Gießen, Sonntag, den 13. September
1896.
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Ausgabe
Gießen.
ssche Landeszeitung.
N A Genc d 1 Stain Redaktion: 7. Erscheint täglich mi 5 f 0— glich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. edition: d Kreuzplatz Nr. 4. 8 3 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile. ren rg Nr. 4. geldey d 2 8 8 aus det* Aus dem Handelskammerbericht. 1 5 1 195 n ermöglicht, ihre Absicht,] Kutscher der Hotelwagen erkannten den Angeklagten heute] beitsuchenden sich stets zunächst an den III. 5 orthin ihre Zugverbindung auszudehnen, als diejenige Person wieder, welche am fraglichen Abend städtischen Nachweis wenden werden, steht wohl
Auf den badischen Staatsbahnen sind seit 1. Mai 1895 zur Erleichterung des Reiseverkehrs Kilometerhefte eingeführt, die sich sehr be⸗ währen. Dieselben sind gültig auf 1 Jahr vom Tage der Lösung ab, kosten per 9 zu 1000 kilometer 1. Kl. 60 Mk., 2. Kl. 40 Mk., 3. Kl. 25 Mk. und berechtigen zur Benutzung aller fahr⸗ planmäßigen Züge nicht nur für den, der sie ge⸗ . sondern auch für Familien⸗ und Geschäfts⸗ angehörige. Die Handelskammer zu Lennep er⸗ 0. in einer Eingabe an den preuß. Eisen⸗ bahnminister eine gleiche Einrichtung für die preußischen Bahnen. Die 1 1 Kammer hat bieges Gesuch unterstützt,„obwohl bei der bis⸗ herigen ablehnenden Stellung der preußischen isenbahnverwaltung gegenüber jeglichen Reform⸗ bestrebungen, namentlich auch auf dem Gebiete des Personentarifwesens, ein Erfolg nicht zu er⸗ warten ist.“. Der Pessimismus der Handelskammer ist f berechtigt. Reformen, die dem großen Publikum Erleichterung schaffen, sind in Preußen llecht schwer durchzudrücken. Wir sollen zwar im Zeichen des Verkehrs stehen, aber man führt nicht etwa den Zonentarif ein, sondern vorläufig müssen wir uns im Bereich der preußischen Bahnverwaltungen mit der Perronsperre begnügen. l N Ob nun diese famose preußische Erfindung auch demnächst auf den oberhessischen Bahnen erblühen wird? Trotz alledem ist es der Handelskammer ge⸗ lungen, eine Vergünstigung auf der Eisenbahn zu erlangen, die leider nur recht wenigen Menschen 0 ute kommt. Es werden nämlich einem Er⸗ fachen der Kammer zufolge ermäßigte Sommerfahrkarten von Gießen nach den e Nordseebädern ausgegeben. Da die große Mehrheit der Gießener Einwohnerschaft Fer nicht in der Lage ist, im Sommer nach R Norderney, Borkum oder Helgoland zu 9 sondern froh ist, wenn sie mal einen Abstecher auf den Schiffenberg oder Staufenburg machen ann, so kommt diese Fahrpreisermäßigung nur Leuten zugute, die eigentlich weniger auf die Ermäßigung zu sehen brauchen.—— „Die Handelskammer hat wiederholt Ver⸗ anlassung genommen, die Führung des Arbei⸗ terfrühzuges, der bisher von Großen⸗ Buseck aus fährt, von Reiskirchen ab zu beantragen. Die Großh. Direktion der Ober⸗ . 1 17 Bahnen war geneigt, diesem von ihr felbst auf Grund erhobener Enquete Fischer Bedürfnisse Rechnung zu tragen, doch scheiterte 0 7 r guter Wille an der fortgesetzten Renitenz der Reiskirchener Ortsbehörde, in Gemeinschaft mit einigen anderen mitinteressierten Gemeinden, die regierungsseitig sehr mäßig gehaltene pekuniäre Beihülfe zu gewähren, welche für die behufs Einrichtung eines Wechselgeleises nötige Terrain⸗ Erwerbung in Anspruch genommen war. In Folge erweiterter Bahnhofs⸗Anlagen in Grün⸗
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schon demnächst in Ausführung zu bringen. Damit tritt endlich auch für die Arbeiter von Reiskirchen und umliegenden Orten die lang⸗ ersehnte Verkehrserleichterung ein; bei einigem Wohlwollen ihrer Ortsbehörden hätte ihnen die⸗ selbe schon seit Jahren zu Teil werden können.“ Wie weit der der Reiskirchener Ortsbehörde hier gemachte Vorwurf berechtigt ist, können wir nicht kontrollieren. Wir freuen uns aber, daß endlich den in Gießen schaffenden Arbeitern die Möglichkeit geboten wird, die Eisenbahn zu benutzen.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 12. Sept. Nach einer Bekannt⸗ machung des Großh. Kreisamts betrugen die er⸗ mittelten Durchschnittspreise bei den Natural⸗ leistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, einschließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert pro Monat August 1896 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kilogramm: Hafer, 14,10, Heu. 5,80, Stroh. 4,20. * Gießen, 12. September. Gestern hatte sich der Seifenfabrikant Möbs von hier vor dem Schöffengericht zu verantworten, weil er, wiederholt darauf aufmerksam gemacht, sich ge⸗ weigert hat, die ihm gehörige Closettonne, welche undicht war, reparieren zu lassen. Es wurde festgestellt, daß der flüssige Inhalt der Tonne kräftig durchgesickert war. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von. 10 und Tragung der Kosten.— Der Amtsanwalt Assessor Ort⸗ wein erklärte bei dieser Gelegenheit, daß er die Schutzmannschaft anweisen werde, mit doppelter Strenge darauf zu achten, daß solche Dinge in unserer Stadt vermieden werden. Man wundere sich manchmal über den pestartigen Ge⸗ stank, der aus den Winkeln den Straßenpassanten entgegenströme, hier müsse strenge vorgegangen werden im Interesse der Gesundheit der Be⸗ wohner. Jeder Fall, wo sich solche Unordnung einschleiche, müsse unnachsichtlich zur Anzeige kommen.
* Gießen, 12. September.(Strafkammer⸗ Verhandlung.) Ein unverbesserlicher Dieb ist der zu Roßbach im Kreise Biedenkopf, zuletzt in Gießen wohn⸗ haft gewesene Peter Orthmüller. Außer Körper⸗ verletzung und Unterschlagung ist dieser Mensch schon sechsmal wegen Diebstahl vorbestraft. Der Angeklagte, welcher im vergangenen Jahre das Unglück hatte, daß ihm iufolge einer Verletzung der rechte Unterarm amputirt werden mußte, leugnete heute auf das aller Entschiedenste den ihm aufs neue zur Last gelegten Diebstahl und be⸗ hauptete sogar ganz frech, daß er gar nicht im Stande sei, mit seinem einen gesunden Arm die That auszuführen, deren man ihn zeihe. Die Beweisaufname bewies aber auf das klarste, daß nur Peter Orthmüller es gewesen, welcher am 28. Juli d. J., Abends zwischen 88 und 9 Uhr einem Kaffereisenden aus Darmstadt seinen Koffer mit Proben im Wartesaal dritter Klasse entwendet haben konnte. Der Reisende hatte nur auf Minuten den Koffer
kurz vor 9 Uhr eiligst den Vorplatz des Bahnhofs, dem Musterkoffer in der linken Hand tragend, passiert hatte. Sie haben auch am selben Abend dem Bestohlenen, der nach seinem verschwundenen Eigentum forschte, den Angeklagten als den mutmaßlichen Dieb beschrieben. Auch der Büffetkellner, der Portier des Bahnhofs und der Schutzmann Otterbein belasten den Angeklagten, so daß an dessen Schuld kein Zweifel blieb, obgleich er nachge⸗ wiesen, daß er in der Zeit von/— 5/9 Uhr an jenem Abend nicht im Wartesaal anwesend gewesen. Den ge⸗ stohlenen Koffer fand man als herrenloses Gut in einem Acker in der Nähe von Klein⸗Linden wieder. Staats⸗ anwalt Koch beantragte gegen den unverbesserlichen Menschen eine exemplarische Strafe in Höhe von 2 Jahren Zuchthaus zu erkennen. Der Gerichtshof erkannte auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ rechte auf 3 Jahre.— Hierauf wurde in die Verhandlung gegen den Buchhalter Karl Ulrich, im Jahre 1869 in Wiesbaden geboren, zuletzt in Bad Nauheim im Bristol Hotel thätig, wegen Unterschlagung eingetreten. Der An⸗ geklagte ist wegen Sachbeschädigung, Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betrug vorbestraft. Er ist geständig, am 22. Juli d. J. mit der Kasse seines Chefs im Betrage von 340 Mk. abends mit dem 9 Uhr Zuge nach Frankfurt durchgebrannt zu sein und da in gerade nicht der besten Gesellschaft diese Summe in zwei Tagen verjubelt zu haben. Herr Bitton, der Besitzer des Bristol Hotels, bekundete, daß er Frankfurt nach seinem ungetreuen Buchhalter fahndend im Hotel erfahren, daß dieser gegen Morgen in Gesellschaft eines Dienstmannes, der ihn bei seinen Schwelgereien des Nachts begleitet hatte, betrunken seine Lagerstätte aufgesucht. Er, der Zeuge hat von dem Vor⸗ leben des Angeklagten nichts gewußt und ihm in Folge seiner guten Zeugnisse das größte Vertrauen geschenkt. Leider sei er zu spät dahinter gekommen, was für ein leichtsinniger Bruder sein ehemaliger Buchhalter gewesen. Der Staatsanwalt Koch beantragte, den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten zu verurteilen. Die Strafkammer hielt aber eine härtere Strafe für am Platze und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis.
Gießen, 12. September. Städtischer Arbeits nachweis. Der von unserer Stadtverordnetenversammlung am 16. Juli gut geheißene Entwurf eines Ortsstatuts für den hier zu errichtenden st ädtischen Arbeits⸗ nachweis hat die Genehmigung des hessischen Ministeriums des Innern und der Justiz gefunden. Unsere Stadt gelangt somit zu einem Institut, das jedenfalls von allen Seiten freudig begrüßt werden wird. Schon im Juli waren wir in der Lage, den Wortlaut des Statuts für das Arbeitsnachweisamt zu veröffentlichen. In unserer gestrigen Nummer haben wir den Ab⸗ druck im Inseratenteil wiederholt. Unsere Leser ersehen daraus, daß der städtische Arbeitsnach⸗ weis für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer völlig kostenlos vermittelt. Gerade hierin liegt der hohe Wert namentlich für den Arbeit⸗ suchenden. Arbeiter, Dienstboten usw., die stellen⸗ los sind, brauchen im städtischen Arbeitsnach⸗ weis keinen Pfennig ihres sauer verdienten Geldes zu opfern. Es ist nur zu wünschen, daß die Arbeitgeber ausnahmslos den städtischen Arbeitsnachweis, der am 1. November
außer Acht gelassen. Die als Zeugen vernommenen
außer allem Zweifel. Das neue städtische In⸗ stitut wird nicht nur für die stellenlosen Arbeiter und Dienstboten segensreich wirken, sondern auch für den Sozialpolitiker bedeutsam sein, dem sie zuverlässige statistische Nachweise über die je⸗ weils herrschende Arbeitslosigkeit gewähren wird. Hoffentlich gelangt es in nicht allzu ferner Zeit, die sämtlichen städtischen Arbeitsnachweise in Hessen zu zentralisieren. Gießen, 12. September. Unsere Leser erinnern sich des Frevels, den zwei 11155 dadurch begingen, daß sie auf Schwalben feuerten. Dieses Attentat auf die nützlichen Vögel hat unter der Bürgerschaft mit Recht Enkrüstung hervorgerufen und man fand die den beiden Schützen durch Strafbefehl auferlegte Sühne von je zehn Mark viel zu gelinde. Die— selbe Ansicht scheint auch der Jagdpächter, auf dessen Gebiet die Schwalbenjagd stattgefunden hat, zu teilen, denn er hat gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben, damit die Angelegenheit vor dem Schöffengericht zur Verhandlung kommt.
* Gießen, 12. Sept.(Unglücksfall.) Das 4 jährige Söhnchen des Taglöhners Georg Müssing von hier stürzte gestern bei Duten⸗ hofen in Gegenwart seiner Mutter von der Plattform eines Eisenbahnzugges und wurde schwer verletzt in die Klinik verbracht.
* Gießen, 12. Sept. Die Diphtheritis grassiert unter den Kindern. Am heftigsten tritt die Krankheit in der Altstadt auf. Wie uns mitgeteilt wird, soll die Klinik mit Kindern über⸗ füllt sein. Den Eltern kann nicht genug Vor⸗ sicht geraten werden.
* Gießen, 12. September. Nach dem Ge⸗ nuß von Obst stellt sich gewöhnlich Durst ein; dieser wird am besten vermieden, wenn man mit dem Obst zugleich Brot genießt. Wenn man überhaupt die Kinder vor Unterleibsbe⸗ schwerden bewahren will, so gestatte man ihnen niemals, daß sie Obst ohne Brot genießen. Wenn Eltern ihre Kinder gesund erhalten, insbesondere vor Durchfall, Diarrhöe bewahren wollen, so sei ihnen empfohlen, sie von klein an daran zu gewöhnen, Obst nur mit Brot zu essen.
* Gießen, 12. September. Daß auch einem Geisteskranken die Konzession zum Betriebe der Schankwirtschaft erteilt werden muß, hat der Bezirksausschuß zu Bres⸗ lau, wie die„Jur. Bl.“ mitteilen, entschieden. Nach dem Grundgedanken zur Gewerbe⸗Ordnung soll Jeder zum Gewerbebetriebe zugelassen werden. Danach seien also Geisteskranke nicht ausgeschlossen. Wenn für den Schankwirtschafts⸗ betrieb eine besondere behördliche Erlaubnis er⸗ forderlich sei, so habe die Gewerbe-Ordnung doch die Gründe der Verweigerung einer solchen Er⸗ laubnis bestimmt begrenzt, nämlich dahin, daß die Erlaubnis nur zu versagen ist, wenn der Gewerbetreibende befuͤrchten läßt, daß er seinen Gewerbetrieb zur Förderung der Völlerei, des
eröffnet wird, benutzen werden. Daß die Ar⸗
unerlaubten Spieles oder anderer unerlaubter
Marja, das Heldenmädchen s von Transvaal.
i ieter Vrybur e* l en 5(Fortsetzung.)
Ihre Erscheinung verbreitete Furcht unter den Veersammelten, von denen ein Teil flüchtete Anter diesen Umständen wurde es Marja leicht, von den Zurückbleibenden jede gewünschte Auskunft
. zu erhalten.
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1 Was sie hörte, war geeignet, sie auf's Höchste 1b hei 0 zu überraschen. 1 Dr. Jameson, der Gouverneur von Betschuana⸗
land, den alle kannten, war mit einem Fremden, der ebenfalls beritten war, und mehreren Soldaten der englischen Chartered⸗Company vor einigen Tagen hier hindurchgekommen und in scharfer Gangart nach der Grenze zu geritten. Marja erfragte in fieberhafter Erregung alle Einzelheiten über die Erscheinung des Fremden und erkannte in jedem Zuge den Deutschen wieder. „War er gefesselt?“ fragte sie. „Nein, er ritt frei wie die Anderen neben Doktor Jameson, mit dem er sich unterhielt. Die
(daten ritten in kurzer Entfernung hinter den 40
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1
Das die hier erhaltene Auskunft und sie 5 in Marla schmerzlichem Bedauern ein vernichtendes Urteil für den Deutschen. Sie brauchte nun keiner Reitspur mehr zu folgen. Sie wußte es, ohne zu fragen, Buluwayo
lassungen, hatte sie den Verschwörungsherd zu suchen und ihre Aufgabe konnte nur sein, Buluwayo so schnell als möglich zu erreichen.
12. Kapitel.
Der Gefangene des Gouverneurs.
Der Deutsche hatte sich in sein Schicksal er⸗ geben. Willenlos ließ er sich fortführen. Jameson, das erkannte er wohl, war kein Mann von vielen Worten. Fernerer Widerstand wäre nutzlos ge⸗— wesen. Daß man ihm nicht gleich den Garaus machte, verdankte er wohl nur einer falschen Information, welche Jameson über ihn und seine Sendung von Pretoria aus erhalten hatte.
Aus der Unterredung Oom Pauls mit Witborg wissen wir bereits, wer der Deutsche war, und so wollen wir ihm im weiteren Verlaufe unserer Er⸗ zählung seinen wahren Namen, Kurt von Hallern, beilegen.. 8 5
Jameson war, so schien es Kurt, über die Vor⸗ gänge in Pretoria und Johannesburg genau unter⸗ richtet, ein Beweis, daß der Präsident Krüger von Spionen umgeben war, welche auch den unwesent⸗ lichen Vorgängen Bedeutung beilegten und in diesem Sinne nach Buluwayo berichteten. Diese Spione hatten ermittelt, wer der Deutsche war, was dieser nirgends und gegen Niemand geleugnet hatte. Sein hoher Rang, seine Offiziercharge und seine längere Unterredung mit dem Präsidenten Krüger hatten der Vermutung Raum gegeben, Kurt von Hallern sei vom deutschen Kaiser mit einer geheimen Mission in Transvaal betraut worden. Grund genug für Jameson, diesem Fremden seine besondere Beachtung
ihn verhängnisvollen Situation überrascht hatte. Kurts genaues Signalement und die Richtung die er von Pretoria aus eingeschlagen, waren ihm tele⸗ graphisch nach Buluwayo gemeldet worden, und so konnte er den Fremden sofort erkennen und zu dessen nicht geringer Verwunderung mit seinem Namen anreden.
Kurt überlegte, welche Vorteile ihm die Andich⸗ tung einer geheimen politischen Misston gewährte, und er war enkschlossen, dem verräterischen Jameson gegenüber seine Harmlosigkeit und den privaten Charakter seiner Sendung nicht vorzeitig zu ent⸗ hüllen, sondern eine kluge Reserve zu beobachten, bis Zeit und Gelegenheit sich fanden, um dem deutschen Konsul in Pretoria Kenntnis von seiner Lage zu geben oder seine Flucht zu bewerkstelligen.
Während der ersten Wegstrecke bis zum Fluß wurde Kurt sehr streng bewacht. Er mußte zwischen den vier Soldaten dem Zuge voraufreiten. In ge⸗ ringer Entfernung folgten die Anderen. Sie be⸗ sprachen sich während des Rittes noch mit Doktor Jameson, doch konnte der Gefangene von der ge⸗ führten Unterhaltung nichts verstehen.
Nach der erfolgten Trennung am Flußufer sagte Jameson zu Kurt und zwar in völlig verändertem, höflichem Tone:
„Ich bedaure, Herr Graf Hallern, Ihnen diese kleine Unbequemlichkeit bereiten zu müssen. Unter den obwaltenden Umständen und da Sie im Besitz unseres so streng bewachten Geheimnisses sind, kann ich Sie nicht frei geben, indessen will ich Ihnen zum Troste sagen, daß Ihre Haft keine lange, und
war Ziel d walkade. g —— 9 der britischen Nieder⸗
zu schenken, den er in einer so eigentümlichen für
wenn Sie wollen, eine sehr leicht erträgliche sein
wird. Es genügt dazu ihr Ehrenwort als Offizier und Edelmann, keinen Fluchtversuch machen zu wollen, bis ich selbst Ihnen die Freiheit wieder gebe. Die Verweigerung Ihres Ehrenwortes würde für Sie die Folge haben, daß ich zu strengen Maß⸗ regeln greifen und Sie unter schärfster Bewachung einkerkern müßte, aber das möchte ich nicht gerne, obwohl ich die Macht dazu habe. Ich befinde mich jetzt schon durch meinen bewaffneten, wenn auch heimlichen Uebertritt über die Grenze und durch jenes Aufgebot von Unzufriedenen im Kriegszustande mit Trausvaal. Die Kriegserklärung wird nicht lange auf sich warten lassen. Also ein Wort ein Mann— verpfänden Sie mir Ihr Ehrenwort, keinen Fluchtversuch machen zu wollen?“
Kurt überlegte nicht lange. Aus der Gewalt dieses Menschen konnte er, unbewaffnet wie er war, nicht entkommen. Dagegen mußte ihm daran liegen, sich die Freiheit der Bewegung zu erhalten, vielleicht, daß er dann doch noch etwas dazu beitragen konnte, diesen unseligen Krieg zu verzögern oder zu ver⸗ hindern. Man hatte ihm gesagt, daß Dr. Jameson ein sehr intelligenter Mann sei, also jedenfalls ein Mann, mit dem sich reden ließ.“
„Da ich Geschehenes nicht ändern kann, nur durch eigene Schuld in diese Lage gekommen bin, so bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihren Wunsch zu erfüllen“, sagte er ruhig.„Ich habe nicht Lust, mich auch noch einer rohen Behandlung auszusetzen. Also hier meine Hand und mein Ehren⸗ wort, nicht zu fliehen, bis Sie selbst mir die Frei⸗ heit wieder geben!“ 5
GCöortsetzung folgt.)
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