Gießen, Donnerstag, den 9. April
1896.
iche Aandeszeilung
Ausgabe
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.
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N Expedition: 24
Kreuzplatz Nr. 4.
6% Lokales und Provinzielles. Gießen, 8. April. mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rembrücken, Kr. Offen⸗ hach, mit einem jährl. Gehalt von 900% Mit er Stelle ist Organisten- und Kirchendienst ver— unden; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rohrbach, Ar. Erbach, mir einem jährl. Gehalt von 900 Dem Herrn Grafen von Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Gießen, 8. April. Ein neues Feuer— wehr-Sprungtuch. Unter den Geräten der
Erledigt sind: die
probt zu werden verdient. kühere Sprungtuch allgemein bei dem Rettungs⸗ erk von den Feuerwehrmännern wagrecht ge⸗ alten wurde, eine Lage, in der es aber nicht enügenden Widerstand gegen das Gewicht der ispringenden Person gewährte, wird bei dem euen Springtuch das eine Ende in schräger Lage ehn Fuß hoch an das gefährdete Gebäude mit hitzen Ständern angelegt und das andere Ende on Feuerwehrleuten festgehalten, so daß die aus em brennenden Hause abspringende Person wie uf einer schrägen Rutschbahn gleitend bei den altenden Feuerwehrmännern anlangt. Ein aus em dritten und vierten Stockwerk des Uebungs⸗ sebäudes auf dem Feuerwehrhof in Königsberg biederholt probeweise unternommener Einsprung i 11 Tuch hat sich jedesmal bestens
Gießen, 8. April. Bohnung vom bergeben werden?
cheidung setzt folgendes fest: Nietsverträgen heißt:„M u übergeben, wie er st dies imm soweit sie nicht durch ordnu bbgenutzt oder abgewohnt ist unpflegliche“ Benu at er zu ersetzen. Schmutzflecken besudelt Ktochene Fensterscheiben wie und verlorene Schlüssel klaufene Dielen, bprungene Ofenplatten,
Während das
5. Hartig, Ge 2
ausziehenden Reichsgerichtsent⸗ Wenn es in den ieter hat die Wohnung sie übernommen hat“, so Zusatz zu verstehen: gsmäßigen Gebrauch Nur allen durch tzung entstandenen Schaden Er hat abgerissene, mit peten reparieren, zer⸗ der herstellen zu lassen zu ersetzen. durchgebrannte Ofenrohre, schadhafte Schlösser, Thür⸗
er mit dem
sser fill ist
beschädigt worden sind, Stand setzen. vollständig zu räumen eben; so lange letzteres ietsvertrag fort
gat die Mietslokalitäten
ind die Schlüssel zu überg icht geschehen, setzt er den M d muß den Mietszins weiter
baupague' fieter hat beim Auszuge die Woh
nung außerdem
zu reinigen, das heißt„besenrein“ dem Wirt zu übergeben.
Gießen, 8. April. Wie die liebe Weih⸗ nachtszeit, so ist auch die Osterwoche ein Fest für die Kinder. Zwar fehlt diesem Fest der süße, e e Reiz des Christkindleins in der
rippe, der grünen Tanne, die im Kerzenglanz strahlt, und all der übrigen Dinge, welche den heiligen Abend unsern Kleinen so lieb und wert machen; aber es bleiben der Freuden genug, um auch die Ostertage jugendlichen Gemütern in be⸗ sonders freundlichem Lichte erscheinen zu lassen. Uebt doch das Erwachen der Natur, das mit der Osterfeier so eng verknüpft ist, seine beseligende Kraft vor allem auf die lenzfrohe Jugend aus, die so ganz nur der Gegenwart lebt und so recht von Herzen den hohen Genuß zu würdigen weiß, nun endlich vom Zwange der dumpfen Zimmer, der winterlichen Gebundenheit in engen Räumen, befreit zu sein. Unsern wackern ABC-Schützen beiderlei Geschlechts ist denn auch, soweit wir die Sachlage zu beurteilen vermögen, das diesjährige Osterfest trefflich bekommen; sie haben in ver⸗ gnügtester Laune, ohne auf gelegentliche Regen⸗ schauer und frostige Winde sonderlich zu achten, sich im Freien getummelt, haben ihr Examen im Eiersuchen vorzüglich bestanden und im Verspeisen von Osterhasen von Chokolade und Marzipan eine Virtuosität entwickelt, die alle Anerkennung verdient. Nur wenige standen abseits der all— gemeinen Lust. Wir meinen die armen Opfer väterlicher Strenge, die wegen schlechter Schul— zeugnisse zur Strafe des Stubenhockens oder gar noch schlimmerer Qual verurteilt waren. Zu Ostern nämlich giebts nicht nur Ferien für unsre lernende Jugend, sondern auch Zeugnisse über deu Fleiß und die Fortschritte im letzten Quartal. Mit beiden ist es bei vielen oft arg bestellt, so daß so manches liebe Jungchen mit Zittern und Zagen dem bedeutungsvollen Tage der osterlichen Zensurverteilung entgegensieht. Weiß es doch leider nur zu genau, was ihm bevorsteht, wenn es mit Nummer 2 oder 3 nach Hause kommt. Harte Väter begnügen sich häufig nicht einmal mit einer Züchtigung, sondern sie verdammen die kleinen Sünder unerbittlich zu langem Stuben⸗ arrest während der Festtage, sie entziehen ihnen die üblichen Ostergeschenke und ihren Auteil am Osterkuchen, und was dergleichen schreckliche Bußen mehr sind. Wir bekennen offen, daß wir der⸗ artige rigorose Mittel aufs schärfste mißbilligen. Sie vergällen und verbittern den Kindern unnütz das Leben, und sie erreichen meist nicht einmal den beabsichtigten Zweck. Durch übermäßige Strenge werden jugendliche Herzen nur verhärtet, nicht gebessert. Strafe muß sein, aber sie wird sich um so wirksamer erweisen, je schneller ihr das Verzeihen auf dem Fuße folgt. Und ist denn wirklich ein Schulzeugnis es wert, so viel Auf⸗ hebens davon zu machen? Wie häufig erleben wir's, daß gerade mittelmäßige Schüler sich zu tüchtigen und nützlichen, ja hervorragenden Mit—
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gliedern der Gesellschaft emporarbeiteten, während denen man eine glänzende Zu⸗ kunft prophezeite, die Hoffnungen ihrer Lehrer . wollen Lanze für allzu große Nachsicht kindlicher Trägheit gegenüber brechen. Wir möchten nur unsern väterlichen Erziehern dringend ans Herz legen, es bei mäßigen Strafen bewenden zu lassen und ihre Sprößlinge nicht der spärlichen Festtage, die ihnen im Laufe des Jahres vergönnt sind, graufam zu berauben. Durch Milde und Sanftmut erreicht man bei Kindern mehr, als durch Strenge und Härte, die vielfach zu Trotz und Heuchelei führen, statt
fleißige Streber,
und Eltern keineswegs erfüllen.
1 1 Wir hiermit nicht etwa eine
sogenannte Musterkinder heranzubilden!
Seligenstadt, 7. April. Der Bürger unsrer Sebastian Stadler, feierke gestern in
Ehrungen bereitet. Darmstadt, 7. April.
Reiters mindestens 4 Meter zu messen.
18. August 1896 10
dem Paradeplatz aufgestellt zu übergeben.
Abschlagszahlungen entrichtet.
*Darmstadt, 7. April. Die
tiger Fragen zu befinden.
älteste Stadt, Herr Schreinermeister voller Körperrüstigkeit und Geistesfrische seinen 90. Ge⸗ burtstag. Dem mit Glücksgütern wenig ge⸗ segneten Jubilar wurden aus dieser Veranlassusig von seinen Freunden und Gönnern mehrfa che
Unserer gestrigen Nachricht, daß dem Professor Schaper die Aus⸗ führung des Reiterstandbildes Ludwigs IV. übertragen wurde, können wir heute auch die Bedingungen hinzufügen, unter denen Schaper die Ausführung übernimmt. Das Reiterstand⸗ bild hat von Oberkante Plinthe bis Scheitel 97
er Künstler verpflichtet sich, das Hilfsmodell in halber Größe des Ausführungsmodells bis zum an Ort und Stelle auf Das Hilfsmodell für Postament und Reiter unterliegt nach seiner Fertigstellung der Genehmigung des Landesausschusses. Die vertragsmäßige Honorar⸗ summe von 150000. begreift sämtliche für das Deukmal zu leistenden Arbeiten und Liefe⸗ rungen in sich und zwar I. Ausführung der Modelle in halber und ganzer wirklicher Größe, 2. Erzguß mit Materiallieferung und Ziselierung, 3. Ausführung des Unterbaues in seinen Haupt⸗ teilen aus fein poliertem schwedischem Granit, samt den daran anzubringenden Schmuckstücken, Inschriften und dergl. Für die Fundamentierung, deren Herstellung und Kosten dem Landesaus⸗ schuß zufallen, liefert der Bildhauer die betreffende genaue Zeichnung und unterzieht vor Aufstellung des Postaments die Fundamente bezüglich der guten und richtigen Ausführung einer Prüfung. Das Honorar wird je nach dem Voranschreiten der Arbeit in— der Größe nach bestimmten—
neuliche Voraussage, daß der hessische Landtag dies⸗ mal ausnahmsweise nicht vor Hochsommer ge⸗ schlossen werde, darf jetzt als Thatsache gelten. Die Kammern haben noch über eine Reihe wich⸗ Dahin gehören in
schen Ludwigsbahn und das desfallsige Abkommen mit Preußen wegen Ordnung der künftigen Eigentums⸗ und Betriebs⸗Verhältnisse, ferner der Gesetzentwurf über die Verstaatlichung der Polizei in den größeren Städten, insofern die Regierung nicht vorzieht, dieses auf allen Seiten ungünstig aufgenommene Projekt, das jedenfalls außerhalb der rot-weißen Grenzpfähle entstanden ist, als aussichtslos eee
„ Darmstadt, 7. April. Medizinalrat Küchler wollte heute in feinem Wagen einen Schluck Sherry nehmen, vergriff sich aber in der Flasche und nahm Karbol. Sein Zustand ist gefährlich, aber nicht hoffnungslos. Herr Küchler ist eiuer der meistbeschäftigten hiesigen Aerzte und seit Jahren Stadtverordneter.
Darmstadt, 7. April. Als Ergänzung unserer Notiz über die ablehnende Haltung der hessischen Städte gegenüber dem Gesetzentwurf über die Verstaatlichung der Polizei können wir noch mitteilen, daß sich die Vertreter der größeren hessischen Städte dahin einigten, von demGesetzentwurf vollständig abzusehen, dafür aber das Verlangen hei der Regierung zu stellen, daß 1. eine vollständige Neuregulirung der bestehenden Polizeiverhältnisse eintrete, u. daß für die Folge die städtische Polizeiverwaltung nicht mehr wie seither den Kreisämtern sub- sondern coordinirt werde, die Instanz der Kreisämter also in Wegfall komme, 2. daß die zwischen Staat und Stadt zu verte ilenden Kosten der Polizeiverwaltung nach den wirklichen Leistungen geschehe und 3. daß sich die Städte für einen Uebergang der Kriminal⸗ und Sicherheitspolizei an den Staat bereit finden lassen. Bezüglich des letzten Punktes erklärte der Vertreter von Mainz, daß es sich demselben nicht anschließe, sondern daß die Stadt Mainz nicht gewillt sei, auch nur einen Teil ihrer po⸗ lizeilichen Selbstständigkeit aufzugeben.
Mainz, 7. April. Zur Verstgatlichung dergudwigsbahn. Gegenüber der Meldung, daß die Verwaltung der Bahn das neueste Angebot der Regierung nicht ablehnen, sondern vielmehr den Aktionären mit einigen Verbesserungen zur Annahme empfehlen werde, wird mitgeteilt, daß die maßgebenden Kreise der Verwaltung der Bahn zu dem Entschlusse gekommen sind, vorerst jede Kundgebung gegenüber dem Regierungsvorschlag zu unterlassen und zunächst abzuwarten, welche Haltung die Majorität bei der bevorstehenden Generalversammlung einnehmen wird.
Mainz,. April. Schon wieder wurde in einem Hause der Schollstraße ein Einbruch verübt und dabei verschiedene Mansardenthüren in derselben Weise erbrochen, wie dies in der letzten Zeit wiederholt geschah; auch die in den, Zimmern befindlichen Koffer und Kisten waren in der gleichen Weise geöffnet worden, so daß wohl kaum ein Zweifel besteht, daß der seitherige Einbrecher auch diese That verübt hat. Ge⸗
erster Linie die Verstaatlichung der Hessi—
stohlen hat der Dieb wieder eine ganze Anzahl von Schmuckgegenständen, während er sämtliche
& Cie, Wie Onkel Johnny zu seiner f Frau kam.
„
rng) Erzählung von O. Sandor.
Als ich in einem Briefe an meine Mutter ge⸗
ntlich einmal auf den Busch klopfte, erfuhr ich,
aß die beiden Damen wirklich noch dort wohnten,
fiekchen aber anscheinend ebenso menschenscheu ge—
dorden sei als ihre Tante.
lan sie nie und nirgends als höchstens bei ihrer
heschäftigung im Garten.
Nichts war mir angenehmer zu lesen als diese
Nach kurzem Zaudern entschloß ich
echt amerikanisch
diekchen ohne weitere Umstände meine Hand anzu⸗
Denn wie diese sähe
Ich schrieb ihr also eines Tages einen langen ief, worin ich ihr meine lauge gehegte Neigung fr sie gestand, ihr meine Verhältnisse darlegte und bat, hierherzukommen und meine Frau zu werden. 1 Jenn sie die Einsamkeit der langen Reise scheute, dollte ich auch kommen und sie holen.
Nach vier Wochen kam die Antwort— und elche Antwort: Eine glückstrahlende, überschweng⸗ he Epistel, in der sie mir schrieb, daß sie, sobald e Sachen drüben geordnet wären, mit dem lüchsten Schiff käme.
Ich muß gestehen, daß ich diese Bereitwilligkeit is Eingehens auf meine Wünsche von dem stillen ädchen, das mich kaum dem Ansehen nach je ge— nicht erwartet hatte— ja, daß sie Viel eher hatte ich eine keine Antwort befürchtet. entlich habe ledig bleiben
lehnende oder auch gar Sie schrieb, daß sie eig
wollen; die Treue, die Selbstlosigkeit und die Glut meiner Liebe habe sie aber gerührt, und so hoffe sie auf ein wahres, reines Glück an meiner Seite.
Ich weiß nicht, wie mir in den nächsten Wochen und Monaten zu Mute war. Zuweilen stieg etwas wie eine Ahnung in mir auf, daß ich einen dummen Streich begangen habe, und dann mußte ich mir erst Riekchens Bild vor das Gedächtnis zitteren, um dieser Gedanken Herr zu werden.
Ich hatte weder meinen Eltern etwas von meinen Entschlüssen geschrieben, noch Onkel Johnny in meine Pläne eingeweiht.
Nach etwa zwei Monaten teilte mir Riekchen oder wie sie sich immer unterzeichnete„Friederike“ mit, daß sie sich nunmehr einschiffen werde, und nach einigen Wochen meldete mir unser Clerk eines Morgens, daß im Komptoir eine Dame auf mich warte, die sich Friederike Wallau nenne, und die mich zu sprechen wünsche.
Ich stürze, fliege vielmehr die Treppe hinunter. Bei meinem Eintritt erhebt sich eine Dame vom Stuhl und geht mir entgegen. Erschrocken pralle ich zurück, denn trotzdem sie verschleiert ist, sehe ich, daß diese untersetzte, korpulente Gestalt nicht dem Bilde entspricht, das ich von dem schlanken, zarten Riekchen vor Augen habe. Jetzt lüftet sie den Schleier, und ich blicke in das behäbige, freundliche Gesicht einer etwa fünfundvierzigjährigen Frau, das mir in diesem Moment eher wie ein Medusen- als wie ein menschliches Antlitz erscheint...
„Sie sind Fräulein Riekchen Wallau aus B.? stottere ich.
„Natürlich— ja,“ erwidert sie,„und Sie..
haben uns soeben verlobt..
verzeihen Sie, ich hätte mir Sie ein wenig älter vorgestellt...“
Ich murmele etwas Unverständliches und denke im Stillen, daß ich mir lieber eine Kugel in den Mit dreiundzwanzig Jahren ist man noch leicht zu tra⸗ gischen Entschlüssen geueigt, selbst wenn man akkli⸗
Kopf jage als diese alte Schachtel heirate.
matisierter Amerikaner ist.
Dann stottere ich plötzlich eine Entschuldigung, renne aus dem Zimmer und komme wie ein Ra—
sender in Onkel Johnny's Komptoir gestürzt.
Onkel Johnny hörte sich meine konfuse Beichte
ruhig an.
„Scheint ein Irrtum vorzuliegen,“ sagt er, als ich geendet.„Mißverständnis!— Ruhig Blut, old boy! Zum Totschießen hat's noch immer Zeit. Schlimmsten Falls opfere ich mich und hei⸗ rate die Alte, das heißt, wenn sie den Stellver— treter annimmt. Werden gleich sehen...“
Damit ist er auch schon zur Thür hinaus.
Ich bleibe mit gemischten Gefühlen zurück. Nach einer Stunde öffnet sich die Thüre wieder, und herein tritt—— Onkel Johnny, Arm in Arm mit der Alten..
„Meine Braut, Deine zukünftige Tante,“ stellt Onkel Johnny vor.„Fräulein Wallau und ich Tableau!
Fräulein Friederike macht noch ein etwas ver⸗
legenes Gesicht, scheint aber nicht unzufrieden mit dem Personenwechsel, und Onkel Johuny sieht auch
nicht so aus, als ob ihm das Opfer große Schmerzen bereite. Aufrichtiger ist sicher nie ein Glückwunsch gesprochen als der meine. So nach und nach er⸗ kundige ich mich so um den Busch herum nach dem jüngeren, dem„rechten“ Riekchen.
Da wird Fräulein Wallau plötzlich ganz ver⸗
wirrt. Das sei der wunde Punkt, meint sie, zwar sehne sie sich sehr nach dem Schutze und der Liebe eines Lebensgefährten; aber das Riekchen, ihrer verstorbenen Schwester einziges Kind. könne sie darum nicht verlassen. Und darum habe sie es mitgebracht; es warte im Hotel auf ihre Rückkehr. Hoffentlich habe ihr lieber Bräutigam uichts da⸗ gegen, daß ihr stilles, bescheidenes Nichtchen bei ihr bleibe.
Nein, Onkel Johnny hatte nichts dagegen und ich auch nicht. Mir wurde plötzlich ganz schwim⸗ melig und konfus vor lauter Freude. Ich erfuhr noch, daß das rechte Riekchen mit Vatersnamen nicht Wallau, sondern Petersen heiße(daher die Adressenverwechselung und der heillose Irrtum, dann war ich auch schon auf dem Wege zum Hotel, zu ihr, der einzigen— Rechten.
Sieben Jahre sind seitdem vergangen. Tante Rieke ist meine mütterliche Freundin geworden. 8“ ist aber auch eine liebe verständige Frau; daß ihr damals— auf ihre alten Tage der Heiratsteufel zu Kopf gestiegen, ist ihr weiter nicht zu verübeln und ist uns Allen zum Glück geworden.
Denn Riekchen, die jüngere, mein liebes Frauchen, der ich später die komische Verwechflung beichtete, versicherte mir, daß sie auf den schriftlichen Heirats⸗ antrag des unbekannten Amerikaners sicher nicht so nolens volens reingefallen wäre, und das glaube ich ihr ohne weitere Beteuerungen.
K ist ein herziges Weibchen— mein Rielchen!
So ist Onkel Johnny zu seiner Frau gekommen und ich zu meiner.
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