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16.2.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 16. Februar

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Gießen.

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Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

D Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer.

V Darmstadt, 14. Februar. Die zweite Kammer nahm heute die Antwort der stegierung auf die Interpellation Schröder's betreffs der Einführung von Erleichterungen für den Personen berkehr bei der Main⸗Neckarbahn entgegen. Sie lautet dahin, daß für die Einführung zehntägiger Retour billete eine Einigung zwischen den betheiligten Regierungen

licht erreicht werden konnte, und für die Einführung von Fahrscheinen und Kilometerheften liege ein Bedürfniß für

die Main⸗Neckarbahn allein nicht vor. In der nach⸗ folgenden Besprechung kam zum Ausdruck, daß die Durch führung der Reformen durch die Vielköpfigkeit der Ver⸗ waltung erschwert werde; es wurde auch zu verstehen gegeben, daß der Widerstand Preußens nicht zu überwinden War. Zum Antrag Köhler, betreffend die Landes- tkulturgesetzgebung, wurde beschlossen, die Regierung möge eine Förderung des Fortgangs der Landeskultur⸗ unternehmungen aller Art dadurch herbeiführen, daß den Candeskulturbehörden eine unausgesetzte Belehrung und Anxegung zur Pflicht gemacht und im nächsten Staats budget ein wesenlich höherer Betrag für Landeskulturzwecke eingestellt und namentlich auch das kulturtechnische Per⸗ sonal vermehrt werde. Auch sollen namhaftere Staats⸗ zuschüsse zu kulturtechnischen Unternehmungen zur Verfüg⸗ ung gestellt werden.

Die Anträge Ritter wegen des Ausschlages auf die Normalsteuerkapitalien, und Wernher auf Bildung eines Dispositionsfonds für bestimmte landwirthschaftliche Zwecke aus den 1893 bewilligten und in die Staatskasse zurück⸗ fließenden Nothgeldern wurden abgelehnt. Möllinger und Gen. richteten eine Interpellation an die Regierung, ob sie nicht gesonnen sei, das 1892er Reichsgesetz, betr. den Verkehr mit Wein, strenger als vorher zu handhaben.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 14. Febr. In der letzten Mo natsversammlung des nationalliberalen

Vereins hat nach einem Bericht desGießener

Anzeiger Herr Stadtverordneter Jean Kirch Anscchten über die Verhältnisse zwischen den bür⸗ gerlichen liberalen Parteien entwickelt, die sicher lich nicht einmal von allen seinen Partei⸗ en- bunf gebilligt werden. In freisinnigen Krei⸗ en dürfte dies noch viel weniger der Fall sein.

Die Aeußerungen des Nationalliberalen, die dahin gehen, daß die Parteien friedlich nebeneinander hergehen sollten, können nicht Es liegt im Wesen einer politischen Partei, daß sie ihre Grund sätze zur Geltung bringt, daß sie gegen diejenigen kämpft, welche andere Grundsätze auf ihre Fahne geschrieben haben. Denn durch Rede und Gegenrede kommt der Wahrheit spröder Kern zu Tage! Wenn aber die Parteien mit öliger, glatter Complaisance sich begegnen, wie dies Hr. Kirch für den wünschenswerten Normal ustand erklärt, dann verödet und versumpft das Fan und das Stillleben der bürgerlichen

arpfenteiche wird dann empfindlich gestört, wenn

einmal ein demokratischer oder gar sozialdemo

kratischer Hecht hineingerät. Was heißt bür⸗ erliche Parteien? Sind nur die National⸗ iberalen und die Freisinnigen Bürger? Werden nur sie zum Landheer und zu der Marine aus⸗ ehoben, zahlen nur sie Steuer? Nein, Bürger ind wir Alle, dies ist zutreffend vor Kurzem von dem gestern imGießener Anzeiger ange⸗ griffenen argen Politiker in einem Bürger⸗ verein ausgesprochen worden. Und bekämpft man die Sozialdemokratie, indem man in geschlossenen frei⸗ sinnigen oder nationalliberalen Konventen über die

Pflichten des Bürgertums sich belehren läßt oder

0 Schoppen trinkt? Nein, nicht durch usschluß der Anhänger der sozialdemokratischen Lehre von dem BegriffBürgertum, nicht durch das Wegdrängen dieser Bürger von der städtischen Vertretung kämpft man gegen die sozialdemo kratische Lehre; wer sie mit Erfolg bekämpfen will, muß sie zunächst studieren und kennen lernen, er muß die Wurzeln, aus denen si Penang e ist, kennen, er muß prüfen, was erechtigt ist und was über berechtigte Ziele hinausschießt. Dann kann er kämpfen und dann ist für diesen Kampf allein tauglich und auch anständig die geistige Waffe, das Wort, die Schrift. Nicht die Gewalt,

nicht die Macht, sei sie geübt vom Schutzmann

mit Säbel oder Gummischlauch oder von vereinig⸗ ten Bürgerparteien, die sich zusammengeschlossen haben, um den Sozialdemokraten den Garaus zu machen. Wie können aber ferner Parteien wie die freisinnige und die nationalliberale ernstlich an eine dauernde und nützliche Vereinigung denken, wie können sie Brücken von einem Lager zum anderen schlagen wollen, auf denen man

gehen kann? Und wie kann der nationalliberale Redner dies ohne eine Verleugnung grundsätzlicher Begriffe für möglich halten? Die freisinnige Volkspartei hat ein bestimmtes, scharf um rissenes wirtschaftliches Programm, sie steht im Streit der wirtschaftlichen Fragen überall im ersten Glied, sie bekämpft nament⸗ lich jegliches Sonderinteresse, sie geht nach Meinung Mancher darin sogar zu weit. Die freisinnige Volkspartei streitet für die Erhaltung des Reichswahlrechts! Und die National- liberalen! Die wirtschaftlichen Fragen, die heute die Welt bewegen, lassen sie unbeantwortet, es kann jeder machen, was er will. Und so haben denn auch Mitglieder ihrer Partei den Antrag Kanitz unterstützt! Aber auch in rein politischen Fragen, wie in der des Reichstags wahlrechts, sind die Nationalliberalen nicht kapitel fest. Schon 1887 wollte dieKölnische Zeitung die Axt an das geheime Wahlrecht legen. Und nun die persönliche Seite der Sache! In Gießen haben die Parteien früher nie fraternistert. Der freisinnige Teil ist niemals dem wachsweichen Rickertschen Freisinn zugethan gewesen, er war und ist entschieden freisinnig, er ist frei⸗ sinnig Richterscher Observanz. Das ist eklatant bewiesen in 1893, als der zweifelhafte Hr. Dove aufgestellt war, da gingen die Bürger scharen⸗ weise hin und wählten sozialdemokratisch. Dem⸗ emäß haben denn auch die Führer der hiesigen 2 1 8 5 und der hiesigen nationalliberalen Partei sich niemals wie Kartellbrüder zu einander verhalten und in süßlichem Redegeplauder sich miteinander unterhalten, sondern sie haben sich kräftig bekämpft. Mit dem persönlichen Ver⸗ hältnis braucht das nichts zu thun zu haben, obwohl auch dieses manchmal berührt wurde. Und da kommt nun Herr Kirch als Friedens⸗ taube und proklamiert diegroße liberale Partei. Man muß einige Jahre geschlafen haben, um an die Existenzfähigkeit dieses Gebildes noch glauben zu können. Das mögen die angesehenen und einflußreichen Führer, mit denen Herr Kirch liebenswürdige Worte getauscht haben will, nicht ver⸗ gessen, daß die freisinnige Volkspartei eine Kampf⸗ partei ist und daß ihre überzeugten Anhänger ein Techtelmechtel mit den National⸗ liberalen nicht vertragen!

*Giesten, 15. Febr. Die von Großherz. Handelskammer einberufene Versammlung des hiesigen Handelsstandes tagte am 13. cr. abends von 9 Uhr ab im Hotel Einhorn, um über den Bau einer Kaufmännischen Fachschule eingehend zu beraten. Der Vize präsident Großherz. Handelskammer, Herr Scheel, eröffnete die Versammlung, verkündigte, daß seitens der Stadt in daukenswerter Weise der nötige Bauplatz unentgeltlich bedingungsweise zur Verfügung gestellt sei, machte ausführliche Mit⸗ teilung über das in obengenannter Angelegenheit bis jetzt Geschehene und betonte dann mit kernigen Worten, daß nun die Pflicht an den hiesigen Handelsstand herangetreten sei, thatkräftig Hand ans Werk zu legen. Er ersuchte sodann den Herrn Lehrer Knauß, der Versammlung über Stand und Einrichtung der Schule sowie Be dürfnis besserer Räume Mitteilung zu machen. Dieser verbreitete sich nun in ausführlicher Weise über genannte Punkte anknüpfend an den Ge⸗ danken, daß der Wettbewerb ein größerer ge worden und deshalb der Kaufmann eine tüchtige, berufliche Ausbildung bedürfe, wenn er mit ziel bewußter Thatkraft hinaustreten, den Konkurrenz kampf aufnehmen und im hochbrausenden Zeit strom nicht untergehen wolle; er beleuchtete ferner die Bedürfnisfrage ausgehend von den Gesichts punkten der Hygfeine, der Gefahren und der Un⸗ sicherheit. Herr Katz, welcher hierauf das Wort ergriff, erklärte nun in treffenden Worten, daß er und sicher mit ihm die ganze Versammlung von dem Bedürfnis überzeugt sei, und empfahl nun weiter zu beraten, wie man dem Ziele näher kommen könne. Herr Orbig, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins, gab alsdann Kenntnis von den Gedanken, welche den Vorstand bei Gründung und Weiterführung leiteten und er klärte dann bestimmt, daß, wo jetzt der Stadt vorstand und die Großherz. Handelskammer dem Kaufmännischen Verein ihre kräftige Unterstützung bewiesen und der gesamte Handelsstand dies auch thun werde, die Sache nun sicher zum Ziele geführt werden könne. Herr Koch, Prä sident der Großherz. Handelskammer, erwähnte lobend dieveistungen der Kaufmännischen Fachschule, von welchen er sich selbst überzeugt habe; er hege, so sprach er weiter, die feste Hoffnung, daß der Staat sich noch zu Unterstützungen herbei

lassen werde; ganz besonders aber solle und

werde der Kaufmannsstand Gießens nicht zurück bleiben, ein so zeitgemäßes Unternehmen kräftig zu unterstützen. Auch Herr Kommerzienrat Heyligenstädt sprach sich sehr anerkennend über die Leistungen der Fachschule aus und empfahl warm dieselbe zu unterstützen, ganz be sonders der Großherzogl. Handelskammer. Nach dem sich unn noch die Herren Eichenauer, Wetter und Vaubel an der Debatte beteiligt hatten, wurde zum Schlusse die Notwendigkeit und Möglichkeit, eine Kaufm. Fachschule zu er⸗ bauen, eingesehen und dem Vorstande des Kaufm. Vereins empfohlen, in den nächsten Tagen eine Liste behufs Zeichnung freiwilliger Beiträge zirkulieren zu lassen, mit der zuversichtlichen Hoffnung, daß selbst bei öfterer Inanspruchnahme der hiesige Handelsstand doch auch für diesen Zweck noch etwas übrig haben werde.

* Gießen, 15. Februar.(Berichtigung.) Die karnevalistische Sitzung in der Re⸗ stauration zum Herkules findet nicht, wie irr tümlich im Inserat unserer gestrigen Nummer berichtet, am Sonntag, den 15. Februar, sondern Samstag, den 15. Februar, statt. Das Präsidium liegt in den Händen des Humo risten Joppani und des Kapellmeisters Otto Wyner.

Gießen, 15. Februar. In den Monaten Juli bis September des Jahres 1895 sind im Großherzogtum im Ganzen 5016 Todesfälle (ausschließlich Totgeborene) vorgekommen; gegen über dem vorausgegangenen Quartale, in welchem 5161 Todesfälle verzeichnet waren, hatten sich dieseldben um 145 vermindert, es sind von 10,000 Einwohnern nunmehr 48, gegen 50, verstorben. Von den Provinzen des Groß⸗ herzogtums hatte Starkenburg 2324 Todesfälle (im II. Jahresquartale 2168), Oberhessen 996(1255) und Rheinhessen 1696(1738) aufzu⸗ weisen; es waren die Sterblichkeits ver- hältnisse, wie auch im II. Quartale, a m günstigsten in der Provinz Oberhessen mit einer Sterblichkeitsziffer von 37% gegen 475%% im vorhergehenden Quartale, dann folgt Rheinhessen mit der erheblich höheren Sterblich keit von 52,5%, gegen 54,0% und Starken⸗ burg mit 53,7%% gegen 50,% o; die letztge⸗ nannte Provinz weist sonach eine geringere Zu⸗ nahme der Sterbefälle auf, während Rheinhessen eine unbedeutende und Oberhessen eine sehr er⸗ hebliche Abnahme derselben konstatieren lassen.

*Giesten, 14. Febr. Verkauft wurde heute die Gast⸗ und Logierwirtschaft des Herrn Karl Wittmann, Schanzenstraße 2(früher Loth), für den Preis von 31800 Mark an den Wirt zumKometen Herrn Carl Rühl hier.

* Gießen, 15. Februar. Ueber den Ko n⸗ flikt, der zwischen den hiesigen Korps und dem Inhaber der Lotz-Kneipe ausgebrochen ist, haben wir schon in unserer vorgestrigen Nummer berichtet. Heute bringt die bürgerliche BerlinerVolksztg. einen längeren Artikel, in welchem über die Ursache des Konflikts u. A. gesagt wird:

Daß die Akademiker aber so wenig Tugend hatten und sich nicht genirten, in Gegenwart der Frau des Wirtes die gemeinsten Zotenlieder zu singen, ging denPhilistern doch über die Hutschnur. Und so ließ man durch den Wirt die Angehörigen des KorpsHassia diese waren die Sänger bitten, doch diesen Sang mit dem gemeinen Text zu unterlassen. Vergeblich, die Herren stimmten einen neuen Vers mit noch saftigerem Inhalt an, und als sich der Wirt nun energischer dieses Gebahren verbat, verließen die Hessen unter Mitnahme ihrer Kneipkappen das Lokal. Am kommenden Morgen beschwerte sich eine Abordnung des Korps beim Brauereibesitzer Asprion wegen des Benehmens des Wirtes und verlangte dessen sofortige Entlassung, im andern Fall würden alle drei Korps das Lokal für den S. C. in Verruf erklären. Die Brauerei aber erklärte, ihr Zapfer habe vollständig Recht gehandelt und sie hätte keine Veranlassung, den Mann brodlos zu machen.Hessen undStarken⸗ burger meiden seitdem die altgewohnte Kneipe, die ersteren beziehen auch seit dem Vorfall für ihr Korpshaus kein Bier mehr von Friedel und Asprion, während dieTeu⸗ tonen nach wie vor gern gesehene Gäste der Lotz'schen Wirtschaft sind. Da nun die beiden anderen Korps die Kneipe mieden, stellte vor einigen Tagen die Brauerei folgendes Ultimatum: Die Lotz'sche Wirtschaft hört auf, S. C.⸗Lokal zu sein und wird der gesamten Studenten⸗ schaft geöffnet, im Fall die drei Korps sich nicht ver⸗ pflichten: erstens sämtliches Bier, welches in ihren Korps⸗ häusern verzapft wird, von der Brauerei Friedel u. As⸗ prion zu entnehmen; zweitens jedes Korps muß wöchent⸗ lich drei Frühschoppen mindestens in der Woche bei Lotz machen; drittens verlangt die Brauerei pro Woche drei Abendkneipen pro Korps in ihrem Lokal. Nach dem Em⸗ pfang dieser Erklärung bequemten sich die das Lokal meidenden beiden Korps, mit der Brauerei zu ver⸗ handeln. Sie proponirten: der Zapfer solle ich bei den Hes

sen entschuldig en(Y und es würde sofort das alte Ver⸗ hältnis wieder hergestellt werden. Davon will aber weder der Zapfer noch die Brauerei etwas wissen; die Brauerei harrt nach wie vor auf dem Zugeständnis ihrer Bedingungen. Man sieht dem Ausgang dieses eigen⸗ tümlichen Bierkrieges in unserer Universitätsstadt mit täg⸗ lich wachsender Spannung entgegen, um so mehr, als nicht nur die Bürgerschaft, sondern auch die Konkurrenz der Brauerei, dem Wirt und der Firma Friedel und Asprion vollständig Recht giebt.

Die Redaktion derVolksztg. bemerkt in dem Bericht u. A.?Die ganze lächerliche An⸗ maßung der sog.Elite unserer Studentenschaft, als welche sich die Korps zu geberden pflegen, kaun nicht erbärmlicher zu Tage treten, als es hier geschehen ist. Zugleich zeigt sich hier die pöbelhafte Verrohung der Sitten und die Verkommenheit des guten Geschmacks, welche für viele unserer akademischen jungen Herrchen aus den angeblichbesten Klassen charakterisch ist, in abschreckendster Gestalt...

Und aus der Reihe solcher auf dem tiefsten Niveau der sittlichen und der Gemütsbildung stehenden teutschen Helden gehen Männer hervor, die sich sicherlich dereinst als die berufensten Stützen des Staates im Kampfe für Religion, Sitte und Ordnung aufspielen werden! Wehe dem Sozial⸗ demokraten, der ihnen einmal als zukünftigen Staatsanwälten und Richtern in die Hände fallen wird! Da wird verdonnert wegengroben Unfugs, wenn der Boykott verhängt wird, während die jungen Herren hier den schlimmsten und ungerechtfertigsten Verruf verhängen! Da werden, um den Staat gegen die Gelüste des Umsturzes zu retten, harke Strafen beantragt und verhängt werden, wenn sich ein armer Ar beiter, der Versuchung unterliegend, gegen das Strafgesetzbuch vergeht, während diesejungen Herren jetzt den Respekt vor den herrschenden Klassen, den der Arbeiter im Allgemeinen noch hat, aufs Frivolste und Gemeinste untergraben durch ihr unqualifizierbares Gebaren. Nur zu! Solches Treiben öffnet dem Volke die Augen über dasWohin? besser als tausend Leit⸗ artikel!

9 Darmstadt, 14. Febr. Acht Gins⸗ heimer Fischer waren vor der hiesigen Straf⸗ kammer angeklagt, den Lieutenant Turner vom 87. Inf.⸗Regimeut in Mainz überfallen und ihn mittelst gefährlicher Werkzeuge miß⸗ handelt zu haben und zwar in einer das Leben gefährdenden Weise. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß Turner mit einer englischen Angel gefischt hatte, wozu er sich berechtigt glaubte. Auf dem Hinweg begegnete er dem Fischer Reinheimer mit feinen Söhnen und anderen Fischern. Reinheimer fragte, wer dem Lieutenant das Recht zum Fischen gegeben, worauf dieser antwortete, er habe sich dieses Recht genommen. Das gab sofort Anlaß zu den gemeinsten Schimpfereien seitens der Fischer. Der Offizier blieb ruhig und sagte den Leuten, wenn sie sich in ihren Fischereigerechtigkeiten ver⸗ letzt fühlten, möchten sie Strafantrag stellen. Sofort ließ Reinheimer nun seinen Nachen wenden und verfolgte den Offizier. Man wollte ihm die englische Angel abnehmen; bei dem Be⸗ streben, dies zu verhüten, fiel Turner nun ins Wasser und wurde mit Bootshacken und Rudern mißhandelt. Nur seiner Geistesgegenwart und Gewandtheit hatte es Turner zu verdanken, daß er, allerdings schlimm zugerichtet, das Land er⸗ reichen konnte. Das Urteil gegen Reinheimer sen. lautete auf 6 Monate, gegen seine Söhne uud die anderen auf geringere Gefängnisstrafen. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen.

Neueste Telegramme.

Hd. Paris, 15. Februar. In Toulouse haben gestern die Verhandlungen in dem von dem Direktor der Glashütten in Carmaux Resseguier, gegen den Sozialisten Jaures, und zwei Blätter angestrengten Prozeß wegen 500000 Francs Schadenersatz begonnen.

Hd. Paris, 15. Febr. Der vom Senat gegen die Regierung geplante Feldzug wird von der gesamten Presse eifrig besprochen. Man ist der Ansicht, daß der Senat, der meist aus Konservativen und gemäßigten Republikanern hesteht, den Präsidenten zwischen Kammer und Senat zu stellen suchen wird, um denselben zur Auflösung der Kammer zu treiben und so den Radikalen zu entgehen. Die radikale Presse ihrerseits triumphiert und kündigt an, daß der Tag der Vergeltung nahe sei.

Hd. Madrid, 15. Febr. Aus Havanna wird gemeldet, daß General Weyler an alle

Landleute den Befehl erlassen habe, sich nach den