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mburg auf Flasche auf Antrag Metz der Regierung Mk. 20,000 jährlich für
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Die Vorlage des Voranschlages des Großherzog—
Gießen, Sonnabend, den 15. Februar
1896.
Ausgabe
che Landeszei
Gießen.
lung.
Redaktion:. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. Kreuzplatz Nr. 4. ——— 3 7 n 5 2 2 2 2 2—
Zweite Kammer.
Darmstadt, 13. Februar.
Die zweite Kammer erledigte heute eine Reihe kleiner Vorlagen und Gesuche. Sie berieth sodann den Antrag Köhler und Genossen auf Errichtung einer staat— lichen Lande sviehversicherungsanstalt. Die Re— gierung hat dazu geantwortet, daß ein Gesetzentwurf auf Grund von Kommissionsberathungen in Aussicht stehe. Von Köth, obwohl er den Versicherungszwang für noth— wendig hält, warnt vor Errichtung einer obligatorischen Staatsanstalt, eine solche hätte sich, wie das Beispiel in Mähren, Belgien und Baden zeige, nirgends bewährt. Ullrich sprach sich für Ortsversicherungskassen aus, die zu einem über das ganze Land reichenden Verband zu⸗ sammenzuschließen seien. Hir sch empfahl Ortskassen auf Gegenseitigkeit mit staatlicher Rückversicherung. Nach längerer Debatte wird der Antrag Köhler mit Rücksicht auf die zu erwartende Vorlage für erledigt erklärt. Eine Vorlage, durch welche den Kreis veterinärärzten höheres Gehalt gewährt wird, fand einstimmige Annahme. Nach Ablehnung des Forstschutzgesetzes haben die Abg. Köhler und Genossen die Vorlage eines Gesetzes über Neuordnung der Gehalts-, Pensions⸗ und Wittwengehalts⸗ verhältnisse der Kommunalforstwarte beantragt. Der Abg. Metz(Darmstadt) hatte die Aufbesserung der Gehalte der Gemeindeforstwarte und Bewilligung von Ruhegehalten in Antrag gebracht. Die Regierung sprach sich gegen beide Anregungen aus, da sie der Ansicht ist, daß die Regelung der Verhältnisse nur durch den, von dem Landtage wiederholt abgelehnten Gesetzentwurf, die „Organisation des Forstschutzes betreffend“ erfolgen könne. Als der antisemitische Abg. Bähr mehrmals Handlungen bes Prässdenteu Weber kritisierte, provozierte dieser nach zweimaliger Verwarnung einen Beschluß der Kammer, durch den dem Abg. Bähr das Wort entzog en wurde. Staatsminister Finger wies gleichfalls eine Bemerkung des Abg. Bähr, als habe die Regierung mit dem Forst⸗ cchutzgesetz geflunkert, sehr entschieden zurück. Beschlossen burde, dem Antrag Köhler keine Folge zu geben, dagegen
Hessischer Landtag.
Verbesserung der Gehalte der Gemeindeforstwarte zur Ver⸗ fügung zu stellen.
Tofalcs und Provinzlelles
Gießen, 14. Febr. Im Großherzogtum gab es im Jahre 1894/95 neun Gym nasien, an denen 209 Lehrer wirkten. Die Schüler— deen. betrug 3125. Realgymnasien und 15 ealschulen giebt es 18 mit zusammen 248 Lehrern und 5399 Schülern. Die höhere Bürgerschule zu Gernsheim zählt 10 Lehrer und 109 Schüler. Ueber das Gymnasium in Gießen erfahren wir Folgendes: Die Zahl der Lehrer belief sich auf 20, davon waren 17 ordentliche und 3 außerordentliche. Besucht wurde das Gymnasium von 388 Schülern. Das hiesige Realgymnastum und die Realschule ver⸗ fügten über zusammen 30 Lehrkräfte. Die Zahl ver Schüler 1 05 im Realgymnasium 279, in ver Realschule 302, die Nec Vorschule wurde von 133 Schülern besucht. * Gießen, 13. Februar.(Stadtverord— beten⸗Sitzung.) Oberbürgermeister Gnauth tröffnete um 3% Uhr na ymittags die Sitzung.
lichen Realgymnasiums und der Realschnle pro 1896/97 welcher mit Mk. 97,394 in Einnahme und Ausgabe abschließt, fand keine Erinnerung ser Stadtverordneten⸗Versammlung. Die Stadt shießt zu deu persönlichen Ausgaben die Hälfte it Mk. 20,600 zu, trägt die sachlichen Ausgaben in Höhe von Mark 6240.— Das Gesuch der Firma W. Zurbuch um Erlaubnis zur Erbauung eines Schuppens in der Goethestraße wird wider⸗ ruflich genehmigt.— Als Name für die im lechten Winkel an der Bleichstraße nach der Stephanstraße führenden neuen Straße schlägt de Baudeputation die Bezeichnung Bruchstraße, hon dem in der Nähe fließenden Bruchgraben hergenommen, vor. Stadtverordneter Kirch schlägt bngegen die Bezeichnung Pestalozzistraße vor, luchdem von anderer Seite der Name Bender⸗ sraße 1 war. Das Kollegium aceptiert aber den Vorschlag der Baudeputation. stadthauamt und Baudeputation erkennen die ißstände in der obern Frankfurterstraße an ed schlagen zur gründlichen Hebung derselben n vollstäudigen Ausbau dieser Straßenstrecke r. Es werden verlangt und pro 1896,97 be⸗ ulligt Mark 33,700 zur Regulierung und zum Ausbau der Frankfurterstraße von der Eisen⸗ gchnüberführung bis zur Straße nach der schiatrischen Klinik nach einem der Versamm⸗ ig vorliegenden Plan. Der Ausbau des stes dieser Straße bis zur Weichbildgrenze,
ullcher später auszuführen sein wird, erfordert
Trottoirs in nachstehenden Straßenzügen: Garten— straße, Kirchenplatz Ostseite), Goethestraße(vom Seltersweg) und Schanzenstraße, die von der
Baudeputation vorgeschlagen, werden pro 1896/7 Mk. 8700 gefordert. Stadtverordneter Wallenfels bittet doch den Teil der
Wetzsteinstraße, der in der Nordanlage mündet, zur Regulirung im Etat 1896/97 mit einzustellen. Oberbürgermeister Guauth bemerkt, daß dieser Teil der Straße noch Privatstraße sei und zur Seuling'schen Masse gehöre, mit deren Ku— ratorium augenblicklich Verhandlungen schweben. Stadtverordneter Habenicht empfiehlt, eine Repa⸗ ratur der Markstraße zu berücksichtigen, die als lebhafte Passage dringend deren bedarf. Stadt— verordneter Haubach empfiehlt bei der Trot— toir⸗Anlegung doch mehr die Altstadt zu berücksich— tigen. Die eine Seite des Neuenweges, der Kirchen— platz vor der Apotheke und dem Ferber'schen Hause und die Wagengasse könnten nötiger ein erhöhtes Trottoir vertragen als die Gartenstraße, er beantrage die für diese vorgesehenen Mk. 2500 für die von ihm benannten Straßenstrecken der Innenstadt zu verwenden. Oberbürgermeister Gnauth weist darauf hin, daß im Neuenweg und am Kirchenplatz, dort wo die erhöhten Bürger⸗ steige fehlen, die Anlieger solche s. Zt. nicht nur nicht gewünscht, sondern erklärt haben, daß sie Nachteile davon zu gewärtigen hätten. Die Wagengasse halte er für eine ganz untergeordnete Straße. Stadtverordneter Haubach weist auf die ganz unhaltbaren Zustände der Wagengasse hin, welche er als Zugangsstraße zum Stadtpostamt für sehr wichtig hält. Oberbürgermeister Gnauth verspricht, die vorgetragenen Wünsche aus der Mitte der Versammlung zu prüfen und zur thunlichsten Berücksichtigung der Baudeputation zu unter⸗ breiten. Die Versammlungbeschließt den Punkt von der Tagesordnung abzusetzen und sich ihre Beschluß⸗ fassung über die Verwendung der geforderten Mark 8700 bis zur Budgetberatung pro 1896/97 vorzu— behalten.— Im Schulhause ist die Vermehrung der Aborte und die Schaffung eines weiteren Schulsaales nötig. Um diesen Schulsaal schaffen zu können, muß die Schuldienerwohnung ver— legt werden und wird vorgeschlagen, demselben außerhalb des Schulgebäudes ein Wohnhaus zu errichten. Die Versammlung giebt hierzu ihre Zustimmunug und genehmigk die Ausgaben in der Gesamthöhe von 8700 Mark. Ueber die der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagene Aenderung des§ 7 des Statuts betr. die Dienstverhältuisse der Gemeindebeamten entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Nach den seitherigen Satzungen steigt das Gehalt von 5 zu 5 Jahren, allerdings um höhere Beträge als die Aenderung sie nun alljährlich vor⸗ schlägt. Diese Neuerung wird vom Oberbürger— meister Guauth damit begründet, daß erstens der städtische Finanzplan allmählich mit der Erhöhung belastet wird und damit das sprungweise An— schwellen von 5 zu 5 Jahren vermieden wird. Es mache diese Aenderung jährlich ein Plus von ca. Mk. 4750.— für die Beamten aus. An der Debatte beteiligten sich die Stadträte Hau⸗ bach, Heyligeustädt und Beigeordneter Geoͤrgi. Es erfolgt Annahme der Aenderung.— Die im vergangenen Jahre zur Annahme gekommene Polizeiverordnung zur Entnahme bon Kies aus dem Bette der Lahn bezieht sich ihrem Wort— laut nach auf das ganze Flußbett iunerhalb der Gemarkung Gießen. Nun ist aber„bon der Wieseckmündung an die Lahn„ fschiffbar“ und daher hier die Polizeibehörde nicht zuständig, weshalb die Versammlung ihre Genehmigung er— teilt, daß die bezügliche Verordnung dahin ab⸗ geändert wird, daß sie den Teil der Lahn unter⸗ halb der Wieseck ausschließt. Die Versammlung genehmigt sodann ohne Debatte ein neues Orts— polizeireglement betreffend die Bauer d⸗ nung für die Stadt Gießen.— Zur Errichtung einer Fachschule hatte sich der kaufmännische Verein um Ueberlassung eines geeigneten Baugeländes als Geschenk an die städtische Behörde gewendet und dabei den Platz gegenüber der Stadtknabenschule im Auge gehabt. Dieses Gelände(883 Quadrat-Meter Fläche) ist aber an den Fabrikanten Klingspor für Mark 11,000 seitens der Stadt verkauft. Man schlägt vor, das daneben liegende Baugelände (100 Quadratmeter groß) für den projektierten Schulbau als Geschenk zu überlassen, wenn der Kaufmännische Verein bis 1. April d. J. den Nachweis erbringt, daß er das benötigte Bau— kapital beschaffen kann. Dahingegen soll die von der Stadt dem Verein für Schulzwecke bewilligte Subvention von Mk. 1000 auf Mk. 800 von dem
nütere Mark 10,300.— Zur Erhöhung der
neue Schulhaus bezieht. Stadtverordneter Wallen zuerlegen,
Verkaufs oder Vertausches des Hauses. Stadt⸗ verordneter Haubach beantragt, auch für den Fall der Liquidation des Vereins 7000 Mk. als festzusetzen. Heichelheim und Scheel bean— zur Fachschule zu belassen. Die Versammlung beschließt jedoch den von der Finanz-⸗Deputation gemachten Vorschlag anzunehmen, nachdem Ober— bürgermeister Gnauth erklärt hat, die Rechte der Stadt im Falle aller Eventualitäten auf das Grundstück dem Verein gegenüber zu wahren. Es folgt eine geheime Sitzung.
Gießen, 14. Februar. Wir hören, daß die am 7. ds. Mts. vorgenommenen städtischen Jagdverpachtungen sämtlich gestern in geheimer Sitzung von den Stadtverordueten an die Höchst— bietenden genehmigt sind, nachdem Hauptmann Deter für die Jagd Hangelstein noch ein Nach— gebot von 80 Mk. gemacht hat, so daß die Taxe von 280 Mk. dafür erreicht wurde.— Die Jagd Seltersberg wurde nur für das Höchstgebot von 400 Mk., das Fabrikaut Busch irrtümlich abge⸗ geben haben will, genehmigt.
Gießen, 14. Februar. Die Straf— kammer verhandelte heute gegen Eduard Schwalb und Wilhelm Walter, beide von Daubringen und junge Arbeiter im Alter von 17 Jahren. Sie werden beschuldigt, den 15jäh⸗ rigen Hilberger daselbst gemeinsam auf der Dorfstrafe überfallen und mißhandelt zu haben, wobei Schwalb sich eines Messers bedient hat. Die Angeklagten hatten vorher— es war an einem Sonntag— im Wirtshaus Streit mit dem Schwager des Verletzten, wobei der Letzte unbe⸗ teiligt blieb. Um 11 Uhr abends führten sie die Mißhandlung aus. Schwalb wurde zu 6 Monat und Walter zu 2 Monat Gefängnis, sowie beide gemeinsam haftbar in eine Geldbuße von Mark. 250 für den Verletzten verurteilt. Schwalb wurde sofort in Haft genommen.
Gießen, 14. Februar. Heute Vormittag stand der von der Legende zum Räuberhauptmaunn gestempelte Becker von Ruttershausen vor der Strafkammer. Der Angeklagte, ehemals der Schrecken der ganzen Umgegend), macht einen recht harmlosen Eindruck. Noch ist die breite Wunde, die er sich bei dem vor Jahren versuchten Raubanfall geholt, nicht vernarbt. Becker ist ein alter Kunde unserer Strafjustiz. Landgerichts⸗ direktor Jöckel, der Vorsizende der Kammer, redet dem alten Sünder, ehe er zu dessen Ver⸗ nehmung schreitet, kräftig ins Gewissen, er er— innert denselben daran, daß er doch das letzte Mal Besserung versprochen und daß man doch von ihm erwartet habe, er werde nun endlich einmal ein anderer Mensch werden. Es werden dem Angeklagten ein Sittlichkeits-Delikt und drei kleinere Diebstähle zur Last gelegt. Der Vor— sitzende vertagt die Verhandlung, um neue Zeugen zu laden. Den Diebstahl einer Kravatte bei seiner Verhaftung räumte der Angeklagte ein, indem er das corpus delicti aus der Tasche zog. Gießen, 14. Februar. Gestern Abend hielt der Schriftsteller Paul Dehn-Friedenau bei Berlin im Café Ebel vor Mitgliedern des Ortsgewerbe- und des Kaufmännischen Vereins und deren Gästen seinen, auch von Damen stark besuchten Vortrag über Licht und Schatten im modernen Verkehr. Der Redner schilderte in geistvoller und interessanter Weise die gewaltige Umwälzung der letzten 100 Jahre, die der mo— derne Verkehr erfahren, wie Zeit und Entfernung heute keine Rolle im Verkehr auf unserer Erde spielten und wie man sich schon damit beschäftige, zu berechnen, wie lange eine Reise dauern, wie viel Zeit eine Depesche brauche, um zum Monde und nach den anderen Weltkörpern zu gelangen. Man könne erst dann von einem wirklichen Welt— verkehr sprechen, wenn die Weltkörper mit einander in einer oder der anderen Weise verbunden seien. Die hervorgehobenen Lichtseiten des heutigen Verkehrs zauberten den gespannt lauschenden Hörern Reisebilder der angenehmsten Art vor die Seele, aber ebenso scharf geißelte der Vor— tragende die Schattenseiten des Massentransportes der Güter von einem Ende der Erde zum anderen und führte trefflich aus, wie dieses zum Schaden des Mittelstandes und der kleinen Gewerbe— treibenden geschehe, wie dadurch mit unerbittlicher Konsequenz im Interesse weniger Großer Tausende kleiner selbständiger Existenzen zu Grunde gehen und zu Lohnarbeitern herabgedrückt werden und
Tage an herabgesetzt werden wo der Verein das
fells beantragt, dem Verein die Verpflichtung auf⸗ zen, der Stadt für den Platz 7000 Mark nachträglich zu vergüten im Fall des etwaigen
Eutschädigung an die Stadt für den Bauplatz
tragen, dem Verein doch den bisherigen Zuschuß
Giesten, 14. Febr. Noch dräut der Winter, und schon flattern verheißungsvoll die ersten Lenzboten in alle Lande; nicht etwa in Gestalt leichtbeschwingter Lerchen oder früh⸗ reifer Maikäfer, sondern in Form eleganter Journale, die unsrer Damenwelt vielversprechende Kunde von den neuesten Frühjahrsmoden bringen. Seufzend begrüßt der Herr und Gebieter des Hauses die unwillkommenen Gäste, und eine trübe Ahnung von Schneider- und Putzmacher⸗ Rechnungen dämmert in ihm auf. Denn die Mode, das weiß er, ist eine Tyrannin, die uner⸗ bittlich von allen, die ihr huldigen, blinden Ge⸗ horsam heischt. Und niemand gehorcht ihren Launen williger als die Frau, mag sie auch sonst, was zuweilen ja vorkommt, eine ge— schworene Feindin aller Launenhaftigkeit sein. Wir hätten Lust, der schönen Leserin eine ge⸗ hörige Standpauke über das dankbare Thema zu halten, aber wir wissen ja leider aus langjähriger Erfahrung, daß jedes Wort in den Wind geredet ist, und sparen also lieber unsre Weisheit für eine bessre Gelegenheit auf. Was frommt es, wieder und immer wieder, gewifsermaßen als abschreckendes Beispiel, den lächerlichen Ursprung irgend einer berühmten Mode zu erzählen? Die Thatsache, daß eine vornehme Dame am ofe Eduards des Sechsten von England das S0. heitspflästerchen erfand, um ihre Warzen da⸗ runter zu verbergen, hat unsre Urgroßmütter nicht gehindert, sich das Gesicht mit solchen Pflästerchen zu bekleben. Die noch heutzutage moderne Titusfrisur wird keineswegs an Beliebt⸗ heit verlieren, wenn man als Grund ihrer Her— kunft erfährt, daß unter Franz dem Ersten von Oesterreich eine Prinzessin gezwungen war, wegen eines Kopfleidens die Haare kurz zu tragen, und daß infolgedessen ihr ganzer Hofstaat sich scheeren ließ. Der Reifrock entstand, weil Eugenie, die letzte Kaiserin der Franzosen, sich bemüßigt fühlte, der Welt ihre kommende Mutterschaft zu verheimlichen; dieser komische Umstand ist aber, so allgemein er in ganz Europa bekannt war, der Verbreitung der Krinoline nicht hinderlich gewesen. Um gerecht zu sein, müssen wir hier her⸗ vorheben, daß auch das männliche Geschlecht gegen Modenarrheiten nicht immer so unempfäng⸗ lich war wie heute. Karl der Zwölfte führte die langen Röcke ein, um seine krummen Beine zu verstecken, und die unförmigen, bis auf die Brust herabfallenden Allongeperrücken verdanken ihre Entstehung einem Kronprinzen von Frank⸗ reich, der Ursache hatte, sein schiefes Schulter⸗ blatt den profanen Blicken der Menge zu ent⸗ ziehen. Jetzt ist man männlicherseits vernünftiger geworden und überläßt die ewig wechselnde Mode der Schmucksachen, der Haartracht, der Hüte und Kleider galant den Damen. Sie stellt oft recht unsinnige Anforderungen an alle, die nicht schon frühzeitig ihrer Macht widerstehen und nicht gelernt haben, ihrem eigenen Willen zu folgen. Hoffen wir, daß die kleine Schaar dieser selbststäudigen Geister in der Frauenwelt immer größer werde, zur Freude der Gatten, und daß die diesjährigen Frühjahrsmoden wenigstens den Vorzug der Billigkeit und des guten Geschmacks aufweisen. Die riesigen Ballonärmel und andere Herrlichkeiten, mit denen das letzte Modejahr uns beglückt hat, könnten endlich getrost von der Bildfläche verschwinden und minder auffälligen Erscheinungen Platz machen. Aber freilich, was verzeiht man nicht alles einer huͤbschen Frau? Die häßlichste Mode ist nicht imstande, weiblichen Reiz und weibliche Anmut zu entstellen, und vor dem bezaubernden Lächeln rosiger Lippen, vor dem sieghaften Blick eines feurigen Auges ver⸗ stummen die herbsten kritischen Bedenken. Der Frau und der Mode sich beugen, schweigen und zahlen— das ist das Loos des Mannes auf der Erde, mit welcher Erklärung die schöne Leserin sich hoffentlich zufrieden giebt!
D. Z. Nidda, 14. Februar. Im Gasthaus „Zur Traube“ hielt der auf Gegenseitigkeit ge⸗ gründete Pferdeversicherungsverein für Nidda und Umgegend seine diesjährige Generalversamm⸗ lung ab. Herr Beigeordneter Braun hier be⸗ grüßte als Vorsitzender des Vereins die zahlreiche Versammlung, worauf die Rechnungsablage er⸗ folgte. Derselben entnehmen wir, daß die Zahl der Mitglieder des Vereins sich im abgelaufenen Jahre auf 306 belief; die Zahl der versicherten Pferde betrug 568 im Werte von 300730 Mk. Versicherungssumme. Der Reservefonds wurde um 1749 Mk. erhöht, so daß er jetzt 13661 Mk. beträgt. Als Prämien wurde seither 1 Prozent des versicherten Kapitals pro Jahr gezahlt. Außerdem erhebt der Verein von den neu bei—
daß es an der Zeit sei, hiergegen sich zu wehren.
tretenden
Mitgliedern ein Eintrittsgeld von


