Ausgabe 
12.3.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 12. März

1896.

Ausgabe

Gießen.

andeszeikung.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

8 Expedition: 4 Kreuzplatz Nr. 4.

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sst, gegen feste Prämien versichern kann. wird der volle Wert des Tieres vergütet, sobald

55 Lokales und Provinzielles.

Gießen, 11. März. General⸗Versammlung Bezirks⸗Vereins zu (Fortsetzung aus dem Hauptblat)). Dr. Liebe vom städtischen

chlachthof über die Gießener Schlachtvieh Versicherungsgesellschaft, welche haupt⸗ sächlich im Interesse der Landwirte zu wirken bestimmt sei. Nachdem die Bemühungen auf e des§ 4 der Statuten den Anschluß der

Gießen.

Gemeinden an die Gesellschaft zu veranlassen, von keinem Erfolg gewesen, hat man sich zu der Modifikation entschlossen, daß vom 15. März an jeder Landwirt das zur Schlachtung in Gießen bestimmte Vieh, sofern es nicht ersichtlich 0 58

der Befund es für nicht ladenrein erklärt. Für einzelne beanstandete Organe wird ein fester Tax⸗ wert bezahlt. Regierungsrat Dr. Wallau er⸗ klärt außerordentlich erfreut zu sein, über das zu Gunsten der Landwirte damit Erreichte und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß der Vorstand der Gesellschaft nun auch einen Modus finden werde, der auch den Anschluß der anderen Metzger an die Gesellschaft ermögliche. Dr. Liebe erklärt, die Wünsche der Metzger nach dieser Richtung würden von der Gesellschaft wohlwollend geprüft werden. Gutsbesitzer Schlenke bemerkt, daß nach der Vereinbarung mit dem Vorstand

der Schlachtvieh⸗Versicherungsgesellschaft nur Tiere

der Landwirte, nicht solche von sogenannten Handelsleuten in Gießen versicherungsberechtigt

seien, genau so handhabe man die Sache in Marburg

und komme dabei bei minimalen Prämien sehr gut aus. Redner weist aber daraufhin, daß die auf dem Lande vorhandenen Ortsviehversicherungs lassen ihre Statuten ändern sollen, damit nicht der Landwirt seine bei ihnen als Zuchtvieh höher versicherten Tiere wenn sie es nach Gießen zum Schlachten bringen, einfach bei der Schlachtvieh

versicherung unversichert ließen, um zu Hause im

Fall der Beanstandung den weit höheren Verlust des Viehs als Zuchtmaterial herauszuschlagen, und so ein Interesse an der Beanstandung in Gießen gewönnen. Zuchtvieh, welches durch ge wisse Umstände eben nur den Wert des Schlacht viehes habe, sollte als solches auch nur vergütet werden. Obermeister der Fleischerinnung Pirr giebt die Erklärung ab: Nach der heute hier abgegebenen Erklärung des technischen Beiraths der Schlachtviehversicherungsgesellschaft, Dr. Liebe, wolle er es unterlassen, hier die Differenzen zur Sprache zu bringen, die ihn und seine Kollegen, die außerharb der Gesellschaft stehen, von dieser trennen. Er gebe sich nach dieser Erklärung der festen Hoffnung hin, daß man ihren Wünschen gerecht werden würde. Rechtsanwalt Jost be⸗ merkt hierzu, daß es sich allerdings hier in der Versammlung nur um die Verhandlung der landwirthschaftlichen Interessen handeln könne. Die Versicherungsnahme der Metzger direkt habe seine Schwierigkeit, indem diese ja schon die ge⸗ setzliche Haftung für Währschaftsfehler durch den Verkäufer habe. Redner giebt aber anheim, eventuell eine Kommission zu wählen, welche die Differenz zwischen den Mitgliedern der Gesell⸗ schaft und ihren Kollegen berathen soll. Provin⸗ ial⸗Direktor Freiherr von Gagern hält die

ahl dieser Kommission nicht für opportun, da

die heutige Bersammlung nicht die geeignete sei, sich mit dieser Frage überhaupt zu beschäftigen. Gutsbesitzer Güngerich-Heibertshausen hält die geforderte Prämie von Mark 8,50 für Ochsen zu hoch. In Köln z. B. zahle man nur Mk. 6.. Freiherr von Gag ern bemerkt hierzu, es könne dabei um 1 Mk. mehr oder weniger nicht ankommen. Das Wesentliche sei, wie der Landwirt bei der Gesellschaft be handelt werde, und dann solle man doch bedenken, daß man in Hessen bei der strengen Fleischbeschau auch ein wesentlich höheres Risiko habe. Die Prämiensätze seien ein Internum der Gesellschaft, das müsse man derselben überlassen, dieselben so zu bemessen, daß das Bestehen der Sache auch dadurch gewährleistet werde. Seip-Birklar weist darauf hin, wie die Landwirte bei bean standetem Vieh in den Schlachthäusern zu Höchst und Offenbach geschunden würden, daher ver diene das Gießener Institut die volle Unter stützung der Landwirte. Obermeister Pirr giebt seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß die Be stimmung der Statuten der Versicherungs-Gesell⸗ schaft, daß nur Rindsmetzger Mitglieder der selben werden können, geändert werden muß, denn wer mitthatet, der soll auch mitraten, daher sei die vom Rechtsanwalt Jost vorgeschlagene Kommission ihm und seinen Kollegen sympathisch. Würde ihren Wünschen nicht entsprochen, so würde der schon bestehende Riß unter den Kollegen noch weiter. Man würde eine zweite Viehver sicherungskasse hier gründen und sich gegenseitig hier Konkurrenz machen, so daß für beide Teile nichts Ersprießliches dabei herauskäme. Pro vinzialdirektor Freiherr von Gagern präzisirt noch einmal seinen schon geäußerten Standpunkt in dieser Sache und giebt dem Vorredner anheim, vorerst die Vermittlung der städtischen Behörden anzurufen, und wäre er durchaus nicht abgeneigt, in seiner amtlichen Eigenschaft dann sich mit der, den Vorredner und dessen Kollegen inter essirenden Frage zu beschäftigen.

Gießen, 11. März. Der VereinGieße⸗ ner Volksbad hielt gestern Abend im Café Leib eine mäßig besuchte Versammlung ab. Rechtsanwalt Dr. Fuhr führt den Vorsitz. Er giebt eine Uebersicht über die Arbeiten, denen sich der s. Z. gewählte Ausschuß unterzogen hat. Der Verein zählt jetzt 383 Mitglieder. Die zu errichtende Anstalt solle ein Schwimmbassin, 16 bis 20 Wannenbäder, 1 Dampfbad mit Massage und endlich Brausebäder erhalten. Das Bassin für Schwimmer soll täglich für Männer und Frauen abwechselnd, Mittwoch und Samstag Abend zum ermäßigten Preise von 10 Pfg. be⸗ nutzt werden. Für die Erbauung und die con⸗ fortable Einrichtung dieser Badeanstalt benöthige man, 120000. Der Bauplatz, den man 10 bis 15000 Quadratmeter groß annehmen müsse, um später die Anstalt event. erweitern zu können, erfordere 20000. Das Betriebs- kapital sei auf ebenfalls, 20000 bemessen, sodaß die erforderliche Gesammtsumme. 160000 ausmache. Stadtverordneter Haubach referirte nun über die der Versammlung vor liegende Rentabilitäts⸗-Berechnung des zu grün⸗ denden Unternehmens. Die diesem Voranschlag zu Grunde liegenden Zahlen treffen ungefähr das richtige. Das nothwendige Personal erfordere etwa, 6950,, die Materialien etwa.. 4620, Abschreibungen, Reparatur, Hypotheken zinsen ꝛc. etwa 5560,, zusammen also eine

jährliche Ausgabe von. 17 130,.. Dem⸗ gegenüber wäre eine Einnahme von +ι 18 750,. angenommen, sodaß ein Reingewinn von 1620 . zu erwarten sei. Alle Ziffern stützen sich auf Erfahrungen in anderen Städten. Dr. Fuhr bemerkt hierzu, daß die Leitung der Anstalt in den Händen eines Vorstandes, der aus 35 Mitgliedern bestehen soll, liegen wird und man wird in unserer Stadt Männer finden, die das Volksbad über die Kinderjahre hinaus sicher geleiten werden. Man beabsichtige Mk. 6000. Hypothek, mit pCt. verzinslich, aufzunehmen und habe nach dieser Richtung bereits die Zu sage der Alters- und Invalididätsversicherung für das Großherzogtum Hessen erhalten. Der Rest von 100000 Mark soll in Aktien aus⸗ gegeben werden, von denen die Hälfte die Stadt Gießen übernehmen soll. Auch hofft man das zum Baden erforderliche Wasser zu 4 pro Kubikmeter von der Stadt zu erlangen. Professor Gundermann weist an der Hand der Verhältnisse von Pößneck, die ihm bekannt sind, darauf hin, daß die Badefrequenz für Gießen größer sein wird, wenn man erwägt, daß die Bevölkerung unserer umliegenden Dörfer die Badegelegenheit ebenfalls benutzt. Professor Sommer erklärt, das Unternehmen habe gewiß Jedermanns Sympathieen und regt an, ob es sich nicht ermöglichen ließe, mit der Badeeinrichtung eine Waschanstalt zu vereinigen, um die Rentabilität dadurch zu steigern. In der Schweiz habe man vielfach beides vereinigt. Dr. Fuhr bemerkt hierzu, daß allerdings in Magdeburg der Versuch gemacht sei, der sich aber nicht be⸗ währt habe. Professor Sommer hält es im Prinzip für wünschenswert nicht nur an die Reinhaltung des Körpers, sondern auch an die der Wäsche zu denken und verspricht sich nach den Ver⸗ hältnissen dieser Anstalten in der Schweiz und deren Rentabilität sich erkundigen zu wollen und dann das Material dem Vorstand zur Verfügung zu stellen. Redakteur Scheidemann ist der Ansicht, daß derartige Wohlfahrtsinstitute wie das projektierte Volksbad von der Stadt sel bst gebaut werden müßten. Die Frage der Rentabilität dürfe erst in zweiter Linie in Frage kommen. Hauptsache müsse sein, daß die Austalt der ganzen Bevölke⸗ rung zum Segen gereiche. Nach diesen Gesichts⸗ punkten würden aber Private kaum verwalten, die doch meistens auf Zinsengenuß reflektierten. Der Stadt dürfe es nicht darauf ankommen, bei einer solchen Wohlfahrtseinrichtung jährlich ein paar Tausend. zuzuschießen. Hauptsache sei jedoch auch für ihn(Redner), daß das Bad überhaupt zu Stande komme. Unter keinen Um⸗ ständen möchte er etwa das Projekt daran scheitern sehen, daß die Stadt sich ablehnend

verhalte. Die Versammlung nahm darauf folgende Resolutionen einstimmig an. 1. Die Versammlung erkennt die Errichtung einer

Badeanstalt mit Sommer- und Winterbetrieb, umfassend Schwimm-, Wannen-, Brause⸗ und Dampfbäder als dringendes Bedürfnis an. 2. Die Versammlung erklärt sich mit dem vom Arbeits⸗ ausschusse des Vereins Gießener Volksbad skizzier⸗ ten Bauplane und dessen Rentabilitätsberechnung einverstanden. 3. Die Versammlung erachtet es als eine unabweisbare Aufgabe der Stadtver waltung, für die im wahrsten Sinne des Wortes gemeinnützige Anstalt städtische Mittel zur Verfügung zu stellen; sie hat andererseits die Zuversicht und das Vertrauen, daß es dem Ge⸗

meinsinn der Bürgerschaft gelingen wird, ihrer⸗ seits soviel Kapital aufzubringen, daß durch das Zusammenfließen von städtischem und privatem Kapital die als notwendig erkannte Bausumme aufgebracht wird. Die Versammlung beauftragt demgemäß den Arbeitsausschuß des Vereins Gießener Volksbad dem Herrn Oberbürger⸗ meister das Ergebnis der Vorarbeiten des Aus⸗ schusses und die heutigen Beschlüsse mit der Bitte vorzulegen, der Stadtverordneten-Versammlung das folgende Gesuch zur Beschlußfassung zu unter⸗ breiten: Es wolle die Stadt Gießen, um die Errichtung eines Volksbades zu ermöglichen, sich bereit erklären: a) der zu nden Aktien⸗ Gesellschaft das zum Betriebe der Anstalt er⸗ forderliche Wasser zu 4 5 per Kubikmeter aus der städtischen Wasserleitung abzugeben; b) eben⸗ soviel Aktien⸗Kapital zu gewähren, als aus der Mitte der Bürgerschaft gezeichnet werden wird. c) Im Laufe von 25 Jahren in gleichen jähr⸗ lichen Raten die in privaten Händen befindlichen Aktien al pari aufzukaufen und alsdann das Bad in Alleinverwaltung zu übernehmen.

Gießen, 11. März. Heute Morgen rückten per Wagen, welche mit Taunengrün herausgeputzt waren, die jungen Mannschaften von Allendorf an der Lahn, Allendorf an der Lumda, Alten⸗ Buseck, Annerod, Bersrod, Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen ⸗Buseck, Hattenrod und Mainzlar in die Neustadt ein. Das Musterungsgeschäft auf dem Lahnstein ging den Vormittag flott von statten. Auf Oswalds⸗ garten entwickelte sich ein flotter Handel mit Sträußen und Kränzen. 7 Händler hatten gegen Mittag vollauf zu thun, um der Nachfrage nach diesem Rekrutenschmuck zu genügen.

Gießen, 11. März. Eine gestern vor der Strafkammer als Berufs⸗Instanz verhandelte Strafsache gegen 3 junge Bauernburschen von Nieder-Florstadt wegen Körperverletzung endete mit der Verwerfung der Berufung, so daß die Verurteilten wegen ihres Vergehens 3, 5 bezw. 6 Monate Gefängnis verbüßen müssen.

Gießen, 11. März. Im Schuhlager von L. Süß in der Marktstraße ist heute Nacht ein frecher Einbruch verübt worden. Die Ladenthür, welche nur mit Vorsatzläden verwahrt ist, wurde mit Gewalt nach innen zugedrückt und so der Eingang erzwungen. Der Inhaber der Firma fand heute früh seinen Laden sperrangelweit offen. Ob und was von den Waaren gestohlen, konnte noch nicht ermittelt werden.

Gießen, 11. März. Das liebe Osterfest wirft diesmal recht düstre Schatten voraus, die finstere Kummerfalten in die Stirn fürsorglicher Hausfrauen graben. Denn es stellt sich diesmal außergewöhnlich früh ein, bereits am 5. April, und der erste April ist bekanntlich nicht nur der Tag der beliebten Aprilscherze, sondern als Quartalserster auch der vielgefürchtete und durch⸗ aus nicht beliebteUmziehtag. Umziehen aber gehört nicht gerade zu den Annehmlichkeiten eines Hausfrauen⸗Daseins. Glücklich, wer die Woh⸗ nung möglichst wenig zu wechseln braucht, wer mit seinen Nachbarn in Frieden und mit dem gestrengen Herrn Hauswirt auf gutem Fuße lebt, daß die Angst vor Mietssteigerung und sonstiger Schererei ihm ewig unbekannt bleibt! Er kann sein Heim behaglich schmücken und immer trau⸗ licher gestalten, ohne befürchten zu müssen, daß der böseUmziehtag seinem Werke ein Ende mit Schrecken bereitet und ihn zwingt, in der

Fräulein Luey. Ein kleines Drama von Hugo Klein. (Nachdruck verboten.)

Das Vorspiel.

Zeit: Im Mai. Schauplatz: Eine Szenerie im Grünen. Die schönsten Rosen blühen, die ganze Natur hat große Toilette gemacht und zeigt sich im blendenden Glanz der Morgensonne. Die Sommerfrischen und Villenstädte bevölkern sich be reits mit anmutigen Frauengestalten, die sich jeder nach Belieben ausmalen kann.

Es ist Sonntag. Von einer blätterumrankten Veranda auf dem Hügel, der Dorf und Landstraße überragt, späht ein junges Mädchen in die Ferne. Zwanzig Jahre, dunkle, etwas verschleierte Augen, ein roter Kußmund mit überlegenem Lächeln. In diesem Alter sind schöne Mädchen ihrer Macht über alle Männer sicher. Und die Frauen spielen dann in ihren Augen überhaupt keine Rolle mehr

Eine kleine Vorstellung: Fräulein Lucy der eneigte Leser. Nicht wahr, Fräulein Luch ist in eressant? Und besonders, wenn man sie näher kennt. Sie ist ein modernes Mädchen. Liebt es nicht, zu diel Sentimentalität aufkommen zu lassen.

setzt von modernen Ideen. Weiß genau, daß ein junges Mädchen seinen Schatz an Frische und Schön heit gut verwerten muß, wenn es emporkommen will. Das ist einzige Chance. Soll ausgenützt werden. An dummen Männern wird doch kein Mangel sein!

Fräulein Luch steht auf der Veranda und späht in die Ferne. Wonach? Natürlich nur nach einem Millionär. Auch solche zog sie an, denn sie war, wie gesagt, sehr schön. Am Sonntag, der Besuchstag im Grünen, gab es stets großen Verkehr in der ländlichen Villa. Da kamen Arme und Reiche, Schöne und Häßliche. Sie alle umgaukeln nur Lucy. Sie wirft da eine Angel aus, dort eine. Aber die großen Fische beißen schwer an Und wenn einer anbeißt, reißt er sich wieder los. Aber nun zappelt einer, der allergrößte. Wird man ihn festhalten können? Wird er der erste Besucher an diesem Tage sein, wie hoffnungsfreudige Mädchen eitelkeit erwartet?

Eine Männergestalt kommt in Sicht. Ha! Die kleine, weiße Hand zittert ein wenig, indem sie aus der Vase auf dem Tischen eine rote Rose nimmt, um sie ins Haar zu stecken..

Sie kann die Gestalt noch nicht erkennen und

. Hat lugt so scharf aus, daß sie vergißt, die Rose an neuere englische Romane gelesen. Ist ganz durch- den beneidenswerten Platz zu fügen.

Die Gestalt kommt näher, immer näher. ist sie zu erkennen..

Es ist kein Millionär. Auch ein Verehrer, natürlich, ein sehr eifriger Verehrer aber ziemlich mittellos. Privatdozent der Chemie. Ernährt sich zwar sehr anständig, weniger durch seine Lehr thätigkeit, als indem er seine Kenntnisse ver schiedenen Farbwaren- und Chemikalienfabriken zur Verfügung stellt. Hat zwar schöne Zukunft aber kein Vermögen. Die Frauen durften früher keine Vergangenheit haben. Früher war man auch zu frieden, wenn ein junger Mann nur eine Zukunft hatte. Heute verlangt man aber eine Gegenwart von ihm.

Allerdings nicht immer. Viele Mädchen wären auch in unsern Tagen glücklich gewesen, wenn dieser hübsche Junge sie erkoren hätte. Aber er hatte nur Augen für Fräulein Lucy. Auch ihr gefiel er sehr. Oft konnte sie den Blick nicht von ihm wenden und dachte... Dummheiten! Sie besiegte immer bald die kindische Schwäche.

Ein Millionär war er unter keinen Umständen. Und darum nahmen die schönen Züge Luchs, als sie ihn erkannte, den Ausdruck des Unmuts an. Die Lippen krümmten sich im Verdruß. Und die weißen Hände entblätterten und zerrissen die schöne Blüte, die sie hielten. Arme Rose!

Nun

Erster Akt.

Er küßte ihr begeistert die zierliche Hand und sagte warm:Wie glücklich bin ich, Sie einmal allein zu finden. Ich bin darum so früh ge kommen... Ich dachte... vielleicht... Er stockte.

Ein trotziger Zug hatte sich um den Mund der Schönen gelegt.Gut, dachte sie,soll es zur Auseinandersetzung kommen! Und laut fügte sie hinzu:Mama ist noch mit ihrer Toilette be schäftigt. Wollen Sie nicht mit mir einen Rund- gang im Garten machen?

O, sehr gerne!

Wie Sie das sagen!... Nun, so kommen Sie... Unser Garten ist sehr schön. Vielleicht macht er Ihnen Vergnügen. Mir wirklich nicht mehr. Wenn man da immer allein herumspazieren muß, wird die Sache ziemlich langweilig. Ich liebe nicht dastote Leben, wenn man den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf.

Sie gingen im Garten eine Weile neben einander her. Fräulein Luch sprach anfangs leb⸗ haft, er hörte ihr aber kaum zu, beherrscht von seiner Aufregung. Dann schwieg sie, und es ent⸗ stand eine Pause. Sie blickte ihn etwas mokant an. Und er faßte sich ein Herz.

(Schluß folgt.)

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