Kunst beim Radfahren richtig zu atmen. Geschieht dies, so ist die schließliche Einwirkung auf die Lunge günstig und das Radfahren dient zur Gymnastik des Atmungsapparats und zur Ver⸗ mehrung der Tiefe und Ausgiebigkeit der Atmung. Dies bezüglich der Lunge. Was das Herz betrifft, so macht eine andere Stimme darauf aufmerksam, daß bei ange⸗ strengtem Fahren die Pulsfrequenz nicht selten 200 ist und meistens nicht unter 150 Schlägen in der Minute. Die größte Gefahr in dieser Richtung biete das plötzliche Steigen des Weges, also eine plötzliche und unverhälinis⸗ mäßig große Mehrarbeit für das Herz, ohne daß der

ein Bewußrsein davon hat. Die Gefahr dabei einem drohenden Versagen des Herzmuskels.

Auch in der Akademie der Medizin zu Paris stand das Radfahren auf der Tagesordnung. Dr. Hallopeau erklärte, daß das Bicykle nur dann für Herzkranke schäd⸗ lich sei, wenn es zu besonderer Anstrengung auffordere, wie bei Anfängern, bei Ansteigen auf eine Höhe und bei großer Geschwindigkeit. Aus eigener Erfahrung könne er feststellen, daß die Zahl der Atembewegungen nur um ein Geringes vermehrt werde. Das Alter als solches gebe teinen Grund gegen das Fahren. Nachdem in derselben Sitzung sich Daremberg und Verneul gegen das Rad- fahren bei Tuberkulose ausgesprochen hatten, nahm die Akademie folgende Thesen an: 1. Die Akademie em⸗ pflehlt Personen, die sich dem Bicyklesport ergeben wollen, sich vorher ärztlich untersuchen zu lassen. 2. Bei ge⸗

sunden Personen ist der mäßige Gebrauch der Maschine ohne Gefahr für das Herz, für den Atmungsapparat so⸗ gar günstig. 3. Die Erfahrung wird zeigen, welche Rolle das Veloziped beim plötzlichen Tod der Herzkranken spielt. 4. Besonders sind für Herzkranke die ungewöhnlichen und übermäßigen Anstrengungen gefährlich beim Beginn des Lernens und bei aufsteigenden Wegen. 5. Gefährdet sind besonders Kranke mit Schwäche der großen Körperschlag⸗ ader und mit einer Affektion der Herzklappen.

In diesen Thesen ist, was sonst fast alle Aerzte als schädlich hervorheben, merkwürdiger Weise die krumme Körperhaltung nicht erwähnt. Sogar der greise Dr. Ti⸗ burtius, welcher selbst Radfahrer ist und behauptet, daß ihm trotz Lungenerweiterung und Gefäßverhärtung die Uebung bisher nichts geschadet habe, zählt zu den schlimm sten Fehlern beim Radfahren die krumme Körperhaltung und meint, die Fabrikanten sollten im sanitären Interesse den Sattel niehr nach vorne verrücken und die Lenkstange weiter hinten und höher anbringen. Weit optimistischer und günstiger als die bisher erwähnten Stimmen, spricht sich Professor Leyden, der berühmte und erfahrene Kliniker, in Berlin aus. Er habe den Eindruck gewonnen, als ob viel zu sehr die gesundheitsschädlichen Seiten des Sports betont würden. Daß gewisse Schädlichkeiten nicht aus⸗ blieben, sei richtig, sofern eben Leute den Sport im Ueber⸗ maß oder ganz im Widerspruch mit ihren Gesundheits⸗ verhältnissen betreiben. Er habe hauptsächlich das Wort

ergriffen, um eine freundlichere Haltung der Aerzte dem

Radfahrer gegenüber anzubahnen.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 13. Juni. Heute Vormittag verhandelte die Strafkammer gegen den 16 Jahre alten Kellner⸗ lehrling Georg Fuchs und dessen noch unbestrafte Mutter, die Wittwe Fuchs von Stauffenberg. Dem erstern wird zur Last gelegt, in 7 Fällen den Gesamtbe⸗ trag von 700% gestohlen zu haben und zwar in 3 Fällen mittels Erbrechen von Koffern. Die Mutter ist der Hehlerei bezichtigt Der junge Fuchs war seit 1 Jahten Kellnerlehrling im Hotel Schwinn, woselbst wäh⸗ rend dieser Zeit zu wiederholten Malen aus den Fremden⸗ zimmern und zwar aus verschlossenen Behältnissen der Reisenden namhafte Geldbeträge und Wertgegenstände ab⸗ handen kamen, die der Besitzer des Hotels ersetzen mußte. Es wollte nie glücken, den Thäter festzustellen. Herr Schwinn entließ in Folge dessen sein ganzes Personal bis auf den Lehrling, auf den nicht der mindeste Verdacht fiel. Der Sicherheitsbehörde fiel es jedoch auf, daß der junge Mann verhältnismäßig hohe Geldbeiträge veraus⸗

gabte. Fuchs wurde festgenommen und räumte die That ein. Der Gerichtshof verurteilte den Georg Fuchs wegen

schweren und einfachen Diebstahls zu 2 Jahren und 2 Mo⸗ nat Gefängnis, unter Anrechuung von 2 Monat der er⸗ littenen Untersuchungshaft, dessen Mutter aber, welche von ihrem Sohn gestohlene Gegenstände und einen Geld⸗ betrag von 40 Mark angenommen hatte, von dessen un⸗ redlichem Erwerb sie den Umständen nach hätte überzeugt sein müssen, wurde zu 4 Monat und 14 Tage Gefängnis verurteilt. Weiter verhandelte die Strafkammer gegen den am 26. Mai 1864 geborenen mehrfach vorbestraften Arbeiter Georg Schauer von Schlitz wegen Majestäts⸗ beleidigung. Der Angeklagte bestreitet das ihm zur Last gelegte Delikt und erklärt, er sei zwar angetrunken ge⸗ wesen, wisse aber gar nicht, wie er zu einer beleidigenden

Aeußerung gekommen sein soll. Ein Zeuge weiß nur etwas vom Hörensagen, während ein anderer unter Eid

behauptet, der Angeklagte habe sich so geäußert wie die An⸗ klage behauptet. Der Gerichtshof beschließt die Vertagung der Sache auf Freitag über 8 Tage und Ladung weiterer Zeugen. Reumütig gesteht der aus der Untersuchungshaft vor⸗ geführte, nur notdürftig gekleidete jugendliche Tagelöhner Konrad Lachmann von Frischborn eine ihm zur Last gelegte Urkundenfälschung ein. Der Angeklagte, Sohn eines Wasenmeisters, hat im Winter 4 Stück eingegangenes Wild auf dem Felde verscharrt. Um aber von dem Jagd⸗ pächter die Gebühren von 1, 30 dafür zu erhalten, hat er sich die dazu nötige Anweisung des Bürgermeisters selber fälschlich angefertigt. Aus seinen Schilderungen geht hervor, daß der Angeklagte in traurigen Familien⸗ verhältnissen lebt und die That nur aus Not begangen hat. Der Staatsanwalt beantragte wegen Urkunden⸗ fälschung in Verbindung mit Betrug unter Zubilligung mildernder Umstände 3 Monat Gefängnis gegen den An⸗ geklagten zu erkennen. Der Gerichtshof hielt aber einen Betrug nicht für vorliegend, wenigstens nicht für nach⸗ gewiesen. Der Angeklagte sei noch unbestraft, er habe sich in einer Notlage befunden. Aus allen diesen Er⸗ wägungen sei eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen, die durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt zu er⸗ achten sei, ausreichend.

Gießen, 16. Juni Die Pensionkerung des Rabbiner Dr. Levi, von deren Bevorstehung wir bereits berichteten, ist inzwischen perfekt ge⸗ worden. Die Regierung enutläßt denselben aus dem Staatsdienst mit der Allerkennung für seine ersprießliche Thätigkeit, unter Belassung seines vollen Gehaltes.

Gießen, 16. Juni. Die Aktienbraue⸗ rei beabsichtigt ihre Mälzerei zu vergrößern. Auch sollen 2 neue Lagerhäuser, sogenannte Silos, errichtet werden, um dem vermehrten Be dürfnis entsprechend größere Quantitäten Gerste und Malz speichern zu können.

W. Gießen, 15. Juni. Der Buchhändler Koch fuhr gestern Abend mit seinem Zweirad die Straße zwischen Oherroßhach, und Friedberg auf dem Heimweg von Bad⸗-Homburg begriffen, als plötzlich ein Individuum einen starken Stock zwischen die Speichen des Hinterrades steckte und dadurch den Fahrer zu Fall brachte, so daß sich dieser im Gesicht und an der Hand schwer ver⸗ letzte, während der Thäter sich schleunigst aus dem Staube machte. Zum Glück waren zwei ältere Männer in der Nähe, die Herrn Koch nicht nur halfen die blutenden Wunden zu kühlen, sondern diesem auch den Namen des feigen Helden angeben konnten. Der Staatsanwaltschaft ist bereits Anzeige von dem Vorfall erstattet, und steht zu hoffen, daß den Schüldigen, der mals Raufbald in seiner Heimat bekannt sein soll, eine ganz exemplarische Strafe treffen wird.

Gießen, 15. Juni. Die Straßen Krof⸗ dorf-Gießen und Krofdorf-Launsbach sind wegen der Dampfwalze für Frachtfuhrwerke gesperrt, und zwar: die erstere vom 15. bis inkl. 16. d. M. und die zweite vom 17. bis inkl. 18. d. M.

Gießen, 15. Juni. Welche Regeln sind beim Baden zu beobachten? Man bade entweder am frühen Morgen oder am Spät⸗Nachmittag, nie nach eben vollendeter Mahl⸗

zeit. Vor dem Baden vermeide man jede Auf regung und allzu große Anstrengungen, nament⸗ lich sorge man für eine mittlere Körpertemperatur und durch langsames Entkleiden für eine all⸗ mähliche Abkühlung. Das Herumlaufen und Herumstehen vor und nach dem Baden und in den Pausen muß streug vermieden werden. Etwaige Erkältungen sind auf diese Unsitte zu⸗ rückzuführen. Nachdem man das Wasser ver⸗ lassen, reibe man sich nicht nur trocken, sondern warm, lege schnell die Kleidung an und mache noch einen Spaziergang, bis die gewöhnliche Körpertemperatur wieder erreicht ist. Bas Baden erfüllt jedoch seinen Zweck nur halb, wenn es nicht mit Schwimmen verbunden ist. Abgesehen davon, daß Erkältungen und Ertrinken in der Regel den Nichtschwimmer treffen, giebt es wohl kaum eine Bewegung, die alle Teile des Körpers so gleichmäßig und intensiv beschäftigt wie das Schwimmen.

Gießen, 16. Juni. Berichtigung. In unserer gestrigen Notiz über den Transport eines Dampfkessels muß es statt 100-pferdekräf⸗ tigen Dampfkessel heißen:mit 10 Atmosphäre Ueberdruck.

* Mainzlar, 16. Juni. Ein junger Mann Namens Sauer ist gestern hier ertrunken. Er war nach dem Essen baden gegangen und wurde wohl von einem Herzschlag betroffen. Ein bei dem Infanterie-Regiment Kaiser Wil⸗ helm in Gießen dienender Unteroffizier, gebürtig von Mainzlar, hat ihn aus dem Wasser geholt.

*Darmstadt, 14. Juni. Nach stündiger Verhandlung sprach das Schwurgericht in der vielbesprochenen Weinheimer Affaire wegen Ver⸗ brechens gegen das keimende Leben das Urteil. Die Hebamme Rück von Darmstadt wurde zu 5 Jahren, die Ehefrau Schuchmann von Rein⸗ heim zu 3 Jahren 1 Monat Zuchthaus verurteilt. Die übrigen Angeklagten, mit Ausnahme von zweien, die freigesprochen wurden, erhielten Ge⸗ fängnisstrafen von 1 Jahr 3 Monaten bis herab zu 3 Monaten.

* Mainz, 14. Juni. Bei Eröffnung der deutschen Schlosserei-Ausstellung hielt der Vorsitzende der Mainzer Schlosserinnung, Herr Hänlein, eine Ansprache, in welcher er dem Großherzog für die Uebernahme des Pro⸗ tektorats, der Regierung und der Stadt für die geleistete Unterstützung Dank aussprach. Hierauf erklärte der Provinzialdirektor Geheimrat Rothe die Ausstellung namens des Staatsministers Finger, der am Erscheinen verhindert war, für eröffnet und sprach die Hoffnung aus, daß sie dem Schlossergewerbe zu Nutzen und Frommen gereichen möge. Er schloß mit einem Hoch auf den Großherzog als Protektor der Ausstellung.

Mainz, 15. Juni. Eduard Schmidt⸗ Hamburg eröffnete heute früh den 11. Deutschen Schlossertag, zu welchem Delegierte aus ganz Deutschland erschienen sind. Provinzial⸗ direktor Rothe hieß die Anwesenden im Namen des hessischen Ministeriums, Beigeordneter

Unsere Naive. Humoreske von Paul A. Kirstein. (Nachdrud verboten.) (Fortsetzung.)

Hm, hm. Ich weiß schon. Sie überlegte! Sollte sie ihn empfangen? Ach ja, der brachte ihr vielleicht etwas Zerstreuung, die konnte sie grade jetzt gut gebrauchen. f.

Sagen Sie dem Herrü, ich lasse bitten. Ich

bin gleich wieder zurück. Damit lief sie ins Nebengemach, um sich für den Besuch ein wenig zurechtzustutzen. 2 5

Ein Wellchen war nun alles ganz still im Zimmer. Eine Fliege surrte geschäftiß hin und her und da sie augenblicklich nicht besseres wußte, setzte sie sich frech auf den Rand der Chokoladentasse und versuchte da zu naschen. Bald aber bereute sie schon dieses kühne Unterfangen. Es kostete sie Mühe sich wieder loszumachen. Die Chokolade hielt sie an ihren kleinen Füßchen fest, und als es ihr dann endlich gelungen war, flog sie mit einem Gebrumme, das in der Fliegensprache ungefähr so viel wie:Verflucht und zugenäht heißt, wieder

an's Fenster und versuchte, sich an den Scheiben dort aus Aerger und Verzweiflung den unglücklichen

ma einzurennen. Aber auch das gelang

nicht, Da sie sich in philosoßhischer Ruhe auf 15 Zuckerschale nieder und 2 sich dort mit ihr schwergeprüftes Dasein N ae en s Schaͤrren vor der Thür. Es klopft/ es klopft nochmals niemand öffnet. Es klopft zum brittefl Mäle wieder keiner. Na,

da öffnet man eben alleine! Erst schüchtern und dann mit einem gewissen vergnügten Ruck, es war ja niemand da!

Der Betreffende, ein junger blonder Herr mit schön frisiertem Kopf und spitzgedrehtem Schnurr bart bleibt verwundert an der Thür stehen.

Donnerwetter, das sieht ja famos hier aus! Ich wette, hier wohnt die kleine Schauspielerin! Lanzsam tritt er näher, und betrachtet die ver⸗ schiedenen Bilder ulld Schleifen.

Heiliges Kreuz, ist eigentlich ein unverschämtes Schwein! Komme hieher um'ne alte Tante zu be sucheu, und und kann mit'ner allerliebsten jungen Schaulspielerin Na, die auf der Kneipe werden sich schön fuchsen! Hahahaha!

Und bei dem Gedanken lacht er aus vollem Hals los.

Aber mein Herr, was erregt denn hier so un⸗ geheuer Ihre Heiterkeit? unterbrach ihn auf ein mal eine unerwartete Stimme.

O... meine Gnädigße, entschuldigen Sie, ich dachte blos he.... die Jugenderinnerung meine Jugend erf er wollte eigentlichFreunde sagen und in dieser Verwirrung machte er der eintretenden Gustl eine recht steife Verbeugung. N

Na ja, ich weiß schon. Jetzt lachte sie selber. Ihre Jugendzeit! Dabei winkte sie ihm aber Platz zu nehmen. 5

Gnädigste wenn ich sagte: Jugendzeit, so meinte ich selbstverständlich meine.... Ex stockt schon wieder, setzt sich aber, nach vergeblichen Ver suchen fortzufahren, endlich nieder.

Lustigkeit, nicht wahr? Sehen Ske, das gefällt

mir. Ich bin auch immer lustig. Vergnügt zu sein, das ist doch das Schönste vom ganzen Leben. Und dabei reichte sie ihm wie zur Verzeihüng ihre kleine schöngepflegte Hand hinüber, und er, er kaun nicht anders, er muß sie küssen, heftig leidenschaft⸗ lich küssen. Sie aber entzieht sie ihm. a

O stürmisch sind Sie ja auch?! Ganz wie unsere professionsmäßigen Liebhaber, wenn die sich maäl recht in's Zeug legen wollen, doch mir scheint auch immer an falscher Stelle! und sie drohte ihm lächelnd mit dem Finger.

Aber mein vexehrtestes Fräulein, wer sollte, wenn er soviel Schönheit, soviel Jugend

Hast Du's gehört Frau Schwester? Und da Tante!

sopßiel Anmut beisammensieht wer sollte da nicht von der wildesten Leidenschaft, von dem heiligsten Feuer von der 2

Genug, genug, wehrte sie ihm lachend ab. Sie machen mir ja ganz angst und bange mit Ihre Komplimenteh.

Und dann setzte sie ihm ein Glas Wein und nötigte ihn zuzugreifen und spielte mit so viel Grazie und Humor die liebenswürdigste Wirtin, daß ihnen dabei beiden entging, daß sie sich ja noch nicht einmal vorgestellt hatten.

Aber was schadete das!Unsere kleine Gustl plauderte auch zu interessant, sie nahm einen ordentlich mit ihrer Liebenswürdigkeit gefangen, man verlor ihr gegenüber gänzlich das Gefühl, als ob man sie j mals nicht gekannt hätte, und das merkte der flotte Student nur allzusehr an sich selbst. Er schwatzte ihr von allen möglichen Dingen, erzählte ihr von seinen Studentenstreichen, von

vor

ͤ seinen Liebhabereien, von seinen Mensuren und weiß Gott, von was alles noch. Und sie hörte das mit an und amüsierte sich köstlich darüber. Sie kam ordentlich auch in die Erzählerwut und kramte nun aus, aus ihrem Bühnenleben, aus ihren Wanderjahren und von ihren vielen Mißerfolgen. Da geriet er aber ordentlich in Wallung darüber.

Nein, rief er,das ist ja gar nicht möglich! Ein so gottbegnadetes Talent wie Sie, konnte doch ja niemals verkannt werden!.

Uẽd doch war es so, mein lieber Freund!

Aber er spraug auf von seinem! Sessel sahen denn diese Menschen nicht, hörten sie denn nicht! Wie kann man denn eine solche Fülle zu Herzen gehender Laute, eine solch köstliche Schalk⸗ haftigkeit, eine so entzückende Naivität, eine so reizende Erscheinung gepaart mit so wunderbarem Spiel an sich vorübergehen lassen, ohne nicht be⸗ geistert in die Hände zu klatschen, ohne nicht zu wünschen, für immer das holdselige Bild anschauen zu dürfen! O das ist unverzeihlich! Und hinge⸗ rissen. gekränkt von diesem Unrecht vergaß er in der Hitze des Gefechts seinen alten Platz und ließ sich auf einmal an ihrer Seite auf der Chaiselongue nieder. Sie ließ es auch ganz ruhig zu, und rückte nur ein klein wenig beiseite, bis er sich endlich wieder beruhigt hatte. Und dann saßen sik beide fost Schulter an Schulter bei einander und plauderten und lachten

(Schluß solgt.)