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Gießen, Sonntag, den 9. Februar
1896.
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Ausgabe
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Gießen.
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Redaktion:. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 2 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die ispaltige Petitzeile. 2 Kreuzplatz Nr. 4.
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer. Darmstadt, 7. Februar.
Die Zweite Kammer berieth heute zunächst den Ge—⸗ setzentwurf auf Erhöhung der Volksschullehrerge— hälter. Der Entwurf setzt den Maximalgehalt für alle Lehrer bei guter Dienstführung(auch in den kleinsten Gemeinden) nach 27jähriger Dienstzeit auf 2000 Mk. fest. Berichterstatter Bergsträßer: Hiermit sind die bei der Berathung des Volksschullehrergesetzes von 1890 geäußer⸗ ten Wünsche erfüllt. Hessen marschire in Bezug auf die Höhe der Gehälter an der Spitze der deutschen Staaten. Hoffentlich seien nun auch die Volksschullehrer auf eine Reihe von Jahren gänzlich zufriedengestellt. Nur wegen der Pensionsverhältnisse treten noch einzelne Wünsche auf. Hat ein Lehrer, den nach der aufgestellten Skala ihm zukommenden Gehalt noch nicht erreicht, so schießt der Staat den Fehlbetrag als Alterszulage zu. Referent empfiehlt ein weiteres schrittweises Vorgehen bezüglich der Uebernahme aller Volksschullasten auf den Staat. Ein Inkrafttreten des Gesetzes sei aus finanziellen Gründen erst am 1. April 1897 zu ermöglichen. Man möge den Entwurf thunlichst einstimmig annehmen. Dr. Schmitt versichert die Sympathien seiner politischen Freunde, ebenso Cramer namens der Sozialdemokraten, welche nament— lich die mittleren Dienstjahre mit besserem Gehalt dotirt zu sehen wünschen. Die Regierung bat durch ihre Com⸗ missäre, an der Skala nicht zu rütteln; sie habe allgemein befriedigt. Graf Oriola empfahl unveränderte Annahme des Gesetzes und bat, auch Verbesserungen für die vor 1890 pensionirten Lehrer vorzusehen.
Auf Anregung Osanns erörtert der Staatsminister Finger die Gründe, welche ein Inkrafttreten der Be⸗ stimmungen erst vom Beginn der nächsten Finanzperiode ab ermöglichen. Sie sind gesetzlicher und finanzieller Natur. Finanzminister Weber legte die Finanzlage dar. Aus direkten Steuern ist gegen den Voranschlag eine Mindereinahme von Mk. 300,000 zu erwarten, während die Abrechnungen mit dem Reich einen annähernden Aus⸗ gleich erwarten lassen. Im Ganzen gelangte der Minister zu dem Resultat, daß in der nächsten Finanzperiode zwei Millionen Mark aus der Erhöhung der Steueranschläge gedeckt werden müssen.
Ullrich bezeichnet die Schilderungen des Finanz⸗ ministers als übertrieben und polemisirt gegen Osann, welcher sich unter„tadelloser Führung“ wohl vorstellt, daß der Lehrer gut nationalliberal sei. Zunächst werde er für Besserstellung der unteren und mittleren Alters- stufen stimmen; in zweiter Linie für den Regierungsent⸗ wurf; das Gesetz solle gleich in Kraft treten. Für die alten Pensionäre sei rascheste Aufbesserung, mit Rücksicht auf ihr hohes Alter nöthig. Metz(Gießen) erklärt im Namen der Freisinnigen, daß das Gesetz allen Bedürfnissen entspreche. Auch er beanstande die Fassung bezüglich tadelloser Dienstführung.
Wolfskehl hält die Bemängelung für grundlos. Staatsminister Finger ist erfreut, daß keine Abstriche an den Gehaltssätzen beantragt worden, giebt aber im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes zu bedenken, daß die Regierung ein früheres Inkrafttreten dem Groß⸗ herzog im Interesse des Landes nicht empfehlen könne. Die Verhandlungen wurden damit auf morgen vertagt.
Die Sozialdemokraten haben in einem Ersuchen an die Regierung beantragt, den Ständen alsbald einen Gesetzentwurf Zwecks einheitlicher Regelung des Begräbnißwesens und Aufhebung des franzö— sischen Dekrets vom 23. Prairial des Jahres 12 der Republik vorzulegen.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 8. Febr. Ueber den gestrigen Vortrag des Herrn Dr. Müller:„Von Darwin bis Bebel und Nietzsche“ erhalten wir von einem Leser unserer Zeitung mit der Bitte um Veröffentlichung folgenden Bericht: „Seit Jahrzehnten— so begann der Redner— leben wir in einer Revolution, hervorgerufen durch die Fortschritte in der Naturwissenschaft, welche alle anderen Wissenschaften beeinflusse. Die Naturwissenschaft habe uns von der Speku⸗ lation auf den Boden der Wirklichkeit zurück⸗ eführt. Alles stützt sich jetzt auf naturwissen⸗ scaffliche Grundlagen— oft allerdings unbe— rechtigter Weise. So berufe sich sowohl der Bebel' sche Kommunismus wie der Nietzsche'sche Individualismus auf die Darwin'sche Theorie, die Redner in knapper Weise erläuterte. Beide— Bebel und Nietzsche— hätten deshalb be— sonderes Interesse für uns, weil sie, obwohl sche verschiedenartige Theorien verfechtend, sich gleichermaßen auf Darwin stützten. Und weiter müßten sie uns interessiren, weil beide Schule gemacht hätten. Bebel habe Millionen hinter sich. Nietzsches Gemeinde sei allerdings nicht so stark, aber geistig wären seine Anhänger wohl bedeutender als die Sozialisten. Während Darwin die Entstehung der Arten durch den Kampf ums Dasein und die natürliche Zucht⸗ wahl erklärt, wolle Bebel, der sich doch auf die Darwin'sche Theorie stütze, den Kampf ums Da⸗ sein beseitigen. Richtiger wäre der Standpunkt
Mietzsche's, dessen Ideal eine neue Art Mensch
sei: der Uebermensch. Falsch sei bei Nietzsche sowohl als Bebel die Stellung zum Christentum. Das Christentum sei keine vergängliche Welt— anschauung. Es ist Wirklichkeit an sich und des— halb nicht gebunden an dogmatische Auschauungen und Gebräuche. Das Christentum ist auch nicht festgelegt auf bestimmte Moralgesetze oder be— stimmte soziale und politische Einrichtungen. Bebel ging in seinem Fanatismus so weit, allen Gelehrten, die den Sozialismus bekämpfen, vor— zuwerfen, sie handelten aus Eigennutz. Zugeben müsse man ohne Weiteres, daß Bebel von allem, was er sage, überzeugt sei. Er sei ein ehrlicher Phantast, der an seine Utopien glaube. Das Schlimme des Sozialismus bestehe darin, daß er wohl dem Satze huldige:„Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ Die sozialistische Lehre gipfele darin, daß die Ge— samtheit Alles, der Einzelne Nichts sei. Alle Produktionsmittel sollten Gesamteigentum sein. Alle Verschiedenheit, alle Rangordnung höre auf. Der Sozialismus sei ein Ideal, losgelöst von aller Wirklichkeit. Nicht in der Darwin'schen, sondern in der Rousseau'schen Theorie wurzele der Sozialismus. Bebel ginge in seiner Gleich— macherei so weit, daß er behaupte, sogar die ge— schlechtlichen Unterschiede könnten in Bezug auf die geistige Ungleichheit aufgehoben werden. Weismann habe aber den Nachweis geliefert, daß nicht anerzogene, sondern nur angeborene Eigenschaften weiter vererbt werden könnten. Der Bebelsche Zukunftsstaat erfordere aber schon bei der Etablierung, daß alle Menschen gleich seien. Da das unmöglich zu erreichen sei, so müsse dieser Staat schon deshalb zusammenbrechen. Jede Entwickelung müsse aufhören, wenn die Ver⸗ schiedenartigkeit des Individuums aufhöre. Die Entwickelung jetzt schlummernder Talente im Zukunftsstaat, wie sie Bebel voraussage, sei un⸗ möglich, wenn alle gleich gestellt seien. Das ganze menschliche Bewußtsein widerspreche dem Sozialismus. Das höchste Bewußtsein des Menschen sei eben die Eigenart des Individuums. Erst das Privateigentum mache die Individualität. Kein gebildeter Mensch werde sich die Verge— waltigung des Zukunftsstaates gefallen lassen. Das Heerdenvieh, wenn er sich so ausdrücken dürfe, werde alle Kultur zu Grunde richten. Doch wenn wir auch diesen Zukunftsstaat in seiner Jämmerlichkeit zerreißen, verurteilen, so wäre die soziale Frage damit nicht gelöst. Diese Frage sei die Folge des Kapitalismus. Die Lösung dieser Frage wäre weiter vorgeschritten, wenn Bebel mit seinem Zukunftsstaat der Mensch— heit keine Angst gemacht hätte. Die Unterstützung der Sozialdemokratie durch reiche Leute geschähe nicht, weil sie erwarteten, bei einem etwaigen Aufstand geschont zu werden, sondern weil die Kapitalisten hofften, daß durch die Fortschritte der Sozialdemokratie die Lösung der sozialen Frage, die ihnen ziemlich teuer käme, hinausgescho— ben würde. Nietzsche ist das gerade Gegenteil von Bebel. Er will nicht gleichmachen, sondern den Uebermenschen produzieren. Er könne sich da mit mehr Recht als Bebel auf Darwin be— rufen. Seine Gegnerschaft dem Christentum gegenüber sei aber ganz und gar ungerecht⸗ fertigt. Das Christentum lehre auch nur die Gleichheit vor Gott, im Uebrigen die Un- gleichheit im Rang, was Redner durch Bibel— citate belegt. Nietzsches Kampf gelte allen Kranken und Schwachen, die er vernichten, denen er aber nicht helfen will, damit sie nicht die Schwäche fortpflanzen könnten. Die Liebe des Nächsten sei nach Nietzsche Schwäche. Er vertrete eine Herren- und Sklavenmoral. Rücksichtslos das Ich zur Entwickelung zu bringen und Nieder- schlagung alles dessen, was im Wege stehe, das ist Nietzsches Moral. Man sehe also Utopie hüben und drüben— bei Bebel und Nietzsche. — Was das rechte Ideal sei, will Herr Dr. Müller in seinem nächsten Vortrag ausführen. — Er erklärte sich bereit, etwaige Fragen in seiner Wohnung privatim beantworten zu wollen. Wir meinen, es wäre richtiger, wenn Herr Dr. Müller Diskussion gestattete und die an ihn gestellten Fragen öffentlich beant⸗ wortete. Denn es kam uns vor, als habe Herr Müller den„sozialistischen Zukunftsstaat“ nach berühmten Mustern sich selbst konstruiert und dann allerdings leichtes Spiel gehabt, denselben zu vernichten. Bebel hat in Gießen selbst gesprochen. In seinen Ausführungen, die wir mit großem Interesse verfolgten, war aber von Absichten, wie sie Herr Müller ihm imputirte, keine Rede. Weiter sei daran erinnert, daß Bismarck seiner Zeit im Reichstag erklärt hat,
daß das bischen Sozialreform nur die Folge
des Auftretens der Sozialdemokratie sei. Herr Dr. Müller dagegen vertritt die An— schauung, daß die Sozialdemokratie die Lösung der sozialen Frage hinausschiebe.“
Gießen, 8. Febr. Nach einer Verfügung des Königl. Preußischen Kriegsministerums wird beabsichtigt, die Stenographie nach Neu— stolze'schem System in den Kapitulanten⸗ schulen der Armee fakultativ lehren zu lassen. Dies ist ein Beweis, daß unsere Heeresver⸗ waltung den Nutzen und die Vorteile der Steno— graphie erkannt hat.— Es würde zu weit führen, hier den Nutzen der Stenographie für das Heer in Bezug auf Befehlserteilung ꝛc. näher zu er⸗ läutern. Hoffentlich wird wohl auch bald das Unterrichtsministerium diesem Beispiel folgen und die Kurzschrift in sämmtlichen Schulen ein⸗ führen.
Gießen, 8. Febr. In der Gynäko⸗ logischen Klinik sind mit dem ersten Februar 24 Hebammenschülerinnen eingetreten.
Gießen, 8. Febr. Bei der gestrigen Jag d⸗ verpachtung erregte das für den Jagdbezirk Seltersberg abgegebene Höchstgebot von Mk. 400 deshalb ein homerisches Gelächter der zahlreich erschienenen Jäger, weil der Bieter, Fa⸗ brikant Busch, sich damit selber überboten hatte, denn das nächste höchste Gebot mit Mk. 350— hatte er ebenfalls gemacht. Bei der Unterzeich⸗ nung des Protokolls erklärte allerdings Herr Busch die Jagd nur zum Preise von Mk. 350.— übernehmen zu wollen, weil sein Nachgebot auf einem Irrthum von seiner Seite beruhe.
Gießen, 8. Febr. Sonntag, den 9. Febr. hält der alte große Karnevalverein Gießen seine zweite große karnevalistische Damensitzung in Lony's Bierkeller ab.(Siehe Inseratenteil.)
Gießen, 8. Februar. Die Landsmannschaft Darmstadtia feiert heute ihr Stiftungs— fest, weshalb in deren Farben vielfach in der Stadt geflaggt wird.
* Gießen, 8. Febr. Mitten in die bunten Karnevalsfreuden des Lebens hinein zuckt wohl manchmal, jäh wie ein Blitz aus wolkenlosem Himmel, die Kunde von dem plötzlichen Tod eines lieben Freundes. Dein Auge, das eben noch Heiterkeit sprühte, blickt starr, der Becher, den du zum Munde führen wolltest, entgleitet der Hand, dein Herz scheint stille zu stehn, und in dumpfem Hinbrüten sinnst du den unerforsch— lichen Ratschlägen des Schicksals nach. Ein namenloses Entsetzen faßt dich und schnürt dir die Kehle zu, ein fröstelndes Angstgefühl lähmt deine Glieder. Du möchtest weinen, aber die lindernde Thräne versagt sich dir, denn der herbe Schlag kam gar zu unerwartet. Erst neulich warst du dem Freunde begegnet und hattest fröhliche Worte mit ihm getauscht. Er gab sich so unbefangen, so sorglos; sein Auge glänz'e so ruhig, kein Schatten von Wehmut und banger Sorge trübte seine Stirn— nichts, nichts in seinem Wesen, in der Art, wie er sprach, wie er lächelte, deutete auf die schreckliche Katastrophe hin, die nun unwiderruflich eingetreten ist. Mit kräftigem, wenn auch etwas flüchtigem Hände— druck schiedest du von ihm und dachtest seiner nicht mehr in dem festlichen Trubel, der dich mit rauschenden Wogen umfing. Seltsam, wie er nun auf einmal dein ganzes Denken und Fühlen gefangen hält. Im Leben warst du, obwohl ihr euch Freunde nanntet, halb achtlos an ihm vorübergegangen; jetzt dämmert dir plötzlich eine melancholische Ahnung davon auf, was er dir, was du ihm hättest sein können; wie ein Schleier wallt es dir hernieder, und deutlich und klar erkennst du die tiefe Tragik eures Verhältnisses, das scheinbar ein so festes und schönes, aber in Wirklichkeit ein so ober— flächliches und unvollkommenes war. Jetzt erst liebst, jetzt erst vermissest du ihn; jetzt erst empfindest du ganz den schmerzlichen Verlust, den du erlitten hast. Vorbei! Er kehrt niemals wieder. Manchmal noch, in einsamen Nächten, wirst du aus wirren Träumen emporschrecken und seiner gedenken; und um so brennender wird die Erinnerung für dich sein, je mehr du dir sagen mußt, daß du im bunten Freudentaumel vergaßest, ein Herz zu gewinnen, das dir voll Liebe entgegenschlug und das lange vor der Zeit, die ihm nach menschlichem Ermessen be⸗ schieden war, in unerfüllter Sehnsucht ge— brochen ist!
* Södel, 8. Febr. Im Monat Juni d. J. feiert der hiesige Gesangverein„Eintracht“ das Jubelfest seines 50jährigen Bestehens. Der Verein wurde im Jahre 1844 gegründet und die Fahne 1846 angeschafft.
* Darmstadt, 7. Febr. Eine aus dem
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Modauthal stark besuchte Versammlung sprach sich gestern Abend einstimmig für baldige Schaffung einer Bahnlinie Darmstadt⸗Lindenfels über Ober-Ramstadt aus; sie beauftragte das Komits und die Vorstände zahlreicher Vereine, bei der Regierung, bei den Landständen und der Bürgermeisterei Darmstadt in diesem Sinne thätig zu sein.
Darmstadt, 7. Febr. In eine höchst lebensgefährliche Lage kam heute Nacht ein Musiker in der Kranichsteinerstraße. Er war in betrunkenem Zustande durch ein Dachfenster seiner Wohnung auf das Dach gestiegen und daun bis zum Schneefänger gerutscht, wo er— bis auf das Hemd entkleidet— sitzen geblieben ist, bis gegen ½4 Uhr ein Schutzmann die Straße passierte. Dieser bemerkte den Mann, worauf durch ihn mit Hilfe der Hausbewohner der Musiker von seinem luftigen Platz glücklich weggebracht wurde. Ohne den Schneefänger wäre der Musiker zweifellos auf die Straße gestürzt.
Mainz, 7. Febr. In dem Kuppelei⸗ prozeß gegen die Ehefrau Justiue Speith, welcher in voriger Woche vor der Strafkammer des Landgerichts verhandelt wurde, ist heute das Urteil gesprochen worden. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt, das Ge⸗ richt verurteilte die Angeklagte zu 4 Monaten.
i. Mainz, 7. Februar. Von Seiten der Militärbehörde wurden heute sämtlichen Metzgermeistern, die seither die Lieferungen von Fleisch an die hiesigen Regimenter über⸗ nommen hatten, die Verträge per 1. Juli ge⸗ kündigt. Die Militärbehörde beabsichtigt nam⸗ lich, sämtliche Fleischlieferungen der ganzen Garnison an einen einzigen Unternehmer zu vergeben. Das soll wohl eines der Mittel sein, mit denen man dem Mittelstand helfen will? Vielen Kleinen wird hier der Ver⸗ dienst genommen, einem einzigen Großen wird er zugeteilt. Die Folgen derartiger Praktiken sind für jeden Menschen klar ersichtlich.
Letzte Telegramme.
Hd. Berlin, 8. Febr. Von den National⸗ liberalen ist eine Interpellation im Reichstage eingebracht worden, worin die verbündeten Regie⸗ rungen gefragt werden, welche gesetzgeberischen Maßnahmen dieselben angesichts der ungün⸗ stigen Lage der Arbeiterinnen der Wäsche⸗ Fabrikations- und Konfektions-Branche zum Schutze für Gesundheit und Sittlichkeit und gegen die Ausbeutung dieser Arbeiterinnen durch das Druck⸗System zu ergreifen beabsichtigen.
Hd. Berlin, 8. Febr. Am 26. ds. Mts⸗ findet hierselbst ein christlich-sozialer Par. teitag statt.
Hd. Berlin, 8. Februar. Der Rektor der Universität, Prof. Wagner, hat sich brieflich mit dem Entschluß Stöckers bezüglich seines Austritts aus der konservativen Fraktion ein⸗ verstanden erklärt.
Hd. Dresden, 5. Februar. In sechs großen sozialistischen Versammlungen, welche gestern Abend hier abgehalten wurden, gelangten Protest-Resolutionen gegen die neue Wahlvorlage zur Annahme.
Hd. Wien, 8. Febr. Nach einer Meldung der offiziösen„Abendpost“ werden die Gemein de⸗ ratswahlen am 27. Februar beginnen.
Hd. Luxemburg, 8. Febr. In den letzten Tagen sind mehrere Soldaten des 69. In⸗ fanterie-Regiments aus Trier in Uniform und mit ihren Waffen über die Luxemburgische Grenze desertiert. Die Waffen mußten sie bei der Gendarmerie-Grenzwache in Echternach abliefern. Die Mehrzahl der Deserteure sind Elsäßer, welche sich über zu schlechte Behandlung seitens der Unteroffiziere beklagten.
Hd. Paris, 8. Febr. Der„Figaro“ kommt heute wieder auf den Zwischenfall des Militär⸗ Attaches bei der Berliner Botschaft Schiffs⸗ lieutenant Mandat de Grancey zu sprechen und versichert, daß die Abberufung des Botschafters Herbette eine festbeschlossene Sache sei. Da⸗ gegen behauptet der„Rappel“, daß durchaus keine Rede davon sein könne, Herbette abzurufen. Hd. Paris, 8. Febr. Aus Tonkin wird gemeldet, daß die französischen Truppen einen Kampf mit Chinesen zu bestehen hatten, wobei die ersteren einen Verlust von drei Toten und 30 Verwundeten hatten.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.


