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Nr. 65
Gießen, Dienstag, den 17. März
Ausgabe
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Gießen.
Redaktion: 6 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. D Expedition: Kreuzplatz Nr. 4 8 Preis der Anzeigen: 10 Pg. für die Sbaltige Peri eile. 2. Kreuzplatz Nr. 4. — b— 5——œ————
e Aus dem Verwaltungsbericht
der Großh. Bürgermeisterei.
* Gießen, den 16. März 1896. IV. 1 Kkaufmännische Fachschule mit Lehr— 9 lingsheim.
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nterrichtet wurde, war der Winterkursus als⸗
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Eine teilweise Entlastung hat die obligatorische
1 % Fortbildungsschule erfahren durch den zunehmen⸗ 5 den Besuch der im Vorjahr vom kaufmännischen
Berein gegründeten kaufmännischen Fachschule mit Lehrlingsheim. Während in derselben im Sommer 1894 nur in Schön- und Rechtschreiben
hald von 114 Schülern(wovon 52 zum Besuch . obligatorischen Fortbildungsschule verpflichtet ewesen) besucht, doppelter und
an welche in Korrespondenz, einfacher Buchführung, kauf⸗
— nuuschem Rechnen, Wechsellehre, Französisch
und Englisch Unterricht erteilt wurde. Die
und die Erfolge dieser Fachschule durch Ver⸗ willigung eines(inzwischen auf 1000 4 erhöhten) jährlichen Zuschusses von 800* auch ihrerseits anerkannt.
Die erweiterte Handwerkerschule hatte eine stärkere, die Sonntagszeichen⸗ schule eine ähnliche Frequenz aufzuweisen wie iim Vorjahr.
I. Die erweiterte Handwerkerschule(Tagschule)
im Sommer 1894 32 Schüler Winter 1894/95 80
1
Lender 22, bezw. 71 Schülern im Vorjahr.
II. Die Sonntagszeichenschule haben besucht im
Sommer Winter 1894 1894 95 . Linearzeichnen 8 49 bezw. 34 Schüller
b. Projektionslehre 8 29 55 e. Fachzeichnen für Bauhandwerker 121 5 d. desgl. für Schreiner, Schlosser c. 27, 29 0 e. Maschinenzeichnen 2 32 24 1 1. Orstamentzeichnen 2225 5
zusammen 195 bezw. 162 Schüler
(gegen 200 bezw. 158 Schüler in 1893/94).
III. Die früher bestandene Abendschule wurde mit Rücksicht auf die dabei erwachsenden, mit dem Wert der Schule schwer zu vereinbarenden, Kosten eingestellt.
In der Aliceschule für Frauen-Bildung und Erwerb haben an den einzelnen Lehrgegen— I tländen bezw. Unterrichtskursen Teil genommen:
1894/95 gegen 1893/94
a. Weißzeugnähen 52 5 55 Schülerinnen b. Sticken 21 0 15 5 o. Kleidermachen. 25 55 24 75 d. Bügeln 8 15 7 22 15 6. Lehrerinnenkurs 7 5 6 0 b. Weihnachtskurs„ 6„ g. Kochkurs 38 1 24 5
An dem unter Leitung des Herrn Pfarrer Dingeldey stehenden Feierabend für Lehr-
Wie es kam
Novellette von H. von Schandow. (Nachdruck verboten.)
„Und Du glaubst ganz sicher, daß ich tanzen werde, Cläre?“
Die junge Frau zuckt ungeduldig die schönen entblößten Schultern.„Zweihundert Mal hab' ich Dir's wohl schon im Laufe des Tages bestätigt, daß Du ungefähr die reizendste Erscheinung des Balles sein wirst, liebste Ilka!“
Das Mädchen schiebt die Brauen in die Stirn. „Wenn nur mein Kleid gefällt! Weißt Du, für
eine Residenzmaskerade ist dies Großmutterfähnchen
am Ende zu einfach.“ Sie bindet sich ein rosen— farbenes Band um die spannenlange Taille.
„Du hast Deine Jugend, Deine Frische—“
„Und die herrlichen Blumen vom Fritz! Er ist zu nett, Dein Mann. Aber es war auch eine goldige Idee von Dir, mich durch ihn von den Eltern ausbetteln zu lassen für diesen letzten mas— kierten Ball. Ich freu' mich ja—!“
„Arme Kleine! Du wirst nicht viel Vergnügen haben. Dazu gehören Bekaunte!“
Ilka zupft an den kreuzweis gebundenen Bändern ihrer Schuhchen.„Nicht viel Vergnügen!“ ruft sie empört. Es wird sein wie im Märchen Wenn nur recht viele Ritter da wären! Und dann kann ich doch Deinen Mann heraussuchen, Cläre! Zwar den würd' ich sofort unter Tausenden erkennen, so schön wie der ist! Du doch auch?“ 8
„Das kann man vorher nicht sagen.
Mancher wird durch die Verkleidung entstellt. Ein
anderer
linge haben im Winter 1894/95 in den Abend— stunden von 6—10 Uhr im Ganzen 192 Lehr⸗ linge teilgenommen; der stärkste Besuch an einem Abend betrug 130, der schwächste 47 Lehrlinge, im Durchschnitt kamen auf einen Abend 85 Be— sucher. Die Bibliothek wurde fleißig benutzt.
Die Zahl der in der Kleinkinderschule
aufgenommenen Kinder im Alter von 2½—6 Jahren hat betragen: im Sommer 1894 196
„ Winter 1894/95 218.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 15. März. Die Sonntags- ruhe bei den Rechtsanwälten in der Provinz Oberhessen scheint jetzt Thatsache geworden zu sein. Verschiedene unserer Gießener Anwälte ver— senden ihre Briefbogen mit folgender Bemerkung versehen:„An Sonn- und Feiertagen bleibt das Bureau geschlossen. Sprechstunden in der Regel an Werktagen Nachmittags von 3—5 und sicher Samstag Vormittags von 9—12 Uhr.
* Gießen, 16. März. Am Samstag den 24. d. Mts. veranstaltet der Kaufmännische Verein in Steins Saalbau eine Abend— Unterhaltung bestehend in Theater und Tanz, deren Anfang auf 8 Uhr festgesetzt ist.
* Gießen, 16. März. Stiftungen. Die Zinsen der Engels⸗Stiftung sollen am 24. d. M. an zehn hiesige arme und würdige Familien verteilt werden. Die Famtlien, die sich um diese Stiftung bewerben wollen, müssen sich bis zum 20. d. M. bei dem Pfarrer, zu
dessen Gemeinde sie gehören, anmelden.— An⸗ meldungen zum Bezuge der A Stiftungszinsen haben bis zum 28. d. M.
bei dem Armenamt zu erfolgen.
* Gießen, 16. März. Bei dem schon von uns angekündigten Instrumental⸗ und Vokal⸗Konzert zum Besten des Fecht— vereins„Waisenschutz“ wird am Sonntag der Gesangverein Konkor dia mitwirken.
* Gießen, 16. März. Mit dem Eintritt der milden Witterung regt sich auch in unserer Stadt die Bauthätigkeit. Emsig wird be⸗ reits geschaufelt und geschachtet. In den Bureaus der Architekten wird fleißig gezeichnet, ent— worfen und gerechnet und nachher den Baulustigen klar gemacht, wie„billig“ sich so ein neues Haus stellt.
* Gießen, 16. März, Es ist in letzter Zeit zweimal vorgekommen, daß barmherzige Schwe— stern belästigt wurden. Derartige Belästigungen beweisen für denjenigen, welcher sie ausübt, eine recht rohe und gemeine Gesinnung. Jeder sollte es sich zur Ehre anrechnen, gegebenen Falles gegen solche Patrone einergisch einzuschreiten.
Aus dem Vogelsberge, 15. März. Die Influenza tritt gegenwärtig wieder in vielen Gemeinden auf. Namentlich werden ältere Leute empfindlich davon 10 15 esucht.
Büdingen, 15. März. Für den Spar⸗ kassenbezirk Büdingen wird demnäshst ein
neues Sparkassenhaus in unserem Städtchen errichtet. Das hiesige Sparkassenhaus soll nun nach dem Plan des Seligenstädter Prachtbaues eingerichtet werden. Das Sparkassengebäude in Seligenstadt erforderte einen Kostenaufwand von rund 40000 Mark.
* Darmstadt, 15. März. Zum Jubiläum des Infanterie⸗Regiments 115 stiftete der Groß⸗ herzog einen Silberaufsatz mit der Figur Hassia, die Großherzogin ein großes Gemälde, Großfürst Sergius, der à la suite des Regiments steht, ein Theeservice, die Stadt Darmstadt 2000 Mark als Fonds zur Unterstützung bedürftiger Unteroffiziere.
* Darmstadt, 14. März. Der national⸗ liberale Landtagsabgeordnete Lautz, der in der II. Kammer im Mai 1885 gegen die g hessschen vorlage betreffend die Revision des hessischen Ordensgesetzes gestimmt hatte, war deshalb von der klerikalen e e Prog ialzeg scharf angegriffen worden. Da er sich beleidigt fühlte, wandte er sich wegen Strafverfolgung an die Staatsanwaltschaft, wurde aber auf den Weg der Privatklage verwiesen. Das Schöffen— gericht Großumstadt verurteilte den Redakteur Schwenk dann auch wegen Beleidigung zu 1 Mo⸗ nat 3 Wochen Gefängnis und den Pfarrer Mischler zu Großumstadt wegen Beihilfe zu 30 1. Geldstrafe. Auf eine von Schwenk er⸗— hobene Widerklage wurde Lautz freigesprochen. Sämmtliche Beteiligten haben gegen dieses Er— kenntnis Berufung eingelegt. Die Strafkammer hat heute gegen Mischler auf 60. Geldstrafe, Redakteur Schwenk auf 4 Wochen Gefängnis erkannt und des Letzteren Widerklage gegen Lautz wegen Verjährung zurückgewiesen.
Vermischtes.
— Die Begeisterung für eine„grö⸗ ßere“ Kriegsflotte“ nimmt allmählich be— sorgniserregende Dimensionen an. Es sind Sammlungen eingeleitet worden, wie 1848, und die Erfolge sind geradezu vernichtend für die unpatriotischen Leute, welche nicht für„mehr Schiffe“ schwärmen. Namentlich die„Reichs⸗ Haupt⸗Kriegshafenstadt Wilhelmshaven hat sich hervorgethan. Das„Wilhelmsh. Tageblatt“ schreibt: Von privater Seite waren uns als Sammlung für die deutsche Flotte insgesamt 7,75 A, zugegangen, welche wir heute an die Redaktion der„Berliner Neuesten Nachrichten“ weiter befördert haben.“ Das Flottenkomitee berät nun darüber, ob angesichts dieser enormen Summe sofort der Bau eines Panzers erster Klasse begonnen werden soll, oder ob man das Geld der Marineverwaltung zur Verfügung stelle, damit diese dafür— Schmieröl für eine Dampf— pinasse beschaffe.
— Daß es in China für junge Frauen ein unfehlbares Mittel giebt, sich im Kampfe mit ihren Schwiegermüttern um die Herrschaft im Hause den voll⸗ ständigen Sieg zu sichern, zeigt Herr von Brandt, der frühere deutsche Gesandte in Peking, in seinen Sitten—
bildern aus China(Mädchen und Frauen; ein Beitrag zur Kenntniß des chinesischen Volkes, Stuttgart 1895, Verlag von Strecker und Moser) an einem selbsterlebten drastischen Fall. Nachdem der Verfasser aus einer amt⸗ lichen Kundgebung des Statthalters von Hunau den Vorschlag hervorgehoben hat, eine besondere Strafe für die Ermordung verlobter Kinder unter 14 Jahren durch ihre Schwiegermütter festzusetzen, fährt er fort:„Für eine junge Frau giebt es freilich noch eine andere Waffe, die ihr ausreichenden Schutz und mehr als den gewährt; wenn sie nämlich die Fähigkeit besitzt, zu jeder Zeit und bei der geringsten Veranlassung einen solchen Lärm zu erheben, daß, wie der Chinese sagt, Niemand mehr weiß, wo Osten oder Westen sei, Menschen und Thiere umfallen, Berge zittern und die Erde erbebt. Ich habe selbst einmal eiuem solchen Kampfe um die Oberherrschaft beigewohnt, und die Szene wird mir unvergeßlich bleiben. Ich wollte in Tungchau mein Boot besteigen, um nach Tientsin zu fahren, als ein gellendes, alle Nerven erschütterndes Ge⸗ schrei einer Frauenstimme meine Aufmerksamkeit auf sich zog; vom Dache meines Bootes aus konnte ich eine junge, hübsche, höchstens zwanzig Jahre zählende Frau auf der Erde sitzen sehen, die da schrie, was das Zeug halten wollte, während sie dabei mit dem Oberkörper sich hin⸗ und herwiegte und mit den flachen Händen auf die Erde schlug; ringsherum stand ein weiter Kreis ersichtlich in hohem Grade gespannter und amüsirter männlicher Zu⸗ schauer, welche die weitere Entwicklung des Vorfalls mit Interesse zu verfolgen schlenen. Eine Frage an meine Diener belehrte mich, daß es sich um eine junge Frau handle, die mit ihrer Schwiegermutter einen Streit gehabt habe; in der That sah ich auch bald auf dem Verdeck eines naheliegenden Bootes zwei Männer und eine Frau stehen, die von Zeit zu Zeit durch kräftige Zwischenrufe, die stets eine erhebliche Vermehrung des Geschreis der anderen Partei zur Folge hatten, der jungen Frau sekun⸗ dirten. Nachdem die Szene ungefähr eine Viertelstunde gedauert hatte, schien sich der Ehemann für verpflichtet zu halten, ihr ein Ende zu machen; er durchbrach den Kreis der Zuschauer und näherte sich seiner Frau, deren Geschrei bei jedem Schritt, den er vorwärts that, um einen Ton höher und schriller wurde. Der Mann war ein junger hübscher Bursche, dem man es ansehen konnte, wie unangenehm und in ihrem Erfolge zweifelhaft ihm die Aufgabe erschien, seiner ehelichen Autorität Geltung zu verschaffen. Als sein längeres, wie es schien, sehr freundliches Zureden unbeachtet blieb, faßte er seine Frau beim Kleide, um sie auf- und fortzuziehen, was einen so gellenden Aufschrei zur Folge hatte, daß er zum größten Vergnügen der grinsenden Zuschauer erschrocken zurück⸗ prallte. Nachdem er den Versuch noch zweimal mit ebenso geringem Erfolge wiederholt hatte, zog er sich, äußerst beschämt und dumm aussehend, als geschlagen zurück, was seine Gattin veranlaßte, ihr Geschrei zu verdoppeln. Nach einigen Minuten erschien der Schwiegervater auf dem Kampfplatze, mußte aber ebenfalls sehr bald ohne Erfolg abziehen. Das Interesse der Zuschauer wuchs ersichtlich und steigerte sich zu athemloser Spannung, als sich nach einem kurzen Gespräch mit den beiden Männern der Familie die Schwiegermama in höchst eigener Person zur Einmischung entschloß. Sowie die alte Dame den Fuß auf das Brett setzte, das vom Boot nach dem Lande gelegt war, schlug die Schwiegertochter ein schnell eres Tempo an, das sich auch durch ein womöglich noch lau⸗ teres Gebrüll kundgab. Schwiegermutter hatte entschieden, bereits ehe sie in der Nähe des Töchterchens angelangt war, jeden Gedanken an Kampf aufgegeben und war er⸗ sichtlich nur noch darauf bedacht, den Frieden unter möglichst günstigen Bedingungen für sich zu erlangen,
wiederum sieht darin so vorteilhaft wie sonst nie im Leben—“
„Aber ein schöner Mensch kann doch eigentlich gar nicht entstellt werden—“ meint das Mädchen nachdenklich und legt eine seidene Halbmaske über das reizende Gesicht.
Die junge Frau klingelt nach der Jungfer. „Lisa, Sie können die Mäntel bringen, ich höre soeben den Wagen vorfahren.“
Nach kurzer Fahrt steigen die Damen vor der Villa des Unterstaatssekretärs v. Bissing, der einen bal masqué giebt, aus.
Das Fest, der Tanz sind bereits in vollem Gange. Mit einem Lächeln tritt die kleine schuldlose
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Ilka in das bunte Gewühl ein. fache Erscheinung macht Aufsehen glänzenden Masken. Man reißt Tanz mit ihr. Sie ist selig.
Da ertönt neben ihr ein fürchterliches Kriegs— geschrei. Wild stampfend und seinen gewal— tigen Kopfputz aus Federn vor ihr schüttelnd, steht da ein Indianer mit Skalp und rasselndem Köcher. Er streckt beide Hande aus und brüllt: „Komm', armseliges Blaßgesicht! Komm'! Tanzen!“ Unter einem lustigen kleinen Schrei fliegt Ilka in seine Arme.„Ich erkenn Sie ja ganz deutlich, Fritz!“
Wirklich wie ein Wilder schwenkt der Indianer seine Tänzerin durch die Luft. Endlich stellt er sie auf die Füße, dreht sie dreimal im Kreise herum
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sich um
und ist verschwunden.
Langsam wandelt ein Paar an ihr Königin Elisabeth neben Graf Essex. Ilka errötet unter dem Blick, der ihr zufliegt aus der schwarzen Halbmaske des Essex. Ein paar grelle, schueidende Akkorde beenden den wiegenden, wogenden Walzer, der soeben noch erklang.
Graf Essex neigt seine hohe Gestalt vor Ilka und bittet um den nächsten Tanz. Die Kleine lacht und plaudert, bis vom Orchester herüber kosende Töne schmeicheln. Dann läßt sie sich von dem schlanken Essex in die Arme nehmen.
Als das Paar den Tanz beendet, legt sich eine violette Samtschleppe dicht vor Ilkas Füße. Die Königin Elisabeth, das rotumlockte Haupt gebieterisch erhoben, steht vor dem Paar.„Graf Essex, auf ein Wort,“ befiehlt sie.
Die Ahnung eines großen, großen Uuglücks kommt über Ilka. Mit einer matten Bewegung entläßt sie ihren Kavalier. Wie man sie, die Fremde, beneiden mag um die Huldigung des schönen Mannes. Ihr Blick geht ihm nach.—— Ja, so muß er ausgeseheu haben, der Herrliche, Stolze, der sein Haupt ohne Zittern auf den Block legte, um Treue und Ehre halten zu können, un— verbrüchlich! Ilka gleiten die Worte aus dem Trauerspiel„Essex“ durch den Sinn:„Ich lebte davon, daß ich stolz sein durfte—“ und:„Nur Könige sind meine Peers!“
Sie atmet tief und selig. Und er, den ihre Gedanken suchen, er sitzt nach beendeter Unterredung mit der„jungfräulichen Königin“ in einem Neben— saal, unter Freunden, zechend. Die Champagner— kelche klingen an einander.
vorüber:
„Na, auf gutes Gelingen, Meersberg!“
„Viel Glück, alter Junge!“
„Danke, danke! Wird noch Süßholz genug kosten, verlohnt sich aber auch der Mühe!“
„Wieviel kriegt sie eigentlich mit?“
„Eine halbe Million baar auf den Tisch ge— zahlt.“ Graf Essex lüftet die Maske und trocknet sich den Schweiß von der Stirn.„Kinder, seit mir der Fritz Czapski vorige Woche so obenhin von dem Goldfischchen erzählte, das sich seine Frau für den heutigen Ball einladen würde, hab' ich keine Nacht mehr geschlafen! Ihr ahnt ja nicht,— das Messer sitzt mir an der Kehle! Ich hab' Schulden wie Hagel! Mir bleibt nur eine Geldheirat oder die Kugel—“
„Hier sollte es Dir schwer werden, eine reiche Partie zu finden. Unsere Damen sind orientiert. Und dann die jahrelange Geschichte mit der Wolken— stein—— Paß, übrigens prachtvoll für die Elisabeth“, er lacht cyuisch.„Wir haben Dich nebeubei nur an der Begleitung dieser goldhaarigen Sirene erkannt— Bist ja heut ein ganz anderer Kerl! Wo hast Du die Glieder her?
„Ein paar Pfund Watte, der erste Kostüm⸗ schneider der Residenz, etbas Mammon— was glaubt Ihr, dafür könnt Ihr den Teufel tanzen sehn, viel weniger mich.“ Er klingt abschiednehmend an die Gläser der Freunde und geht, aus dem bunten Gewühl im Saal sein„Goldfischchen“
heraus zu sucen, das holde Mädchen im weißen Kleide.
Fortsetzung folgt.)


