Ausgabe 
14.7.1896
 
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Gießen, Dienstag, den 14. Juli

1896.

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Ausgabe

Gießen.

landeszeikung.

Redaktion: 5 Kreuzplatz Nr. 4..

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Zspaltige Petitzeile.

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Expedition:

9 Kreuzplatz Nr. 4.

Der Vertrag

zwischen Preußen und Hessen 1 über die gemeinschaftliche Verwaltung des beider 1

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seitigen Eisenbahnbesttzes vom 23. Juni und die Denk⸗ . ba, schrift zu diesem Vertrag sowie der Vertrag betr. den 10050, lebergang der Hessischen Ludwigsbahn auf er den hessischen und preußischen Staat sind nunmehr in 17, Linen! 1 derDarmstädter Zeitung veröffentlicht. Dem Letzteren ist Folgendes zu entnehmen: Die Hessische Ludwigsbahn per de 1 geht gegen einen Kaufpreis von 89 520 000/ in den und Müsch Besitz beider Staaten über, die sämtliche Schulden der el, gesclz. 70, Bahn mit übernehmen. Mit dem Ersten des zweiten auf 70, Karten, die Perfektion des Vertrages folgenden Monats erfolgt die finer 07081 hebergabe des Kaufobjekts und Auflösung der Hessischen Id. 1535 5 1 Ludwigs⸗Eisenbahngesellschaft. Den Aktionären werden sun Dane 1 für je eine Aktie A 600 Schuldverschreibungen im Otmar, ba 9 Gesamtwerte von 700 und zwar der Zproz. konsoli⸗

ein, ierten preuß ischen Staatsanleihe à 200, sowie 3 proz. : hessische Schuldverschreibungen à 500& mit Zinsscheinen

dom 1. Januar 1896 geboten, außerdem eine bare Zu⸗ ausprärtigs da von 41/ pro Aktie geleistet. Betrieb und tere dGBerwaltung gehen bereits vom 1. Januar 1896 ab für 8 stechnung beider Staaten. Bis zur Beendigung der

1 Liquidation wird der Verwaltungsrat wie bisher gewählt, bbenso erhalten die gegenwärtigen Mitglieder die ihnen pustehende Tantieme noch für 1896 und 1897. Das gesamte Personal der Ludwigsbahn tritt mit dem Ueber⸗ gange des Unternehmens in den Dienst der mit der Ver⸗ 1 waltung der Bahn betrauten Behörde.

Aus dem Vertrag über die gemeinschaftliche

Verwaltung des beiderseitigen Eisenbahn

bhesitzes sind folgende Hauptpunkte zu entnehmen: Die

0 ö hessische Ludwigsbahn wird gemeinsam erworben und nach den Landesgrenzen zu Eigentum verteilt. Der Kaufpreis

ig zu machen, bemißt sich für jeden Staat nach dem Verhältnis des

0.

Betriebsüberschusses seiner Strecken im Jahre 1894. Der

U gesamte beiderseitige Eisenbahnbesitz wird zu einer Be

1 klebs⸗ und Finanzgemeinschaft vereinigt. Eine Ausnahme

pbiervon bilden die Main⸗Neckar⸗Bahn und die an sie an⸗

schließenden drei staatlichen Nebenbahnen, die vorerst von

55 der Betriebsgemeinschaft ausgeschlossen bleiben, mit dem

Eu 68 0 belderseitigen Reinertrag aber in die Finanzgemeinschaft

eingeworfen werden. Der Anteil jedes Staates an dem

Betriebsüberschuß der Gemeinschaft berechnet sich nach dem

he Berhältnis des im Jahre 1894/1895 bezw. 1894 er⸗

i jelten Reinertrages der in die Finanzgemeinschaft ein⸗

geworfenen Strecken. Dabei wird der Betriebsüberschuß

ber Hessischen Ludwigsbahn in 1894 wegen der im

sen. Srstaatsbetrieb künftig zu erwartenden Mehr-Ausgaben

ö 3 tt beiderseits um 8 Prozent gekürzt. Die so für jeden Staat

iche Obdel. ermittelte Teilungsziffer steht für die Beteiligung der jetzt

üngeworfenen Strecken am Reinertrag ein für allemal fest.

Belm Bau neuer Bahnen ist Preußen mit Rücksicht auf

den in Hessen weiter vorgeschrittenen Ausbau der Neben⸗

bahnen unbeschränkt, für Hessen werden diejenigen Neben⸗

bahnen, wofür die Kredite jetzt gesetzlich bewilligt sind,

d durch die Gemeinschaftsverwaltung auf hessische Rechnung Cel. ausgebaut.

Für die erstmalige Instandsetzung der Hessischen Lud⸗

wigsbahn und zur Ergänzung ihrer Betriebsmittel stellt

Hessen 3 Millionen, Preußen 1 Million Mark zur Ver⸗

fügung. Für die Strecken in Starkenburg und RAheinhessen

sowie einige hinzutretende preußische Strecken wird eine

Nünchen 186

5 boöniglich Preußische und Großherzoglich enneg 5. Hessische Eisenbahndirettion in Mainz gebildet. e Die Oberhessischen Eisenbahnen und die Preußi⸗ N sthen Strecken der Hessischen Ludwigsbahn werden der

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1 Direktion Frankfurt a. M. angegliedert. Dabei ist ber Hessischen Regierung das Recht vorbehalten, bei der 1 Direktion Mainz 5 und bei der Direktion Franfurt a. M. hessische Mitglieder zu ernennen. Für die Direktions⸗ lezirke Mainz und Frankfurt wird ein gemeinschaftlicher Vezirkseisenbahnrat bei der Direktion Frankfurt gebildet,

der 2 hessische Vertreter in den Landeseisenbahnrat zu ent⸗ senden hat.

Zum gemeinschaftlichen Betriebskapital leistet Hessen einen Zuschuß von 3 Millionen Mark. Bezüglich der finanziellen Wirkung des Vertrages können, da die grund⸗ legenden Ziffern noch nicht feststehen, vorläufig nur an⸗ nähernde Angaben gemacht werden. Die Verhältniszahl des Betriebsüberschusses der Hessischen Ludwigsbahn pro 1894 beträgt für Hessen 7615 243 /, für Preußen 2 434312 J. Die beiderseitigen Teilungsziffern für 1894/95 würden für Hessen 8 188 812 /, für Preußen 410 997005, betragen.

8 9 5 Lokales und Provinzielles. Gießen, 13. Juli. Zu der am 26. Juli von der Gießener Rudergesellschaft auf der Lahn veranstalteten 6. Ruder-Regatta sind folgende Meldungen eingegangen. 1. Junior⸗ Einser. Gießener R.⸗G.(Konrad Rübsamen) fällt aus. 2. Vierer, städtischer Wanderpreis, Mainzer R.⸗V. Frankfurter R.⸗Klub. 3. Dollenzweier für Juniors. Kreuznacher R.-V. fällt aus. 4. Zweiter Vierer. Gießener R.⸗G., Oberrader R.⸗G., Offenbacher R.-V., Offenbacher R.⸗G. Undine, Frankfurter R.⸗Klub, Würzburger R.⸗V., Frankfurter R.⸗G. Sachsenhausen.! 5. Einser(Lahnpokal) Gießener R.⸗G. August Oßmann). 6. Vierer für Juniors. rankfurter R.⸗Klub, Frankfurter R.⸗G. Sachsen⸗ hausen, Oberrader R.-G., Mainzer R.⸗V. 7. Zweiter Einser, Würzburger R.-V.(Georg Schwarz), Gießener R.⸗G.(Konrad Rübsamen). 8. Dollenzweier, Kreuznacher R.⸗V., Oberrader R.⸗GH. 9. Anfänger⸗-Vierer, Frankfurter R.⸗Klub, Frankfurter R.⸗G. Sachsen⸗ hausen, Offenbacher R.⸗G. Undine, Kreuznacher R.⸗V., Wetzlarer R.⸗Klub. 10. Dollen⸗ Vierer, Gießener R.⸗G., Offenbacher R.-V. 11. Achter, Frankfurter R.⸗Klub, Wetzlarer R.⸗Klub, Oberrader R.⸗G. * Gießen, 13. Juli.(Verein zur Züch⸗ tung reiner Hunderassen.) Wie wir schon kürzlich berichteten, hat sich in unserer Stadt ein Verein gegründet, der, wie sein Name besagt, die Reinzucht der Hunde anstrebt. Die Ver⸗ einigung hält am Mittwoch, 15. d. M., abends im Kaiserhof ihre erste Generalversamm lung ab, in welcher die vom provisorischen Komitee entworfenen Statuten zur Vorlage kommen sollen. Außerdem wird die Wahl des Vorstandes erfolgen. Indem wir hierauf auf⸗ merksam machen, bemerken wir noch, daß auch Nichtmitglieder, welche sich für die Zwecke des

Vereins interessieren, willkommen sind. Der Jahresbeitrag ist auf 3. festgesetzt. * Gießen, 13. Juli. In validitäts⸗

und Altersversicherung. Abgesehen von den Uebergangsbestimmungen beträgt die Warte⸗ zeit die Invaliditätsversicherung 5 Beitrags⸗ jahre, d. h. die Versicherten müssen fünfmal 47 gleich 235 Wochen in einem versicherungs pflichtigen Betriebe gearbeitet haben, bis sie Rente beanspruchen können. Diese Wartezeit dürften jetzt die meisten Arbeiter zurückgelegt haben, doch entstehen vielfach Irrtümer darüber, ob und wie weit die Zeit für mit Erwerbsunfähigkeit ver⸗ bundene Krankheit bei der Aufrechnung der Bei⸗ träge Berücksichtigung zu finden hat. Nach§ 17

des Inv.⸗Vers.⸗G. wird den Personen, welche

nicht lediglich vorübergehend in ein versicherungs pflichtiges Arbeitsverhältnis eingetreten sind, die Zeit der Dauer einer Kraukheit als Beitrags⸗ zeit angerechnet, wenn die Kraukheit 7 Tage und darüber gedauert hat. Bei Krankheiten, welche ununterbrochen länger als ein Jahr währen, wird nur ein Jahr als Beitragszeit in Anrechnung gebracht, die über diesen Zeitraum hinausreichende Dauer der Krankheit dagegen nicht mehr. Die Dauer der Krankheit muß von der zuständigen Krankenkasse bescheinigt sein. Auch die Zeit für militärische Uebungen wird als Beitragszeit in Anrechnung gebracht.

Gießen, 13. Juli. Die gesündeste Frucht unter allen Beerenfrüchten ist die Erd⸗ beere. Ihr reichlicher Genuß verbessert bei schwachen Personen das Blut in kurzer Zeit in einer verblüffenden Weise. Bleichsüchtige können, wenn sie während der Erdbeerzeit täg lich am Vormittag und am Nachmittag je ein Pfund dieser Beeren genießen, ohne jegliche Arznei völlig kräftig und gesund werden, was in dem starken Eisengehalt und der dabei so außerordentlich leichten Verdaulichkeit der Erd beere begründet sein dürfte.

Gießen, 13. Juli. Der peusionirte Postbedienstete Schmalz, welcher infolge eines vor Jahren erlittenen Schlaganfalls ge lähmt war, wurde gestern Nachmittag, während seine Angehörigen sich auf einem Spaziergang befanden, von Hausbewohneru n todt in seiner Wohnung aufgefunden. Ein Schlaganfall war die Todesursache.

Gießen, 13. Juli. Zwischen Backstein⸗ machern fand gestern Abend auf der Lahnbrücke eine Schlägerei statt, wobei einer den Re⸗ volver zog und mit Schießen drohte. Einer der Hauptthäter wurde verhaftet.

Gießen, 13. Juli. Gestohlen wurde in der Nacht vom Samstag auf Sountag einem Schriftsetzer aus seiner Schlafstube eine Taschen uhr und ein Portemonnaie mit 910 Mark Juhalt. Der Verdacht des Diebstahls lenkt sich auf einen im selben Hause wohnhaften Arbeiter, welcher seit der kritischen Zeit unter Zurücklassung seiner Arbeitskleider spurlos verschwunden ist.

L. Gießen, 13. Juli. Ueber einFremden⸗ zimmer, oder gar mehrere, zu verfügen, ist eine schöne Sache, besonders im Sommer, zur Reisezeit, wo man Freunde und Anverwandte gern bei sich sieht. Leider sind nur Wenige in der bevorzugten Lage, sich den Luxus des Fremdenzimmers gestatten zu dürfen. Sie mögen nicht vergessen, daß dieser Luxus, der ihnen vom Schicksal frek⸗ gebig gewährt wurde, gewisse moralische Verpflichtungen auferlegt. Wer ein oder mehrereFremdenzimmer sein eigen nennt, der sollte sich der angenehmen Aufgabe, Gast⸗ freundschaft in ausgedehntestem Maße zu üben, nicht schnöde entziehen. Vorwiegend ist dasFremdenzimmer eine ländliche Einrichtung. Großgrundbesitzer pflegen auf ihren Schlössern und Landsitzen eine ganze Reihe von Zimmern zur Aufnahme erwarteter oder unerwarteter Gäste bereit zu halten, und selbst die kleinste dörfliche Villa weist ihr bescheidenes Fremdenzimmer auf. Es ist eine nette Sitte, diese Räume stets besonderer Sorgfalt, als eine Art Schmuckkästchen, zu behandeln, so daß der Gast, wenn der Zufall ihn endlich daherführt, sofort ein behagliches Nest findet, dessen Komfort nicht erst einer Auffrischung bedarf. Eine noch nettere Sitte ist es je doch, dem Zufall zur Hilfe zu kommen und Gäste, die auf sich warten lassen, weil Scheu oder Bescheidenheit sie zurückhält, ins Haus zu laden. Glücklich, wer zur köst⸗

lichen Ferienzeit auf dem Lande recht viele liebe Gäste bei sich sehen, ihnen Freude und Erquickung bereiten kann! Wem es vergönnt ist, Gesundheit und Frohsinn bei seinen Mitmenschen zu fördern und Dankbarkeit in empfängliche Herzen zu pflanzen! Auch der wohlhabende Großstädter liebt es, seinFremdenzimmer zu haben, und an Ge⸗ legenheiten, es zu verwerten, fehlt es ihm nicht. Im Sommer zwar steht es meist leer; aber im Winter, wenn ein eisiger Wind über Wiesen und Aecker fegt, wird der Landbewohner und Provinzler mit Wonne von dem groß⸗ städtischenFremdenzimmer Gebrauch machen, um die am eigenen Herde grau herandämmernde Langeweile durch einige Wochen anregenden Großstadtlebens zu verscheuchen. Freilich giebt es, im Sommer wie im Winter, auch un⸗ gebetene Gäste, die allzu aufdringlich und rücksichtslos, ohne zu fragen, ob sie willkommen sind, sich in den Fremdenzimmern weitläufiger Bekannten und Ver⸗ wandten einnisten und nicht eher vom Platze weichen, bis ein deutlicher Wink mit dem Zannpfahl erfolgt ist. Vor solchen hüte man sich und schließe, wenn's not thut, die

Thür desFremdenzimmers vor ihnen fest zu. Allen Uebrigen aber, die man gerne bei sich sieht, öffne man gerade jetzt, zur sommerlichen Ferienzeik, seine

Pforten recht weit!

Lich, 13. Juli. Beim Sängerfest waren bis gestern Abend um 7 Uhr an der Kasse etwas mehr wie 2000 Mark für Eintrittsgelder eingenommen. Geleert wurden nahe an 50 Hekto⸗ liter Bier.

* Grünberg, 12. Juli. Die evange⸗ lisch-lutherische Konferenz für Ober⸗ hessen findet am 14. und 15. Juli zu Grün⸗ berg im Gasthauszum Hirsch statt. Am ersten Tage wird Herr Pfarrverwalter Wagner von Gelnhaar über die Heiligung referieren. Das ThemaUnsere Stellung zur sozialen Frage der Gegenwart wird Herr Pfarrer Bernbeck von Staden am zweiten Tage behandeln. Im Au⸗ schluß an die Konferenz soll am Donnerstag, 16. Juli, vormittags 10 Uhr, das lutherische Missionsfest für Oberhessen in Usen⸗ born bei Ortenberg stattfinden, für welches die Herren Missionar Just von Dresden und Pfr. 15 von Maar die Festpredigten übernommen haben.

* Bad Nauheim, 12. Juli. Nach der heutigen Kurliste sind in der letzten Woche 1111 Fremde angemeldet worden, so daß die Ge⸗ samtfrequenz jetzt 8616 beträgt. In der Parallel⸗ woche des Vorjahres wurden 1079 Fremde an⸗ gemeldet. Der Vorsprung gegen das Vor⸗ jahr berechnet sich auf nahe 1000 Personen. Bäder wurden bis einschließlich 9. Juli 91431! abgegeben, gegen 80 650 in der entsprechenden Woche des Vorjahres, also heuer 10 781 Bäder mehr. Im Durchschnitt wurden in der letzten Woche 1/62, in der zweitletzten 1746, in der 8 Woche 1830 Bäder pro Tag abge

eben.

5* Bad Nauheim, 12. Juli. Die Stadt Friedberg ist bei dem Ministerium des Junern und der Justiz vorstellig geworden, das Pro- gymnasium in dieser Stadt zum Gym nasium zu erweitern. Die hiesige Bürgermeisterei wurde beauftragt, dieses Projekt bei der Regie⸗ rung und den Ständen zu befürworten, da etwa ein halbes Hundert Kinder von hier das Progymnasium und die Realschule in Friedberg besuchen.

* Darmstadt, 11. Juli. Geheimer Ober⸗ domänenrat Schenk, der vor einigen Tagen

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10 Das blaue Herz.

1 Roman von Karl Ed. Klopfer.

1(Nachdruck verboten).

1(Fortsetzung.)

0Schauen Sie sich doch um! gab die Kleine schuippisch zurück.Am Blick dafür fehlt es Ihnen

licht, wie ich merke trotz Ihrem maskierten

deal. Aber wissen Sie, ich will Ihnen gut raten!

Sagen Sie Ihrer Auserwählten wenn je einmal

1 Eine von diesem Glück betroffen wird ja nichts

ö jon dem blauen Herzen! Sie würde kaum dulden, laß Sie solche Dinger bei sich tragen, die sonst

hin Menschenaug' erblicken darf.

öJa meine Herzliebste, die dürfte das blaue

perz schon sehen, der würde ich es sogar schenken

1 zum Beweis, daß die alte Schwärmerei vor⸗

Giesel ber ist und ganz und gar der neuen, wahren Liebe

zlatz gemacht hat. Fräulein Wetti meiner 4. Seel' der Name gefällt mir immer besser, je öfter l An h ihn in den Mund nehme! Fräulein Wetti, fie e Sie kennen nun den Preis, um welchen ich das 1 laue Herz wegzugeben bereit wäre. Vielleicht

9 nachen wir miteinander noch ein Tauschgeschäft, vie?

Dabei kneipte er sie in die Wange, was ihm 1 lber sofort einen derben Klaps auf die Finger üntrug. Sie sind ein unverschämter Mensch!

Nicht doch... lispelte er zärtlich. Und ein Schwindelmeier noch dazu. Wieso?

Na, daß Sie's wissen, von Ihrer ganzen Ge schichte glaub' ich Ihnen nicht so viel Sie knipste mit den Fingernägeln.

Gehn S' weiter damit! Sie haben gar kein Herz wenigstens nicht so ein blaues, wie Sie mir aufbinden wollen.

Entrüstet langte er schon in die Westentasche, zog aber die Finger gleich darauf wieder zurück und machte damit eine Bewegung, als ob er der Neu gierigen einen Nasenstüber geben wollte.

Ja freilich Sie meinen damit doch zum Anblick meines Talismans zu kommen. Aber nichts da! Ich bleibe bei dem, was ich mir einmal gelobt habe: nur meine Braut erhält das blaue Herz zugleich mit dem, das mir die Natur gegeben hat und an diesem dürften Sie doch nicht zweifeln? Legen Sie Ihr reizendes Ohr da her und Sie werden es schlagen hören!

Ob's aufhör'n, Sie Hanswurstel! lachte die Wetti, den Burschen von sich abwebrend. Dann suchte sie sich zu einer Miene voll verletzter weib licher Würde zurückzufinden.Sie sind doch wirk lich ein kecker Mensch. Sie thun ja grad so, als wären wir schon alte Bekannte, und derweil sehen wir uns heut zum ersten Mal.

Ja sehen Sie, darüber wundere ich mich

ja auch! Und da haben Sie gleich einen Beweis

wandtschaft stehe; bei ihm wie bei mir ist die Liebe auf den ersten Blick gekommen.

Wetti bemühte sich, ihren kühl ablehnenden Ton beizubehalten.

Sie glauben also im Erust, daß Herr v. Fröden auf meine Baroneß ein Aug' hat?

Alle zwei, sag' ich Ihnen oder ich bin selber blind; blind, taub oder verrückt, was Sie wollen! Heute früh hat er im Schlaf zweimal leise, aber sehr schmerzlich Adele geseufzt. Und eine andere Adele als Ihre Baronesse kennen wir nicht. Ich wußte daher im ersten Augenblick auch gar nicht was ich davon denken sollte, aber als er mir den Auftrag gab, das Büchel da hierher zu tragen und es der Baroneß Adele zu geben er sprach mir den Namen ein paar Mal vor und mit so einer eigenen Betonung, so... so gelassen sein wollend und es absolut nicht sein könnend na, da wußt' ich über die geträumte Adele schon ge nauen Bescheid. Es liegt auf der Hand, es drückt ihm das Herz ab, sie als die Braut dieses Grafen Säbelscheid oder Degenstein zu keunen. Sehen Sie doch zu, suchen Sie Ihre Gnädige auszu forschen, wie ich meinen Attaché! Vielleicht gelingt e Ihnen

Sie haben wirklich auswüchsige Ideen, das muß ich sagen!

Halten Sie's denn für so unmöglich, daß

dafür, daß ich mit meinem Attaché in Seelenver

wir uns da als glückliche Heiratsstifter zusammen⸗ thun könnten?

Für's erste bin ich keine Spionin!

Pfui: Das ist ein häßliches Wort bei einer so guten Sache, wie sie mir vorschwebt: ein kaltes, durch mütterlichen Eigensinn geknüpftes Band zu lösen, um es durch ein natür⸗ liches, von Herz zu Herzen, zu ersetzen!

Mir scheint, Sie hätten besser gethan, ein Dichter zu werden!

Die Liebe, sagt man, hat manchen schon dazu gemacht! deklamierte der gefühlvolle Friseur patetisch.

Na geben Sie mir doch endlich das Büchel! lachte die Wetti und entriß ihm das Päckchen.Ich will's der Baroneß auf den Schreibtisch legen. Was ist es denn eigentlich?

Es enthält Bilder, so viel ich in der Eile sehen konnte.

Aha! Das ist was für sie.

Sie malt selbst, sagten Sie?

Na ob! Da schauen Sie einmal hinein!

Wetti öffnete am Ende des korridorartigen Vorzimmers die Thür zu einem großen Damen boudoir, das halb als Studierzimmer, halb als Maleratelier eingerichtet war.

(Fortsetzung folgt.)