Ausgabe 
17.4.1896
 
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Gießen, 16. April.

hofsglocke verkündet es kurz und schroff.

Gießen, Freitag, den 17. April

1896.

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Ausgabe

Gießen.

kikung.

7 Redaktion: 75 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.

N Expedition: 24

Kreuzplatz Nr. 4.

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6 N** Lokales und Provinzielles. Gießen, 16. April. Der Gerichtsassessor br. Wilhelm Gläßing aus Gießen ist zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach er nannt worden.

Gießen, 16. April. Die Petition wegen Belassung des Viehmarktes in der Neustadt soll ca. 3000 Unterschriften gefunden haben. Nichtsdestoweuiger bezweifeln wir, daß die Petenten damit den gewünschten Erfolg er⸗ reichen werden. Es sprechen so mannigfache Gründe gerade für die Verlegung dieses Marktes aus der Gegend des Schlachthofes, darunter be sonders der am schwersten wiegende hygienische, daß alle vorgebrachten Bedenken seitens der Pe tenten leicht dagegen wiegen. Im Uebrigen wird auch die Viehrampe unseres Güterbahnhofs nach dem Südende desselben verlegt und so bald dies eschehen, wird auch der Schwerpunkt des ganzen Vebhanbels dort eben an der Ausladestelle liegen.

* Gießen, 15. April. Auf dem heutigen Ochsenmarkt waren ca. 80100 Stück Vieh angefahren, darunter schweres Simmenthaler Fahrvieh, in der Mehrheit Vogelsberger Rasse. Der Handel setzte von vornherein flott ein, so daß der Markt sehr bald ausverkauft war. In Folge der starken Nachfrage nach schwerem Fahr⸗ bieh waren die dafür gezahlten Preise sehr hoch, so daß mit den zahlreich am Markt anwesenden

remden Einkäufern kein Geschäft zu Stande kam. Es wurden gehandelt Ochsen 1. Qual. mit 9001000 4, 2. Qual. 650800 l, 3. Qual. 450600 4 pro Paar. Der Markt war um 11 Uhr vollständig geräumt. Auch auf dem Schweinemarkt war das Geschäft flott, die für die verkaufte Ware erzielten Preise waren verhältnismäßig hoch. Der Auftrieb dürfte sich auf 111300 Stück hauptsächlich Ferkel und Mittel⸗Läufer belaufen. Es wurden ver kauft: Ferkel, 67 Wochen alt, 2550 4, 911 Wochen alt, bis 50%, 6 Monate alte Läufer 5070, ältere Ware kostete 80100 pro Paar. Schlachtvieh war nicht am Markt, wohl aber wurden tragende Sauen stark begehrt und zu guten, Preisen abgesetzt. Gießen, 15. April. Zur heutigen Fasel⸗

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0 chau waren 25 Tiere vorgeführt, von denen die

Körkommission 6 Stück für tauglich erklärte, darunter 4 der Simmenthaler Rasse. Die letzteren gehörten Esau⸗Gr.⸗Buseck, Bingel⸗Grüningen und Huber⸗Leppermühle bei Gr. Buseck. Von Schäfer⸗ Watzenborn und Rinn XVIII-Heuchelheim wurde je ein Fasel Vogelsberger Rasse angekört. Gießen, 16. April. In Berücksichtigung des Unfuges, der mit der Benutzung ärztlicher Atteste zu Reklamezwecken getrieben wird, hat der Verein rheinhessischer Arzte nachstehenden Beschluß gefaßt:Atteste oder anerkennende Schreiben über Arznei-, Genuß⸗, Nahrungs-, kosmetische und andere ähnliche Mittel dürfen von Mitgliedern des Vereins rheinhessischer Aerzte nicht ausgestellt werden; es ist selbstverständlich, daß wissenschastliche, nur in Fachblättern zu ver öffentlichende Abhandlungen über solche Dinge durch diesen Beschluß nicht berührt werden. Bezüglich des Baues

Eine fixe Idee? Von Martin Böttcher. (Nachdruck verboten.) Zehn Minuten! hat der Schaffner gerufen bei der Ankunft des Zuges. Nun sind sie verstrichen, die zehn Minuten. Das unbarmherzigeKling⸗kling⸗kling! der Bahn

DeinKling⸗

Unbarmherzige Bahnhofsglocke!

kling⸗kling! kann an den herben, herben Klang

der Sterbeglocke erinnern.

Paff⸗paff⸗paff! Fort, fort, fort braust der Zug, ächzend und schnaubend, gewaltige Dampf wolken zurücklassend. Sie senken sich wie ein Schleier über diejenigen, welche auf dem Perron zurückbleiben; weiß und dicht wirbeln sie sich um die junge Dame, die inmitten der Menge so ein sam und verlassen dasteht; sie verhüllen ihrem spähenden Auge den letzten, letzten Schimmer dessen, der fortzieht fort, fort, fort sie, die Wolken und die Thränen, die sich nicht zurück⸗ drängen lassen.

Aber sein letztes Wort hat sie gehört, und es summt und fährt fort zu summen vor ihren Ohren.

Jus Land des Glücks? hat er gesagt. Und: Bald komme ich wieder und hole Dich! hat er hinzugefügt.

Wird er es erreichen,das Land des Glücks? Jenseits des Weltmeeres liegt es. Und wenn er es erreicht wird er dort das Glück finden?

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der Bieberthalbahn erfahren wir, daß die preußische Eisenbahnverwaltung den Anschluß an Strecke Wetzlar Lollar nicht, wie es für alle Interessenten am Vorteilhaftesten wäre, bei der Verladestelle Abendstern, sondern über 1 km vom Hauptstrang der projektirten Bieberthal linie entfernt, bei der Station Kinzenbach er folgen lassen will. In Folge dessen werden die am meisten dabei beteiligten Firmen, Gebrüder Stumm, Buderus'sche Eisenwerke und die Lahn⸗ kalk⸗Marmor-Industrie Aug. Gabriel je bei der betreffenden Verwaltung dahin vorstellig werden, daß statt Kinzenbach doch Abendstern als An schlußpunkt gewählt wird. Wir erfahren übrigens, daß die Allgemeine deutsche Kleinbahngesellschaft Berlin, welche die Bahn bauen wird, sich eifrig dafür interessirt, daß der Bau der Strecke an gefangen wird und in Betrieb kommt.

Gießen, 16. April. Die Firma Eduard Kettner, Waffenfabrik in Köln und Suhl, kündigt im Gießener Anzeiger den Jägern an, daß sie heute und morgen im Hotel Prinz Karl eine Musterkollektion in Jagdgewehren, Jagd⸗ bekleidung und Jagdutenstlien aller Art aus⸗ stellen lassen wird, zu dem Zwecke, Aufträge der Jäger entgegenzunehmen. Diese Konkurrenz für unsere Waffenhändler ist für unseren Platz neu und wird derselbe gerade nicht mit freudigen Gefühlen begrüßt werden. Das Haus Kettner in Köln a. Rh. arbeitete bisher in Gießen nur mit Zwischenhändlern, denen dadurch, daß der Fabrikant sich nun direkt an die Kundschaft wendet, der Erwerb ebenfalls erschwert wird.

* Büdingen, 15. April. Zufolge mini⸗ sterieller Genehmigung dürfen am 23. April und 19. Mai dahier und in Nidda die üblichen Vieh- märkte wieder abgehalten werden. Es werden aber nur solche Tiere der Händler zugelassen, die mindestens eine Woche in seuchenfreiem Zustande nachweisbar in unverseuchten hessischen Orten vorher eingestellt waren; auch sind der Markt⸗ zentrale die Ursprungszeugnisse für zugebrachtes Handelsvieh vorzulegen.

*Darmstadt, 15. April. Das Großh. Re⸗ gierungsblatt Nr. 13 enthält das Gesetz betr. den Handel mit Anteilen und Abschnitten von Losen zu Lotterien und Ausspielungen betreffend, dessen einziger Paragraph fol⸗ gendermaßen lautet:

Wer gewerbsmäßig geringere als die ge nehmigten Anteile oder Abschnitte von Losen zu Lotterien und Ausspielungen, sowie von Prämien⸗ anleihen oder Urkunden, durch welche solche An teile oder Abschnitte zum Eigentum oder Ge winnbezug übertragen werden, feilbietet oder veräußert, wird mit einer Geldstrafe von 100 bis 1500 J bestraft.

Dieselbe Strafe trifft Denjenigen, welcher ein solches Geschäft als Mittelsperson befördert.

Darmstadt, 15. April. Der Geh. Staats⸗ rat im Ministerium, Hallwachs, bekannt durch die Angriffe, die er im vorigen Jahre in der zweiten hessischen Kammer erfahren hat, wurde pensioniert. Die neue Zivilkammer des Landgerichts in Mainz ist nunmehr gebildet. Der Landgerichtsrat Thaler wurde zum Land⸗ gerichtsdirektor ernannt, der Rechtsanwalt Dr.

Hangen, Mitglied des Vorstandes der An⸗ waltskammer, zum Landgerichtsrat, der Amts- richter bei dem Amtsgericht Wöllstein Dr. Vogel zum Landrichter.

Darmstadt, 15. April. Das 25 jährige Dienst⸗Jubiläum des Hofschauspielers Hugo Edward, der sich an seinem Ehrentage dem Publikum alsHüttenbesitzer zeigte, bot den nahen und fernen Freunden, sowie den Kollegen des Künstlers Anlaß zu großen Ovationen, die sowohl quantitativ wie qualitativ alles nach dieser Richtung hier in den letzten Jahren Dagewesene weit übertrafen. In den 25 Jahren seiner schau spielerischen Thätigkeit am Darmstädter Hoftheater hat Herr Edward sich vom munteren Naturburschen und jugendlichen Liebhaber biszum verautwortungs⸗ reicheren Posten des Helden- und Charakterdar⸗ stellers aufgeschwungen. Wir schätzen an ihm besonders die peinliche Gewissenhaftigkeit im Rollenstudium, die zähe Konsequenz, mit welcher er Aufgaben nachging, welche seiner Individualität ursprünglich ferner lagen. Herr Edward empfing am heutigen Abend nicht weniger als 70 Lorbeer kränze. Der Großherzog hat ihm einen Orden verliehen, die Großherzogin ihr Porträt überreichen lassen. Nach der Vorstellung waren alle Ehren gaben auf einer langen Tafel aufgebaut worden, und der Künstler sprach in längerer Rede mit bewegter Stimme seinen Dank aus, nicht ver⸗ hehlend, daß es ihm schwer werde, von dieser Kunststätte zu scheiden, die er betreten zu einer Zeit, da das Darmstädter Hoftheater sich unter Teschers Leitung eines europäischen Rufes erfreute.

Mainz, 15. April. Die Mainzer Volks- bank hielt heute Abend im Kötherhof ihre ordent liche Generalversammlung ab. Nach dem Rechen schaftsbericht des Vorstandes betrug der Gesamt umsatz im Jahre 1895 51978815/ gegen 39 453769. im Jahre 1894. Der Reingewinn beträgt 103058, den der Auffsichtsrat wie folgt zu verteilen vorschlug: 5% pCt. Dividende auf die Stammanteile 74 200., Abschreibungen auf Hauskonto 1017, Uebertrag auf den Garantiefonds 8000, Uebertrag auf den Bau fonds 5100 ic. Der Kassenverkehr betrug in Einnahme 21869 782/ gegen 18 269 248. im Vorjahr und in Ausgabe 21710097 gegen 18 072 765. Die Zahl der Mitglieder stieg von 2695 auf 2712. Das Vermögen der Bank be⸗ läuft sich auf 337504. Dem Vorstand wurde einstimmig Decharge erteilt.

Vermischtes.

Das meistberathene Land ist sicherlich Deutschland. Ein Freund derM. N. N. hat sich die

Mühe gemacht, alle die Rathstitel aufzuzählen, die es in unserem Deutschland heutzutage giebt. Danach ist, ohne diegeheimen oderwirklich geheimen Abarten der Räthe zu berücksichtigen, Deutschland wirklich wohl- oder vielmehr reichberathen. Man höre! Es giebt: Aufsichts⸗, Amtsgerichts-, Amts-, Archiv-, Armenpflegschafts-, Berg⸗, Bau⸗, Botschaf Kabinets⸗, Kommerzien-, Kommissions⸗, Domänen⸗, Distrikts⸗, Eisenbahn⸗, Finanz⸗, Forst⸗, Ge⸗ heim⸗, Gemeinde-, Geistliche, General-, Generallandschafts⸗, Gerichts-, Hof⸗, Intendantur-, Justiz⸗, Kammergerichts⸗, Kanzlei⸗, Kirchen-, Kriegs-, Kreis-, Landgerichts-, Land⸗, Landes⸗, Legations⸗, Landschafts⸗, Landesökonomie-, Me⸗

dizinal⸗, Magistrats⸗, Ministerial-, Oekonomie⸗, Ober⸗ landesgerichts-, Oberregierungs⸗, Oberstiftungs⸗, Ober⸗ justiz⸗, Oberbau⸗, Oberrechnungs⸗, Post⸗, Polizei, Regie⸗ rungs-, Rechnungs-, Reichs-, Rechts⸗, Salinen⸗, Staats⸗, Steuer-, Schul-, Stadt-, Stifts⸗, Stiftungs⸗, Stabs⸗, Studien-, Turn⸗, Vortragende, Vermessungs- und Ver⸗ waltungsräthe! Und um zu zeigen, daß trotzdem alle diese Räthe nicht genug rathen können, giebt es auch noch Wirkliche Räthe.

Wie viel Bier ist erlaubt? Professor Moritz, der als Leiter der Münchener Universitäts⸗Poliklinik ge⸗ wiß sachverständig ist, hat im Verlage des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke(Ge⸗ schäftsstelle zu Hildesheim) ein Schriftchen über das Bier herausgegeben, das für den billigen Preis von 10 Pfg. sehr viel Belehrendes bietet. Es bespricht den Nährwerth des Bieres, der bekanntlich zu seinem Preise im argen Mißverhältniß steht, sodann die gesundheitlichen Gefahren des starken Biergenusses. Hier ist es besonders das Bierherz(es ist in der Schrift nach einer Photographie abgebildet), das einen nicht geringen Theil unserer Männer in den besten Jahren zu einem plötzlichen Tode führt. Schließlich wagt Prof. Moritz aus dem Vorhergehenden ein Urtheil zu ziehen, welcher Biergenuß als mäßig und

ässi Folgendes ist seine Ansicht. Bier sollte nur zu einer Mahlzeit und zwar zu einer Hauptmahlzeit getrunken werden. Das Trinken in den Zwischenzeiten und gar das Trinken von Bier an Stelle fester Nahrung ist zu verurtheilen. Wenn ein gesunder, erwachsener Mann zum Mittagessen ein Glas Bier trinkt, wobei er allerdings unter Umständen eine müde und schläfrig machende Wirkung desselben riskirt, und ebenso zum Abendessen oder im Anschluß an dasselbe ein oder auch zwei Glas Bier verzehrt, so darf das als ein mäßiger Genuß bezeichnet werden. Das würde für die bayerischen Verhältnisse, wo ein Glas Bier einem halben Liter entspricht, eine Aufnahme von 11½½ Liter im Tage bedeuten. Für die zarter organisirte Konstitution der Frau dagegen dürfte die Grenze um die Hälfte tiefer zu stellen sein. Natürlich soll damit nicht gesagt sein, daß es für Jedermann gesund sein müsse, täglich so viel zu trinken. Wer bislang schon mit weniger sich begnügte oder überhaupt nicht trank, der wird sicherlich gut daran thun, dabei zu bleiben. Eine obere Grenze für den mäßigen Genuß aussetzen, heißt ja nicht dazu auffordern, in jedem Fall auch bis zu ihr hinaufzugehen. Wohl aber soll da⸗ mit die dringende Ermahnung gegeben sein, daß jeder, der gewohnheitsmäßig mehr trinkt, sein Quantum auf diese Grenze herab erniedrige. Denn ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß besonders schwächer veranlagt e Individuen sich durch den regelmäßigen Genuß größerer Quantitäten, z. B. von 2 Litern Bier täglich, schon Schaden zufügen können. Eine tägliche Aufnahme von 3 bis 4 Litern muß ich in jedem Falle schon als recht be⸗ denklich bezeichnen. Ich bin überzeugt, daß sie bei vielen Menschen schon lebenabkürzend zu wirken im Stande ist. Zu betonen ist, daß es gerade der regelmäßige Genuß durch Jahre und Jahrzehnte hindurch ist, der auch schon bei relativ kleinen Quantitäten im Laufe der Zeit schäd⸗ liche Wirkungen zeitigt. Das gewohnheitsmäßige Zuviel⸗ trinken, wenn es auch nicht in sehr auffälligem Maße geschieht, ist sicher viel gefährlicher als vereinzelte Aus⸗ schreitungen, zumal solche bei Nicht-Gewohnheitstrinkern sich durch die jeweiligen Nachwirkungen so empfindlich zu rächen pflegen, daß sie nicht zu häufig vorkommen dürften. Einen Fall aber giebt es, in dem ich mich unbedingt zur völligen Enthaltung vom Biere wie vom Alkohol über⸗ haupt bekenne, und dieser betrifft die Kinder. Der zarte kindliche Körper reagiert weit empfindlicher auf Alkohol, als der des Erwachsenen, und so wenig und eher noch weniger, als wir unsere Kinder rauchen lassen, so wenig sollten wir sie trinken lassen. Am besten wäre es, diese Enthaltung bis zur völligen Entwickelung währen zu

So mancher, der sich hinauswagte auf den Ozean zur Zeit der Stürme und des Nebels, im Spätherbst, fand sein tiefes, nasses Grab auf dem gefahrvollen Wege; und so viele Tausende fanden das Grab ihrer Hoffnungen, als der Weg glücklich zurückgelegt war.Das Glück fanden sie nicht.

Bedeutende Fähigkeiten und redliches Streben berechtigen wohl zur Hoffnung; aber eine Gewähr für deren Erfüllung leisten sie nicht.

Bis heute hat sie die Hoffnung aufrecht halten können; ihre Hoffnung hat sich ja emporranken können an einem frischen, unbefangenen Mut wie der Epheu an dem Stamm der Eiche. Aber jetzt, da er fort ist, drohen sie, in formlose Nebelgebilde zu zerrinnen, die prächtig schimmernden Wolken schlösser, die sie, eins dem andern helfend, auf gebaut haben in seligen Stunden, und bauge Ahnungen häufen sich wie drohende Gewitterwolken; höher und höher türmen sie sich empor und un⸗ glaublich geschwind. Doch diese Ahnungen sie sind ja auch Luft weiter nichts als Dunst und Nebel, als krankhafte Traumphantasieen. Nein, sie will hoffen und ihn bewahren, den frischen, vertrauensvollen Mut. Sie will!

Aber heute kann sie nicht.

Die Menschenmenge hat sich verteilt und ist verschwunden wie der Dampf vom Schlot der Loko motive. Sie steht noch auf dem Perron und starrt

unverwandt nach der Richtung hinaus, welche der

Zug eingeschlagen, sich selbst und alles um sich her vergessend. Ihr Gedanke, ihre Sehnsucht, ihre Hoffnung zog ja mit.

Der Sturm, der wilde Herbststurm, weckt sie aus den schweren Träumen. Er kommt plötzlich um die Ecke gefahren und zupft mahnend an ihren Mantel:Geh' nach Hause!

Nicht Mitleid, sondern Bosheit und Schaden freude spornt ihn an. Er hat den weißen, dichten Schleier emporgehoben und ein blasses Antlitz und rotgeweinte Augen unter demselben gesehen, und nun will er das seine thun, um die Stimmung zu erhöhen, die in diesem Antlitz, in diesen Augen sich verrät. Um aber sein Vorhaben ausführen zu können, muß er die junge Dame nach der Linden allee locken, durch welche der Weg zu ihrem Heim führt. Denn die Lindenallee ist sein Tummelplatz. Einzig und allein, um sie dahin zu locken, hat er mahnend an ihrem Mantel gezupft. Und hier fährt er hinein in die fast entblätterten Baumkronen und wieder hinaus hinein und hinaus und schüttelt sie zornig, daß die Zweige krachen, und gleitet an den Stämmen hinab und windet sich wieder hinauf hinab und hinauf und dreht sich in rasend eiligem Wirbel und jagt das fahle, gelbe Laub in tollem Totentanz vor ihrem Fuß. Und dazu singt er mit voller Kraft sein unheimlich Lied!Hu⸗hu⸗hu... u⸗hu! Bist Du von Sinnen, Du, Du, der Du Dich jetzt hinanswagst auf die wilden Wellen, da ich mitreise?! Hi⸗hi⸗hi. i⸗i!

Wie Unheil verkündendes Eulengeschrei und bos haftes Hohngelächter hört es sich an. **

*

Bald hat sie das Haus erreicht, das sie ihr Heim nennt, und hier findet sie wenigstens Schutz gegen den Sturm, der in der Allee sein Unwesen treibt. Aber gegen den, der in ihrem Herzen tobt, und den das Unwetter draußen nach Kräften ge steigert hat, ist hier kein Hafen: denn ein wirkliches Heim ist ihr das Vaterhaus nicht trotz all seines Komforts, trotz all seiner anscheinenden Behag lichkeit. Hier sind dicke Läufer auf den Treppen, weiche Teppiche auf den Fußböden, schwere Vorhänge an Thüren und Fenstern: hier sind kost⸗ bare Gemälde und Kupfer an den Wänden, Statuetten aus Marmor und echter Bronze; hier sindstilvolle Möbeln, hohe Spiegel! hier ist alles, womit der Reichtum ein Haus zu schmücken imstande ist. Aber ein Heim ist es nicht. In den weichen Polstern findet ein sorgenschweres Haupt keine Ruhe, und vor toten Bildern und kalten Statuen kann ein kummervolles Herz nicht seine Fülle ausschütten. Nein, ein Heim ist es nicht. Das kann nur die Liebe schaffen, und an Liebe ist dieses Haus so arm. Die Mutter des jungen Mädchens ist vor vielen Jahren gestorben. Sie war die Sonne des Hauses, und seit diese Sonne erlosch, wurde es hier so kalt und so dunkel. So kalt und so dunkel und so tot.

Gortsetzung folgt.)

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