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Gießen, Donnerstag, den 11. Juni
1896.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeitung
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
785 —
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die ᷑spaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Hessischer Landtag.
Darmstadt, 9. Juni.
Die Debatte über den vierten Nachtrag zum Neben- Ihngesetz wurde von der zweiten Kammer fortgesetzt. hart ging in ausführlicher Weise auf frühere Debatten den verschiedenen Nebenbahnvorlagen ein, ihm gilt jede ligabe, auch wenn sie nach Millionen zählt, für wirt⸗ N ft. Verhältnisse gut angelegt, namentlich für lerhessen und die ärmeren Teile des Odenwaldes. Schacht es als ein großes Mittel zum Nutzen der dw sschaft, alle Teile des Landes dem Verkehr zu er⸗ lezen. Wenn man den Odenwald mit einem Rhein⸗ en verbinden wolle, so müsse die Linie Fürth-Heppen⸗ In⸗Lorsch aufrecht erhalten werden. Geschehe dies aber it, so sei er für Bewilligung von Weinheim⸗Lampert⸗ A. Auch Ripper trat für das Projekt Heppenheim⸗ th mit einigen Worten ein, Ullrich sprach energisch Belassung der bewilligten Pläne, wenn man den Be⸗ sleß rückgängig mache, so werde das Kopfschütteln im ide erregen. Die Höhe der Kosten dürfe nicht aus⸗ laggebend sein, sondern lediglich das wirtschaftliche In⸗ ie. Er sei auch für die Bewilligung von Weinheim⸗ In pertheim zu haben, ja noch mehr, er sei bereit, hundert Iblonen statt dreiunddreißig zu bewilligen, da der Ver⸗ auch Verstand in das Land hineintrage und daher ich die Sozialdemokratie fördere. Habe man Millionen die technisthe Hochschule und das neue Museum aus⸗ geben, so müsse man auch vorsorgen, daß der Oden— ld nicht verarme. An der umfangreichen Debatte be⸗ ligten sich seitens der Regierung der Finanzminister ber, Geh. Oberbaurat Wetz und Ministerialrat Michel, mer die Abg. Ripper, Schönberger, Schröter und die ferenten Möllinger und Haas⸗Offenbach, während auf regung Westerburgs eine ganze Reihe eingeschriebener
er aufs Wort verzichteten. Die Abstimmung ergab ehnung des Antrags von Köth, der sowohl die Linie lüheim⸗Lampertheim bauen, als auch die Linie Fürth⸗ eim nicht streichen wollte. Die Regierungsvorlage Strich von Heppenheim⸗Fürth und Ersatz durch die ie Weinheim⸗Lampertheim wurde gegen eine Stimme gelehnt und das Fortbestehen der Heppenheim-Fürther e beschlosen; die Strecke Weinheim⸗Lampertheim ist
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fallen. —
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 10. Juni.(Schwurgericht. Fort⸗ zung.) Als erster Zeuge wird Heinrich Schaumburg nommen. Derselbe wohnt in Schrecksbach und ist der schiter der verbrannten Hütte. Er schildert das persön— sche Verhältnis zwischen sich und dem Angeklagten in en Jahren 1894— 95, wie es im Thatbestand der An—⸗ lage schon angegeben. Die Differenz Ende 1895 sei ge⸗ bulmen, weil Schaumburg keine Vorschüsse auf angefangene Ubeiten an den Angeklagten habe geben wollen. Auch te sonstigen Angaben decken sich mit den im Thatbestand Anklage von uns schon angegebenen Momenten. Der
eue deponiert weiter, daß Merle 8 Tage nach seinem
zortgehen ihm gedroht habe, er würde ihn in seiner Hütte eubrennen wie einen Hund. Die ihm gestohlenen Werk⸗ zuge habe er, der Zeuge, 3 Tage nach dem Brande in
einem fremden Wassertümpel, welcher in der Nähe des Steinbruchs sich befindet, entdeckt und in Gegenwart von Zeugen an sich genommen. Der Zeuge war in Verlegen⸗ heit wegen des gestohlenen Gutes. Er ging auch in den Merleschen Steinbruch, während niemand darin arbeitete, da suchte und entdeckte er unter Sand beinahe den ganzen Rest der ihm entwendeten Werkzeuge. Als er am Abend des Brandes mit seinen Leuten seinen Steinbruch ver— lassen, da habe er auf der Höhe des Merleschen Bruches flüchtig einen Mann gesehen, der ihn zu beobachten schien. Ob das der Angeklagte gewesen, weiß der Zeuge nicht zu sagen. Amtsrichter Fritz-Alsfeld hat die Augenscheins⸗ einnahme einen Tag nach dem Brande vorgenommen. Von den Kiefern waren nur wenige verbrannt, aber der ganze Wald habe in Gefahr geschwebt. Schaumburg habe sofort Merle als Zeugen vernommen und dieser habe sofort Merle
als Thäter bezeichnet. Der Zeuge hat den Augeklagten darauf
vernommen und da hat dieser erklärt, er sei um ¼7 Uhr abends aus dem Bruche nach Alt-Hattendorf gegangen, er hat dann ferner genau angegeben, wo er den ganzen Abend zugebracht. Vom Brande wollte der Angeklagte am Abend desselben Tages nichts bemerkt haben. Den Namen Andreas Merle habe der Angeklagte bei seiner Vernehmung nicht gesagt. Aber von den 3 Kännchen Schnaps, die er sich am Abend des Brandes gekauft habe, hat der Angeklagte dem Amtsrichter erzählt, aber hinzu— fügend, er habe den Schnaps gekauft, um ihn am Morgen mit nach Neukirchen zu nehmen. Der Pachter Oehlsen— Hof⸗Dotzelrod bezeugt, daß er der Erste auf der Brand— stätte war, es konnte 1/9 Uhr gewesen sein. Die Hütte war schon zusammengestürzt und beinahe ausgebrannt. Das Feuer konnte nach seiner Meinung ¼ Stunde vor⸗ her begonnen haben. Nach Beendigung der Mittagspause wird um 3½ Uhr in der Beweisaufnahme fortgefahren. Schaumburg giebt den Wert des gestohlenen Werkzeuges u. s. w. auf 43/ an. Die Ehefrau des Zeugen Andreas Merle erzählt, daß der Angeklagte an dem Brandabend um ½9 Uhr in ihrem Kuhstall gewesen sei und mit ihrem Ehemann im Kuhstall Schnaps getrunken hat. Der Vor⸗ sitzende macht die Zeugin darauf aufmerksam, daß sie früher so genaue Angaben, wie sie sie heute mache, nicht habe geben können. Die Zeugin bleibt aber dabei, was sie gesagt. Die beiden Männer waren ungefähr eine halbe Stunde zusammen. Der Vorsitzende ermahnt die Zeugin eindringlichst, die Wahrheit zu sagen. Ueber die Ver⸗ eidigung der Zeugin wird ein Beschluß des Gerichts vor⸗ behalten. Die Ehefrau des Angeklagten verweigert das Zeugnis. Zeuge Brenzel ist der Meinung, der Ange— klagte habe die ihm zur Last gelegten Strafthaten voll⸗ führt. Er giebt die Gründe für diese Annahme au. Heinrich Post von Schwabenrod arbeitet ebenfalls bei Schaumburg. Derselbe deponiert im Wesentlichen dasselbe wie der Vorzeuge. Er traut seinem Arbeitgeber nicht zu, daß er den Brand selber angelegt, denn dieser ist durch denselben außer Arbeit gekommen. Georg Joh. Haßler von Eudorf war früher bei Schaumburg in Arbeit und schafft seit Ende April wieder für denselben. Derselbe bekundet ebenfalls über eine Drohung, die der Angeklagte ihm gegenüber gegen Schaumburg ausgestoßen. Dann war der Zeuge zugegen, wie sich Merle und Schaumburg wegen des Strohs stritten. Dabei hat der Erstere von brennen gesprochen. Auch Haßler erzählt, daß, als er am Tage des Termins in Neukirch, dem Schaumberg sagte, seine Hütte sei abgebrannt.
Es hätten sich die beiden
Merles verfärbt, als ihr Gegner sagte, er wundere sich, daß die Hütte nicht schon früher niederbrannte. Konrad Schmidt von Althattendorf arbeitet mit noch 3 Mann im Merleschen Steinbruch. Am 23. März haben sie gleich nach 7 Uhr abends Feierabenb gemacht. Der Zeuge be⸗ streitet entschieden die Angabe des Angeklagten, daß er denselben am 23. abends noch gesehen hätte. Der Zeuge hat den Feuerschein gegen 9 Uhr gesehen. Am nächsten Morgen traf er den Angeklagten, als er nach Neukirch gehen wollte. Als er ihm sagte, es sei eine Hütte ab— gebrannt, da hat dieser nur die Aeußerung gethan„Was liegt mir dran“. Später, am 25. März, bei der Arbeit will der Zeuge die Aeußerung gethan haben, Freundesleut hätten dem Schaumburg die Hütte nicht angezündet, da habe der Angeklagte gesagt, er habe es nicht gethan, es gebe ja noch mehr Feindesleut des Schaumburg. Er könne beweisen, wo er gewesen sei, das könnten Andreas Merle, sein Bruder, und der Gastwirt Scherz bezeugen. Der Zeuge giebt auf Befragen an, er wisse zwar nicht mehr genau, ob diese Aeußerungen des Angeklagten vor oder nach der Anwesenheit in der ersten Vernehmung durch den Amtsrichter Fritz gefallen seien. Schäfer Andreas Merle, der Hauptentlastungszeuge, giebt zu, entmündigt zu sein. Er will den Angeklagten von der Scheuer aus gleich nach 6 Uhr ins Dorf haben kommen sehen. Sie haben beide zusammen geplaudert und der Angeklagte sei dann gegangen. Um ½8 Uhr, als er fütterte, sei derselbe wieder gekommen und habe ihn zum Trinken animiert, er sei dann gegangen und habe gegen 8 Uhr den Schnaps gebracht. Man habe sich gesetzt, sein Gast auf den Melkstuhl, er aufs Stroh, und so habe man den Schnaps ausgetrunken. Der Angeklagte könne so um 81½ Uhr gegangen sein, um zu seinem Bruder zu kommen. Während des Schnapsgelages war auch des Zeugen Frau ein Mal im Stall. Später ist der Ange⸗ klagte noch einmal wiedergekommen und hat dann den vorher geborgten Schnaps bezahlt. Am kommenden Morgen hat der Zeuge von dem Brand gehört. Er habe sich nichts Böses dabei gedacht. Am 24. März, am Abend nach dem Brande, hat der Angeklagte angedeutet, man werde wohl ihn verdächtigen wegen des Feuers, weil er mit Schaumburg verfeindet sei. Der Angeklagte bestreitet, weder in Marburg, noch in Neukirch in der Sache wegen der Verbrennung einer Urkunde als Zeuge vernommen zu sein, wenigstens will er davon nichts mehr wissen. Trotz⸗ dem der Vorsitzende aus den Akten konstatiert, daß der Zeuge 1890 in Neukirch vor dem Schöffengericht und zu Gunsten auch des damaligen Angeklagten Merle vernom— men ist, bleibt Andreas Merle dabei, er weiß von dieser ganzen Sache nichts mehr. Wegen der vom Vorsitzenden an den Zeugen gerichteten Frage, ob der Angeklagte später einmal bei ihm war und ihm gesagt habe, er wisse doch noch, daß er an dem Abend bei ihm war, ändert der Zeuge viermal seine Deposition, giebt dies aber zum Schluß zu. Staatsanw. Zimmermann geht den Zeugen hart an und fordert Erklärungen von demselben, wie so es komme, daß er heute neue Thatsachen bekunde, von denen er früher nichts wußte und auch nichts gesagt habe. Der Vertheidiger fragt den Andreas Merle, ob er schon einmal am Delirium gelitten. Der Zeuge erklärt, er wisse nichts davon, es komme ja vor, daß er trinke, aber ganz so schlimm sei dies nicht. Er könne„nicht so ganz drum rum“. Nachdem noch einmal die Ehefrau Andreas Merle vorgerufen und gefragt wird, ob sie bereit sei,
unter Eid ihre Aussage aufrecht zu erhalten und dies bejaht, zieht sich der Gerichtshof darüber zur Beschluß⸗ fassung zurück, ob der Zeuge Andreas Merle und dessen Ehefrau vereidet werden sollen oder nicht. Der Beschluß ergeht dahin, daß beide Zeugen wegen des Verdachts der Beihilfe resp. der Begünstigung nicht zu vereiden sind. Rechtsanw. Dr. Fuhr stellt darauf den Antrag, die Aussagen der beiden unvereideten Zeugen, Andreas Merle und Ehefrau, zu protokollieren. Der Antrag der Ver⸗ theidigung wird auf Grund des§ 273 der Str.⸗P.⸗O. abgelehnt.— Der Gastwirth Joh. Scherz erinnert sich, daß der Augeklagte gegen ½10 Uhr am 23. März, den bei der Frau des Zeugen geholten Schnaps bei ihm be⸗ zahlt hat. Der Angeklagte war damals angetrunken. Weiteres weiß dieser Zeuge nicht. Die weiteren Zeugen⸗ bekundungen sind, soweit sie Thatsachen betreffen, ohne Belang für die Sache. Der Bürgermeister von Schrecks⸗ bach bekundet über den Zeugen Schaumburg nur Günstiges, er ist kein reicher Mann, aber er wird jedem gerecht und thut geschäftlich seine Schuldigkeit. Der Zeuge traut dem Schaumburg nicht zu, daß er unter Eid Unwahres aus⸗ sagt, ferner glaubt derselbe nicht, daß Schaumburg sonst noch Feinde hat. Dasselbe bekundet noch ein weiterer Zeuge. Der Bürgermeister von Althattendorf kann dem Angeklagten nicht das beste Zeugniß geben, er sei vorbe⸗ straft. Der Zeuge Andreas Merle sei ein Trinker, ob er glaubwürdig sei, könne er nicht wissen. Die Ehefrau des Wirthes Scherz erinnert sich nicht genau, ob der Ange⸗ klagte die Z Kännchen Schnaps am 23. März um ½ oder um 8 Uhr Abends geholt hat. Johannes Fink bezeugt, daß Magnus Merle aus dem Stall des Andreas Werner gekommen, es war Abends, den 23. März, wie spät es war, weiß der Zeuge nicht. Der telegraphisch geladene Zeuge Georg Herrmann bezeugt, daß der An⸗ geklagte am 23. März, Abends gegen 9 Uhr, zu seinem Bruder gekommen und sich Geld geholt hat. Damit war die Zeugenvernehmung um 7¾ Uhr Abends beendet und wurde die Sitzung bis heute Vormittag 9 Uhr vertagt.
In der Verhandlung gegen Magnus Merle wird um 9 Uhr vormittags fortgefahren. Auf Antrag der Ver⸗ teidigung wird aus Akten des Landgerichts Marburg konstatiert, daß der Angeklagte schon wegen Diebstahl im wiederholten Rückfall verurteilt ist und daß es sich hier um Holz im Werte von 20& gehandelt hat. Weiter wird festgestellt, daß der Zeuge Schaumburg wegen Sitt⸗ lichkeitsvergehen mit 4 Monate Gefängnis vorbestraft ist. Der Vorsitzende verkündet nun die Fragen, welche dahin lauten, ob der Angeklagte schuldig: 1. der Brandstiftung, 2. des Diebstahls und 3. der Sachbeschädigung. Staats⸗ anwalt Zimmeruann führte zur Begründung der An⸗ klage aus: Es sei nichts bewiesen, was des Angeklagten Unschuld beweisen könne. Gewiß seien viele Indizien, welche die Voruntersuchung als Material für die Anklage festgestellt hatte, in der Hauptverhaudlung in Fortfall ge⸗ kommen, weil mehrere Zeugen unter ihrem Eide nicht auf⸗ recht erhalten haben, was sie in der Voruntersuchung Be⸗ lastendes gegen den Angeklagten deponiert haben. Aber eine Fülle von Belastungsmaterial ist noch übrig geblieben und reicht aus, um den Angeklagten zu überführen. Der Staatsanwalt geht nun Punkt für Punkt der Bewelsauf⸗ nahme durch und kommt zu dem Schluß, daß nur der Angeklagte die That begangen haben kann. Die vielfachen Drohungen des Angeklagten gegen seinen ehemaligen Sozius, die Reden des Angeklagten vom Brennen, lassen
Von Jenny Piorkowsky. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Gesfllschaftsabend bei der Baronin Lettwich na hte. An demselben Tage empfing Fräulein de Brissal einen Brief aus Frankreich, der sie in ihre Heimat
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urückrief an das Krankenlager der einzigen Schwester ihres teuren Vaters—„meiner einzigen Freundin und Beschützerin“, wie sie mit thränenfeuchten Augen sagte.
„Wie werden wir Sie vermissen!“ sagte Irma zenz traurig,„aber ich hoffe, Ihre Tante wird bald uteder gesund werden und dann kehren Sie zu uns zurück.“ 5
„Morgen wollen Sie reisen?“ sprach Erich,„ so uuß ich mich schon heute von Ihnen verabschieden, du ich meinem Freund Sandor versprochen habe, bes Sonnabend bei ihm in der Stadt zu bleiben.“
Irma sah in ihrer eleganten Balltoilette, ein Meisterwerk kunstvoller Frauenhand, ganz ent⸗ zuckend aus. 1
„Wie schön Sie sind!“ rief Sabine, während her Auge mik bewunderndem Blick über die schlanke Gestalt der Freundin glitt,„und wie ich mich freue, aß Sie diese herrlichen Diamanten noch tragen, bevor ich Ihnen— vielleicht für immer— Lebe⸗ vohl sage!— Sie stehen Ihnen eutzückend; Sie sollten aber auch das Diadem tragen. i
„Mama meint, das mache die Toilette zu reich Ur einen Familienball.“ 0
„Und sie hat Recht“, entgegnete Sabine. Wann gedenken Sie wieder zurück zu sein?“ ügte sie hinzu. g
„Um zwei Uhr spätestens.— Und nun Adieu,
neine Liebe,— oder gute Nacht?“
„O nein“, sprach Jene heiter,„ich bleibe auf,
bis sie heimkehren; Sie müssen mir noch ein wenig von dem Ball erzählen.— Viel Vergnügen brauche ich Ihnen kaum zu wünschen, dazu ge— nügt, daß Sie zweifelsohne die Königin des Abends sind— wie stolz muß Herr Felsing auf Sie sein!“
Noch vor zwei Uhr kehrten Frau Dornau und Irma von dem Balle heim.
„Wie lieb von Ihnen, sagte Irma, der Freundin liebkosend über die Wange streichend, als diese ihr in das Zimmer folgend, mit Lisette, der Jungfer, gemeinsam half, Irma Abendmantel und Kopfhülle abzunehmen. Irma löste die Diamanten von Nacken und Armen, that dieselben sorgfältig wieder in das Etui, und nachdem sie auch das duftige Ballkleid abgelegt hatte, verabschiedete sie die Jungfer, mit der Wei— sung, sie am nächsten Morgen nicht vor zehn Uhr zu wecken.
Gleich darauf trat Sabine mit zwei Tassen dampfenden Kaffees ein.
„Das thut gut nach einem flott durchlebten Abend“, lächelte sie.
Noch eine kleine Weile saßen die beiden jungen Damen plaudernd beisammen, bis Irma die Müdig— keit übermannte und Sabine sich zurückzog.
„Wenn man reich und so von Freunden um— geben ist, wie sie, mag es auch nicht schwer sein, edel und gut zu bleiben“, dachte Sabine, während sie in ihrem Zimmer am Fenster stand und sinnend hinausblickte in die dunkle, sternenlose Nacht;„wie anders aber ist es, wenn man sich mühsam durchs Leben kämpfen muß!“
Finster zog ihre schöne Stirn sich zusammen, die Liulen um ihren Mund wurden schärfer und gaben ihren fast kindlichen Zügen plötzlich einen
mich zu erwarten!“
älteren, fast schmerzlichen Ausdruck.„Sie sind gut
— sehr gut gegen mich gewesen“, grübelte sie weiter;„was kann es helfen?— Und doch grade in diesem Moment— Pahl! fort mit allen thörichten Gedanken—“
Sich aufraffend, packte sie hastig ihren Koffer
Der Tag war schon weit vorgeschritten, als Irma, wenig erquickt von dem nächtlichen Schlaf und über heftiges Kopfweh klagend, zum Frühstück kam. Zu ihrer Verwunderung war auch Sabine noch nicht erschienen, als sie Lisette zu ihr ins Zimmer schickte, kehrte dieselbe mit der Meldung zurück, Fräulein de Brissal sei nirgends zu sehen, dagegen habe sie dieses Billet auf deren Tisch gefunden:
Hastig erbrach Irma das Billet und las:
„Liebste Freundin!— Zürnen Sie mir nicht, daß ich das Haus verlasse, ohne Allen, besonders aber Ihnen, meine geliebte Irma, Lebewohl zu sagen— aber ich vermochte es nicht! Er hätte mir den Abschied noch schwerer gemacht, als er mir ohnehin schon wird. Sie und Ihr Verlobter haben sich mir so unsäglich gütig gezeigt— mögen Sie recht, recht glücklich mit einander werden und Ihre gegenseitige Liebe Sie trösten und entschädigen für alles Ungemach, alle Enttäuschungen, welche Ihnen nicht erspart bleiben werden.
In Ihrem Glück denken Sie bisweilen freund— lich an sie, die weniger vom Glück begünstigt ist, an
Ihre Sabine de Brissal.“
„Fort!— Ohne mir Lebewohl gesagt zu haben!“ hauchte Irma matt, während sie den Brief in den Schoß sinken ließ und ihre Hand hastig über die thränenfeuchten Augen glitt.
Nur mit Mühe vermochte Frau Dornau sie zu beruhigen.
„Besser so“, tröstete sie,„Du bist von dem
gestrigen Abend ohnehin erregt und angegriffen Lege Dich nieder und ruhe noch ein Stündchen.“
Das that Irma; sie schlief wieder ein und zwar so fest, daß der Tag fast seinem Ende zu⸗ neigte, bevor sie aus einem schweren Schlaf er⸗ wachte.—
Der Sonntag führte ihr den Geliebten wieder zu; sein Freund begleitete ihn.
Es ward viel von der Baronin Ball, von Toiletten und speziell von Irmas Schmuck ge⸗ sprochen.
„Zeig' doch Sandor das Kollier noch einmal, und auch das Diadem“, bat Erich.
Irma holte den Schmuck, bemühte sich aber vergebens, das Etui zu öffnen.
Sie reichte es Erich; doch auch diesem gelang es nur nach großer Anstrengung, und als sendlich die Feder nachgab, der Deckel aufsprang entschlüpfte ihm ein Ausruf des Schreckens: Das Etui war leer!
„Was— was soll das heißen?— Wo ist der Schmuck?“ stieß er endlich hervor und sah betroffen von Einem zum Andern.
Keiner hatte eine Erklärung. 1
Auf Befragen erzählte Irma, daß sie gleich nach ihrer Hein kehr von dem Ball die Diamanten in das Etui gethan und dieses sofort sorgfältig ver— schlossen habe, die Schlüssel zu ihrem Schreibtisch habe sie vorsichtshalber unter ihr Kopfkissen gelegt.
„Was fangen wir an?“ klagte sie.
„Das Beste ist, wir melden die Angelegenheit sofort der Polizei— ich habe so meine Bedenken,“ versetzte Frau Dornau,„ich hatte immer ein leises Mißtrauen—“
Plötzlich ward sie durch einen hastigen Ausruf Sandors unterbrochen, der bisher in ein stummes Sinnen verloren, den Blick auf das offene, leere Etui gerichtet, dagestanden hatte.
(Schluß folgt.)


