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Gießen, Freitag, den 11. September
1896.
Ausgabe
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Gießen.
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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Die Gießener Handelskammer und der Antrag Kanitz.
Das Ideal der Agrarier, die Verwirklichung des Antrages Kanitz, hat wiederholt auch die hiesige Handelskammer beschäftigt. In zwei Eingaben hat die Kammer den Reichstag ersucht, den Antrag abzulehnen. Die Eingabe vom 2. April 1895 hatte folgenden Wortlaut:
„Obgleich der Antrag Kanitz, der noch vor Jahresfrist allgemein für das Erzeugnis einer
waghalsigen Phantasie gehalten wurde, nunmehr
durch den preußischen Staatsrat die ihm ge⸗ bührende Abfertigung gefunden hat, so glauben wir doch, auch jetzt noch die Gefahr nicht unter⸗ schätzen zu dürfen. Wir erachten es insbesondere, wenn anders für die Zukunft die deutsche In⸗ dustrie vor weiteren ue ähnlicher Art geschützt sein soll, für eine unbedingte Not⸗ wendigkeit, daß der Reichstag jenen modernen Volks⸗Beglückern durch seine Abstimmung ein für allemal zeigt, daß er für solche Bestrebungen niemals zu haben sein wird. Es geht deshalb unsere Bitte dahin:
Der hohe Reichstag wolle den Antrag Kanitz ablehnen.
Die Frage, ob überhaupt ein landwirtschaft⸗ licher Notstand, wie er seitens der Agrarier be⸗ —— wird, vorhanden ist, mag hier unerörtert
leiben, obwohl wir nach unseren Erfahrungen der festen Ueberzeugung sind, daß die Landwirt⸗ schaft unter der jetzigen allgemeinen Depression aller Verhältnisse nicht mehr zu leiden hat, wie die meisten anderen Erwerbszweige auch.
Ist aber überhaupt der Antrag Kanitz im Stande, dauernd die erstrebte Besserung zu bringen? Der kleine Landwirt, der nicht mehr produziert, als er selbst konsumiert, würde selbst⸗ verständlich von den künstlichen Preiserhöhungen keinerlei Vorteil haben. Aber auch der große Landwirt würde die Vorteile nur in seiner jetzt lebenden Generation genießen können. Denn wenn es richtig ist, daß die gegenwärtige Höhe des Preises von Grund und Boden die Haupt⸗ ursache dafür ist, daß die Landwirtschaft zur Zeit nicht, wie es vielleicht wünschenswert ist, rentiert, so würde die Verwirklichung des An⸗ trages Kanitz künftighin gerade den Notstand der Landwirtschaft noch vergrößern. Denn daß eine Erhöhung der Getreidepreise notwendigerweise auch eine ungesunde Steigerung des Bodenwertes
dur Folge haben muß, ist nicht zu leugnen, und
ie spätere Generation, die genötigt ist, den
Grund und Boden erst käuflich zu erwerben oder
die Geschwister mit einer dem gesteigerten Wert des Bodens entsprechenden Summe abzufinden, 5 mit erneuten Schwierigkeiten zu kämpfen, enen nur durch einen erneuten und weiter⸗ gehenden Antrag Kanitz begegnet werden könnte. Und weiter, welch unheilvolle zur Zeit noch
gar nicht übersehbare Folgen würde der Antrag Kanitz nach sich ziehen? Zunächst die Ver⸗ teuerung des täglichen Brotes. Wen trifft die⸗ selbe in erster Linie? Die großen Massen des Volkes, die Industriearbeiter. Eine Steigerung der Löhne ist die nächste Konsequenz, die ihrer⸗ seits wiederum eine ungeheuere Mehrbelastung der Industrie und damit auch die Unmöglichkeit, mit anderen Nationen erfolgreich auf dem Welt⸗ markt zu konkurrieren, zur Folge hat. Die Ver⸗ teuerung des Brotes wird aber nicht nur die Industrie schädigen, sondern sie wird auch die an und für sich schon vorhandene Unzufriedenheit in den großen Massen des Volkes vergrößern, und es gehört in der That gerade in jetziger Zeit ein hohes Maß egoistischer Verhlendung dazu, um hierzu die Hand zu bieten.
Auf das Erheblichste würde auch unsere Schiffahrt gefährdet werden. Der gesamte aus⸗ ländische Verkehr wird bei einer Monopolisierung der Getreideeinfuhr unterbunden. Insbesondere würden die Frachtsätze für die Ausfuhr aus Deutschland notwendiger Weise erhöht werden müssen, denn wenn jetzt ein Schiff darauf rechnen kann, auf seiner Rückfahrt nach Deutschland ein⸗ zuführendes Getreide zu verfrachten, so kann künftighin auf eine solche Möglichkeit nicht mehr gerechnet werden. Dieser Frachtausfall muß also gedeckt werden durch eine Erhöhung der Fracht für die zu exportierenden Erzeugnisse deutscher Industrie. Letztere müßte also auch hier wiederum zu Gunsten der Landwirte in der empfindlichsten Weise geschädigt werden.
Was aber den Antrag Kanitz noch weiter unannehmbar macht, ist der Umstand, daß damit eine der wichtigsten sozialistischen Ideen verwirk— licht wird. Heilung bestehender Mißstände durch staatliche Hilfe, durch Monopolisierung des Handels, will der Antrag Kanitz, und ein Gleiches die Sozialdemokratie. Man sollte sich unseres Erachtens hüten, der letzteren ein so wichtiges Agitationsmittel leichten Herzens in die Hand zu geben, das ihr Tausende von neuen Anhängern in die Arme treiben wird.
Wenn ferner der Landwirtschaft im Sinne des Antrages Kanitz geholfen wird, kann nicht dann dasfelbe mit gleichem Rechte auch von anderen Personen verlangt werdeu? Kann dannn nicht auch jeder Industriezweig, der in ähnlicher Weise durch ausländische Konkurrenz oder in⸗ ländische Ueberproduktion zu leiden hat, von dem Reiche fordern, daß es ihm mißliebige Konkurrenz beseitigt? 2
Daß überdies der Antrag Kanitz in letzter Linie ein Einfuhrverbot auf ausländisches Ge⸗ treide erstrebt, und daß dies mit unseren Handels⸗ verträgen nicht zu vereinbaren ist, wird selbst von den Agrariern nicht geleugnet. Ein Bruch der Handelsverträge aber, die jetzt erst ihre segensreichen Wirkungen zu zeigen beginnen,
würde einen unheilvollen, wirtschaftli hen Krieg gegen Deutschland heraufbeschwören, in dem die gerechte Sache sicherlich nicht auf unserer Seite wäre.
„Dafür endlich, wie sich die praktische Dur h⸗ fürbarkeit des Antrages Kanitz gedacht werden soll, sind uns seine Urheber noch jede Aufklärung schuldig geblieben. Wenn künftighin der 40⸗ jährige Durchschnittspreis von den Jahren 1850 bis 1890 zu Grunde gelegt werden soll, so ent⸗ steht die unlösbare Frage, welcher Preis für die einzelnen Jahre des genannten Zeitraums maß⸗ gebend sein soll, ob der Preis genommen werden soll, wie er sich für Ostpreußen oder wie er sich für Süd⸗Deutschland berechnete. Es entsteht weiter die Frage, welche der bundertfachen Qua⸗ litäten die Unterlage für die Ermittelung der einzelnen Jahrespreise bilden soll. Und schließ⸗ lich, wie soll es möglich sein, von vorn herein den Bedarf Deutschlands an auswärtigem Ge⸗ treide auch nur annähernd zu berechnen? Wird nicht jeder Landwirt sein Getreide zurückbehalten und darauf spekulieren, daß der Preis des aus⸗ ländischen Getreides sich im nächsten Jahre höher stellt als die künstlich geschaffenen Normalpreise? Und sind nicht tausend andere Zufälligkeiten da, von denen das Maß des Bedürfnisses abhängt? Wir kommen zum Resultat: Der Autrag Kanitz ist praktisch nicht durchführbar, in seiner Tendenz verwerflich, ohne dauernden Nutzen und in seinen Folgen unheilvoll und unkon⸗ trollierbar. Daher unsere obige Bitte an den hohen Reichstag.“
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 10. Sept. Wie wir hören, ist in der letzten Stadtverordnetensitzung ein Ausschuß gewählt worden, zur Vorbe⸗ reitung der Wahlen zum Gewerbeschieds⸗ gericht. Die Wahlen selbst werden in aller Kürze stattfinden. Gießen, 9. Sept. Wir meldeten vor einigen Wochen, daß Schutzleute bei verschie⸗ denen Kaufleuten der Stadt Proben von Himbeersaft entnahmen. Das Nahrungs⸗ mittelamt, welches sich mit diesen Proben be⸗ schäftigte, fand dieselben mit Salizil ver⸗ mischt. Es ergingen darauf Strafbefehle, auf welche von mehreren Seiten Widerspruch erfolgt ist, so daß sich das Schöffengericht damit zu beschäftigen haben wird. Die Kaufleute be⸗ haupten, daß die Beimischung nur einen sehr geringen Prozentsatz ausmache und daß der Zu⸗ satz geschehen sei, um den Saft haltbar zu machen, es liege daher eine Verfälschung im Sinne des Nahrungsmittelgesetzes nicht vor.
Gießen, 9. Sept. Gestern Nachmittag um 5 Uhr hat man das zweite Mal unser Quell-
wasser bis zur höchsten Spitze des Turmes unserer Stadtkirche geleitet. Vor kurzem nämlich ist die Wohnung des Türmers Bauer an die Quellwasserleitung angeschlossen und so wollte man versuchen, ob infolgedessen der Druck noch stärker sei, als beim ersten Mal. Der Schlauch wurde gestern an der Leitung, die oben im Turm sich befindet, befestigst. Das Resultat wur allerdings etwas günstiger, als bei der ersten Probe.
* Gießen, 10. Sept. In der hiesigen Klinik verstarb kurz nach seiner Einbringung ein junger Mann Namens Müller aus der Um⸗ gebung Wetzlars an den Folgen eines verhäng⸗ nisvollen Sprunges. Der junge Mann war von Wetzlar aus, wo er in Stellung ist, zur Kirmes nach seinem Heimatsorte Königsberg gegangen. Dort setzte er sich mit noch mehreren anderen Burschen auf einen Wagen, der einen steilen Weg hinablaufen sollte. Da der Wagen von unbefugter Hand aufgeschraubt worden war, ging das Gefährt mit riesiger Geschwindigkeit bergab. Müller, dem die Geschichte unheimlich wurde, sprang von dem Wagen ab und verletzte sich dabei so schwer, daß seine Ueberführung nach der hiesigen Klinik notwendig wurde. Der Unglück⸗ liche starb schon nach wenigen Stunden.
* Gießen, 10. Sept. Die Altersbe⸗ stimmung des Rindes. Für die Alters⸗ bestimmung des Rindes sind seitens der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft folgende Grundsätze als maßgebend für Ausstellungen und Tierschauen angenommen worden: Der 1. Zahnwechsel tritt in der Regel mit 1¼ Jahren ein; die Milch⸗ zangen fallen aus, die Ersatzzangen treten hervor und sind gegen Ablauf des 2. Jahres voll in die Höhe gewachsen. Mit 2¼ Jahren fallen in der Regel die inneren Milchmittelzähne aus und die entsprechenden Ersatzzähne sind gegen Ablauf des 3. Jahres voll in die Höhe gewachsen und in Reibung getreten. Nach 3¼ bis 3½ Jahren fallen in der Regel die äußeren Milchmittelzähne aus und die Ersatzzähne dafür sind gegen Ab⸗ lauf des 4. Jahres in Reibung getreten. Von 4½ bis 4½ Jahren fallen endlich die Milcheck⸗ zähne aus und sind deren Ersatzzähne gegen Ab⸗ lauf des 5. Jahres in Reibung.
* Gießen, 10. September. Die Frage, wie man Eier lange frisch erhalten könne, beantwortete neuerdings R. Strauch auf Grund eigener Versuche in einer Schrift„Das Hühnerei als Nahrungsmittel und das Konservieren der Eier.“(Bremen 1896.) Von den Konser⸗ vierungsmethoden werden 35 aufgezählt. Sie werden eingeteilt in solche, die auf Abhaltung der Luft und Fäulniserreger, auf Behandlung mit antiseptischen Flüssigkeiten und auf der Her⸗ stellung von Eierkonserven beruhen. Nach Ver⸗ suchen auf englischen Ausstellungen bewährte sich zur Erzielung mehrmonatiger Haltbarkeit am
Marja, das Heldenmädchen
von Transvaal.
Zeitroman von Pieter Vry burg Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Schrecklich war der Gedanke immerhin, den Mann, den sie einmal auf ihrer Seite zu sehen gehofft hatte, auf der Seite der Feinde zu wissen, und nur gar als Haupt einer geheimen Vereinigung
zum Sturze der angestammten, einheimischen Re—
gierung. Denn daß der geplant war, ging aus diesen Aufzeichnungen nur zu deutlich hervor.
Marja war, wie gesagt, eine stille, in sich ge⸗ kebrte Natur mit einem Hang zum Grübeln und Träumen. Floß auch deutsches Blut, das Blut einer Ausländerin in ihren Adern, so war sie doch als Boerentochter erzogen, und von ihrem Vater auf das eine, feststehende Ziel hingeführt worden; Transvaal gehöre den Boeren, und die Uitländers, unter denen man hier allgemein die Engländer ver⸗
5 tand, seien Eindringlinge, Abenteurer, Blutsauger,
welche darauf aus seien, Recht und Ordnung zu stürzen und die großen Schätze des Landes an Gold und Edelsteinen durch Gewalt, d. h. an sich zu bringen. Marja, die sehr intelligent
war, hatte über diese Dinge lange nachgedacht und diese Ansicht des Vaters in manchen Wahrueh⸗ mungen bestätigt gefunden.
Die flüchtige Begrüßung mit dem Deutschen hatte genügt, um diese Ansicht zum Wanken zu bringen. Und nun diese furchtbare Enttäuschung. Auch er gehörte zu den Abenteurern, den Blut—
saugern und Rebellen.
Noch zweifelte sie ein wenig, noch suchte sie
Halt an dem ersten Eindruck, welchen sie von m Fremden gewonnen, aber sie wollte in dieser fürchterlichen Ungewißheit nicht verharren, sie wollte heit haben, und— sie mußte es. Das
durch Raub 3
Vaterland war in Gefahr! Da half kein Grübeln und Erwägen, sie mußte handeln.
Von diesem Gedanken erfüllt und im Besitz des verräterischen Schriftstückes, kehrte sie nach Hause zurück.
Ihre erste natürliche Regung, sich dem Vater zu entdecken, wurde von diesem selbst im Keime er⸗ stickt. Dem Boeren mißfiel das veränderte Wesen seiner Tochter im höchsten Grade, und er trat ihr jetzt oft schroff und herrisch gegenüber. Wenn sie sich ihm anvertraute, wenn sie ihren geheimen Be— fürchtungen Ausdruck gab, dann sprach sie dem Deutschen das Todesurteil und er war vielleicht doch unschuldig. Vielleicht gar hatte er die Ver⸗ schwörer überrascht, war er ihrer Wut zum Opfer gefallen? Er war unbewaffnet gewesen, und hier waren in jener Nacht Schüsse gefallen— mehrere. Ein Kampf hatte getobt, das sah man. In einem solchen mußte er, der Einzelne, Unbewaffnete gegen eine bewaffnete Uebermacht erlegen sein. Und war er das, dann hatten die Mörder sicher den Leichnam irgendwo in der Umgegend verscharrt oder ihn gar mitgenommen, um jede Spur des hier Vorgefallenen u tilgen. Verbrechen dieser Art wurden immer von Uitländers, niemals von den landesangesessenen Boeren begangen, und man durfte nicht vorzeitig eine neue Erregung gegen die ersteren hervorrufen, um die Wachsamkeit der Boeren weiter ein— zuschläfern.
Wie nun diese neue Offenbarung über Marja kam, wie sie erkannte, daß der Mann, den sie liebte, vielleicht nicht der Anstifter, sondern das Opfer der Verschwörung gewesen, zu der sie in diesem ver⸗ räterischen Schriftstück den Schlüssel in Händen hatte, flammten plötzlich ungekannte Gefühle,— Haß und Rachedurst— in ihrem jungfräulichen Herzen auf. Dann, ja dann sollte ihm in ihr eine Rächerin erstehen und ihrem bedrohten Vaterlande eine Ret⸗
terin! Und Niemanden wollte sie ins Vertrauen ziehen, sie allein, das Hirtenmädchen aus dem Boerenlande, wollte das Rache- und das Rettungs— werk vollbringen, es vollenden oder darin unter gehen!
Gleich große, heldenhafte Gefühle in einer Mädchenbrust flammten einst auf den Triften von Domremy in dem Herzen der Jungfrau von Orleans auf. Dort war es neben der Liebe zum Vaterlande das Vertrauen auf ihre himmlische Be— rufung, welche Johanna d' Are zur Siegerin über die Engländer machte; hier gesellte sich zu der ersteren die Liebe zum Manne, die ja im Weibe auch das stärkste und erhebendste aller Gefühle ist. Marja Witborg wußte nichts von einer Jungfrau von Orleaus, sie lebte sich nicht künstlich in diesen Rettungsgedanken hinein, sie besaß nicht den Ehr⸗ geiz nach historischer Bedeutung zu streben. Dieser Drang, zu rächen und zu retten, quoll bei ihr aus einem übervollen Herzen, das ihr jetzt zum ersten⸗ male stark, mit einem starken Schlage, gegen die Rippen pochte.
„Marja, Du hast geschlafen— wache auf!“ rief eine innere Stimme ihr zu. Und nun war sie erwacht. Staunend und mit ungeahntem Kampfes⸗ mut blickte sie in die neue Welt, welche sich da vor ihren Augen aufthat.
Die letzte bedeutungsvolle Unterredung mit ihrem Vater, welche den Deutschen in noch engere Beziehung zu dem die Vergangenheit ihrer Mutter umgebenden Geheimnis brachte, obne dieses ganz zu enthüllen; des Vaters auflodernde Wut gegen den Fremden und sein plötzlicher Aufbruch von der Farm unter Narja beunruhigenden Umständen reiften den kaum gefaßten Entschluß zur That.
Sie ging hinaus, um noch einmal, vielleicht zum letzten Mal in ihrem jungen Leben an dem Grabe der Mutter zu beten und thränenreichen Ab⸗
schied zu nehmen von diesem unscheinbaren Hügel, der ihr alles umschloß, den Staub der Mutter und die Erinnerungen an eine glückliche, sorgenlofe Jugendzeit, dann stand sie auf. Und die da auf⸗ stand, war eine Andere als die, welche sich hier niedergeworfen, welk und taugetränkt, wie eine Blume, welche der Sturm gebrochen— Marja war es, aber Marja, das Heldenmädchen von Transvaal. 11. Kapitel. Auf der Fährte.
Stark in sich und wortkarg gegen ihre Um⸗ gebung machte sich Marja an die Vorbereitungen zur Flucht aus dem Vaterhause. Am längsten saß sie über dem Brief, den sie an ihren Vater richtete, denn nun kam zu allem noch der Trennungsschmerz, und sie wußte es, daß die rauhe Außenseite des Vaters einen edlen Korn hatte, daß er trotz aller Schroffheit sein Kind über Alles liebte.
Nun war auch das gethan.
Sie übergab den Brief dem Oberknecht zur Be— stellung an den Vater, sobald er heimkehrte, sattelte sich dann selbst das ausdauerndste, flinkeste Pferd aus der Herde, steckte Pistolen in die Satteltasche, befestigte ein Stück Biltong(getrocknetes Fleisch), die Ration für eine ganze Woche, am Sattelknopf, ging nochmals ins Haus, legte Männerkleidung an, warf die Büchse, einen treffsicheren Hinterlader, über die Schulter und ritt daun vom Hofe unter dem kopfschüttelnden Staunen der Zurückbleibenden.
Um die Farmleute zu täuschen, sprengte sie in der Richtung nach Pretoria von dannen. Erst als sie die Witborg-Farm aus dem Gesicht verloren hatte, lenkte sie von diesem Wege wieder ab und ritt nach der stillen Farm, dabei fleißig Umschau haltend, ob nicht etwa ihr Vater irgendwo auf— tauchte.
(Fortsetzung folgt.)


