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16.9.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 16. September

1896.

ssche Landeszeitung.

Ausgabe

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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Expedition: 2

Kreuzplatz Nr. 4.

Delegirten⸗Versammlung der Gewerbetreibenden und Handwerker Hessens.

* Frankfurt, 14. September 1896. (Von unserem Special-Berichterstatter.) II.

Rechtsanwalt Kalmann⸗Alzey fortfahrend: Es sei nicht zu verkennen, daß im ganzen deutschen Handwerker⸗ tand das Bestreben bestehe, manches zu bessern. Es sei nuch nicht zu verkennen, daß die Organisation, wie z. Zt. bee uns bestehe, dies nicht allein vermag. Er habe s. Zt. der Zentralstelle empfohlen, Handwerkerkommisstonen zu bilden, dle von der Zentralstelle zu hören seien, die aber auch nur von Handwerkern gewählt und aus solchen bestehen bürfen. Die Innungsbestrebungen kommen nur von den Handwerkern der großen Städte; der Handwerker auf dem Lande und in den kleineren Städten, wo diese teilweise Blätter ne auch Ackerbau treiben, will von den Innungen gar nichts bebahrk 0% wisfen. Der Fehler der preußischen Regierung ist, daß 15 alle sie in ihrem Gesetzentwurf Alles über einen Kamm schert, Petillon unte, und daher ist dieser Entwurf schon für Hessen allein un⸗ n Ganzen an, annehmbar. Der Handwerker auf dem Lande habe ganz andere Interessen, als der in der großen Stadt. Es sei anzuerkennen, daß die freien Innungen in großen Städten gutes leisten, ein Zwang, der Innung beizutreten, würde diese Institution, da wo sie existiert, nur verschlechtern. Die alte Zunft, auf die man immer hinweist, war eine Elitezunft, sie nahm nur tüchtige Meister auf, sie be⸗ stimmte die Zahl der Meister ꝛc. Nach dem preußischen Entwurf müssen aber alle Handwerker aufgenommen werden, und dadurch würde die Institution verschlechtert. Die Frage 2, ob die Bestimmungen des Gesetzentwurfs geeignet sind, eine Besserung in den Verhältnissen des Handwerks herbeizuführen, hielt die Versammlung durch

die Debatte schon für genügend erörtert. Auf die Frage 3, welchen Einfluß der Entwurf, wenn er Gesetz würde, auf den Bestand des Landesgewerbe⸗ vereins haben würde, giebt der Vorsitzende Brockmann⸗ Offenbach seine Meinung dahin ab, daß der Gewerbe⸗ verein seiner Meinung nach dann quasi lahm gelegt

werden würde. N

Zu Frage 4, im Falle der Verneinung der Fragen 1 und 2, welche andere Maßnahmen etwa zu ergreifen sein würden, um das, was der Entwurf hauptsächlich erstrebt genossenschaftlichen Zusammenschluß des Hand⸗ werks und bessere Ausbildung der Lehrlinge für ihren Beruf zu erreichen, nimmt Jutz i⸗Darmstadt das Wort und verliest einen Antrag, daß eine Umgestaltung der bestehenden Organisation des Gewerbevereins nötig sei dahingehend: der Landesgewerbeverein wählt sich seine Spitze selber, welche auch die etwa benötigten Beamten ansstellt. Diesem Vorstand würde es obliegen, organisa⸗ torisch zu wirken, alle Wünsche des Handwerks zur

Kenntnis der Regierung zu bringen. Die Zentralstelle soll Sitz und Stimme im Ministerium erhalten, es bleiben ihr die Schulen ꝛc. unterstellt, und durch gemeinsames Wirten mit dem Vorstande des Gewerbevereins soll sie in lebendiger Stimmung mit den gewerblichen Kreisen des Landes bleiben.

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Von anderer Seite wird der Wunsch ausgesprochen, der weitere Ausschuß des Landesgewerbevereins möge von der Zentralstelle häufiger berufen und gehört werden.

Brockman n⸗Offenbach tritt dafür ein, daß die Lehrlingsprüfungen allgemein von den Gewerbevereinen wieder eingeführt werden, ebenso seien Fachschulen noch mehr zu gründen, freie Innungen zu bilden, die Hand in Hand mit den Gewerbevereinen arbeiten sollen, um die Verhältnisse im Handwerk zu bessern.

8 Rechtsanwalt Kalmann⸗Alzey begrüßt den Antrag Jutzi mit Freuden. Er bezwecke dasselbe, was er bereits früher durch einen Antrag an die Zentralstelle angeregt und worüber man in Alsfeld bereits sich unterhalten, nämlich unter Ausschluß der Nichthandwerker eine Hand⸗ werkerkammer zu bilden, in der alle Berufsarten vertreten sind. Dieser, sein bei der Regierung eingereichter Antrag sei dort zur wohlwollendsten Prüfung entgegengenommen. Da sei Preußen mit seinen Innungsbestrebungen ge⸗ kommen und die Erwägungen über seinen Antrag ruhten noch, bis über den Antrag Preußens entschieden sei. Er könne versichern, daß die Zentralstelle selbst es gewesen wäre, die eine Neu⸗Organisation durchgeführt haben würde, auch wenn der preußische Gesetzentwurf unterblieben wäre. Man solle sich überzeugt halten, daß die Regierung, wenn der Antrag Preußens abgethan ist, nach der von Jutzi und ihm erwähnten Seite reformatorisch die Handwerker⸗ frage zu lösen suchen wird. Er wolle nur noch erklären, daß das, was Preußen mit seinem Gesetzentwurf erstrebe, dort vielleicht sehr gut sein mag. Man will dort auf⸗

bauen, in Hessen aber zerstört die preußische Absicht das Gute, was wir haben. Hessen giebt im Verhältnis zu Preußen zweimal mehr Geld aus für das Gewerbe, als Preußen. Es fehlt den preußischen Vorschlägensdie Bewährung, wird diese durch einen Versuch in Preußen nachgewlesen, dann haben wir immer noch Zeit, die Sache zu machen. Partikularismus sei dies auf keinen Fall. Die Forderung des wirtschaftlichen Zusammenschlusses der Handwerker sei berechtigt, dies kann aber nur zum Segen gereichen, wenn wirklich leistungsfähige Handwerker sich zusammenthun, und nicht, wenn man in die Innungen Leute mit ver⸗ schiedenen Interessen, wie sie Stadt und Land hat, zwangs⸗ weise zusammenschließt.

Der Antrag Jutzi wird verviekfältigt werden und den Einzelvereinen zur Beratung zugehen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Den Verhandlungen wohnten als Vertreter der Zentralstelle für die Gewerbe bei Sekretär Reuter und Hülfsarbeiter Noak.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 15. Sept. General⸗Versamm⸗ lung des Freisinnigen Vereins für den 1. Hess. Reichstagswahlkreis. Gestern Abend tagte im Restaurant Feidel die zahlreich besuchte Generalversamm⸗ lung des Freisinnigen Vereins. Der Vorsitzende, Rechts⸗ anwalt Metz, eröffnete die Sitzung und erklärte Namens des Vorstandes zu Punkt IJ der TagesordnungReichs⸗ tagswahl. Wenn der Vorstand diese Versammlung nicht früher berufen habe, wenn man noch nicht früher in die Wahlagitation eingetreten sei, so wäre man von der Er⸗ wägung geleitet gewesen, daß es nicht richtig sei, früher

das Pulver zu verschießen, als es nötig war. Jedoch sollte man versichert sein, daß das Rüstzeug, geistige und pekuniäre Waffen, zu dem bevorstehenden Kampfe in unserem Wahlkreise bereit liege. Was nun die Kandidatenfrage angehe, so hatte man aus nahe liegenden Gründen zuerst sein Augenmerk auf einen Mann aus unserem eigenen Wahlkreis gerichtet. Es hatte eine zeitlang den Anschein, als ob sich der alte Führer der Freisinnigen, Rechtsan⸗ walt Dr. Gutfleisch bereit finden lassen würde, die ihm angetragene Kandidatur zum Reichstage anzunehmen, jedoch Gründe rein privater Natur haben denselben veranlaßt, für dieses Mal davon abzusehen. Der Vor⸗ stand habe dann einstimmig seine Wahl für die Kandidatur auf einen Mann gelenkt, der unserem Wahlkreis kein Fremder ist. Professor Stengel-Marburg, jetzt in Greifswald, hat sich bereit erklärt die Kandidatur eventuell anzunehmen. In ihm hat man den Mann gefunden, von dem man wohl überzeugt sein kann, daß er entschiedener Anhänger der Freisinnigen Volkspartei ist und der ohne Furcht und Tadel seiner Ueberzeugung Ausdruck verleihen wird, selbst ohne Rück⸗ sicht auf persönlichen Nachteil. Stengel selbst wird einige Wochen in unseren Wahlkreis kommen, um in Versamm⸗ lungen seine Ansichten zu entwickeln und sich den Wählern vorzustellen. Abgeordneter Eugen Richter hat ver⸗ sprochen, zu Gunsten Stengels persönlich in unserem Wahlkreise zu sprechen, und so wolle denn die Versamm⸗ lung beschließen in einer zum 20. d. Mts. nach hier ein⸗ berufenen Vertrauensmänner⸗Versammlung aus dem Wahl⸗ kreis mit aller Entschiedenheit die Kandidatur Stengel zu unterstützen und für dessen Aufstellung für die Reichs⸗ tagswahl einzutreten. Die Versammlung nahm einstim⸗ mig diesen Antrag an. Hierauf nahm der Fabrikant Eichenauer zu Punkt II der Tagesordnung, Land⸗

tagswahl, das Wort und führte das Folgende aus: Wie der Versammlung wohl bekannt sein wird, ist vor wenigen Tagen ein Bericht in der Presse erschienen über die stattgehabte Generalversammlung des Nationalliberalen Vereins hierselbst, der die Erklärung enthielt, daß eine Wiederwahl unseres seitherigen Landtagsabgeordneten der nationalliberalen Partei durchaus ferne liege und daß die⸗ selbe Fühlung genommen habe mit dem Oberbürgermeister Gnauth, bezüglich dessen Aufstellung als Kandidaten zur Landtagswahl. Ferner wurde berichtet, der Ober⸗ bürgermeister habe erklärt, er würde nur dann seiner Auf⸗ stellung als Kandidat zustimmen, wenn auch die freisin⸗ nige Partei dies gemeinsam mit den Nationalliberalen thun würde. Es heißt in einem der erwähnten Zeitungs⸗ berichte weiter, daß von Seiten des Vorstandes des Nationalliberalen Vereins vertraulich Fühlung genommen werden solle mit Mitgliedern des Vorstandes des Freisin⸗ nigen Vereins. Dieses sei geschehen durch eine offizielle Mitteilung seitens des Rechtsanwalts Dr. Fuhr, worauf hin vor acht Tagen in einer Vorstandssitzung der Freisinnigen der nationalliberale Vorschlag einstimmig verworfen wurde. Der Vorstand will unseren bisherigen Abgeordneten Rechtsanwalt Metz wieder aufstellen. Diesem Beschluß lag fern der Gedanke, als erblickten die Freisin⸗ nigen resp. deren Vorstand nicht auch in der Person unseres Oberbürgermeisters einen durchaus geeigneten Mann, der in jeder Beziehung berufen wäre, unsere Stadt Gießen im Landtag

zu vertreten. Der Borstandsbeschluß sei geleitet gewesen von nur politischen Rücksichten, die wir unserer Partei schuldig zu sein glaubten. Herr Metz habe sich seit 12 Jahren der mit der Ausübung des Mandats verbundenen Mühe⸗ waltung jederzeit bereitwilligst unterzogen und sich vor Wochen berelt erklärt, wieder zu kandidieren. Redner ersucht die Versammlung, einstimmig ihre Zustimmung zu den Vorstandsbeschlüssen zu geben. Kaufmann Stie ber fragt hierauf an, welche Gründe es seien, die die Natio⸗ nalliberalen gegen unseren bisherigen Abgeordneten Metz vorzubringen haben. Fabrikant Eichenauer teilt mit, daß man sich dahin geäußert, daß die Zustimmung zum Antrag Wasserburg betreffend Wiederzulassung der Jesuiten und die Haltung des Rechtsanwalts Metz bei der Verstaatlichung der hessischen Ludwigsl⸗ bahn die Punkte seien, die es angeblich den Gegnern unmöglich machten, für Metz zu stimmen. Rechtsanwalt Metz erklärt, daß er sich nie um ein Landtagsmandat be⸗ worben, sondern daß ihm dasselbe von seinen Partei freunden stets angeboten worden sei. Die Kandidatur unseres Oberbürgermeisters seitens der Nationalliberale sei ihm überraschend gekommen, die Aufstellung gerade dieses Mannes habe nach seiner Meinung nur den Zweck, den Freisinnigen einen Prügel zwischen die Beine zu werfen. Die Taktik der Gegner, zu versuchen, einen partellosen Abgeordneten in die zweite Kammer zu wählen, sei ihm begreiflich, es sei die Angst der Nationalliberale vor dem Verlust der Majorität in dem Landtage, wozu nur die Abnahme von 6 Mandaten gehöre.(Schluß des Berichts veröffentlichen wir in nächster Nummer.)

* Gießen, 15. Sept. Der Vorstand des Gewerbehallevereins in Darmstadt hat bei Großh. Ministerium des Innern nachgesucht, eine Ver⸗ losung von In dustrie- und Wertgegen⸗ ständen zu Weihnachten l. J. veranstalten zu dürfen. Demselben ist die Erlaubnis hierzu unter der Bedingung erteilt worden, daß nicht mehr als 20000 Lose zu 1. das Stück aus⸗ gegeben werden dürfen und mindestens 65 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu ver⸗ wenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogtum gestattet worden.

D. Z. Büdingen, 15. Sept. Im nahen Calbach wurde eine arme Familie in tiefe Trauer versetzt, indem ihr Ernährer, ein noch junger Mann, tot heimgebracht wurde. Der⸗ selbe war Heizer an der Lokomotive eines N pfluges und geriet unter das Rad des in Be⸗ wegung befindlichen Dampfwagens; er wurde, zu formloser Masse zusammengedrückt, unter diesem herausgezogen.

* Mainz, 14. Sept. Gestern Nachmittag 5,40 Uhr traf der Großherzog nebst Ge⸗ mahlin in einem aus 4 Wagen bestehenden Extrazuge ein. Zum Empfang hatten sich Pro⸗ Sue Geheimrat Rothe, Gouverneur v. Holleben und Oberbürgermeisier Dr. Gaßner

2TTT 1 Marja, das Heldenmädchen

von Trausvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg (Fortsetzung.) 0Ich vermute, fuhr Kurt zu berichten fort, daß Mazja Witborg nur fortgegangen, um männ⸗ liche Hülfe herbeizuholen. Gern hätte ich ihr für ühre edle Liebesthätigkeit an einem Fremden gedankt und sie über mein Verschwinden beruhigt. O, das kann noch geschehen, erwiderte Jameson verbindlich.Ich werde gleich einen meiner Leute mit Instruktionen versehen. Derselbe soll mit Tagesgrauen nach der Witborg⸗ Farm hinüber reiten und auf dem Wege über Pretoria und Mafeking nach Buluwayo zurückkehren. Wenn Sie nur ein Paar Zeilen auf's Papier werfen wollen. Der Bote soll das Billet an Marja direkt überbringen. 297 Aber in dieser Uniform? fragte Kurt ungläubig. Seien Sie unbesorgt, beruhigte der Gouverneur. Unsere Expedition im Transvaal⸗Gebiet ist nicht ungefährlich. Darum kann jeder Soldat jeden Augenblick sich in einen Goldgräber verwandeln, und der Mann, den ich schicken werde, beherrscht die Boerensprache vollständig. Es wird alles gut ausgerichtet werden. 5 Kurt, der den Vorschlag als wohlgemeint an⸗ nahm, dankte erst wohl aufrichtig für dieses freund liche Entgegenkommen. Er fühlte sich wirklich in selnem Gewissen darüber beunruhigt, Marja über seinen Verbleib so gänzlich im Dunkeln lassen zu muülssen, ihr nicht einmal danken zu können. Sein Waunsch war es ja gewesen, sie selber aufzusuchen und mit ihrem Vater über sie zu sprechen, da eine gewisse Aehnlichkeit allerlei Gedanken über ihre Her⸗ ft in ihm erweckt hatte. Nun freute er sich, ihr ein Lebenszeichen von sich geben zu können, und die Hoffnung, daß auch sie noch seiner gedenke, erweckte einer Brust ein gewisses Glücksgefühl. Natürlich dürfen Sie auf die wahre Sachlage hindeuten, warnte Jameson.

Sie können die Zeilen lesen.

Kurt teilte mit, daß er auf eine Kavalkade ge stoßen, welche, wie er, nach Pietersburg unterwegs war, und daß er eines der Reserve-Pferde zugewiesen be⸗ kommen habe. Der Bote werde zu ihm zurück⸗ kehren und in absehbarer Zeit hoffe er selbst einen Besuch auf der Witborg-Farm machen zu können, das heißt, wenn es Marja angenehm wäre.

Nachdem Jameson den offenen Zettel, den Kurt aus seinem Notizbuch gerissen, gelesen, ging er ab⸗ seits und übergab ihn mit einer geheimen Weisung dem betreffenden Soldaten.

Diese Weisung lautete dahin, den Zettel nur dann zu übergeben, wenn Skelton so hieß der Mann es mußte, um nicht als Spion entdeckt und behandelt zu werden. Als solchen aber schickte Jameson ihn nach der Witborg⸗Farm, dessen Be⸗ wohner Vater und Tochter ihm nicht minder verdächtig waren, wie der bleiche Tom. Von Pretoria sollte dann Skelton sofort nach Buluwayo aufbrechen, um Jameson Bericht zu erstatten. Sein Pferd sollte er bei einem ihm näher bezeichneten Parteigänger einstellen.:

Hiernach kehrte Jameson zu seinem Gefangenen mit der Erklärung zurück, daß Marja schon morgen im Besitz der Zeilen sein werde.

Kurt thal es wohl, von der Abwesenden wenigstens sprechen zu können. Er legte seiner Be⸗ wunderung für das schöne Hirtenmädchen keine Schranken auf und gab den Wunsch zu erkennen, Näheres über sie zu erfahren.

Doktor Jameson hielt auch das für Verstellung, um keinen Verdacht bei ihm aufkommen zu lassen, ging aber scheinbar auf den Gegenstand ein.

Ja, ich habe auch schon wiederholt von diesem heldenmütigen Mädchen gehört, sagte er,aber gesehen habe ich sie noch nicht. 8 5

Weiß man Näheres über ihre Herkunft? forschte Kurt.Wer ist dieser Witborg? Das Mädchen sieht eher aus wie eine als Hirtin ver⸗ kleidete Dame. Ich kann mir nicht denken, daß sie

die Tochter eines simplen Boeren ist.

O ein simpler Boer ist Witborg auch nicht, lächelte der Gouverneur,eher darf man ihn einen schlauen Fuchs nennen, der alle Vorteile auszu⸗ nutzen versteht. Er hat wie, das weiß man so recht nicht Schätze angesammelt und gilt als sehr reich. Wenn er trotzdem seiner einzigen Tochter und Erbin keine höhere Bildung hat angedeihen lassen, wenn sie, wie alle Boerenmädchen ihre Schafe zur Weide führt, so ist das keineswegs ein Beweis für seine Borniertheit, man munkelt vielmehr

Was, munkelt mau?

Daß hier ein Racheakt vorliege.

Ein Racheakt? An wem?

An seiner verstorbenen Frau, die, wie man sagt, auch sehr fein war und einen großen Dünkel hatte. Sie wollte ja wohl hoch hinaus mit dem Kinde, und er wollte ein Boerenmädchen aus ihr machen. Die Gatten lebten darüber in Unfrieden, bis dann der Tod der Frau viele sagen, sie sei aus Gram gestorben diesem Kampfe der Meinungen ein jähes Ende machte. Witborg blieb ungebeugt. Er setzte sein Erziehungswerk fort; das schöne Mädchen entzückt alle, die je mit ihr in Berübrung kamen; ihr hoher Mut, den sie bei verschiedenen Begeg- nungen mit Banditen bestätigt hat, verschafft ihr ein nicht minderes Ansehen; aber was nutzt das alles. Sie ist und bleibt eine Prairieblume, zwar lieblich anzusehen, aber kein Salonschmuck.

Gespannt hatte Kurt diesen Eröffnungen ge⸗ lauscht. Was jener sagte, gab zu denken.

Kannten Sie vielleicht die Mutter? fragte er.

Nein.

Oder ihren Mädchennamen?

Auch nicht. Wie sollte ich dazu kommen! Sie interessieren sich für das Fräulein?

Nun noch mehr als vorher. Ich werde mich, sowie ich kann, an den Boeren wenden und ihn um Auskunft über Marja's Mutter bitten.

Jameson lachte.

Das haben vor Ihnen schon Andere gethan, Herr Graf!

Hat jedem mit Erschießen gedroht, der es wagen sollte, sich erustlich mit seinen Familienangelegen⸗ heiten zu beschäftigen. Es ruht da irgend ein dunkles Geheimnis, welches zu hüten der Alte alle Ursache hat. Sie, Herr Graf, werden den Schleier davon auch nicht heben.

Ich werde es thun, versicherte Kurt,und vielleicht ist er schon gehoben. Wenn die Ver⸗ mutungen, die Sie mit Ihren Mitteilungen in mir wach gerufen haben, sich bestätigen, müßte ich es als eine ganz besondere Gunst der Vorsehung an⸗ sehen, Ihnen begegnet zu sein.

Was Sie sagen?

Jameson begleitete seinen Ausruf mit einem boshaften Lächeln. Er deutete Kurts ernst gemeinte Worte in seinem Sinne. Ein sehr schlauer Herr, dieser Graf Hallern, der fremd nach Trausvaal kam und gleich so handelte, als wäre er berufen, ge⸗ heimen Verbindungen nachzuspüren und das eng⸗ lische Element kampfunfähig zu machen! Dazu diese gut erfundenen Geschichten, die er mit dem Anschein vollster Wahrheit vorzutragen verstand! Ein feiner Diplomat im Transvaalischen Sinne des Wortes. Wie schnell sich diese eingewanderten Deutschen doch einzuleben und einzuschmeicheln verstanden! Ein ge⸗ fährlicher Mensch, dessen Aufhebung im rechten Augenblick einem ersten Siege gleich kam. Während Jameson darüber nachsann und ge⸗ dankenvoll den Rauch von sich blies, beschäftigte sich Kurt voll und ganz mit der Person der schönen Marja. Alle gemachten Andeutungen des Engländers ließen erkennen, daß sie diejenige war, nach der er suchte. Und so nahe seinem Ziel, hatte er un⸗ schuldig in Gefangenschaft geraten müssen, um nun auf lange seine Nachforschungen zu unterbrechen! Auch nachdem Kurt die müden Augen geschlossen hatte, lebte er im Banne dieser schönen Erscheinung. Nur sah er jetzt das Boerenkind als vornehme Dame an seinem Arme den Ballsaal durch schreitend als Königin des Festes.

Und er?

(Fortsetzung folgt.)