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Lokales und Provinzielles.
Gießen, Dienstag, den 13. Oktober
1896.
Ausgabe
ssche Landeszeikung
Gießen.
Redaktion:
5 Kreuzplatz Nr. 4. 5
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr.
2
4.
* Gießen, 11. Oktober. Im Auftrage des
großherzoglichen Ministeriums der Fi⸗
nanzen, Abteilung für Steuerwesen, werden soeben alle hervorragenden Firmen und Geschäfts⸗ inhaber des Landes, angeblich zum Zweck einer Gesetzesvorlage, durch ein Rundschreiben ersucht, anzugeben, welchen Wert die in dem betreffenden Geschäfte angelegten Anlage- und Betriebskapitalien haben. Dem Rund⸗ schreiben ist die Bemerkung beigefügt, daß Nie⸗ mand zur Beantwortung dieser Fragen verpflichtet sei, die Regierung wolle nur eine möglichst sichere und zuverlässige Grundlage für die Ge⸗ sezesvorlage haben. Wir glauben kaum, daß die meisten Firmen gewillt sind, ihre intimsten eie auf diese Weise preiszu⸗ geben. Gießen, 12. Okt. Die dem Gesangverein „Harmonie“ zu dessen 50 jähr. Jubelfeier ge⸗ flfftete, künstlerisch ausgeführte Fahne, ist in der Schul zeschen Fahnenfabrik dahier angefertigt vorden. Gießen, 12. Okt. Das 4. Stiftungs⸗ fest des Kutschervereins im Café Leib war sehr gut besucht. Nach Abspielen des Kutscher⸗ marsches und zweier Konzertstücke hielt der Vor⸗ sitzende, Herr Stein müller, eine Ansprache. Ein Theaterstück wurde von Vereinsmitgliedern sehr gut gesplelt, und fanden die lebenden Bilder keichen Beifall. Gießen, 12. Oktober.(Stadttheater). Trotz des guten Wetters erfreute sich die gestrige Lindervorstellung eines zahlreichen Besuches. Das Kindermärchen sowohl, als die komische Zauberpantomime wurden vortrefflich wieder⸗ — und bewirkten, die Kleinen in heiterste Stimmun 12 versetzen.— Abends ging das dreiaktige Volksstück von L Arronge„Mein Leopold“ in Scene. Das Stück ist zu bekannt, um auf den Inhalt desselben näher einzugehen. Daß es stets gern gesehen wird, bewies der gute Besuch der gestrigen Vorstellung. Gespielt wurde wieder ganz vorzüglich. Herr Helm stellte während den drei ersten Bildern den Schuh⸗ machermeister Weigelt so drastisch als möglich dar. Er nahm den Löwenanteil des reichlich ge⸗ spendeten Beifalls in Anspruch, der Stadtrichter konnte keinen würdigeren Vertreter finden als Herrn Schaller, dasselbe gilt von Herrn Fritschler als Rudolf Starke und Herrn Nüger⸗Autony als Klavierlehrer Mehlmeyer. Von den Damen sind Fräulein Egger als Clara Weigelt und Fräulein Dell mar als Emma Zernickow besonders zu erwähnen; die Gesangseinlage der Letzteren dürfte ganz be⸗ sonders gefallen haben.— Heute Abend wird zum zweiten und letzten Male„Mauerblümchen“ gegeben.— Morgen gelangt die Novität„Gräfin Fritzi“ zur Aufführung. Gießen, 12. Okt. Für die Verlosung zu der am 13. bis 16. November in Stein's
Ausstellun g. gelangen von heute ab Lose in im Inseratenteil noch näher bezeichneten Stellen zum Verkauf. Es werden, wie uns versichert wird, nur solche Pflanzen zur Verlosung ange⸗ kauft, die für das Publikum einen bleibenden Wert haben. Bei der geringen Anzahl von Losen sind eine bedeutende Anzahl von Gewinne vorgesehen. Für die ersten 10 Hauptgewinne sollen noch Gegenstände, außer Pflanzen, als Blumentische, Vasen ꝛc., angekauft werden. Dem Publikum ist Gelegenheit geboten, für den ge— ringen Preis der Lose einen schönen Gewinn zu erzielen.
* Gießen, 12. Oktober. Die Ausstel⸗ 190 der Hunde hatte gestern ein zahlreiches Publikum nach der„Schönen Aussicht“ gelockt. Hier waren die Amis, Bellos, Philaxen und wie die großen und kleinen Hunde alle geheißen haben, zur Schau gestellt und bellten zum Stein⸗ erweichen. Nur wenige waren stolz darauf, si h sehen zu lassen und verhielten sich ruhig, darunter ein schwarzer Pudel, als einziger dieser Rasse. Im Ganzen waren 80 Hunde ausgestellt. Unter denselben waren 33 Jagdhunde, teils tadellos schöne Exemplare, 21 Dachshunde, worunter ebenfalls prächtige Tiere. Auch die so sehr in Mode gekommenen Foxterriers waren in 13 Exemplaren vertreten. Die Bernha u diner, dar⸗ unter ein durch seine Körpergröße auffallendes Tier, 3 rauhhaarige Pinscher, 2 King⸗Charles ꝛc. vervollständigten die Ausstellung, auf der die Familie der Spitze und Wachtelhunde gänzlich fehlten. Es ist nicht zu verkennen, daß das, was gestern an edlen Rassehunden auf Veranlassung des Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen in Gießen öffentlich vorgeführt wurde, sich sehen lassen kann und den einzelnen Besitzern und Züchtern zur Ehre gereicht. Preise erhielten: J. Klasse: Schweißhunde, hirschrot(2 Be⸗ werber), 3. Preis: Sepp, Rüde(Besitzer H. Strater⸗Rheydt). 3. Klasse: Deutsche Vor⸗ stehhunde, kurzhaarig, braun, a) Rüden(10 Be⸗ werber), 1. Preis: Treff⸗Laubach(Besitzer und Züchter Gräfl. Leibjäger Becker⸗Laubach). 2. Preis: Treff(Besitzer Forstaufseher L. Wald⸗ mann⸗Hausen bei Butzbach). 3. Preis: Mentor, (Besttzer Dr. Adolf Schwan⸗Gießen). b) Hün⸗ dinnen, 1. Preis: Betty⸗Frischauf,(Besitzer und Züchter H. Strater⸗Rheydt). 3. Preis: Flora⸗ Pfalz(Besitzer cand. med. vet. Scherrer⸗Gießen). 4. Klasse: Deutsche Vorstehhunde kurzhaarig, braun, Tiger(14 Bewerber), 1. Preis: Mentor (Besitzer Rechtsanwalt Grünewald⸗Gießen), 2. Preis: Tell(Besitzer Fr. Brückmann⸗Hof⸗Birklar), 3. 1711 Hektor(Besitzer Ad. Bieler⸗Gießen). 6. Klasse. Deutsche Vorstehhunde, langhaarig, braun(2 Bewerber), 3. Preis: Hektor von der Lahn(Besitzer Reinhardt Buderus⸗Lollar). 7. Klasse: Deutsche Vorstehhunde, stichelhaarig (13 Bewerber), 3. Preis: asser( Brifen, förster Andre-Laubach). 8. Klasse: Griffons, drahthaarig(3 Bewerber), 1. Preis: Hexe⸗W (Besitzer und Züchter Ferd. Windecker⸗Gießen), 2. Preis: Senda(Besitzer Chr. Chromm⸗Ehrings⸗
hausen). 11. Klasse: Irisch Setter, einziges Exemplar, Tierz-⸗Haut(Besitzer A. Puckard⸗ Wetzlar). 13. Klasse: Dachshunde, schwarzrot 10 Bewerber), 1. Preis: Gret(Besitzer und üchter Förster Roggendorf-Oberbiel, 3. Preis: Grete(Besitzer Ferd. Schmidt⸗Gießen). 14. Klasse: Dachshunde, rot(6 Bewerber), 2. Preis: Schön⸗Grete(Besitzer Forstaufseher Weber⸗Straßebersbach, 3. Preis: Reinecke 0 e⸗ sitzer O. Manne⸗Großen⸗Buseck. 15. Klasse: Dachshunde, braun mit gelb(3 Bewerber), 1. Preis: Dally⸗W.᷑c(Besitzer und Züchter Ferd. Windecker⸗Gießen), 2. Preis: Waldmann⸗W(Be⸗ sitzer und Züchter derselbe. 20. Klasse: Foxterriers, a) Rüden(5 Bewerber), 1. Preis: Nox of Frankfurt(Besitzer Alb. Rauch Frank⸗ furk a. M., b) Hündinnen(7 Bewerber), 1. Preis: Gold⸗Hellen(Besitzer H. Sprengel-Rup⸗ pertenrod, 2. Preis: Blitzmädel(Besitzer J. Reif⸗Gießen, 3. Preis: Zilly(Besitzer Aug. Gab⸗ riel⸗Gießen). Von den Luxushunden, deren im Ganzen 13 vorhanden waren, erhielt der rauh⸗ haarige Pinscher Jolli(Besitzer Ant. Weigand⸗ Gießen) den 3. Preis. Außer den Preisen wurden noch 2 Prädikate, nämlich höchste lobende Erwäh⸗ nung und lobende Erwähnung verteilt. Für die besten Hunde erhielten außerdem deren Besitzer Ehrenpreise.
* Gießen, 12. Okt. Die Besitzer von Tauben seien auf die heute im Inseratenteil veröffentlichte Bekanntmachung aufmerksam ge⸗ macht, nach welcher vom 15. ab bis Ende des Monats auf Grund des Feld- und Forstpolizei⸗ esetzes die Tauben in den Schlägen zu halten sind.
* Gießen, 12. Okt. Einen guten Fang hat am gestrigen Sonntag Herr Kriminal⸗Schutz⸗ mann Weiß in dem bei Friedberg gelegenen Orte Heldenbergen gemacht. Dem genannten Herrn ist es nach 10 1 Bemühen endlich ge⸗ lungen, vier Wilddiebe zu verhaften, welche am 13. v. Mts. von dem Förster Diehl zu Ilbenstadt beim Wildern betroffen wurden. Einen derselben hatte der Förster auf frischer That festgenommen, mußte denselben jedoch, ohne ihn erkannt zu haben, wieder laufen lassen, da dessen Genossen die Gewehre auf ihn(den Förster) abfeuerten. Unter starker Bedeckung wurden die Verhafteten in das Amtsgerichtsgefängnis zu Friedberg eingeliefert; sie werden sich vor dem nächsten Schwurgericht also noch wegen Mord⸗ versuchs zu verantworten haben.
* Vom westlichen Vogelsberg, 11. Okt. Mehr Notfutter den Bienen zu verabreichen wie in diesem Herbste, dürfte zu den selteneren Vorkommnissen in der Imkerei gehören. Selbst die stärksten Völker haben vielfach ihren nötigen Wintervorrat nicht einzuheimsen vermocht und bedürfen der Futterdarreichung. Das sehr schöne und milde Oktoberwetter läßt wohl noch eine Fütterung der Bienen zu, aber dennoch drängt die vorgerückte Zeit zur Eile, da durch zu späle flüssige Fütterung leicht die Ruhr bei den Bienen
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Bienen das Futter in größeren Portionen, etwa ein Liter, zu verabreichen.
* Aus der Wetterau, 8. Oktober. Nach Art. 11 des Gesetzes, betreffend die Entschä⸗ digung für an Milzbrand und Rausch⸗ brand gefallenen Tiere, vom 7. Juli 1896 kann der Kreistag beschließen, daß die vom Kreise zur hate zu tragenden Aufwen⸗ dungen in Ausführung des Gesetzes ganz oder zum Teil auf die Viehbesitzer ausgeschlagen werden können, und zwar nach Maßgabe der Zahl der von ihnen gehaltenen Tiere. In seiner letzten Sitzung hat der Kreistag des Kreises Friedberg auf Vorschlag des Kreis⸗ ausschusses beschlossen, die vom Kreise zu tragende Hälfte dieser Aufwendungen, sowie die durch Teilnahme der Polizeibeamten aus den in Artikel 6 und 8 genannten Gesetzes bezeichneten Funktionen erwachsenden Kosten ganz auf die Kreiskasse zu übernehmen. Dagegen beschloß der Kreistag, in den Fällen, in denen die Kreiskasse dem Unternehmer der im Kreise bestehenden Anstalt für Verarbeitung und Verwertung der Tierkadaver eine Entschä⸗ digung von 8&& zu zahlen hat, diese Gebühr vom Besitzer des gefallenen Tieres zurückzuer⸗ heben, wenn Entschädigung nach dem Gesetz vom 7. Juli geleistet wird. f
* Darmstadt, 11. Oktober. Das Schwur⸗ gericht verurteilte heute Abend die Ehefrau Marie Hirschinger wegen Körperverletzung mit tötlichem Erfolg zu zwei Jahren Ge⸗ fängnis. Diese hatte am 28. Mai d. J. ihr jähriges Söhnchen, nachdem es bereits vom Vater wegen kindlicher Unge 1 Strafe er⸗ halten hakte, derart mißhandelt, daß das arme Kind eine Schädelzertrümmerung davon⸗ trug und zwei Tage später starb. Die Ge⸗ schworenen hatten der jähzornigen Frau mil⸗ dernde Umstände zugebilligt.
* Mainz, 11. Oktober.(Die alte Ge⸗ schichte.) Vor dem Schwurgericht stand heute der 26jährige Postagent Wilhelm Schnell von Mettenheim bei Worms, angeklagt der Unterschlagung im Amte. Er hat vom November 1895 bis Mai 1896 Postanweisungs⸗ beträge im Betrage von zusammen über 1000 4 underline Später, als die Geschichte heraus⸗ gekommen, sind die Fehlbeträge gedeckt worden, sodaß die Postkasse keinen Schaden erlitt. Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen Verbrechens im Amte 2 Jahre Gefängnis. Die 1 plaidierte auf mil dernde Umstände, wei der Angeklagte nur 450 Mark Jahresge⸗ halt gehabt und sich in Not befunden habe, Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage, ließen jedoch mildernde Umstände zu, worauftzihn das Gericht zu 14 Monaten Gescagnis verur⸗ teilte, wovon 4 Monate Untersuchungshaft abge⸗ rechnet werden.— Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner wird im Laufe des nächsten Monats wegen Feier des im Jahre 1900 stattfindenden 500 jährigen Geburtstags Gutenbergs eine Besprechung abhalten.— Die Stadtverord⸗
Silen stattfindenden Lokal⸗ Gartenbau-
entstehen kann. Auch empfiehlt es sich, den
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Zwischen Liebe und Pfli Roman aus dem australischen Buschleben . von G. Löffel. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Aus diesen ernsten Gedanken schreckte mich
donnerndes Hufgetrappel, welches rasch näher kam.
Ich sprang empor und faßte mechanisch nach meinem Revolver. f f Im Busch muß man sich immer auf feindliche Begegnungen gefaßt machen, zumal zur Nachtzeit und wenn man Polizist ist. 5 Ein Lauscher an der Hüttenwand hätte jedes Wort verstehen können, was drinnen gesprochen wurde, und vielleicht kam es schon hier zu einem Ueberfall und Kampf, um mich an der Ausführung meiner geheimen Misston zu hindern.. Nie wurde ich mehr und angenehmer euttäuscht. Es war eine schneivige und jugendlich schöne Reiterin, welche da in den Lichtkreis meines Feuers sprengte und mit Eleganz über einen gestürzten Baumstamm hinwegsetzte. l 1 Dann riß sie ihr Pferd zurück, daß es sich hoch aufbäumte und ritt langsam vorüber, meinen ehrer⸗ bietigen Gruß mit einem kaum merkbaren Neigen res schönen Kopfes erwidernd.. Bald war sie meinen bewundernden Blicken ent⸗
schwunden.
Och kannte dieses stolze Geschöpf. i Ich war ihr wiederbolt auf meinen einsamen
Ssgueifzuügen begegnet, ohne auch Gelegenheit zu
0 äherung gefunden zu haben. ar Mal hatte es mir geschienen, als
cht.
wennzauch sie mich wohlgefällig bemerkte, wenn ich
dann aber bei unserer nächsten Begegnung Mut fassen und sie anreden wollte, sprengte sie wieder so fremd und stolz an mir vorüber, daß ich meinen, durch Eigenliebe erzeugten Irrtum wohl einsehen mußte, und beschämt zur Seite bog. 5
Wie hätte auch ein armer, berittener Polizist, mit fünf Mark Tageslöhnung und freier Station, auf eine vornehme und gewiß sehr reiche, junge Dame Eindruck machen können.
Ohne Zweifel gehörte sie auf eine der großen Stationen der Umgegend. n
Um so bemerkenswerter war ihre bewiesene Furchtlosigkeit, indem sie immer allein ritt.
Mit den Kameraden hatte ich über diese ge— legentlichen Begegnungen, die freilich nur in größeren Zwischenräumen und ganz unerwartet stattfanden, nicht gesprochen, um nicht gehänselt zu werden. wozu sie, besonders dem„Deutschen“ gegenüber, stets eine große Neigung hatten.
So war meine schöne Unbekannte mir immer unbekannt geblieben, und daß sie es auch ferner bleiben sollte, erpreßte mir jetzt einen leisen Seufzer. Aber was nützte das! 5
Ein Jeder muß sich nach der Decke strecken, auch in seinen Gefühlen. a 1
Ebensowohl hätte ich mich in eine Prinzessin verlieben können. 5 f
Damit riß ich mich auch von dieser schmerzlich⸗ schönen Erinnerung los, um mich noch einmal ganz meinem ernsten Vorhaben zuzuwenden. g
Kaum hatte der Mond mit seinen Silberstrahlen die Spitzen der Riesenbäume berührt, so wurde es lebendig in dem bis dahin stillen Wald.
Opossums und wilde Katzen kamen aus den hohlen Baumstämmen hervor, wo sie tagsüber ge⸗ schlafen hatten.
Mit heiserem Grunzen kündigten sie ihr Er⸗ wachen an.
Dann begann eine wilde Jagd von Ast zu Ast und von Baum zu Baum.
Vampyre und fliegende Hunde flatterten lautlos zwischen dem kahlen Geäst umher.
Der Schein des Feuers lockte sie an.
Meine Rast war zu Ende.
Ich packte meinen Gram zusammen, sattelte und löschte das Feuer mit Sand aus der nahen Wüste.
Der Rauchschleier war vom Himmel hinweg⸗ gehoben.
In silberner Klarheit leuchtete der Mond durch die Wipfel.
Als ich eben abritt, wurde noch der Schrei der großen einheimischen Eule laut und zwar aus so unmittelbarer Nähe, daß ich zusammenschrak und mein Pferd scheute.
Wer diesen markerschütternden Klageschrei ein⸗ mal gehört hat in stiller Nacht aus dem düsteren Urwald, der wird ihn bis an sein Lebens-Ende nicht mehr vergessen.
Mehrmals wiederholt und immer leiser werdend, erstirbt er in einem dumpfen Stöhnen und Aechzen.
War das eine letzte Warnung aus der Welt der Lebenden? Gleichviel!
Ich gab meinem Pferd die Sporen und sprengte hinein in die tote Staubwüste noch weit hinaus verfolgt von dem kläglichen Eulenruf.
Ich wollte womöglich noch vor Mitternacht bei der toten Schlucht anlangen, um das gespenstische
Treiben daselbst aus eigener Anschauung kennen zu lernen.
Die Scrub-Wildnis wurde nach Verlauf einer halben Stunde abgelöst durch eine mit Salzbusch bewachsene Haide.
Hier traf ich auf Schafherden, denn für Schafe ist der Salzbusch das beste Futter.
In der Ferne stand der Schäfer.
Sein Gewehrlauf blinkte im Mondenschein.
Ihm mochte die nächtliche Stille weiter nicht ungeheuerlich erscheinen. Seine Hunde stürmten auf mich los und umsprangen mein Pferd mit wütendem Bellen.
Ich ließ sie gewähren.
Er pfiff ihnen und sie kehrten zu ihm zurück.
Er hätte mir wohl sagen können, ob ich mich noch auf dem rechten Weg befinde, aber aus den vorhin angeführten Gründen mußte ich es mir versagen, ihn zu befragen.
Wenn ich nach einer Station gefragt, das hätte Sinn gehabt, aber nach der„toten Schlucht“,— das mußte Verdacht erwecken.
Konnte er nicht ein Verbündeter spenstischen Goldgräbers sein?
Auf die Salzbusch-Ebene folgte spärlich be⸗ schattetes Weideland mit einer reichen Grasnarbe.
Hier stieß ich in weiten Abständen auf Rinder; herden von tausend Stück und mehr.
Diese sind ohne Hirten.
Als Kälber werden sie ausgesetzt, und sie er⸗ reichen mit der Zeit einen solchen Grad von Ver⸗ wilderung, daß sie selbst den berittenen Viehtreibern zu Leibe gehen.
des ge⸗
(Fortsetzung folgt.)


