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17.1.1896
 
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Gießen, Freitag, den 17. Jannar

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Gießen.

Redaktion:. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn und Feiertagen.. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. E Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die 5spaltige Petitzeile. 2. Kreuzplatz Nr. 4. 7 5 5 r 7 2 7 r. 8 Blücher in Gießen. Niederlage bei Leipzig mit den Trümmern seines] Ausgeburt kranker Gehirne ins Tollhaus. Frank- ein Unbekannter von untersetzter Statur im

Giesten, 16. Januar 1896.

Gestern Abend hielt im Café Balzer der O berhessische Geschichtsverein zur Feier des 25jährigen Bestehens des Deutschen Reiches eine Festsitzung ab. Herr Alfred Bock sprach überBlücher in Gießen.

Wir geben von den interessanten Ausfüh⸗ rungen, welche die zahlreich besuchte Festversam lung in eine gehobene und weihevolle Stimmung versetzte, Nachstehendes wieder:

Es war an einem der ersten Novembertage des Jahres 1813. Eine dicht gedrängte Menge füllte die Aula der Gießener Universität: Pro⸗ fessoren, Studenten, Bürger der Stadt, Soldaten und allerlei Landvolk in buntem Durcheinander. Das Katheder bestieg ein Offizier der preußischen Gardejäger und hielt eine begeisterte Ansprache an die Versammlung. Der Erbfeind ist aufs

aupt geschlagen, so rief er, die verhaßten Ketten sind gesprengt, das deutsche Volk ist frei. Die Väter werden ihre Söhne in den heiligen Kampf schicken, die Mütter werden ihnen die Waffen in die Hand drücken, kein Opfer wird verschmäht werden, die deutsche Jugend, sie wird die Hör⸗ säle verlassen, um siegreich und neu gestärkt zu ihren Studien zurückzukehren. Obwohl der Redner das Gefühl hatte, daß seine Worte Eindruck machten, war er sich doch bewußt, daß zahlreiche Franzosenfreunde unter die Versamm⸗ lung sich gemischt hatten. An diese wendete er sich, mit erhobener Stimme fortfahrend: Und wenn die Einrichtungen, welche die Franzosen hier trafen, noch so klug, wenn die Mißbräuche, die sie abschafften, noch so drückend waren, so solltet Ihr sie dennoch zum Danke auf Leben und Tod bekämpfen und aus dem Lande jagen, denn für ein Volk giebt es kein größeres Elend, kein zerstörenderes Unglück, als sich von Feinden beglücken zu lassen. Die Haltung des preußi⸗ schen Offiziers, seine ganze Erscheinung deuteten darauf hin, daß er nicht in des önigsrock hineingewachsen war, daß vielmehr außerordent⸗ liche Umstände ihn mit diesem Ehrenkleid ge⸗ schmückt hatten. In der That war der Redner niemand anders als der berühmte Schillingianer Professor Henrik Steffens, ein geborener Nor⸗ weger, der den Lehrstuhl in Breslau im Stiche 515 und in flammender Begeisterung ür die deutsche Sache zum Degen gegriffen hatte. Im Gefolge Blüchers, dessen Stab er zugetheilt war, hatte er zugleich mit dem Feld⸗ marschall mit dem 3. November das Weichbild der Stadt Gießen betreten. Redner stellt nun mit kurzen Worten die Kriegslage um diese Zeit folgendermaßen dar. Auf der Heerstraße, welche die Handels⸗Emporien Leipzig⸗Frankfurt mit⸗ einander verbindet, suchte Napoleon nach der

Heeres das Rheinufer zu gewinnen. Seine Macht war immerhin noch so groß, daß er die Heermasse des Generals Wrede bei Hanau am 30. und 31. Oktober durchbrechen und am 2. November mit 60,000 Mann, die ihm von 300,000 verblieben waren, bei Mainz den Rhein über schreiten konnte. Den Alliierten war die Aufgabe zugefallen, den Feind zu verfolgen, Schwarzen⸗ berg betrieb dieselbe aber so lässig, daß er erst in 14 Tagen mit dem böhmischen Heere das Rheinufer erreichte. Anders Blücher, der sich hart an die Franzosen herandräugte und zweifel⸗ los einen entscheidenden Schlag geführt haben würde, wenn ihn nicht in Fulda der unsinnige Befehl des Generallissimus getroffen hätte, durch den Vogelsberg nach Gießen und Wetzlar zu marschiren. Wenige Tage vor Blüchers Ankunft in Gießen brachte das offizielle Organ der hes sischen Regierung die erste Notiz über die Völker- schlacht bei Leipzig. Am 1. November veröffent lichte das Staatsministerium einen Erlaß, wonach sich Hessen vom Rheinbund lossagte und zu den Alliierten überging. Ueber die Stimmung, die zur Zeit der nationalen Erhebung die leikenden Kreise der Stadt Gießen beherrschte, liegt zu⸗ nächst der Bericht des Feldgeistlichen Dr. Rhesa vor, der besagt, daß in Gießen Lauigkeit und Kälte sich bemerkbar machte wie denn überhaupt Hessen-Darmstadt durch Anhänglichkeit an die Franzosen sich ausgezeichnet habe. Rhesa reproduziert die Rede eines hessischen Geistlichen, die den Passus enthalte:Das Unglück unserer Fein de, der Preußen ist unser Glück ge⸗ worden! Der Cameralist und National⸗ ökonom an der hessischen Landesuniversität Pro⸗ fessor Crome, hatte eine Schrift veröffentlicht Deutschlands Krise und Errettung im März und April 1813, worin er für die Auslieferung Deutschlands an Napolen und die Franzosen Propaganda machte. Blücher hatte von diesem famosen Elaborat schon unmittelbar nach der Schlacht bei Leipzig Kenntnis erhalten; als daher der Feldmarschall in Gießen einrückte, hatte sich Crome aus dem Staube gemacht. Blücher ließ dem akademischen Senat erklären, Crome könne ruhig zurückkehren, was so ein Lump denke, sei höchst gleichgiltig. Crome sagte später zu seiner Verteidigung, er habe die schmachvolle Schrift nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe folgend, verfaßt, das Manuskript sei ihm auf Drängen der Franzosen hin aus den Händen gewunden und brühwarm in die Druckerei ge⸗ schickt worden. Was jedoch Prof. Crome zu seiner Entschuldigung anführt, ist höchstwahr⸗ scheinlich freie Erfindung, denn Preußen und Russen betrachtete er als Kulturfeinde. Die Idee eines geeinigten Deutschlands verweist er als

reich gehören all seine Sympatieen, diefes Land betrachtete er als dasjenige der aufgehenden Morgenröte und die Lohe, die vom Westen her Deutschland überflammt, hat ihn vollkommen geblendet. Leider war dieser politische Stand punkt Cromes damals vielen Deutschen gemein⸗ sam. Redner zitirt Göthes Worte über Napo⸗ leon, erinnert an die Worte und Thaten des Historikers Johannes v. Müller und an die An sprache des deutschen Königs von Sachsen an den Magistrat zu DresdenAn den Kaiser Na poleon, den Sieger von Lützen, richtet Euren Dank, er errettete Sachsen und befreite Deutsch⸗ land von seinem Untergang! Auf Blüchers Befehl begab sich Henrik Steffens von Gießen nach Marburg, um auch dort für die nationale Sache zu wirken. Hier empfing den preußischen Emissär jubelnde Begeisterung und die Menge war so erregt, daß der Maire für die Franzosen⸗ freunde, die die Stadt beherbergte, zu zittern begann. Marburg und Gießen zeigten in dieser bedeutungsvollen Epoche gegenseitig eine entgegengesetzte Physiognomie. Marburg, obwohl unter französischer Herrschaft, fühlt sich Preußen innerlich verbunden, Gießen steht noch unter dem Banne Napo- leons und der Gloire der französischen Nation. Dem ganzen südlichen Deutschland galt Napoleon als der prädestinirte Beherrscher des europäischen Kontinents. Jede Auflehnung gegen die französische Herrschaft und das ist bezeichnend für den Fatalismus, der sich der Gemüter bemächtigt hatte würde selbst nach dem Ausgang des russischen Feldzugs als Wahn⸗ witz erscheinen. f (Schluß folgt.)

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 16. Jan. Von dem h iesigen Großh. Amtsanwalt werden steckbrieflich ver folgt: Weber Josef Bühler aus Kablen, früher in Gießen, wegen Betrugs; Taglöhner, früher Schreiber, Ludwig Haus aus Hangardt, Kreis Ottweiler, wegen Betrugs; Arbeiter Adolf Held aus Frankfurt a. M. wegen Diebstahls; Schlosser Emil Madetzky aus Mens bei Gör litz wegen Diebstahls; Kommis Karl Müller aus Gießen wegen Körperverletzung; Fabrik⸗ arbeiter Philipp Reuter IX. aus Wieseck wegen Diebstahls; Arbeiter Josef Strzala aus Wi⸗ wirka wegen Betrugs; Schäferknecht Heinrich Wilhelm aus Beltersheim wegen Betrugs; weiter von der Großherzogl. Staatsanwaltschaft dahier: Joh. Georg Pohl aus Merzhausen wegen Diebstahls; Wagnerlehrling Georg Schulz aus Rüdingshain wegen Sittlichkeitsverbrechens;

grauen Anzug, der am 4. ds. Mts, dem Mühl⸗ burschen auf der Tannenmühle bei Rodheim v. d. H. 30 Mk. und eine Uhr gestohlen; Adam Leinhose aus Antoniusberg bei Hutzdorf vom Großh. Untersuchungsrichter 1 dahier wegen Verbrechens gegen§ 212 Pos. 2 der C.⸗O.

Gießen, 16. Jan. Wie uns aus zuver⸗ lässiger Quelle mitgeteilt wird, soll die Bi eh⸗ marktsfrage in aller nächster Zeit die Stadt⸗ verordueten⸗Versammlung beschäftigen.

Giesten, 15. Januar. Die Monatsver⸗ sammlung des Freisinnigen Vereins wird im Jauuar ausfallen.

Gießen, 16. Januar. Am 30. ds. Mts. wird der Theater-Verein eine Operette, Suppes nach gelassenes WerkDas Modell, zur Aufführung gelangen lassen.

Gießen, 16. Januar. Im Oberpost⸗ direktionsbezirke Darmstadt gingen im De⸗ zember 1895 an Wechselstempelsteuer 12377,80 Mark ein. Einschließlich der Vor⸗ monate(ab 1. April 1895) betrug die Einnahme 115 303,20 Mk. oder 208,10 Mk. weniger als im entsprechenden Zeitraum von 1894/95.

d. Aus dem Vogelsberg, 15. Januar. Seit gestern herrscht hier ununter rochen Schnee fall. Der Schnee liegt bereits über einen Fuß hoch. Es sind Verkehrsstörungen zu befürchten.

Vilbel, 16. Jan. Der frühere Gemeinde einnehmer Hermann Rausch wurde uuter dem Verdacht, Unterschlagungen im Amte be⸗ gangen zu haben, verhaftet.

Darmstadt, 16. Januar. Wir erfahren, daß der Gesetzgebungs-Ausschuß der II. hessischen Kammer das von der Regierung vorgelegte soge⸗ nannteTanzgesetz in etwas gemilderter Form mit 4 gegen 2 Stimmen angenommen hat. Gegen dieses Gesetz stimmten im Ausschuß die Abgeordneten Metz⸗Darmstadt und Metz-Gießen. Sollte diese reaktionäre Vorlage in der II. Kammer wirklich, wenn auch in gemilderter Form, An⸗ nahme finden, dann werden die Scheerereien und Plackereien hauptsächlich für die Wirte auf dem Lande wie für die Landbewohner des Groß⸗ herzogtums kein Ende nehmen.

D. Z. Michelstadt, 16. Januar. Zwei Knaben spielten an einer Häckselmaschine. Einer derselben, im Alter von 11 Jahren, geriet mit der Hand unter das Häckselmesser und wurde ihm dieselbe quer abgeschnitten. Noch am Abend wurde das verletzte Kind in das Landkrankenhaus nach Darmstadt verbracht, wo ihm noch in der Nacht die Hand abgenommen werden mußte.

D. Z. Aus dem een 15. Januar. Die Preise für Obst, besonders für Aepfel, sind gegenwärtig abnorm hohe. Für Doppel⸗ zentner(wenn ein solcher überhaupt noch erhält⸗

Dünenzauber. Eine Strandgeschichte von Ormänos Sandor.

An einer duftenden Rosenkrauthecke bei Keitum hatten sie sich wiedergefunden. Es ist ein Selt sames mit dem Schicksal oder dem Zufall: hier rollen Tausende nebeneinanderher auf der Kegelbahn des Alltags, ohne einander zu kreuzen, oder zu be rühren, dort wieder schleudert es Existenzen wie Gummibälle über die Welt, und hier und da schlagen sie auf weite Entfernungen aneinander.

So war es mit diesen beiden geschehen.

Vor drei Jahren verbrachte Doktor Georg Rosen seine Ferien im südlichen Frankreich. Im Eisenbahnkoupee auf der Strecke Paris-Lyon lernte er sie kennen. Eine Kleinigkeit bahnte ein Ge spräch zwischen ihnen an. Zuerst sprachen sie französisch, dann fand der Doktor aus seiner schlanken blonden, blassen Reisegefährtin in der vornehmen Toilette die Ausländerin heraus und führte die Unterhaltung auf englisch weiter, und schließlich entdeckten sie sich als Lands leute sie aus dem Norden, er aus dem Süden Deutschlands aber doch beide Deutsche. Und die Landsmannschaft spann die Fäden hüben und drüben enger und dichter, als es wohl unter ge wöhnlichen Verhältnissen der Fall gewesen wäre. Ehe sie Lyon erreichten, kannte jedes von ibnen bereits die wichtigsten Daten aus des andern Leben.

Dorette von Uelzen reiste auch zu ihrem Ver gnügen. Sie war Waise! seit ihrer Mündigkeit hatte sie die Fessel, welche kleinliche und engherzige Begriffe alleinstehenden Frauen anlegen, abgestreift; ganz allein war sie hinausgezogen, um Europa zu durchreisen und die schönsten Punkte des Kontinents aufzusuchen. Nichts und Niemand hielt sie in der Heimat zurück, warum sollte sie die Freiheit

das Geschenk eines schmerzlichen Geschickes nicht verwenden wie es ihr beliebte?

In Lhon waren sie dann in demselben Hotel abgestiegen. In den nächsten Tagen waren sie viel beisammen und endlich kamen sie überein, ihre Reise gemeinsam fortzusetzen. Es reist sich ja immer besser zu zweien als allein, und der lieblichste und großartigste Aublick verliert von seinem Reiz, wenn man sich nicht zu einem Andern darüber aussprechen kann.

Wie gute Kameraden flanirten sie zusammen herum, aber allmählich verdichtete sich die freund schaftliche Sympathie, welche sie bisher für einander empfunden, zu wärmeren Gefühlen, wenigstens auf

des Doktors Seite. Ihr gegenseitiges Verhalten wurde befangener. Als sie eines Abends allein

auf der Veranda des Hotels in Marseille standen und die weichen Lüfte ihnen mächtige Ströme süßen Duftes zusandten, während der Mond sich drüben in dem blauen, zauberisch phosphoreszierenden Meer spiegelte, sagte Georg Rosen Dorette, daß er sie liebe, und daß es sein höchster Wunsch sei, sie als seine geliebte Braut in die Heimat zurückzu⸗ führen.

Aber da hatte sie den Kopf geschüttelt und ganz leise gesagt, sie werde ihm Morgen antworten und dann war sie gegangen.

Am nächsten Vormittag brachte der Kellner Doktor Rosen ein Billet von Dorette, in dem sie ihm schrieb, daß sein Geständnis, das ihr übrigens nicht ganz unerwartet gekommen, sie von ihm trenne.

Ein böser Zauber, läge über ihrem Leben, den selbst die treue Liebe eines edlen Mannes nicht zu lösen vermöge. Er möchte ihr ein freundliches An denken bewahren.... Während der Nacht war sie abgereist, ohne zu sagen wohin. Wenige Stunden nach Empfang des Billets packte auch Georg Rosen

seine Sachen und fuhr auf direktem Wege in seine Heimat zurück.

Zu Hause hatte die Arbeit, welche seine ausge⸗ dehnte Praxis ihm machte, ihm nach und nach das innere Gleichgewicht wiedergegeben, vergessen aber hatte er Dorette nicht. Es war ihm erust gewesen mit seiner Liebe zu der schönen, bleichen Nord deutschen, und darum ließ sich die Erinnerung nicht so leicht aus seinem Herzen verwischen, wie sich sonst Reiseabenteuer wohl aus dem Gedächtnis ver lieren. Er dachte oft darüber nach, welcher Sinn ihrer geheimnisvollen Andeutung zu Grunde gelegen hätte und grübelte vergeblich über das, was das Billet nicht verraten hatte, nämlich ob sie seine Neigung erwiderte. Lange beschäftigte sich seine Phantasie noch mit diesen Fragen und Rätseln, ohne daß er eine Antwort und Lösung fand, und das Alltagsleben mit seinen Sorgen und Anforder ungen überrauschte endlich jenes Erlebnis und dräugte es weiter und weiter zurück, bis es nur noch aus weiter Ferne wie ein sonniges Traumbild herüber in sein Dasein glänzte.

Der Winter und die größte Hälfte des Sommers verstrich. Jin August verbreitete sich wie ein Lauf feuer die Nachricht von dem Ausbruch der Cholera in Deutschland durch Europa. In die große nord deutsche Handelsstadt Hamburg hatte der asiatische Gast seinen Einzug gehalten, und bevor noch die durch den Ueberfall kopflos gewordene und von wilder Panik ergriffene Bevölkerung sich des ganzen Um fanges der Gefahr bewußt ward, pflanzte der un⸗ heimliche Feind bereits sein düsteres Banner in der unglücklichen Stadt auf und Tausende blühende Leben fielen seinem erbarmungslosen Würgen zum Opfer. Tod und Verzweiflung, bittere Not und grenzenlose Trauer bezeichneten seine Spuren.

Doktor Rosen war einer der Ersten, welche den Unglücklichen zu Hülfe eilten. Tag und Nacht stand

er als unermüdlicher Kämpfer auf seinem Posten in den Baracken, während in unaufhörlicher Folge Tote und Kranke in den Betten wechselten.

In einer finsteren Septembernacht, in der der Tod eine seiner furchtbarsten Ernten hielt, wurde ihm eine neue Krankenpflegerin zur Seite gestellt, eine freiwillige, unbesoldete Samariterin. Er hatte schon stundenlang neben ihr gewirkt, ohne der Person der unscheinbaren, grauen Helferin uähere Beachtung zu schenken. Aber einmal traf es sich doch, daß seine Augen das bleiche, stille Gesicht streiften, und in demselben Moment hatte er sie auch erkannt und alles der Krankensaal mit seiner melaucholischen Beleuchtung und seinen un heimlichen röchelnden, ächzeuden, schmerzverzerrten, im Todeskampf ringenden Gestalten alles ver sank vor seinen Augen.Dorette! flüsterte er. Dann ein flüchtiger Händedruck und im nächsten Moment stand wieder die Pflicht im Vordergrund seines und ihres Deukens...

Dreimal noch trafen sie zusammen, aber jedes Mal verhinderte die ernste, schwere Samariterarbeit, der sie sich beide gewidmet, eine Aussprache ihrer persönlicheu Angelegenheiten. Mit stiller Befrie⸗ digung, wenn auch mit inniger Besorgnis beobachtete er das tapfere, aufopfernde Wirken der Geliebten, die so unerschrocken wie er, Stunde für Stunde dem Tod in's Auge schaute.

Die Schreckensperiode neigte sich zu Ende. In den letzten Tagen hatte Georg Dorette nicht ge⸗ sehen, und als er sich, von quälenden Sorgen er⸗ füllt, nach ihr erkundigte, erfuhr er, daß sie bereits abgereist sei.

Wohin sie sich gewendet, wußte keiner.

(Fortsetzung folgt.)

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